Gefühltes Versagen – Der HSV, seine Fans und die Medien

The natural state of the football supporter is bitter disappointment, no matter what the score” (Nick Hornby: Fever Pitch, 1992, p. 20)

„Das war Arbeitsverweigerung“, zitierte die Hamburger Morgenpost einen HSV-Fan.  Das war im Mai 2009, nach dem 0:2 der Rothosen in Bremen, das die aus Hamburger Sicht unglückliche Serie von vier Derbys gegen Werder innerhalb von zweieinhalb Wochen beschloss. Im DFB-Pokal und im UEFA Cup zog Bremen jeweils über den HSV ins Finale ein. Aus heutiger Sicht ist es interessant, sich die damalige Situation noch einmal genauer anzusehen.

Im größeren Blick auf die vergangenen 30 Jahre HSV-Geschichte fällt es schwer, die Saison 2008/09 als missraten zu begreifen. Über alle Wettbewerbe hinweg waren die Rothosen seit dem Weggang Ernst Happels 1987 nie mehr so gut wie vor vier Jahren. Noch Ende April 2009 stand der HSV nur drei Punkte hinter Platz eins der Bundesliga und befand sich faktisch im Kampf um drei Titel. Dass es am Ende keiner wurde, auch wenn das Pokal-Aus gegen Bremen erst im Elfmeterschießen kam, war sicher bitter für viele Fans, aber die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit war schon damals immens.

Wohl gemerkt ist hier nicht der „Anspruch“ der Mannschaft oder des Trainers gemeint, sondern der der breiten Öffentlichkeit. Denn die in unseren Tagen beliebte Überzeugung, die „Selbstüberschätzung“ der Hamburger Aktiven und Verantwortlichen sei immens, ist selbst ein großer Teil des Problems. Dazu später mehr. Der Versuch des HSV, den Erwartungen seines Umfeldes zu entsprechen, erinnert seit vielen Jahren an das Unterfangen des Esels, die vor ihm an einem Stock befestigte Mohrrübe zu erreichen, die sich doch in Wahrheit immer genauso schnell bewegt wie er selbst. Genau so unveränderlich wie der Abstand des Esels zur Karotte und der des HSV zu seinen „Zielen“ ist das verwendete Vokabular der aufgebrachten Fans.

Journalistische Unverschämtheiten

Das oben zitierte Wort „Arbeitsverweigerung“ findet sich im Thread des HSV-Forums nach dem 2:9 in München zu Ostern neben dem Titel noch von acht verschiedenen Usern wortgleich wiederholt – von allen so, als sei es ihr eigenes Urteil und nicht eine tausendfach wiederholte Phrase, die offenbar jedem zweiten Hamburger spontan in den Sinn kommt, wenn er über den Hamburger Sportverein sprechen soll. Das Muster ist immer das Gleiche bei der Bewertung des HSV: Schlechte Spiele werden skandalisiert und zum Anlass genommen, ohne jede Beweisführung den Profis „charakterliche Defizite“ zu unterstellen. Das ist übrigens von Fans in Internetforen schon ärgerlich genug, aber so etwas gibt es bei jedem Club. Dass aber gestandene Journalisten oder TV-Experten ungerührt auf den Zug aufspringen und nach jeder Niederlage spekulative Urteile über die Berufseinstellung von Fußballprofis fällen, ist nicht weniger als eine Unverschämtheit. Dass diese Unsitte so verbreitet ist, macht sie keineswegs akzeptabler.

Aber war das 2:9 von München nicht tatsächlich eine Pleite historischen Ausmaßes? Das war sie schon, aber wenn man beim FC Bayern, einer der besten Mannschaften der Welt, nach einer halben Stunde 0:4 zurückliegt, dann hat alles, was folgt, wenig mit „Charakter“ zu tun. Sondern mit einer Grundentscheidung, ob man Schadensbegrenzung  betreiben will und anerkennt, dass die ursprüngliche Taktik falsch war oder die Qualität an diesem Tag einfach nicht reicht, um zu gewinnen. Ob man also forthin mauert. Oder ob man so weitermacht wie zuvor und weiter Gegentore am Fließband kassiert. Es ist im Wesentlichen Thorsten Fink vorzuwerfen, die entsprechenden Schlüsse nicht gezogen zu haben. Aber auch dieser Vorwurf betrifft letztlich eine Frage der Außendarstellung, denn das objektive Resultat war schon lange besiegelt, ehe der HSV weitere fünf Gegentore kassierte. Wenn es beim Stand von 0:0 nicht gelingt, die Münchner Offensive zu stoppen, warum sollte es dann beim Stand von 0:5 besser klappen? Weil man auf einmal seinen „Charakter“ einschaltet?

Doch selbst wenn man das nicht teilt und findet, es sei besonders verwerflich, nicht nur hoch, sondern sehr hoch zu verlieren, dann muss man sich fragen, warum dieses 2:9 von so vielen Beobachtern als Offenbarungseid im Wortsinne gesehen wurde – also als Ausweis der tatsächlichen Stärke des HSV und nicht als bedauerlicher Ausrutscher. Schließlich hat die gleiche Mannschaft in dieser Saison zweimal gegen Dortmund und einmal gegen Schalke gewonnen, was offenbar niemand für eine Standortbestimmung hält. Damit setzt sich aber nur das fort, was sich 2009 schon beobachten ließ und was Sportal 2011 in einem Essay feststellte: HSV-Anhänger zu sein, heißt, einen unwiderstehlichen Trieb zu Masochismus und negativer Stimmung  zu verspüren. Positive Serien und Phasen werden mit vorsichtiger Freude zur Kenntnis genommen, im Fall der (logischerweise immer mal wieder vorkommenden) nächsten Niederlagen aber nicht mit der Enttäuschung verrechnet. Sondern unter Umkehr des Vorzeichens mit ihr kumuliert.

