Die Gegen-den-Ball-Weltelf

Ronaldo oder Ribéry? Würdigung von individueller Klasse oder Mannschaftserfolgen? Weltweite PR-Maschine oder Opfer einer Verschwörung? Die Wahl zum Weltfußballer des Jahres 2013 ist vor allem eines: langweilig. Gegen den Ball kürt stattdessen die individuell bestbesetzte Mannschaft der vergangenen zwölf Monate.

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Torwart: Manuel Neuer (FC Bayern)

Wer wie Gegen den Ball die Wahl zum Weltfußballer langweilig findet, sollte womöglich nicht mit der Auszeichnung zum Welttorhüter argumentieren. Manuel Neuer siegte vor wenigen Tagen bei der inoffiziellen Wahl der International Federation of Football History & Statistics (IFFHS), er löste Seriensieger Iker Casillas ab. Tatsächlich halten wir Neuer aber auch für den derzeit besten Torhüter des Planeten. Die älteren Kollegen spielen wie Casillas nicht mehr regelmäßig oder zeigen wie Gianluigi Buffon oder Petr Cech seltener herausragende Leistungen. Neuer ist aber vor allem der beste Torhüter, weil er seine Passgenauigkeit unter Pep Guardiola nochmals verfeinert hat und er in den wichtigen Spielen keine Fehler machte sondern nur große Paraden zeigte.

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Rechtsverteidiger: Philipp Lahm (FC Bayern)

Es liegt in den Händen von Pep Guardiola, ob Philipp Lahm auch in den kommenden Jahren als einer der wenigen Außenverteidiger von Weltklasse-Format gilt, oder ob er dauerhaft ins Mittelfeld wechselt. Was als Notlösung aufgrund des Personalmangels begann, hat das Potential zur Dauerlösung. Guardiola rühmt seinen Kapitän als „intelligentesten Spieler, den ich jemals trainiert habe“. Im Jahr 2013 spielte Lahm für den FC Bayern 29 Mal als Rechtsverteidiger, durch Guardiola kommt er aber auch schon auf 20 Einsätze als Mittelfeldspieler. Lahm hätte lieber nur eine Position, aber er stellt sich der Positions-Rotation. „Ich fühle mich auf beiden Positionen wohl.“

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Innenverteidiger: Thiago Silva (Paris St. Germain)

Bei Paris St. Germain sind die unmöglichen Dinger eigentlich für Zlatan Ibrahimovic reserviert. Der letztlich nicht gegebene Treffer von Thiago Silva im April 2013 muss sich aber hinter keinen Traumtor des Schweden verstecken. Im vollen Lauf mit dem Außenrist nach Überschreiten der Außenlinie – ein absolutes Schmankerl. Zu einem der besten Innenverteidiger der Welt wird man so zwar nicht, aber es zeigt, welche technischen Voraussetzungen der Kapitän der brasilianischen Nationalmannschaft mitbringt. Als moderner Innenverteidiger agiert Thiago Silva kompromisslos in den Zweikämpfen, mit viel Übersicht im Spielaufbau und einem guten Instinkt vor dem gegnerischen Tor.

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Innenverteidiger: Vincent Kompany (Manchester City)

Wir geben es zu: Bei der Besetzung des zweiten Innenverteidigers waren wir uneins und haben uns letztlich für Vincent Kompany entschieden, der in der öffentlichen Wahrnehmung nicht so häufig zu den besten Abwehrspielern der Welt gezählt wird. Zudem hatte der Kapitän von Manchester City immer wieder mit Verletzungsproblemen zu kämpfen, für die Citizens kam er 2013 nur auf 29 Pflichtspieleinsätze. Andererseits lässt sich so auch die Wichtigkeit Kompanys unterstreichen. Ohne den Belgier kassierte City in dieser Saison drei der vier Niederlagen in der Premier League, die defensive Stabilität steht und fällt mit Kompany. Nicht minder wichtig ist der 27-Jährige für die belgische Nationalmannschaft, die erstmals seit 2002 wieder an einem großen Turnier teilnimmt und sich am Status des Geheimfavoriten erfreuen kann. Vor allem wegen der Bedeutung für seine Mannschaften favorisieren wir Kompany vor den ähnlich starken Jerome Boateng, Giorgio Chiellini, Sergio Ramos oder Gerard Piqué.

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Linksverteidiger: David Alaba (FC Bayern)

Louis van Gaal hat seit seiner Zeit beim FC Bayern in Deutschland mit vielen Vorurteilen zu kämpfen, selbst in München geraten van Gaals Verdienste an den jüngsten Erfolgen in Vergessenheit. Dabei war es der Niederländer, der beispielsweise den Mittelfeldspieler David Alaba zum Linksverteidiger umschulte und so einen wichtigen Meilenstein in Richtung Champions League-Titel setzte. Der FC Bayern ist in der glücklichen Lage mit Lahm und Alaba zwei Außenverteidiger von Weltklasse-Format (im Kicker gehört der Österreicher nur in die Internationale Klasse) zu haben. Und van Gaal selbst weiß um die Richtigkeit seiner damaligen Entscheidung: „Ich habe in meiner Karriere als Spieler und Trainer noch nie einen Spieler in diesem Alter gesehen, der so weit ist. David wird der erste Linksverteidiger sein, der den Ballon d’Or gewinnen wird.“

Die Weltelf 2013 von Gegen den Ball.
Die Weltelf 2013 von Gegen den Ball.

