Die Europarangliste – Ausgabe Februar

In der aktuellen Europarangliste finden die Simpsons genauso einen Platz wie Tim Wiese, der EA Sports-Fluch und kranke Männer. Wem das noch nicht reicht, dem sei gesagt, dass die großen Formkrisen von etablierten Clubs wie Manchester United oder Bayer Leverkusen für ordentlich Bewegung gesorgt haben.

Die Bewertungskriterien für die Europarangliste dürften mittlerweile bekannt sein. Danach haben die vier großen europäischen Ligen einen Qualitätsvorsprung, den Clubs aus kleineren Ligen nur schwer kompensieren können. Trotzdem fliegen mit den Red Devils, Leverkusen, dem FC Everton und der Fiorentina vier Mannschaften aus der Top 20, die sowohl von der Kaderstärke als auch von den tabellarischen Möglichkeiten in ihren jeweiligen Ligen vor Teams wie Olympiakos oder Galatasaray stehen müssten. Sie tun es allesamt nicht, weil die Formkurven kaum eine andere Möglichkeit lassen, Besserung derzeit nicht in Sicht ist und die Leistungen der Underdogs eine Beachtung verdient haben.

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Platz 20 (neu) FC Red Bull Salzburg

Pflichtspiel-Bilanz: 32 Siege – 5 Unentschieden – 4 Niederlagen
Bundesliga: Tabellenführer
Europa: EL-Achtelfinale

Jetzt wird es abenteuerlich. Ein Verein aus Österreich unter den besten 20 Clubs in Europa? Und dann hofieren wir auch noch diese Getränke-Dynastie, die in den vergangenen Tagen Mittelpunkt beleidigter Diskussionen deutscher Sportjournalisten war? Gegen den Ball hat zu diesem Thema eine differenzierte Meinung, die wir zu einem späteren Zeitpunkt formulieren werden. In der Europarangliste halten wir uns jedoch an Adi Preißler: „Grau ist alle Theorie – entscheidend ist auf’m Platz.“ Es geht um Fußball und nicht um Fußball-Kultur. Da leisten die Bullen seit Monaten beachtliche Arbeit. Die Dominanz in der schwachen österreichischen Liga allein reicht nicht für Rang 20 in der Europarangliste. Acht Siege in acht Europa League-Spielen beeindrucken schon etwas mehr, entscheidend ist aber die von Trainer Roger Schmidt verordnete und von der Mannschaft sehr gut umgesetzte taktische Marschroute. Das offensive Quartett Kevin Kampl, Sadio Mané, Jonathan Soriano und Alan presst sehr früh und schafft mit sehr schnellen Umschaltbewegungen extrem viele Tormöglichkeiten. Gerade Kampl und Soriano haben bei Ballgewinnen sofort den Kopf oben und spielen risikoreiche Pässe in die Tiefe. Bedanken können sich die Bullen zudem beim FC Bayern, der in der Winter-Vorbereitung in Salzburg vorbeischaute, dabei einen lustlosen Auftritt hinlegte und mit der 0:3-Niederlage das Selbstvertrauen in für österreichische Teams ungewöhnliche Größe steigern ließ.

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Platz 19 (neu) Olympiakos Piräus

Pflichtspiel-Bilanz: 32-5-3
Super League: Tabellenführer
Europa: CL-Achtelfinale

Spricht man über Olympiakos, kommt man nicht umhin, auch zwei Sätze über Manchester United zu verlieren. Die Red Devils verloren als einziger Gruppensieger der Champions League das Achtelfinal-Hinspiel und werden es in der derzeitigen Verfassung auch im Rückspiel gegen den griechischen Meister schwer haben. In dieser Saison gewann United nur vier Spiele mit drei oder mehr Toren Unterschied, ein solches Ergebnis wird am 19. März aber nötig sein. Trainer David Moyes darf trotz Krise weitermachen, die kommende Transferperiode wird für seine persönliche Zukunft entscheidend sein. In Griechenland wiederum steckt der gesamte Fußball in der Krise. Die Clubs kämpfen mit Fankrawallen, halbleeren Rängen und völlig leeren Kassen. Serienmeister Olympiakos bildet dabei die Ausnahme, gegen Panathinaikos gab es am vergangenen Spieltag – begleitet von schweren Ausschreitungen – die erste Niederlage in einem nationalen Wettbewerb. Olympiakos hat in der Super League 19 Zähler Vorsprung auf PAOK Saloniki, bei einem Torverhältnis von 78:12. Trainer Michel hat eine interessante Mannschaft aus griechischen Nationalspielern, internationalen Routiniers wie Javier Saviola, Roberto Jiménez, Paulo Machado, Nelson Valdez oder Vladimir Weiss sowie vereinzelten Talenten wie Joel Campbell oder Michael Olaitan zusammengestellt.