Der HSV ist schlechter als Greuther Fürth

So zählten die drei Titel, um die Martin Jol 2009 mitgespielt hatte, und der in der letzten Saisonminute erreichte erneute Einzug in die Europa League nichts mehr, verglichen mit der Schmach der Derbyniederlagen. Jol selbst durfte auch nicht auf Abwägung seiner Verdienste hoffen, als er nach Saisonende aufgrund mutmaßlicher Differenzen mit dem Vorstand überraschend zum AFC Ajax wechselte. „Tot ziens, Kaskopp“ („Tschüss, Käsekopf“) titelte die Hamburger Morgenpost in der Ausgabe, in der sie den Trainer auf den Seiten zwei und drei aufs Übelste weiter verunglimpfte. Auch das ein Beispiel, in diesem Fall vom damaligen Mopo-Redakteur Sven Töllner (heute bei Sky), in dem man als neutraler Leser das Gefühl bekam, dass die persönliche Enttäuschung von Journalisten das Urteil über den HSV radikalisiert.

Das muss aber nicht stimmen, denn ein weiteres Beispiel für einen Kollegen, dessen Urteil, wenn es um den HSV geht, über alle Maßen negativ ausfällt, ist Kicker-Korrespondent Sebastian Wolff. Der ist erklärter Anhänger von Eintracht Braunschweig, aber eine distanzierte, neutrale Perspektive auf den HSV, über den er für Deutschlands Fußballzeitschrift Nummer eins hauptverantwortlich berichtet, kann man Wolff nicht attestieren. Unter die Spielernoten des Kicker, Grundlage für das Managerspiel des Blattes, streut Wolff so freigiebig Sechsen, dass die Hamburger im Notenschnitt der Saison im Kicker inzwischen auf Platz 18 rangieren, noch hinter Fürth. Das passt immerhin zur Berichterstattung im gleichen Fachblatt, in dem Wolff dem HSV vor dem Spiel gegen Freiburg die „letzte Chance“ attestierte, alle Spieler und Verantwortlichen „auf dem Prüfstand“ sah und nach dem 0:1 gegen den Sportclub befand, der HSV verspiele „alle Ziele“.

Spontane Unzufriedenheit ist das nicht. Wolff hatte bereits vor einem Jahr, als der HSV im März einen ähnlichen Einbruch erlebte, nachdem er sich zuvor aus der Abstiegszone abgesetzt hatte, befunden, die Hamburger „taumelten dem Abstieg entgegen“. Seine Notengebung siedelte den HSV auch damals deutlich schlechter als die tatsächlichen Resultate ein: hinter Hertha BSC und Köln, nur knapp vor Kaiserslautern. Aber Wolff ist kein verwirrter Einzelfall, sondern das Spiegelbild der Maßlosigkeit, mit der in Hamburg jeder Misserfolg zur Katastrophe gemacht wird. Die örtliche Boulevardzeitung Morgenpost druckte nach dem 0:1 gegen Augsburg Mitte März in einem Sonderthema, mit dem die Zeitung aufgemacht wurde, Leserbriefe ab, die Sektion war mit dem Zitat „Und wieder haben sie versagt“ überschrieben.

In den von der Redaktion sicherlich ob ihrer Drastik ausgewählten, aber vom redaktionellen Teil keineswegs relativierten Leserbriefen forderten HSV-Fans, die Mannschaft aus der Bundesliga abzumelden, der Abstieg schien einem Einsender kaum noch zu vermeiden. Das Team stand zu diesem Zeitpunkt übrigens einen Punkt hinter einem Champions League-Platz. Die Tabellensituation reicht dem HSV-Anhänger solcher Couleur aber nicht aus, um zufrieden zu sein. Es fehlt stets ein gewisses „Je ne sais quoi“, das gefühlte Scheitern ist konstitutiv für die Wahrnehmung des HSV. Dazu passt die seit dem Bayern-Spiel von nahezu allen Medien geführte Debatte um Thorsten Fink. Als verspräche es eine Besserung für den finanziell angespannten Club, jetzt auch noch seinen Coach zu feuern.

Niederlagen gehören einfach dazu

Das Problem dieses negativen Überbietungswettstreits ist indes, dass die Kritik bei einer wirklich schlimmen Pleite wie der in München nur dann noch konsistent fortgeführt werden kann, wenn man sie noch weiter ins Extrem dreht. Die verzerrte Wahrnehmung des HSV in der Öffentlichkeit böte eigentlich Stoff für eine wissenschaftliche Untersuchung: Warum verselbständigen sich die Urteile von Fußballfans oft völlig? Ein ähnliches Beispiel ist die seit 2006 (und der WM-Halbfinalniederlage von Dortmund) eskalierende Verunglimpfung des italienischen Fußballs in weiten Teilen der deutschen Öffentlichkeit – oder die maßlose Kritik an der deutschen Mannschaft und Bundestrainer Joachim Löw nach der erneuten Niederlage gegen Italien, der einzigen Niederlage der DFB-Elf in den letzten Jahren überhaupt.

Zum Fußball gehören Niederlagen dazu. Nicht nur bedeutungslose Niederlagen, sondern auch bittere, die Punkte, Titel oder die Klasse kosten können. Das hat niemand besser beschrieben als Arnd Zeigler in seinem offenen Brief nach dem EM-Halbfinale 2012. Zeigler ist übrigens Werder-Bremen-Anhänger, in mehr als einer Hinsicht Gegenpol zum HSV. Interessanterweise zeichnen sich die beiden größten Nordrivalen des HSV dadurch aus, dass bei ihnen die Situation eher zu positiv als zu negativ wahrgenommen wird. Werder Bremen spielt gegen den Abstieg, liegt in der Kicker-Notentabelle aber auf Platz acht, die größte positive Abweichung der Liga. St. Paulis Fans feierten ihre Mannschaft in der Abstiegssaison 2010/11 nach einer 1:8-Heimniederlage gegen Bayern mit einer Ehrenrunde im Stadion.

