Prognose: Die Bundesliga-Vorschau

Wer vor der WM in Brasilien Spanien als neuen Weltmeister vorhergesagt hatte, sollte die Prognostiker-Karriere womöglich aufgeben. Unerschütterlich wie wir sind, wagen wir vor dem Bundesliga-Start den nächsten Versuch. Meister und erster Absteiger sind allgemeiner Konsens. Dazwischen gibt es mit Augsburg, Hannover, Hoffenheim und Schalke positive wie negative Überraschungen.

SC Paderborn 07

Vorsaison: Zweiter (2. Bundesliga)
Trainer: André Breitenreiter
Wichtigste Zugänge: Moritz Stoppelkamp (1860 München), Stefan Kutschke (Wolfsburg), Marvin Bakalorz (Frankfurt), Marvin Ducksch (BVB)
Wichtigste Abgänge: Johannes Wurtz (Fürth), Rick ten Voorde (Dordrecht), Markus Krösche (Karriereende)
Gegen den Ball-Prognose: Achtzehnter

Wenn man die Worte Paderborn und Qualität in einem Satz unterbringen will, dann muss man über den Trainer sprechen. Als Gast beim TSV Havelse konnte ich mir im März 2013 persönlich ein Bild von Breitenreiter machen, der mit dem Regionalligaclub den Aufstieg nur knapp verpasste und in der ersten Pokalrunde den 1. FC Nürnberg besiegen konnte. Im Mai wechselte Breitenreiter nach Paderborn und machte das Unmögliche möglich. Paderborn spielt erstklassig. Breitenreiter ist ein Senkrechtstarter im Traineramt, der mit taktischer Flexibilität und guter Ansprache begeistern kann. Wenn der Königstransfer aber den Namen Stoppelkamp trägt, dann sollte man realistisch bleiben. Trotz des guten Trainers rangiert der Kader klar unter Bundesliganiveau und am Ende werden Mahir Saglik und Co. absteigen. Der Trainer allerdings, könnte bei einem potenteren Club den nächsten Schritt machen. (mic)

FC Augsburg

Vorsaison: Achter
Trainer: Markus Weinzierl
Wichtigste Zugänge: Abdul Rahman Baba (Fürth), Caiuby (Ingolstadt) Nikola Djurdjic (Fürth), Markus Feulner (Nürnberg), Tim Matavz (Eindhoven), Shawn Parker (Mainz)
Wichtigste Abgänge: André Hahn (Mönchengladbach), Ji Dong-Won (BVB), Arkadiusz Milik (Leverkusen), Matthias Ostrzolek (HSV), Kevin Vogt (Köln)
Gegen den Ball-Prognose: Siebzehnter

Der FC Augsburg arbeitet mittlerweile im vierten Jahr an der Beziehung zu den selbsternannten Bundesliga-Experten. Die Fuggerstädter wehrten sich erfolgreich gegen die Rolle der kleinen Geliebten, die schnell wieder in die 2. Liga abgeschoben werden sollte. Augsburg galt drei Jahre lang als sicherer Abstiegskandidat und triumphierte am Ende stets über die Prognostiker. In diesem Sommer hat sich aber etwas verändert. Nach Rang acht, knapp verpasster Europa-League-Teilnahme und taktisch klugem Fußball werden die Augsburger ins sichere Mittelfeld der Liga gelobt. Nicht so bei Gegen den Ball. Unabhängig vom Pokalaus in Magdeburg glauben wir an ein erneutes Abtauchen in den Abstiegskampf – mit bösem Erwachen. Die Mannschaft spielte insgesamt über ihre Verhältnisse, im Speziellen gilt das für die Innenverteidiger Ragnar Klavan und Jan-Ingwer Callsen-Bracker sowie Mittelfeldspieler Tobias Werner. Verknüpft mit den schwer zu ersetzenden Abgängen Hahn, Vogt und Ostrzolek wird es Augsburgs Spiel an der offensiven Durchschlagskraft mangeln. (krä)

