Prognose: Das Viertelfinale der Champions League

Manchester United F.C. – FC Bayern München
(Hinspiel in Manchester: 1. April; Rückspiel in München: 9. April)

Die Krise der Red Devils ist wohl niemandem verborgen geblieben. Derzeit steht der amtierende Meister auf dem siebten Tabellenplatz und wird im nächsten Jahr wohl kaum Champions League spielen. Es sei denn, man schlägt Bayern München und gewinnt dann auch noch Halbfinale und Finale. Zunächst aber zu Man Utd unter David Moyes. Die Red Devils spielen in einer 4-4-1-1-Formation. Sie haben vor allem in der Defensive große Probleme. Die Innenverteidigung mit Rio Ferdinand (35 Jahre) und Nemanja Vidic (32) könnte schon Denkmalschutz beantragen. Michael Carrick (32) und Patrice Evra (32) sind ebenfalls nicht mehr die Jüngsten. Das schnelle Umschaltspiel funktioniert nicht. Manchester United ist keine Mannschaft, die schnell kontern kann. Außerdem wurde noch keine zufriedenstellende Lösung für den Spielaufbau und die Balance im zentralen Mittelfeld gefunden. Um dieses Defizit zu kompensieren, lassen sich Juan Mata und Wayne Rooney meist tief fallen. Am Ende fehlen die Spieler aber im und um den Strafraum herum und es entstehen zu wenig Chancen. Mata ist zudem in der Königsklasse nicht spielberechtigt.

Man Utd agiert in der Offensive über die Flügel, verstärkt über die rechte Seite (41 Prozent der Angriffe). Die Red Devils schlagen die meisten Flanken aller Teams der Premier League (27 im Schnitt pro Spiel). Drei Spieler glänzen mit guter Torquote: Wayne Rooney (15 Tore), Robin van Persie (11/derzeit verletzt) und Danny Welbeck (9). Die heterogene Torvorlagenstatistik zeigt, dass die Kreativität des Teams hinter Rooney auf viele Schultern verteilt werden muss: Rooney (10 Vorlagen) – dann kommen vier Spieler mit drei Vorlagen und zwei mit einem Assist. Die Red Devils machen normalerweise das Spiel, sind kein Konterteam. Gegen Bayern München werden sie allerdings auf Konter spielen müssen, denn die Bayern haben ihre Dominanz aus dem letzten Jahr noch einmal steigern können.

71,4 Prozent Ballbesitz steht bis dato für den FCB zu Buche. In der letzten Saison waren es 63,6 Prozent. Auch die Passsicherheit hat zugenommen. Die Heynckes-Bayern hatten eine Passerfolgsquote von 87,4 Prozent, die Guardiola-Bayern 88,8 Prozent. Guardiola setzt tatsächlich weniger auf Flanken (26 pro Spiel im letzten, 19 in diesem Jahr) und steigerte die durchschnittliche Zahl der Kurzpässe pro Spiel von 532 (unter Heynckes) auf 662 (Guardiola). Die Tabellensituation, die statistischen Werte, der Eindruck von Dominanz und die Fähigkeit von Pep Guardiola, auch während des Spiels immer wieder Lösungen für taktische Kniffe des Gegners zu finden – all diese Vorzeichen lassen alles andere als ein klares Weiterkommen unrealistisch erscheinen.

Im Fußball gibt es aber nicht nur Taktik und Spielerqualität, sondern auch Verletzungen, Schiedsrichterentscheidungen – Glück und Pech. Am Samstag kam zum Beispiel die Nachricht herein, dass Thiago mit einem Innenbandteilanriss im rechten Knie ausfallen wird. Der Spanier ist als Verbindungsspieler extrem wichtig. Er ist pressingresistent wie kaum ein Zweiter und findet immer eine Lösung für beengte Räume. Allerdings haben die Bayern genug Qualität im Kader, um auch diesen Ausfall zu kompensieren. Das momentane Klagen der Verantwortlichen findet also auf hohem Niveau statt.

Der FC Bayern ist klarer Favorit und wird die alternde Defensive von Manchester United durch schnelles Verlagern und variables Spiel der Offensiv-Kräfte auseinanderspielen. Mit einigen Experten scheinen aber derzeit die Gäule durchzugehen, die schon eine zweistellige Niederlage über zwei Spiele prognostizierten. Das haben nicht einmal die taktisch desolaten Schalker gegen Real Madrid hinbekommen. Der FC Bayern wird über beide Spiele dominant ins Halbfinale einziehen.