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Platz 18 (16) Schalke 04

Pflichtspiel-Bilanz: 18-7-10
Bundesliga: 4. Platz
Europa: CL-Achtelfinale

Schlimmer hätte die letzte Woche für den FC Schalke kaum laufen können. Schon das torlose Remis gegen Mainz entsprach nicht dem Formanstieg der bisherigen Rückrunde, die beiden Pleiten gegen Real Madrid und den FC Bayern ließen den Aufwärtstrend gefühlt sogar ins komplette Gegenteil ausufern. Die strukturellen Probleme des europäischen Fußballs machen Niederlagen gegen Spitzenclubs für Vereine wie Schalke aber immer wahrscheinlicher, ihre Heftigkeit hat allerdings Trainer Jens Keller zu verantworten. Die Knappen bleiben in der Europarangliste, weil der Ergebnis-Trend insgesamt stimmt (seit der Derby-Niederlage gegen Borussia Dortmund haben sie den Rückstand auf den BVB von elf auf vier Punkte reduziert) und die Formkurve von Leverkusen noch deutlicher nach unten zeigt.

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Platz 17 (neu) Galatasaray

Pflichtspiel-Bilanz: 20-12-5
Süper Lig: 2. Platz
Europa: CL-Achtelfinale

Der türkische Meister stand zum Abschluss der vergangenen Saison in unserer Europarangliste, schaffte es seitdem aber nicht mehr in die Top 20. Dafür war das Abschneiden in der Süper Lig nicht gut genug und Rang zwei in der Champions League-Gruppe vor Juventus war zu eindeutig den katastrophalen Platzverhältnissen in der letzten Partie gegen Juve geschuldet. Mittlerweile ist das Team von Trainer Roberto Mancini jedoch auf dem richtigen Weg, auch wenn am vergangenen Spieltag mit dem 1:1 gegen Rizespor die Aufholjagd auf Tabellenführer Fenerbahce etwas unterbrochen wurde. Respekt verdiente in jedem Fall die zweite Hälfte gegen den FC Chelsea, als
der klare Favorit am Rande einer Niederlage stand.

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Platz 16 (neu) Tottenham Hotspur

Pflichtspiel-Bilanz: 27-5-10
Premier League: 5. Platz
Europa: EL-Achtelfinale

Die Spurs haben sich wieder in den Kreis der Topteams zurückgespielt, gehören aber trotzdem zu den am schwierigsten zu bewertenden Clubs. Unter André Villas-Boas wurde mit der Ablöse für Gareth Bale ein Großangriff auf dem Transfermarkt gestartet, der – angesichts der Gehaltsstruktur der Spurs – unrealistische Erwartungen schürte. Villas-Boas musste dann im Dezember gehen, weil er seine Mannschaft taktisch zu häufig ins offene Messer laufen ließ. Seitdem hat Tim Sherwood das Sagen, der die Spurs in der Tabelle der Premier League wieder auf Rang fünf führte, den Rückstand zu den Champions League-Plätzen aber nicht entscheidend verringern konnte. Zudem sind spielerisch kaum Fortschritte zu erkennen. Andererseits marschiert Tottenham durch die Europa League, bekommt mit Benfica nun aber auch den ersten echten Prüfstein. Wir glauben an die Spurs als fünftbestes Team der Premier League – zu mehr wird es allerdings nicht reichen. Eine fundierte Aussage können wir in der nächsten Ausgabe machen, denn im März lauten die Gegner in dieser Reihenfolge: Chelsea, Benfica, Arsenal, Benfica, Southampton, Liverpool.

