Alex Ferguson und die Reise nach Canvey Island

Nach fast 27 Jahren endet die Ära von Sir Alex Ferguson bei Manchester United. Der Schotte katapultierte die Red Devils von der vierten Kraft zum Rekordmeister. Er sägte erfolgreich am Ast des ewigen Rivalen Liverpool und erreichte in den letzten sechs Jahren dreimal das Champions League-Finale. Gegen den Ball berichtet über seine Beinahe-Rekordamtszeit, empfiehlt die Trainersuche auf Canvey Island und weiß, warum Jürgen Klopps Verpflichtung eine doppelte Premiere wäre.

Das Gegenteil vom Schleudersitz: Trainer bei Man Utd

Sir Alex Ferguson wird als der erfolgreichste Trainer in die Geschichte des Clubs eingehen. Allerdings ist das bei Manchester United nicht selbstverständlich. Während man Gelsenkirchen vermutlich in Fergietown umbenannt hätte, denn Schalkes längste Trainer-Ära betrug 5 Jahre und 8 Monate (Huub Stevens), gibt es bei Manchester United mit Matt Busby eine weitere Trainerlegende, die über 20 Jahre im Amt war.

Busby, der ebenfalls Schotte war, trainierte die Red Devils von 1945-1969 (und 1970-1971). Er war fast 23 Jahre durchgehend verantwortlich und sein Rekord wurde erst 2010 von Ferguson abgelöst. Unter Busby holte der Club fünf Meistertitel, zwei FA Cup-Siege und einen Landesmeistertitel. Das klingt so, als sei Manchester United auch schon vor Ferguson die Nummer eins in England gewesen. Dem ist nicht so.

Manchester United gleich auf mit Aston Villa

Bei seinem Einstieg als Trainer der Red Devils 1986 lag die letzte Meisterschaft 19 Jahre zurück. Bis 1986 hatte Manchester United siebenmal den Titel gewonnen. Liverpool war zu diesem Zeitpunkt der Rekordmeister mit 16 Meisterschaften, Everton und Arsenal lagen mit acht Meistertiteln ebenfalls vor Manchester United und Aston Villa mit sieben Titeln gleichauf. Die sechs Meisterschaften des AFC Sunderland stammten noch aus den 30er Jahren.

Noch 1998 bewegten sich Arsenal und Manchester United mit 11 Titeln auf Augenhöhe. Doch in den kommenden 15 Jahren holte Ferguson neunmal den Titel. Dadurch konnte Ferguson nicht nur den Rivalen Arsenal abhängen, sondern gewann das weitaus wichtigere Duell gegen den FC Liverpool.

Den Rivalen abgehängt

Die beiden Metropolen im Nordwesten Englands stritten sich seit Jahrhunderten um die ökonomische und kulturelle Vorherrschaft in Lancashire und für den Schotten Ferguson war es Teil seines Lebenswerkes, die sportliche Vorherrschaft im Duell mit Liverpool zu erlangen. In der Saison 2008/09 lieferte sich Manchester United mit Liverpool noch einen Kampf um den Titel. Am Ende zogen die Red Devils durch den 18. Titel mit den Reds gleich.

„Meine größte Herausforderung war es, an dem verdammten Ast zu sägen, auf dem Liverpool saß. Das können sie so schreiben“, so Ferguson in seiner unnachahmlichen Direktheit. 2011 war es dann so weit. Der neue Rekordmeister hieß endgültig Manchester United und Ferguson wollte von seinem Spruch nichts mehr wissen. „Ich weiß nicht, ob ich das wirklich so gesagt habe. Es ist nicht so sehr entscheidend, dass wir Liverpool überholt haben. Entscheidend ist, dass wir nun das beste Team des Landes sind, was die nationalen Titel angeht.“

Mit den zwei gewonnenen Champions League-Titeln bei vier Teilnahmen hat Ferguson Manchester United auch international zu einem der Topclubs in Europa gemacht. In drei der letzten sechs Endspiele war sein Team Finalteilnehmer in Europas Königsklasse. Doch was bedeutet der Verlust von Alex Ferguson für Manchester United in der Zukunft?

Neuer Trainer, neue Situation?

Alex Ferguson war bei den Red Devils sportlich der Alleinherrscher. Kein Wurstfabrikant hat sich eingemischt, wenn es mal nicht so lief. Er konnte in dem vorgegebenen finanziellen Rahmen nach Belieben schalten und walten. Ein neuer Trainer müsste damit rechnen, dass Neuverpflichtungen diskutiert werden und ein kurzfristiges Ausbleiben von guten Ergebnissen nicht wie bisher stoisch hingenommen würde.

David Moyes gilt als aussichtsreichster Kandidat auf Fergies Nachfolge. Der Everton-Coach ist ebenfalls kein Feuerwehrmann à la Peter Neururer, sondern hat bereits seit 11 Jahren den Trainer-Job bei den Toffees inne. Er gehört damit zu den Übungsleitern mit der längsten Amtszeit. In dieser Disziplin führt übrigens kein Engländer und auch kein Schotte, sondern ein Franzose. Guy Roux war bei AJ Auxerre 38 Jahre und 11 Monate ununterbrochen im Amt – insgesamt sogar 44 Jahre.

Klopp wäre eine Premiere

Ferguson ist auch nicht die Nummer eins als schottischer Langzeit-Trainer. Willie Maley war von 1897 bis 1940 unfassbare 43 Jahre als Trainer bei Celtic tätig. Diese statistischen Überflieger schmälern die Lebensleistung von Sir Alex allerdings nicht. Sein Nachfolger wird es im Schatten der Trainer-Ikone schwer haben, den hohen Ansprüchen zu genügen. Auch José Mourinho und Jürgen Klopp werden als Kandidaten ins Spiel gebracht. Jürgen Klopp wäre nicht nur der erste Deutsche, der einen englischen Erstligaclub als Chefcoach betreuen würde, er wäre auch der erste nicht-britische Trainer bei Manchester United (11 Engländer, 7 Schotten, 1 Waliser und 1 Ire).

Gegen den Ball empfiehlt aber einen anderen Trainer. Warum nicht den Coach einstellen, der eine 100-prozentige Erfolgsquote gegen Sir Alex Ferguson zu bieten hat? 2006 schlug Southend United die Red Devils in der vierten Runde des League Cups mit 1:0. Trainer war damals Steve Tilson. Southend United ist damit das einzige Team, das noch nie gegen Manchester United unter Alex Ferguson verlor. Man United müsste den 46-jährigen Tilson allerdings derzeit beim Amateurclub Canvey Island loseisen – hoffnungslos.

Somit scheint David Moyes, der schon frühzeitig ankündigte, seinen Vertrag bei Everton nicht verlängern zu wollen, derzeit die beste Alternative zu sein. Moyes wurde zuletzt auch mit dem FC Schalke 04 in Verbindung gebracht. Wenn er allerdings die Wahl hat, zwischen einem Club, dessen durchschnittliche Trainerlebensdauer in der Bundesliga 1,1 Jahre beträgt und Manchester United, wo statistisch gesehen seit 1945 jeder Trainer 6 Jahre und 5 Monate im Amt bleibt – wer würde da nach Gelsenkirchen wechseln?

Be Sociable, Share!

Kommentar verfassen

Sie können die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>