Atlético Madrid – Real Madrid: Going to the Mattresses

Atlético Madrid – Real Madrid 4:0

Ja – Real Madrids spektakuläres Debakel im Stadtderby bei Atlético (die höchste Niederlage seit 2010) war auch den vielen Ausfällen bei der Mannschaft von Carlo Ancelotti geschuldet: Mit Luka Modric, Sergio Ramos, Pepe, Marcelo und James Rodríguez fehlten gleich fünf sehr wichtige Stammkräfte.

Nein – das allein kann dieses Spiel nicht erklären und auch nicht entschuldigen. Es war das sechste Duell zwischen den beiden Champions League-Finalisten des Vorjahres in dieser Saison. Kein einziges von ihnen gewannen die Blancos. Dreimal (in den drei Heimspielen) spielte Atléti sogar zu null gegen die vermeintlich beste Mannschaft der Welt. Das ist eine umso spektakulärere Leistung, wenn man bedenkt, dass Real in den restlichen 34 Pflichtspielen der Saison immer mindestens ein und insgesamt 106 Tore erzielte.

Die Bilanz von Reals Spielzeit liest sich so: sechs Spiele gegen Atlético – kein Sieg, zwei Unentschieden, vier Niederlagen, 4:12 Tore. 31 Spiele gegen alle anderen Gegner – 29 Siege, kein Unentschieden, zwei Niederlagen, 102:19 Tore. Barcelona hingegen hat in diesem Jahr schon drei Siege gegen Atlético gefeiert. Was lief bei Real denn schief?

Diego Simeone hatte seine Mannschaft nach dem 3:1-Sieg in Eibar, beim kleinsten Club der Liga, für das Duell mit dem größten Club der Welt auf vier Positionen verändert: Für Jesús Gámez, José Giménez, Saúl Níguez und Raúl García kamen Juanfran, Miranda, Arda Turan und Gabi ins Team. Carlo Ancelotti musste nach den Verletzungen von Sergio Ramos und James Rodríguez sowie der Sperre gegen Marcelo nach dem 2:1-Sieg über Sevilla einiges ändern. Fábio Coentrao ersetzte Marcelo, Nacho kam für Ramos in die Innenverteidigung als Partner von Raphael Varane. Rechts hinten kam Daniel Carvajal für Álvaro Arbeloa zum Einsatz. Immerhin konnte Cristiano Ronaldo nach seiner Rotsperre wieder mitwirken und übernahm sozusagen die Rolle von James.

Von Beginn an war das Spiel eine sehr einseitige Sache: Real fand überhaupt nicht in den Spielaufbau. Das exzellente Spiel gegen den Ball Atléticos ist bekannt. Ohne Modric oder Marcelo aber waren Toni Kroos und Isco gegen das aggressive Anlaufen des herausragenden Antoine Griezmann, von Mario Mandzukic, Tiago und Gabi überfordert. So konnte Atlético immer wieder lange Bälle Reals erzwingen. Entsprechend kamen die Gäste praktisch nie zu Chancen aus dem Spiel heraus. Ganz anders Atlético, das weitaus mehr sehr gute Gelegenheiten hatte, als es das Ergebnis verrät. Zwei Treffer der Colchoneros fielen nach Einwürfen von der rechten Atlético-Seite, was zeigt, wie tief die Probleme in der Defensiv-Organisation und Staffelung reichten: Wir sprechen nicht von schnellen Umschalttoren, bei denen der Gegner keine Chance hatte, sich zu sortieren.

Selbst das zweite Gegentor, das nach einer Umschaltsituation fiel, hätte verhindert werden können, wenn Toni Kroos beim Zurücklaufen nicht nur auf den bis zur Grundlinie ballführenden Guilherme Siqueira geblickt hätte, sondern auf Saúl Níguez geachtet hätte, der mit dem Deutschen von der Mittellinie aus in den Strafraum lief, sich dann aber im entscheidenden Moment von Kroos absetzte und Siqueiras Hereingabe mit einem Fallrückzieher verwertete. Níguez hatte schon nach zehn Minuten den verletzten Koke ersetzt – was Atléticos Überlegenheit keinerlei Abbruch tat.

Entscheidend an Atléticos Spiel ist das taktische Funktionieren des gesamten Mannschaftsgefüges, nicht die individuelle Klasse einzelner Spieler. Anders wäre es auch nicht zu erklären, wie scheinbar mühelos die Mannschaft die Abgänge von Diego Costa, Filipe Luis und Thibaut Courtois verkraftet zu haben scheint. Griezmann spielt seine anspruchsvolle Rolle wie gesagt großartig, Guilherme Siqueira zählt auf der Linksverteidigerposition zu den Entdeckungen der Saison bei Atlético. Trotz des mannschaftstaktisch starken Kollektivs muss jedoch einmal mehr die Klasse Arda Turans hervorgehoben werden, der die perfekte Symbiose aller Qualitäten repräsentiert, die ein Diego-Simeone-Spieler braucht: Immense Energie, große Aufmerksamkeit, eine gewisse Grundaggression, aber auch eine wunderbare Technik, die er unter anderem bei seinem Anspiel auf Saúl Níguez vor dessen Kopfballablage auf Griezmann vor dem 3:0 demonstrierte.

„Going to the Mattresses“ wird dem jungen Michael Corleone in The Godfather übrigens als Metapher für den Beginn eines Bandenkrieges im Mafiamilieu erklärt. Der Besuch der Königlichen bei den Matratzenmachern von Atlético war durchaus der Beginn eines nun wieder offenen Dreikampfs um den spanischen Titel. Und mit etwas Glück sehen wir dieses Duell ja auch noch ein siebtes oder gar achtes Mal in dieser Saison – in der Champions League.

Atlético de Madrid (4-4-2): MOYÁ 6,5 – JUANFRAN 7, MIRANDA 6,5, GODÍN 6, SIQUEIRA 7,5 – ARDA 8, GABI 7, TIAGO 7,5, KOKE (10. SAÚL 7,5, 71. RAÚL GARCÍA) – MANDZUKIC 7, GRIEZMANN 8 (77. TORRES).

Real Madrid (4-3-3): CASILLAS 5 – CARVAJAL 4,5, VARANE 5,5, NACHO 5, COENTRAO 4,5 – KHEDIRA 4,5 (45. JESÉ 4,5), KROOS 4, ISCO 5,5 (68. ILLARRAMENDI 5,5) – BALE 5, BENZEMA 5 (73. HERNÁNDEZ), RONALDO 4.

Be Sociable, Share!

One comment

  1. Ping: Die Europarangliste im Februar 2015 › Gegen den Ball

Kommentar verfassen

Sie können die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>