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Platz 15 (18) Athletic Club

Pflichtspiel-Bilanz: 17-5-10
Primera División: 4. Platz
Europa: nicht vertreten

Gäbe es in der Bundesliga tatsächlich – wie in der vergangenen Saison als Schmähung etabliert – spanische Verhältnisse, so könnten sich deutsche Fans über einen spannenden Titelkampf mit drei Mannschaften freuen. Die alles beherrschenden Bayern verhindern das. Dahinter ginge es dann um den Qualifikationsplatz für die Champions League. Im echten Spanien hat weiterhin Athletic Bilbao die besten Karten im Kampf um die Königsklasse. Das Team von Trainer Ernesto Valverde holte im Februar nur acht Punkte, der Vorsprung auf die Verfolger Villarreal und Real Socieded wuchs trotzdem um jeweils einen Zähler an. Sicher, es fehlen sowohl Konstanz als auch der internationale Vergleich, aber im 4-2-3-1 unter Valverde ist eine klare taktische Idee erkennbar und der Sieg gegen Barcelona (1:0) und das Remis gegen Real Madrid (1:1) haben gezeigt, dass Bilbao auch gegen die großen Gegner nicht chancenlos ist.

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Platz 14 (20) Benfica Lissabon

Pflichtspiel-Bilanz: 25-5-3
Primeira Liga: Tabellenführer
Europa: EL-Achtelfinale

Die Bilanz von Benfica im Jahr 2014 könnte kaum beeindruckender sein. In elf Spielen feierte das Team von Trainer Jorge Jesus zehn Siege und kassierte dabei nur einen Gegentreffer. Benfica hat sich damit in der Tabelle von Stadtrivale Sporting absetzen können, noch wichtiger sind aber die neun Zähler Vorsprung auf Serienmeister FC Porto. Der Titelverteidiger gab mittlerweile sogar die Trennung von Trainer Paulo Fonseca bekannt. Benfica gleicht die strukturellen Nachteile in der portugiesischen Liga immer wieder mit gutem Scouting und einem Transferüberschuss aus und geht deshalb leicht favorisiert in das Achtelfinale der Europa League gegen Tottenham.

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Platz 13 (13) SSC Neapel

Pflichtspiel-Bilanz: 22-8-7
Serie A: 3. Platz
Europa: EL-Achtelfinale

Die Kollegen der Nachrichtenagenturen jubilierten schon, als die Gerüchte um einen Wechsel von Tim Wiese zur SSC bekannt wurden. Wie schöne wäre es doch gewesen, neben Miroslav Kloses Lazio und Mario Gómez‘ Fiorentina nun auch von Wieses Napoli schreiben zu können. Dieser Aufhänger bleibt jedoch in der Schublade, weil Wiese doch noch an Hoffenheim gebunden ist und frühestens im Sommer wechseln darf. Napoli musste kurzfristig reagieren, weil Ersatzkeeper Rafael mit einem Kreuzbandriss ausfällt. Letztlich wurde der vereinslose Spanier Toni Doblas verpflichtet, der nun hinter Landsmann Pepe Reina und Roberto Colombo die Rolle des dritten Keepers einnimmt. Abgesehen vom Personalkarussell geht die wechselhafte Saison in Neapel weiter. In der Europa League folgt nun das Achtelfinale gegen Porto, im italienischen Pokal wurde im Halbfinale sogar ein Achtungserfolg gegen die AS Roma gefeiert. In der Serie A enteilen Juventus und die Roma jedoch weiter, wie soll es auch anders sein bei mageren Remis gegen Genoa und Livorno.

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Platz 12 (10) AS Roma

Pflichtspiel-Bilanz: 20-7-2
Serie A: 2. Platz
Europa: nicht vertreten

Es bleibt dabei: Die Roma stellt eine der besten Defensivreihen in Europa. In der Serie A kassierte das Team von Trainer Rudi Garcia im Februar erneut keinen einzigen Gegentreffer, dafür setzte es im Pokal gegen Napoli gleich fünf Gegentore. Trotzdem sehen wir die Hauptstädter knapp vor der SSC, weil das Gesamtpaket aus taktischer Disziplin, kompaktem Zentrum und schnellen Konterattacken mehr überzeugt. Sorgen bereiten die anhaltenden diskriminierenden Gesänge der eigenen Fans und die erneute Sperre gegen den so wichtigen Balleroberer Daniele de Rossi, der sein Temperament (Faustschlag gegen Inters Mauro Icardi) nicht den Griff bekommt.

