Grüße aus der Lederhose

Die Lobeshymnen auf den FC Bayern haben in den vergangenen Tagen epochale Ausmaße angenommen. National wie international überschlugen sich die Medien in den Tagen nach dem 2:1-Finalerfolg gegen Borussia Dortmund. Zu gut war das Spielniveau in dem rein deutschen Finale, zu angsteinflößend wirkte die Dominanz der Bayern auch schon in den Runden zuvor gegen den italienischen Meister Juventus und die bisherigen Herrscher aus Barcelona.

In Deutschland wird das Thema auch noch in den nächsten Tagen köcheln, immerhin können die Bayern mit einem Erfolg im Pokalfinale gegen Stuttgart als erstes Team aus der Bundesliga das Treble gewinnen – und wer glaubt schon an eine realistische Chance des VfB? Tatsächlich war es eine herausragende Saison der Münchner. Mit vielen Rekorden, einer begeisternden Spielweise und komplett ohne den Anflug einer Krise.

„Ich übergebe an meinen Nachfolger natürlich eine perfekt funktionierende Mannschaft“, gab Bayern-Coach Jupp Heynckes nach dem Triumph gegen den BVB zu Protokoll. Ob er den Druck auf Pep Guardiola damit nur unbewusst erhöhte oder ob er sich der Wirkung seiner Worte bewusst war, spielt letztlich keine Rolle. Mit Mario Götze und dem von Heynckes prophezeiten Wechsel von Robert Lewandowski habe der FC Bayern „noch zwei Top-Offensivspieler“ mehr im Kader. Heynckes sprach es im Wembleystadion nicht direkt aus, aber seine Wortwahl erinnerte an Franz Beckenbauer im Anschluss an die WM 1990, als dieser der deutschen Nationalmannschaft eine unschlagbare Zukunft voraussagte. Hat der FC Bayern nun auch auf Jahre hinaus keine ernsthaften Gegner mehr?

Ich habe mich in dieser Frage ein wenig umgeschaut und bin dabei immer wieder auf ein Wort-Ungetüm gestoßen: „Der Beginn einer neuen Bayern-Ära.“ Schnell sind solche Überlegungen verbreitet, noch schneller sind sie abgeschrieben. Doch was bedeutet das eigentlich? Laut Duden geht es bei einer Ära um ein „in bestimmter Weise durch eine Person oder Sache (oder Verein) geprägtes Zeitalter“.

Bei genauer Betrachtung der These hat das Bayern-Zeitalter a) erst mit dem Titelgewinn in London und scheinbar noch nicht mit den Finalteilnahmen 2010 und 2012 begonnen, es muss b) schon mal mindestens eine Bayern-Ära gegeben haben und c) wird es in den kommenden Jahren nur so Titel regnen. Das gilt es nun zu untersuchen:

Deutsche Verhältnisse: BVB will mithalten

Bayerns Finalgegner aus Dortmund ist gerade an vielen Fronten darum bemüht, auf nationaler Ebene nicht den Eindruck einer Bayern-Ära aufkommen zu lassen. Lewandowski soll seinen Vertrag beim BVB erfüllen, zudem wird das Team mit vielen Transfers massiv verstärkt. „Ich will jetzt nicht über die Anzahl reden, aber wir arbeiten daran“ sagte Trainer Jürgen Klopp in einem Interview mit der Bild-Zeitung. „Wir bauen einen neue Mannschaft. Eine neue Pressing-Maschine.“

In Anbetracht der gewaltigen Einnahmen gehen die ehemaligen Understatement-Meister in die Offensive, auch wenn Klopp nicht so blauäugig ist, Titel-Versprechen abzugeben. Denn in der Bundesliga hat die Ära der Bayern schon vier Jahre nach dem Aufstieg 1965 begonnen und ist seitdem nie wirklich abgeebbt. In den 44 Jahren seit der ersten Bundesliga-Meisterschaft 1969 standen die Münchner nur neunmal nicht unter den ersten Drei, die längste Phase ohne Meisterschaft (fünf Jahre) hatten die Bayern kurioserweise in den Siebziger Jahren, als dafür international die großen Erfolge kamen.

Die spannende Frage ist deshalb überhaupt nicht, ob die Bayern die Bundesliga in den kommenden Jahren dominieren werden, auch wenn 25 Punkte Vorsprung wie in dieser Saison dem Produkt Bundesliga auf Dauer schaden würden. Um die Meisterschaft wird der Rekordmeister ohnehin immer mitspielen. National ist es weder der Beginn einer Ära, noch ist sie neu.

