Die Europarangliste: Ausgabe April

Im Halbfinale der Champions League stehen mit dem FC Bayern und Borussia Dortmund zwei deutsche Teams, die sich mit den spanischen Topclubs FC Barcelona und Real Madrid messen dürfen. Die vermeintlich stärkste Liga der Welt, die Premier League, ist dagegen schon seit dem Viertelfinale zum Zuschauen verdammt. Momentaufnahme oder Trend?

Die zweite Europarangliste von Gegen den Ball beantwortet diese Frage mit der erneuten Aufnahme von sechs Clubs aus England. Wir erkennen aber auch taktische Mängel, die es in den kommenden Monaten und Jahren aufzuholen gilt.

Wer die erste Europarangliste im März verpasst haben sollte, dem sei das Bewertungssystem zur Ermittlung der aktuell besten 20 Teams in Europa noch mal näher gebracht. Die sportliche Klasse der Clubs steht dabei immer im Vordergrund:

1) Die Qualität des Kaders
Wie stark sind die einzelnen Positionen besetzt und wie gut sind die Mannschaftsteile aufeinander abgestimmt?
2) Das Abschneiden in der heimischen Liga
Dabei ist die Stärke der jeweiligen Liga ein wichtiger Faktor. Premier League, Primera División, Bundesliga und Serie A haben einen qualitativen Vorteil, mit Abstrichen folgt Frankreich. Wer in den anderen europäischen Ligen um den Titel mitspielt, muss parallel auch international Erfolge feiern.
3) Das Abschneiden im europäischen Wettbewerb
Das Abschneiden in der Champions League und damit die Quervergleiche zu anderen Ligen sind sehr wichtige Faktoren. Auch das Abschneiden in der Europa League ist relevant, aber nicht ganz so entscheidend.
4) Der Trainer
Ein guter Trainer kann den Unterschied machen, wenn es darum geht, welches von zwei gleich stark besetzten Teams sich durchsetzen würde.
5) Die Form
Da dieses Ranking monatlich erscheint, spielt die Form – hier zählen alle relevanten Wettbewerbe – eine gewichtige Rolle. Doch auch hier gibt es Unterschiede, Erfolge in Spitzenspielen haben mehr Gewicht als der fünfte Sieg in Serie gegen Abstiegskandidaten.

Bleibt noch eine kurze Bewertung der Clubs, die auf den weiteren Plätzen folgen und die Top 20 knapp verfehlt haben. Da wäre der FC Liverpool, der im März noch auf Platz 20 stand, seitdem aber viele Punkte gegen unterklassige Clubs liegen ließ und dabei eine ungesunde Abhängigkeit von Torjäger Luis Suárez offenbarte. Auch Bayer Leverkusen konnte in vier Spielen nur einen Sieg feiern, ein Dreier gegen den FC Schalke hätte für ein Umdenken sorgen können. Unser Geheimfavorit AC Florenz ist ebenfalls knapp gescheitert, die Fiorentina könnte mit einem Sprung auf Rang drei in der Serie A aber in der nächsten Ausgabe dabei sein. Deutlicher wurde der Daumen dagegen bei Olympique Marseille gesenkt, OM profitierte beim Sprung auf Rang zwei von der Schwäche Lyons. Genug aussortiert, hier kommen die besten Clubs Europas:

