Die Europarangliste im Juni 2015

20. (-1) Borussia Dortmund

Champions League: Aus im Achtelfinale gegen Juventus
Bundesliga: Siebter
DFB-Pokal: Niederlage im Finale gegen VfL Wolfsburg
Pflichtspielbilanz: 22-9-18 (Punkteschnitt 1,53)

Der BVB beschließt diese über weite Strecken unangenehme und schwierige Saison auf dem siebten Rang der Bundesliga, als verdient geschlagener Pokalfinalist und als kommender Europa-League-Teilnehmer. Dafür reichten schlappe 46 Punkte. In Dortmund ist die Freude über die Abfederung der finanziellen Verluste groß, aber aus sportlicher Sicht startet der Klopp-Nachfolger Thomas Tuchel mit einer Hypothek: Wenn er Ende Juni sein neues Team erstmals zusammenruft, bleiben nur ein paar Tage bis zur Asien-Promotion-Tour. Und vier Tage nach dem Ende des Trainingslagers in der Schweiz (19. bis 26. Juli) steht bereits das erste Pflichtspiel in der Europa League an. Auswirkungen auf die Bundesliga-Hinrunde sind zu befürchten. Zuvor aber noch ein letzter Blick zurück: Der BVB konnte sich auch zum Abschluss in der Europarangliste behaupten, weil es der FC Schalke geschafft hat, in der Rückrunde zehn Punkte weniger zu holen und weil Napoli einen unterirdischen Saisonabschluss hinlegte. (krä)

19. (+1) Lazio

Serie A: Dritter
Coppa Italia: Niederlage im Finale gegen Juventus
Pflichtspielbilanz: 26-7-12 (Punkteschnitt 1,89)

Wer wie wir schon mal mit Papiertüten auf dem Kopf beim User zu Kreuze kriechen musste, weiß um die Gefahr von gewagten Prognosen. Manchmal hat man aber auch einfach Glück. In der letzten Rangliste flog die Roma raus, Lazio stieg neu ein und wir prophezeiten einen Sieg des Klose-Klubs im Römer Stadtderby. Tatsächlich siegte die Roma, sicherte sich Rang zwei in der Serie A und hielt Lazio auf Distanz. Die nah am Optimum agierenden Laziali gewannen am letzten Spieltag dann aber in Neapel und können nun doch in die Champions League einziehen. Trainer Stefano Pioli hat ein offensivstarkes Team geformt, das dem ambitionierten Napoli die Grenzen aufgezeigt hat. (krä)

18. (neu) Roma

Champions League: Vorrundenaus in einer Gruppe mit Bayern München, Manchester City und CSKA Moskva
Serie A: Zweiter
Europa League: Aus in der 3. Runde gegen Fiorentina
Coppa Italia: Aus im Viertelfinale gegen Fiorentina
Pflichtspielbilanz: 22-17-11 (Punkteschnitt 1,66)

Im Fall der Roma ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass unsere Rangliste die Leistung der ganzen Saison berücksichtigt und nicht nur die Form der letzten Wochen. Andernfalls hätten die Giallorossi gewiss nicht die Rückkehr ins Ranking geschafft. Platz acht in der Rückrundentabelle der Serie A, Aus in der Europa League und dem Coppa Italia jeweils gegen Fiorentina, dabei zusammen 0:5 in den beiden Heimspielen gegen die Viola mit ihrem ex-römischen Trainer Vincenzo Montella: Das ist nicht der Stoff, aus dem Topteams gemacht sind. Dass es am Ende doch zur Vizemeisterschaft reichte, hat ebenso zu unserer milden Bewertung beigetragen wie der erstaunliche Zusammenbruch Napolis im Mai. Und da die Roma das Stadtderby am Pfingstmontag gegen Lazio gewonnen hat, gibt es auch keinen echten Grund mehr, die Römer hinter ihrem Stadtrivalen einzusortieren. (dan)