SC Freiburg

Vorsaison: Vierzehnter
Trainer: Christian Streich
Wichtigste Zugänge: Roman Bürki (Grashoppers), Mike Frantz (Nürnberg), Sebastian Mielitz (Bremen), Stefan Mitrovic (Benfica Lissabon), Sascha Riether (Fulham)
Wichtigste Abgänge: Oliver Baumann (Hoffenheim), Francis Coquelin (Arsenal), Gelson Fernandes (Stade Rennes), Matthias Ginter (BVB)
Gegen den Ball-Prognose: Sechzehnter

Schon im vergangenen Jahr sagten wir dem SC Freiburg mit Rang 16 eine schwere Saison voraus. Nun gehen die Breisgauer in ihre sechste Bundesliga-Saison in Folge, eine beachtliche Leistung angesichts der finanziellen Möglichkeiten. Die Voraussetzungen scheinen auf den ersten Blick besser zu sein, als in der vergangenen Saison. Da verließen mit Johannes Flum, Daniel Caligiuri, Max Kruse, Cedric Makiadi und Jan Rosenthal gleich fünf Stammspieler den Club und mit der Europa League gab es eine ungewohnte Doppelbelastung. Aktuell ist die Mannschaft eingespielter und kann sich auf die Liga konzentrieren. Trotzdem glauben wir erneut an den Einzug in die Relegation. Mit Ginter fehlt der Spielmacher aus der Tiefe und Stürmer Admir Mehmedi muss in Watte gepackt werden – der SC ist zu abhängig von den Toren des Schweizers. (krä)

Mainz 05

Vorsaison: Siebter
Trainer: Kasper Hjulmand
Wichtigste Zugänge: Daniel Brosinski (Greuther Fürth), Filip Djuricic (Benfica Lissabon), Gonzalo Jara (Nottingham Forest)
Wichtigste Abgänge: Eric-Maxim Choupo-Moting (Schalke 04), Nicolai Müller (HSV), Zdeněk Pospěch (Opava)
Gegen den Ball-Prognose: Fünfzehnter

Nach den Niederlagen in der Europa League-Qualifikation und in der ersten Runde des DFB-Pokals liegt es nahe, dem FSV Mainz 05 eine problematische Saison zu prognostizieren. Darum geht es aber nicht primär. Mainz gehörte in den letzten Jahren vom Etat her immer in die untere Tabellenhälfte. Der sehr gute Trainer ließ den qualitativ eher mauen Kader aber über die Verhältnisse spielen. Durch die gute Infrastruktur hat sich Mainz nach und nach einen kleinen Vorteil gegenüber Mannschaften wie Augsburg und Freiburg geschaffen. Wenn man allerdings den Trainer verliert, der aus einem Abstiegskampfteam eine Mannschaft im gesicherten Mittelfeld macht, und zusätzlich noch Leistungsträger abgeben muss, ohne adäquaten Ersatz zu bekommen, dann scheint die Zeit, in denen Mainz den anderen einen Schritt voraus war, nun dem Ende zuzugehen. (mic)

1. FC Köln

Vorsaison: Meister der 2. Liga
Trainer: Peter Stöger
Wichtigste Zugänge: Tomas Kalas (Chelsea), Osako Yuya (1860 München), Kevin Vogt (FC Augsburg), Simon Zoller (FC Kaiserslautern), Dusan Svento (Red Bull Salzburg), Mergim Mavraj (SpVgg Fürth), Pawel Olkowski (Górnik Zabrze)
Wichtigste Abgänge: Adil Chihi (Fulham), Kevin McKenna
Gegen den Ball-Prognose: Vierzehnter

Mit Köln ist ein großer Club zurück in der Bundesliga, und vieles spricht dafür, dass beim FC diesmal die Voraussetzungen für einen längeren Verbleib in der Liga gegeben sind als nach den vorherigen vier Aufstiegen, als die durchschnittliche Zeit bis zum Wiederabstieg zwei Saisons betrug. Denn mit einem besonnenen Sportdirektor in Jörg Schmadtke und einem renommierten, ruhig arbeitenden Trainer wie Peter Stöger besitzt der Club eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Führungsstruktur. Solche Strukturen kommen in Köln allerdings erfahrungsgemäß schnell auf den Prüfstand, sobald es mal sportlich nicht läuft. Aber der Kader sollte die schlimmsten Tiefen des Abstiegskampfs auf Distanz halten können. Wenn man andernorts gerne die mangelnde Breite eines Kaders moniert, so könnte man in Köln eher das Gegenteil sagen: Auch die Alternativen sind für die meisten Positionen für einen Aufsteiger ordentlich besetzt. Ob die individuelle Klasse in der Startelf für mehr als einen Platz im unteren Mittelfeld reicht, ist eine andere Frage. Unter Stöger kam der FC allerdings in der 2. Liga nicht primär über Einzel-, sondern über geschlossene Mannschaftsleistungen. Das ist eine gute Ausgangsbasis für einen Platz zwischen Zehn und 15 in der Bundesliga. (dan)

