Die Europarangliste – Ausgabe April

Die Europarangliste für den April kommt am 9. Mai. Muss am Wetter liegen. Wie der geneigte Leser und Listennerd sich denken kann, hat sich einiges getan im Ranking: Ein neuer Spitzenreiter und immer noch viele offene Fragen vor dem Saisonfinale in Europas großen Ligen. Wenn Sie Martin Schulz und mich fragen: „Mehr Europa!“. Viel Spaß beim Lesen.

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Platz 20 (neu) Fiorentina

Pflichtspielbilanz: 28 Siege – 10 Unentschieden – 15 Niederlagen
Europa League: Aus im Achtelfinale gegen Juventus
Serie A: Vierter
Coppa Italia: Finale gegen Napoli verloren

Kontroverser wurde der 20. Platz der Europarangliste in der Gegen den Ball-Redaktion noch nicht diskutiert. Ajax Amsterdam, da herrschte Einigkeit, hat in Europas Elite nach der 1:5-Pleite im Pokalfinale gegen PEC Zwolle nichts mehr zu suchen. Fahrstuhlmannschaft Tottenham Hotspur steht in der Premier League zwar immer noch vor Man United, der April war aber einfach nicht gut genug. Zenit hat sich in Russland unter Trainer André Villas-Boas zwar erholt, die Eindrücke in der Champions League waren aber einfach zu katastrophal. Diskutiert wurde auch über Milan nach sechs Siegen in den letzten sieben Pflichtspielen. Geeinigt haben wir uns dann auf die von Verletzungen geplagte Fiorentina, die in Bestbesetzung mehr hätte erreichen können als Rang 4 in der Serie A, die Niederlage im Pokalfinale gegen Napoli und das unglückliche Aus in der Europa League gegen Juve.

Platz 19 (18) Athletic Club

Bilanz: 22-8-12
La Liga: 4. Platz
Copa del Rey: Aus im Viertelfinale gegen Atlético

„The Rain in Spain“ oder auf deutsch „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen“, ist ein Song aus dem Musical My Fair Lady und dieser lyrische Beginn drückt unsere besondere Wertschätzung für La Liga aus. Die blühenden spanischen Landschaften in der Europarangliste werden von Athletic Bilbao eröffnet. Das Team von Trainer Ernesto Valverde war in dieser Saison nie schlechter als Platz 6 positioniert und ist seit dem 15. Spieltag durchgehend Tabellenvierter. Seit Januar belohnen auch wir die Basken mit einem Platz in der Europarangliste. Vor allem deshalb, weil es Valverde gelang, mit nur 15 Millionen Euro Transferausgaben ein funktionierendes Team aufzustellen, das im 4-2-3-1 mit gutem Pressing und körperlichem Spiel zur vierten Kraft in Spanien geworden ist. Der 33-jährige Aritz Aduriz ist dabei mit 16 Toren der Goalgetter. Markel Susaeta legt die Bälle vor (12 Assists) und Aymeric Laporte spielte in der Abwehr mit 19 Jahren eine so starke Saison, dass halb Europa das französische Talent verpflichten will. Angeblich auch der FC Bayern München.

Platz 18 (17) Manchester United

Bilanz: 29-9-16
Champions League: Aus im Viertelfinale gegen Bayern München
Premier League: Siebter
FA Cup: Aus in der dritten Runde gegen Swansea City
League Cup: Aus im Halbfinale gegen Sunderland