17. (+1) Borussia Mönchengladbach

Bundesliga: Dritter
Europa League: Aus in der 2. Runde gegen Sevilla
DFB-Pokal: Aus im Viertelfinale gegen Arminia Bielefeld
Pflichtspielbilanz: 27-13-8 (Punkteschnitt 1,96)

Tabellarisch ist Borussia Mönchengladbach das drittstärkste deutsche Team. In der Rückrunde hatte das Team von Trainer Lucien Favre sogar die beste Punkteausbeute. Trotzdem steht der kommende Champions-League-Teilnehmer nur auf Rang 17. Warum eigentlich? Da kommen drei Faktoren zusammen: 1) International ist die Borussia noch in der Lehre. In der Gruppenphase gab es gegen den vermeintlich stärksten Gegner FC Villarreal nur zwei Remis, in der Zwischenrunde kam dann das klare und verdiente Aus gegen den FC Sevilla. Da ist Bayer Leverkusen schon einen Schritt weiter. 2) Auch wenn die Niederlage erst im Elfmeterschießen besiegelt wurde: Gegen Arminia Bielefeld im DFB-Pokal verspielte Gladbach leichtfertig die Chance auf einen nationalen Titel. 3) Und Favre konnte fast die gesamte Saison auf alle Stammspieler bauen, das hatte Gladbach den Konkurrenten aus Dortmund und Gelsenkirchen voraus. (krä)

16. (+1) Tottenham Hotspur

Premier League: Fünfter
Europa League: Aus in der zweiten Runde gegen Fiorentina
FA Cup: Aus in der vierten Runde gegen Leicester City
League Cup: Finalniederlage gegen Chelsea
Pflichtspielbilanz: 29-13-15 (Punkteschnitt 1,75)

Fast konnte man am Ende der Premier League-Saison den Eindruck gewinnen, als wollten Liverpool, Southampton und die Spurs um jeden Preis verhindern, in der Europa League spielen zu müssen – so erstaunlich waren einige Niederlagen der Teams, die um Platz fünf kämpften. Schließlich sicherte sich Tottenham den fünften Rang und darf nun in der Gruppenphase in den ungeliebten Wettbewerb einsteigen. Wirklich besser als das einen Platz hinter ihnen eingelaufene Liverpool waren die Nordlondoner aber nicht – was sich auch in den Niederlagen in den beiden direkten Duellen andeutete. Gleichwohl bleibt richtig, was wir über Tottenham immer wieder geschrieben haben: Platz fünf ist für dieses Team in der Premier League ein respektables Ergebnis. Perspektivisch ist allerdings nicht wirklich zu erkennen, wie die Spurs in die Phalanx der vier finanziell deutlich besser aufgestellten Clubs einbrechen wollen, die ihnen den ersehnten Weg in die Champions League versperren. Und das gilt selbst, wenn die Schlüsselspieler Harry Kane und Hugo Lloris gehalten werden können. Vielleicht sollten die Spurs sich ein Beispiel an Sevilla nehmen, dass den neu eröffneten Weg über den Gewinn der Europa League in die Champions League genommen hat. Leichter als Vierter in der Premier League zu werden, ist es jedenfalls. (dan)

15. (-1) Liverpool

Champions League: Aus in der Vorrunde in einer Gruppe mit Real Madrid, FC Basel und Ludogorets Razgrad
Premier League: Sechster
Europa League: Aus in der zweiten Runde gegen Besiktas
FA Cup: Aus im Halbfinale gegen Aston Villa
League Cup: Aus im Halbfinale gegen Chelsea
Pflichtspielbilanz: 26-14-18 (Punkteschnitt 1,59)

