Eine Weltelf der Nachwuchsstars

Wenige Stunden vor der Bekanntgabe des Weltfußballers 2013 kürt Gegen den Ball die besten elf Nachwuchsspieler des vergangenen Jahres. Wer 2013 noch nicht den 21. Geburtstag gefeiert hat, konnte berücksichtigt werden. In einem 4-3-3 haben wir uns für diese elf Spieler entschieden, die allesamt auf dem Weg zu einer großen Karriere sind.

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Torhüter: Stefanos Kapinos (19) – Panathinaikos

Der Torwart des griechischen Tabellenvierten ist ein Mann der Rekorde. Als er am dritten Spieltag der Saison 2011/12 nach der Roten Karte für Orestis Karnezis gegen Atromitos eingewechselt wurde, avancierte der damals 17-jährige Kapinos zum jüngsten Torhüter in der Historie von Panathinaikos. Zuvor brach er schon den Altersrekord in Griechenlands U 17-Nationalmannschaft und debütierte im November 2011 als jüngster griechischer Nationalspieler überhaupt. Kapino weckte das Interesse von vielen europäischen Topclubs, aber in der Saison 2012/13 folgte ein erster Karriereknick. Kapino pendelte bei Panathinaikos zwischen Ersatzbank und Tribüne und kam erst am letzten Spieltag zum Einsatz. Im Verein bedeutete das die Rückkehr zum Stammplatz, den er in sämtlichen U-Nationalmannschaften Griechenlands ohnehin die ganze Zeit inne hatte. Mit seinen 1,95 Meter gilt Kapino als Torhüter mit starken Reflexen, der auch im Herauslaufen ein gutes Timing hat. Er führt die Liste von vielen interessanten Torwart-Talenten (Alphonse Areola, Daniel Sotres, Nicola Leali) an, weil er sehr robust ist und viele Erstliga-Einsätze vorweisen kann.

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Rechtsverteidiger: Fabinho (20) – AS Monaco

Weltklasse-Außenverteidiger sind rar gesät. Da wundert es nicht, dass auch in unserer Junioren-Weltelf die Auswahl gering ist. Die taktischen Anforderungen an moderne Außenverteidiger sind komplex, da sie als stürmende Abwehrspieler sowohl in der Defensive als auch in der Offensive wichtige Aufgaben erfüllen müssen. Die richtige Balance ist auch das Problem von Fabinho, der sich als Leihspieler des FC Rio Ave (Portugal) sofort einen Stammplatz bei Aufsteiger AS Monaco eroberte. Fabinhos Offensivpotential beeindruckte die Scouts des FC Arsenal und Manchester City, die wie Monacos Trainer Claudio Ranieri aber auch die fehlende Disziplin in der Rückwärtsbewegung feststellten. Fabinho hat seinen Stammplatz aktuell wieder verloren, aber mit der nötigen Erfahrung kann der Brasilianer zu einem der seltenen Weltklasse-Außenverteidiger reifen.

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Innenverteidiger: Marquinhos (19) – Paris St. Germain

Mit hohen Marktwerten oder mächtigen Ablösesummen allein ist die Nominierung für die Weltelf nicht zu schaffen – sonst hätten auch Raheem Sterling (FC Liverpool/Marktwert 12 Millionen Euro) oder Mateo Kovacic (Inter Mailand/ 11 Millionen Euro Ablöse) einen Platz sicher gehabt. Bei Marquinhos stimmen aber sowohl die Zahlen als auch die Leistungen. Der Brasilianer kam vor dieser Saison für 31 Millionen Euro von der Roma zu Paris St. Germain und absolvierte trotz der übermächtig erscheinenden Konkurrenz (Alex und Thiago Silva) insgesamt 17 Pflichtspieleinsätze. Kapitän und Landsmann Thiago Silva half bei der Integration und gab Marquinhos wertvolle sportliche Tipps. Als Stammspieler gilt der spielstarke Innenverteidiger, der auch im Offensivkopfball zu gefallen weiß, in Paris noch nicht. Aber der Weg ist nicht mehr weit.