Platz 20 (neu): FC Everton

Pflichtspiel-Bilanz: 18–15-7
Premier League: 6. Platz
Europa: nicht vertreten

Im letzten Monat war es noch das Team vom FC Liverpool, das den 20. Platz für sich behaupten konnte. Dass nun ausgerechnet Lokalrivale Everton im imaginären Merseyside Derby um Platz 20 der Europarangliste den Vorzug erhielt, erklärt sich leichter als es sich für einen echten Fan der beiden Clubs ertragen lässt. Während Liverpool nach einer Niederlage gegen Southampton und zwei Remis gegen West Ham und Reading fünf Punkte Rückstand auf Platz sechs aufweist, und somit aus unserer Top 20 flog, verlor Everton keines der letzten sechs Liga-Spiele. Das Team von Trainer David Moyes, der als Keller-Nachfolger auf Schalke gehandelt wird, erreichte zudem sowohl bei den Spurs als auch bei Arsenal ein Remis. Und dann wäre da noch der 2:0-Sieg gegen Manchester City Mitte März, der Moyes einmal mehr viel Anerkennung brachte. Der dreimalige Manager of the Year (2003, 2005 und 2009) der League Managers Association schafft es immer wieder, mit geringem Budget im Konzert der Großen mitzumischen. Das gelingt ihm durch eine physisch starke, defensive Spielweise. Er lässt oft in einem sehr kompakten 4-5-1 agieren, das es dem Gegner nicht leicht macht. 14 Remis (Ligahöchstwert zusammen mit Norwich) geben einen Eindruck, wie schwer das Team von David Moyes zu schlagen ist. Für Liverpool bleibt der schwache Trost, dass das wichtigste Duell des Jahres nicht das gegen den Stadtrivalen, sondern das gegen den Nachbarn in 50 Kilometern Entfernung ist und im Duell der Rekordmeister gegen Manchester United sind sie längst abgehängt.

Platz 19 (18): FC Schalke

Pflichtspiel-Bilanz: 18-11-11
Bundesliga: 4. Platz
Europa: Aus im CL-Achtelfinale

Die Knappen behaupten sich als dritter Bundesliga-Club in der europäischen Top 20, die Argumente werden jedoch weniger. Nach dem auch fußballerisch starken 2:1-Sieg gegen den BVB folgten eine Pleite in Nürnberg und jeweils extrem schwache erste Halbzeiten gegen Hoffenheim, Bremen und Leverkusen. Mit sieben Zählern stimmte dort immerhin die Bilanz. Der erneute Einzug in die Champions League winkt – trotz des drittstärksten Kaders der Liga – vor allem dank der Inkonstanz der Konkurrenz. In der Trainerfrage beweisen die Schalker wie schon seit Jahren eines: Unentschlossenheit. Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies sagte zunächst in einem Interview, der Trainer für die kommende Saison stehe bereits fest, um einen Tag später das Gegenteil zu behaupten. Bei allem Lob der Verantwortlichen, für Jens Keller spricht das jedenfalls nicht.

Platz 18 (15): FC Porto

Pflichtspiel-Bilanz: 26-7-3
Liga Sagres: 2. Platz
Europa: Aus im CL-Achtelfinale

Seit Jahren schaffen es die Drachen trotz eines riesigen Aderlasses im Kader, die Meisterschaft in Portugal zu dominieren (acht Titel in den letzten zehn Jahren) und in der Champions League eine achtbare Rolle zu spielen. In dieser Saison scheint die Dominanz in der heimischen Liga gebrochen, was aber in erster Linie an Rekordmeister Benfica liegt. Beide Teams sind noch ungeschlagen, Porto liegt mit zwei Remis mehr vier Zähler dahinter. Am vorletzten Spieltag empfängt Porto den Rivalen, die Wende ist somit noch möglich. Im Sommer könnte es dann den nächsten Umbau im Kader geben, Joao Moutinho und Jackson Martinez werden von vielen Topclubs umworben.

Platz 17 (16): Galatasaray

Pflichtspiel-Bilanz: 23-10-8
Süper Lig: 1. Platz
Europa: Aus im CL-Viertelfinale

Seit der letzten Europarangliste hat der türkische Tabellenführer eine starke Bilanz vorzuweisen, fünf Siegen steht nur die Hinspiel-Niederlage gegen Real Madrid gegenüber. Trainer Fatih Terim ließ gegen Real in beiden Spielen mutig stürmen, was ihm Sympathien einbrachte, einem noch besseren Ergebnis letztlich aber im Wege stand. Wobei Sympathien Terim sonst völlig egal sind, in der türkischen Liga muss der Imperator wegen Schiedsrichter-Beleidigung aktuell eine Neun-Spiele-Sperre absitzen. „Wir werden Meister, auch wenn ich die Mannschaft vom Mond anleiten muss“, sagte der Gala-Coach nach der Urteilsverkündung. Dafür muss Verfolger Fenerbahce (vier Zähler Rückstand) auf Distanz gehalten werden, am vorletzten Spieltag kommt es zum Showdown in der Süper Lig.

