Des Rätsels Lösung

Thomas Tuchel verlässt Mainz 05. Medienvertreter mahnen, „der Ruf von Thomas Tuchel ist in Gefahr“. Wir glauben, Tuchels Ruf ist in Gefahr, wenn er diesen Schritt nicht macht. Was das Ganze mit Schalke zu tun hat? Für den kicker gleicht die Infragestellung des Schalker Trainers einem Rätsel. Gegen den Ball hat die Lösung parat. Ein Kommentar.

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Fünf Jahre ist Thomas Tuchel nun schon Trainer in Mainz. Im Winter gab es offenbar Gespräche mit Schalke und Leverkusen. Die beiden Champions League-Clubs wollten den taktisch versierten Trainer verpflichten. Nach seiner herausragenden Arbeit in Mainz wäre ein Wechsel zu einem Top-Club der Liga der logische nächste Schritt. Doch dieser wurde ihm verwehrt. Dafür gibt es Gründe.

Sein Arbeitspapier (gilt bis 2015) und ein abblockender Manager verhinderten den überfälligen Aufstieg auf der Karriereleiter. Verständlich, dass ein Manager seinen Trainer nicht einfach aus dem laufenden Vertrag entlässt. Verständlich aber auch, dass ein Trainer dieser Qualität nach fünf Jahren neue Herausforderungen sucht.

Ob es nun Amtsmüdigkeit, ein nötiger Tapetenwechsel oder die Frustration darüber, dass ihm der nächste Schritt zunächst verbaut wurde, ist. Thomas Tuchel wollte Mainz 05 verlassen und tut das nun, so muss man befürchten, im Unfrieden mit Verein und Manager. Ihm diesen Schritt vorzuwerfen, auf sein „gut dotiertes Arbeitspapier“ (kicker) zu verweisen und seinen Ruf in Frage zu stellen, ist naiv. Das hinter den Kulissen Kontakte geknüpft, Interessenlagen sondiert und Trainer und Spieler mit möglichen neuen Vereinen verhandeln, ist wohl nicht überraschend.

Es ist ebenfalls verständlich, wenn Christian Heidel auf den laufenden Vertrag pocht, wohl wissend, dass eine Ablöse fällig wäre, wenn jemand sein Trainer-Juwel vor dem Ablauf dieses Papiers verpflichten möchte. Letztlich führt aber kein Weg daran vorbei, dass ein herausragender Trainer (oder Spieler) von einem kleinen Verein zu einem größeren wechselt. Es ist nun nur noch eine Frage der beteiligten Personen, sich zu einigen und somit wohl eine Frage des Geldes.

Was das ganze mit Schalke 04 zu tun hat? Einiges. Thomas Tuchel wird schon seit geraumer Zeit auf Schalke gehandelt. Im Winter soll es Medienberichten zufolge konkretes Interesse von Schalker Seite an Tuchel gegeben haben. Tuchel, der in seinem Ruf als Taktikfuchs seinem Kollegen Jürgen Klopp in nichts nachsteht und Parallelen im Werdegang zum BVB-Coach aufweist, schürt die Schalker Hoffnung, einen ähnlichen Erfolg wie den des schwarz-gelben Nachbarn zu beschreiten, den man Anfang des Jahrtausends schon abgehängt zu haben glaubte (von November 1998 bis Mai 2005 gewann der BVB kein Spiel gegen Schalke).

Für viele Schalker ist es deshalb auch kein „Rätsel“ (kicker), dass dem derzeitigen Trainer Jens Keller eine solche Entwicklung nicht zugetraut wird. Das Hauptargument dafür ist, dass Schalke sich mannschaftstaktisch kaum weiterentwickelt hat. Bayern steht für Ballbesitzspiel, Dortmund für Gegenpressing und Vertikalspiel – wofür steht Schalke? Die Knappen haben keine erkennbare Spielidee. Sie tun sich gegen tief stehende Gegner meist enorm schwer. Gegen Spitzenmannschaften sieht Schalke meist altbacken und hilflos aus.

So gewann man in dieser derzeit so hoch gelobten Rückrunde mit viel Glück gegen Wolfsburg (die noch in Unterzahl die bessere Mannschaft waren) und Leverkusen. Beim BVB bewahrte der liebe Gott und Ralf Fährmann die Knappen vor einer Niederlage. Gegen Bayern gab sich das Team von Anpfiff an geschlagen. In der Champions League setzte es chancenlose und peinliche Pleiten gegen Chelsea (0:3 und 0:3) und Real Madrid (1:6 und 1:3). Dass Schalke dennoch am letzten Spieltag die direkte Qualifikation für die Champions League erreichen konnte, liegt an dem in Qualität und Breite enorm starken Kader.

Noch nie in der Geschichte des Clubs hatte Königsblau einen solch teuren Kader (Gehalt und Transferwerte der eingesetzten Spieler). Noch nie konnten die Knappen aus einem Pool so talentierter Jugendspieler schöpfen (Kolasinac, Ayhan, Max). Jens Keller wird als Förderer dieser Spieler geadelt. Man fragt sich nur, auf wie viele Spiele Kolasinac gekommen wäre, wenn Aogo und Fuchs nicht die gesamte Rückrunde verpasst hätten. Auf wie viele Spiele wäre Ayhan gekommen, wenn Papadopoulos, Höwedes, Santana und Matip nicht zwischendurch oder für längere Zeit gefehlt hätten?