Definition: Für eine Ära braucht man…

Deshalb konzentriere ich mich auf das Für und Wider einer internationalen Bayern-Ära. Doch was macht eine Ära eigentlich aus? In Anbetracht der Tatsache, dass es seit der Einführung der Champions League 1992 noch keine Mannschaft geschafft hat, den Titel zu verteidigen, keine leicht zu beantwortende Frage. Die Erfüllung von mindestens zwei der folgenden drei Kriterien hilft aber bei der Einordnung der europäischen Fußball-Historie seit 1955:

  • Mindestens eine Titelverteidigung oder
  • Mindestens drei Halbfinal-Teilnahmen in Serie oder
  • Einen nachhaltig prägenden Spielstil.

Unter diesen Gesichtspunkten gab es bisher neun Ären im europäischen Clubfußball:

  1. Real Madrid 1955 – 1960: Das weiße Ballett tanzte, angeführt von Alfredo di Stefano und später Ferenc Puskás, durch Europa und gewann den Europapokal der Landesmeister fünfmal in Serie. Prägend war die offensive Spielweise, mit der die Gegner häufig überrannt wurden. Real wurde in diesen fünf Jahren mit drei verschiedenen Trainern zudem zweimal spanischer Meister.
  2. Benfica Lissabon 1960 – 1963: Anders noch als bei Real, wo in den Jahren zuvor drei Trainer im Schatten der Stars standen, wurde Benfica vor allem von Trainer Béla Guttmann an die europäische Spitze geführt. Benfica gewann mit Clublegende Eusébio zwei Titel in Folge und stand 1963 ein weiteres Mal im Halbfinale.
  3. Inter Mailand 1963 – 1966: Trainer Helenio Herrera heißt der nächste stilprägende Trainer. Er führte mit dem Catenaccio den Defensiv-Riegel ein, begründete damit „Grande Inter“, gewann zweimal den Landesmeister-Pokal und stand 1966 ein weiteres Mal im Halbfinale.
  4. Ajax Amsterdam 1970 – 1973: Mit Spielmacher Johan Cruyff (1964) und Trainer Rinus Michels (1965) heuerten bei Ajax schon einige Jahre zuvor die entscheidenden Leute für den Totaalvoetbal an, der zu Beginn der 70er Jahre drei Landesmeister-Titel in Serie einbrachte. Ungewöhnlich war der Weggang Michels‘ nach dem ersten Triumph 1971, der Rumäne Stefan Kovács vollendete das Werk in den beiden folgenden Jahren.
  5. FC Bayern 1973 – 1976: Direkt im Anschluss folgte das Zeitalter der Bayern. Unter Trainer Udo Lattek begann die internationale Dominanz mit den prägenden Spielern Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Sepp Maier. Den dritten Titel in Serie feierten die Bayern dann mit Dettmar Cramer auf der Trainerbank. In der Bundesliga lief dagegen nicht viel zusammen, auf den Plätzen zehn, drei und sieben hatten die Bayern mit der Meisterschaft nichts zu tun.
  6. Die englische Ära 1976 – 1984: Etwas abweichend von der sonstigen Herangehensweise stufe ich auch die sieben Europapokalsiege von englischen Teams ein, obwohl mit dem FC Liverpool (4), Nottingham Forest (2) und Aston Villa (1) drei verschiedene Clubs erfolgreich waren. Aber gerade die Reds unter Bob Paisley und Forest unter Brian Clough pflegten einen ähnlichen, auf Ballbesitz und Pässe orientierten Fußball, der so gar nicht britisch wirkte, den europäischen Fußball aber lange Jahre prägte.
  7. AC Mailand 1988 – 1990: Milan gewann mit Trainer Arrigo Sacchi zwei Finals in Serie. Beeindruckend war aber vor allem die Art und Weise, denn Sacchi revolutionierte mit zwei Viererketten und der raumorientierten Spielweise den Fußball.
  8. Real Madrid 1997 – 2003: Für die taktische Entwicklung taten die Königlichen in dieser Phase keine entscheidenden Dinge, in fünf Saisons stand Real jedoch viermal im Halbfinale und gewann insgesamt drei Titel. Mit Jupp Heynckes, José Antonio Camacho, Guus Hiddink, John Toshack und Vicente del Bosque gab es in dieser Zeit fünf verschiedene Trainer. Die erfolgreiche Phase endete, als das del Bosque entlassen wurde und das galaktische Team 2003 weiter aufgerüstet wurde, ohne die defensive Stabilität im Blick zu haben.
  9. FC Barcelona 2007 – 2012: Ob die Ära der Katalanen tatsächlich beendet ist, wird die kommende Saison zeigen. Trainer Guardiola hob das Tiki Taka auf eine andere Stufe, Barcelona stand seit 2007 sechsmal in Serie im Halbfinale der Champions League und gewann den Henkelpott zweimal. Die Halbfinal-Demütigung gegen den FC Bayern sah aus wie eine Zäsur, Andrés Iniesta will aber zurückschlagen: „Das ist nicht fair. Man kann diesen Abend in München nicht mit fünf Jahren verrechnen „, so Iniesta nach der Hinspiel-Pleite. „Die Leute sollten Respekt vor dieser Mannschaft haben. Aber es ist klar, dass wir uns steigern müssen.“