Platz 16 (19): SSC Neapel

Der blaue Brief, den wir Trainer Walter Mazzarri vor einem Monat zustellten, zeigte Wirkung. Schrieben wir doch am 15. März, „Napoli wird die Form wieder finden müssen, um auch im April dazuzugehören“. Das schaffte das Team von Mazzarri eindrucksvoll. Drei Siege und ein Remis lautet die Bilanz der letzten vier Wochen. Damit sichert sich Napoli mit vier Punkten Vorsprung den zweiten Tabellenplatz. Beim direkten Konkurrenten um die direkte CL-Qualifikation, der AC Mailand, erreichte Napoli zuletzt ein 1:1. Die starke Defensive um Paolo Cannavaro, Hugo Campagnaro und den defensiven Mittelfeldspieler Valon Behrami ist weiterhin das Prunkstück der im 3-4-1-2-System spielenden Partenopei. In der Offensive ist man allerdings weiterhin zu abhängig von Edinson Cavani (22 Saisontore).

Platz 15 (17): Benfica Lissabon

Pflichtspiel-Bilanz: 32-8-2
Liga Sagres: 1. Platz
Europa: EL-Halbfinale

Nach Jahren der finanziellen Schwierigkeiten und der sportlichen Unterlegenheit gegenüber dem FC Porto könnte 2013 das Jahr von Benfica werden. Dem zweifachen Europapokalsieger der Landesmeister (1961 und 1962) winkt das Treble. In der portugiesischen Liga gilt es, vier Zähler Vorsprung zu verwalten, im Pokal steht Benfica bereits im Finale und in der Europa League ist die Favoritenrolle gegen Fenerbahce auch klar verteilt. Der Erfolg lässt die Scouts jedoch häufiger im Estadio da Luz auftauchen, es ranken sich viele Transfergerüchte um Innenverteidiger Ezequiel Garay, Nicolas Gaitan oder die Stürmer Eduardo Salvio, Rodrigo oder Ola John.

Platz 14 (11): Tottenham Hotspur

Pflichtspiel-Bilanz: 23-13-12
Premier League: 5. Platz
Europa: Aus im EL-Viertelfinale

David Bowies „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars“ gilt vielen Musikfans in Großbritannien als das maßgebliche Album der 1970er Jahre. Es erzählt die Geschichte eines Rockstars, der die Botschaft von Liebe und Frieden in die Welt bringen will, aber letztlich an sich selbst scheitert. Die Spurs sehen sich vielleicht selbst auch schon als Star der Premier League, doch in den letzten vier Wochen holten sie nur einen Sieg aus fünf Spielen und schieden gegen Basel aus der Europa League aus. An sich selbst gescheitert, möchte man die Analogie zu Ende schreiben, doch die Geschichte einer eigentlich so erfolgreich anmutenden Saison muss nicht im „Rock ’n‘ Roll Suicide“ enden. Am Sonntag haben die Spurs Manchester City zu Gast. Auf Chelsea, die den dritten Platz belegen, sind es nur drei Punkte und das direkte Duell steht noch aus (8. Mai). „It Ain’t Easy“, aber es ist noch alles drin. Vor allem wenn „Starman“ Gareth Bale (Knöchelverletzung) wieder fit ist. Bale macht den Unterschied aus.

