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Der historische BVB-Thriller

Wie heißt es immer so schön, wenn einem ein Fußballspiel mal wieder legendäre, fesselnde, dramatische, unglaubliche und grandiose 90 Minuten beschert hat? „Solche Geschichten schreibt nur der Fußball“ oder „Ein besseres Drehbuch hätte sich kein Hollywood-Autor ausdenken können“.

Solche Reaktionen hat auch der 3:2-Sieg von Borussia Dortmund gegen den FC Málaga im Halbfinale der Champions League hervorgerufen. Wenn Sie eher zur Sorte nüchterner User gehören, lesen Sie das Drehbuch in aller Ruhe weiter. Wer jedoch Lust auf Emotionen hat, sollte sich nochmal die Nachspielzeit im Audio-Kommentar der Kollegen von 90elf anhören.

Diese Nachspielzeit wird ohne Zweifel in die Fußball-Geschichte eingehen. Die Dortmunder Mannschaft war bereits geschlagen, der Glaube an eine Wende bei Anbruch der vier Extra-Minuten war nirgendwo zu spüren – auch wenn die Spieler des BVB nach dem Wunder für eben diesen Glauben an sich selbst gelobt wurden. Mal ganz ehrlich, die Borussia war erledigt und geschlagen, der Abspann hätte laufen können.

Es war dann aber doch einer dieser Tage, an denen das Drehbuch diese märchenhafte Wendung parat hatte, die der Spannungsbogen überhaupt nicht mehr hergab. 1999 hatte das Nachspielzeit-Drama seinen ersten Akt, Fans und Spieler des FC Bayern werden sich nach der 1:2-Finalniederlage gegen Manchester United in die Gemüter ihrer Kollegen aus Málaga hineinversetzen können.

Die Rollen der Trainer

Oliver Kahn hatte die Niederlage damals in Barcelona mal mit dem Schockzustand nach dem Verlust eines geliebten Familienmitglieds beschrieben. Auch wenn dieser Vergleich unangebracht erscheint, so unterstützt er doch die Vermutung, dass die vergangenen Tage zu den traurigsten im Leben von Málagas Trainer Manuel Pellegrini zählen dürften.

Pellegrini hatte wenige Tage vor dem Spiel in Dortmund seinen Vater verloren, er kehrte erst wenige Stunden vor dem Anpfiff von der Beerdigung aus seiner Heimat Chile zu seiner Mannschaft zurück. Umso bemerkenswerter war die Leistung der Boquerones, die aus den Fehlern des Hinspiels die perfekten Lehren gezogen hatten und dem BVB mit einer grandiosen Taktik den Zahn zogen.

Die Rolle des Tragischen Helden füllt Pellegrini in geradezu beängstigender Art und Weise aus. Wie er mit dieser etwas überalterten Mannschaft genau das richtige Konzept entwickelte, um die Dortmunder Stärken zu konterkarieren. Wie er aus einem Champions League-Debütanten – wie auch schon 2005/06 mit dem FC Villarreal – einen potentiellen Halbfinalisten formte. Und wie Pellegrini die Schwierigkeiten rund um den finanziell angeschlagenen Club ausblenden konnte – all das lässt Helden entstehen. Die Tragik überrollte ihn dann wie alle anderen auch.

Auf der Gegenseite stand, lief, schimpfte und zitterte Jürgen Klopp, der von seiner Mannschaft negativ überrascht wurde. „Wir haben heute zum ersten Mal Nerven gezeigt“, sagte der BVB-Trainer nach dem Spiel. „Ich habe uns ganz selten so wenig inspiriert spielen gesehen. Zu wenig Bewegung, die Jungs waren zu ungeduldig.“

Fast schon verzweifelt versuchte Klopp an der Seitenlinie und vor allem in der Pause, Einfluss auf das Spiel seines Teams zu nehmen. Ihm gehört daher die Rolle des Catalyst Character, der in Filmen mit seinen Entscheidungen in besonderem Maße für das Vorankommen der Geschichte sorgt.

Klopp sah von außen, wie sein eigentlicher Hauptdarsteller Ilkay Gündogan aus dem Spiel genommen wurde. Nach einer halben Stunde und dem 0:1 durch Joaquin stellte er um, Sven Bender ließ sich neben die Innenverteidiger Santana und Subotic zurückfallen, um Räume für Gündogan zu schaffen, der in der Mitte auch noch Unterstützung von Kuba Blaszczykowski erhielt.

Das Spiel seiner Mannschaft wurde dadurch nicht wesentlich besser, also brachte er nach der Pause mit Nuri Sahin für Bender einen technisch stärkeren Sechser, der dann von hinten ankurbeln sollte. Erneut ohne zählbaren Efolg, und so war es am Ende die klassische Brechstange, die – garniert mit Mats Hummels als weiterem Passgeber – für die Wende sorgte. Klopp fand aus taktischer Sicht an diesem Abend in Pellegrini seinen Meister, am Ende zählt im Fußball aber nur der Erfolg.

Es gibt noch weitere Hauptdarsteller…

In der frühen Phase seiner Karriere spielte Julio Baptista beim FC Sao Paulo im defensiven Mittelfeld, aufgrund seiner Statur wurde er schnell Panzer genannt. Nach seinem Wechsel nach Spanien wurde Baptista wesentlich offensiver eingesetzt, die vielen Tore für den FC Sevilla brachten ihm dann den Spitznamen Bestie ein. Panzer und Bestie, welcher Akteur könnte besser die Figur des Bösewichts spielen?