Hertha BSC

Vorsaison: Elfter
Trainer: Jos Luhukay
Wichtigste Neuzugänge: Valentin Stocker (Basel), Julian Schieber (BVB), Jens Hegeler (Leverkusen), Johnny Heitinga (Fulham), Marvin Plattenhardt (Nürnberg), Genki Haraguchi (Urawa Reds)
Wichtigsten Abgänge: Adrián Ramos (BVB), Levan Kobiashvili (Karriereende), Per Skjelbred (HSV)
Gegen den Ball-Prognose: Dreizehnter

Warum wir die Hertha zwei Plätze schlechter als im letzten Jahr einschätzen? Wer sich in der Bundesliga nicht verstärkt, sondern tendenziell verschlechtert, der wird es schwer haben, die gezeigten Leistungen zu bestätigen. Adrián Ramos sorgte im letzten Jahr für 16 Tore und sechs Vorlagen. Für den Dortmunder Neuzugang wurde der BVB-Fehleinkauf Julian Schieber geholt. Schieber konnte sich beim BVB nicht einmal als Joker in Position bringen und hat sich eher zurück- als weiterentwickelt. Auch seine ersten Auftritte im Dress der Berliner machen wenig Hoffnung darauf, dass er ein adäquater Ramos-Ersatz werden kann. Dazu kommt die vermutlich langwierige Verletzung von Schlüsselspieler Tolga Cigerci. Jos Luhukay muss wieder alle taktische Erfahrung einbringen, um die Hertha vor dem Abstieg zu bewahren. (mic)

Werder Bremen

Vorsaison: Zwölfter
Trainer: Robin Dutt
Wichtigste Zugänge: Izet Hajrovic (Galatasaray), Alejandro Galvez (Rayo Vallecano), Fin Bartels (FC St Pauli)
Wichtigste Abgänge: Aaron Hunt (Wolfsburg), Aleksandar Ignjovski (Eintracht Frankfurt), Sebastian Mielitz (Freiburg), Lukas Schmitz (Fortuna Düsseldorf)
Gegen den Ball-Prognose: Zwölfter

In der Winterpause der vergangenen Saison erhielt Robin Dutt in einer Umfrage unter den Lesern des Kicker ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt: Er wurde zum schlechtesten Trainer der Bundesliga gewählt. Das war ein wirklich erstaunliches Ergebnis, denn Dutt mag kein kommender Champions League-Sieger sein, ein richtig schlechter Trainer ist er aber sicher nicht. Dutt hatte in Bremen keine leichte Aufgabe. Einen Vorgänger zu beerben, der mehr als zehn Jahre bei einem Club gearbeitet hat, ist nie leicht – fragen Sie mal David Moyes. Wenn man dann noch bedenkt, dass Werder im Sommer vor Dutts Ankunft mit Sokratis und Kevin de Bruyne seine beiden besten Spieler verloren hatte und Dutt trotzdem eine deutlich bessere Saison verantwortete als Schaaf in seiner letzten Spielzeit, so kann man ihm sicher nicht pauschal schlechte Arbeit vorwerfen. In der nun kommenden Saison gilt es für Dutt, zu zeigen, dass er mit den weiterhin bescheidenen Mitteln auf dem Erreichten aufbauen und vielleicht den nächsten (kleinen) Schritt machen kann. Wieder ist mit Aaron Hunt ein Leistungsträger gegangen, aber mit Izet Hajrovic steht dafür ein potenzieller neuer Schlüsselspieler im Aufgebot. Wenn der eingespielte Kader funktioniert und die Organisation des Mittelfelds besser klappt als zuletzt, könnte eine sorgenfreie Saison im Mittelfeld bevorstehen. (dan)

