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Bayerische Verhältnisse

Originalartikel erschienen bei bryk – http://bryk.marquee.by/bayerische-verhaltnisse/

Europäischer Profifußball ist der lukrativste Sport der Welt. Dabei hat er keine Mechanismen, um immer größere Dominanz der Topclubs zu verhindern – im Gegenteil. Statt „Financial FairPlay“ auf den Leim zu gehen, sollten Fans sich nicht alles gefallen lassen.

Was sind spanische Verhältnisse?

Was die Motivation von Bayern München-Präsident Uli Hoeneß war, als er im April vor „spanischen Verhältnissen“ in der Bundesliga warnte, darüber kann man spekulieren. Das in diesem Zuge ein weiteres Mal propagierte Image des selbstlosen Wohltäters wurde in den Tagen darauf durch die plötzliche Bekanntgabe der Verpflichtung von Mario Götze aus Dortmund und die Enthüllungen über Hoeneß‘ Steuerhinterziehung jedenfalls nicht gerade gestützt. Was aber sollte der Befund aussagen? Wie richtig war er?

Die Bezeichnung „spanische Verhältnisse“ wurde in den folgenden Wochen wohl auch deshalb so inflationär in vielen deutschen Medien wiederholt und zitiert, weil sie den meisten Fans hierzulande intuitiv einleuchtet: „Spanische Verhältnisse“ – das klingt am Stammtisch nach Überschuldung, Günstlingswirtschaft und finanzieller Maßlosigkeit. Zu einer solchen Melange könnte man nun auch „1860 München“ sagen, aber die Grunderzählung der letzten Jahre, dass der deutsche Fußball sportlich, finanziell und organisatorisch das Vorbild für den Rest der Welt sein sollte, wäre durch einen Seitenhieb auf den Lokalrivalen vielleicht getrübt worden.

Was aber sind die hier beschworenen „spanischen Verhältnisse“? Gemeint ist das Duopol von Real Madrid und Barcelona, die vermeintlich jedes Jahr die Meisterschaft unter sich ausspielen. Die Gefahr drohe, so Hoeneß, dass Bayern und Borussia Dortmund in Deutschland eine ähnliche Stellung einnehmen könnten. Das ist, je nach Einstellung der historischen Tiefenschärfe, eine berechtigte Sorge oder eine irreführende Behauptung. Falsch ist der hier im Subtext wieder einmal mitschwingende Allgemeinplatz, die Bundesliga sei traditionell so ausgeglichen, dass hier „jeder jeden schlagen könne“. Das stimmte in der vergangenen Münchner Rekordsaison ohnehin nicht, aber es stimmt schon seit Jahrzehnten so nicht mehr. Seit 1969 hat der FC Bayern 22 Meistertitel geholt – weit mehr als jeder andere Club in einer großen europäischen Liga.

Auch die Varianz an Clubs, die Meister werden können, ist über die letzten 30 Jahre gesehen nicht wirklich anders in Deutschland als in Spanien. Sieben verschiedene Teams wurden seit 1981 Deutscher Meister – genau so viele wie in Spanien (in England und Italien waren es im gleichen Zeitraum jeweils acht). So unterschiedlich sind die Verhältnisse also nicht in Spanien und Deutschland. Richtig ist jedoch, dass sich die generelle Situation in beiden Ländern, und nicht nur dort, in den letzten Jahren dramatisch zugespitzt hat. In der Bundesliga setzt diese Tendenz einfach mit ein paar Jahren Verzögerung ein. 2008 wurde Provinzclub Villarreal unter Manuel Pellegrini Spanischer Vizemeister. Seither gingen die ersten beiden Plätze der Tabelle nur noch an die beiden Großclubs aus Madrid und Barcelona. Und seither explodierten die Punktzahlen beider Clubs förmlich.

Um besser vergleichen zu können, muss man Ergebnisse aus früheren Jahrzehnten nach der Dreipunkteregel berechnen und auf 38 Saisonspiele projizieren. Selbst dann aber wurden die drei besten Saisons in der spanischen Fußballgeschichte alle in den letzten vier Jahren gespielt – wie übrigens auch die besten beiden Saisons der Bundesliga in den letzten beiden Spielzeiten absolviert wurden. Das sind aber eben nicht exklusiv „spanische Verhältnisse“, es ist die Spitze des modernen Fußballs in Europa. Manchester United wurde 2012 mit 89 Punkten Vizemeister der Premier League. Im gesamten 20. Jahrhundert gab es nur eine einzige englische Mannschaft, die diesen Punktestand (umgerechnet) jemals erreichte: Bob Paisleys Liverpool 1979. In den nur 14 Jahren seit 2000 aber gab es acht Teams, die diese Marke erreichten und fünf, die sie übertrafen.