Im Verbund mit Joaquin, Isco und Duda wurde Baptista zum absoluten Spielverderber des BVB. Seine defensive Arbeit gegen den Ball erinnerte stark an Mario Mandzukics Leistung gegen Juventus in der vergangenen Woche, auch wenn die Spielanlagen der beiden Mannschaften völlig unterschiedlich waren. Aber wie Baptista im gesamten Spiel die richtigen Laufwege fand und somit Gündogan aus der Partie nahm, war extrem beeindruckend – und im verletzungsbedingt erst zehnten Saisonspiel auch völlig unerwartet.

Málagas Taktik ging erst durch Baptistas Leistung auf, zumal er auch noch offensiv Akzente setzen konnte und das 2:1 durch Eliseu vorbereitete. Der Bösewicht ging direkt nach dem vermeintlichen Siegtreffer vom Feld und übernahm damit eine weitere Rolle, die es im klassischen Film gar nicht gibt: Der indirekt Schuldige. Oder um es auf den Fußball zu übertragen: Der Matthäus. Bayerns Niederlage 1999 wird bis heute an der Auswechslung des Kapitäns in der 80. Minute festgemacht – bei Baptista war es die 83. Minute.

Pellegrini wird sich deshalb fragen lassen müssen, ob die Auswechslung der entscheidende Fehler war. Roque Santa Cruz übernahm Baptistas Rolle nur unzureichend und in der Nachspielzeit hätte ein weiterer Defensivspieler gegen die kopfballstarken Santana und Subotic sicher gut getan.

Kommen wir zu den gewohnten Protagonisten des BVB, von denen kaum einer seine angestammte Rolle spielen konnte. Ilkay Gündogan wurde von Baptista in eine verzweifelte Nebenrolle gedrängt. Da half es auch nicht, dass die verhältnismäßig wenigen Pässe, die Gündogan spielen durfte, wieder grandios waren. Seine Mitspieler gingen nicht auf die Ideen ein und so wirkte Gündogan zeitweise wie ein stockloser Dirigent.

Am ehesten konnte noch Robert Lewandowski in seiner üblichen Rolle glänzen. Der Stürmer erzielte das zwischenzeitliche 1:1, wie es nur wenige Angreifer auf der Welt können und war auch sonst der beste Borusse. Laufstark, stets anspielbar, auf die Außen ausweichend und im Zweikampf gegen die unangenehmen Demichelis und Sanchez oscarreif.

Bleibt noch der Antiheld. Zusammen mit den Eindrücken aus dem Hinspiel kann die Wahl nur Mario Götze lauten. Der Jungstar des BVB, der mit seiner Technik Woche für Woche die Bundesliga begeistert, stieß – angesichts seines Alters entschuldbar – gegen Málaga an seine Grenze. Die heißt Kaltschnäuzigkeit, denn Götze ließ insgesamt fünf dicke Torchancen liegen und hätte somit einen großen Anteil am Viertelfinal-Aus gehabt.

Eine gesonderte Erwähnung hat sich noch Mats Hummels verdient. Der spielstarke Innenverteidiger fehlte in den letzten Wochen verletzt, wirklich vermisst wurde er nur in den 85 Minuten vor seiner Einwechslung gegen Málaga. Dann zog Klopp seinen letzten Joker, beorderte die im Spielaufbau überforderten Subotic und Santana zum gegnerischen Sechzehner und ließ Hummels die benötigten langen Bälle aus der Abwehr spielen. Ein Glücksgriff, denn die Boquerones konnten damit wenig anfangen und die defensive Stabilität Málagas war dahin. Inklusive der Nachspielzeit spielte Hummels nur neun Minuten mit, die Beste Nebenrolle ist ihm damit aber sicher.

Ein unwürdiges Schiedsrichter-Gespann

In Spanien wird der Spielfilm im Westfalenstadion natürlich ein bisschen anders interpretiert, der Bösewicht heißt dort Craig Thomson. „Ein irreguläres Tor eliminiert ein großartiges Málaga in der Nachspielzeit“, schrieb die Sportzeitung As kurz nach dem Abpfiff. Eine objektiv gesehen verständliche Lesart der dramatischen 94 Minuten, denn bei Lewandowskis Flanke vor dem Siegtreffer standen gleich vier BVB-Spieler im Abseits und Santana hätte den Ball wenige Zentimeter vor der Linie auch nicht mehr berühren dürfen.

Da es aber nicht die einzige krasse Fehlentscheidung von Thomson und seinem Team war, war es für Málaga zwar ein absolut bitterer Abend, seine Rolle sollte jedoch nicht zu hoch gehängt werden. Immerhin hätte auch das 2:1 von Eliseu nicht zählen dürfen. Die ausgleichende Gerechtigkeit wird in Andalusien niemanden trösten, zumal in einem Viertelfinale der Champions League eine solche Schiedsrichter-Leistung sehr ärgerlich ist. Thomson verdient daher nur einen Preis: Die Goldene Himbeere.

Die Europarangliste

Europarangliste - Gegen den BallDie Champions League ist Europas Vorzeigewettbewerb. Doch die verbliebenen Teams des Viertelfinales sind nicht die besten acht Mannschaften in Europa. Bei allem Respekt vor Málaga und Galatasaray, aber die Konsequenz des Auslosungs-Modus und die dadurch fehlenden direkten Vergleiche zwischen vielen Topteams lassen die Frage offen, wer übergreifend das beste Team des Kontinents wäre?

Wir haben den Start unseres Blogs zum Anlass genommen, die unserer Meinung nach besten Teams in eine Rangliste zu bringen. Ein solches Ranking basiert naturgemäß auf subjektiven Einschätzungen und so wollen wir eingangs die Grundlagen unseres Rankings verdeutlichen.