Eine für die Red Devils enttäuschende Saison neigt sich dem Ende zu. Der letzte Heimsieg dieser seit 1989 schlechtesten Spielzeit brachte zumindest noch einmal einen Sieg. Das 3:1 gegen Hull City wahrt die letzte Chance, im nächsten Jahr zumindest in der Europa League dabei sein zu können. Dafür müssen die Red Devils einen Dreier am letzten Spieltag beim FC Southampton einfahren und auf eine Heim-Niederlage von Tottenham Hotspur gegen Aston Villa hoffen. Die Hoffnung auf den großen Louis van Gaal als Trainer für die nächste Spielzeit scheint sich derzeit zu erfüllen. Van Gaal legte einst den Grundstein für die so erfolgreiche Mannschaft des FC Bayern München und seine guten Kontakte zu den Bayern werden derzeit von der Presse zum Anlass genommen, jeden halbwegs unzufrieden wirkenden Spieler mit Manchester United in Verbindung zu bringen. Zumindest bei Toni Kroos könnte ein Fünkchen Wahrheit drin stecken, denn der verlängerte bisher bekanntlich in München nicht. Während Interims-Trainer und Clublegende Ryan Giggs vermutlich sein letztes Heimspiel (sein 963. Auftritt im Trikot der Red Devis) bestritt, betrat gegen Hull City ein vielversprechender Youngster die Premier League-Bühne und traf gleich doppelt. Der 18-jährige James Wilson sorgte gleich beim Debüt für Furore und könnte in der nächsten Saison von der Trikotnummer 47 erfolgreich downgraden. In der nächsten Saison wird mit Manchester United wieder zu rechnen sein. Die Auftritte in der Champions League in dieser Spielzeit zeigten, dass der Tabellenplatz nicht ganz die Leistungsfähigkeit des Kaders widerspiegelt. Dennoch ist eine Verjüngungskur gerade der Abwehr und das Problem der Spieleröffnung die Hausaufgabe für welchen Trainer auch immer. Mit Toni Kroos wäre zumindest eins dieser Problemfelder so gut wie gelöst.

Platz 17 (16) Everton

Bilanz: 24-9-10
Premier League: Fünfter
FA Cup: Aus im Viertelfinale gegen Arsenal
League Cup: Aus in der dritten Runde gegen Fulham

Hätte man dem Toffees vor der Saison gesagt, dass Liverpool um die Meisterschaft mitspielt, die Fans hätten einem kollektiven einjährigen Winterschlaf zugestimmt. Allerdings hätten sie dann verpasst, dass sich ihr Club vor Tottenham Hotspur und Manchester United für die Europa League qualifiziert. Während der Trainerwechsel bei den Red Devils scheiterte und David Moyes schon wieder ersetzt wurde, schlug der Moyes-Ersatz bei Everton voll ein. Roberto Martínez spielte zuletzt gegen Man City ein 3-4-3-System, meist läuft sein Team aber in einer 4-2-3-1-Formation auf. 40 Prozent der Angriffe werden über die starke linke Seite gefahren. Dabei spielt vor allem Linksverteidiger Leighton Baines eine wichtige Rolle, für den Everton vor der Saison ein Transferangebot von Man Utd ausschlug. Im Mittelfeld stellt Martínez immer wieder um und überrascht seine Gegner. Die taktische Variabilität spricht für den 40-Jährigen und lässt ihn für andere Clubs interessant werden. Gerüchten zufolge soll Tottenham den Spanier, der schon als aktiver Spieler 1995 nach England wechselte, auf dem Wunschzettel haben.

Platz 16 (19) FC Sevilla

Bilanz: 25-13-14
Europa League: Im Finale gegen Benfica
La Liga: Fünfter

Copa del Rey: Aus in der vierten Runde gegen Racing Santander

Man kann sicherlich darüber streiten, ob unterdrückter Jubel nach Toren gegen Ex-Vereine ein Ausdruck von Fairness oder reine Show ist. Unai Emery hält von dieser Sitte offensichtlich wenig, denn sein Jubellauf auf dem Rasen in Valencia nach Stéphane Mbias Anschlusstreffer in der vierten Minute der Nachspielzeit war die Szene des Halbfinals der Europa League. Sevilla hatte das Hinspiel 2:0 gewonnen, lag nach drei in der Entstehung unglücklichen Toren im Mestalla mit 0:3 zurück und schaffte durch Mbias Treffer den späten Einzug ins Finale nach Turin. Von 2008 bis 2012 hatte Emery als Trainer in Valencia gearbeitet. Gegen Benfica im Finale könnte er nun den ersten bedeutenden Titel seiner Karriere feiern.