Mit 1:6 verloren die Reds am letzten Spieltag in Stoke, zur Pause stand es bereits 0:5. Das war die höchste Niederlage für den Club seit mehr als 50 Jahren – und das zum Abschied von Steven Gerrard, dem immerhin der Ehrentreffer gelang. Nur ein Sieg aus den letzten sieben Pflichtspielen der Saison führte zum Sturz auf Platz sechs – dabei wäre mit einem starken Finish sogar die Champions League noch erreichbar gewesen. Trotz des sehr enttäuschenden Saisonendes scheint man zunächst an Brendan Rodgers fest halten zu wollen – vielleicht auch das ein Grund, dass Jürgen Klopp nun „erstmal ein paar Monate Pause machen will“. Denn so löblich die eher langfristige Ausrichtung der Besitzer aus Boston ist – ein weiterer so schlechter Saisonstart wie 2014 könnte durchaus schon im Herbst zu einer Veränderung in der sportlichen Leitung an der Anfield Road führen. (dan)

14. (-2) Bayer Leverkusen

Champions League: Aus im Achtelfinale gegen Atlético Madrid
Bundesliga: Vierter
DFB-Pokal: Aus im Viertelfinale gegen Bayern München
Pflichtspielbilanz: 25-13-10 (Punkteschnitt 1,83)

Die gute Saison von Bayer Leverkusen muss eng mit Trainer Roger Schmidt verknüpft werden. In seinem ersten Jahr in der Bundesliga verpasste er seiner Mannschaft zu Beginn einen extrem attraktiven, aber eben auch anfälligen Offensivstil. Als die fehlende Statik immer deutlicher und in schlechten Ergebnissen ablesbar wurde, begann Schmidt mit erfolgreichen Änderungen. Bayer stieg auf der Attraktivitätsleiter zwei Stufen hinab und avancierte zu einem Abwehrbollwerk – seit dem Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Atlético kassierte Leverkusen in neun Spielen nur ein Tor aus dem Spiel heraus. Und Schmidt führt sein spannendes Projekt weiter. Nach den Abgängen von Emir Spahic (34), Simon Rolfes (33), Gonzalo Castro (28) und Stefan Reinartz (26) wird das Team noch eine Spur jünger. (krä)

13. (+3) Sevilla

La Liga: Fünfter
Europa League: Sieger
Copa del Rey: Aus im Viertelfinale gegen Espanyol
Pflichtspielbilanz: 39-10-10 (Punkteschnitt 2,15)

Viele Teams hatten seit der vergangenen Europarangliste nur noch drei Pflichtspiele zu absolvieren, beim FC Sevilla waren es sechs. Fünf davon gewannen die Andalusier, das führte zur Titelverteidigung in der Europa League und in der Liga mit 76 Punkten zu einer knapp gescheiterten Aufholjagd gegenüber dem FC Valencia (77) und Atlético Madrid (78). Sevilla spielt trotzdem in der kommenden Saison in der Champions League – einer Regeländerung der UEFA sei Dank. Nach dem Finalerfolg in Warschau gegen Dnipro Dnipropetrowsk verlängerte der umworbene Trainer Unai Emery seinen Vertrag bis 2017. Seine Aufgabe für die kommende Saison: Bessere Ergebnisse in den Topspielen gegen Barça, Real, Atlético und Valencia. (krä)

12. (-1) Valencia

La Liga: Vierter
Copa del Rey: Aus im Achtelfinale gegen Espanyol
Pflichtspielbilanz: 24-12-6 (Punkteschnitt 2)

Es hätte durchaus Gründe gegeben, Unai Emerys Saison mit Sevilla besser zu bewerten als die Spielzeit seines Ex-Clubs Valencia. Zumal am Ende ein Titel dabei heraussprang (die Europa League) und das Pensum der Andalusier mit 59 Spielen deutlich beeindruckender war als das Valencias, das nur 42 Begegnungen absolvierte. Unterm Strich haben beide auf ihre Weise die Königsklasse erreicht (gut gecoachte spanische Teams in der Champions League? gerne mehr davon!). Der hauchdünne Vorsprung des Teams von Nuno Espírito Santo über 38 Ligaspiele hat unsere Entscheidung letztlich ebenso beeinflusst wie die auffallend starke Defensive der Ches, die es ihnen auch gegen Topteams erlaubt hat, voll konkurrenzfähig zu sein. Sevillas Punkte aus den acht Spielen gegen die anderen CL-Teilnehmer: drei; Valencias Punkte aus den acht Spielen gegen die anderen CL-Teilnehmer: zwölf. (dan)