Julian Draxler war schon zuvor etabliert und Neueinkauf Leon Goretzka profitierte ebenfalls vom Verletzungspech der angestammten Kollegen. Schalke hat aus der Not einen auf Jugend gemacht. Keine Frage. Welche Frage man sich aber stellen sollte: Könnte man sich eine eigenmächtige taktische Veränderung der Spieler, wie im Spiel gegen Bremen (1:1) gesehen, als Boateng letztlich auf drei Positionen umstellte, unter Pep Guardiola vorstellen? Auf Schalke pries man diese Aktion als Eigenverantwortung und die Spieler schoben schnell nach, dass das mit dem Trainer abgesprochen war. Nur Goretzka posaunte heraus, dass dies allein auf Boatengs Initiative geschah.

Jens Keller ist sicherlich kein schlechter Trainer. Er hat aber letztlich alle Minimalziele nur auf den letzten Drücker erreicht. Die Qualifikation für die Champions League am letzten Spieltag gegen Freiburg (2013). Das knappe Weiterkommen gegen PAOK in der Qualifikation. Die Qualifikation am letzten Spieltag gegen Nürnberg und das Überstehen der Gruppenphase gegen Basel. Für internationale Ansprüche und auch nationale Konkurrenzfähigkeit im Kampf um die Champions League-Plätze fehlt es weiterhin an einer klaren Idee und Konzeption.

Horst Heldt verteidigte seinen Trainer zuletzt im Interview mit Spiegel Online: Keller habe keine eigene Philosophie entwickeln können, da ihm „über die ganze Saison nie alle Spieler zur Verfügung“ standen. „Er musste ständig improvisieren.“ Gerade diese Aussage lässt doch die berechtigte Frage zu, warum war Keller in der Hinrunde, als ihm noch (fast) der gesamte Kader zur Verfügung stand, nicht so erfolgreich wie in der Rückrunde? Warum war auch da keine Spielidee zu erkennen?

Einen Improvisationspreis mag er gewonnen haben, eine eigene Philosophie, taktische Kniffe in der Vorbereitung auf den Gegner (wie sie Tuchel von Woche zu Woche zeigt) oder gutes In-Game-Coaching konnte ich bei Jens Keller nicht feststellen. Christoph Moritz äußerte sich nach seinem Wechsel von Schalke zu Mainz 05 in bei faz.net. „Der Trainer (Tuchel) oder auch Assistent Arno Michels schauen sich mit uns Spielern immer wieder einzelne Spielszenen an und erklären uns, wie wir sie besser lösen können. Das kannte ich so vorher nicht.“

Wenn Mainz 05 in vielen Gebieten, die dem Cheftrainer unterstellt sind, Vorreiter ist, dann ist es logisch, wenn ein großer Verein diese Experten abwirbt. Bayern München fährt diese Taktik seit Jahrzehnten und greift die Trainer, Experten und Spieler-Juwelen der Liga ab, die bei der Konkurrenz auf sich aufmerksam gemacht haben. Der Lauf der Dinge wird sich nicht aufhalten lassen. Thomas Tuchel wird in nächster Zeit einen neue Herausforderung finden und den nächsten Schritt machen. Jens Keller wird mit einem vermutlich erneut verstärkten Kader ohne nennenswerte Abgänge beweisen müssen, dass er nicht nur der Last-Minute-Ziel-Erfüller und Improvisationskünstler ist, sondern eine Idee für das Spiel mit dem Ball und (vor allem in Spielen gegen Top-Gegner) auch gegen den Ball hat.

Horst Heldt wäre mutig, einen Trainer, der in der Rückrunde 36 Punkte geholt hat und derzeit von der Medienberichterstattung getragen wird, zu entlassen. Fakt ist aber, dass sich Schalke in anderthalb Jahren unter Keller nicht weiterentwickelt hat. Auf die nächste Krise zu warten, um dann erst zu handeln, würde die Getriebenheit des Managers durch die Medien dokumentieren.

Es gab übrigens mal einen ähnlichen Fall. Mainz 05 entließ kurz vor Saisonbeginn Aufstiegstrainer Jörn Andersen und installierte einen Newbie. Der hieß Thomas Tuchel. Das Risiko wurde belohnt. Neben der überraschenden Entscheidung, trotz des Erfolges den Trainer zu entlassen, gibt es noch eine weitere Parallele. Auch Keller wurde aus der Jugendabteilung befördert. Der Unterschied zu Schalke ist nur der, dass ein Club mit Champions League-Ambitionen und einem solchen Etat wie Schalke 04 nicht auf Experimente angewiesen sein sollte und sich die Ausbildung eines Trainers im laufenden Betrieb nicht leisten kann.

Mutig zu sein, das alleine reicht also nicht, es muss auch ein Konzept dahinter stehen. Ich glaube, es liegt in Heldts Verantwortung, sich für den mutigen Weg mit dem Konzepttrainer zu entscheiden.

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38 comments

  1. Karsten

    Schöner Artikel. Ich stimme voll zu. Bis zur WM wollte ich den Sachverhalt mit etwas stärkerem Fokus auf die Taktik auch noch genauer beleuchten.