Bei der Bewertung geht es grundsätzlich um die sportliche Qualität eines Teams. Tradition, Sympathie oder der finanzielle Background spielen keine Rolle. Welche Faktoren bewerten wir konkret?

1) Die Qualität des Kaders
Wie stark sind die einzelnen Mannschaftsteile besetzt und wie gut sind sie aufeinander abgestimmt?
2) Das Abschneiden in der heimischen Liga
Hier gewichten wir die großen europäischen Ligen unterschiedlich. In England ist die Leistungsdichte in der Spitze höher als zum Beispiel in Frankreich.
3) Das Abschneiden im europäischen Wettbewerb
Das Erreichen des Viertelfinales in der Champions League ist eine so starke Leistung, dass sich alle acht Teams in unserem Ranking wieder finden. Auch das Abschneiden in der Europa League ist relevant.
4) Der Trainer
Ein guter Trainer kann den Unterschied machen, wenn es darum geht, welches von zwei gleich stark besetzen Teams sich durchsetzen würde.
5) Die Form
Da dieses Ranking monatlich erscheint, spielt die Form eine gewisse Rolle. Hätten wir Ende Januar mit der Europarangliste begonnen, wäre Lazio (damals punktgleich mit Napoli Dritter) sicherlich ein Thema gewesen.

Nun aber zur ersten Ausgabe der Europa-Rangliste von Gegen den Ball, die wir im Saisonverlauf in regelmäßigen Abständen aktualisieren werden.

Platz 20: FC Liverpool

Pflichtspiel-Bilanz: 21-11-13
Premier League: 6. Platz
Europa: Aus in der EL-Zwischenrunde

„He, Du!“ – „WER, ICH?“ – „Psssst!“ – „Wer, ich?“ – „Genaaaaau…“ – „…Möchtest du ein L kaufen?“ Die Entscheidungsfindung zu Platz 20 unserer Europarangliste könnte nach einem Angebot von Lefty aus der Sesamstraße gefallen sein, denn Leverkusen, Lyon und Liverpool kamen für den letzten zu vergebenden Rankingplatz in Frage. Die Entscheidung fiel auf Liverpool. Gegen die Reds spricht, dass sie in dieser Saison nur ein Spiel gegen einen Top-Sechs-Gegner aus ihrer Liga gewinnen konnten, nämlich am vergangenen Wochenende gegen Tottenham (3:2). In der Europa League scheiterten sie – wie Leverkusen – zu Beginn der KO-Phase, Gegner war Zenit St. Petersburg. Für Liverpool spricht allerdings der extrem starke Kader, in dem Luis Suárez, der mit 22 Treffern die Torschützenliste der Premier League anführt, den Unterschied ausmacht. In einem imaginären direkten Duell gegen Leverkusen oder Lyon sehen wir die Reds vorne und platzieren sie deshalb hauchdünn vor dem Zweiten der Ligue 1 und dem Dritten der Bundesliga.

Platz 19: SSC Neapel

Pflichtspiel-Bilanz: 19-8-11
Serie A: 2. Platz
Europa: Aus in der EL-Zwischenrunde

Seit sieben Spielen ohne Sieg, in der Europa League an der gefürchteten Viktoria aus Plzen gescheitert, der sicher geglaubte Champions League-Platz in Gefahr – was haben Maradonas Erben in der Liste der 20 besten Clubs Europas zu suchen? Napoli wird die Form wieder finden müssen, um auch im April dazuzugehören, doch noch es gibt gute Gründe: Trainer Walter Mazzarri lässt ein unkonventionelles 3-4-1-2 spielen, mit einer kompakten Defensive und starken Individualisten wie Edinson Cavani, Marek Hamsik oder Gökhan Inler. Torjäger Cavani steckt jedoch in einer persönlichen Krise, Ende Januar traf Cavani (25 Saisontore) letztmals. Abhängigkeit von einem Spieler ist gefährlich, dieses Phänomen kennen aber auch andere Clubs.

Platz 18: FC Schalke 04

Pflichtspiel-Bilanz: 16-10-10
Bundesliga: 4. Platz
Europa: Aus im CL-Achtelfinale

Die Schalker haben nach dem FC Bayern und Borussia Dortmund den drittstärksten Kader der Bundesliga. In der Champions League blieb Königsblau in der Gruppenphase ungeschlagen. Und zuletzt zeigte die Formkurve wieder nach oben, der Derbysieg gegen den BVB war mehr als nur Balsam für gefrustete königsblaue Seelen. Das sind die Fakten, die für S04 in dieser Rangliste sprechen. Doch auch die Gegenargumente müssen wir nicht lange suchen: Die Pleite gegen Galatasaray war so verdient wie unnötig, in den vergangenen 17 Pflichtspielen feierte Schalke nur vier Siege, das Defensivverhalten der gesamten Mannschaft ist besorgniserregend und unabhängig von den fachlichen Qualitäten hätte die Vereinsführung die Unruhe um Trainer Jens Keller durchaus erahnen können. Trotz aller Verletzungssorgen, mit diesem Kader muss Schalke erneut in die Champions League einziehen, die entscheidenden Wochen beginnen für die Knappen deshalb erst jetzt.

Platz 17: Benfica Lissabon

Pflichtspiel-Bilanz: 28-6-2
Liga Sagres: 1. Platz
Europa: EL-Viertelfinale

In der Liga Sagres steht Benfica noch ungeschlagen vor dem FC Porto auf dem ersten Tabellenplatz. Die zwei Saisonniederlagen resultieren aus der Champions League, wo Benfica in Barcelona und bei Spartak Moskau verlor und so nur Platz drei in der Gruppe heraussprang. Der Kader um Óscar Cardozo, Eduardo Salvio und Lima ist qualitativ gut besetzt, wobei die Stärken in der Offensive liegen. In der Europa League steht Benfica nach den Siegen gegen Leverkusen und Bordeaux im Viertelfinale.