Das finde ich persönlich beides ähnlich absurd wie die Blau-Weiß-Schwarzmalerei der HSV-Fans.  Speziell das Verhältnis HSV-St. Pauli ließe sich aber auch als zwei Seiten der gleichen dionysischen Medaille begreifen. Wer in der Hansestadt das Holsten Edel halb leer hat, geht halt zum HSV, wer es halb voll findet, ans Millerntor. Während bei St. Pauli selbst Dieter Schlindwein den Status eines „Kultspielers“ genoss und man dort eher die Unparteiischen oder gegnerische Spieler mit Gegenständen bewirft, wirft man beim HSV lieber auf Paolo Guerrero.

lazy journalism

Eine besonders ärgerliche Erscheinung des HSV-Bashing darf hier schließlich nicht unerwähnt bleiben. Äußerungen von Spielern im Hinblick auf eine mögliche Europacupteilnahme werden nach jeder Niederlage von altklugen Journalisten hervorgeholt und allen Ernstes als Grund für die verlorenen Spiele gewertet („sie haben sich gnadenlos überschätzt“). Ob man bei einem Punkt Rückstand auf einen Champions League-Rang das Ziel formuliert, in der kommenden Saison international zu spielen, oder ob man sich auf professionelle Worthülsen beschränkt („wir schauen nur auf das nächste Spiel“), ist Geschmackssache. Aber es ernsthaft als zentralen Grund für die folgenden Ergebnisse heranzuziehen, stellt ein Musterbeispiel von „lazy journalism“ dar: Anstatt eine eigene Analyse anzustellen, greift man einfach auf das naheliegendste Klischee zurück, das gerade im Umlauf ist.

Übrigens wurde Borussia Dortmund in den vergangenen Jahren stets mit dem „Thema“ konfrontiert, warum die Spieler nicht die Meisterschaft als Ziel ausriefen. Die mutmaßlich von Jürgen Klopp ausgegebene Direktive, so eine Form von Verbalscharmützeln zu unterlassen, die die Leibspeise von Uli Hoeneß sind, verhinderte zwar, dass seine Profis sich auf Diskussionen in den Medien einließen. Aber sie verhinderte nicht, dass es trotzdem an jedem Spieltag mehrere Medien gab, die diese „Frage“ für einen Aufmacher hielten. Denkbar wäre es also ebenso, den HSV-Spielern mangelnden Ehrgeiz und fehlenden „Willen“ zu unterstellen, falls sie keine Ziele formuliert hätten und anschließend verloren hätten. Ein Musterbeispiel dafür, wie die beschriebenen Mechanismen in der HSV-Berichterstattung grassieren, stellte die Sendung „Spiel der Woche“ bei Sky dar, in der live vom Hamburger Spiel gegen Freiburg berichtet wurde. Der übliche Talk-Tisch mit vier Männern in grauen Jacken, die Momo das Fürchten gelehrt hätten, war wie gewohnt mit Moderator Sebastian Hellmann, der mehr grinst als Theon Greyjoy, Jan Aage Fjortoft, Lothar Matthäus und Dr. Markus Merk besetzt.

Dass Fjortoft und Matthäus nichts Besseres einfiel, als sich über die „Körpersprache“ der HSV-Spieler auszutauschen, mag man noch nachsehen. Nachdem aber ein Einspielfilm mit der falschen Kommentierung, René Adler habe Michael Mancienne nach dem Tor „wach rütteln“ wollen, gezeigt worden war (tatsächlich trug sich die Szene nach einer Großchance Freiburgs zu, und Mancienne hatte sich im vorhergehenden Angriff nicht das Geringste zu Schulden kommen lassen), schaltete sich auch Merk in die Kritik der Hamburger Profis und ihrer Einstellung ein. Der Skandal ist nicht, dass ein Schiedsrichter, anders als Urs Meier einst im ZDF, auch fußballerische Themen kommentieren soll. Der Skandal besteht darin, dass es so ein Allgemeinplatz ist, HSV-Spieler wegen ihrer Mentalität zu kritisieren, dass niemandem auffällt, wie anmaßend und absurd es ist, wenn das auch noch ein Ex-Schiedsrichter tut.

Die allfällige Ausnahme René Adlers von der Kritik ist ein weiterer ärgerlicher Aspekt. Alle Feldspieler des HSV bekamen im Kicker nach dem Spiel in München eine Sechs, Adler hingegen trotz neun Gegentoren eine 3,5. Zwar wurde Marcell Jansen in der gleichen Zeitschrift nach dem 0:1 gegen Freiburg aus unerfindlichen Gründen mit einer 5 bedacht, Dennis Aogo sogar mit einer weiteren Sechs, Adler aber wurde erneut zwei Noten besser als alle Feldspieler benotet – trotz nur zweier Paraden in 90 Minuten. Auch das ein Beispiel dafür, dass es hier nicht um eine unvoreingenommene Einschätzung geht, sondern um Populismus à la „außer Adler könnt Ihr alle gehen“. Für Fans vielleicht ok. Für Journalisten nicht.

Vorschlag: ein bisschen Realismus

Bleibt natürlich die Frage, wie eine „neutrale Einschätzung“ des HSV denn ausfallen müsste. Gar nicht so leicht, in der Kakophonie der Weltuntergangsstimmung auf die Zwischentöne zu hören. Der maximale Anspruch des HSV könnte angesichts des Umsatzes des Clubs und des theoretischen Marktwerts des Kaders darin bestehen, Platz vier oder fünf zu erreichen. Davon ist das Team jetzt, nach der Negativserie, immer noch nur vier Punkte entfernt. Vielleicht nicht optimal, aber sicher kein totales Scheitern. Nimmt man die Kaderzusammensetzung von vor der Saison, also noch vor der Nachrüstung mit Rafael van der Vaart, Milan Badelj und Petr Jiracek, so war das Aufgebot eher nicht fürs Erreichen der oberen Tabellenhälfte geeignet. Rechnete man die Saison ab dem Moment, zu dem Fink der ganze Kader zur Verfügung stand, also ab Anfang September, läge der HSV mit 38 Punkten genau einen Zähler hinter Platz fünf.