Eintracht Frankfurt

Vorsaison: Dreizehnter
Trainer: Thomas Schaaf
Wichtigste Zugänge: Timothy Chandler (1Nürnberg), Makoto Hasebe (Nürnberg), Lucas Piazón (Chelsea), Haris Seferovic (Real Sociedad), Nelson Valdez (Al-Jazira)
Wichtigste Abgänge: Tranquillo Barnetta (Schalke), Sebastian Jung (Wolfsburg), Joselu (Hannover 96), Sebastian Rode (FC Bayern), Pirmin Schwegler (Eintracht Frankfurt)
Gegen den Ball-Prognose: Elfter

Wer solche Abgänge zu verzeichnen hat und mit einem neuen Trainer in die Saison geht, kann in der Tabelle keine großen Sprünge erwarten. Gerade in der Offensive wird vieles neu sein, da dürfte es in der Anfangsphase der Saison noch Anpassungsprobleme geben. Das deutete sich im DFB-Pokal an, als der eingewechselte Alex Meier in den 20 Minuten Spielzeit zum auffälligsten Akteur wurde. Trainer Schaaf will geradliniger als sein Vorgänger Armin Veh spielen lassen – das ehrt den einstigen Rautenverehrer, der in Frankfurt auf ein 4-2-3-1 setzt. Für ein Abrutschen in den Tabellenkeller ist mit Kevin Trapp, Carlos Zambrano, Marco Russ und Makoto Hasebe als zentrale defensive Achse dann aber doch zu viel Qualität vorhanden. (krä)

Hamburger SV

Vorsaison: Sechzehnter
Trainer: Mirko Slomka
Wichtigste Zugänge: Valon Behrami (SSC Neapel), Nicolai Müller (Mainz), Zoltan Stieber (Fürth), Artjoms Rudnevs (Hannover)
Wichtigste Abgänge: Hakan Calhanoglu (Leverkusen), Michael Mancienne (Nottingham Forest), Tomás Rincón (FC Genua)
Gegen den Ball-Prognose: Zehnter

„Es gibt Reis, Baby!“ Beim HSV soll sich in der kommenden Saison nicht jede Beurteilung auf Reis reimen. Dass es dazu nicht kommt, soll unter anderem mit der Verpflichtung von Cléber Janderson Pereira Reis sichergestellt werden. Viel wichtiger ist aber wohl, dass der HSV in ruhigeres Fahrwasser gerät. Dies sollte trotz und gerade wegen Klaus-Michael Kühne gelingen. Trotz seines ständigen medialen Störfeuers und gerade deshalb, weil er finanziell als essentieller Unterstützer auftritt. Didi Beiersdorfer strahlt viel Ruhe aus und verändert die Strukturen grundlegend. Nach Bernhard Peters kommt wohl nun auch Peter Knäbel vom Schweizer Fußballverband. Auch wenn die Unterschrift noch aussteht. Warum ich so viele Worte über das Umfeld verliere? Die zum Teil chaotische Vereinsführung, viele sportliche Fehlentscheidungen und zahlreiche Trainerwechsel haben den HSV fast in Liga zwei geführt. Die Mannschaft wurde im Rahmen der Möglichkeiten sinnvoll verstärkt. Rafael van der Vaart präsentiert sich körperlich in viel besserer Verfassung und das Team wird sich nicht noch einmal so unter Wert verkaufen, wie in der abgelaufenen Saison. Platz zehn dürfte drin sein und als erster Schritt in die richtige Richtung gelten. (mic)

VfB Stuttgart

Vorsaison: Fünfzehnter
Trainer: Armin Veh (neu von Eintracht Frankfurt)
Wichtigste Zugänge: Oriol Romeu (Chelsea), Daniel Ginczek (Nürnberg), Filip Kostic (FC Groningen), Florian Klein (Red Bull Salzburg), Adam Hlousek (Nürnberg)
Wichtigste Abgänge: Arthur Boka (Málaga), Ibrahima Traoré (Mönchengladbach), Rani Khedira (RB Leipzig), Cacau
Gegen den Ball-Prognose: Neunter