Platz 13 (14): FC Málaga

Pflichtspiel-Bilanz: 21-15-13
Primera División: 5. Platz
Europa: Aus im CL-Viertelfinale

Wenn Fatih Terim Sympathien unwichtig sind, dann pfeift Málagas Präsident Abdullah ben Nasser Al-Thani auf alles, was Beliebtheitswerte steigern könnte. Nach der bedauernswerten 2:3-Niederlage seines Clubs bei Borussia Dortmund twitterte Al-Thani Rassismus-Vorwürfe in Richtung UEFA – viel schlechter kann man nicht verlieren. Ganz anders seine Mannschaft, die Fans der Boquerones und Trainer Manuel Pellegrini. Wie Málaga den BVB mit einfachen taktischen Mitteln praktisch schon geschlagen hatte, wie die Anhänger in Dortmund eifrig Applaus für das Siegerteam spendeten und den Verlierern eine triumphale Rückkehr nach Málaga bescherten und wie Pellegrini trotz ausstehender Gehaltszahlungen demütig seinen Verbleib in Andalusien verkündete – all das macht den CL-Debütanten FC Málaga zu einem der großen Gewinner der Saison.

Platz 12 (13): FC Arsenal

Pflichtspiel-Bilanz: 25-11-12
Premier League: 4. Platz
Europa: Aus im CL-Achtelfinale

Arsenal stieg in den letzten vier Wochen in der Premier League auf Platz vier und bei uns um zwei Ränge. Dafür sind vier Siege und ein Remis verantwortlich. Nimmt man das 0:0 gegen Everton raus, dann konnte Arsenal gegen vier schwache Gegner alle Punkte mitnehmen. Die Qualität, gegen kleine Gegner keine Punkte liegen zu lassen, muss man den Gunners lassen. Gegen Teams aus diesem Ranking verlor Arsenal allerdings in dieser Saison sieben Spiele, bei vier Remis und nur zwei Siegen (einer davon war der unbedeutende Rückspielsieg gegen Bayern). Kleinvieh macht auch Mist, würde der Volksmund sagen. Da Arsenal in den letzten fünf Partien der Premier League nur noch Manchester United als Top-Gegner zu fürchten hat, könnten die vielen Siege gegen kleine Gegner in der Summe etwas Großes bringen: die erneute Qualifikation für die Champions League.

Platz 11 (12): Atlético Madrid

Pflichtspiel-Bilanz: 30-8-9
Primera División: 3. Platz
Europa: Aus in der EL-Zwischenrunde

Atlético hat das Pech, sich seit Mitte Februar nur noch in einem Wettbewerb zeigen zu dürfen. Das Aus in der Europa League gegen Rubin Kazan war sicher kein Ruhmesblatt, das spanische Pokalfinale wiederum steigt erst am 17. Mai gegen Stadtrivale Real. In der Liga halten sich die Rojiblancos trotzdem in der Spitzengruppe, der Rückstand auf Real beträgt drei Punkte. Und die Rückkehr auf Platz zwei ist nicht unrealistisch, Real konzentriert sich auf die Champions League, zwischen den beiden Spielen gegen Borussia Dortmund empfängt Atlético den ungeliebten Nachbarn zum Derby.

Platz 10 (7): AC Mailand

Pflichtspiel-Bilanz: 21-10-11
Serie A: 3. Platz
Europa: Aus im CL-Achtelfinale

Angeführt von Neuzugang Mario Balotelli, der mit sieben Toren in acht Serie A-Spielen voll eingeschlagen ist, spielt Milan weiterhin ein beachtliches Jahr mit insgesamt nur zwei Niederlagen. Aber zuletzt schwächelten die Rossoneri ein wenig, in den Spitzenspielen gegen Florenz und Neapel sprangen nur zwei Zähler heraus und so schmolz der Vorsprung auf die viertplatzierte Fiorentina auf vier Punkte zusammen. Nun wartet mit Juventus der designierte Meister und Milans erneute Champions League-Teilnahme ist ernsthaft in Gefahr. Balotelli wird in Turin wie schon gegen Neapel jedoch nicht helfen können, der Stürmer wurde wegen Schiedsrichter-Beleidigung gegen Florenz für drei Spiele gesperrt.

