Bayern geht das Benzin aus

Sch_BAY_NeuFC Schalke 04 vs. Bayern München 1:1 (0:1)
(Noten-FAQ)

Die Bayern, die wir heute in den ersten 25 Minuten gesehen haben, sind kaum zu schlagen. Die Schalker, die wir in dieser Anfangsphase sahen, würden ein zweites Mal in Dresden verlieren. Ein Spiel dauert aber bekanntlich mindestens 90 Minuten und so gab es viele Spielphasen, die es zu beurteilen gilt und die in die Benotung dieses Spiels einfließen.

Fangen wir mit der druckvollen Anfangsphase an. Die Bayern spielten aggressiv nach vorne, scheuten sich nicht davor, lange Bälle zu spielen und agierten bärenstark über das Gegenpressing. Wenn doch einmal ein Gegner durchzubrechen drohte, dann wurde er gefoult. Schalkes Kompaktheit wurde durch die langen Bälle und Spielverlagerungen immer wieder aus den Angeln gehoben und die Knappen kamen erst sehr tief in die Ordnung. Das ist immer gefährlich gegen die Bayern. Im Mittelfeld mussten sich die Keller-Kinder so manches Mal mit einem Foul behelfen, um das schnelle Überspielen zu verhindern.

Der Spielzug der Bayern in der vierten Minute konnte nur durch eine Glanzparade von Fährmann entschärft werden. Jérôme Boateng spielte einen langen Ball auf Robert Lewandowski, der seinen Gegenspieler Felipe Santana mit seinem Laufweg überforderte. Der Schalker Innenverteidiger ließ dem Bayern-Stürmer Platz und Zeit und dieser konnte in aller Seelenruhe auf Thomas Müller quer legen, den Joel Matip aus den Augen verloren hatte.

In der fünften Minute spielte Boateng einen flachen Ball in die Spitze, Bayern verlor den Ball, aber war beim Abpraller zur Stelle. Philipp Lahm bekam das Spielgerät und konnte flach in den Strafraum passen. Durch die Stärke der Bayern bei den sogenannten zweiten Bällen und im Gegenpressing, kam Schalke in dieser Phase gar nicht mehr aus dem Strafraum und in die Ordnung, so konnten solche Chancen nicht besser verteidigt werden.

Das 1:0 der Bayern: Aus einem Einwurf, bei dem die Schalker eigentlich gut sortiert standen, entwickelte sich der Treffer. Sebastian Rode wurde von Marco Höger halbherzig gepresst, von Jan Kirchhoff und Matip laufen gelassen und letztlich war es Santana, der sich lieber ärgerte, als auf den erneuten Querpass von Rode zu spekulieren – denn er stand in diesem Moment einen Schritt vor Lewandowski. Der Raumgewinn und somit auch der Einwurf entstanden übrigens erneut aus einem langen Diagonalball (von Holger Badstuber).

Die Intensität des bayrischen Gegenpressings und das aggressive Pressing im Mittelfeld ließen schon im Verlauf der ersten Hälfte nach. Schalke konnte die hohe Kette der Bayern zwar selten überspielen, einige Diagonalbälle sorgten aber für Raumgewinn. Manuel Neuers Fehlpass nach dem guten Herauslaufen wurde nicht bestraft und hat deshalb keinen übergroßen negativen Einfluss auf die Benotung des mitspielenden Tormannes.

In der zweiten Hälfte war Schalke besser im Spiel. Ja, sicherlich auch, weil sie besser in die Zweikämpfe kamen, aber auch deshalb, weil die Aufteilung im Mittelfeld mit Roman Neustädter statt Kirchhoff viel besser passte. Marco Höger und Roman Neustädter bewiesen in der Vergangenheit schon oft, dass sie sich im defensiven Mittelfeld gut ergänzen. Die Angriffe der Schalker liefen meist über die rechte Seite, wo Julian Draxler sich zumindest bis zum Strafraum das eine oder andere Mal durchsetzen konnte.

Schalke wechselte insgesamt drei Mal. Drei Mal war es das Verletzungspech, dass Jens Keller zu Umstellungen zwang. Das war vielleicht auch ein Grund, warum die Knappen die letztlich stark nachlassenden Bayern nicht vor noch größere Probleme stellen konnten. Schalkes Mängel im Spiel mit dem Ball war einmal mehr augenfällig. Die Angriffe wirkten wenig abgestimmt. Man sah kaum einstudierte Laufwege. Manchmal machten zwei Spieler die gleiche Auftaktbewegung, manchmal antizipierte keiner den endstehenden Raum.

