GDBSDNS: Fünf Shootingstars aus Spanien

Einer tritt in die Fußstapfen von Bixente Lizarazu und Javi Martínez. Ein anderer wird von seinem Berater zum neuen Ronaldo gepusht. Und ein Dritter geht bewusst einen anderen Weg als sein großer Bruder beim FC Bayern. Die Rede ist von jungen Aufsteigern in der spanischen Liga, die vor einer großen Karriere stehen. Zum Auftakt einer dreiteiligen Talenteshow stellt Gegen den Ball fünf Spieler aus dem Nachwuchsmekka Spanien vor.

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Aymeric Laporte (19) – Athletic Bilbao

Innenverteidiger
Saison 2013/14 (Liga): 15 Pflichtspiele – 1 Tor – 0 Assists
Passquote 80,7 Prozent
Abgefangene Bälle pro Spiel: 2,3
Klärende Aktionen pro Spiel: 6,7
Tacklings pro Spiel: 2,4

Nach dem Abgang von Javi Martínez zum FC Bayern und den Querelen mit Topstürmer Fernando Llorente spielte Athletic Bilbao in der vergangenen Saison nur gegen den Abstieg, der letztlich verhindert werden konnte. Danach ging Llorente zu Juventus und Startrainer Marcelo Bielsa legte sein Amt nieder. Bilbao, seit jeher nur mit baskischen Spielern im Kader, stand vor einer ungewissen Saison.

Nach 16 Spieltagen stehen die Löwen mit 30 Punkten auf dem vierten Rang der Primera División und können von der Rückkehr in einen internationalen Wettbewerb träumen. Der neue Trainer Ernesto Valverde hat eine gute Mischung gefunden, die vor allem defensiv zu überzeugen weiß, sehr effizient auftritt (sieben Siege mit einem Tor Differenz) und in der Offensive von Jungstar Iker Muniain, Routinier Aritz Aduriz und Markel Susaeta lebt.

Aber es gibt ein neues Sternchen am Himmel von Bilbao, ausnahmsweise mal nicht spanischer sondern französischer Herkunft. Aymeric Laporte wuchs im baskischen Teil Frankreichs auf und wechselte 2010 in die Jugendakademie von Athletic. Er wandelt damit auf den Spuren von Bixente Lizarazu, der in der Saison 1996/97 vor seinem Wechsel zum FC Bayern in Bilbao spielte.

Laporte, der seit der U 17 alle französischen Jugendnationalmannschaften durchlief und die U 19 im vergangenen Sommer als Kapitän ins verlorene EM-Finale gegen Serbien führte, ist ein moderner Innenverteidiger, der in seiner Spielweise an Mats Hummels erinnert. Mit 1,89 m ist Laporte nur drei Zentimeter kleiner als Hummels, besticht als moderner Abwehrspieler aber mit exzellenter Technik und ist im Spielaufbau von Bilbao eine zentrale Kraft. Die guten Werte in den Bereichen Abgefangene Bälle, Klärende Aktionen und Tacklings pro Spiel zeigen aber auch seine Qualitäten im eigentlichen Job in der Abwehr.

Noch unter Bielsa feierte Laporte in der vergangenen Saison in der Europa League sein Debüt. Das 19-jährige Talent zeigte gegen den israelischen Club Shmona eine starke Leistung und eroberte in der Rückrunde einen Stammplatz. Auch Valverde schenkte Laporte sofort sein Vertrauen, in 15 der 16 Saisonspiele stand der Franzose in der Startelf. Gegen Getafe erzielte er beim 1:0-Sieg mit einem Kopfball nach einer Ecke sein erstes Tor in der Primera División. Der Linksfuß ist noch bis 2015 an Athletic gebunden, für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Brasilien dürfte es wegen der großen Konkurrenz (Koscielny, Sakho, Varane, Abidal) noch nicht reichen.

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Álvaro Vadillo (19) – Real Betis

Offensiver Flügelspieler
Saison 2013/14 (Liga + EL): 15 Spiele, 1 Tor, 2 Assists
Passquote 70,5 Prozent
Torschüsse pro Spiel: 1,1
Dribblings pro Spiel: 1,4
Schnittstellenpässe pro Spiel: 0,9

Mit zwei Dingen sollte man im modernen Fußball vorsichtig umgehen: Erstens wenn ein Spielerberater seinen Schützling wiederholt bei anderen Clubs ins Gespräch bringt und wenn dieser Berater zweitens auch noch ein griffiges Gütesiegel verbreitet. Bei Àlvaro Vadillo trifft beides zu. Dessen Agent José Maria Sanchez de Puerta sieht seinen Schützling schon im Arsenal-Trikot, obwohl er selbst zugibt, noch nicht von einem Verantwortlichen der Gunners kontaktiert worden zu sein. Und er nennt Vadillo gleich noch schlagzeilenträchtig den „neuen Cristiano Ronaldo“.