  2. Thomas

    „die Schalker Hoffnung, einen ähnlichen Erfolg wie den des schwarz-gelben Nachbarn zu beschreiten, den man Anfang des Jahrtausends schon abgehängt zu haben glaubte (von November 1998 bis Mai 2005 gewann der BVB kein Spiel gegen Schalke).“

    Wie kommt man zu dieser Aussage? In dieser Zeit lag der BVB fünfmal am Ende der Saison vor dem S04 (incl. einer Meisterschaft), während die Gelsenkirchener nur zweimal besser dastanden. Ist das so eine Art Augenhöhe-Dings? 😉

    • Michel Massing

      Hallo Thomas! Vielen Dank für den Kommentar. Ich habe ja geschrieben, dass die Schalker Dortmund abgehängt zu haben glaubten! Zum Einen aufgrund der langen Serie ohne Niederlage gegen den BVB (Augenhöhe, ja), den wirklichen Abstand im tabellarischen Abschneiden konnte man aber erst in den Jahren von 2005 bis 2010 ausmachen, da hast Du Recht. Von 2004/5 bis 2009/10 bei Schalke (2,4,2,3,8,2) / BVB (7,7,9,12,6,5).

    • Michel Massing

      Hallo Thomas. Genau! Das ist die Klopp-Zeit. Die Zeit, in der Dortmund die Nachbarn aus Gelsenkirchen abhängen konnte und einen eigenen Spielstil entwickelte. Durch diesen Trainer konnte der BVB zwei Meisterschaften und tolle Auftritte gegen internationale Spitzenteams zeigen. Dahin möchte man auf Schalke auch gerne kommen. Es mangelt weder an Geld noch an der Unterstützung der Fans 😉 Es fehlt an einer sportlichen Leitung mit Konzept und einem Trainer, der mit den taktischen Größen (Ancelotti, Mourinho, Pellegrini) in Europa mithalten kann. Was will Schalke eigentlich spielen? Kompakt stehen und gut verschieben, mehr nicht? Wer tiefer in die Materie geht, wird sich vom reinen Tabellenplatz nicht blenden lassen.

      • stefan

        Es mangelt nicht an Geld? Da wird man sich aber noch umschauen? Entschuldige mal, ohne Dich zu kennen. Aber warum kauft man einen Boateng erst nach der letztjährigen CL-Quali und den mit verbundenen gesicherten Einnahmen und nicht vorher? Man hätte ihn doch durchaus in diesen Qualispielen gebrauchen können? Ja, ich weiß dass er für Milan spielte und dennoch ist das zeitlich einfach seltsam gewählt.

        Warum spielt man sich mit einem 45 Millionen Euro Vertrag so auf? Es sollte auch allen Verantwortlichen klar sein, dass niemand einen offensiven Mittelfeldspieler kauft, der 2 Tore in 26 Bundesligaspielen geschossen hat. Und auch sonst vollkommen übertrieben talentiert dargestellt wird. Er wird sich in einer Spitzenmannschaft (und damit meine ich nicht den BVB) niemals durchsetzen können. Warum soll man ein Vermögen für diesen Jungen aus Gladbeck ausgeben? Man möge mir nur einen Grund nennen, die diese Summe rechtfertigt.

        Um es dann auch noch einmal zu wiederholen und vielleicht liegt auch genau daran der Ansatz des S04:

        „Diese Geschichte ist nicht nachzubauen. Punkt. Es wird kaum möglich sein binnen 5 Jahren (ich beziehe die Aussage speziell auf die Trainertätigkeit mit Klopp im Zusammenspiel mit Watzke und Zorc auf den anderen Ebenen) sämtliche Schulden zu tilgen (oder zumindest fast), 2 Meisterschaften, 2 Vizemeisterschaften, einen Pokalsieg, ein Pokalfinale und ein CL-Finale zu erreichen. Ferner sich logischerweise 4 Mal hintereinder für die CL zu qualifizieren.

        Man darf bei uns ja auch nicht vergessen, dass Klopp ordentlich Vorarbeit geleistet hat (Mitte 2008-Ende 2010), man ein glückliches Händchen bei Transfers hatte (Kagawa, Hummels, Subotic, Schmelle, Piszczek usw.). Zudem massig Pech beim Abseitstor der Hamburger 2009, was Dortmund einen schnelleren Zugang zu Europa ermöglicht hätte und natürlich das bittere Aus gegen Udinese.

        Die Blauen haben nun ihren persönlichen Rekord mit 3 maliger Quali für die CL hintereinander aufgestellt…

        So eine Story wird nicht nochmal geschehen. Da bin ich mir auf jeden Fall sicher.“

        Wenn Schalke zwei drei Jahre unauffällig agieren könnte, ohne groß zu maulen und Kampfansagen zu tätigen, dann wäre das alles mal annähernd möglich. Zumindest eine Schale wäre mal drin. Aber was bringt es jedes Jahr aufs neue etwas raus zu schleudern, was nicht kommt und einfach nicht eintreten will? Ruhe und Besonnenheit kann ich nur empfehlen. Ich bin Dortmunder und kann an den Blauen nicht viel Verwerfliches finden, aber es fehlen einfach die richtigen Personen. Sowohl auf der Bank, als auch „oben auf der Tribüne“.

        Dennoch bin ich ehrlich: Ich bin jetzt erst 32 Jahre alt, habe 5 Meisterschaften mitfeiern dürfen und gönne es dem Nachbarn nicht. Dennoch haben sie die Möglichkeit, das alles mal hinzubekommen.