Nach einer Saison mit drei verschiedenen Cheftrainern und dem Beinahe-Abstieg, die fast parallel zu der des HSV verlief, ist mit Armin Veh zwar der vierte Coach innerhalb von zwölf Monaten für die Schwaben verantwortlich, aber seine Erfahrung und speziell sein Standing in Stuttgart sollten ein etwas ruhigeres und anhaltenderes Engagement erlauben. Sollten, wenn es nicht der VfB wäre, bei dem Fredi Bobic an mancher heißen Kartoffel länger festhielt als an seinen wichtigsten Angestellten. Veh bietet jedoch die Chance, diesen gerade in Stuttgart (wie in Hamburg) so endemischen Teufelskreis zu durchbrechen. Gab man ihm Zeit, so ist er eigentlich nirgendwo an der Aufgabe gescheitert, eine Mannschaft auf oder über das Niveau zu heben, das der Kader anbietet – mit dem VfB wurde Veh bekanntlich Meister, mit dem HSV kämpfte er um die Europacupplätze, Eintracht Frankfurt führte er aus der 2. Liga in die Europa League. In seiner zweiten Amtszeit beim VfB steht ihm ein, zumindest was die Startelf betrifft, gutes Aufgebot zur Verfügung, mit einem sehr guten Bundesligastürmer in Vedad Ibisevic und einem potenziell spielentscheidenden Mittelfeldzentrum mit Daniel Didavi und Oriol – hier gibt es allerdings auch negativere denkbare Szenarien. Insgesamt sollte es diesmal eine sorgenfreie Saison für den VfB werden. Hoffentlich sind damit alle Entscheidungsträger im Club zufrieden. (dan)

Borussia Mönchengladbach

Vorsaison: Sechster
Trainer: Lucien Favre
Wichtigste Zugänge: André Hahn (Augsburg), Thorgan Hazard (Chelsea), Fabian Johnson (Hoffenheim), Yann Sommer (FC Basel), Ibrahima Traoré (VfB Stuttgart)
Wichtigste Abgänge: Juan Arango (Tijuana), Luuk de Jong (Eindhoven), Marc-André ter Stegen (FC Barcelona)
Gegen den Ball-Prognose: Achter

Unter Lucien Favre hat sich die Borussia in den vergangenen Jahren von einem Abstiegskandidaten zum festen Bestandteil der Liga mit europäischen Ambitionen entwickelt. Der Schweizer hat klare taktische Vorstellungen. Mit seinen schnellen und polyvalenten Zugängen möchte er wieder einen Schritt in Richtung Turbofußball der Saison 2011/12 machen, als mit Marco Reus die Champions League erreicht wurde. Die Vorbereitung hat aber gezeigt, dass die Entwicklung der Mannschaft Zeit braucht, die Automatismen im schnellen Umschaltspiel noch lange nicht greifen. Hinzu kommt die Doppelbelastung aus der Europa League und die Stärke der Konkurrenz, die ein erneutes Vordringen in die Top Sechs verhindern. (krä)

Hannover 96

Vorsaison: Zehnter
Trainer: Tayfun Korkut
Wichtigste Zugänge: Joselu (TSG Hoffenheim), Kiyotake Hiroshi (Nürnberg), Stefan Thesker (Hoffenheim), Miiko Albornoz (Malmö FF), Ceyhun Gülselam (Galatasaray)
Wichtigste Abgänge: Mame Diouf (Stoke City), Huszti Szabolcs (Changchun Yatai), Sébastien Pocognoli (West Bromwich Albion), Didier Ya Konan (Al-Ittihad)

