Liverpool – Tottenham: Three Strikes and You’re out!

Liverpool – Tottenham Hotspur 3:2

Zweimal kam Tottenham Hotspur im Topspiel der Premier League an der Anfield Road nach einem Rückstand zurück. Aber der dritte Liverpooler Führungstreffer, erzielt durch Mario Balotellis erstes Premier League-Tor für die Reds, war zu viel für die Londoner, die zuvor in dieser Saison 15 Punkte nach Rückständen geholt hatten. Es war ein sehr unterhaltsames Spiel zweier ungefähr gleich starker Mannschaften, die sich beide noch Hoffnungen auf einen Platz unter den ersten Vier der Tabelle machen.

Brendan Rodgers hatte seine Startelf nach dem 0:0 im Merseyside Derby bei Everton auf zwei Positionen verändert. Lazar Markovic kam für Lucas ins Spiel, und an Stelle des verletzten Raheem Sterling kam Daniel Sturridge zu seinem ersten Einsatz von Beginn an seit August 2014 – damals beim 3:0-Sieg an der White Hart Lane. Überhaupt hatte Liverpool eine exzellente Bilanz gegen die Spurs – das 3:2 war der fünfte Sieg in Folge in dieser Paarung. In Anfield hatten die Londoner nur vier Ligaspiele in den letzten 103 Jahren gewonnen, auch hier standen zumindest die historischen Zeichen nicht unbedingt auf einen Auswärtssieg. Aber die aktuelle Form von Mauricio Pochettinos Team stimmte auch, und so brachte der argentinische Coach exakt die gleiche Startelf auf den Rasen, die am Wochenende Arsenal mit 2:1 geschlagen hatte.

Die letzten Begegnungen der beiden Mannschaften waren von Liverpools schnellem Umschaltspiel geprägt gewesen, mit dem die hoch stehenden Spurs-Verteidiger ein ums andere Mal überrumpelt worden waren. Das 0:5 an der White Hart Lane hatte im Dezember 2013 André Villas-Boas seinen Job gekostet. Und das 0:3 an gleicher Stelle im vergangenen August war die erste Niederlage für den neuen Manager Pochettino gewesen, wobei das zu riskante Pressing erneut an seine Grenzen gelangt war. Inzwischen haben sich die Spurs in ihrer Arbeit gegen den Ball allerdings stark weiterentwickelt, und man durfte gespannt sein, welche Spielanlage sich durchsetzen würde.

Tatsächlich gelang es Liverpool in der Anfangsphase immer wieder, die Gäste im Spielaufbau so unter Druck zu setzen und Passwege zu versperren, dass sie keine Anspielstationen beim Übergang ins Angriffsdrittel fanden. Da es im Strafenkatalog der Spurs verpönt zu sein scheint, lange Bälle zu spielen, resultierte das in zahlreichen Quer- oder Rückpässen. Genau darauf war Liverpool aber vorbereitet. Vor allem Sturridge, dessen Rückkehr den Reds dringend benötigte Offensivoptionen und damit vielleicht wieder eine echte Chance auf Platz vier verschafft, antizipierte bei jedem dieser Pässe einen Fehler und platzierte sich immer im Rücken der Anspielstationen.

Dreimal entstanden aus solchen Szenen gute Gelegenheiten für Liverpool, ehe Lazar Markovic das 1:0 markierte. Dieses allerdings aus einer Tottenhamer Standardsituation, die bei LFC-Keeper Simon Mignolet landete. Der Belgier schlug den Ball sofort nach vorne, Markovic ging auf und davon und traf aus 16 Metern. Anders als bei den vergangenen Spielen zerfielen die Spurs aber nicht, sondern setzten ihr schnelles und direktes Passspiel fort. Eine solche Kombination fand Harry Kane im Rücken von Martin Skrtel, und der Goalgetter setzte seinen Lauf mit fünf Toren in den letzten drei Spielen und insgesamt 23 in dieser Saison fort. Kane ist damit zusammen mit Lionel Messi Europas bester Torschütze in 2015.