        • Michel Massing

          Hallo Stefan! Das Beispiel des Nachbarn aus Dortmund zeigt, dass mit dem Potential, das beide Verein unbestritten haben, ein Aufstieg in die Spitze der Bundesliga und sogar in Europa gelingen kann. Dazu braucht man das richtige Personal, da gebe ich Dir Recht. Aus diesem Grund plädiere ich ja auch für eine mutige konzeptionelle Entscheidung pro Thomas Tuchel. Die Erfolgsgeschichte des BVBs ist nicht 1:1 nachzubauen, das stimmt. Aber sie kann als Vorbild dienen. Vorbildlich ist dabei Folgendes. Grob skizziert: Der BVB hat einen taktisch sehr versierten Trainer verpflichtet, der dazu eine ungemein gute Ansprache hat. Die Einkaufspolitik der Borussia war gerade in der Anfangsphase sehr gut. Die finanziell seriöse Vereinsführung hat den BVB in ruhiges Fahrwasser geführt. Kommen wir zum FC Schalke 04. Das Fan-Potential ist vorhanden, weniger Geld als Dortmund in der Phase der Neubesinnung hat Schalke auch nicht. Nun kann sich jeder ausmalen, was Schalke noch fehlt.

        • Andreas

          @Stefan: Der BVB konnte seine Schulden NUR tilgen, weil man im ganz großen Stil Vereinsanteile verkauft hat! Da braucht man sich nichts vorzumachen – wenn der BVB nicht fast 200.000.000 € an der Börse eingenommen hätte, wäre man dort schon LÄNGST pleite! Die dramatisch knappe Rettung 2005 hätte nicht stattgefunden.
          Vielleicht kann Schalke auch einst Anteile veräußern, dazu ist aber eine weitere Konsoldierung notwendig und ein gutes Konzept mit einem exzellenten Trainer könnte dabei helfen!

  3. mole_n

    So sehr ich Schalke so einen guten Trainer und den Aufstieg zum dritten starken Verein in Deutschland gönnen würde – lasst uns doch mal die WM abwarten. Tuchel als Bundestrainer wäre in meinen Augen eine sehr interessante Variante. Vielleicht sogar sie Ideallösung, solange Kloppo beim BVB bleibt und Jupp sich im Ruhestand nicht allzu sehr langweilt.

    • Michel Massing

      Hallo mole_n!
      Wenn man die dritte Kraft im deutschen Fußball werden will, ist ein guter Trainer sicherlich sehr wichtig. Eine gute Einkaufspolitik und seröses Wirtschaften des Vereins ebenso. Die Kluft zwischen Bayer Leverkusen und Schalke auf der einen und Dortmund und Bayern auf der anderen Seite ist aber – wie wir in der Champions League gesehen haben – groß. Mit Thomas Tuchel könnte Schalke meiner Meinung nach den nächsten Schritt machen. Ob Tuchel ein guter Bundestrainer und Turniertrainer ist, steht auf einem anderen Blatt. Wäre sicherlich eine interessante Spekulation.

      • mole_n

        Ohne in den Tenor Conchitas einstimmen zu wollen noch zwei Anmerkungen off topic.
        Zum einen Respekt vor der schnellen und fundierten Beantwortung ALLER Kommentare – diese Mühe machen sich nicht viele Journalisten.
        Allerdings zeigt die Anzahl der Kommentare in dem kurzen Zeitraum seit der Veröffentlichung dieses Beitrags auch, wie sehr die Leserschaft nach einem Lebenszeichen gelechzt hat. Sofern es die privaten wie beruflichen Umstände zulassen bitte wieder mehr davon! Wunschzettel: Rangliste Nationalmannschaften, zukunftsorientierte Taktikanalyse des FCB (wie hätte man gegen Real bestehen können?), evtl mal was zum Thema Transfers. Weiter so!

        • Michel Massing

          Hallo mole_n!
          Vielen Dank für das Interesse. Tatsächlich müssen wir hin und wieder Geld verdienen, um uns den Spaß hier leisten zu können. Wir versuchen unser Bestes!

  4. Rjonathan

    Ich stimme mit der sehr negativen Einordnung von Jens Kellers Arbeit nicht überein. Ich erkenne auch im Gegensatz zu vielen anderen eine Handschrift im Spiel der Schalker, die Schwäche gegen starke Gegner (nicht gegen tiefstehende – das sind weder Bayern, noch Dortmund noch Wolfsburg noch Real) ist allerdings ein Manko, und wäre wohl Kellers nächster Schritt in der „wirklich guter Trainer“-Werdung. Dass die Integration junger Spieler nur eine Notlösung war und man sie ihm nicht zu Gute halten kann finde ich ziemlich dreist. Ayhan hat im Winter im Trainingslager mitspielen dürfen und in Testspielen Einsatzzeit bekommen. Er wurde strukturiert auf den Ernstfall vorbereitet. Meyer hat von Formschwächen profitiert. Goretzka hat auch schon Einsatzzeiten bekommen, als vorne alle gesund waren. Aber gut. Das ist eher eine Meinungsfrage, es gibt auch genug Beispiele die andere Thesen unterstützen. Eine Sache ist dagegen eine Faktenfrage:
    Es stimmt nicht, dass Keller der gesamte Kader in der Hinrunde zur Verfügung stand. Auch da gab es in der Defensive sehr viele kleine Ausfälle (wegen Roter Karten und Verletzungen) und es hat äußerst selten die gleiche Viererkette hintereinander in zwei Spielen. Auch im DM wurde wegen der Ausfälle sehr viel gewechselt. Unter diesen Bedingungen und inklusiver der Dreifach-Belastung war es enorm schwer Konstanz hinzubekommen.
    Unterm Strich bleibt aber stehen, dass Tuchel sicherlich nach aktuellem Stand der bessere Trainer ist. Ob das in fünf Jahren so wäre, wenn Keller so viel Zeit und Kredit bekäme, ist eine Spekulation, auf die man sich bei den Ansprüchen von Schalke tatsächlich nicht einlassen darf/sollte. Insofern sind wir beim Resummee einer Meinung, aber ich finde es nicht gut, wie auch hier wieder recht pauschal und abschreibend statt zuschauend die Arbeit von Keller kleingeschrieben wird.