Platz 16: Galatasaray

Pflichtspiel-Bilanz: 18-10-7
Süper Lig: 1. Platz
Europa: CL-Viertelfinale

Die deutsche Presse war sich nach Schalkes 2:3-Niederlage gegen Galatasaray einig: dumm, überflüssig und selbst verschuldet. Und tatsächlich gilt Gala unter den letzten acht Teilnehmern der Champions League als leichtestes Los. Der Tabellenführer der Süper Lig kommt dabei aber viel zu schlecht weg. Die gesamten 180 Minuten betrachtet, steht Galatasaray verdient im Viertelfinale. In der Gruppenphase stand Gala nach drei Spielen ohne Dreier unter starkem Druck, der mit drei Siegen in Serie aber gemeistert wurde. Zudem wurde das Team von Trainer Fath Terim in der Winterpause, im Kloppschen Duktus, „brutal“ verstärkt. Wesley Sneijder ist die lange Pause bei Inter zwar immer noch anzumerken, Didier Drogba konnte seine Wichtigkeit trotz fehlender Tore bereits unter Beweis stellen. Drogba und Burak Yilmaz bilden ein sich glänzend ergänzendes Sturmduo. Die große Problemzone von Galatasaray ist die Defensive. Für den Titel in der Türkei reichen Spieler wie Semih Kaya, Dany Nounkeu oder Albert Riera – international ist da, sorry liebe Schalker, noch viel Luft nach oben.

Platz 15: FC Porto

Pflichtspiel-Bilanz: 24-6-3
Liga Sagres: 2. Platz
Europa: Aus im CL-Achtelfinale

In der Liga hinter Benfica, aber in der Europarangliste zwei Plätze davor? Der portugiesische Meister hat nur zwei Punkte Rückstand auf Benfica und mit nur 10 Gegentoren die beste Abwehr Europas – zusammen mit Bayern München und Shakhtar Donetsk. Porto erreichte allerdings, anders als Benfica, als Gruppenzweiter das Achtelfinale der Champions League. Dort schied das Team von Trainer Vitor Pereira auch aufgrund einer Gelb-Roten Karte im Rückspiel etwas unglücklich aus. Insgesamt musste Porto nur zwei Niederlagen in neun Spielen der Champions League einstecken, man blieb fünfmal ohne Gegentor.

Platz 14: FC Málaga

Pflichtspiel-Bilanz: 19-14-10
Primera División: 4. Platz
Europa: CL-Viertelfinale

Die Bundesliga wird in den kommenden Jahren zur alles beherrschenden Macht im Fußball aufsteigen, das Financial Fairplay lässt keinen anderen Schluss zu. Ironie aus. Als erstes Opfer könnte tatsächlich der FC Málaga in die Historie eingehen, Stand heute schließt die UEFA die Andalusier in der kommenden Saison wegen finanzieller Ungereimtheiten von den europäischen Wettbewerben aus. Allerdings betonen die Verantwortlichen in Málaga, alles im Griff zu haben und ziehen gegen das Urteil vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS. Trotzdem werden in deutschen Medien in jeder Geschichte über Málaga drei Worte in Dauerschleife wiederholt: Scheich, Geldhahn und zugedreht. Bevor wir uns in Rage schreiben, kehren wir zum sportlichen Aspekt zurück, denn die Boquerones haben Außerordentliches geleistet: Als Debütant überstand Málaga die Vorrunde der Champions League ohne Niederlage und gegen den FC Porto wurde eine 0:1-Hinspielpleite gedreht. Trotz einiger namhafter Abgänge konnte sich Málaga auch in der Liga hinter den Topteams Real, Barca und Atlético behaupten, Trainer Manuel Pellegrini hat dafür einen starken Defensivverbund geschaffen.

Platz 13: FC Arsenal

Pflichtspiel-Bilanz: 21-10-12
Premier League: 5. Platz
Europa: Aus im CL-Achtelfinale

Erstmals seit 1996 steht kein englisches Team im Viertelfinale der Champions League. Was in der Premier League durchaus für Missstimmung sorgt, wird hierzulande gleich als Abgesang auf die stärkste, weil in der Breite sehr ausgeglichen besetzte, Liga der Welt genutzt. Der kicker schreibt von „Schein-Riesen“, Sport1 setzt mit dem „Ende einer Ära“ noch einen drauf. Eine differenziertere Betrachtung wäre wünschenswert gewesen, Gegen den Ball kann jedenfalls noch keinen Trend ausmachen. Deshalb gehört auch der Tabellen-Fünfte Arsenal weiter zu den besten Clubs in Europa, auch wenn es schon seit Jahren nicht mehr für Titel reicht. Das liegt an der defensiven Transferpolitik, aber auch an Arsène Wengers Ignoranz den nationalen Pokalwettbewerben gegenüber. Sei’s drum, wären die Gunners im Achtelfinale nicht auf die Bayern, sondern auf Málaga, Porto oder Galatasaray getroffen, der Abgesang wäre vertagt.