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Platz 11 (5) FC Arsenal

Pflichtspiel-Bilanz: 28-5-9
Premier League: 3. Platz
Europa: CL-Achtelfinale

In der letzten Ausgabe stilisierten wir das CL-Achtelfinale gegen übermächtige Bayern zur internationalen Bewährungsprobe für die Gunners. Nach der 0:2-Niederlage vor heimischer Kulisse lautet das vorläufige Fazit: nicht bestanden. Auch wenn am 11. März noch das Rückspiel zu spielen ist, wird Arsenal zum vierten Mal in Folge in der Runde der letzten 16 ausscheiden. Diese Stagnation ist Fakt, auch wenn die Anfangsphase gegen Bayern überzeugen konnte und ein verwandelter Elfmeter von Mesut Özil für ein anderes Spiel hätte sorgen können. Den Gunners fehlt in entscheidenden Spielen seit Jahren das Vertrauen in die eigene Stärke, zudem können in dem guten Kollektiv Formschwächen einzelner Spieler nur schwer kompensiert werden. Wesentlich ärgerlicher ist die 0:1-Niederlage in Stoke, gleichbedeutend mit einem Rückschlag im sehr engen Titelrennen in England. Denn auf Erfolge gegen kleinere Teams war in dieser Saison eigentlich Verlass. Deshalb stürzt Arsenal in der Rangliste so massiv ab.

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Platz 10 (12) FC Liverpool

Pflichtspiel-Bilanz: 21-5-7
Bundesliga: 2. Platz
Europa: nicht vertreten

Ob die Reds auch in den kommenden Wochen vorne mehr Tore schießen, als sie in der Abwehr kassieren, wissen wir nicht. Eigentlich ist das auch kein Gütesiegel, denn ohne eine stabilere Defensive wird Liverpool nicht bis zum Saisonende in den Titelkampf der Premier League eingreifen können. Offensiv gehören die Reds jedoch zu den heißesten Teams in Europa. 82 Tore hat das Team von Trainer Brendan Rodgers in allen Wettbewerben erzielt, mit Luis Suárez (24 Tore) und Daniel Sturridge (18) führen gleich zwei Liverpooler Spieler die Torjägerliste der Premier League an und neunmal wurden vier oder mehr Treffer in einem Spiel erzielt. Da kommen Diskussionen über finanzielle Schwierigkeiten zur Unzeit, 60 Millionen Euro soll der Verlust im abgelaufenen Jahr betragen haben. Die Rückkehr in die Champions League wird damit zur Pflichtveranstaltung.

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Platz 9 (11) Borussia Dortmund

Pflichtspiel-Bilanz: 24-3-8
Bundesliga: 2. Platz
Europa: CL-Achtelfinale

Vier Tage lagen zwischen den beiden Auftritten in Hamburg und St. Petersburg. Vier Tage, in denen aus einer lustlosen und abschenkenden Mannschaften eine laufstarke und aggressive Pressingmaschine wurde, die Zenit eine Halbzeit lang zur Bedeutungslosigkeit verurteilte. Trainer Jürgen Klopp wird natürlich niemals zugeben, dass er seinem Team die angezogene Handbremse beim HSV verordnet hat. In den 90 Minuten wirkte die nur auf zwei Positionen veränderte Elf jedoch, als wäre Motivator Klopp daheim geblieben. Man könnte, bezogen auf die sich im Abstiegskampf befindlichen Hamburger, von Wettbewerbsverzerrung sprechen. Letztlich bedeutet diese Entwicklung aber nur, dass der BVB weiterhin nicht im Drei-Tage-Rhythmus Bestleistungen abrufen kann. Die Priorität wurde auf Zenit gelegt und das war angesichts der aussichtslosen Lage in der Bundesliga genau die richtige Entscheidung. Der BVB kann in Bestform jeder Mannschaft wehtun und hat sich im Kreis von Europas Elite etabliert.

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Platz 8 (4) Atlético Madrid

Pflichtspiel-Bilanz: 31-7-5
Primera División: 3. Platz
Europa: CL-Achtelfinale

Am 5. Februar erschien die letzte Europarangliste von Gegen den Ball. Exakt am gleichen Tag begann die Negativserie von Atlético. In sieben Pflichtspielen kassierten die Madrilenen vier Niederlagen und mit zwölf Gegentoren fast so viele wie in der gesamten Saison zuvor. Aufgrund unserer bescheidenen Größe sind wir uns aber bewusst, dass beim Googeln von Europaranglisten-Fluch die Ergebnisliste gen Null tendieren wird – anders als bei EA Sports und Fluch. Trotzdem ist es bemerkenswert, dass Atlético wie auf Knopfdruck die defensive Stabilität abhanden gekommen ist. Einen validierten Zusammenhang zur Verpflichtung des Ex-Wolfsburgers Diego können wir nicht erkennen. Vielmehr fehlen nach 43 Pflichtspielen die Alternativen in der Abwehr, Torjäger Diego Costa erzielte 2014 erst vier Pflichtspiel-Treffer und die in der Hinrunde noch überragenden Koke, Arda Turan und David Villa suchen ihre Bestform.