11. (+2) VfL Wolfsburg

Bundesliga: Zweiter
Europa League: Aus im Viertelfinale gegen Napoli
DFB-Pokal: Sieger
Pflichtspielbilanz: 31-13-8 (Punkteschnitt 2,04)

Der VfL Wolfsburg wird als neue Nummer zwei in Deutschland hinter dem FC Bayern gefeiert. Zu Recht und verdient, wie wir finden – Wolfsburg ist auch in der Rangliste das zweitbeste deutsche Team. Aber eben auch nur auf Rang elf, weil bei aller Konstanz in der Bundesliga und dem Pokalerfolg gegen den BVB ein internationales Ausrufezeichen weiterhin fehlt. In der EL-Gruppenphase kassierte der VfL zwei klare Niederlagen gegen das englische Mittelklasse-Team Everton und Napoli war im Viertelfinale das deutlich cleverere Team. In der kommenden Champions-League-Saison warten dann vermutlich ganz andere Gegner, denn Wolfsburg droht im dritten oder vierten Lostopf eine schwere Gruppe. (krä)

10. (=) Manchester United

Premier League: Vierter
FA Cup: Aus im Viertelfinale gegen Arsenal
League Cup: Aus in der zweiten Runde bei Milton Keynes Dons
Pflichtspielbilanz: 23-11-10 (Punkteschnitt 1,82)

Der enttäuschende Saisonabschluss mit nur einem Sieg aus den letzten sechs Ligaspielen (nach zuvor sechs Siegen in Folge und 16 Siegen aus 22) zwingt United in die Qualifikationsspiele zur Champions League. Dank eines guten Koeffizienten drohen dort nicht die schwerstdenkbaren Gegner. Dennoch ist das eine Unsicherheit, die sich hätte vermeiden lassen, wenn United seine Form noch ein paar Wochen länger konserviert hätte. Der relative Vorteil, sich ganz auf die Liga konzentrieren zu können, verschwand im April und Mai allerdings, weil dann kein einziges Premier League-Team mehr international spielte. Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass sich unsere Prognose vor der Saison (Vizemeisterschaft) als zu optimistisch erwiesen hat. Auf die neue Saison darf man gespannt sein. United hat das Geld, den Trainer und den Kader, um sich dauerhaft wieder in der Spitze des europäischen Fußballs zu etablieren. Damit meinen wir aber eher die Plätze fünf bis zehn, denn bis man Chelsea, Barcelona oder Bayern eingeholt hat, dürfte noch etwas Zeit ins Land gehen. (dan)

9. (-1) Atlético de Madrid

Champions League: Aus im Viertelfinale gegen Real Madrid
La Liga: Dritter
Copa del Rey: Aus im Viertelfinale gegen Barcelona
Pflichtspielbilanz: 31-14-11 (Punkteschnitt 1,91)

Das Schicksal, bzw. die Titelchancen von Atlético sind eng an den FC Barcelona und Real Madrid geknüpft. Die beiden Topteams haben die besser besetzten Kader und auch finanziell viel mehr Möglichkeiten – wie diese gelungene Analyse der Kollegen von spielverlagerung.de zu Real zeigt. Will Atleti in einem der drei Wettbewerbe an beiden Konkurrenten vorbeiziehen – wie in der vorletzten Saison mit der Meisterschaft – muss alles zusammenpassen. Selbst nah am Optimum spielen und die Schwäche der anderen. Beides traf in dieser Spielzeit nicht zu. Vor allem in der Rückrunde stieß das Defensivsystem von Trainer Diego Simeone an seine Grenzen, weil es konditionelle Probleme gab, das konsequente Verschieben nicht mehr über 90 Minuten klappte und die Konter nicht zu den notwendigen Toren führten. (krä)

8. (+1) Manchester City

Champions League: Aus im Achtelfinale gegen Barcelona
Premier League: Zweiter
FA Cup: Aus in der vierten Runde gegen Middlesbrough
League Cup: Aus in der vierten Runde gegen Newcastle United
Pflichtspielbilanz: 28-9-14 (Punkteschnitt 1,82)