Manche Fans fordern, den HSV-Profis sollten Monatsgehälter für jede Niederlage abgezogen werden und trainingsfreie Tage seien zu streichen (wenn Proficlubs Training als Straflager betreiben, dann gute Nacht). Hier eine unangenehme Nachricht für sie alle: Der HSV spielt eine Saison, die höchstens marginal unter dem Niveau liegt, das dem Potenzial des Kaders entspräche. Aber verkauft man mit so einer Einschätzung in Hamburg Zeitungen? Der vermeintlich nüchterne Hanseat lagert die exzessiven Emotionen offenbar in die Berichterstattung über den HSV und in die Ehe der Van der Vaarts und ihrer Nachfolgestaaten aus. Vielleicht muss Werder Bremen erst absteigen, damit der Blutrausch endet und einige Hamburger die Leistungen ihres Clubs ins Verhältnis setzen können. Viele Hoffnungen sollte man sich aber selbst dann nicht machen.

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28 comments

  1. herzi

    Toller Artikel. Kleiner Fehler am Ende bei Badelj. Der stieß zwar erst in der letzten Augustwoche zum Kader, war allerdings schon im Juli (?) verpflichtet worden; musste noch Champions-League-Qualifikation spielen.

    Im September 2011 hatte ich mich schon über entsprechende Bewertungen beim Kicker beschwert (und später dann auch das Abo gekündigt):

    Ich finde, dass der Kicker im allgemeinen hart mit dem HSV umgeht; gewinnen wir verdient, bekommen wir schlechte Noten (1/2)

    (Tor nicht oft genug getroffen); verlieren wir trotz guten Spiels: schlechte (ist ja verloren); da steckt sowas von kein System drin… (2/2)

  2. Jan

    Herzlichen Dank für diese schöne und offene Analyse – als HSV-Fan schüttelt es einen, die „journalistische“ Berichterstattung und die geifernden Äußerungen von „Fans“ in diversen Blogs und Kommentarspalten zu lesen.

  3. nedfuller

    Gut zusammengestellt. Es fehlt nur noch der Vergleich zur letzten Saison, als wir um diesen Spieltag rum immer noch um den Abstieg gespielt haben und Presse sowie Fans froh waren, nicht abgestiegen zu sein.

    Aber ich finde, man sollte es nicht so unkritisch betrachten, was in der Mannschaft und mit den Leistungen so los ist.

    Ich habe es nach dem Bayernspiel bei mir im Blog dargestellt:
    Aus dem Kader, der gegen den FCB unter Armin Veh 6-0 abgeschlachtet wurde, waren immer noch 6 Spieler beim 2-9 dabei. Das gleiche gilt für den Kader der Mannschaft, die unter Michael Oennning 5-0 niedergemetzelt wurde.

    Man kann in einer Saison verlieren. Ja. Da stimme ich dir zu.

    Man kann gegen den FCB verlieren, sogar hoch.

    Aber: In der Hinrunde dieser Saison haben wir zu Hause gegen den FCB verloren. Ziemlich chancenlos und deutlich.

    Wie war denn dein Gefühl nach dieser Niederlage? Hattest du das Gefühl, die Mannschaft hat nicht alles gegeben? Ich jedenfalls nicht.

    Auch wird mir die Leistung vom FCB zu hoch bewertet. Die mußten beim 9-2 noch nicht mal ihre beste Leistung bringen, um uns zu schlagen. Und klar, es kann nach einem 3-0 Rückstand niemand erwarten, daß nach vorne ein Feuerwerk auf unserer Seite abgebrannt wird.
    Aber: keine gelbe Karte? In der ersten Halbzeit mehr gewonnene Zweikämpfe in der Bayern als in der eigenen Hälfte? Das sagt nichts über den Charakter der Mannschaft?

    Welche Mannschaft hat in den letzten Jahren so auf die Fresse bekommen in München? Regelmässig?

    Nimm die Presse raus, die Hamburger Medien kannst du total vergessen, aber nimm dir die Mannschaft mal unter die Lupe.
    Heiko Westermann erzählt, daß er sich für seine eigene Leistung schämt. Das gleiche hat er bei der 5-0 und 6-0 Niederlage genauso gesagt! Und es hat sich nichts geändert? Er hat sich nicht aufgelehnt, hat niemanden aufgerüttelt oder angefeuert. Nichts.

  4. Blau87

    Moin,

    ich bin HSV-Fan und muss sagen, ein sehr treffende Einschätzung, dieser ewige Pessimsmus, vieler HSVer nervt mich persönlich extrem, Niederlagen werden immer als verdient angesehen und Siege waren ja eig. nur Glück … aber es gibt auch einige die das ganze noch realistisch einschätzen können, sollte man nicht vergessen !

    zum Kicker … es sagt schon alles das beim Spiel HSV-Werder am 2 Rückrundenspieltag, wo der HSV verdient gewann und die bessere Mannschaft war, deutlich schlechter bewertet wurde als die Werder Spieler, dass der HSV nach einem 2:0 Sieg souverän gegen Hoffenheim deutlich schlechter bewertet wird als Werder nach einer 1:4 Klatsche in Frankfurt ! Selbst als der HSV kurzzeitig auf Rang 6 der Liga stand, waren sie in der Notenrangliste auf einem Abstiegsplatz …

  5. der_tim

    Ich schließe mich der allgemeinen Lobhudelei zu diesem tollen Artikel an und will noch ergänzend sagen, daß ich grundsätzlich irgendwelche vergebenen Noten irgendwelcher Zeitungen oder Zeitschriften nicht ernst nehmen kann; insbesondere die des Kickers (egal um welchen Verein es geht). Da kann ein Torwart alles halten, was er auf das Tor kriegt, aber sobald ein winziger Fehler passiert gibt es gleich die 5 oder 6. Da wird kein bißchen differenziert.

    Oder aber er hat während des ganzen Spiels gar nichts zu halten, wie soll man das denn bewerten? Da kann man eigentlich nur ein „teilgenommen“ attestieren.

    Die Hamburger Presse ist obendrein in ihrer Gänze nicht mal zum Hintern abwischen zu gebrauchen. Leider gibt es zu viele „Fans“, die das Geschreibsel ernst nehmen.