It’s the Transfermarkt, stupid

Angesichts der hier genannten Namen ist es verlockend, die Rekorde auf das Genie großer Trainer und Spieler zurückzuführen. Solche sind José Mourinho und Lionel Messi ohne Zweifel, auch Josep Guardiola ist natürlich ein großer Faktor für Barcelonas Dominanz von 2009 bis 2012 gewesen. Und Jupp Heynckes‘ Leistung beim Gewinn des Trebles 2013 war beachtlich. Aber Heynckes ist, bei allem Respekt, nicht der beste Trainer, den die Welt je gesehen hat – sondern er hat, relativ zum Rest der Bundesliga und gemessen an 90 Prozent aller Konkurrenten in der Champions League – einfach wesentlich bessere Voraussetzungen, als es seine Vorgänger jemals hatten. Das alleine erklärt seinen Erfolg nicht. Aber die Reduzierung auf taktische Entscheidungen und Menschenführung verklärt ihn.

Die ökonomischen Ungleichgewichte im europäischen Profifußball nehmen in den letzten Jahren immer weiter zu. Es gibt dafür eine Reihe von Gründen, die meisten haben aber etwas mit der Champions League und der globalen Vermarktung des Sports zu tun. Das Geld, das im wichtigsten Fußballwettbewerb der Welt verdient werden kann, hat schon seit den frühen 1990er Jahren in kleineren und mittleren Ligen dazu geführt, dass Clubs, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren – sprich: in der Champions League spielen durften, als diese begann, das große Geld auszuschütten – beherrschende Stellungen in ihren nationalen Märkten einnehmen konnten. Beispiele sind etwa Rosenborg BK, das bis 1990 sechsmal Norwegischer Meister geworden war, ab seiner ersten Champions League-Teilnahme aber 13 mal in Folge den nationalen Titel holte. Oder Olympique Lyonnais, das seinem allerersten Meistertitel in Frankreich 2002 gleich sechs weitere folgen ließ.

Dieser Effekt trat in den großen vier Ligen des Kontinents (England, Italien, Spanien, Deutschland) erst etwas später ein. Die Konkurrenz war in diesen Ligen zunächst noch zu groß, die Leistungsunterschiede zu gering, als dass eine einzige Champions League-Saison jahrelange Dominanz garantiert hätte. Die Lage änderte sich mit der Öffnung des Wettbewerbs für zunächst Vizemeister und dann bis zu vier Clubs pro Verband. Erst diese Kontingente erlaubten es den größten Clubs aus den Topligen, einigermaßen sicher mit jährlichen Champions League-Einnahmen planen zu können. So entstand in England die berüchtigte Oligarchie der sogenannten „Big Four“.

Der Platz an der Sonne – drei Fallbeispiele

Die englischen Big Four waren in den vergangenen zehn Jahren praktisch immer die gleichen Teams: Manchester United, Arsenal und Chelsea, sowie von 2004 bis 2009 Liverpool, dann ein Jahr Tottenham Hotspur, das wiederum von den Investitionen Manchester Citys aus dem Quartett gleich wieder verdrängt wurde.

FC Chelsea: Roman Abramovich kaufte Chelsea im Sommer 2003, als die Blues sich bereits für die Champions League qualifiziert hatten, aber mit nur einem, fast 50 Jahre zurückliegenden Meistertitel, nicht gerade eine traditionelle Großmacht des englischen Fußballs waren. Die Kombination aus den sehr großen Investitionen Abramovichs (ca. 240 Millionen Pfund innerhalb des ersten Jahres) und den durch diese gesicherten ständigen Champions League-Teilnahmen hat Chelseas Position in der Premier League fast unumstößlich gemacht – seit 2003 qualifizierte sich der Londoner Club in jedem Jahr.