Wenn ein Club wie Manchester City eine Saison ohne Titel beendet, Trainer Manuel Pellegrini aber trotzdem weiterarbeiten darf, zeigt das, wie seriös und langfristig bei den Citizens gearbeitet wird. Einzige Ausnahme wäre wohl die Möglichkeit einer Verpflichtung von Josep Guardiola gewesen, aber der Star-Trainer bleibt in München. Als Erkenntnis der abgelaufenen Saison sollte City einen dezenten Umbruch einleiten, mit einem Durchschnittsalter von fast 29 Jahren ist kein großer Turnaround zu erwarten – zumal Chelsea sehr konstant spielt, Arsenal gefestigt wirkt und Stadtrivale United erneut groß investieren will. (krä)

7. (=) Arsenal

Champions League: Aus im Achtelfinale gegen AS Monaco
Premier League: Dritter
FA Cup: Sieger
League Cup: Aus in der dritten Runde gegen Southampton
Pflichtspielbilanz: 35-11-10 (Punkteschnitt 2,07)

Man kann, wie im Mai schon angedeutet, von der besten Saison der Gunners seit langer Zeit sprechen. Der FA Cup wurde verteidigt, die Champions League-Gruppenphase wieder erreicht. Dass nach elf Siegen aus zwölf Ligaspielen bis zum Topspiel gegen Chelsea am Ende nur noch zwei der letzten sechs Ligabegegnungen gewonnen wurden, ist am Ende irrelevant für das Erreichen der Saisonziele. Einmal mehr stellt sich allerdings die Frage, ob Arsenal wirklich in seinem Biotop, das aus Platz drei bis vier der Premier League besteht und sich bis ins Achtelfinale der Champions League erstreckt, in Ruhe und Frieden weiter leben möchte. Zwar steht nicht direkt zu befürchten, dass der Gunnersaurus dieses Habitat gegen seinen Willen verlassen muss wie Karl der Käfer, den man nicht gefragt hatte. Aber der sportlich logische nächste Schritt würde darin bestehen, mal wieder um den Titel mitzuspielen. Früher war das selbstverständlich, in den letzten sieben Jahren war der Rückstand auf den Meister am Ende fast immer zweistellig. Ein kolportierter Transfer von Arturo Vidal nach London könnte das fehlende Puzzlestück sein. (dan)

6. (=) Paris Saint-Germain

Champions League: Aus im Viertelfinale gegen Barcelona
Ligue 1: Meister
Coupe de France: Sieger
Coupe de la Ligue: Sieger
Pflichtspielbilanz: 39-14-6 (Punkteschnitt 2,20)

Was unterscheidet eigentlich PSG vom FC Bayern? Die meisten Fußballfans, zumal in Deutschland, werden sagen: Alles! Die einen ein „neureicher Scheichclub“, die anderen „der bestgeführte Verein der Welt“. Wenn wir aber Mario Montis Klage, die Deutschen verwechselten Ökonomie mit Moralphilosophie, mal ernst nehmen und uns nur auf die sportlichen und finanziellen Rahmendaten konzentrieren, dann sehen wir zwei Clubs, die in ihren Ligen praktisch keine Konkurrenz mehr haben. PSG hat in dieser Saison alle vier nationalen Titel gewonnen, wenn man die Trophée des Champions, also den Supercup, noch dazurechnet. Bayern hat durch das verlorene Elfmeterschießen gegen Dortmund zum ersten Mal seit 2012 einen großen deutschen Titel nicht gewonnen. Aber in der Champions League? Da ist PSG, seitdem der Club Investoren aus Katar gehört, nur an Barcelona (zweimal) und Chelsea gescheitert. Bayern gewann im gleichen Zeitraum einmal den Titel, scheiterte aber an Chelsea, Barcelona und Real Madrid. An der nationalen Dominanz beider Teams wird sich so schnell nichts ändern. Auf internationaler Ebene trennt PSG und Bayern wenig, nicht einmal die Umsatzzahlen. In mancher Hinsicht hat Bayern noch einen gewissen Vorsprung, vor allem in der Historie, auch das Stadion in München macht mehr her als der Prinzenpark. In der aktuellen Saison, die wir ja in diesem Ranking bewerten? Da sprechen für Bayern die etwas größere Klasse der Bundesliga sowie der bessere Trainer und ein in Bestbesetzung wohl noch etwas besserer Kader. Auf Dauer könnten PSG und Bayern aber Konkurrenten auf Augenhöhe sein. (dan)