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Innenverteidiger: Aymeric Laporte (19) – Athletic Bilbao

Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps kann beruhigt in die fernere Zukunft blicken – zumindest was die Besetzung der Innenverteidigung angeht. Denn mit Aymeric Laporte drängt ein Youngster so stark in den Vordergrund, dass er seine als talentierter eingestuften Landsleute Raphael Varane (Real Madrid), Kurz Zouma (AS St. Etienne) und Samuel Umtiti (Olympique Lyon) nicht nur aus dieser Weltelf verdrängt hat. In Frankreich gilt Laporte als Geheimfavorit für einen Platz im WM-Kader, wenn einer der etablierten Innenverteidiger (Sakho, Koscielny, Abidal, Varane) ausfallen sollte. Varane, der bereits vier Mal im A-Team eingesetzt wurde, kämpft sich beispielsweise bei Real nach langer Verletzungspause gerade zurück. Laporte verlängerte in Bilbao seinen Vertrag vor kurzem bis 2018, darin enthalten ist eine Ausstiegsklausel in Höhe von 36 Millionen Euro. Das Interesse des FC Barcelona, der seine Innenverteidigung verjüngen will, soll trotzdem ungebrochen sein.

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Linksverteidiger: Luke Shaw (18) – FC Southampton

Lange Zeit hielt sich der FC Southampton in der Spitzengruppe der Premier League. Nach Niederlagen in den Topspielen gegen Chelsea, Arsenal, Tottenham und Everton stehen die Saints mittlerweile im Mittelfeld der Liga. Trotzdem ist der Respekt vor der Jugendarbeit in Southampton riesig, neben Luke Shaw debütierten mit Calum Chambers (18), Harrison Reed (18), James Ward-Prowse (19) und Sam Gallagher (18) vier weitere blutjunge Spieler in der Premier League. Von den Leistungen her steht Shaw aber noch deutlich vor seinen Kollegen. Der Linksverteidiger ist dribbelstark, zieht dabei gerne in die Mitte und sucht seine Nebenleute mit kurzen Pässen. Bemerkenswert sind auch seine Fortschritte in der Defensive, wo Shaw keinen Zweikampf scheut. An seinem Stellungsspiel muss er wie an der Effektivität in der Offensive allerdings noch arbeiten. Anders als seine Teamkollegen Rickie Lambert, Jay Rodriguez und Adam Lallana wartet er deshalb noch auf eine Nominierung von Nationaltrainer Roy Hodgson. Dass die englischen Topclubs fast täglich mit Shaw in Verbindung gebracht werden, muss nicht extra erwähnt werden, Shaw selbst schloss einen Wechsel im Januar allerdings aus.

Die U 20-Weltelf von Gegen den Ball.
Die U 20-Weltelf von Gegen den Ball.

Mittelfeld: Paul Pogba (20) – Juventus

Wenn Paul Pogba mit seinen raumgreifenden Schritten durch das Mittelfeld von Juventus pflügt und sein Team unermüdlich antreibt, dürfte der eine oder andere Fan von Manchester United eine Träne verdrücken. Denn Pogba wechselte 2009 aus der Jugendabteilung von Le Havre zu den Red Devils, den absoluten Durchbruch traute ihm der damalige Trainer Sir Alex Ferguson aber nicht zu. Pogbas Vertrag lief 2012 aus und so schloss er sich der Alten Dame in Turin an. Seitdem hat die Karriere des Franzosen ordentlich Fahrt aufgenommen. Pogba ist Stammspieler und regelmäßiger Torschütze bei Juventus, er gewann mit Frankreich die U 20-Weltermeisterschaft, debütierte im Nationalteam der Equipe Tricolore und wurde als Nachfolger von Lionel Messi, Mario Götze oder Isco zum Golden Boy 2013 gewählt.

Mittelfeld: Julian Draxler (20) – FC Schalke

Wie lange spielt Julian Draxler noch beim FC Schalke? Diese Frage dürfte uns bis zum Ende des Gerüchteküche-Monats Januar begleiten. Denn die Fakten sprechen gegen Draxlers Vertragstreue bis 2018. Er selbst hat nie ein Geheimnis aus seinen Ambitionen gemacht, mal bei einem europäischen Spitzenteam spielen zu wollen. Draxler hat sich bei der Vertragsverlängerung eine Ausstiegsklausel in Höhe von 45 Millionen Euro zusichern lassen. Und auch die Schalker sind sich des drohenden Szenarios bewusst, mit Sidney Sam (Leverkusen) wurde bereits ein potentieller Nachfolger verpflichtet. Der einzige Deutsche in der Junioren-Weltelf wird mit dem FC Arsenal in Verbindung gebracht, der nach der Verletzung von Theo Walcott seine für den Sommer geplante Draxler-Attacke vorziehen könnte. An der sportlichen Qualität Draxlers gibt es ohnehin keine Zweifel, auch wenn er in der Hinrunde ein kleines Tief überwinden musste und an seiner Konstanz sowie der defensiven Robustheit arbeiten muss.