Platz 15 (18) FC Schalke 04

Bilanz: 24-9-13
Champions League: Aus im Achtelfinale gegen Real Madrid
Bundesliga: Dritter
DFB-Pokal: Aus im Achtelfinale gegen Hoffenheim

Aller Voraussicht nach wird sich der FC Schalke 04 auf Platz drei direkt für die Champions League qualifizieren. Insgesamt kann man das natürlich als Erfolg für den Club verbuchen und hier vor allem für die sportliche Führung. Aber mal ehrlich, wenn man mit diesem Kader nicht in der Champions League spielt, dann hat man auch wirklich viel falsch gemacht. Gerade die enorme Breite des Kaders und die gute Jugendarbeit, für die U 19- Coach Norbert Elgert gerade in die Schalker Ehrenkabine aufgenommen wurde, zahlten sich bei dem enormen Verletzungspech aus. Nur mal ein Beispiel: Von der ersten Elf im Hinrundenspiel im Oktober gegen Augsburg standen am Samstag in Freiburg nur vier Spieler auf dem Platz. Schalke spielte in dieser Saison schon mit zwei komplett verschiedenen Viererketten. Uchida, Höwedes, Santana, Fuchs hieß es in der Hinrunde. Hoogland, Ayhan, Matip, Kolasinac in der Rückrunde oder am Ende des Freiburg-Spiels: Höger, Matip, Kirchhoff, Hoogland. Unter diesen Umständen traut sich kaum einer, das Schalker Spiel zu kritisieren. Wir tun es trotzdem. Die Knappen tun sich gegen tief stehende Gegner schwer. Eine klare Spielidee ist nicht zu erkennen und der Trainer reagiert zu spät oder gar nicht im In-Game-Coaching. Zu den glücklichen Siegen gegen Leverkusen und Wolfsburg kamen die peinlichen Auftritte gegen Bayern München und Real Madrid. Um in Europa ganz oben mitzuspielen, ist das eindeutig zu wenig.

Platz 14 (13) Napoli

Bilanz: 30-11-10
Europa League: Aus im Achtelfinale gegen Porto
Serie A: Dritter
Coppa Italia: Sieger

Neapel ist weiterhin unstet. Konnte man Ende März noch Juve schlagen, verlor man danach gegen Parma und spielte gegen Udinese und Inter nur remis. Das offensive Umschaltspiel funktioniert. Schon elf Kontertore stehen zu Buche. Die Defensive wirkte aber nicht selten wackelig und nicht ohne Grund haben die Azzurri 13 Tore mehr kassiert als die Roma und Tabellenführer Juventus. Dem knappen und deshalb achtbaren Aus in der Champions League steht das relativ frühe Aus in der Europa League gegen den FC Porto gegenüber. Für die „Partenopei“ spricht aber der Pokalsieg. Einen Titelgewinn kann der FC Schalke und auch Everton nicht vorweisen. Da wir die italienische Liga aber nicht so hoch einschätzen wie die Ligen in Spanien, England und Deutschland, springt auch nicht mehr als Platz 14 heraus.

Platz 13 (12) Arsenal

Bilanz: 33-10-11
Champions League: Aus im Achtelfinale gegen Bayern München
Premier League: Vierter
FA Cup: Im Finale gegen Hull City
League Cup: Aus im Achtelfinale gegen Chelsea

Noch im März sah alles danach aus, als solle es Arsène Wengers schlechteste Saison überhaupt werden. Nur ein Sieg in sieben Spielen markierte die Formschwäche der Gunners, die der Tendenz nach klar auf dem Weg schienen, aus den Champions League-Plätzen zu rutschen. Wie so oft in den letzten Jahren brach Arsenal ab Ende des Winters ein, und wie so oft fing sich das Team auf der Zielgeraden der Saison wieder. Katalysator war diesmal ein eigentlich schlechtes Spiel, das FA Cup-Halbfinale in Wembley gegen den Zweitligisten Wigan Athletic. Erst acht Minuten vor Schluss gelang Per Mertesacker damals der Ausgleich, und die Gunners mussten ins Elfmeterschießen, bevor der Einzug ins Finale feststand. Dort, gegen Hull City, können die Londoner nun allerdings endlich den ersten Titel seit nunmehr neun Jahren holen. Seit dem Finaleinzug gewann Arsenal alle Spiele in der Premier League und hat so inzwischen auch Platz vier gesichert, der zur Teilnahme an der CL-Quali berechtigt. Am Ende also nur eine normale, keine katastrophale Arsenal-Saison, wie es aussieht.