Platz 9 (10): FC Chelsea

Pflichtspiel-Bilanz: 31-12-13
Premier League: 3. Platz
Europa: EL-Halbfinale

Der amtierende Titelträger der Champions League steht immerhin im Halbfinale der Europa League und auf Platz drei der Premier League. Drei Siege und eine Niederlage konnte Übergangstrainer Rafael Benítez in den letzten vier Ligaspielen einfahren. Im FA Cup konnte man zwar Manchester United schlagen, scheiterte aber an Manchester City im Halbfinale. Somit ist die Europa League der letzte Hoffnungsanker auf einen Titel in diesem Jahr. Viel wichtiger erscheint aber die erneute Qualifikation für die Champions League. In diesem Rennen liegen die Blues auf der Pole Position der Teams, die nicht aus Manchester kommen. Benítez lässt in einem 4-2-3-1 spielen, in dem vor allem die drei offensiven Mittelfeldspieler große Qualität besitzen. Im Sturm spielt mal Demba Ba (zwei Treffer aus sieben Spielen), mal Fernando Torres (sieben Treffer aus 25 Partien). Der Spanier zeigte vor allem in den europäischen Wettbewerben, dass er sein Handwerk noch beherrscht (sieben Tore).

Platz 8 (9): Paris St. Germain

Pflichtspiel-Bilanz: 30-10-8
Ligue 1: 1. Platz
Europa: Aus im CL-Viertelfinale

Trotz des blamablen Pokal-Aus gegen Außenseiter Évian steigt Paris St. Germain um einen Platz in unserer Gunst. Das liegt zum einen daran, dass wir weiter von der Qualität des Kaders überzeugt sind, vor allem aber an Trainer Carlo Ancelotti, der ein Meister seines Fachs ist. Die zwei starken Auftritte gegen Barcelona gaben Zeugnis der Trainerkunst, auch wenn die Krönung verwehrt blieb. Im Hinspiel gelang Ancelotti mit einem defensiven 4-4-2, bei dem vor allem die Zentrale kompakt gehalten wurde, ein 2:2. Im Rückspiel agierte Barca bis zur Einwechselung von Lionel Messi relativ ungefährlich, Paris führte verdient und die Sensation lag in der Luft. In der etwas schwächer zu beurteilenden Ligue 1 hat Paris mit neun Punkten Vorsprung keine Probleme, den ersten Meistertitel seit 1994 einzufahren. Damals waren David Ginola (13 Treffer) und George Weah (11 Treffer) die Stars der Mannschaft, heute ist es Zlatan Ibrahimovic, dem bereits 26 Treffer in 27 Ligaspielen gelangen.

Platz 7 (8): Manchester City

Pflichtspiel-Bilanz: 25-11-8
Premier League: 2. Platz
Europa: Aus in der CL-Gruppenphase

Ein Gerücht fliegt auch ohne Flügel. Das wissen die Verantwortlichen von Manchester City nur zu gut, denn die Citizens werden – nach zwei defensiven Transferperioden ohne große Namen – mal wieder mit jedem zweiten guten Spieler in Europa in Verbindung gebracht. Befeuert wurde die Gerüchteküche durch Trainer Roberto Mancini, der den Rückstand auf Tabellenführer Man United mit eben dieser Zurückhaltung begründete. Die Meisterschaft ist entschieden, doch der aktuelle Kader sammelte mit Siegen in den Spitzenspielen gegen United und im FA Cup gegen Chelsea einige Argumente Konstanz in der Kaderplanung. Die Erfolglosigkeit in Europa liegt unserer Meinung nach auch eher an taktischen Mängeln denn an falschem Spielermaterial. Herr Mancini, sie sind selbst in der Pflicht.