Je ruhiger und geordneter das Spielgeschehen sich jeweils präsentierte, desto bessere Chancen musste man Tottenham einräumen. Gelang es Liverpool, schnell umzuschalten, bevor die Gäste sich sortiert hatten, dann sah es nach einem Heimsieg aus.

Nach der Pause veränderte das Spiel allerdings seinen Charakter etwas. Das Tempo blieb zwar hoch, aber das Spielgeschehen war nicht mehr so ausschließlich vertikal ausgerichtet – beziehungsweise beide Mannschaften glichen sich in ihrer Spielweise an. Der erneute Liverpooler Führungstreffer resultierte aus einer Kombination in den Strafraum hinein, bei der der manchmal überforderte Linksverteidiger Danny Rose das Bein gegen Sturridge stehen ließ. Den fälligen Strafstoß verwandelte Steven Gerrard in seinem mutmaßlich letzten Spiel gegen die Spurs (es sei denn, beide Teams treffen noch in der Europa League aufeinander). Im Sommer wechselt der langjährige Kapitän ja in die USA.

Gerrard war es jedoch auch, der mit einem Tackling gegen Kane den (umstrittenen) Freistoß verschuldete, aus dem Tottenham zum erneuten Ausgleich kam. Christian Eriksens Standard wurde von Mignolet nach rechts vorne abgewehrt, Kane legte in die Mitte auf Dembélé, und der Belgier drückte den Ball aus kurzer Distanz mit der Hüfte über die Linie.

Beide Trainer schöpften nun ihr Wechselkontingent aus. Etwas überraschend nahm Pochettino Eriksen, der so viele späte Siegtreffer in dieser Saison erzielt hatte, aus dem Spiel und brachte dafür Nacer Chadli. Rodgers nahm Gerrard und Sturridge zugunsten von Adam Lallana und Balotelli vom Feld. Diese drei Maßnahmen ergaben in der Kombination den Liverpooler Siegtreffer kurz vor Schluss. Chadli schien seine Defensivaufgaben Minuten nach seiner Einwechslung noch nicht genau zu kennen und setzte zu spät hinter Lallana her, der so seinen Doppelpass mit Ibe gegen zwei Spurs-Spieler vollenden konnte. Lallana spielte den Ball aus dem rechten Strafraum scharf vors Tor, wo Balotelli sich hinter Dier abgesetzt hatte und den Fuß in den Ball hielt – das erste Premier League-Tor des schon als Fehleinkauf abgestempelten Italieners.

Liverpool rückt mit diesem etwas glücklichen, aber nicht unverdienten Sieg bis auf einen Punkt an Tottenham heran, das seinerseits Arsenal wieder in der Tabelle den Vortritt lassen musste. Im Rennen um die Champions League-Plätze bleibt es spannend, aber zunächst mal stehen nun andere Wettbewerbe an: noch im Februar das Achtelfinale im FA Cup, die zweite Runde in der Europa League (Liverpool spielt gegen Besiktas, Tottenham gegen Fiorentina), sowie am 1. März das Ligapokalfinale in Wembley, bei dem die Spurs auf Chelsea treffen.

Der neutrale Zuschauer wird bei diesem überdurchschnittlichen Premier League-Spiel gut unterhalten worden sein. Dass dieser offene Fußball aber auch in der Champions League funktionieren würde, lässt sich sicher nicht behaupten. Bis das auf die Probe gestellt wird, haben beide Trainer aber noch eine Weile Zeit.

Spielnote 5,5

Liverpool (3-4-3): MIGNOLET 5,5 – CAN 5,5, SKRTEL 5,5, SAKHO 5 – IBE 6, HENDERSON 5,5, GERRARD 6 (68. LOVREN 6), MORENO 5,5 – MARKOVIC 6 (79. LALLANA), STURRIDGE 6,5 (74. BALOTELLI), COUTINHO 5.

Spurs (4-2-3-1): LLORIS 5 – WALKER 5,5, DIER 5, VERTONGHEN 6, ROSE 4,5 – BENTALEB 5,5, MASON 5 (69. PAULINHO 5,5) – LAMELA 6,5, DEMBÉLÉ 6 (85. SOLDADO), ERIKSEN 5 (81. CHADLI) – KANE 6,5.

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