Drei Gründe für das 0:3

Schalke verlor in der Champions League mit 0:3 gegen Chelsea. Ein Sieg der Blues, der zu hoch ausfiel. Darin waren sich alle Beobachter einig. Während einige Experten Einstellungsprobleme ausmachen konnten und die mangelnde Inspiration der Schalker Offensive kritisierten, habe ich eine gut eingestellte Schalker Mannschaft gesehen und will den Gründen für die Niederlage auf den Grund gehen.

Mit Erklärungsansätzen, die sich auf mentale Gesichtspunkte stützen, ist es meiner Meinung nach nicht getan. Auch diesen Punkt habe ich zuletzt in meinem Artikel „O-Ton-Manie“ thematisiert.

Die Schalker haben mit einer defensiven Grundausrichtung gespielt, um das gefährliche offensive Mittelfeld der Blues nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Gerade die Räume vor der eigenen Viererkette konnten die Schalker extrem kompakt halten und die Passwege zu Hazard, Oscar und Schürrle weitestgehend zustellen.

Dass man diese gute Defensivordnung nach dem frühen 0:1 nicht gleich aufgab und mit Mann und Maus den Sturmlauf startete, ist nachvollziehbar. Ein Gegner wie Chelsea hätte dann wahrscheinlich viel früher den zweiten und dritten Treffer nachgelegt. Schalke ging vorsichtig in die Offensive: In der zweiten Halbzeit stand die Schalker Viererkette höher, es wurde früher attackiert und dennoch blieb man lange Zeit im Mittelfeld sehr kompakt, konnte die Linien zwischen Mittelfeld und Abwehr eng halten.

Erst als man noch mehr Risiko ging, Höwedes stieß immer wieder mit in die Spitze, kassierte Schalke den entscheidenden Konter zum 0:2. Später, man hatte die Abwehr erneut entblößt, um das Defensivbollwerk des Gegners zu knacken, kassierte man durch einen weiteren Konter noch das 0:3. Natürlich gibt es Kritikpunkte. Zum Beispiel die Aufstellung eines nicht ganz fitten Kevin-Prince Boateng, der seine typische Dynamik vermissen ließ und so kaum Räume schuf. Die auffällige Anfälligkeit der Schalker Defensive bei Standards (Torres köpfte nach einer weiteren Standardsituation an die Latte).

Für die angemahnte fehlende Durchschlagskraft (oder Inspiration) in der Offensive, gab es meiner Meinung nach drei Gründe. 1. Die personelle Auf- und taktische Einstellung. 2. Die Verletzungsprobleme 3. Der Gegner

1. Schalke lief ohne echten Stürmer auf. Kevin-Prince Boateng stand statt Adam Szalai auf dem Platz, der (nicht ganz fitte) Boateng sollte in einem variablen Offensivspiel von Julian Draxler, Christian Clemens und Max Meyer unterstützt werden.
Die positive Konsequenz: Schalke stand im Mittelfeld sehr kompakt und ließ Chelsea kaum Raum zum Spielen. Die defensiven Mittelfeldspieler und Spieleröffner der Gäste wurden angelaufen und gestört oder der Passweg zu den Offensivspielern zugestellt.
Die negative Konsequenz: In der Spitze war Schalke kaum präsent. Gleich bei einer der ersten Hereingaben von Dennis Aogo in den Strafraum (12.) war überhaupt kein Schalker im Sechzehner.

2. Den Schalkern fehlt der beste Torjäger (Klaas-Jan Huntelaar) und der beste Vorbereiter (Jefferson Farfan). Nimmt man bei Dortmund Robert Lewandowski und Marco Reus heraus und ersetzt sie durch Schieber und Hoffmann, dann ist der BVB auch weniger schlagkräftig. Die Schalker ersetzten diese Ausfälle durch die jungen Talente Meyer, Clemens, Goretzka (eingewechselt) und Draxler. Für diese personellen Voraussetzungen haben die Knappen ein durchaus ordentliches Spiel gemacht, denn…

3. …der Gegner hieß Chelsea! In der Berichterstattung wird oft vergessen, dass es auch einen Gegner gibt. Dieser Gegner hinderte die Schalker Mannschaft mit viel Erfahrung (Lampard, Ivanovic, Ramires, Terry) daran, allzu inspiriert zu wirken. Dass Chelsea unter Mourinho eine starke Defensivabteilung stellen wird (am Ende standen mit den eingewechselten Mikel und Luiz acht Defensivspieler im Team), war zu erwarten. Die Blues hatten den Vorteil des frühen Tores und konterten dann aus einer erfahrenen und stabilen Defensive heraus.

Fazit: Schalke begann mit einer cleveren und kompakten defensiven Grundordnung. Nach dem frühen Gegentreffer machten sie nicht gleich auf. Erst in Halbzeit zwei wurde man sukzessive offensiver und kassierte schließlich die Konter. Die Wahrung der defensiven Ordnung, das Verletzungspech und die Klasse des Gegners, sind einige Gründe dafür, warum Schalke das Spiel nicht durch eigene Tore entscheiden konnte. Den Willen möchte ich dem Team nicht absprechen, und die Inspiration – sagen wir lieber die Qualität der Offensivspieler – reichte so weit, wie die jungen Beine Meyer, Clemens und Draxler eben trugen. Das war an diesem Abend nicht weit genug für Chelsea!

Be Sociable, Share!

Kommentar verfassen

Sie können die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>