Barcelona hat den festen Willen, schnellstmöglich zurückzukehren, mit Neymar wurde dafür bereits der erste Transfer getätigt. Die Bayern konnten den Vergleich mit der Blaugrana auch so deutlich für sich entscheiden, weil Lionel Messi nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war. Hier soll es aber um die Bayern gehen und deshalb habe ich einige Argumente zusammengestellt, die das prognostizierte Bayern-Zeitalter beleuchten:

Pro Ära: Pep Guardiola

Der Jubel war riesig, als die Bayern im Januar die Verpflichtung von Pep Guardiola bekannt gaben. Der erfolgreichste Trainer der letzten Jahre verzichtete auf lukrative Angebote aus der Premier League und heuerte in München an – die Bundesliga fühlte sich in ihrer Entwicklung bestätigt.

Fünf Monate später ist die Mischung noch gefährlicher geworden: Der beste Trainer der Welt wechselt zum besten Club der Welt, der personell weiter aufgerüstet wird.

Contra Ära: Pep Guardiola

Die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte hat die Ausgangslage für Guardiola nicht einfacher gemacht, wie Heynckes bereits festgestellt hat. Guardiola selbst gibt sich „entspannt“, er wolle „einfach nur Tag für Tag versuchen, Probleme zu lösen, mit den Leuten sprechen und auf mein Bauchgefühl hören“, wie er es am Rande eines Vortrags in Bogotá formulierte. Trotzdem wird die Heynckes-Nachfolge kein Selbstläufer, hier lauern Gefahren:

  • Das schwierige Bayern-Umfeld mit den großen Köpfen Rummenigge, Hoeneß und Beckenbauer.
  • Guardiolas Sprachprobleme
  • Ungeduldige Fans
  • Ungeduldige Medien
  • Heynckes als Übervater-Figur
  • Bayerische Skepsis gegenüber Neuerungen

Pro Ära: Die große Qualität des Kaders wird weiter erhöht

Noch ist es deutlich zu früh, um über das endgültige Gesicht des Bayern-Kaders für die kommende Saison zu schreiben, aber Tendenzen sind deutlich erkennbar. In diesem Jahr hatte Heynckes das große Glück, auf 20 nahezu gleichwertige Spieler zurückgreifen zu können. Heynckes hatte eine Stammelf, aber auch wenn Ersatzspieler zum Einsatz kamen, hätte der ohnehin nicht sehr schöne Begriff „B-Elf“ auf den Index gehört.

Fest steht derzeit nur der Weggang von Anatoliy Tymoshchuk, bei Claudio Pizarro, Mario Gómez und Mario Mandzukic wird angesichts der drohenden Verstärkungen immer wieder über einen Wechsel spekuliert. Denn neben Götze möchte auch Lewandowski das rote Trikot überziehen, neue Reizpunkte tun jeder erfolgreichen Mannschaft gut. Präsident Uli Hoeneß kündigte deshalb bereits weitere Transfers an. „Die Aufgabe wird es nun sein, das Niveau zu halten, mehr als Nummer eins geht ja nicht“, sagte er der Süddeutschen Zeitung.