Platz 6 (5): Juventus Turin

Pflichtspiel-Bilanz: 30-9-7
Serie A: 1. Platz
Europa: Aus im CL-Viertelfinale

So schwach, wie manche Beobachter Juventus Turin gegen Bayern München sahen, waren die Italiener nicht. Immerhin erreichte der FC Bayern seine gute Ausgangsposition im Rückspiel durch einen abgefälschten Schuss (Alaba) und ein Abseitstor (Müller). Dennoch zeigte sich deutlich, wo der Unterschied zwischen den beiden Clubs liegt. Mit Andrea Pirlo, Arturo Vidal und Claudio Marchisio hat Juve zwar eine kongeniale Ménage-à-trois im defensiven Mittelfeld, aber in der Offensive fehlt es der alten Dame an Klasse. In der Serie A reicht dieser Kader zum Meistertitel, denn auch dort ist die Defensive das Prunkstück mit nur 20 Gegentreffern in 32 Spielen. Im Vergleich dazu die anderen Tabellenführer der fünf großen Ligen: Man United (35 Gegentreffer in 33 Spielen), Barcelona (33 Gegentreffer in 31 Spielen), PSG (20 Gegentreffer in 32 Spielen) und Bayern München (13 Gegentreffer in 29 Spielen).

Platz 5 (6): Borussia Dortmund

Pflichtspiel-Bilanz: 26-11-6
Bundesliga: 2. Platz
Europa: CL-Halbfinale

Trotz der tätlichen Auseinandersetzungen um Champions League-Tickets unter BVB-Fans fürchten wir uns nicht vor dem schwarz-gelben Mob und verzichten darauf, Dortmund unter die ersten vier Teams der Europarangliste zu platzieren. Auch wenn wir Kommentare wie „Gegen den Ball? Gegen die Fresse, Alter!“, erwarten, wir bleiben ruhig und erklären unsere eurozentrische Weltsicht. Zunächst sollte klar sein, dass es keinen Automatismus gibt, der die Halbfinalisten der Champions auf die ersten vier Ränge festschreibt. Außerdem muss man feststellen, dass Borussia Dortmund große Probleme mit dem als Außenseiter ins Viertelfinale gestartetem FC Malaga hatte. Die letzten erfolgreichen Auftritte gegen Teams aus dieser Liste hatte der BVB in der Gruppenphase, wo man Man City und Real Madrid vor eigenem Publikum besiegen konnte. Seitdem setzte es Niederlagen gegen Bayern (Pokal) und auf Schalke. Konkurrent Manchester United spielt zudem die konstantere Saison. Dem Dortmund Fan bringen wir zum Trost in Erinnerung, dass der BVB immerhin einen Platz in unserer Rangliste gut machen konnte, und versprechen, einen weiteren Vormarsch nach dem Halbfinale gegen Real Madrid zu prüfen.

Platz 4 (4): Manchester United

Pflichtspiel-Bilanz: 34-6-9
Premier League: 1. Platz
Europa: Aus im CL-Achtelfinale

Die Red Devils liegen in einer der stärksten Ligen der Welt unangefochten an der Tabellenspitze. Das Team von Alex Ferguson hat 13 Punkte Vorsprung (ein Spiel mehr) vor Letztjahresmeister Manchester City. Da konnte sich Man Utd auch eine Niederlage gegen den Stadtrivalen leisten, denn die Meisterschaft ist so gut wie sicher. Wir haben deshalb das 1:2 gegen Man City nicht so sehr ins Gewicht fallen lassen. Auffällig ist, dass Manchester Utd 17 Tore mehr geschossen hat, als die stark besetzte Offensive von Man City. Neben den Torgaranten Robin van Persie (21) und Wayne Rooney (12) zeichnet sich vor allem die Breite des Kaders aus; 19 Spieler erzielten mindestens einen Treffer, während Man City nur 14 verschiedene Torschützen im Kader hat. Das Ausscheiden in der Champions League ist bei uns immer noch mit Sternchen vermerkt – United war gegen Real Madrid solange das bessere Team, bis die Rote Karte gegen Nani Einfluss auf das Spiel nahm.