Das Spiel endete mit einem verdienten Remis, denn die Gäste aus München waren nur mit Sprit für 60 Minuten angereist. Xabi Alonso musste mit Krämpfen ausgewechselt werden. Die Bayern gaben genauso viele Schüsse auf das Tor ab wie die Schalker und verloren in der zweiten Hälfte für große Phasen die Verbindung zwischen den Mannschaftsteilen. Das Gegenpressing funktionierte als Spielmacher ohne die nötige läuferische Präsenz auch nicht mehr.

Nachdem die Bayern in der letzten Spielzeit in der wichtigsten Phase der Saison in ein kleines Loch fielen, könnte der Long-Term-Fitness-Plan in dieser Spielzeit anders ausgelegt sein. Deshalb vielleicht der krasse Leistungseinbruch, der auch schon gegen Wolfsburg evident war. Genug, der Spekulation. Fakt ist, beide Teams haben sich ein packendes und intensives Spiel geliefert.

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4 comments

  1. Malaoshi

    Danke für die treffende Analyse und Zusammenfassung, Michael. Auch ich denke, die Einwechslung Neustädters hat dem Schalker Spiel sicher nicht geschadet.

    Der Logik hinter der Einschätzung „Manuel Neuers Fehlpass nach dem guten Herauslaufen wurde nicht bestraft und hat deshalb keinen übergroßen negativen Einfluss auf die Benotung des mitspielenden Tormannes“ kann ich nicht ganz folgen. Heißt das, ein Fehlpass (nach gutem Laufweg) ist nur dann schlecht, wenn sich daraus auch ein Gegentor entwickelt? Ein Stürmer spielt nur dann gut, wenn er auch Tore schießt? Ein Abwehrspieler wird nur dann schlecht benotet, wenn seine Patzer und Aussetzer „bestraft“ werden?

    „Keller-Kinder“ ist ja ein nettes Wortspiel, färbt den Artikel unterschwellig aber unter das von gegendenball gewohnte Niveau.

    Ein packendes Spiel war’s 😉 Verheißungsvoll für die Saison in vielerlei Hinsicht…

    • Michel Massing

      Hallo Malaoshi! Vielen Dank für Deinen Kommentar.
      Zu Manuel Neuers Aktion aus der 41. Minute. Erst einmal war das Herauskommen von Neuer in dieser Situation sehr stark und nicht selbstverständlich. Die gute Aktion hat er dann natürlich durch den groben Fehlpass zunichtegemacht. Ich denke schon, dass ein folgenloser Fehler nicht so sehr ins Gewicht fallen sollte wie ein folgenschwerer Fehler. Fazit: Die eigentlich gute Aktion wurde letztlich zum Patzer, der aber folgenlos blieb.
      Tatsächlich haben wir darüber diskutiert, ob wir Neuer eine halbe Note abwerten. Wir sind aber zu dem Schluss gekommen, dass seine aufmerksame Leistung mit einer Note unter Schnitt (5,5) nicht ausreichend gewürdigt wird. Nicht zu vergessen, eine 5,5 ist bei Spielniveau 5,5 mit einer herkömmlichen 3,5 zu vergleichen.
      Das Keller-Wortspiel kannst Du lustig finden, oder eben nicht. Unter Niveau – also unter der Gürtellinie – war es nicht.
      Ich hoffe, Du bleibst uns dennoch gewogen! LG Michel

  2. Malaoshi

    Hallo Michel, klaro bleib ich Euch treu 😉 Die Torwart-Rauslauf-Fehlpass-Erklärung ist so nachvollziehbar:
    + Rauslaufen – Fehlpass = neutral. D’accord.

    Zum Keller-Wortspiel: Ich bin da nicht deswegen so penetrant und kleinlich, weil es unter die Gürtellinie geht, auf keinen Fall. Gerade weil es eher subtil in der Wirkung ist, beschädigt es nach meinem Empfinden ganz einfach den Respekt vor Jens Keller, in diesem Zusammenhang unnötig. Das ist meiner Meinung nach einer von vielen Gründen, warum er so schnell und immer wieder in Frage gestellt wird. Natürlich bist Du hier kein Vorreiter, aber es muss eben doch auch nicht sein. Das meine ich mit dem Niveau: Respekt und Fairness.

  3. Sven

    Super, Analyse.

    Als Bayernfan wären mir 3 Punkte natürlich lieber gewesen, jedoch nach der WM habe ich mit einem Durchmarsch diese Saison nicht gerechnet. Dazu noch die Verletzten! Das wird schon. Natürlich darf man auch die Schalker nicht vergessen die in der 2. Halbzeit doch recht gut aufgelegt waren.

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