Contra Ära: Die Stimmung im großen Kader

Heynckes stieg im vergangenen Jahr in die Riege der ganz großen Trainer auf. Er entwickelte das Spiel seiner Mannschaft und die Taktik auf höchstem Niveau weiter. Die größte Leistung war jedoch, seine Spieler nach dem verlorenen Finale 2012 im eigenen Stadion auf die neue Saison einzuschwören. Er zog aus der Niederlage gegen den FC Chelsea die richtigen Schlüsse und schaffte es, allen Spielern eine Wertigkeit zu geben.

Beschwerden über das Dasein als Reservist suchte die Öffentlichkeit vergeblich, eine Herkulesaufgabe angesichts solcher Individualisten wie Arjen Robben, Mario Gómez oder Rafinha. Das Ziel einte diese Mannschaft.

Nun nimmt Heynckes seinen Hut und der Fortbestand dieser Stimmung ist nicht gewährleistet. Weil Guardiola sprachliche Probleme haben wird, aber auch weil der Kader noch ausgeglichener und es vermehrt Härtefälle geben wird. Niemand wird es bei den Bayern zugeben, aber Götze wird mit einem Bonus in die Saison gehen und einen verdienten Champions League-Sieger auf die Bank verdrängen. Kroos, Gómez und Robben neigen dazu, ihre Ansprüche öffentlich zu äußern – hier lauert die erste Gefahr für den FC Bayern.

Pro Ära: Bayern ist finanziell ein Big Player

Javi Martínez war mit einer Transferentschädigung von 40 Millionen Euro ein Meilenstein, Götze liegt nur knapp darunter und Lewandowskis Ablöse wollen die Bayern nur drücken, weil er nur noch ein Jahr unter Vertrag steht. Diese Summen sind aber ein Indiz für die wirtschaftliche Lage des FC Bayern, diese Summen waren und sind auch in Zukunft ohne Anstrengung machbar.

Beim Markenwert stehen die Bayern einer Studie zufolge ebenfalls ganz oben auf dem Treppchen. Das britische Institut Brand Finance stuft die Münchner mit einem Wert von 664 Millionen Euro erstmals auf Platz eins ein, es folgen Manchester United (646), Real Madrid (480) und der FC Barcelona (442).

Das Eigenkapital der Münchner soll sich auf 300 Millionen Euro belaufen und wenn in den kommenden Jahren die Allianz Arena abbezahlt ist, kommt ein jährlicher Betrag von 30 Millionen Euro hinzu, der dann ebenfalls in die Mannschaft gesteckt werden kann. Rummenigges Kampf für das Financial Fairplay ist nachvollziehbar, so bleibt der Status Quo im europäischen Fußball zementiert. Die Bayern können finanziell nur schwer eingeholt, geschweige denn überholt werden.

Contra Ära: Die Konkurrenz schläft nicht

Auf der anderen Seite ist es ein Trugschluss, die bereits bestehenden internationalen Konkurrenten abzuschreiben. Ich denke da in erster Linie an Real Madrid, Manchester United, Chelsea, Juventus und den FC Barcelona. Diese Clubs haben teilweise zwar erhebliche Verbindlichkeiten, die Gegenwerte sind jedoch immens und deshalb ist eine Verstärkung der jeweiligen Kader jederzeit möglich. Neymar wird keine Ausnahme bleiben. Real und Juve werden sich auch im Angriff verstärken, bei United gilt das Augenmerk eher der Defensive und der scheidende Rafael Benítez hat massive Investitionen in den meiner Meinung nach unterschätzten Chelsea-Kader angekündigt.

Sportlich stehen diese Vereine vor einer interessanten Saison, denn es wird viele Veränderungen geben. In der Trainerfrage herrscht nur in Turin Kontinuität, Antonio Conte geht in sein drittes Jahr als Juve-Coach. In Manchester löst David Moyes die United-Legende Alex Ferguson ab, diese Aufgabe ist noch schwieriger als Guardiolas in München. Beim FC Barcelona herrscht noch keine Klarheit über die Zukunft von Tito Vilanova, der möglicherweise wegen seiner Krebserkrankung weitere Auszeiten einplanen muss. Und in Madrid verlässt José Mourinho die Kommandobrücke, seine Rückkehr zum FC Chelsea gilt als sicher. Ein Nachfolger bei Real steht noch nicht fest, Carlo Ancelotti ist der Wunschkandidat.

Auf den ersten Blick spielen diese Veränderungen den Bayern in die Karten, aber die Qualität dieser Teams ist weiterhin so groß, dass alle mindestens ins Halbfinale der Champions League einziehen wollen und können. Die neuen Trainer werden eine Eingewöhnungszeit brauchen, in taktischen Fragen können die Topclubs mit neuen Impulsen jedoch wieder aufholen.