Prognose: 80:20 für Bayern München

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Fútbol Club Barcelona vs. Club Atlético de Madrid
(Hinspiel in Barcelona: 1. April; Rückspiel in Madrid: 9. April)

In dieser Saison gab es das Duell zwischen Barca und Atlético bereits drei Mal, inklusive des letzten Spieltags in der Primera División treten die Teams damit in sechs Partien gegeneinander an. Auffällig ist, dass in den drei Spielen nur zwei Tore fielen. Barcelona sicherte sich den spanischen Supercup durch ein 1:1 in Madrid, das Rückspiel endete wie in der Liga torlos. Die Katalanen tun sich gegen die kompakte Defensive der Colchoneros schwer, Atlético wiederum konnte nicht das gewohnte Umschaltspiel umsetzen.

Grundsätzlich treffen zwei unterschiedliche Philosophien aufeinander. Der FC Barcelona ist ein sehr dominantes Team, hat dadurch viel Ballbesitz (67 Prozent in der Liga) und will mit den hoch stehenden Ketten den Ball bei Verlust sofort zurückerobern. Atlético spielt unter Trainer Diego Simeone dagegen unspanisch, verzichtet gewollt auf Ballbesitz (49 Prozent),schaltet stattdessen schnell um und bereitet viele Angriffe über die Außenbahnen vor.

Was spricht in der jetzigen Situation denn für Barcelona? Da sind neben der ganz allgemeinen Kader-Qualität zunächst die Ergebnisse in den Topspielen zu nennen. Manchester City war im Achtelfinale der Champions League chancenlos, mit dem 4:3-Sieg bei Real Madrid brachte sich das Team von Trainer Gerardo Martino wieder ins spanische Titelrennen zurück. Der wichtigste Faktor dürfte aber Lionel Messi sein. Der Argentinier hat im März in sieben Pflichtspielen zehn Treffer erzielt und wird mit seinen Tempodribblings auch Atléticos Hintermannschaft vor Probleme stellen.

Atlético kann natürlich auf das Rückspiel vor heimischer Kulisse und den wie Messi in Topform aufspielenden Torjäger Diego Costa bauen. Wichtiger dürfte aber sein, dass der Tabellenführer der Primera División nach dem durchwachsenen Februar die defensive Stabilität wiedergefunden hat (zwei Gegentore in den letzten sechs Pflichtspielen). Atlético ist zudem bei Ecken und Freistößen sehr gefährlich (21 Tore in der Liga und der Champions League), was gegen das defensiv teilweise orientierungslose Barcelona doppelt ins Gewicht fallen kann. Barcas Ersatzkeeper José Manuel Pinto gilt auch nicht als größter Strafraumbeherrscher und wird seinem Team in dieser Hinsicht keine Stabilität verleihen.

Prognose: 55:45 für Atlético

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Real Madrid Club de Fútbol vs. BV Borussia 09 Dortmund
(Hinspiel in Madrid: 2. April; Rückspiel in Dortmund: 8. April)

Die Erinnerungen an das letztjährige Halbfinale mit den vier Toren von Robert Lewandowski beim 4:1 im Hinspiel in Dortmund und der großen Dramatik samt Happy End im Rückspiel ist jedem BVB-Fan noch präsent. Ohne den gesperrten Matchwinner Lewandowski muss die Borussia nun in Madrid antreten. Trainer Jürgen Klopp steht vor der dem taktischen Rätsel, ohne den unersetzlichen Lewandowski einen Matchplan zu entwickeln, der dem BVB noch Chancen für das Rückspiel lässt.

Julian Schieber kann und darf die Lösung nicht lauten. Der nominelle Zweitstürmer hat in seinen seltenen Einsätzen nicht unter Beweis stellen können, Lewandowski ersetzen zu können. Nicht als Torjäger und was in Madrid noch entscheidender sein dürfte: nicht als Ballverteiler, Kombinationsspieler und Konterstürmer. Daher ist eine Startelf mit Marco Reus oder Pierre-Emerick Aubameyang in vorderster Front wesentlich wahrscheinlicher, wobei die defensivtaktischen Fehler von Aubameyang eher für Reus sprechen. Der BVB wird zu seiner in der Champions League erprobten Auswärtstaktik greifen: Tief und kompakt stehen, später als üblich attackieren und bei Ballgewinnen in den Rücken der hoch stehenden Außenverteidiger Reals stoßen.

Die Blancos haben eine schwierige Woche hinter sich. Nach der 3:4-Heimpleite gegen den FC Barcelona folgte in Sevilla eine weitere Niederlage. Real hat es nicht mehr in der eigenen Hand, spanischer Meister zu werden. Dabei hatten sich die Madrilenen in den Wochen zuvor zum vermeintlich größten Widersacher des FC Bayern aufgeschwungen. An dieser Einschätzung muss nach zwei Niederlagen auch nicht gerüttelt werden, das Real unter Trainer Carlo Ancelotti hat sich sehr positiv entwickelt und funktioniert defensivtaktisch hervorragend.