Platz 12: Atlético Madrid

Pflichtspiel-Bilanz: 28-6-9
Primera División: 3. Platz
Europa: Aus in der EL-Zwischenrunde

Die spanische Liga wird seit Jahren vom Zweikampf zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona geprägt. Ernsthaft einmischen konnte sich letztmals in der Saison 2007/08 der FC Villarreal, der am Ende Zweiter vor Barca wurde. Seitdem klafft die Schere zwischen den beiden Topclubs und dem Rest der Liga immer deutlicher auseinander. Umso höher ist die Leistung von Atlético zu bewerten, erst die erste Heimniederlage der Saison am vergangenen Spieltag gegen das formstarke Real Sociedad ließ die Madrilenen auf Rang drei hinter Real zurückfallen. Diese Leistung ist deutlich höher zu bewerten als das Ausscheiden in der Europa League gegen Rubin Kazan. Abgesehen vom punktuell glänzend besetzten Kader (Falcao, Raul Garcia, Arda Turan, Thibaut Courtois) ist Trainer Diego Simeone ein wichtiger Faktor für die gute Platzierung von Atlético. Simeone galt schon als Spieler als guter Stratege, als Trainer setzte er dies fort. Seitdem er bei Atlético das Sagen hat, geht es kontinuierlich bergauf, im Pokalfinale gegen Real winkt zudem der nächste Titel.

Platz 11: Tottenham Hotspur

Pflichtspiel-Bilanz: 22-11-10
Premier League: 3. Platz
Europa: EL-Viertelfinale

Chelsea – Tottenham, Tottenham – Chelsea. Bei der Abwägung der Frage, welchem der beiden Londoner Clubs wir den Vorrang einräumen, taten wir uns schwer.Wären die letzten zwei Spiele nicht gewesen, das Zünglein an der Waage hätte wohl zu Gunsten der Spurs und zu Ungunsten von Chelsea ausgeschlagen. Die 2:3-Niederlage gegen Liverpool und das 1:4 bei Inter Mailand haben die glänzende Form von acht Spielen ohne Niederlage allerdings getrübt. Dennoch ist man in der Europa League weiter gekommen und hat in der Liga sehr gute Chancen, sich für die Champions League zu qualifizieren. Der Kader weist allerdings Schwächen in der Breite auf, was zuletzt deutlich wurde, als Emmanuel Adebayor beim Afrika-Cup weilte und die Personaldecke im Sturm bedenklich dünn wurde.

Platz 10: FC Chelsea

Pflichtspiel-Bilanz: 26-12-10
Premier League: 4. Platz
Europa: EL-Viertelfinale

Der amtierende Titelträger der Champions League enttäuschte in der Gruppenphase und schied nach Niederlagen gegen Juventus und Shakhtar Donezk frühzeitig aus. In der Liga rangiert Chelsea mit zwei Punkten Rückstand hinter Tottenham auf Platz vier – gewinnt Chelsea allerdings das Nachholspiel gegen Fulham, dann ist der Rivale aus Nordlondon wieder überflügelt. Letztlich gab die Breite und Qualität des Kaders, sowie das leicht bessere Abschneiden der Blues gegen die Top-Sechs der Premier League den Ausschlag. Die Blues holten im Schnitt 1,5 Punkte aus 10 Spielen gegen Top-Gegner, die Spurs nur 1,25 Punkte aus acht Spielen. Beim direkten Aufeinandertreffen der beiden Clubs in der Premier League am 14. April wird das Ranking „Face-to-Face“ geklärt.

Platz 9: Paris St. Germain

Pflichtspiel-Bilanz: 27-7-7
Ligue 1: 1. Platz
Europa: CL-Viertelfinale

Wie will man einen Club bewerten, der sich einen erstklassigen Kader leistet, in der schwächeren Ligue 1 trotzdem nur knapp die Spitze behauptet, der international von noch keinem großen Gegner gefordert wurde, aber trotzdem im Viertelfinale der Champions League steht? Nach langen Diskussionen haben wir uns für Rang neun entschieden, auch wenn wir – zurück in der Sesamstraße – mit fragenden Gesichtern rechnen: „Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm.“ Der sportliche Erfolg ist da, Trainer Carlo Ancelotti gehört zur Topriege in Europa, die Abwehr um Thiago Silva und Mamadou Sakho wird immer stärker und das Offensivpotenzial mit Zlatan Ibrahimovic, Ezequiel Lavezzi, Javier Pastore oder Marco Verratti ist größer als bei vielen anderen Clubs. Ob die kosmetischen Veränderungen im Club dem Erfolg zuträglich sein werden, steht auf einem anderen Blatt.

Platz 8: Manchester City

Pflichtspiel-Bilanz: 21-11-7
Premier League: 2. Platz
Europa: Aus in der CL-Gruppenphase

Sang- und klanglos schied Man City in der Gruppenphase nach drei Remis und drei Niederlagen aus. Dass man bei Manchester City aber nicht nur wirkungslos „mit Scheinen wedelt“, wie der kicker zuletzt polemisierte, zeigte nicht nur die letztjährige Meisterschaft. In dieser Spielzeit stehen die Citizens relativ souverän auf Platz zwei der Tabelle. Wie Tabellenführer United musste das Team von Roberto Mancini bisher nur drei Niederlagen in der Liga hinnehmen. Wären da nicht die vielen Unentschieden (acht an der Zahl), der Kampf um die Meisterschaft hätte noch Spannung. Die gute Platzierung im Ranking ist aber nicht nur dem guten Abschneiden in der starken Premier League geschuldet (Gegen die Top-Sechs der Liga holte Man City in acht Spielen 1,625 Punkte im Schnitt). Der Kader von Manchester City ist einfach bärenstark. Namedropping gefällig? Yaya Touré, Edin Dzeko, Carlos Tévez, David Silva, Sergio Agüero, Samir Nasri…

Platz 7: AC Mailand

Pflichtspiel-Bilanz: 19-8-11
Serie A: 3. Platz
Europa: Aus im CL-Achtelfinale

Neun der elf Pflichtspielniederlagen sammelte Milan im Jahr 2012. Seit dem Jahreswechsel konnten die Rossoneri acht Siege und drei Unentschieden in 13 Spielen erzielen. In der Gruppenphase schaltete man Zenit St. Petersburg aus, lief aber nur auf Platz zwei ein. Das bescherte dem Team von Massimiliano Allegri das wohl unbeliebteste Los in der CL. Kaum einen Pfifferling setzte der gebildete Fußballprolet auf Milan im Duell mit Barca. In einem taktisch hochinteressanten Hinspiel ließ Milan den spanischen Ballzauberern in einem 4-5-1-System, das zeitweilig zum 4-6-0 wurde, kaum Platz zum Atmen – geschweige denn zum Spielen. Die Katalanen verloren am Ende chancenlos mit 0:2. Das Rückspielergebnis ist bekannt – entzaubert Milan dann wieder und erklärt, warum eine höhere Platzierung nur in der Utopierangliste möglich ist.