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Platz 7 (7) Juventus

Pflichtspiel-Bilanz: 27-6-4
Serie A: Tabellenführer
Europa: EL-Achtelfinale

Wenig Neues gibt es von der Alten Dame zu berichten. Juventus dominiert mit den bekannten Stärken (Abwehr-Dreierkette, Dynamik im Mittelfeld, Abschlussstärke) die Serie A und gilt als Topfavorit auf den Gewinn der Europa League – mit einem Finale vor heimischer Kulisse. Trotzdem wird es Juve schwer haben, in diesem Ranking weiter nach vorne zu stoßen. Wie ein Damoklesschwert hängt das Vorrundenaus in der Champions League über dem Team von Trainer Antonio Conte, das auch im Pokal an der Roma scheiterte.

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Platz 6 (9) Paris St. Germain

Pflichtspiel-Bilanz: 28-8-3
Ligue 1: Tabellenführer
Europa: CL-Achtelfinale

So unterschiedlich kann die Sichtweise auf die Erfolge von Paris St. Germain ausfallen: Leverkusens Manager Rudi Völler adelte den französischen Club schon vor dem 0:4-Debakel seiner Mannschaft im Achtelfinal-Hinspiel als eine der besten Mannschaften Europas. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge wiederum wird nicht müde, die UEFA auf die Umsetzung des Financial Fair Plays hinzuweisen, was im Bayern-Universum ebenfalls Respekt ausdrückt. PSG meistert die Aufgaben in der unattraktiven Ligue 1 sehr zuverlässig und schafft es trotz seltener Vergleiche gegen Spitzenteams konstant, an Champions League-Tagen Topleistungen abzurufen. Über die exzellente Besetzung des Kaders, der mit Winter-Neuzugang Johan Cabaye noch flexibler geworden ist, haben wir in vorherigen Ausgaben schon geschrieben. Es bleiben aber auch die Zweifel an Trainer Laurent Blanc, was in der entscheidenden Phase der Champions League den Ausschlag zu Ungunsten der Pariser geben kann.

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Platz 5 (8) FC Chelsea

Pflichtspiel-Bilanz: 27-7-8
Premier League: Tabellenführer
Europa: CL-Achtelfinale

D’oh! Wir geben zu, dass das Zutrauen in Chelseas Stärke erst so langsam wächst. Die Überzeugung von José Mourinhos Qualität war immer vorhanden, aber der Kader schien den Anforderungen für die absolute Spitze nicht gewachsen zu sein. Die Blues haben die beste Abwehr der Premier League und schaffen es schrittweise, auch in den wichtigen Spielen offensiv Akzente zu setzen. Wirklich beeindruckend war der 1:0-Sieg bei Manchester City, als Chelsea nach Problemen in der Anfangsphase die eigene Kontertaktik immer besser umsetzen konnte und sogar ein höherer Sieg möglich war. Zwei Wochen später folgte allerdings eine verdiente 0:2-Niederlage beim gleichen Gegner, vor Rückschlägen ist Mourinhos Team – der Trainer stapelt bezüglich der Titelchancen ohnehin ungewohnt tief – noch nicht gefeit. In der Champions League wird Chelsea vermutlich als einziges englisches Team ins Viertelfinale einziehen, für das Halbfinale wird auch Losglück vonnöten sein.

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Platz 4 (3) Manchester City

Pflichtspiel-Bilanz: 32-4-7
Premier League: 4. Platz
Europa: CL-Achtelfinale

Die Sky Blues haben am vergangenen Wochenende im Ligapokal gegen Sunderland den ersten Titel der Saison gewonnen. Es können theoretisch noch drei folgen, an der Erstürmung des Camp Nou nach der 0:2-Pleite im Hinspiel der Champions League hegen wir aber berechtigte Zweifel. Wir bleiben jedoch bei der vor der Saison geäußerten Prognose, dass City nach 2012 wieder den Titel in der Premier League holen wird (bei den anderen Tipps ist schon genug falsch). Derzeit liegt das Team von Trainer Manuel Pellegrini nur auf dem vierten Rang, kann mit zwei Siegen in den Nachholspielen gegen Sunderland und Aston Villa aber nach Punkten zum FC Chelsea aufschließen. Die Rückkehr von Torjäger Kun Agüero ist das entscheidende Puzzleteil für Citys Titelambitionen, da sich die anderen Stürmer Edin Dzeko und Álvaro Negredo zu sehr ähneln.