Platz 12 (11) AS Roma

Bilanz: 29-7-4
Serie A: Zweiter
Coppa Italia: Aus im Halbfinale gegen Napoli

Der souveräne Vizemeister aus Italien begeistert uns schon das ganze Jahr über. Die kompakte Defensive, die starken Konter und Spieler wie Mehdi Benatia, Miralem Pjanic und Gervinho lassen uns auf eine tolle Champions League-Saison im nächsten Jahr hoffen. Genau dieser Vergleich fehlt uns bei der Roma heuer. Ohne den internationalen Vergleich und ohne einen nationalen Titel ist ein Aufstieg in die Top-Ten der Europarangliste zu diesem Zeitpunkt undenkbar. Die Meisterschaft hätte dies sicherlich ändern können. Vor zwei Wochen hatte das Team von Trainer Rudi Garcia noch die Mini-Chance auf den Titel. Zuletzt verlor man gar mit 1:4 in Catania, womit der Status festgeschrieben ist. Den zweiten Platz haben die Römer übrigens seit dem 13. Spieltag ununterbrochen inne.

Platz 11 (8) Juventus

Bilanz: 39-8-6
Europa League: Aus im Halbfinale gegen Benfica
Serie A: Meister
Coppa Italia: Aus im Viertelfinale gegen Roma

Juventus verliert in der aktuellen Rangliste ein paar Plätze, obwohl vor wenigen Tagen der dritte Scudetto in Folge unter Dach und Fach gebracht wurde. Wirklich überraschend kam das nicht mehr, auch wenn der neutrale Serie-A-Beobachter am kommenden Spieltag gerne einen Showdown im Auswärtsspiel bei der Roma gesehen hätte. Die Saison der Alten Dame muss insgesamt zweitgeteilt betrachtet werden. Denn in den Pokalwettbewerben fehlte die Souveränität aus der Meisterschaft. Im italienischen Pokal gegen die Roma auszuscheiden, ist sicherlich kein Beinbruch. In der Europa League schaffte Juve es nach der 1:2-Pleite im Hinspiel gegen Benfica einfach nicht, vor heimischer Kulisse dieses eine wichtige Tor auf dem Weg zum Heimfinale zu erzielen. Und in der Champions League kam das Aus in der Gruppenphase gegen so übermächtige Gegner wie Galatasaray und den FC Kopenhagen.

Platz 10 (10) Liverpool

Bilanz: 28-6-8
Premier League: Tabellenführer
FA Cup: Aus im Achtelfinale gegen Arsenal
League Cup: Aus in der dritten Runde gegen Manchester United

Insgesamt zehnmal konnte der FC Liverpool in dieser Saison die Tabellenführung einnehmen. Der schlechteste Tabellenplatz, Rang vier, wurde nur am ersten Spieltag belegt. Die Fans hofften somit auf die erste Meisterschaft seit 24 Jahren. Den Reds fehlten noch drei Siege, doch man verlor ausgerechnet durch einen Bock von Kapitän Steven Gerrard gegen Chelsea und gab gegen Crystal Palace eine 3:0-Führung aus der Hand. Ein wahres Drama der Tormaschine aus Liverpool, die mit 99 Treffern zu den offensiv gefährlichsten Mannschaften in Europa gehört (Juve 76 Tore, Real Madrid 100 Tore, Bayern 93 Tore, Paris 76 Tore). Luis Suárez (31 Treffer) und Daniel Sturridge (21) führen die Torjägerliste der Premier League an. Wieso die Reds dennoch nicht Meister werden? Jamie Carragher dazu: „Die Verteidigung war schon die ganze Saison die Achillesferse. Du kannst nicht immer wieder so viele Tore fangen und dann erwarten, noch eine große Trophäe zu gewinnen.“ Tatsächlich hat Liverpool 13 Tore mehr kassiert als Man City und gar 23 mehr als Chelsea. Offense wins Games, Defense wins Championships.