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Mittelfeld: Ross Barkley (20) – FC Everton

In England ist die Angst vor einem Debakel bei der Weltmeisterschaft in Brasilien spürbar. Trainer Roy Hodgson hat keinen ausgewogenen Kader, in der Gruppe mit Italien und Uruguay wird jeder Ausrutscher bestraft und mit Theo Walcott fällt ein Hoffnungsträger sicher aus. Da brauchten die Fans der Three Lions nicht die nächste Hiobsbotschaft: Ross Barkley brach sich im FA Cup gegen die Queens Park Rangers einen Zeh und wird dem FC Everton einige Wochen fehlen. Barkley hat zwar erst drei Länderspiel für England bestritten, gilt mit seinen Qualitäten im Passspiel, Kopfball, Dribbling und Torabschluss als sicherer WM-Kandidat. Everton will Barkley (Vertrag bis 2016) möglichst lange halten und hat möglichen Offerten einen Riegel vorgeschoben. „Selbst wenn wir ein Angebot in der Größenordnung eines Gareth Bale erhalten würden, stünde ein Transfer im Januar nicht zur Debatte“, sagte Trainer Roberto Martinez kurz vor Weihnachten.

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Sturm: Florian Thauvin (20) – Olympique Marseille

Olympique Marseille spielt bisher eine äußerst bescheidene Saison. In der Champions League schied OM ohne Punktgewinn aus und in der Ligue 1 ist Topteam PSG 17 Punkte enteilt, Marseille steht nur noch auf dem siebten Rang. Der Mitfavorit auf den Titel in Frankreich hat große spielerische Probleme, Torchancen sind in Spielen von OM häufig Mangelware. Umso bemerkenswerter ist die Entwicklung von Florian Thauvin, der vor der Saison für 15 Millionen Euro aus Lille verpflichtet wurde und sich wie Pogba U 20-Weltmeister nennen darf. Der schnelle und dribbelstarke Thauvin erzielte in 22 Pflichtspielen für OM sechs Treffer und bereitete vier vor.

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Sturm: Romelu Lukaku (20) – FC Everton

Beim FC Chelsea haben die drei Stoßstürmer Fernando Torres, Samuel Eto’o und Demba Ba in der Premier League zusammen acht Tore und sieben Vorlagen auf ihrem Konto. Romelu Lukaku, von den Blues nach Liverpool zum FC Everton verliehen, kommt alleine auf neun Treffer und sechs Assists. Chelsea könnte einen Torjäger wie Lukaku somit gut gebrauchen, aber Trainer José Mourinho ist weiterhin nicht restlos überzeugt von dem belgischen Youngster. „Für Everton zu spielen ist das eine, für Chelsea zu spielen ist etwas ganz anderes“, sagte Mourinho vor einigen Wochen, als er auf die Erfolge Lukakus angesprochen wurde. Unbestritten hat der schnelle und kompakte Angreifer einen großen Anteil am Höhenflug der Toffees, ob er tatsächlich nochmals das Trikot seines Lieblingsvereins tragen wird, liegt nicht nur in seiner Hand.

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Sturm: Michy Batshuayi (20) – Standard Lüttich

Die Konkurrenz im Angriff ist riesig. Mit Viktor Fischer, Davy Klaassen (beide Ajax Amsterdam), Domenico Berardi (Sassuolo), Aleksandar Mitrovic (RSC Anderlecht) oder Paco Alcacer (FC Valencia) machten in den letzten Monaten viele Nachwuchsstürmer mit Toren auf sich aufmerksam. Unsere Wahl fiel neben Thauvin und Lukaku aber auf einen weiteren belgischen Youngster, der mit einer beeindruckenden Quote nicht mehr lange in der Jupiler League spielen wird. Michy Batshuayi erzielte in 21 Ligaspielen für Standard 14 Treffer und führte das Team aus Lüttich zur Wintermeisterschaft. Neben Everton und Arsenal soll auch Borussia Dortmund an Batshuayi interessiert sein. Im Testspiel am vergangenen Samstag (2:0 für den BVB) konnte Batshuayi kaum Akzente setzen, allerdings wurde der 1,85 Meter große Angreifer mit kongolesischen Wurzeln als Zaungast bei einem BVB-Training im spanischen La Manga gesichtet, wo sich Standard ebenfalls auf die Rückrunde vorbereitet.

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