Mit dem 4-3-3 und Luka Modric sowie Àngel di María an der Seite von Xabi Alonso hat Ancelotti die Variationen im Spielaufbau deutlich erhöht, der BVB muss defensiv wesentlich flexibler reagieren. Zudem gibt es mit Cristiano Ronaldo, Karim Benzema und Gareth Bale nun drei Offensivspieler, die regelmäßig knipsen.

Prognose: 65:35 für Real Madrid

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Paris Saint-Germain Football Club – Chelsea F.C.
(Hinspiel in Paris: 2. April; Rückspiel in London: 8. April)

Der Tabellenführer der Ligue 1 ist seit zwölf Spielen ungeschlagen. Die letzte Niederlage kassierte die Elf von Laurent Blanc Ende Januar im Pokal gegen Montpellier. Im CL-Achtelfinale setzte man sich gegen Bayer Leverkusen spielerisch leicht mit 6:1 durch (4:0 und 2:1). Superstar Zlatan Ibrahimovic erzielte zehn Tore in sieben Champions League spielen, auch in der Liga ist er mit 25 Treffern in 30 Matches treffsicherster Schütze der Pariser. Im defensiven Mittelfeld kontrollieren Thiago Motta und Yohan Cabaye (oder Marco Verratti) das Spiel. Die Treffer werden meist über Lucas (9 Assists), Gregory van der Wiel (4) oder durch die Mitte über den jeweiligen Achter – Verratti (4) bzw. Cabaye (2) – vorbereitet.

Paris St. Germain begann die Saison im 4-2-3-1 und spielt mittlerweile ein 4-3-3-System, gegen den Ball auch gerne eine 4-1-4-1-Formation. Dies gestaltet sich praktisch so aus: Die Außenverteidiger rücken hoch raus. Können sie auch, denn für Thiago Silva ist das Wort Fehlpass eine Unbekannte. Er ist so ballsicher und pressingresistent, dass man vermutlich gar nicht erst versuchen sollte, ihn mit Angriffspressing unter Druck zu setzten. Blaise Matuidi agiert als laufstarker Verbindungsspieler zwischen Mittelfeld und Angriff. Die Offensivspieler kreieren in Zusammenarbeit mit den aufrückenden Außenverteidigern die Chancen. Vor allem Zlatan glänzt auch als hängende Spitze, Wand- und Lochpassspieler (elf Assists).

Die Niederlagen gegen Aston Villa und Crystal Palace relativieren Chelseas Stärke der vergangenen Wochen. Im Kampf um den Titel haben die Blues aber noch alle Chancen. Chelsea spielt in der zweiten Regentschaft von Jose Mourinho erneut Konterfußball mit starker physischer Komponente. Allerdings ist das neue Chelsea mit technisch anspruchsvolleren Spielern durchsetzt. Oscar, Eden Hazard, Willian, Nemanja Matic – um nur einige zu nennen. Gegen Arsenal glänzten die Blues durch exzellentes hohes Pressing im Mittelfeld. Wer Spieler wie Ramires, Matic, Luiz, Willian, Oscar und Schürrle hat, der kann das eben so spielen.

In der Offensive ist Eden Hazard der effektivste Spieler. Er erzielte 14 Tore und sieben Vorlagen in der Liga, nur in der Champions League ist er bisher weniger auffällig geworden (1 Tor). Chelseas Formation im 4-2-3-1 ist eine Kontermaschine. Paris sollte aufpassen, immer genug Spieler hinter den Ball zu bekommen. Vor allem die polyvalenten und schnellen offensiven Mittelfeldspieler der Blues müssen gepresst werden. Im Strafraum steht Chelsea sehr sicher und ist von dominanten Teams kaum zu knacken. Wenn die Blues selbst das Spiel machen müssen, gegen tief stehende Gegner, bekommen sie Probleme.

Paris St. Germain hat, unserer Meinung nach, den insgesamt leicht besseren Kader. Ibrahimovic und Cavani würden wir Torres und Eto’o vorziehen. Im Fußball geht es aber nicht nur um die Einzelspieler. Chelsea ist mannschaftstaktisch stabiler. Paris zeigte auch in der Liga immer wieder fehlende Balancen zwischen den Mannschaftsteilen und bot Löcher zwischen den Ketten. Gerade gegen starke Gegner, die auch selbst das Spiel machen wollen, ist Chelsea das besser organisierte Team. Aus diesem Grund rechnen wir mit einem knappen Weiterkommen der physisch und taktisch starken Kontermaschine von Jose Mourinho.

Prognose: 60:40 für Chelsea

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