Platz 9 (14) Benfica

Bilanz: 41-9-4
Europa League: Finale gegen Sevilla
Primeira Liga: Meister
Taca de Portugal: Finale gegen Rio Ave
Taca da Liga: Sieger

Mit dem 2:0-Sieg gegen Rio Ave im Ligapokal-Finale hat Benfica bereits den zweiten Titel perfekt gemacht – die Meisterschaft wurde ja schon am 20. April eingefahren. Die Saison ist für den portugiesischen Rekordmeister damit aber noch lange nicht gelaufen. Drei Spiele stehen noch aus und am Ende könnte ein historisches Quadrupel stehen. Am Wochenende können sich die Benfica-Spieler, quasi zum Einspielen, im letzten Liga-Auswärtsspiel vom entthronten Meister FC Porto huldigen lassen. Vier Tage später wartet im Finale der Europa League der FC Sevilla und die Krönung könnte es am 18. Mai geben, wenn im Pokalfinale erneut der FC Rio Ave wartet. In der vergangenen Saison verspielte Benfica noch drei Titel innerhalb weniger Tage, im Anschluss musste sich Trainer Jorge Jesus viel Kritik gefallen lassen. Umso erstaunlicher ist die Wiederauferstehung, Jesus’ Trainerleistung muss sich hinter Diego Simeone oder Carlo Ancelotti nicht verstecken.

Platz 8 (9) Borussia Dortmund

Bilanz: 33-5-11
Champions League: Aus im Viertelfinale gegen Real Madrid
Bundesliga: Zweiter
DFB-Pokal: Finale gegen Bayern München

Ein Gutes hat die riesige finanzielle Dominanz des FC Bayern in Deutschland für den BVB: Auch eine Saison ohne Titel kann als rundum gelungen gelten. In der Champions League unter die letzten Acht zu kommen und dort an Real Madrid zu scheitern, in den nationalen Wettbewerben jeweils Zweiter hinter Bayern – das wäre aller Ehren wert, selbst wenn das Pokalfinale gegen die Münchner verloren werden sollte. Was wiederum angesichts der aktuellen Form beider Kontrahenten nicht ausgemacht ist. Seit der herben Niederlage in Madrid gewann Dortmund sechs seiner folgenden sieben Spiele, dazu gab es ein Unentschieden in Leverkusen. So eine Bilanz kann man auch dann würdigen, wenn man nicht auf die Masche von Hans-Joachim Watzke hereinfällt, der inzwischen auf Bayern-Spuren wandelt, wenn es darum geht, die eigenen Möglichkeiten klein zu reden. Wo Karl-Heinz Rummenigge vor Jahresfrist behauptet hatte, Pep Guardiola sei nicht des Geldes wegen nach München gekommen, das habe keine Rolle gespielt – in Wirklichkeit aber mutmaßlich das höchste Trainergehalt der Welt kassiert – da versuchte Watzke jetzt in einem Kicker-Interview, Dortmund als einzig armen Club im Viertelfinale darzustellen. Dass man mit solcher Propaganda in deutschen Medien auf Nicken und Offene Ohren stößt, anstatt auf Nachfragen, wie hoch denn der Umsatz von Atlético Madrid im Verhältnis zum BVB sei (Antwort: nicht mal halb so hoch), gehört zu den Ärgernissen des hiesigen Sportjournalismus. Borussia Dortmund gehört sportlich und finanziell zum besten Dutzend in Europa. Daran ist nichts Ehrenrühriges. Interessanter Fakt am Rande: Keine europäische Spitzenmannschaft hat in dieser Saison einen so geringen Anteil seiner Spiele unentschieden bestritten wie der BVB, der nur rund jedes zehnte Pflichtspiel remis beendete.

Platz 7 (6) Paris Saint-Germain

Bilanz: 38-9-6
Champions League: Aus im Viertelfinale gegen Chelsea
Ligue 1: Meister
Coupe de France: Aus in der zehnten Runde gegen Montpellier
Coupe de la Ligue: Gewinner

Das Aus im Viertelfinale der Champions League gegen Chelsea war knapp, aber nicht unverdient. In Paris ließ man Chelsea einen Auswärtstreffer erzielen. Ohne den verletzten Zlatan Ibrahimovic konnte man in London selbst gar nicht treffen und scheiterte somit gleich am ersten Hochkaräter, der international in dieser Saison den Weg kreuzte. In der Liga steht der Titel fest, außerdem konnte man den Liga-Pokal gewinnen. Dem weiteren Aufstieg in Europas Topfußball wird aber vermutlich von Seiten der UEFA ein Riegel vorgeschoben. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge müssen sowohl Paris St. Germain als auch Manchester City rund 60 Millionen Euro Strafe wegen Vergehen gegen das Financial Fairplay zahlen und dürfen in der kommenden Saison nur 21 statt der üblichen 25 Spieler in der Königsklasse einsetzen. Zudem dürfen die Gehälter der Profi-Teams nicht steigen. Die Top-Clubs in Europa wissen ihren Status zu verteidigen und schieben den so genannten Neureichen einen Riegel vor. Besitzstandswahrung nennt man das wohl.