    Naja, und wie Nedfuller schon schrieb, sollte man das München-Spiel nicht komplett unkritisch sehen, was die Leistung des Teams oder Taktik des Trainers anging. Aber das wäre Erbsenzählerei in einem sehr guten Artikel; Du hast die Lage hier in Hamburg gut erkannt und analysiert. Vielen Dank dafür 🙂

  6. HK-Hans

    Danke für diesen sehr guten Beitrag! Meine zwei Cents: Du schreibst: „Der HSV spielt eine Saison, die höchstens marginal unter dem Niveau liegt, das dem Potenzial des Kaders entspräche.“

    Da liegt der Hase im Pfeffer! (oder so). Das wollen viele, viele HSV-Fans nicht wahrhaben bzw. akzeptieren es nicht. Diese Fans leben in der Vergangenheit, für sie gehört der HSV „eigentlich“ (dieses verdammte HSV- „eigentlich“!) „unter die ersten Vier“. Und weshalb? Weil der HSV dort einmal stand – vor mehr als 25 Jahren. Von den Medien und Leuten wie Beckenbauer, Netzer & Co. wird dieses nostalgische Sicht immer wieder gestärkt, schließlich ist Hamburg „die schönste Stadt der Welt“, hat die „fantastischen Fans“ usw. usw.
    Dabei spielt der HSV seit Jahr und Tag keinen schönen, begeisternden Fußball. Und er ist nur mittelmäßig erfolgreich. In meinen Augen. Und auch objektiv gesehen, gemessen an den Kosten und dem Ertrag.
    Sich die Mittelmäßigkeit einzugestehen, wäre der erste Schritt zur Besserung. Doch bereits da versagen der HSV – und seine Fans. So wird es (vermutlich, leider) nicht besser werden. Das Lamentieren über den HSV, der „eigentlich“ mindestens EL spielen müsste, bei „dem großen Potential“, es wird weitergehen.

  7. Seitenberg

    Absolut lesenswert!

    Der HSV hat durchaus immer mal wieder schöne und begeisternde Spiele gezeigt. Beispielsweise begann die Ära Labbadia mit einer ganzen Serie (acht Spiele, wenn ich mich recht erinnere) guter Spiele. Da wurde prompt der „große Ze(h)“ gefeiert, noch nie (zuvor) hatte ein Trainer – angeblich!- so viel mit einzelnen Spielern und der Mannschaft geredet (wurde seinerzeit gelobt!) und man träumte vom Titelkampf, mindestens jedoch der CL.
    Dann schlug u.a. der Verletzungsteufel in kaum gekannten Maße zu, die Mannschaft kam aus dem Takt – plötzlich war der kommunikative Trainer eine inkompetente Labertasche, der – angeblich! – zu lasch trainieren ließ und mit seinen Ansprachen auf dem Trainingsplatz leichtfertig Erkältungskrankheiten im Kader forcierte. Neben den beharrlich kolportierten charakterlichen Defiziten des Teams ist dies ein weiterer, durchgehend in Hamburg erhobener Vorwurf: Bei praktisch jedem Trainer der letzten Jahre wurden Trainingsintensität und -umfang kritisiert. Dies hängt nicht zu letzt mit den Erinnerungen an die Ära der Schleifer wie Zebec und Magath zusammen.

    Man kann die Uhr danach stellen: Bei Niederlagen wird sehr bald alles und jeder in Frage gestellt – ohne jede Differenzierung und ohne jeden Blick für Zusammenhänge.

    Als sich der Verein, nicht zuletzt auch aus Kostengründen, von Guerrero und Petric trennte, da wurde prompt der Untergang des Abendlandes beschworen. Als Arnesen dann auch noch einen in Deutschland weitestgehend unbekannten Letten holte, da spätestens wusste die einschlägige Journaille schon vor dem ersten Pflichtspiel, dass das eine Lusche und Arnesen ein überbezahlter Ahnungsloser sei. (Heute versucht man seine damalige Fehleinschätzung damit zu rechtfertigen, dass „die lieben Kollegen“ Rudnevs schließlich auch schlecht gesehen hätten). Kein Gedanke, dass ein Spieler, der aus der schwächeren polnischen Liga kommt, evtl. ganz normale Anpassungsprobleme in der Bundesliga haben könnte. Es wird die eigene subjektive Wahrnehmung als unbestreitbare objektive Tatsache verkauft. Motto: wenn ich keine „Handschrift“ des Trainers erkennen kann, dann gibt es tatsächlich keine! Wenn ich die Sinnhaftigkeit einzelner Transfers nicht verstehe, dann haben die keinen Sinn (und Arnesen oder wer auch immer) hat keine Ahnung.

    Badelj beispielsweise hat in Hamburg nicht die unerhört wichtige (im Vergleich mit dem Winter) Saisonvorbereitung im Sommer mitmachen können. Stattdessen hat er für seinen ehemaligen Verein noch die CL-Qualifikation gespielt. Dass so ein Spieler im Laufe einer kräftezehrenden BULI-Saison in ein Formtief stürzen kann, dass dies sogar wahrscheinlich, mindestens erklärbar ist – kein Wort davon. Der für das Spiel-System Finks eminent wichtige Spieler hat einfach zu funktioneren! Andernfalls ist mindestens der Trainer schuld. Der ist übrigens vermutlich auch daran schuld, dass ihm in Zeiten angspannter Kassenlage mit Ilicevic (Verletzung) und Beister (grobes Foulspiel) seit Wochen, bzw. Monaten zwei Spieler fehlen, die man als sprintstarke Alternativen mindestens auf den Außenbahnen gut gebrauchen könnte.

    Niemals wird selbstkritisch die eigene Kompetenz hinterfragt. Man verhällt sich letztlich wie jemand, der auf flachem Boden stehend die Erde für eine Scheibe hält.