5. (-2) Real Madrid

Champions League: Aus im Halbfinale gegen Juventus
La Liga: Zweiter
Copa del Rey: Aus im Achtelfinale gegen Atlético Madrid
Pflichtspielbilanz: 43-6-10 (Punkteschnitt 2,29)

Anders als bei Manchester City reicht bei Real Madrid eine titellose Saison nicht, um mit dem Trainer weiterzumachen. Carlo Ancelotti musste gehen und wird wohl eine gesundheitliche Pause einlegen. Der Nachfolger steht fest: Der gebürtige Madrilene und ehemalige Real-Nachwuchscoach Rafael Benítez soll die Dominanz des FC Barcelona brechen. Zum Abschluss dieser Saison melden wir schon mal Zweifel an der neuen Zusammenarbeit an. Nach seiner Zeit beim FC Liverpool hat Benítez weder bei Inter, noch bei Chelsea und auch nicht in Neapel nachhaltig arbeiten können. Real braucht aber einen Trainer mit Visionen, der dem exzellent besetzten Kader neue Impulse verleiht und die Abhängigkeit von Luka Modric nimmt. (krä)

4. (=) Chelsea

Champions League: Aus im Achtelfinale gegen Paris Saint-Germain
Premier League: Meister
FA Cup: Aus in der vierten Runde gegen Bradford City
League Cup: Sieger
Pflichtspielbilanz: 36-14-4 (Punkteschnitt 2,26)

José Mourinho ist es in vorbildlicher Weise gelungen, an der Stamford Bridge wieder das zu etablieren, was die Kollegen von Spielverlagerung gerne „Erfolgsstabilität“ nennen. Mit relativ wenig Rotation und einem nicht immer mitreißenden Spielsystem dominierte Chelsea die Premier League von Anfang bis Ende und verlor gegen Teams aus der oberen Tabellenhälfte nur ein einziges Spiel in der gesamten Saison (in Tottenham am Neujahrstag). Die verlässliche Klasse in Topspielen war seit jeher ein Markenzeichen von Mourinhos Teams, neu sind die viel weniger gewordenen Ausrutscher im restlichen Saisonverlauf. Die Niederlage nach Auswärtstorregel gegen PSG darf nicht verdecken, dass noch viel mehr drin gewesen wäre für die Blues: Diese Mannschaft hätte man wirklich gerne mal gegen Barcelona gesehen. (dan)

3. (-1) Bayern München

Champions League: Aus im Halbfinale gegen Barcelona
Bundesliga: Meister
DFB-Pokal: Aus im Halbfinale gegen Borussia Dortmund
Pflichtspielbilanz: 36-7-9 (Punkteschnitt 2,21)

Der FC Bayern hat in der Rangliste einen Platz verloren. Das liegt an Juventus, aber auch an Bayerns durchschnittlicher Rückrunde. Gegen die Top-Sechs-Clubs der Bundesliga (Wolfsburg, Gladbach, Leverkusen, Augsburg, Schalke) gab es keinen Sieg, in der Champions League war der FC Barcelona im Halbfinale deutlich besser. Reagieren die Münchner, wie so oft in den vergangenen 40 Jahren, richtig auf diese Ergebnisse, wird sich an der nationalen Vormachtstellung rein gar nichts ändern. Mit der Veränderung in der medizinischen Abteilung wurde bereits ein wichtiger Schritt getan, nun braucht der Kader punktuelle Verstärkungen. Die Abhängigkeit von Arjen Robben und Franck Ribéry muss abgeschwächt werden. (krä)