    • Michel Massing

      Lieber Rjonathan! Ich habe eher den Eindruck gewonnen, dass die überwiegende Zahl der Medien pro Keller schreiben. Leider gehen diese Artikel oft nicht in die Tiefe und nehmen den Punkteschnitt oder die Tabellenposition als einzigen Anhaltspunkt für die Beurteilung des Trainers. Oder eben, dass Keller viele Jugendspieler eingebunden hat. Genau hier denke ich, dass er in diesem Punkt kaum eine Wahl hatte und von der vorhanden Qualität auch in diesem Bereich profitiert hat. Er mag im Umgang, in der Vorbereitung der jungen Spieler seine Qualitäten haben. Die habe ich ihm weder abgesprochen, noch kann ich diese beurteilen. Ich beurteile nur die Spielweise des Teams, das Auftreten in taktischer Hinsicht. Das kann ich auch gerne intensiver betreiben, halte ich aber für einen Kommentar hinsichtlich der Länge des Artikels nicht angebracht.

      • RJonathan

        1. Hinrunde: Zu dem faktischen Fehler, dass die Mannschaft in der Hinrunde nicht verletzt gewesen wäre hast du dich nicht geäußert. Dabei hat das sogar bei der Beurteilung von Kellers Arbeit zur Winterpause seinen Kopf gerettet.
        2. Taktik: Ganz ohne taktische Tiefen-Analyse würde mich interessieren, gegen welche tiefstehenden Gegner Schalke denn Deiner Meinung nach in der erfolgreichen Rückrunde (deren Punkteschnitt ja kein valides Argument in deinen Augen ist) so schlecht gespielt, dass es einer Pauschalkritik am Trainer genüge tut?
        3. Junge Spieler: Wieso erwähnst du die „Junge Spieler“-Passage dann oben im text überhaupt, wenn es Dir um das Auftreten des Teams geht?

        • Michel Massing

          Hallo RJonathan!
          Ich gebe Dir Recht, Schalke hatte in dieser Saison viel Verletzungspech. Folgende Stammspieler haben weniger als 20 Spiele von Beginn an machen können: Höwedes, Huntelaar, Uchida, Farfan, Aogo, Höger, Papadopoulos. Auch wenn ich erneut das wie Säure in Euren Augen brennende Beispiel der Borussia anbringen muss. Der ungeliebte BVB musste in dieser Spielzeit ebenfalls viele Stammspieler ersetzen (weniger als 20 Spiele von Beginn an: Schmelzer, Bender, Piszczek, Kehl, Blaszcykowski, Subotic, Gündogan). Ist der BVB deshalb von seiner Spielphilosophie abgewichen oder konnte diese nicht mehr umsetzen? Nein!
          In der letzten Saison, als Keller mit Ach und Krach die CL-Quali erreichte, hieß es: Er hat die Mannschaft von Huub Stevens übernommen und konnte seine eigenen Ideen noch nicht einbringen. Die Saisonvorbereitung sollte es bringen. Nun heißt es: Die lange Verletztenliste ist schuld, dass man keine eigene Spielphilosophie erkennen kann. Ich hatte im Winter, nach einem Jahr Keller, das Gefühl, die Schonzeit ist vorbei, denn man müsste nun erste Ansätze der Verbesserung erkennen können – was aber nicht der Fall war. Es geht aber nicht nur um eine klar erkennbare Spielphilosophie. Ich will einen Trainer, der auch im Spiel auf den Gegner reagieren kann. Erinnerst Du Dich noch an dem Sieg in Köln im Januar 2012? Da hat Schalke bis zur Pause 0:1 hinten gelegen. Huub Stevens (oder wohl eher Markus Gisdol) hat zur Pause umgestellt und Schalke gewann mit 4:1. Keller dagegen äußerte sich bei Sky überrascht über die Taktik von Fatih Terim im CL-Achtelfinale und gab zu, erst spät darauf reagiert zu haben. Zu den jungen Spielern: Ob Keller gut im Umgang mit jungen Spielern ist, weiß ich nicht. Dass er sie eingesetzt hat, war aber eher der Verletztenmisere geschuldet als seinem Faible für die Jugend.

          • Rjonathan

            Hallo,
            ich fand im Winter, dass Keller ein weiteres halbes Jahr verdient hat, aufgrund der Verletzungsmisere. Gründe mit Bezug auf Deinen Dortmund-Vergleich:

            1. Dortmund stand in der Hinrunde auch längst nicht so gut da und war in der Winterpause in einem Zwischentief. Denn: neue Spieler (zB Durm, Mkhitaryan) mussten erstmal in die Mannschaft integriert werden und funktionierten oft nicht im Gefüge.
            2. Trotzdem war Schalke natürlich im Vergleich schlechter. Aber hier gab es ja auch keinen Stamm von Spielern, die mit dem Trainer seit 3 Jahren ein System erfolgreich umsetzen. Das macht doch eine Riesenunterschied ob ich unter diesen schlechten Bedingungen allen Spielern etwas beibringen will oder nur ein paar neue Spieler integrieren muss. Ein Spielsystem kann man nicht mit der Hälfte der Mannschaft trainieren. Und die Trainingszeiten sind in der Hinrunde für CL-Teilnehmer wirklich wenig. Da ist es kein Wunder, wenn international nicht spielende Teams im Vergleich tolle Hinrunden hinlegen.