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Platz 3 (6) FC Barcelona

Pflichtspiel-Bilanz: 32-7-4
Primera División: 2. Platz
Europa: CL-Achtelfinale

Der FC Barcelona erzielte im Jahr 2014 schon siebenmal vier oder mehr Tore. Der FC Barcelona steht in der Primera División nur einen Punkt hinter Real Madrid. Der FC Barcelona steht im Finale der Copa del Rey. Der FC Barcelona hat durch den 1:0-Sieg bei Man City eine ideale Ausgangsposition für den Einzug ins CL-Viertelfinale. Und doch wird sowohl in Spanien als auch in der internationalen Presse gemeckert, kritisiert und gejammert. Nach dem 4:1-Sieg der Blaugrana gegen Almería schrieb die Zeitung El País beispielsweise: „Barca sieht aus wie ein kranker Mann.“ Gesunden kann Barcelona vermutlich nur, wenn Lionel Messi und Neymar vor jedem Tor dreifache Doppelpässe spielen, Real im Clásico in zwei Wochen aus dem Bernabéu geschossen wird und ganz allgemein das Barca-Spektakel zurückkehrt. Wir empfinden diese Bewertung schon allein wegen der statistischen Daten (torhungrigster Angriff, beste Abwehr) als ungerecht, sehen aber auch spielerische Mängel und deshalb zumindest zwei bessere Mannschaften:

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Platz 2 (2) Real Madrid

Pflichtspiel-Bilanz: 33-6-2
Primera División: Tabellenführer
Europa: CL-Achtelfinale

Da der FC Bayern partout keine Schwäche zeigen will, bleibt für Real Madrid nur das Abo auf den zweiten Platz übrig. Die heißeste Phase der Saison beginnt in den kommenden Wochen, die Königlichen kristallisieren sich für die Münchner jedoch immer mehr als großer Widersacher auf den Champions League-Titel heraus. Trainer Carlo Ancelotti hat es mit seiner unaufgeregten und respektvollen Art geschafft, wieder Ruhe in den nach den Mourinho-Jahren aufgeschreckten Club zu bringen. In Madrid geht es in erster Linie wieder um Fußball. Ancelotti schafft es sogar, den Spagat zwischen seiner Spielphilosophie und den unternehmerischen Pflichten im Weltkonzern Real zu meistern. Mit viel Vorschusslorbeeren kamen vor der Saison Asier Illarramendi und Isco nach Madrid, zusammen mit Jesé sollten die Youngster dem internationalen Real ein spanisches Gesicht geben. Noch traut Ancelotti dem Trio in seinem neuen 4-3-3 jedoch keine Schlüsselrolle zu und setzt sie häufig auf die Bank. Anders verhält sich das bei Gareth Bale, der für die Rolle des Ersatzspielers zu viel Geld gekostet hat, also baut ihn der Trainer – sicherlich auch wegen dessen unbestrittener Qualität – in die Mannschaft ein. Die Umstellung auf das 4-3-3 mit Luka Modric und Ángel di María an der Seite von Xabi Alonso war für die defensive Balance im Team ohnehin die absolut richtige Entscheidung. Seit der Niederlage im Clásico im Oktober ist Real in 28 Pflichtspielen ungeschlagen, das Rückspiel steigt am 23. März im Bernabéu.

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Platz 1 (1) FC Bayern

Pflichtspiel-Bilanz: 31-2-2
Bundesliga: Tabellenführer
Europa: CL-Achtelfinale

Derzeit spricht nichts dafür, dass der FC Bayern in den kommenden Jahren auf nationaler Ebene einen ernsthaften Konkurrenten bekommt – international können Global Player wie Real Madrid weiterhin mithalten. Durch den Einstieg des Versicherungskonzerns Allianz als Anteilseigner der FC Bayern München AG ist der Club schuldenfrei und kann in den kommenden Jahren noch mehr in die Mannschaft investieren. Der finanzielle Vorsprung wird größer werden, auch wenn Borussia Dortmund an guten Tagen mithalten kann. Nur mit harter und konstanter Arbeit, wie es Sportvorstand Matthias Sammer in einem Interview lapidar feststellte, wird kein Bundesligist die Lücke schließen können. Abgesehen vom finanziellen Vorsprung wurden in München auf personeller Ebene in den vergangenen Jahren verdammt viele Dinge richtig gemacht, das hat sicherlich Respekt verdient. Der Marke Bundesliga wird es trotzdem schaden.

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