Der Rote Teufel liegt im Detail

Sechs Tage nach dem Aus im FA Cup gegen Arsenal zeigte Manchester United seine beste Saisonleistung und damit das bisher überzeugendste Spiel unter Louis van Gaal. Beim 3:0 über Tottenham Hotspur, das schon zehn Minuten vor der Pause entschieden war, entledigte sich United zugleich eines Konkurrenten im Kampf um die Champions League-Qualifikation: Die Spurs haben jetzt schon sechs Punkte Rückstand auf Platz vier.

Van Gaal brachte gegenüber dem Pokalspiel drei neue Spieler in die Startelf: Phil Jones und Michael Carrick kamen für Luke Shaw und Marcos Rojo, Daley Blind rückte auf die Linksverteidigerposition und Carrick bekleidete die Position des Sechsers in einem 4-1-4-1. Für den gesperrten Ángel di María erhielt zudem Juan Mata mal wieder eine Chance von Beginn an. Demgegenüber veränderte Mauricio Pochettino seine Mannschaft nach dem Sieg bei den Queens Park Rangers nur auf einer Position: Danny Rose kam als Linksverteidiger für Ben Davies.

Pochettino hatte mit seinen Spurs zum ersten Mal seit fünf Wochen kein Pflichtspiel unter der Woche gehabt und so ungewöhnlich viel Zeit, seine Mannschaft auf den Gegner in diesem Sechs-Punkte-Spiel einzustellen. Doch es war United, das die richtigen Entscheidungen traf. Pochettinos für Premier League-Verhältnisse ambitioniertes Pressing bereitete den Red Devils nur in den Anfangsminuten ein paar Probleme. Bald aber gelang es United, mit schnellen Passkombinationen das Pressing der Spurs zu umspielen. Dafür hatte Van Gaal mit dem Ex-Spurs-Spieler Carrick genau den richtigen Mann ausgewählt – Carrick ist einer der passsichersten englischen Spieler der letzten zehn Jahre.

Ebenfalls positiv wirkte sich die Maßnahme aus, Daley Blind links hinten zu bringen. Der Niederländer schob dort gegen den defensiv überforderten Andros Townsend immer wieder hoch mit nach vorne. Kyle Walker, ohnehin nicht in der Topform seines Lebens, hatte mit Ashley Young so viel zu tun, dass United gezielt eine Schwäche in Tottenhams Ordnung gegen den Ball ausnutzen konnte: Bei schnellen Positionswechseln und Läufen aus dem Zwischenlinienraum in die Schnittstellen von Außen- und Innenverteidigung lässt sich die Abwehr der Londoner relativ leicht aufhebeln. Das war zuletzt Liverpool Anfang Februar mehrfach gelungen, und genauso fiel auch das 1:0 für United nach nicht einmal zehn Minuten: Daley Blind zog plötzlich von links hinten nach innen und bediente Carrick. Ashley Young hatte links die Breite gehalten und Marouane Fellaini Ryan Mason in die Schnittstelle gezogen. Als Carrick dann den Ball erhielt, fehlte Mason, stürzte verspätet auf den ballführenden Carrick, so dass Fellaini in seinem Rücken frei stand. Ein Pass Carricks auf den Belgier, ein sauberer Abschluss in die lange Ecke, und United führte.

Zehn Minuten später köpfte Carrick selbst nach einer halbgar geklärten Ecke das 2:0, und das Spiel war mehr oder minder gelaufen. Das 3:0 nach einer guten halben Stunde entsprang einem katastrophalen Fehlpass Nabil Bentalebs in den Fuß von Rooney, der anschließend aber noch drei Spurs-Verteidiger im Alleingang ausdribbelte, bevor er abschloss und einen jetzt schon ikonografischen Boxer-Jubel zelebrierte. Entschieden wurde das Spiel aber nicht durch Fehler der Spurs-Abwehr, sondern durch die Überforderung der Mittelfeldspieler gegen den Ball. Pochettino reagierte darauf schon nach 30 Minuten und brachte Moussa Dembélé für Townsend. Das, und eine klarere Aufgabenverteilung für Bentaleb und Mason, sorgte dafür, dass die Gäste die zweite Hälfte einigermaßen auf Augenhöhe gestalten konnten. Entscheidend war das aber nicht mehr, denn die beste Leistung Uniteds unter Van Gaal war in der ersten halben Stunde auf die vielleicht schwächste der Spurs unter Pochettino gestoßen – wobei sich beides selbstredend bedingt.

Für Tottenham scheint die Saison nach jetzt 48 Pflichtspielen fast schon gelaufen. Platz vier noch zu erreichen, wird sehr schwer für die Londoner, zumal Liverpool und Arsenal gerade in exzellenter Form sind. So geht es wohl nur noch um die Europa League-Qualifikation. Nach den Eindrücken dieser Spielzeit wäre es vielleicht besser für die Mannschaft, nächste Saison mal ohne internationale Einsätze zu verbringen. So hat United es ja diese Spielzeit gehabt, und Liverpool im Jahr davor. Beide scheinen sich mit der geringeren Belastung für die Champions League qualifizieren zu können. Allerdings hat United trotz dieser sehr ermutigenden Leistung noch einen schweren Weg vor sich, mit Liverpool, City, Chelsea und Arsenal unter den letzten neun Gegnern in der Liga. Nach Anfield müssen die Red Devils gleich am kommenden Wochenende, zum nächsten Sechs-Punkte-Spiel.

Spielnote 5,5

Manchester United (4-1-4-1): de GEA 6 – VALENCIA 6, SMALLING 6,5, JONES 6, BLIND 7 – CARRICK 7,5 (87. RAFAEL) – MATA 6 (77. PEREIRA), ANDER HERRERA 6,5, FELLAINI 7 (83. FALCAO), YOUNG 7 – ROONEY 6,5.

Tottenham Hotspur (4-2-3-1): LLORIS 5 – WALKER 3,5, DIER 5, VERTONGHEN 5,5, ROSE 5 – BENTALEB 4, MASON 4,5 (64. LAMELA 5) – TOWNSEND 4 (31. DEMBÉLÉ 5), ERIKSEN 4,5, CHADLI 5 (79. ADEBAYOR) – KANE 5.

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