Platz 6: Borussia Dortmund

Pflichtspiel-Bilanz: 21-10-6
Bundesliga: 2. Platz
Europa: CL-Viertelfinale

„Klopp besser als Bayern, Barca und Mourinho“, titelte bild.de gestern. „In der Tat“, analysiert unser Professor im weißen Kittel aus dem Headquarter von Gegen den Ball, der BVB ist in der Champions League noch ungeschlagen und die Bayern mussten schon zwei Pleiten (Borisov, Arsenal) hinnehmen. Nach dieser Arithmetik ist aber auch Schalke besser als Bayern, da die Knappen nur die eine Niederlage gegen Galatasaray kassierten. Lösen wir uns also von dieser Logik und stellen fest, dass der BVB in dieser Spielzeit aufgrund der in der Liga gezeigten Leistungen nicht besser als der FC Bayern ist. Die starken Auftritte in der Gruppenphase der Champions League gegen Real Madrid und Manchester City und das Erreichen des Viertelfinales sind jedoch Grund genug, den BVB weit oben in unserem Ranking anzusiedeln. Man hat den Eindruck, Klopp und sein Team haben den Saison-Fokus auf die Königsklasse gelegt. Die fehlende Breite des Kaders erklärt allerdings auch, warum es der Borussia nicht gelingen kann, auf drei Hochzeiten gleich erfolgreich zu tanzen.

Platz 5: Juventus

Pflichtspiel-Bilanz: 26-9-5
Serie A: 1. Platz
Europa: CL-Viertelfinale

Während im zu schmalen Kader des BVB gerade mal zwei Stürmer stehen, kann Juve-Trainer Antonio Conte mit Vucinic, Giovinco, Quagliarella, Anelka und Matri auf dieser Position aus dem Vollen schöpfen. Trotzdem herrscht große Unzufriedenheit, Fernando Llorente wurde bereits für die kommende Saison verpflichtet, es wird wohl noch ein weiterer Hochkaräter hinzukommen. Juventus hat Zeit, sich um diese Probleme zu kümmern, das Jahr läuft für die Alte Dame nahezu perfekt. In der Serie A ist Juve der Titel bei neun Punkten Vorsprung auf Napoli kaum noch zu nehmen und in der Champions League ist Contes Team nach dem Spaziergang gegen Celtic immer noch ungeschlagen. Prunkstück ist die Abwehr, die auch im Viertelfinale schwer zu bezwingen sein wird: Juventus spielt um den Titel mit.

Platz 4: Manchester United

Pflichtspiel-Bilanz: 31-5-7
Premier League: 1. Platz
Europa: Aus im CL-Achtelfinale

Und schon sind wir beim nächsten schwierigen Fall: Manchester United scheidet im Achtelfinale der Champions League aus und soll trotzdem das viertbeste Team Europas sein? Da regiert ja frühzeitig der Größenwahn im neuen Gegen-den-Ball-Headquarter. Doch es gibt viele Argumente, die unsere Annahme stützen. Gegen ein Real in Bestform spielen zu müssen, war undankbar. Trotzdem bewies das Team von Sir Alex Ferguson, dass die in der Premier League vorhandenen Defensivprobleme mit totaler taktischer Disziplin aufzufangen sind. Die Rote Karte gegen Nani nahm zudem entscheidenden Einfluss auf das Rückspiel, United war bis dahin die bessere Mannschaft. Die Dominanz in der Premier League (zwölf Punkte Vorsprung auf Man City) ist ohnehin erdrückend – in Europa gibt es deshalb nur drei bessere Teams:

Platz 3: Real Madrid

Pflichtspiel-Bilanz: 27-9-7
Primera División: 2. Platz
Europa: CL-Viertelfinale

Die Saison begann für Real sehr bescheiden. Der Rückstand auf den FC Barcelona wuchs früh und rapide an, auch in der Champions League reichte es in der Gruppe mit Borussia Dortmund nicht zum 1. Platz. Doch 2013 sehen wir ein Real, das taktisch wieder auf höchstem Niveau zu Werke geht und erst eine Niederlage einstecken musste. Viel wichtiger ist aber die Bilanz in den Topspielen. Gegen Barca siegten die Königlichen in drei Spielen zweimal (und das auch verdient), das Weiterkommen gegen Manchester United war zwar wesentlich glücklicher, aber neben dem Ergebnis stimmte auch in diesen Partien zeitweise die taktische Grundordnung und die offensive Power. Mit den Teams von José Mourinho muss man in der Champions League ohnehin immer rechnen.