  5. Conchita Wurst

    Ich frage mich jetzt gerade, ob ich es ernsthaft anmaßend oder einfach belustigend und albern finden soll, wenn Laien mit Mitteilungsdrang (z.B. jounalistisch bewanderte Diplom-Politikwissenschaftler) sich zu einer fachlichen Beurteilung eines Fußballlehrers berufen fühlen und glauben, sie müssten ihm Kompetenzen absprechen.

    Man schwingt sich anscheinend tatsächlich nirgendwo ahnungsloser dazu auf, aus der diffusen Wahrnehmung des Gefühlten Urteile abzuleiten, als bei Fußballtrainern und Lehrern. Jeder darf mal.

    Die diffuse Wahrnehmung fußballtaktischer Expertise und ein paar unzureichende Einblicke in die Teamführung und den alltäglichen Trainingsbetrieb sollen ausreichen, um ernstgenommen zu werden. Jeder Hansel, der unfallfrei drei Zeilen zum Gegenpressing zu Papier bringt, gilt dank einfachem CMS als publizierender „Experte“.

    Und dann zimmert man sich Gesamturteile zur fachlichen Eignung eines Trainers zusammen, mit denen man augenscheinlich auch noch ernst genommen werden möchte.

    Besonders lustig wird das immer dann, wenn Journalisten Spieler nach dem Schlusspfiff mit schlauen Fragen im Stile von, „wieso hat heute das Umschaltspiel im 4-5-1 so überhaupt nicht funktioniert“, konfrontieren und als Antwort ein Augenrollen ernten und hören: „Weil wir heute vornehmlich in einem variablen 3-5-2 gespielt haben, aber ich möchte sie wirklich nicht mit Inhalten überfordern.“ (O-Ton Philipp Lahm)

    • Michel Massing

      Liebe Conchita Wurst! Dein ESC-Beitrag hat mir in jeder Hinsicht besser gefallen als dieser Kommentar. Nicht weil Du anderer Meinung bist, sondern weil Du Deine Meinung zur Thematik gar nicht kundtust.
      Deshalb will ich nur so viel dazu sagen: Es ist die Aufgabe von Sportjournalisten zu hinterfragen, zu kritisieren, einzuordnen und – gerade in einem Kommentar – eine gut begründete Meinung zu haben.
      Leider liest man in diesen Tagen fast ausschließlich Kommentare wie: „Ein Blick auf die Tabelle reicht aus.“
      Ich hoffe, dieser oberflächliche Journalismus setzt sich nicht durch. In diesem Sinne: „Rise Like a Phoenix“ Sportjournalismus!

  6. Susanne Blondundblau

    Ganz schwacher Kommentar, der mit einer Fülle von Behauptungen über Tuchel („taktisch versiert“, „überfälliger Aufstieg“, „herausragender Trainer“, „eigene Philosophie“, „taktische Kniffe“) einseitig Stimmung machen will, dabei aber leider nur platte Polemik verspritzt. Die Phrasen „keine Spielidee“, „“keine taktische Weiterentwicklung“ und „altbacken“ werden auch durch Wiederholung nicht wahrer, ebenso wenig wie die Behauptung, Keller sei durch die Verletzungen zu seinem Glück gezwungen worden, die Jugendspieler einzusetzen. Kola & Meyer standen bereits vor der Seuche auf dem Platz, Goretzka war in der Hinrunde mehrfach angeschlagen.

    Und „die Minimalziele erst auf den letzten Drücker erreicht“: die direkte CL-Quali (übrigens zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte zum dritten Mal in Folge) war nicht das Minimal-, sondern das erklärte Saisonziel.

    Naja, was will man schon erwarten, wenn Zecken über Schalke schreiben… Ein Mainzer Irrer im Ruhrpott reicht voll und ganz.

    BWG
    Susanne Blondundblau

    • Michel Massing

      Hallo Susanne Blondundblau! Ich freue mich über die rege und emotionale Anteilnahme an unserem Blog. Die Tatsache, dass ein Dortmunder und ein Schalker zusammen einen Blog schreiben, scheint nicht jedermanns Sache zu sein. Ich hoffe, Du bleibst uns treu!

  7. blues

    @Rjonathan
    Hattest du beim Lesen dieser Rätsellösung auch so ein Deja-vu-Gefühl?
    Ich fühlte mich direkt in die Hinrunde des Königsblogs katapuliert, da wurde auch andauernd Tiefe mit „Tieferlegen“ verwechselt.

  8. Zuzwinker

    Ich stimme zu, ich stimme zu, ich stimme zu…
    Endlich mal jemand, der es schafft über das Thema zu schreiben ohne jemanden zu degradieren.
    Ich habe größten Respekt vor Herrn Keller und ihn jetzt gegen Tuchel auszutauschen… naja, irgendwie hat er das nicht verdient.
    Trotzdem wäre es nur logisch und auch konsequent.
    Genau das was Du beschreibst fehlt mir… der Taktikfuchs.
    Einer der Fussball lebt, der vor Zorn oder vor Freude rot anläuft und gleichzeitig die Zahnrädchen im Kopf rasseln lässt, weil eine Lösung für diese oder jene Situation gefunden werden muss, was man in der Arena selten wahrnimmt, aber in der Wiederholung auf Sky plötzlich sieht, weil man merkt, dass ein Gegenspieler total aus dem Spiel genommen wird.
    Keller lässt einen eher konservativen Fussball spielen. Und ich glaube einfach, damit kann er weder einen Boateng, noch einen Farfan oder auch einen Draxler mitreissen, was man wiederum an der Frische, dem Spielwitz und (ganz einfach) am Einsatzwillen merkt… Das Platz 3 gerade noch so geklappt hat, das rechne ich ihm hoch an, dass er die jungen Wilden integrieren konnte, weil er musste, auch.
    Aber großartig war diese Saison weiß Gott nicht.
    Ich glaube, Tuchel bringt das mit, was unserem Kader noch fehlt. Den Elan. Die unbedingte Freude am Rasenschach. Denn ohne das, wird man da oben (wie immer man das auch definiert) nicht ankommen.

