Pressing at its best! Taktikanalyse zum Sieg des FC Bayern München

Die 2:9-Niederlage des Hamburger SV relativiert sich, wenn man den 4:0-Sieg von Bayern München gegen den FC Barcelona gesehen hat. Ob die Blaugrana jetzt ein Grillfest veranstalten werden, um sich mit den Fans milde zu stellen, wissen wir nicht, aber die wichtigsten taktischen Einzelheiten des historischen Bayern-Sieges, haben wir für Sie zusammen getragen.

Pressing at its best

Bayern setzte von Beginn an auf ein zweikampforientiertes Pressing. Im Mittelfeld brachten sie alle Spieler hinter den Ball. Thomas Müller und Mario Gomez wechselten sich dabei ab, die Abwehrspieler leicht unter Druck zu setzen. Ab der Mittellinie wurde dieser Druck dann brutal erhöht. Mario Gomez spielte zu Beginn fast Manndeckung gegen Sergio Busquets, Bastian Schweinsteiger stand sehr eng und robust bei Xavi (später auch oft bei Lionel Messi), Javier Martinez war ein ebenso unbequemer Gegner für Andres Iniesta.

Das Ergebnis des Pressings

Die Folge des starken Pressings ab der Mittellinie war, dass Barca zu Rückpässen oder langen Bällen gezwungen wurde. Das ist aber eindeutig nicht die Stärke der Katalanen und so landeten viele dieser Pässe im Aus oder bei der kopfballstarken Bayern-Defensive.

Ungeahnte Disziplin

Die Bayern agierten sehr diszipliniert. Arjen Robben und Franck Ribery mussten viel nach hinten arbeiten, was vor allem Robben sehr gut gelang. Aber auch Gomez stand oft hinter dem Ball und somit für einen Mittelstürmer extrem tief. Bei Ballverlust wurde im Gegenpressing sehr robust der ballführende Barca-Akteur angegangen, was nicht selten auch Fouls beinhaltete. Beeindruckend war vor allem, wie alle Spieler im hohen Tempo hinter den Ball kamen, um die Kompaktheit wiederherzustellen. Bayern lief fast vier Kilometer mehr als der Gegner.

Barcas wenige Momente

Vereinzelt konnte sich Barcelona über die rechte Seite – mit Dani Alves – durchspielen. Ribery war zwar laufstark und bereit defensiv zu helfen, stand aber oft schlecht im Raum, was vereinzelt freie Zonen vor Alaba eröffnete, der sich ebenfalls den einen oder anderen Stellungsfehler erlaubte. Dante war zu Beginn etwas nervös, spielte zunächst ein paar unkontrollierte Bälle, die Barca zu schnell wieder in Ballbesitz brachten, er steigerte sich aber schnell.

Kein Messi, keine Torgefahr

Einer, um den sich die fast die komplette Gegner-Berichterstattung drehte, fand an diesem Abend nicht statt: Lionel Messi, der komplett aus dem Spiel genommen wurde, indem das fleißige Bayern-Mittelfeld die Passwege zum besten Fußballer der Welt geschickt zustellte und Messi durch robustes Zweikampfverhalten und ständiges Doppeln nicht zur Entfaltung kommen ließ, wenn doch mal ein Ball zu ihm durchrutschte. Indem die Hausherren dem sichtlich angeschlagenen Argentinier den Spaß am Fußball komplett verdarben, garantierten sie ihrem Torwart Manuel Neuer einen weitestgehend ruhigen Abend in der Allianz-Arena.

Die Tore

Der FC Bayern nutzte die Überlegenheit bei hohen Bällen. Die ersten beiden Treffer resultierten aus Ecken, bzw. mittelbar nach einem Eckball. Auch die Spielverlagerungen durch hohe Bälle gelangen den Bayern exzellent. Ein Sonderlob geht an Arjen Robben, der nicht nur diszipliniert nach hinten arbeitete, sondern dort auch gut im Raum agierte und nach vorne extrem ballsicher und brandgefährlich war. Der Matchwinner war jedoch Thomas Müller. Unglaublich laufstark, ballsicher und torgefährlich agierte der neue Zehner der Münchener.

Kassai wohl nicht im Finale

Weit entfernt von Weltklasse war Schiedsrichter Viktor Kassai. Es gab drei Handspiele der Gäste, von denen zumindest das erste ein klarer Elfmeter war. Er übersah das Aufstützen von Dante vor dem ersten Tor und die Abseitsstellung von Mario Gomez vor dem zweiten. Die negative Krönung war aber das Ignorieren des indiskutablen Wegsperrens von Thomas Müller vor dem 3:0. Das soll die taktische Meisterleistung der Bayern jedoch nicht schmälern.

Fazit

Vor dem Spiel wurde gerätselt, ob es den Bayern als erstes Team seit Jahren gelingt, das dominante Ballbesitz-Verhältnis des FC Barcelona zu durchbrechen. Die Antwort ist: Nein. Das war aber auch nicht nötig, da die Bayern durch starkes Pressing entschieden, wo Barca den Ballbesitz haben durfte, nämlich in der ungefährlichen Zone weit weg vom eigenen Tor. So zwangen sie die Gäste nicht selten zu hohen Bällen oder Rückpässen. Dem hohen Tempo, der robusten Spielweise und der Laufstärke der Bayern hatte Barcelona an diesem fußballhistorischen Abend nichts entgegen zu setzen.

Der FC Bayern ist durch den 4:0-Sieg so gut wie sicher der erste Finalteilnehmer. Zum Ende noch ein Satz zum Randgeschehen: Dass der Weltklassefußball 90 Minuten im Mittelpunkt stand, war in diesen Shitstorm-Twitter-Gewitter-Tagen eine wahre Wohltat.

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