In englischen Medien flammt das Arsenal-Gerücht tatsächlich immer mal wieder auf, nachdem Vadillo im vergangenen Sommer sowohl bei Manchester United als auch bei Tottenham im Gespräch gewesen sein soll. Sehr viel Konjunktiv für ein 19-jähriges Talent, das bei Kellerkind Betis noch immer auf den ersten Treffer in der Primera División wartet. Als Flügelstürmer ist das zwar nicht seine Hauptaufgabe, an seinem Abschluss muss Vadillo trotzdem arbeiten.

Vadillos Dribblings sind allerdings beeindruckend, in vollem Tempo überläuft er seine Gegenspieler regelmäßig und bereitet viele Torchancen von Betis vor. Er beherrscht aber auch den Direktpass, sucht seine Mitspieler in der Spitze und könnte sich deshalb durchaus in Arsenals Spielweise einfinden. Angesichts der starken Konkurrenz im Kader der Gunners müsste ein aufrichtiger Berater aber noch von einem Wechsel abraten.

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Sergi Darder (19 )- FC Malaga

Defensiver Mittelfeldspieler
Saison 2013/14 (Liga): 14 Spiele, 0 Tore, 2 Assists
Passquote 79,9 Prozent
Abgefangene Bälle pro Spiel: 1,2
Tacklings pro Spiel: 2,9
Torschüsse pro Spiel: 1,5

Der FC Malaga stand in der vergangenen Saison im Viertelfinale der Champions League und schied erst durch zwei späte Tore von Borussia Dortmund aus. Solche Erfolge machen Hunger auf mehr, das ist in Andalusien nicht anders als im Ruhrgebiet. Nur musste Malaga wegen finanzieller Schwierigkeiten gleich sechs Stammspieler (Isco, Toulalan, Joaquin, Iturra, Demichelis und Baptista) und Trainer Manuel Pellegrini (Man City) ziehen lassen.

Trotzdem wird der neue Trainer Bernd Schuster wegen Rang 13 in der Primera División nicht nur kritisch beäugt, er muss sich in Heimspielen im La Rosaleda auch Pfiffe gefallen lassen. Das kann nicht nur Jungstar Sergi Darder überhaupt nicht nachvollziehen. „Die Pfiffe der Fans helfen uns nicht“, sagte Darder vor einigen Tagen in Malaga auf einer Pressekonferenz. „Es ist nicht einfach für ihn (Schuster) mit diesem völlig neuen Team, die Fans müssen Geduld mit ihm und uns haben.“

Darder selbst ist ein gutes Beispiel für Schusters beachtenswerte Arbeit. Der deutsche Trainer holte Darder aus Malagas Reserve in die erste Mannschaft, stellte ihm im bevorzugten 4-2-3-1 gleich auf die Doppelsechs und bereute seine Entscheidung bei insgesamt zwölf Startelf-Einsätzen nicht.

Darder gilt in Spanien als Achter oder als offensiverer Part auf der Doppelsechs, der aber defensiv zupacken kann. Er ist gut im Dribbling, bevorzugt das typisch spanische Kurzpassspiel und schießt gerne auch mal aus der zweiten Reihe. Das brachte ihm zum einen eine Nominierung in die U 21 der Seleccion ein, zudem sollen die Premier League-Clubs Manchester City und Tottenham auf Darder aufmerksam geworden sein. Er hat allerdings erst vor wenigen Wochen seinen Vertrag in Malaga bis 2017 verlängert.

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Óliver Torres (19) – Atlético Madrid

Offensiver Mittelfeldspieler
Saison 2013/14 (Liga + CL): 9 Spiele, 1 Tor, 1 Assist
Passquote 80 Prozent
Torschüsse pro Spiel: 0,5
Dribblings pro Spiel: 1,1
Schnittstellenpässe pro Spiel: 0,8

Wir haben ganz bewusst auf eine Rangliste verzichtet, alle hier vorgestellten Talente haben das Potential für eine große Zukunft. Am weitesten scheint mit Óliver Torres aber der Spieler zu sein, der paradoxerweise bisher die wenigsten Spielanteile bekommen hat. Torres hat sowohl in der Primera División als auch in der Champions League jeweils erst ein Spiel in der Startelf bestritten.

