FC Bayern: Am Bösen ergötzen

Warum ist der FC Bayern der reichste und erfolgreichste Club in Deutschland? Die Ereignisse der vergangenen Tage bieten ein unvergleichbares Lehrstück für die Beantwortung dieser Frage.

Zwei Jahre lang liefen die erfolgsverwöhnten Bayern Borussia Dortmund hinterher. Sowohl ganz real in den direkten Duellen als auch übertragen auf die beiden Meisterschaften des BVB in der Bundesliga. Eine Art Majestätsbeleidigung, die Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge nicht auf sich sitzen lassen konnten.

Die Bayern wurden tätig und das mit Erfolg. Mit einem massiv verstärkten Kader wurde die Meisterschaft so früh eingefahren wie noch nie. Um die neuen alten Machtverhältnisse zu untermauern wurde mit Pep Guardioala flugs noch der vermeintlich beste Trainer der Welt verpflichtet. Doch die Rivalen aus dem Ruhrgebiet ließen sich einfach nicht abschütteln, nun schicken sich die Schwarz-Gelben plötzlich an, den Bayern den internationalen Ruhm zu klauen.

Es musste nachgelegt werden. Als ein Transfer von Robert Lewandowski nicht zu realisieren war – oder hat Guardiola etwa seinen Daumen gesenkt? – umgarnten die Bayern mit Mario Götze das größte deutsche Talent, die Ausstiegsklausel über 37 Millionen Euro war ja kein Geheimnis. Als Götze seine Zusage gab, ging es für die Bayern nur noch um den Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Und was passt da besser, als die Information dem Springer-Verlag zukommen zu lassen, wenn sich nach Hoeneß‘ Image-Aussagen über die spanischen Verhältnisse in der Bundesliga mit dessen Steueraffäre der Wind in eine ungünstige Bayern-Richtung gedreht hat? Und wenn dann glücklicherweise auch noch ein Champions League-Halbfinale ansteht, in dem die Dortmunder die rückhaltlose Unterstützung ihres Publikums benötigen und massiver Protest gegen das gefallene Lieblingskind die Wahrscheinlichkeit auf einen Erfolg schmälern könnte, dann ist das ein Zeitpunkt wie gemalt für die Machtmenschen aus München.

Ist die Empörung und der Aufschrei über Wechsel und Zeitpunkt der Bekanntgabe demnach verständlich? Aus Sicht der Dortmunder Fans ist sie zumindest nachvollziehbar, Götze wurde immerhin in Dortmund ausgebildet und erklärte den BVB zu seinem Lieblingsclub. Aber wer mit mir zweimal durchatmet, wird auch die vielen Nebenaspekte sehen, die diesen Transfer-Hammer fassbarer machen:

  1. Wer eine Ausstiegsklausel in einen Vertrag schreibt, muss auch damit rechnen, dass der andere Vertragspartner davon Gebrauch macht. Auch eine moralische Anklage ist in solchen Fällen völlig sinnfrei, die Dortmunder haben es in der vergangenen Saison mit Marco Reus und Borussia Mönchengladbach nicht anders gemacht.
  2. Die Bayern wiederum bekommen mit Götze eines der größten Talente der Welt, das die taktischen Optionen nochmal erhöhen wird. Guardiola wird Götzes Spiele in der Nationalmannschaft als falsche Neun beobachtet haben. Auch die Anhänger von Toni Kroos, Arjen Robben oder Xherdan Shaqiri, deren Einsatzzeiten geringer werden dürften, werden sich beruhigen. Ist Mario Götze auf dem Markt, hat der FC Bayern die Pflicht, sich um ihn zu bemühen.
  3. Bei den BVB-Fans ist Götze selbst nun völlig in Ungnade gefallen. Einen Wechsel hat er zwar nie ausgeschlossen, seine Sympathie-Bekundungen für die Borussia und deren Entwicklung haben bei den Anhängern jedoch eine Erwartungshaltung hervorgerufen, die ihm in den sozialen Netzwerken nun um die Ohren geworfen werden. Mit Manuel Neuer kann er sich ab sofort über die unflätigsten Beleidigungen austauschen – einen weiteren Kommentar zu dieser Unsitte verkneife ich mir. Diesen Fans sei jedoch gesagt: Götze geht einem Job nach und will das für sich Optimale herausholen. Und wer tatsächlich über Götzes Beweggründe rätselt, dem seien gleich drei genannt: Zwölf Millionen Euro Gehalt! Pep Guardiola! FC Bayern!
  4. Die Dortmunder wiederum stehen vor der Aufgabe, nach Nuri Sahin und Shinji Kagawa im dritten Jahr in Folge einen scheinbar unersetzlichen Leistungsträger zu ersetzen. Götze ist sicherlich der schwerste Verlust, aber mit den 37 Millionen Euro Transferentschädigung und den 50 Millionen Euro aus der Champions League ist der BVB in einer sehr komfortablen Situation. Mund abputzen, Scouting-Listen rausholen und die richtigen Antworten geben.

Die Bayern wollen ganz sicher, abgesehen von der Aufwertung des eigenen Kaders, was bei Transfers innerhalb der Bundesliga gerne mal vergessen wird, den großen Rivalen der letzten drei Jahre wieder abschütteln. Nun liegt es am BVB, ob er das auch mit sich machen lässt.

Be Sociable, Share!

Kommentar verfassen

Sie können die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>