Auf den ersten Blick hat sich der Kader von Hannover 96 nicht verbessert. Die bewährte Qualität der Spieler, die gegangen sind, ist sicher nicht kleiner als die der Neuzugänge. Aber in der Rückrunde unter Tayfun Korkut, der im Winter Mirko Slomka ablöste, waren bei genauem Hinsehen schon sehr gute Ansätze im Spiel der Roten zu sehen. Mit Joselu hat Hannover einen Stürmer geholt, der genau passen könnte, Lars Stindl wird von Jahr zu Jahr besser und wenn Hiroshi Kiyotake die Form seiner Nürnberger Anfangssaison zurückfindet, muss Husztis Abgang kein schwerwiegender Verlust sein. Das sind keine unbestreitbaren Fakten, die Hannover zwingend einen einstelligen Tabellenplatz garantieren. Aber die Intuition zumindest zweier Redakteure von Gegen den Ball sagt: „Da geht was“. Um ehrlich zu sein, waren wir dicht davor, die Roten sogar zu dem Überraschungstipp der Saison schlechthin zu machen – bis jemand uns nochmal auf die Viererkette hinwies. Damit ist eine gute, aber keine Sensationssaison möglich. (dan)

TSG Hoffenheim

Vorsaison: Neunter
Trainer: Markus Gisdol
Wichtigste Zugänge: Oliver Baumann (Freiburg), Ermin Bicakcic (Braunschweig), Pirmin Schwegler (Eintracht Frankfurt), Adam Szalai (Schalke), Steven Zuber (ZSKA Moskau)
Wichtigster Abgang: Fabian Johnson (Mönchengladbach)
Gegen den Ball-Prognose: Sechster

Die Eindrücke aus Vorbereitung und DFB-Pokal dürfen ergebnistechnisch nicht überbewertet werden. Sonst wäre die TSG Hoffenheim ein Kandidat für die Champions League. Die in der vergangenen Saison so anfällige Defensive (70 Gegentore) spielte in sieben Testspielen zu Null, erst im achten Spiel kassierte der neue Torhüter Oliver Baumann gegen den FC Genua einen Gegentreffer. Nun hießen die Gegner auch Sportfreunde Lauffen oder FC Tuggen, aber der Trend lässt sich nicht bestreiten. Offensivliebhaber Markus Gisdol hat mit Pirmin Schwegler womöglich den Schlüsselspieler gefunden, der seinem Konstrukt die Stabilität verleiht. Denn die vielen Gegentore der vergangenen Saison hatten nur bedingt mit der Viererkette zu tun, vielmehr stimmte im Mittelfeld die Aufteilung häufig nicht. Schwegler ist ein Stratege, der seine Rolle diszipliniert ausfüllen und mit seinem Stellungsspiel Löcher stopfen kann. Genauso wichtig ist die Treue von Kevin Volland und Roberto Firmino. Macht das spielstarke Angriffsduo den nächsten Schritt in der Entwicklung, können die 72 Tore aus der Vorsaison (drittbester Ligawert) nochmals getoppt werden. Hoffenheim wird die Überraschungsmannschaft und zieht in die Europa League ein. (krä)

Schalke 04

Vorsaison: Dritter
Trainer: Jens Keller
Wichtigste Neuzugänge: Eric Maxim Choupo-Moting (Mainz), Sidney Sam (Leverkusen), Fabian Giefer (Düsseldorf), Tranquillo Barnetta (Frankfurt)
Wichtigsten Abgänge: Ádám Szalai (Hoffenheim), Kyriakos Papadopoulos (Leverkusen), Tim Hoogland (Fulham)
Gegen den Ball-Prognose: Fünfter

Die Knappen hinter Leverkusen und Wolfsburg nur auf Platz fünf? Das bedarf sicherlich eher einer Erklärung als Paderborns Abschneiden auf dem letzten Platz. Wer die Berichterstattung von Gegen den Ball kennt, der weiß um die Kritik an Trainer Jens Keller. Noch im Mai schrieb ich, Schalke hat auch weiterhin Probleme mit tief stehenden Gegnern, was die Erstrunden-Niederlage gegen Dresden erneut aufzeigen konnte. Die Pokalpleite sei ein Mentalitätsproblem gewesen, heißt es dazu. Mal sind es die Verletzungsprobleme, mal ist es der fehlende Wille – was bleibt ist, dass im Schalker Spiel kaum Fortschritte zu erkennen sind. Dazu kommt die wackelige Defensive in der die Rechtsverteidigerposition weiterhin ein Problem darstellt und auch die Doppelsechs Abstimmungsprobleme aufweist. Jens Keller ist ein solider Trainer, der in der Rückrunde gute Arbeit geleistet hat. Eine taktische Weiterentwicklung der Mannschaft ist allerdings nicht zu erkennen und für einen Club mit diesen Ansprüchen, ist das einfach zu wenig. Die Probleme rund um den Trainer und die enttäuschende Spielweise werden die sportliche Leistung der Schalker begleiten, beeinflussen und am Ende der Saison springt nur Platz fünf dabei heraus. (mic)