Das hat verschiedene Gründe. Ganz allgemein spielt Atlético eine herausragende Hinrunde, das starke Kollektiv gibt Trainer Diego Simeone kaum Anlass zur Rotation. In Simeones 4-4-2 gibt es nur zwei offensive Mittelfeldspieler. Und dort spielt mit Koke (21) zudem ein anderer Jungstar extrem stark auf (drei Tore, acht Vorlagen).

Torres, der in allen spanischen U-Nationalmannschaften als Taktgeber im Mittelfeld glänzte, steckt allerdings auch inmitten eines großen Umstellungsprozesses. Die spanischen Teams spielen dominant, haben viel Ballbesitz und Torres leitet mit überraschenden Tempowechseln viele Angriffe ein. Atlético wiederum ist defensiver orientiert, schaltet schneller um, kommt viel über die Außen und erzielt zahlreiche Kontertore.

Trotzdem wissen die Verantwortlichen bei Atlético, was sie an Torres haben. Sein Vertrag wurde bis 2018 verlängert, die dazugehörige Ausstiegsklausel soll bei 22 Millionen Euro liegen. Das Eigengewächs will den Club ohnehin nicht verlassen, im Moment zeigt er sich trotz einiger Anfragen von Vereinen aus Spanien und England mit seiner Jokerrolle zufrieden. In diesen Spielen deutete er sein Potential immer wieder an, gegen Betis erzielte er beispielsweise das schnellste Liga-Tor in der Historie von Atlético.

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Rafinha (20) – Celta Vigo/FC Barcelona

Offensiver Mittelfeldspieler
Saison 2013/14 (Liga): 15 Spiele, 3 Tore, 1 Assist
Passquote: 84,8 Prozent
Torschüsse pro Spiel: 0,9
Dribblings pro Spiel: 1,8
Schnittstellenpässe pro Spiel: 1,2 (Quelle für alle statistischen Daten: whoscored.com)

Celta Vigo steckt in der Primera División zwar mitten im Abstiegskampf, aber Trainer Luis Enrique hat ein interessantes Team mit vielen Talenten zusammengestellt. So hätten wir hier auch Innenverteidiger David Costas (18), Bilbao-Leihgabe Jon Aurtenentxe (21) oder Stürmer Santi Mina (18) vorstellen können. Wenig überraschend sorgt aber Rafael Alcántara – Spitzname Rafinha – für das größte Aufsehen in Galizien.

Nicht nur Insider werden bei dem Namen Alcántara aufhorchen. Tatsächlich ist Rafinha der jüngere Bruder von Bayern-Profi Thiago. Beide wurden in Barcelonas Jugendakademie La Masia ausgebildet und haben ihr Talent von Papa Mazinho geerbt, brasilianischer Weltmeister von 1994. Mittlerweile gehen die Brüder nicht nur auf Club- sondern auch auf Nationalmannschafts-Ebene getrennte Wege. Thiago spielt für Spanien, Rafinha hat sich nach einigen Einsätzen für spanische U-Mannschaften mittlerweile für Brasiliens U 20 entschieden. Ein A-Länderspiel fehlt noch, aber Rafinha wandelt auf den Spuren seines Vaters. „Wir sind Brüder, denken in dieser Frage aber einfach unterschiedlich“, erzählte Thiago schon vor zwei Jahren.

Seinem Stammverein hat Rafinha aber nicht komplett den Rücken gekehrt. Vor der Ausleihe zu Celta Vigo verlängerte der offensive Mittelfeldspieler in Barcelona seinen Vertrag bis 2016. Und die Rückkehr im kommenden Sommer gilt als sicher, zusammen mit Gerard Deulofeu (FC Everton) soll Rafinha den Umbruch im Kader der Katalanen vorantreiben.

Verschiedene Karriereplanungen, unterschiedliche Nationalmannschaften – da wundert es nicht, dass die Brüder auch einen anderen Spielstil pflegen. Während Thiago ein großer Stratege ist, der gerne zentral spielt und gestochen scharfe Pässe spielen kann, ist Rafinha variabler einsetzbar. Der 20-Jährige ist physisch stärker, schneller im Antritt, sucht häufiger das Dribbling und ist im Abschluss etwas besser als Thiago. Als Flügelspieler mit guten Gegenpressing-Bewegungen hat sich Rafinha in Vigo zum Leistungsträger entwickelt.

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