    Wer, wie der HSV, getrieben von eigenen Ansprüchen, den Fantastereien des Boulevards und den derart befeuerten Größenfantasien seiner Fans, seit Jahrzehnten, zum Teil mitten im Galopp!, Ross und Reiter wechselt, wer meint, 2 Jahre lang (um im Bild zu bleiben) keinen kompetenten Stallmeister beschäftigen zu müssen, der agiert letztlich konzeptlos und aktionistisch. Woher soll da etwas wie Nachhaltigkeit kommen? Man denke in diesem Zusammenhang nur an die permanenten Führungs- und Konzeptwechsel im viel gescholtenen (zum Teil zu Recht!) Nachwuchsbereich….

    Ich erinnnere mich an ein zurückliegendes Interview mit Pele Wollitz, der angesichts des Transfers eines Bundesligastürmers (Fenin?) von den völlig unrealistischen Erwartung in seinem damaligen Klub (Energie Cottbus?) sprach. Er meinte damals (sinngemäß): „Es interessiert hier keinen, dass der Spieler 1 1/2 Jahre(!) aus Verletzungsgründen praktisch kein Bundesliaspiel absolvieren konnte.“ Wenige Wochen später wurde bei dem Spieler dann zusätzlich eine depressive Erkrankung diagnostiziert und Wollitz wurde aufgrund ausbleibender Erfolge gefeuert.

    Auch wenn es nur eine Minderheit hören mag: Man muss beim HSV endlich mal Geduld und Rückgrat beweisen und eine kontinuierliche Aufbauarbeit tatsächlich zulassen. Wer sich von den s.g. „Experten“ von BILD, SportBILD, Mopo, Abendblatt, WELT (und und und) treiben lässt, der hat schon verloren.

  8. uh17

    Ich will trotz des sehr guten Artikels hier doch noch ein „Aber“ reinwerfen:
    Woran kann/muß man denn abmessen, wo der HSV eigentlich stehen müßte/sollte?
    Wieso „müßte“ der HSV denn „eigentlich“ 4. – 6. in der Tabelle sein?
    Hier wird der Etat für die Profiabteilung als Maßstab genommen, und das finde ich auch ganz OK.
    Der HSV wendet aktuell etwas mehr als 40 Mio Euro auf und liefert dafür Rang 11 ab.
    Mit 40 Millionen Aufwendung liegt der HSV (soviel ich weiß) auf dem 5. Platz dieser Tabelle.
    Nur Bayern, Dortmund, Schalke und Wolfburg leisten sich einen (noch) teureren Kader.
    Jedoch Mainz, Freiburg und Frankfurt über die ganze Saison gesehen, und Fürth und Augsburg in der jüngeren Vergangenheit kommen mit westenlich weniger Kosten zu deutlich besseren Ergebnissen.
    Stellt man also langfristig den Vergleich an mit Mainz, Freiburg und Frankfurt UND sieht in den letzten Wochen den direkten sportlich Vergleich mit Fürth und Augsburg, dann stimmen diese Verhältnisse nicht mit den realen Aufwendungen überein. Das ist es, was den HSV-Fan so unzufrieden macht.
    Es wird sehr sehr viel Geld ausgegeben, aber man bekommt dafür dann Spiele wie die gegen Bayern, Augsburg und Fürth abgeliefert und als HSV-Fan bleibt man jedesmal irgendwie bedrückt, ernüchtert ja sogar beschämt zurück.
    Für soviel Geld kann man auch in München wenigsten ein paar Zweikämpfe gewinnen, da muß nach dem 3. Gegentor die Mannschaft selber merken, daß die Taktik nicht paßt und Leute wie Aogo, Badelj und vdV z.Bsp. (alles Nationalspieler) müßten von sich aus drauf kommen und ihre Position überdenken und hinten helfen, um eine sich anbahnende Katastrophe zu vermeiden.
    Das Preis-Leistungsverhältnis paßt überhaupt nicht, und das ist schon seit Jahren so.
    Die Art und Weise, wie die Hamburger Journallie damit umgeht, die finde ich auch erschreckend.
    Das fängt schon beim „Spiegel“ an, wo regelmäßig Pauli-Fans über den HSV berichten dürfen
    (und das, obwohl ein Spiegel-Kollege von denen im Aufsichtsrat des HSV sitzt).
    Und so sehen diese Berichte dann auch aus.
    Die Leute von Springer haben halt, wie überall, ihre Spezies im Vorstand und Aufsichtsrat und bekommen
    von dort immer wieder Tipps und Infos über internas, so wird beim HSV Politik gemacht.
    Diese Blätter halten auch permanent das „damals“-Feeling wach, damals, als der Happel Ernst noch das Sagen hatte.
    Ganz unten angekommen wird dann in der MOPO zum HSV jeden Tag einfach irgendwas zusammengereimt und gelogen, das ist wirklich unerträglich.
    Wer könnte hier einwirken?

  9. oldiehamburg

    Ich gestehe, der Artikel gefällt mir.

    Was mir zusätzlich immer wieder auf den Geist geht ist, dass im Bedarfsfall der „IchmachemirSorgen“-Seeler befragt wird. Zu allen Themen hat er eine Meinung, die regelmäßig mit:“Früher hätte es so etwas nicht gegeben.“, endet. Das ist der gleiche Uwe Seeler, der seine halbe Familie in gut beoldeten Positionen beim HSV untergebracht hat und der sich darüber beschwert, dass der Sportdirektor Arnesen darauf hinweist, dass sich der Seeler-Enkel zwischen Herz und Heimatgefühl und der höheren Dotierung entscheiden muss.
    Ich denke, es ist kein Zufall, dass dieser talentierte Enkel nach Leverkusen geht. Ist „Uns Uwe“ doch auch dort MItglied und wird der Vater des Spielers gleich, in eine gut bezahlte Stellung, mit übernommen.
    Einmal möchte ich von Herrn Seeler hören, dass er es bedauert damals, als er den Aufsichtsrat so aufgebläht hat, einen Fehler gemacht hat. Der Mensch vergißt halt.
    Auch andere, von der Presse regelmäßig befragte alt-Spieler haben den Hinweis auf früher und Trainer Happel in ihrem Wortschatz. Auch deren magere Hinweise dienen der Sache meist nicht.
    So, das musste mal raus.