Mittelfeld: Sergio Busquets (FC Barcelona)

Für Bayern-Fans gehört Bastian Schweinsteiger ins defensive Mittelfeld einer Weltelf. Auch wir haben über Schweinsteiger nachgedacht, allerdings spielt der Champions League-Sieger unter Pep Guardiola gar nicht mehr auf dieser Position. Zudem steht Sergio Busquets noch etwas über Schweinsteiger. Der Sechser ist sowohl beim FC Barcelona als auch in der spanischen Nationalmannschaft so stilprägend wie auf den ersten Blick unauffällig. Mit einzigartigem taktischen Verständnis lässt Busquets seine Nebenleute Iniesta, Xavi und Messi glänzen und sorgt für das nötige Gleichgewicht in Barcas Offensivmaschine.

Mittelfeld: Arturo Vidal (Juventus)

Der Chilene in Diensten von Juventus wird jedes Jahr stärker und vereint dabei wie kein anderer Mittelfeldspieler herausragende Qualitäten in Defensive und Offensive. Als stürmender Sechser bestreitet Arturo Vidal sehr viele Zweikämpfe, in denen er immer seltener die Grenze des Erlaubten überschreitet. Bei Ballgewinn schaltet er mit beeindruckender Dynamik um und kurbelt das Spiel der Alten Dame an. Wer Vidal vor wenigen Tagen im Topspiel gegen die Roma (3:0 für Juve) beobachten dufte, hält das von italienischen Medien verteilte Prädikat „Dampfwalze“ für keine Übertreibung. Als Sahnehäubchen bringt Vidal auch noch Torgefahr mit, in dieser Saison erzielte er bereits 13 Pflichtspieltreffer für die Alte Dame.

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Mittelfeld: Franck Ribéry (FC Bayern)

Franck Ribéry wurde nicht müde zu betonen, 2013 wäre das beste Jahr seiner Karriere gewesen. Bayern-Präsident Uli Hoeneß verbreitete wegen des verschobenen Abgabetermins der Wahlzettel zum Weltfußballer Verschwörungstheorien. Und deutsche Sportmedien wie Sky, Sport 1 oder Spox machten sich, mit nationaler bzw. bajuwarischer Brille, mal wieder mit der Sache gemein, einfach weil es dieser Filou Ribéry „verdient“ hätte. Auch der Bundesliga gäbe ein solcher Preis sicher Anschub. Schon deshalb muss man die Lust auf diese Wahl verlieren. Denn 59 Tore von Cristiano Ronaldo für Real im Jahr 2013 sind außerordentliche Werte, die gewürdigt gehören. Und das schmälert nicht die Leistung von Franck Ribéry, der tatsächlich das beste Jahr seiner Karriere hatte – was den O-Ton auch nicht interessanter macht.

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Sturm: Luis Suarez (FC Liverpool)

Wie man sich innerhalb von nur drei Monaten in die Weltelf spielen kann, hat Luis Suarez unter Beweis gestellt. Suarez gehörte schon in den vergangenen Jahren in die Riege der besten Torjäger, nur fiel die Honorierung nach den bekannten Negativschlagzeilen (Rassismus-Affäre, Beiß-Attacke) nicht nur den Fans des FC Liverpool schwer. Nach dem Biss in Branislav Ivanovics Unterarm musste Suarez zu Beginn dieser Saison gesperrt pausieren, seitdem erzielte der Uruguayer in 16 Spielen in der Premier League 22 Treffer. Das sind mehr Tore als Crystal Palace, Sunderland, Cardiff, West Ham, Norwich oder Aston Villa überhaupt erzielen konnten. Suarez ist in der Form seines Lebens und lässt deshalb Zlatan Ibrahimovic hinter sich.

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Sturm: Lionel Messi (FC Barcelona)

Vielspieler Lionel Messi hat 2013 erst zum zweiten Mal in seiner Karriere über einen längeren Zeitraum verletzt aussetzen müssen. Trotzdem gehörte der Argentinier mit 39 Toren im Trikot des FC Barcelona zu den erfolgreichsten Torjägern des Weltfußballs. Ob er deshalb auch in der Endauswahl zum Ballon d’Or stehen muss, soll nicht unser Thema sein. In die Weltelf gehört er für uns auf jeden Fall.

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Sturm: Cristiano Ronaldo (Real Madrid)

Wenn Cristiano Ronaldo wie ein Cowboy zur Ausführung seiner Freistöße antritt, muss man das nicht mögen. Eine objektive Betrachtung seiner Leistungen lässt aber nur einen Schluss zu: Cristiano Ronaldo ist Weltklasse. Inklusive der zehn Treffer für die portugiesische Nationalmannschaft erzielte Ronaldo 2013 in 59 Spielen müllereske 69 Tore.

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