VfL Wolfsburg

Vorsaison: Fünfter
Trainer: Dieter Hecking
Wichtigste Neuzugänge: Aaron Hunt (Bremen), Sebastian Jung (Frankfurt), Josuha Guilavogui (Atlético Madrid), Nicklas Bendtner (Arsenal)
Wichtigsten Abgänge: Jan Polak (Nürnberg)
Gegen den Ball-Prognose: Vierter

Wolfsburg ist mittlerweile in zweierlei Hinsicht in der Lage, Leistungsträger von Frankfurt und Bremen abzuwerben. Der Club ist finanziell potent und mit Klaus Allofs und Dieter Hecking auch sportlich professionell aufgestellt. Der Grund, warum wir die Wölfe nach Platz fünf im vergangenen Jahr noch einen Platz besser einschätzen, ist aber die Qualität der Defensive. Sebastian Jung, Naldo, Robin Knoche, Ricardo Rodriguez. Das ist schon eine der besten Viererketten der Liga. Gerade auf den Außenverteidigerpositionen ist man klar stärker bestetzt als die Konkurrenten Schalke und Leverkusen. Dazu Luiz Gustavo und Josuha Guilavogui (oder Malanda) im defensiven Mittelfeld. Nicklas Bendtner wird innerhalb der GDB-Redaktion sehr kritisch gesehen, erhöht die Möglichkeiten in der Offensive aber zweifelsfrei. Wenn sich der VfL nicht zu sehr zwischen den drei Wettbewerben und der unattraktiven Europa League aufreiben lässt, dann winkt im nächsten Jahr die Champions League. (mic)

Bayer Leverkusen

Vorsaison: Vierter
Trainer: Roger Schmidt (neu von Red Bull Salzburg)
Wichtigste Zugänge: Josip Drmic (Nürnberg), Hakan Calhanoglu (HSV), Kyriakos Papadopoulos (Schalke), Wendell (Grêmio), Tin Jedvaj (AS Rom)
Wichtigste Abgänge: Emre Can (Liverpool), Sidney Sam (Schalke)
Gegen den Ball-Prognose: Dritter

Bayer 04 ist aus verschiedenen Gründen schwerer zu beurteilen als Bayern, Dortmund oder auch Schalke. Denn der neue Trainer Roger Schmidt hat nicht nur noch nie in der Bundesliga gearbeitet, sondern will auch einen anderen Fußball etablieren als er zuletzt am Rhein zu sehen war. Das bringt ihm und dem Club viele Vorschusslorbeeren ein. Diverse Medien tippten die Mannschaft zuletzt auf Platz zwei. Es fällt mir persönlich schwer, mir vorzustellen, wie Bayer, das schließlich parallel auch Champions League spielen wird (ebenfalls Neuland für Schmidt), gegenüber dem BVB zehn Punkte oder mehr wettmachen soll. Denn so gut der Leverkusener Kader sein mag – der von Dortmund ist sicher nicht schlechter. Und dort weiß man inzwischen, wie Doppelbelastung funktioniert, der Trainer kennt die Situation. Was wir von Leverkusen erwarten können, ist ein Platz zwischen drei und fünf. Tendenz drei eher als fünf, aber die Beurteilung der Situation auf Schalke und auch in Leverkusen erfordert zu viele Variablen, um mit Bestimmtheit zu sagen, dass Bayer am Ende vor den Knappen landet. Schon in der Champions League-Quali in Kopenhagen war zu sehen, wie gut Schmidts Fußball funktionieren könnte – und welche Risiken mit ihm verbunden sind. Bleibt anzunehmen, dass gegen bessere Gegner nicht immer beide Außenverteidiger gleichzeitig mit ins Angriffsspiel eingebunden sind, und dass man die Verteidigung von Standards  besser in den Griff bekommt. Dann steht Bayer vor einer guten, wenn auch vielleicht nicht überragenden Saison. (dan)