  10. gegendenwind

    Wirklich mal ein guter Artikel der mir aus der Seele spricht. Seit Jahren schon frage ich mich wie der Kicker zu seinen Noten kommt :/

    Das einzige was in ihrem Artikel nicht ganz so erkenntlich ist, ist der Umstand das es genug HSV-Fans gibt die eben nicht so pessimistisch sind und keine so übertriebenen Erwartungen haben. Diese Fans dürfen nur in den Medien so gut wie nie zu Wort kommen, weil sich eine Krise halt besser verkaufen lässt.

    Zudem fand ich beim Bayern-Spiel weniger das Ergebnis so schlimm, als viel mehr die Art und Weise: Man hatte zu keiner Zeit das Gefühl das Zweikämpfe angenommen worden.

  11. Puki

    Ein wirklich hervorragender Artikel. Vielen Dank!

    Man wird das Gefühl nicht los, dass der Diskurs um den HSV sich allmählich einem „Empörungsjournalismus“ ergeben hat, der beispielsweise auch bei „Hartz4-Schmarotzern“ oder „geldgeilen Bankern“ ziemlich gut funktioniert. Letzendlich taugt der Verein – oder besser: seine mediale Darstellung / öffentliche Wahrnehmung – im Umkehrschluss sehr gut zur Bauchpinselung des eigenen Egos. So widersinnig es scheint: mit dem Masochismus geht einher, dass das eigene Ego sich dennoch moralisch überlegen fühlen kann. Und da kommen dann in Foren Statements nach dem Motto: „wenn ich so arbeiten würden, dann würde mir gekündigt“. Mit Fußball hat das oft nicht mehr viel zu tun. Man ist halt charakterlich besser aufgestellt, als die Spieler auf dem Platz, der Trainer, Vorstand, Sportchef, ach, eigentlich alle da. Deshalb wohl auch ein permanentes, mannschaftsübergreifendes Namedropping (ausgenommen Rene Adler) hinsichtlich Unfähigkeit und Charakterlosigkeit, oft beliebig und mit schwacher „Beweisführung“. Man kann vieles kritisieren beim HSV. Aber so richtig super wäre wirklich, wenn es mal wieder um Sport gehen würde.

  12. HSV Sitzkissenfraktion Auswärts

    Danke für deinen Artikel.

    Allerdings finde ich es zu einfach zu sagen, dass der „lazy journalism“ zu negativ berichtet oder wir Fans zu anspruchsvoll sind. Ich finde es auch schwierig uns mit St. Pauli Fans zu vergleichen, da wir eine ganz andere Historie habe als St. Pauli.

    Ich glaube, dass es einfach daran liegt, dass wir der Dino sind.

    Und ich bin ganz ehrlich, ich gehe bei jeden Saisonbeginn davon aus, dass mein HSV Meister wird und den DFB-Pokel gewinnt, weil es einfach der beste Verein ever ist und es für mich nur den HSV gibt. Allerdings bin ich mir auch bewusst, dass das wohl ehr unwahrscheinlich ist. Aber so ist das halt als Fan ….

  13. Keegan

    Wahre Worte, sehr schön analysiert. Mit freundlichen Grüßen an Alfred Draxler, Babak Milani, Dieter Matz und Co…

  14. MrsMurphy

    Ein sehr interessanter Artikel und lesenswerte Kommentare.

    Eine Sache finde ich schwierig, es geht ums Geld. Ich habe noch nie gehört, dass ein Sportler über eine Saison gesehen bessere Leistungen erzielt, wenn er (zum Beispiel) 1 Mio Euro mehr dafür bekommt. Diese ganze Diskussion um Kaderstärke und -ausgaben dafür scheint mir nicht ganz sauber geführt zu werden (wie auch, wenn man die Verträge im Detail nicht kennt). Und schon gar nicht lässt sich m.E. aus dem Budget der Anspruch auf einen bestimmten Tabellenplatz ableiten.
    Meine Vermutung ist, dass der HSV meint, aufgrund seiner Historie, der Größe der Stadt und der Tradition und vielleicht auch aus Konkurrenzgründen höhere Gehälter zahlen zu müssen als andere (Mainz, Freiburg, um ein paar mal zu nennen). Ich behaupte einfach mal, ohne es tatsächlich beweisen zu können, dass viele HSV-Spieler anderswo nicht so viel Geld verdienen würden (Tesche fällt mir da als erster ein, wobei ich das wirklich nicht wertend verstanden wissen will).

    Abgesehen davon bin auch ich der Meinung, dass Anspruch und Wirklichkeit bei den Fans und vor allem auch bei vielen Medien den HSV betreffend weit auseinander liegen. Besonders schlimm an der Sache finde ich, dass sich diese Leute untereinander auch noch beschimpfen – unheimlich schnell ist man da mit „Du hast doch keine Ahnung“ zur Hand. Dass die Medien ihr Nicht-Wohlwollen dem HSV gegenüber so zelebrieren, kann ich mir als Fan nun so gar nicht erklären.
    Aber ich gebe zu: Müsste ich über den FC Bayern schreiben, würde die Berichterstattung über diesen Verein eine gänzlich andere sein. Das Erstaunliche ist nur: Ich würde mich damit wahrscheinlich lächerlich machen – die HSV-Runterschreiber dagegen werden für ihr Bashing auch noch gefeiert. Das verstehe, wer will.

  15. Ping: Die Blog- & Presseschau für Montag, den 15.04.2013. | Fokus Fussball
  16. T0bstar

    Auch wenn die Diskussion eigentlich bereits beendet scheint, möchte ich diesem (guten) Text noch etwas Contra geben. Ich sehe es ebenfalls so, dass die lokale Presse beim HSV schnell in Extreme verfällt, aber das hast du überall, wo der Boulevard recht stark ist (Köln, München, mit Abstrichen Berlin). Dass sich die Fans davon anstecken lassen, passiert dort in den Top-Vereinen ebenfalls. Da wird sicher manches Mal schwarzer gemalt als es tatsächlich ist.