Manchester United hatte sich seine Stellung schon zehn Jahre früher unter anderen Vorzeichen erobert. Sir Alex Ferguson, der seit 1986 amtierende Manager des Clubs, hatte bis Anfang der 1990er Jahre den Keim einer großen Mannschaft aufgebaut und gewann 1993 den ersten Meistertitel der Red Devils seit 26 Jahren. Es war genau die erste Saison der vom Verband losgelösten Premier League, dem Pionierwettbewerb des Weltfußballs in Sachen Vermarktung und Kommerzialisierung. Ein Meistertitel hier bedeutete etwas ganz anderes als frühere Trophäen, weil die Einnahmen sprunghaft gestiegen waren und eine nach und nach globale Vermarktung half, den Ruhm zu versilbern. Auch hier muss betont werden, dass Ferguson fantastische Arbeit geleistet hat. Aber dass der Meistertitel von 1993 zum Beginn einer Ära wurde, in der der Club sechs der folgenden acht Saisons als Erster abschloss und insgesamt noch zwölfmal Englischer Meister bis zu Fergusons Abgang werden sollte, das wurde katalysiert und bestätigt durch eine plötzlich radikal verbesserte Einnahmesituation – die Möglichkeit, Erfolge direkt zu Geld zu machen.

FC Arsenal: Die kommerzielle Rolle der Premier League wurde seit Anfang des 21. Jahrhunderts nach und nach von der Champions League übertroffen. Inzwischen hatte sich mit Arsenal ein weiterer Club, der zuvor nicht gerade als innovativ gegolten hatte, genau im richtigen Moment die Dienste eines visionären Managers gesichert: Arsène Wenger. Seine klugen Transfers, taktischen Umstellungen und ganzheitliche Modernisierung des Clubs führten die Gunners ab 1997 in die Spitze der Premier League – und damit dann auch in die Champions League. Mit dem Bau eines komplett neuen Stadions im Norden Londons, des insgesamt ca. 550 Millionen Euro teuren Emirates Stadium, beschritt der Club mit Wenger dann ab Mitte des vorigen Jahrzehnts eine Art „Steine statt Beine“-Politik. Man investierte (auch um die Kredite für den Neubau bedienen zu können) nicht mehr so viel in die Mannschaft, dass man wirklich um Titel hätte mitspielen können, sondern nur so viel, dass man jedes Jahr in die Champions League kommen konnte. Seit das Stadion steht, gewann Arsenal keinen einzigen Wettbewerb mehr – wird aber von Forbes als viertwertvollste Marke im Weltfußball geführt, noch vor Bayern München.

Wie man durch die Champions League Geld verdient

Dass die hier beschriebenen Verhältnisse in der Bundesliga über Nacht vom Himmel gefallen wären, kann man wie oben schon angesprochen nicht behaupten. Aber der Kollaps des Kirch-Imperiums Anfang des Jahrtausends und die dadurch entstandenen jahrelangen Wettbewerbsnachteile deutscher Clubs im europäischen Wettbewerb verhinderten für fast ein Jahrzehnt, dass Bundesliga-Clubs in Europa ganz oben mitspielten. Der FC Bayern ist jedoch seit der Ära Louis van Gaals wieder mehr oder minder auf Augenhöhe mit den Besten und erreichte drei der letzten vier Finals der Champions League. Das ist (neben guter Leistungen auf dem Rasen und im Management) auch den gigantischen Einnahmen zu verdanken, die die Münchner jedes Jahr durch ihre (bis auf 2007/08) jährlich garantierten CL-Teilnahmen erhalten.

Neben den großzügigen Preisgeldern der UEFA (acht Millionen Euro Antrittsgeld für den Wettbewerb, eine Million für jeden Sieg, 500.000 Euro für jedes Unentschieden, insgesamt bis zu 35 Millionen für den Sieger) ist es vor allem das Geld aus dem sogenannten „Market Pool“, das den Münchnern jedes Jahr große Summen in die Kassen spült. Dieser Anteil der Einnahmen richtet sich nach mehreren Faktoren: Die Gesamtgröße des an Bundesligisten ausgeschütteten Geldes bemisst sich an der Größe des deutschen Fernsehmarktes, des größten und lukrativsten in Europa. Bundesliga-Clubs erhalten in der Champions League insgesamt so schon einmal mehr Geld als Vertreter anderer Verbände. Innerhalb der deutschen Teilnehmer wird das Geld wiederum nach einem Schlüssel verteilt, der sich vor allem anhand der Platzierung in der Bundesliga des Vorjahres und dem Erfolg in der aktuellen Champions League-Saison berechnet. Der Meister bekommt mehr Geld als der Vizemeister, weshalb Borussia Dortmund in der Saison 2012/13 mehr TV-Einnahmen hatte als Bayern. Das ist neu für die Münchner, die bisher immer darauf zählen konnten, dass sie international deutlich weiter kamen als die nationale Konkurrenz. Genau dieser relative Erfolg im Vergleich zu den anderen Bundesligisten erhöht nämlich den Anteil für den erfolgreichsten Club immens.