Borussia Dortmund

Vorsaison: Zweiter
Trainer: Jürgen Klopp
Wichtigste Zugänge: Ciro Immobile (FC Turin), Matthias Ginter (Freiburg), Adrián Ramos (Hertha BSC), Ji Dong-Won (Augsburg)
Wichtigster Abgang: Robert Lewandowski (FC Bayern)
Gegen den Ball-Prognose: Zweiter

Das wenig aussagekräftige Spiel um den Supercup hat es wieder gezeigt: Borussia Dortmund kann an guten Tagen den FC Bayern ärgern, sogar schlagen. Trotzdem wuchs der Rückstand in der Bundesliga in den vergangenen beiden Jahren auf 25 bzw. 19 Punkte an. Der BVB würde diesen Rückstand gerne verringern. Mit einem breiter aufgestellten Kader und der sich andeutenden Startprobleme in München könnte das auch gelingen. Ohne Torjäger Robert Lewandowski ist ein Vorbeiziehen aber nicht vorstellbar. Trainer Jürgen Klopp konnte namhafte Abgänge in den vergangenen Jahren zwar immer ersetzen, mit Immobile und Ramos müssen sich aber gleich zwei neue Stürmer an die taktischen Aufgaben im System Klopp gewöhnen. Das wird Zeit brauchen, möglicherweise sogar ein Jahr, wie die glänzende Vorbereitung von Henrikh Mkhitaryan und Pierre-Emerick Aubameyang gezeigt hat. Der BVB steht deutlich über dem Rest der Liga, aber eben auch weiter hinter dem Rivalen aus München. (krä)

Bayern München

Vorsaison: Meister
Trainer: Pep Guardiola
Wichtigste Zugänge: Robert Lewandowski (Borussia Dortmund), Sebastian Rode (Eintracht Frankfurt), Juan Bernat (Valencia), Pepe Reina (Liverpool)
Wichtigste Abgänge: Toni Kroos (Real Madrid), Mario Mandzukic (Atlético Madrid), Daniel van Buyten, Diego Contento (Girondins de Bordeaux)
Gegen den Ball-Prognose: Meister

Weitaus problematischer als vor einem Jahr scheint sich die Situation beim FC Bayern unmittelbar vor dem Start in die Bundesligasaison darzustellen. Die von der WM und der mangelnden Vorbereitungszeit geschlauchten Stars sind noch nicht wieder voll auf der Höhe, mit Javier Martínez, Bastian Schweinsteiger und Thiago fallen gleich drei Stars aus  – und mit Toni Kroos hat Bayern erstmals seit Langem wieder einen Weltklassespieler auf der Höhe seines Schaffens verloren. Bei genauerem Hinsehen war aber auch 2013 nicht alles perfekt. Zumindest wurde Guardiolas Arbeit da in den Medien kritisch beäugt, der Supercup war an Dortmund verloren worden. Es folgte die beste Saison aller Zeiten. So wird es diesmal vielleicht nicht kommen, denn die fehlenden oder nicht komplett fitten Spieler werden Spuren hinterlassen. Hier geht es aber um eine Bundesligaprognose. Und da ist die einzige für Bayern München relevante Frage: Werden sie Meister? Damit wir diese Frage verneinen könnten, müssten wir davon ausgehen, dass der BVB ohne Robert Lewandowski in dieser Saison 19 Punkte auf den FC Bayern mit Lewandowski gut macht. Klingt nicht sehr wahrscheinlich. Ich will nicht verhehlen, dass es in der Gegen den Ball-Redaktion Stimmen gab, die Borussia Dortmund zur Meisterschaft tippen wollten. Am Ende sind aber alle zur Besinnung gekommen. Der Unterschied in der Klasse des Kaders zum Rest der Liga ist einfach zu groß. (dan)

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2 comments

  1. Ping: Umparken im Kopf: Die Analyse zur Krise beim BVB › Gegen den Ball

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