    Und jetzt? Jetzt kommt der Haken. Herr Heldt wird sich nicht trauen.
    Heldt ist kein Vorreiter, Heldt ist brav und angepasst, sympathisch, ich glaube sogar, ich mag seinen Humor.
    Aber er wird sich nicht wagemutig weit aus dem Fenster lehnen.
    Eine solche Entscheidung birgt vielleicht den großen Ruhm, aber eben vielleicht auch Schimpf und Schande… und damit sind die Schalker (und besonders die BLÖD) ja auch immer ganz fix dabei.
    Ich persönlich wünsche mir den Mut von Herrn Heldt.
    Und Herrn Keller wirklich und ehrlich alles Gute.

    • Michel Massing

      Hallo Zuzwinker! Ich kann den allermeisten Punkten in Deinem Kommentar nur zustimmen. Anders als „Bild“ habe ich Jens Keller nicht unsachlich kritisiert. „Bild“ hat gleich zu Beginn der Amtszeit Keller, ein Foto von ihm mit dem Titel „Das Gesicht der Krise“, überschrieben. Mit geht es nicht um seine Mimik, seine Eloquenz oder sonstige persönliche Dinge. Es geht um das spielerische Auftreten der Mannschaft. Mögen die Gegner individuell bessere Spieler haben, ich will eine mannschaftstaktische Glanzleistung sehen. Was ich aber bei Schalke sehe, ist eine individuell bessere Mannschaft, die gegen taktisch großartig eingestellte Gegner oft alt aussieht. Viele Spiele werden dann trotzdem gewonnen, weil ein leidenschaftlicher Sprint von Farfan, ein geniales Dribbling von Draxler oder ein super One-Touch-Abschluss von Huntelaar das Team in Führung bringt. Doch spätestens gegen Teams, die qualitativ ähnlich gut aufgestellt, aber dazu auch noch mannschaftstaktisch überlegen sind, sieht es Finster aus (Chelsea, Bayern, Dortmund, Leverkusen (Rückspiel), Real, Wolfsburg, Gladbach).

  9. Diderot

    Der Kommentar geht am eigentlichen Problem vorbei. Natürlich ist Tuchel irgendwann bereit für höhere Weihen. Aber wenn Tuchel den Verein verlassen will, sollte er es aufrecht tun und klar sagen, dass er wechseln will. Dann kann man sich auch auf eine Ablöse einigen. Aber dieses Hintenherum, und – wenig glaubhaft – zu sagen, man werden erstmal keinen Verein trainieren, ist einfach falsch und charakterlos. Man kann alles mögliche ins Feld bringen gegen die Art der Verträge im Profifussball, die keine Kündigungsfristen vorsehen. Aber es ist gängige Praxis, das sollte Tuchel auch wissen.

    • Michel Massing

      Hallo Diderot! Ich tue mich schwer, moralisch mit dem Finger auf Tuchel zu zeigen. Er hat fünf Jahre lang hervorragende Arbeit abgeliefert und will nun den nächsten Schritt machen. Manager Heidel zeigt sich wenig kulant. Erst lehnte er einen Wechsel kategorisch ab, nun hofft er auf eine hohe Ablösesumme für den Trainer.

  10. Ping: wohin ziehts Tuchel? - Seite 6 - Fanlager
  11. tobitatze (@TobiTatze)

    Ich kann die Hin- und Hergerissenheit der Kommentare durchaus nachvollziehen. So geht es mir auch: Keller hat gute Arbeit geleistet in dieser Saison. Jeder, der etwas anderes behauptet, liegt einfach daneben.
    Natürlich hat man gegen absolute Spitzenvereine wie Real, Chelsea und München verloren. Schalke war in dieser Saison einfach nicht gut genug, um gegen Teams zu bestehen, die CL-Halbfinalniveau haben.
    Gegen ALLE anderen konnte man sich aber immerhin aus der Affäre ziehen. Ja, auch gegen Dortmund. Ja, auch wenn man die schlechtere Mannschaft war.
    Schalkes Anspruch war es in dieser Saison nicht, Meister bzw. Vizemeister zu werden. Man wollte sich für die CL qualifizieren, also mindestens Platz 4 erreichen. Nach einer schlechten Hinrunde hat man sogar Platz 3 erreicht und das, obwohl Schalkes Verletztenmisere mit Huntelaar angefangen hat, der die Spieltage 3 bis 17 verpasst hat. Eine Aufzählung der weiteren Ausfälle ist müßig. Jeder weiß, dass Schalke außergewöhnlich viele Verletzte hatte in der vergangenen Saison. Ja, auch mehr als der BVB.

    Zum Trainer: Jens Keller hat als Trainer (noch?) nicht die Qualität eines Thomas Tuchel. Und es stimmt auch, dass eine glasklare Spielphilosophie nicht ersichtlich ist. Diese fehlt mir auch.
    Trotzdem darf man die Ergebnisse des Trainers nicht außer acht lassen. Ich traue Keller auch zu, eine geeignete Spielidee für den Verein zu finden. Dies muss er in der kommenden Saison dann aber auch beweisen.