Das Auftauchen eines zweiten deutschen Clubs in der europäischen Spitze ist also etwas, das Bayern nicht gefallen kann, ökonomisch gesehen. Die manchmal von Bayern-Anhängern geäußerte Anmaßung, „der deutsche Fußball“ solle „dankbar sein“, dass der FCB ihn so gut international „vertrete“, müsste man eigentlich auf den Kopf stellen. Der FC Bayern musste bisher sehr dankbar sein, dass er als einziger Bundesligist konkurrenzfähig war in der Champions League. Die aggressive Personal- und Investitionspolitik der letzten beiden Jahre ist so weniger psychologisch zu erklären („sie wurden durch den Erfolg des BVB angespornt“), sondern hat handfeste materielle Interessen zur Grundlage. Es kostet den FC Bayern viel Geld, wenn ein anderer Club auf Augenhöhe oder auch nur auf Brusthöhe mit ihnen ankommt. Genau das sind dann wohl auch die „spanischen Verhältnisse“, die Uli Hoeneß Sorgen machten.

Wer hat, dem wird gegeben

Lösen wir uns etwas von der Interessenlage des FC Bayern, dann kann man sich fragen, wieso eigentlich die große Masse der Fußballfans in Europa (und der Welt) ein Verteilungsmodell akzeptiert, wie es im europäischen Profifußball praktiziert wird. Denn nicht nur auf UEFA-Ebene, auch in den großen Ligen selbst, wie der Premier League und der Bundesliga, werden Prämien und TV-Gelder nach Erfolgsschlüsseln ausgeschüttet. Immer gilt: Je mehr Erfolg ein Club hat, desto mehr Geld bekommt er von den Verbänden. Das mag auf den ersten Blick nach „Leistungsgerechtigkeit“ klingen. Aber eine Saison geht ja nicht bei null los, auch wenn die Tabelle vor dem ersten Spieltag das suggerieren mag. Bayern München gibt für Spielergehälter mehr als doppelt so viel Geld aus wie Borussia Dortmund, Manchester City mehr als doppelt so viel wie Tottenham Hotspur. Wenn dieses Geld nicht von inkompetenten Stümpern für überteuerte Verträge verschleudert wird, dann ist es angesichts solcher Verhältnisse extrem unwahrscheinlich, dass die jeweils weniger ausgebenden Clubs über eine ganze Saison hinweg mehr Punkte sammeln können. Und das gleiche gilt nach unten hin natürlich genau so, wenn man Dortmund und Hannover 96 vergleicht oder Tottenham und Stoke City.

Diese extrem ungleichen Voraussetzungen führen neben dem sportlichen Erfolg auch zu größerer Präsenz in den Medien, größerer Attraktivität bei Sponsoren und so fort, sprich: zu noch größeren Einnahmen. Und zu all dem schütten die Bundesliga, die Premier League und die UEFA ihr Geld auch noch in größerem Maße an die ohnehin schon reicheren und erfolgreicheren Clubs aus. In der Bundesliga führt das von der DFL selbst und von den Bayern so gerühmte „solidarische Modell“ der Verteilung der TV-Gelder dazu, dass Bayern München etwa in der Saison 2011/12 doppelt so viel Geld aus den Fernsehverträgen der Liga erhielt wie der FC Augsburg. Der Schlüssel zur Berechnung dieser Distribution basiert auf den jeweils letzten vier Jahren, verhindert also auch noch, dass einzelne schwächere Jahre großen Einnahmeverlust bedeuten, oder dass Emporkömmlinge ihren Erfolg sofort zu Geld machen können. „Solidarisch“ ist daran nur, dass Bayern bei völlig eigener Vermarktung seiner Fernsehrechte natürlich noch einen viel größeren Anteil erzielen könnte.