Platz 2: FC Barcelona

Pflichtspiel-Bilanz: 33-5-5
Primera División: 1. Platz
Europa: CL-Viertelfinale

Ein Spiel kann im Fußball alles verändern. Noch vor einer Woche war der Abgesang auf den FC Barcelona ein gern gesungenes Lied. „Der FC Barcelona geschlagen, dreimal in zwölf Tagen. Ist das das Ende einer Ära?“, fragte der Spiegel. Messi, Xavi und Co. gaben die Antwort auf dem Platz. Barca zeigte beim 4:0 über Milan, dass sie scheinbar jeden Rückstand aufholen und auch gut organisierte Gegner besiegen können. Dennoch bleibt ihnen Platz eins in unserem Ranking verwehrt. Die Niederlagen in den Topspielen geben den Ausschlag zu Ungunsten der Katalanen. Im Pokal gegen Real ausgeschieden, auch in der Liga gab es keinen Sieg gegen José Mourinho (ein Remis, eine Niederlage). Und damit zum letzten menschlichen Makel der Blaugrana. Leider kann Tito Vilanova aufgrund einer Krebserkrankung dem Team derzeit nur telefonisch beistehen. So traurig dieser Umstand auch ist, sportlich ist es sicherlich kein Vorteil, im Konzert der Großen ohne den Cheftrainer dazustehen, derzeit ist der Assistent des letztjährigen Assistenten vor Ort verantwortlich.

Platz 1: FC Bayern München

Pflichtspiel-Bilanz: 30-4-3
Bundesliga: 1. Platz 
Europa: CL-Viertelfinale

Das ist mir ein „schöner Dreck“ würde Bayern Präsident Uli Hoeneß zu dieser Rangliste sagen, denn wir haben BATE Borisov gar nicht aufgenommen. Die Weißrussen sind eine von drei Mannschaften, die den FC Bayern in dieser Spielzeit schlagen konnten. Auch wenn Uli Hoeneß gerade auf der psychologischen Klaviatur die Hallo-Wach-Tasten bespielt und dem eigenen Team unterstellt, seit „drei Wochen Dreck“ zu spielen, die Zahlen der Münchner sind und bleiben beeindruckend. Nur zehn Gegentore in einer der besten Ligen Europas. Dabei erst eine Niederlage in der Bundesliga erlitten. Das 0:2 gegen Arsenal war die erste Pleite nach 23 Spielen. Den knappen Vorzug im Konzert der großen drei (Real, Barca, Bayern) erhalten die Bayern, weil sie weniger Niederlagen und Unentschieden auf dem Konto haben, 20 Gegentore weniger als Barca, 15 weniger als Madrid kassierten (bei zwei Spielen weniger) und auch in den Topspielen, wenn es darauf ankam, zur Stelle waren. Bayern besiegte Dortmund im Supercup und DFB-Pokal, gewann beide Spiele gegen Schalke und das entscheidende Hinspiel bei Arsenal. Gegen Leverkusen verlor man. Diese Angelegenheit können die Bayern allerdings an diesem Wochenende klar stellen. Dann ist der Warnschuss von Uli Hoeneß vermutlich schon wieder Schall und Rauch und El Presidente lobt die erste Europarangliste von Gegen den Ball.

Michel Massing und Marcus Krämer

PSG: Umbau im Eiltempo

Als Borussia Dortmund im November 2010 in der Europa League bei Paris St. Germain gastierte, kamen knapp 25.000 Zuschauer ins altehrwürdige Stadion Parc des Princes. Das 0:0 war ein eher durchschnittlicher Kick, der BVB schied bekanntlich schon in der Gruppenphase aus und bei PSG hieß der große Star Nene. Seitdem ist auf beiden Seiten viel passiert.

Während in Dortmund nur schwer Anhänger zu finden sein dürften, die sich ob der Entwicklung der letzten zwei Jahre grummelnd abwenden, ist der Fall in Paris ein anderer. PSG wurde 2011 von der Investorengruppe Qatar Sport Investment (QSI) übernommen, die seitdem 253 Millionen Euro in neue Spieler investiert und damit den Erfolg eingekauft hat. Geld schießt halt doch Tore, auch wenn das von idealistischen Fans gerne anders gesehen werden würde.

Doch die Marketingstrategen von QSI hatten und haben noch ganz andere Ziele, für eine Weltmarke ist sportlicher Erfolg wichtig, aber sicher nicht allein ausschlaggebend. Image, Prestige, Publicity, öffentliches Ansehen, Vermarktbarkeit – all diese Schlagworte mussten mit Leben gefüllt werden. Doch wie passt eine solch saubere Reputation zu Paris St. Germain mit einer, nennen wir es mal, Problem behafteten Anhängerschaft? Nichts ist unmöglich, schon gar nicht mit klugem Marketing – einzig unter diesem Aspekt muss auch die Verpflichtung von David Beckham eingeordnet werden.

Paris St. Germain: absurde neue Welt

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie wenig das alte Image zum Ideal von QSI gepasst hat. Die Boulogne Boys war eine Fangruppierung, die auf der berüchtigten Tribune Boulogne rechtes Gedankengut verbreitete und mit Krawallen sowohl gegen gegnerische Anhänger als auch gegen PSG-Fans von der Tribune Auteuil vorging.

Die Rivalität der beiden Kurven Boulogne und Auteuil – oder auch wohlhabendes 16. Arrondissement contra mit Migranten durchzogenes Banlieue – sowie rassistische Gesänge und Übergriffe gehörten zum Alltag von Paris St. Germain. Die Höhepunkte zahlreicher Vorfälle waren eine Hetzjagd auf einen israelischen Fan von Hapoel Tel Aviv im Jahre 2006, als ein Polizist zur Hilfe eilte und ein Mitglied der Boulogne Boys erschoss, sowie zwei Jahre später bei einem Spiel gegen RC Lens ein Spruchband mit der Aufschrift „Pädophile, Arbeitslose und Inzest-Gezeugte, willkommen bei den Nordfranzosen“, auf Grund dessen PSG zunächst vom Ligapokal ausgeschlossen wurde.