Platz 6 (5) Chelsea

Bilanz: 34-10-12
Champions League: Aus im Halbfinale gegen Atlético

Premier League: Dritter
FA Cup: Aus im Achtelfinale gegen City
League Cup: Aus im Viertelfinale gegen Sunderland

Bis zur 44. Minute im Rückspiel gegen Atlético Madrid lief für die Blues alles nach Plan. Der gemeine Fußballfan wand sich mit Abscheu vom Fußballvernichtungsspiel der Londoner ab, der Taktikexperte wies auf die Legitimität dieser effizienten Herangehensweise hin und man hatte die Vision, Bayern München werde sich erneut im Finale gegen die Blaue Wand durchzusetzen haben. Doch es kam anders. Chelseas Defensivbollwerk wurde durch einen Ball hinter die Kette überrascht, die Blues verloren gegen Atlético und über die Bayern brauchen wir nicht zu sprechen. Dennoch muss man den Hut ziehen. José Mourinho hat es wieder einmal geschafft, seinem Team eine defensive Stabilität zu verleihen, die trotz Rotation vorne wie hinten die Gegner zur Verzweiflung treibt. So agierten beim 2:0-Sieg in Liverpool Branislav Ivanovic und Tomás Kalas anstelle von John Terry und Garry Cahill in der Innenverteidigung. Den Titel haben die Blues zwar knapp verpasst, dennoch muss man den Hut ziehen, bevor man sich abwendet. Chapeau und Augen zu!

Platz 5 (5) Manchester City

Bilanz: 40-6-10
Champions League: Aus im Achtelfinale gegen Barcelona
Premier League: Erster
FA Cup: Aus im Viertelfinale gegen Wigan Athletic
League Cup: Gewinner

April, April, der macht, was er will: Nach der Niederlage in Anfield und dem schockierenden 2:2 gegen Sunderland im anschließenden Heimspiel lag City am Ostermontag vor dem Spiel gegen West Brom neun Punkte hinter Liverpool auf Platz drei der Premier League (bei zwei Spielen weniger). Das ist keine drei Wochen her. Inzwischen haben die Citizens sowohl Chelsea als auch die Reds überholt und brauchen am letzten Spieltag zu Hause faktisch nur ein Unentschieden gegen West Ham United, um sich den Meistertitel zu sichern. Es wäre der zweite Titel in der ersten Saison für Manuel Pellegrini, und in der kommenden Saison muss das Ziel sein, auch in der Champions League mindestens das Viertelfinale zu erreichen. Die bei PSG schon angesprochenen Sanktionen der UEFA erscheinen ungeeignet, das Projekt Citys in die Knie zu zwingen.

Platz 4 (2) Barcelona

Bilanz: 40-9-8
Champions League: Aus im Viertelfinale gegen Atlético
La Liga: Zweiter
Copa del Rey: Niederlage im Finale gegen Real Madrid

Zwei Plätze gefallen ist Barcelona in der Rangliste seit dem letzten Mal. Das liegt daran, dass die Blaugrana, zuvor noch Clásico-Sieger in der Liga, in der Champions League an Atlético, im Copa del Rey an Real Madrid scheiterten, also jeweils an den beiden Teams, die von der generellen Stärke her fast gleichauf mit ihnen rangieren. So stark sind ja die spanischen Verhältnisse, vor denen aus heutiger Sicht anachronistisch Uli Hoeneß gewarnt hatte: Neben der Premier League findet dort das packendste Titelrennen Europas statt. In diesem hat Barcelona auf einmal wieder die Möglichkeit, aus eigener Kraft Meister zu werden. Bei zwei Siegen in Elche und zu Hause gegen Atlético wäre den Katalanen die Titelverteidigung nicht zu nehmen, dank des dann gewonnenen direkten Vergleichs gegen Atlético. Allerdings hat Barcelona von bisher fünf Spielen in dieser Saison gegen die Colchoneros kein einziges gewonnen. Noch gibt es also keinen Grund, sie vor dem Team von Diego Simeone anzusiedeln.