Pro Ära: Das Heynckes-System

Taktische Revolutionen wird es im Fußball vermutlich nicht mehr geben. Es geht um Kleinigkeiten, um Feinheiten in der taktischen Ausrichtung, die an die individuellen Qualitäten der Spieler angepasst sein müssen. Heynckes hat in dieser Saison dennoch einen Weg gefunden, die Bayern spielerisch und taktisch auf ein neues Level zu heben. Die Stichworte heißen a) taktische Flexibilität, b) defensive Stabilität und c) Gegenpressing.

Vor allem die Flexibilität war beeindruckend. Gegen meist tief stehende Gegner in der Bundesliga traten die Münchner mit einer Dominanz wie unter Louis van Gaal auf, wegen des höheren Tempos und des Gegenpressings konnten sich die destruktiven Teams aber kaum befreien. Gegen taktisch hervorragend organisierte Teams wie Juventus ließ Heynckes einfach die Schlüsselspieler (Pirlo) lahmlegen, ohne das eigene Spiel zu vernachlässigen. Und wenn ein Team wie Barcelona den eigenen Ballbesitz bevorzugt, ließ Heynckes es gewähren und schaltete bei Ballgewinn rasant um. Die Bayern hatten mit ihrer Flexibilität auf alles eine Antwort, selbst wenn eine Mannschaft wie der BVB im Finale 30 Minuten lang überlegen war.

Für die defensive Stabilität war Neuzugang Javi Martínez der entscheidende Mann. Der defensive Stratege hatte in der Champions League so viele Balleroberungen wie kein anderer Spieler in der laufenden Saison, der Spanier war zudem immer anspielbar und in der Spieleröffnung ein verlässlicher Partner von Bastian Schweinsteiger.

Über das Gegenpressing der Bayern wurde bereits viel geschrieben. Heynckes ließ es – anders als die räumliche Variante unter Guardiola in Barcelona – sehr deckungstreu spielen. Dabei orientierten sich die Bayern-Spieler an ihren jeweiligen Gegenspielern und gingen kollektiv in eine Art Manndeckung über. Heynckes hat das Spiel der Bayern mit diesen Elementen, und natürlich mit der großen individuellen Qualität der Spieler, auf ein neues, stilprägendes Level gehoben.

Contra Ära: Die falsche Neun unter Guardiola

In der Beschreibung der bisherigen Ären können wir feststellen, dass Trainerwechsel innerhalb einer Ära durchaus vorkamen. Trotzdem war Kontinuität Voraussetzung für dauerhaften Erfolg. Die neuen Coaches führten das Werk ihrer Vorgänger weiter, so ließ beispielsweise Kovács in Amsterdam als Nachfolger von Michels einfach weiter Totaalvoetbal spielen und gewann zweimal den Europapokal der Landesmeister.

Bei den Bayern ist ein anderes Szenario denkbar, denn Guardiola hat ganz bestimmte Vorstellungen von Fußball und der taktischen Umsetzung. Bisher hat sich der Katalane aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, daher gibt es nur wenige Anhaltspunkte, wie er genau spielen lassen möchte. Die Verpflichtung von Götze – der angeblich von Guardiola bevorzugte Transfer von Neymar hätte ähnliche Auswirkungen gehaben – lässt einen Systemwechsel hin zu Guardiolas Lieblingssystem mit falscher Neun wahrscheinlich erscheinen. Der taktische Vorsprung unter Heynckes könnte damit schnell aufgebraucht sein.

Fazit

Der FC Bayern hat die idealen Voraussetzungen, um sich dauerhaft an der europäischen Spitze zu etablieren. Für eine Ära, oder anders gesagt: für die nachhaltige Wahrnehmung als große Mannschaft und als Impulsgeber für spätere Generationen müssen nun weitere Erfolge in den kommenden Jahren folgen. Die wachsame Konkurrenz und der nachvollziehbare, aber in der Praxis mit einigen Problemen behaftete Trainerwechsel werfen jedoch so viele Fragezeichen auf, dass der von Experten und Medien prognostizierte automatische Beginn einer Ära auf wackligen Füßen steht. Ich persönlich glaube deshalb nicht an eine Titelverteidigung in der Champions League, die Lederhose wird fallen.

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2 comments

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