Doch die Katarer ließen sich davon nicht abschrecken: Mit einer schleichenden Erhöhung der Einrittspreise und der Installierung von Starspielern wie Zlatan Ibrahimovic wurde das Publikum im Pariser Prinzenpark methodisch unterwandert. Kamen in der Saison 2010/11 im Durchschnitt knapp 30.000 Zuschauer zu den Heimspielen der Ligue 1, wurden in der aktuellen Spielzeit bisher durchschnittlich über 42.000 Zuschauer gezählt.

Das neue Publikum in den Zlatan-Trikots musste natürlich unterhalten werden, so berichten langjährige Dauerkarteninhaber von einer Eventisierung der Heimspiele im Prinzenpark mit lauter Musik, Cheerleader auf dem Rasen, animierten Schlachtrufen und vom Verein geplanten Choreografien.

Die Absurdität der neuen Fanstruktur brachte vor einigen Wochen die FAZ sehr gelungen auf den Punkt, denn das alte Renommee der PSG-Fans war doch sehr zweifelhaft: „Wo sich früher rechtsgesinnte Bürgersöhne und Migranten aus der Banlieue grölend gegenüber standen, stehen jetzt Frauen in hohen Schuhen und edlen Jeans, die in der Halbzeit den Eingangsbereich der Damentoiletten blockieren, weil sie sich die Haare richten müssen.“ Was bleibt, ist eine starke Veränderung der Fanszene, auch wenn viele alteingesessene Fans weiterhin in den Prinzenpark pilgern – die Aussicht auf die dritte Meisterschaft nach 1986 und 1994 lässt viele den Ärger herunterschlucken. Win-Win-Situation dürfte es im Vokabular der QSI heißen.

Lass uns doch in den Farben von Marseille spielen

Nun wagen sich die neuen Besitzer aber an eine heilige Kuh heran, deren Milch zu mehr Emotionalität führen könnte. Das Logo von Paris St. Germain – ein dunkelblaues rundes Wappen mit dem Eiffelturm als zentralem Punkt sowie einer Lilie und einer Babywiege als weitere Design-Elemente, die an den Geburtsort von Sonnenkönig Ludwig XIV erinnern sollen – soll nach dem Willen von Marketing-Chef Michel Mimran moderner und weltoffener gestaltet werden. Die Zeitung Le Parisien berichtete im Dezember 2012 von der Verbannung der Lilie und der Wiege, der Eiffelturm soll dreidimensional angezeigt werden, das Gründungsjahr 1970 müsse für das nach unten gerutschte „St. Germain“ weichen und das Blau soll deutlich heller werden.

Nun gibt es in der Geschichte des Fußballs sehr viele Beispiele, wo Vereine ihr Logo verändert oder modernisiert haben und ein Protest quasi nicht existent war – in der Bundesliga sei exemplarisch an Schalke 04, Eintracht Frankfurt oder Bayer Leverkusen erinnert.

Wenn zusätzlich aber auch die Vereinsfarbe nicht bloß verändert, sondern hin zu den Farben von Erzrivale Olympique Marseille (hellblau) modifiziert werden soll, könnte das Eis bei allem sportlichen Erfolg dünner werden. Einer Online-Petition gegen die Änderung von Logo und Vereinsfarbe schlossen sich schon Tausende Anhänger an, eine Reaktion des Clubs steht noch aus. In Paris glauben viele Experten allerdings, dass die QSI mögliche Proteste einfach aussitzen wird. Wenn der Verein weiterhin als chic und hip gilt, werden schon genügend neue Fans ins Stadion kommen – Win-Win die Zweite.

PSG findet Lücke im Financial Fairplay

Was die Fans außerhalb von Paris an PSG besonders interessiert, ist die finanzielle Situation des Clubs. Die massiven Transferausgaben sind bekannt, das sorgte im letzten Geschäftsjahr für einen Verlust von über 100 Millionen Euro.

Unter dem Stichwort Financial Fairplay müssten nun sofort die Alarmglocken schrillen, wie sollte die Einnahmesituation so schnell so stark verbessert werden. Doch die, eigenen Angaben zufolge, „erfinderischen“ Katarer wollen auch hier eine Lösung gefunden haben, ein Sponsorenvertrag mit der katarischen Tourismus-Behörde kann PSG im Erfolgsfall in vier Jahren bis zu 600 Millionen Euro einbringen.

Wenn man bedenkt, dass die europäischen Topclubs wie Real Madrid, FC Barcelona, Manchester United oder Bayern München mit ihren besten Sponsorenverträgen gerade mal 10 Prozent dieser Summe generieren, drängt sich der Verdacht eines Scheinvertrags auf. DFL-Boss Christian Seifert hat deshalb verbal den Druck auf die UEFA erhöht: „Die UEFA kann massiv Schaden nehmen, wenn ein Klub wie Paris St. Germain damit durchkommt, einen Sponsorenvertrag abzuschließen, der weit mehr wert ist als die Sponsorenverträge von Barça, ManU und Bayern München zusammen“, sagte Seifert in einem Interview mit der FAZ.

Die UEFA und ihr Präsident Michel Platini haben sich bisher bedeckt gehalten, wie innerhalb des Financial Fairplay mit solchen Sponsorenverträgen umgegangen wird, Manchester City nutzt dieses Schlupfloch ebenfalls aus. Helfen könnte PSG möglicherweise, dass Platinis Sohn als Europa-Chef der QSI eingestellt wurde – Win-Win die Dritte? Die Rechnung mit den Unbekannten könnte durchaus aufgehen.