Platz 3 (3): Real Madrid

Pflichtspiel-Bilanz: 31-10-8
Primera División: 2. Platz
Europa: CL-Halbfinale

Wie der BVB im Halbfinale gegen Real bestehen kann, wird Gegen den Ball in der kommenden Woche genauer analysieren. Eine Sache ist aber klar: Cristiano Ronaldo bedarf einer besonderen Bewachung. Der Superstar, der die Sehnsucht der Königlichen nach der Decima – dem zehnten Titel in der Champions League – befriedigen will, ist in Topform. Seit Jahresbeginn traf Ronaldo 28 Mal. Dies und die Tatsache, im gleichen Zeitraum nur zwei Mal verloren zu haben, lässt gleichwohl keinen weiteren Aufstieg in der Europarangliste zu. Zu viele Chancen durfte sich der vermeintlich schwächste Viertelfinalist Galatasaray erarbeiten, zu selten spielt das Team von Trainer José Mourinho zu Null.

Platz 2 (2): FC Barcelona

Pflichtspiel-Bilanz: 36-8-5
Primera División: 1. Platz
Europa: CL-Halbfinale

Tito Vilanova ist zurück und Barca ist seit fünf Spielen in der Liga ohne Niederlage. Allerdings zeugten die Unentschieden gegen Paris St. Germain und Celta Vigo nicht gerade von der unumstößlichen Herrschaft der besten Mannschaft der Welt. Vielleicht gehört dieser Ruf schon bald den Sagen und Mythen Kataloniens an: „Das Land Katalonien liegt auf der Iberischen Halbinsel, zwischen den Pyrenäen und dem Mittelmeer. Dort gibt es eine Hauptstadt, die auf den Namen Barcelona hört. Ein Ort, in dem einst Milch und Honig flossen. Drei Champions League-Siege durften die Einheimischen in den letzten zehn Jahren feiern, ihre Blaugrana erreichten zweimal die Fifa-Clubmeisterschaft und gewannen zweimal den Supercup. Es wurden nicht zuletzt fünf Meistertitel in dieser aufgeregten Zeit gesammelt. Man genoss sogar den Ruf, den technisch anspruchsvollsten Fußball der Welt zu zelebrieren. Doch jetzt schickt sich ein kleiner Provinzverein aus dem Süden Deutschlands an, diese Vormachtstellung anzugreifen. Im Halbfinale der Champions League treffen die beiden Widersacher direkt aufeinander und werden die Hierarchie in Europa und die unserer Rangliste unter sich ausfechten. Möge der bessere gewinnen!“

Platz 1 (1): FC Bayern

Pflichtspiel-Bilanz: 37-4-3
Bundesliga: 1. Platz
Europa: CL-Halbfinale

Beim FC Bayern gehen die Superlative aus. Deutscher Meister am 28. Spieltag. Erst drei Niederlagen in allen Wettbewerben bei einem Torverhältnis von 120:24. Punkterekord in der Bundesliga nur noch ein Sieg entfernt. Laut Forbes in der Liste der wertvollsten Fußball-Clubs erstmals mit einem Wert über einer Milliarde Euro taxiert. Wenn die Aufzählung erweitert werden soll, darf sich das Team von Trainer Jupp Heynckes in den nächsten sechs Wochen aber keine Schwächephase erlauben, auch wenn es die erste der Saison wäre. Denn noch nie war die Chance, die Champions League zu gewinnen, größer. In diesem Jahr passt einfach alles zusammen, ob das in den nächsten Jahren – trotz aller Vorschusslorbeeren für Pep Guardiola – wieder so sein wird, ist zumindest zweifelhaft. Nach den Spielen gegen den FC Barcelona wissen wir, ob die perfekte Saison noch möglich sein wird.

Michel Massing und Marcus Krämer

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