    Einen Aspekt haben der Artikel und auch die meisten Kommentare komplett außer Acht gelassen: Passt Tuchel überhaupt zum FC Schalke 04? Ich würde mal behaupten: Nein. Zumindest nicht so gut, wie der Charakter Keller in den Pott passt. Was meint ihr?

    • Zuzwinker

      Doch, Tuchel passt.
      Ich habe früher (zb zu Heynckes Zeiten) immer gesagt: Auf Schalke muss ein Trainer sein, der das Wort Arschloch laut aussprechen kann.
      Und das kann er. Wir brauchen was hemdsärmeliges, nix piekfeines.
      „Der Charakter Keller“ hat mich zu der Frage bewogen: welchen Charakter hat der eigentlich?
      Ich weiß nicht so genau. Wie ist das, wenn man mal richtig Streit mit dem hat? Wie ist es, wenn er sich total freut. Ich finde ihn immer sehr verhalten.
      Auch da ist Tuchel eher der, dem man die Gefühle ansieht (und auch dass fehlt uns Fans doch irgendwo), der mal ne große Fresse hat und in Kauf nimmt, dass man auch mal aneckt.

      Ob das natürlich einem Herrn Tönnies gefällt ist eine ganz andere Frage 😉

  12. Patigol

    Grandioser Kommentar, der deutlich macht, dass ein Wechsel von Keller auf Tuchel mehr als sinnvoll und der logische Schritt sein muss! Kompakt stehen und gut verschieben – mehr bekommen wir auf Schalke seit Ralf Ragnick nicht mehr zu sehen… Mit wenigen Worten messerscharf analysiert.
    Vielen Dank dafür!

    • Michel Massing

      Hallo Patigol! Vielen Dank für das Lob. Wir werden die Entwicklung des Schalker Teams weiter beobachten. Die Zeit der Ausreden dürfte vorbei sein. Schalke muss nun mit Keller den nächsten Schritt machen, denn Horst Heldt wird sich nicht gegen das Groß der Medien und gegen die letzten Ergebnisse und somit für einen konzeptionellen Neuanfang entscheiden. Ich befürchte, die nächste Krise wird kommen, das Team wird weiterhin nur durch individuelle Qualität glänzen und die Unzufriedenheit über das eigene Spiel bleibt bestehen.

  13. Malaoshi

    Schöner Kommentar, gutes BLOG. Einige persönliche Einschätzungen und Ideen dazu und zu den gemachten
    Kommentaren:
    – Passt T.Tuchel zu Schalke? Ich glaube schon, er ist direkt, zeigt Kante – auch wenn ich nicht alles
    an ihm mag; so finde ich ihn manchmal wie Kloppo zu überdreht. Taktisch bestimmt einer der Besten.
    – T.Tuchel und J.Keller sind wohl sehr unterschiedlich und haben entsprechend unterschiedliche Vorzüge und
    Profile
    – Das letzte mal hatte ich auch bei R.Rangnick das Gefühl, dass wir einen gut durchdachten Fußball mit
    Plan spielen, ein richtiges Aha-Erlebnis – und mit erfrischenden Trainingseinheiten dazu
    – Schade, dass es immer nur um ein entweder oder geht…

    • Michel Massing

      Hallo Malaoshi! Zu Beginn der Amtszeit Tuchels in Mainz hatte ich auch Bedenken. Tuchel zeigte sich damals im Umgang mit den Schiedsrichtern und mit den Medien sehr dünnhäutig. Aus der Ferne wirkt es so, als sei er routinierter und ruhiger geworden, ohne das Feuer für sein Team verloren zu haben. Deshalb glaube ich auch, dass er auf Schalke mit den Umständen zurecht kommen würde. Jens Keller ist auch in meinen Augen kein schlechter Trainer. Ich glaube aber, für die ganz hohen taktischen Ansprüche wäre Tuchel der geeignetere Kandidat.

  14. Patigol

    Hallo Michael, danke für Deine Antwort. Ich denke, dass Du (leider) Recht hast und wir weiter diesen scheinbar erfolgreichen aber komplett uninspirierten und unattraktiven Fußball weiter auf Schalke zu sehen bekommen. Das Problem ist doch, dass die wirklich guten Trainer nicht mitten in der Saison zu haben sind. Diese müssen zu einer neuen Saison verpflichtet werden. Wer will sich das unruhige Umfeld Schalkes ohne Vorbereitung und mit einer fremden Mannschaft auch antun? Dieser Moment wird wieder einmal verpasst. Schade.

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  17. Alexander Thomas

    Danke Michael Massing! DES RÄTSELS LÖSUNG ist der vermutlich beste Kommentar, den ich je über die derzeitige Schalker Situation lesen konnte / durfte. Auch wenn die Veröffentlichung bereits einige Zeit zurück liegt, bitte ich um mehr! Geniale Arbeit, genialer Inhalt! Die ganzen Kritiker, die sich unter den Kommentaren finden lassen haben augenscheinlich wenig bis gar keine Ahnung vom Fußball. Aber diese Leute wird es immer geben und fremde Meinungen müssen toleriert werden.

    Den einzigen Wunsch den ich habe ist, dass Horst Heldt sich genau diesen Artikel durchliest, wenn er nicht selbst schon längst zu diesen Erkenntnissen gelangt ist.

    In diesem Sinne – Glück Auf!

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