    Aber man darf die Leistung des HSV in dieser Saison keinesfalls schönreden. Der HSV hat noch eine Chance auf die Europa League, weil die Konkurrenz schwach ist und weil Adler eine überragende Hinrunde gespielt hat, nicht weil sie so viel richtig gemacht haben. Sie fangen immer noch mehr Torschüsse als 90% aller Bundesligateams (Ausnahmen: Gladbach und Hannover), sie haben immer noch van der Vaart nicht in ihr Team integriert und es ist immer noch nicht absehbar, ob sie diesen doch recht teuren Kader in der kommenden Saison beieinander halten können. Insofern finde ich die Träumerei von der Europa League extrem kontraproduktiv, weil sie einen Status Quo vorgaukelt, der so nicht stimmt. Von der tatsächlichen Leistung ist man meilenweit entfernt von Leverkusen, Schalke und auch Freiburg. Allein letzteres darf nicht der Anspruch des HSVs sein.

    Über die strategische Ausrichtung des HSV muss man wohl nichts mehr sagen. Diese hat in den letzten Jahren nicht gepasst. Ich sehe es so wie Uli Hoeneß: Eigentlich müsste der HSV der zweitgrößte Klub Deutschlands sein. Er liegt in einer Metropolregion, er hat in seinem Einflußgebiet massig potenzielle Sponsoren und könnte im Erfolgsfall die VIP-Tribünen auf Jahre weg ausverkaufen – genug Reiche gibt es hier ja schließlich. Einzig eine langfristige Strategie, ein Markenkern, fehlen.

    Fazit: Weltuntergangsstimmung: nein. Anlass zur kritischen Betrachtung: ja.

  17. Aquila1

    Bis auf den Teil mit Adler ein großartiger Artikel. Hier finde ich, dass nicht sachlich bewertet wird. Denn Adler WAR gegen München der beste HSV-Spieler, trotz der Gegentore. Ohne ihn hätte der HSV, so traurig es ist, zweistellig verloren. Dementsprechend hat er für dieses Spiel die bessere Benotung durchaus verdient. Schließlich kommt es ja auch auf die Art der Paraden an und wenn das Spiel „normal“ verlaufen wäre, wäre er der absolute Held gewesen.

    Allgemein muss ich aber zustimmen, dass man bei der Benotung der HSV-Spieler manchmal das Gefühl hat, dass die Benotung eher gewürfelt wird (wobei die 1 und die 2 abgeklebt sind, so dass die Spieler im besten Fall noch eine 3 bekommen können.) , als nach einer sachlichen Analyse erstellt. Vor allem bei Spielern wie Westermann, Aogo und auch Jansen ist mir dies bedauerlicherweise schon sehr oft aufgefallen.

    Aber wie gesagt, sonst ein hervorragender Artikel, auch wenn garantiert nicht alle HSV-Fans so ticken. 😉

  18. Oberhausen

    Nicht zu vergessen, dass BILD die Mannschaft 2009 (NUR zwei Mal Halbfinale + Uefacup-Qualifikation) als „Triple-Trottel“ verhöhnt hat…

  19. HSV-Fan

    Danke für diesen Artikel! Spricht mir aus der Seele, besonders was Kicker-Noten angeht, Sky-Berichterstattung (besonder Fjörtoft unerträglich populistisch und undifferenziert) und das sehr treffend als anmaßend und unverschämt beschriebene ständige Stellen der „Charakter-Frage“.

  20. Rainer Schmidtbauer

    Fein beobachtet vom Kollegen Katzenbach, dessen journalistisches Wirken ich schon seit Jahren mit Begeisterung verfolge. Mein einziger kleiner Kritikpunkt: Man kann die manchmal zweifelhafte Rolle der Medien im Fußball auch noch subtiler und elaborierter auf den Punkt bringen, wie wir wissen: http://www.youtube.com/watch?v=V0xIECkaMVA

  21. Waltraut

    Zu 2009: Klar, Halbfinals plus hoch in der Tabelle, da kann man sagen „Glas mehr als Halbvoll“. Nur, die Niederlagen waren ausgerechnet gegen den SV Diego Bremen.
    Und zt auch noch Hausgemacht, denn wenn man einen Diego in Spielen, in denen es um die Wurst geht, nicht unter Sonderbewachung stellt, dann handelt man fast schon vorsätzlich. Papierkugel hin oder her. Wenn man einen Schuldigen rauspicken wollte, dann passt der Jol schon recht gut ins Bild. Es wurde in der Endphase der Saison 09 kolportiert, dass Jol schon innerlich gekündigt hatte, als sein Ansinnen nach mehr Entscheidungsbefugnissen im Sportdirektorbereich á la Teammanager wie Wenger oder Ferguson im englischen Fussball abgewiesen wurde.
    Aber wieviele Sorten von Bescheuert muss jemand sein, der dann aus Trotz nur noch Dienst nach Vorschrift schiebt, obwohl er so dicht vor DREI möglichen Titeln steht? Fachlich hatte er es ja eigentlich drauf, nur Charakterlich passte das wohl nicht.
    09 hängt immer noch nach, denn es hat uns Fans wegen der Bitternis, ausgerechnet in der konzentrierten Zeitspanne gegen den Erzfeind, wirklich ausgelaugt.

    Und wurde beim Vorstand was draus gelernt? Nee, der nächste Trainer war schon wieder „einer vom Grabbeltisch“. Man hatte die Chance auf den Klopp, geholt wurde dann nach einem Schmierentheater die Verlegenheitslösung Labbadia. Wie es weiterging, weiss ja jeder.
    Deswegen frage ich mich: Wenn der HSV sich als Spitzenklub sieht, warum wird dann kein Spitzentrainer geholt? Warum wird ausgerechnet da gespart? Und immer weiter dilettiert?
    So wird das jedenfalls nie was, es sei denn, man wechselt die Trainer so oft aus, bis es dann irgendwie auf einmal passt, etwa wie bei (ausgerechnet) Bremen in der turbulenten Phase zwischen Rehhagel und (Zufallstreffer) Schaaf.

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