2. (+3) Juventus

Champions League: Niederlage im Finale gegen Barcelona
Serie A: Meister
Coppa Italia: Sieger
Pflichtspielbilanz: 37-13-7 (Punkteschnitt 2,18)

Drei Plätze hoch am Saisonende – das liegt nicht daran, dass wir die Finalteilnahme in der Champions League automatisch mit Platz zwei honorieren würden. Auch ist der Gewinn des italienischen Doubles zwar achtbar, aber kein automatischer Beleg, zu den beiden besten Teams des Kontinents zu gehören. Aber das Ausschalten von Real Madrid im Halbfinale und der starke Auftritt gegen die beste Mannschaft der Welt, Barcelona, im Berliner Finale, zeigen, dass Juve völlig zu Recht ins Finale eingezogen ist. Zumindest in der Form der letzten Monate lässt sich auch nicht bestätigen, was der Bayern-Blog anlässlich des Endspiels twitterte: Von zehn Spielen gegen Juve würde Bayern aktuell sicher nicht sieben gewinnen. Ein funktionierendes Defensivkonzept in Kombination mit spielerischer Klasse und großer Effizienz bei taktischer Variabilität und der von Massimiliano Allegri mehrfach unter Beweis gestellten Fähigkeit, durch die richtigen Anpassungen zurück ins Spiel zu kommen – das alles macht Juventus zu einem absoluten europäischen Spitzenteam. Den zweiten Platz in der Gegen den Ball-Europarangliste zu verteidigen, wird dennoch eine sehr schwere Aufgabe. (dan)

1. (=) Barcelona

Champions League: Sieger
La Liga: Meister
Copa del Rey: Sieger
Pflichtspielbilanz: 50-4-6 (Punkteschnitt 2,57)

Was soll man zu Barcelona am Ende dieser Saison sagen? Die naheliegende Frage, ob diese Mannschaft noch besser ist als Guardiolas Treble-Gewinner von 2009, lässt sich jedenfalls nicht klar verneinen. Die Blaugrana haben einen Punkteschnitt erzielt, der um fast 0,3 besser ist als der des zweitbesten Teams in dieser Wertung in Europa. Das passt zum Gewinn aller verfügbaren Titel und wirft ein weiteres Mal das Thema auf, ob es dieser Mannschaft gelingen kann, zum ersten Mal seit 25 Jahren den Europapokal der Landesmeister zu verteidigen. Auf einer Stufe mit dem letzten Team, dem das gelang, Arrigo Sacchis Milan – das würde dem historischen Status der aktuellen Barcelona-Mannschaft entsprechen. Ein One Treble Wonder sieht jedenfalls anders aus. (dan)

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3 comments

  1. Bern 1989

    „One Treble Wonder“ – gut gesagt! 😉

    Schön zu sehen, dass es die einstige Sportal-Europarangliste doch noch gibt, und sie sich sogar noch verbessert hat. Kompliment! Informiert, gut begründet und noch besser geschrieben. Die PSG-Bayern-Analogie ist so treffend, dass es beinahe wehtut. Mehr davon!

    Eine kleine Mäkelei habe ich noch, auch wenn Ihr in sprachlichen Dingen vorbildlich seid: „Atlético“ schreibt man zwar mit Akzent, die (in der Tat sehr gebräuchliche) Kurzform „Atleti“ aber ohne. (Das liegt daran, dass im Spanischen der Akzent dann gesetzt wird, wenn die Betonung des Wortes von der Regel abweicht – und die besagt, dass auf Vokal endende Wörter auf der vorletzten Silbe betont werden.) Im Vergleich zu vielen anderen deutschsprachigen Seiten, wo regelmäßig „Atlético“ und „Athletic“ verwechselt oder, schlimmer noch, vermischt werden, ist das aber quasi vernachlässigbar…

  2. Ping: Die Gegen-den-Ball-Europarangliste im September 2015 › Gegen den Ball

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