Gleichstellungsbeautragte für das Raubrittertum

Im Spiel Schalke gegen Leverkusen foulte Ömer Toprak seinen Gegenspieler Teemu Pukki im Strafraum. Schiedsrichter Manuel Gräfe entschied auf Elfmeter und zeigte Toprak zusätzlich die Rote Karte. Sky-Kommentator Kai Dittmann forderte reflexartig die Abschaffung der sogenannten „Doppelbestrafung“ und auch Sky-Experte Dr. Markus Merk sprach sich dafür aus, diese Regel abzuschaffen. Eigentlich ist es ja sogar eine Dreifachbestrafung, da eine Sperre noch hinzukommt.

Ganz Fußballdeutschland scheint sich einig zu sein, aber warum gibt es diese Regel überhaupt? Dass sich nicht einmal Ex-Schiedsrichter Markus Merk veranlasst fühlte, auch mal den Sinn dieser Regel zu erklären, ist zumindest nachlässig. Gerade für auftretende Regelfragen sitzt er doch in der Expertenrunde. Ein Pro und Contra-Argument zu nennen und dann seine begründete Meinung abzugeben, ist das zu viel verlangt?

Eines wissen wir jetzt zumindest; Merk ist auf DFB-Linie. Der Deutsche Fußball-Bund setzt sich schon seit Jahren bei der FIFA für eine Abschaffung der Regel, „Notbremse“ im Strafraum sei mit Strafstoß und Feldverweis (plus Sperre) zu ahnden, ein. Das Argument für die Abschaffung lautet, dass die genommene Torchance durch den Strafstoß wieder hergestellt sei und ein zusätzlicher Feldverweis plus Sperre somit eine unverhältnismäßige Bestrafung darstelle. Ich will gerne den Job von Markus Merk erledigen und auch das Argument für die Beibehaltung der jetzigen Regel ins Feld führen. Ein Foulspiel sollte sich nie lohnen. Erst recht nicht, wenn dabei ein fast sicheres Tor verhindert wird. Die Vereitelung einer Torchance sollte also einen deutlichen Nachteil für die foulende Partei ergeben.

Eine reine Wiederherstellung der Torchance durch den Strafstoß würde das Vergehen zu einer Ultima Ratio-Entscheidung des Verteidigers werden lassen. „Die Torchance kann ich nicht mehr verhindern, außer ich foule, was zumindest keine schlechtere Situation für mich und mein Team ergibt, denn vielleicht erkennt der Schiedsrichter das Foul nicht und ich komme ungeschoren davon oder unser Keeper kann den Strafstoß noch halten bzw. der Schütze verschießt.“ Ein Foul zu begehen, um eine eindeutige Torchance zu verhindern, welches eine Elfmeterentscheidung nach sich zieht, ergibt eine zumindest gleichwertige Situation, wenn der Spieler keinen Platzverweis und keine Sperre befürchten muss. Je nach Art der Torchance ist ein Elfmeter sogar nicht einmal ein Ausgleich, weil der Spieler mit der Torchance vielleicht noch besser postiert war.

Sieht man den Sachverhalt aus der Perspektive des Fairness-Gedankens, wird ebenfalls deutlich, dass ein reiner Ausgleich nicht ausreichend ist. Der Fußball sollte das Spiel und die aus dem Spiel entstehenden Tormöglichkeiten belohnen. Ein Strafstoß ist eine Strafmaßnahme, die nicht den gleichen Stellenwert haben sollte. Der unfair agierende Spieler muss deshalb einen deutlichen Nachteil erwarten können. Problematisch ist die Frage nach dem Ermessensspielraum. Also die Frage, ob es wirklich eine klare Torchance war. Wann ist ein Foul eine Notbremse, wann hätte ein anderer Gegenspieler noch eingreifen können? Der Schiedsrichter muss dabei zwischen dem Verhindern einer klaren und einer nicht eindeutigen Torchance unterscheiden. Bei letzterem besteht ein Ermessensspielraum in Richtung Gelb oder nur Freistoß bzw. Elfmeter.

Ich bin der Meinung, der eindeutige Torraub, also das Verhindern eines Tores (oder einer Großchance) sollte zwingend mit einem Platzverweis geahndet werden. Die Regeln zur Bestrafung von Fouls aus Sorge vor den Unklarheiten des Ermessensspielraums zu simplifizieren, würde bedeuten, dass sich Torraub lohnte, oder zumindest keinen Nachteil einbrächte.

Be Sociable, Share!

One comment

  1. Benedikt

    Danke, danke, danke. Endlich mal jemand, der meine Meinung teilt. Man bedenke doch einmal, was bei solchen Situationen wie bei der WM 2010 im Spiel Uruguay-Ghana bei einer Regeländerung raus gekommen wäre.

Kommentar verfassen

Sie können die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>