Supercup-Noten: Superhelden und Pechvögel

gdb-supercup-aufstellung_dreieck-kl-2Borussia Dortmund – FC Bayern 2:0

Der erste Titel der Saison geht an Borussia Dortmund. Der BVB stand im Supercup von der ersten Minute an sehr hoch, presste erfolgreich und schaffte es auch, schnell und gut umzuschalten. Am Ende schoss die Borussia 22 Mal auf das Tor der Bayern, einzig die Chancenverwertung war verbesserungswürdig.

Die Noten der Münchner Spieler zeigen: Solch einen schwachen Tag erwischt der FC Bayern nur ganz selten. Aber mit der Abwesenheit von Arjen Robben, Thiago, Franck Ribéry und Bastian Schweinsteiger und den deutlichen Defiziten der WM-Fahrer Thomas Müller, Mario Götze, Dante und Jérôme Boateng gibt es genügend Verbesserungspotential. Wer den Bayern dauerhafte Probleme attestieren will, liegt falsch.

Deutlich schwerer wiegt der vermutlich lange Ausfall von Javi Martínez. Der Spanier verletzte sich in einer Offensivaktion folgenschwer am Knie, vieles deutet auf einen Kreuzbandriss hin. Martínez wird mindestens sechs Monate ausfallen. Mit Boateng, Dante und dem gerade wieder genesenen Holger Badstuber hat Trainer Pep Guardiola zwar drei weitere Innenverteidiger im Kader, aber Martínez war als Fixpunkt in der neu eingeführten Dreierkette eingeplant.

Schon im DFB-Pokalfinale gegen den BVB war Martínez in der Dreierkette der Garant für den 2:0-Sieg nach Verlängerung. Und auch im Supercup war der 25-Jährige bis zu seiner bitteren Auswechslung bester Münchner Spieler. Martínez gewann jeden Zweikampf, spielte nur fünf Fehlpässe und hatte in 31 Minuten 47 Ballkontakte (alle Statistiken laut bundesliga.de).

Mit dem eingewechselten Dante ging die Sicherheit im Zentrum verloren, der Brasilianer tut sich wie Boateng als zentraler Mann in einer Dreierkette schwer. Am ehesten ist diese Rolle Badstuber zuzutrauen, nach zweijähriger Pause wird der deutsche Nationalspieler aber zu Recht langsam aufgebaut. Guardiola könnte sich in den kommenden Wochen gezwungen sehen, seine Abwehrformation zu ändern.

Bei den Bayern fiel eine weitere Sache auf. In Abwesenheit der genannten Stammspieler hatten sich in der bisherigen Vorbereitung Neuzugang Sebastian Rode und vor allem der junge Gianluca Gaudino in den Vordergrund gespielt. Gerade Gaudino hatte beim Telekom Cup in Hamburg und auf der USA-Reise im zentralen Mittelfeld groß aufgespielt. In Dortmund stieß der 17-Jährige, wie auch die anderen Mittelfeldspieler Rode, Juan Bernat und Pierre Höjbjerg, an seine Grenzen. Der BVB presste früh und konstant, im Zentrum konnten sich die Bayern nur ganz selten durchsetzen.

Beim Dauerrivalen der vergangenen Jahre verlangt Trainer Jürgen Klopp von seinen Neuzugängen taktisch sehr viel. Aktuell kämpft Ciro Immobile, von Henrikh Mkhitaryan wird im zweiten Jahr ein deutlicher Schritt erwartet. In dessen Schatten scheint sich aber Pierre-Emerick Aubameyang nachdrücklich verbessert zu haben, im Supercup lieferte der Stürmer eines seiner besten Spiele im BVB-Trikot ab.

Dabei geht es nicht um seinen Treffer zum 2:0-Endstand, den er mit einem Pass auf Lukasz Piszczek selbst einleitete und mit einem platzierten Kopfball unhaltbar vollendete. Tore hat Aubameyang schon in der vergangenen Saison erzielt (13 in der Bundesliga), wirkte dabei aber häufig wie ein Fremdkörper im Spiel, der sich bei Laufwegen und im Defensivverhalten viele Fehler leistete.

Gegen die Bayern begann Aubameyang als zweite Sturmspitze neben Immobile. Eine Rolle, die es bisher im BVB-System nicht gab. Das allein wird den Gabuner nicht zum vollwertigen Mitglied im Dortmunder Pressing gemacht haben. Er war ins Spiel eingebunden, kombinierte mit seinen Kollegen und zeigte die richtigen Laufwege. Bei Aubameyang scheint es in der Sommerpause Klick gemacht zu haben, zusammen mit Immobile und dem eingewechselten Adrián Ramos hat der BVB gute Optionen für den Ersatz des eigentlich unersetzlichen Robert Lewandowski.

Gegen den Ball entwickelte sich die Dortmunder Formation sogar zu einem 4-3-3, eine klare Reaktion auf die Dreierkette der Bayern. Die flexible Rolle im Zentrum übernahm Jonas Hofmann, der offensiv wenige gute Szenen hatte, sich aber läuferisch bereits voll auf der Höhe zeigte und Gaudino und Rode aus dem Spiel nahm.

Neuzugang Ciro Immobile wirkte bei seinem Debüt vor heimischer Kulisse übermotiviert, dem Italiener war der Tor-Wunsch deutlich anzumerken. Taktisch stellte sich der Stürmer aber schon sehr gut an. Immobile war gut ins Gegenpressing integriert, mit fünf Torschüssen und 38 Ballkontakten kann er auch zufrieden sein. Mit der wahrscheinlichen Lockerheit werden dann auch die nötigen Tore kommen, um die kritischen Berichterstatter und Fans in Dortmund zu überzeugen.

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