Platz 3 (4) Atlético Madrid

Bilanz: 42-10-6
Champions League: Im Finale gegen Real Madrid
La Liga: Tabellenführer
Copa del Rey: Aus im Halbfinale gegen Real Madrid

Drei Saisonspiele muss Atlético Madrid noch bestreiten. Drei Spiele, in denen zwischen Double-Triumph und leeren Händen alles möglich erscheint. Nach dem leichten Auftakt gegen Málaga folgt das spanische Saisonfinale beim FC Barcelona, wo sich Atlético nach der überraschenden 0:2-Pleite bei Levante keine weitere Niederlage erlauben darf. Eine Woche später kommt es gegen Real in Lissabon zum ersten Stadt-Finale in der Geschichte der Champions League. Was vor der Saison undenkbar schien, hat Trainer Diego Simeone im Halbfinal-Rückspiel gegen den FC Chelsea mit einer taktischen Meisterleistung perfekt gemacht. Wie Atlético jedes Team der Welt defensiv beherrschen und mit der individuellen Klasse in der Offensive entscheidende Tore erzielen kann, ist beeindruckend.

Platz 2 (1) Bayern München

Bilanz: 42-6-6
Champions League: Aus im Halbfinale gegen Real Madrid
Bundesliga: Meister
DFB-Pokal: Finale gegen Borussia Dortmund

Die vorschnell als „beste Mannschaft der Welt“ ausgerufenen Münchner mussten nach acht Monaten Fußball nahe der Perfektion einige Rückschläge einstecken und sehen sich nun typischerweise dem anderen Extrem der zuvor übertriebenen Jubelhymnen gegenüber: Auf einmal wird alles in Frage gestellt. Die Glas-halb-voll-Sichtweise lautet dabei: Das Double ist immer noch auf Kurs, in der Champions League, die seit 25 Jahren kein Club mehr verteidigen konnte, ist man halt an Real Madrid im Halbfinale gescheitert. Eine sehr gute Saison kann es immer noch werden. Die Glas-halb-leer-Perspektive sagt dagegen: Gegen Real Madrid gab es kein knappes Aus, sondern die höchste Heimniederlage der Vereinsgeschichte. Danach kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Beide Sichtweisen haben ihre Berechtigung. Vorerst ist es natürlich angezeigt, Real Madrid über den Münchnern zu platzieren, da die noch das Treble holen können und im direkten Duell das Kräfteverhältnis überdeutlich gemacht haben. Weiter nach unten könnte Bayern aber im Saisonabschlussranking noch rutschen, wenn etwa Atlético die Champions League gewinnen sollte und/oder Bayern das Pokalfinale gegen Dortmund verlöre. Schaun mer mal.

Platz 1 (3) Real Madrid

Bilanz: 44-8-5
Champions League: Finale gegen Atlético
La Liga: Dritter
Copa del Rey: Gewinner

Anfang Mai noch von drei auf eins springen: Hat unsere vorherige Rangliste nicht gestimmt? Im Nachhinein natürlich nicht. Aber vor vier Wochen hatte Madrid gegen Barcelona gerade den Clásico verloren und lag in der Liga hinter den beiden Erzrivalen. Seither gewann Carlo Ancelotti schon mal den Pokal im Clásico-Finale und schaltete mit Bayern München den schwerstdenkbaren Gegner in Europa aus, und das nicht knapp und glücklich, sondern mit berauschender Leistung und perfekter Taktik. Auch, wenn zwei Unentschieden innerhalb von nur vier Tagen in der Liga die Chance, im spanischen Titelrennen alles selbst in die Hand zu nehmen, genommen haben und der Meistertitel inzwischen schon fast eine Überraschung wäre, hat Madrid immer noch den besten Punkteschnitt aller europäischen Mannschaften (fast 2,5), und auch der zehnte Champions League-Titel in Kombination mit dem Copa del Rey-Sieg wäre ein gutes Argument für Platz eins. Ändern könnte an dieser Einstufung logischerweise eine Finalniederlage in Lissabon.

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