Es verstärkt aber, und das ist einerseits banal und offensichtlich, andererseits aus irgendwelchen Gründen weithin hingenommen, die Wettbewerbsvorteile großer Clubs von Jahr zu Jahr immer mehr. Solche Vorteile bestanden im Profisport grundsätzlich immer – ein Team aus einer großen Stadt hat etwa mehr Einnahmemöglichkeiten als ein Dorfclub. Aber die Explosion der kommerziellen Dimension des europäischen Fußballs ist einhergegangen mit einer Potenzierung dieser Dynamik – und einer Festschreibung des Status Quo. Die neun umsatzstärksten Clubs der Welt in der Saison 2001/02 gehören nach den aktuellsten Zahlen der Unternehmensberatung Deloitte heute alle immer noch zu den Top Ten.

Über die Verteilung der Einnahmen wird etwas erreicht, das seit Mitte der 1990er Jahre immer mal wieder Gerüchte produzierte: eine europäische Superliga der Topclubs ohne Auf- und Abstieg „nach amerikanischem Vorbild“. Europas große Clubs, wie sie etwa in der inzwischen aufgelösten Interessengemeinschaft G14 organisiert waren, haben inzwischen in Kooperation mit der UEFA einen besseren Weg gefunden, ihre Stellung zu konsolidieren und die Konkurrenz auf Distanz zu halten, wie ich gezeigt zu haben hoffe. Warum aber akzeptiert ein großer Anteil von Europas Fußballfans eine so ungerechte Wettbewerbssituation?

Das amerikanische Modell – Chancengerechtigkeit unter Kartell-Bedingungen

Der Blick in die USA und die dortige Organisation des Profisports zeigt, dass es zumindest in Sachen Gerechtigkeit dort wesentlich fairer zugeht. Das mag auch an einer anderen Sportkultur liegen, in der Chancengleichheit höher angesehen ist als in Europa (oder speziell in Deutschland, wo eines der erfolgreichsten Sportvermarktungsphänomene die Klitschko-Brüder im Boxen sind, obwohl bei jedem Kampfabend von vornherein klar ist, wer gewinnen wird; ähnlich wie im alten Rom, wo es zwischen Christen und Löwen auch selten Außenseitersiege gab). In den amerikanischen Profiligen NFL, NBA und NHL jedenfalls haben natürlich auch Teams aus den großen Städten und Ballungsräumen klare Vorteile gegenüber Provinzteams. Zudem ist den Lizenznehmern in diesen Ligen auf kartellähnliche Weise Exklusivität in ihren lokalen Märkten garantiert (die Bears wissen, dass es niemals gegen ihren Willen ein anderes NFL-Team in Chicago geben wird). Diese Exklusivität müssen sich europäische Fußballclubs eben mit anderen Mitteln sichern.

Innerhalb der jeweiligen amerikanischen Ligen aber sorgt man mit großem Aufwand dafür, die Leistungsunterschiede von Jahr zu Jahr zu nivellieren, statt sie zu verstärken. Das geschieht über Spielplangestaltung (erfolgreichere Teams haben in der NFL in der kommenden Saison schwerere Gegner), vor allem aber über die Allokation der sogenannten Draft Picks. Die erfolglosesten Teams einer Saison haben vor der nächsten Spielzeit ersten Zugriff auf die neu in die Liga strömenden Talente, die erfolgreichsten müssen bis zum Ende warten, bevor sie sich verstärken können. Auch gibt es Salary Caps, die die Gehaltsausgaben aller Teams einer Liga unter einer bestimmten Grenze halten. Der Erfolg dieser Maßnahmen besteht zumindest in der NFL, aber auch in der NBA darin, dass es selten über Jahrzehnte hinweg dominierende Dynastien einzelner Clubs gibt. Solche Dominanzphasen kommen vor, können aber mit dem Abgang bestimmter Stars oder Trainer auch schnell ihr Ende finden. Genau so funktionierte übrigens auch der englische Fußball bis in die 1980er Jahre hinein – wenn Trainerlegenden wie Matt Busby abtraten, waren Erfolgsären schnell vorbei.

Klar ist, dass die in den USA angewandten Modelle in den verschiedenen europäischen Fußballligen nicht so einfach kopiert werden können. Durch Auf- und Abstieg ändert sich die Zusammensetzung der einzelnen Ligen von Jahr zu Jahr, der Spielermarkt ist viel offener als in den USA mit ihrer College-Struktur als Unterbau und da gerade die großen Clubs im europäischen Wettbewerb stehen, müssten etwaige Salary Caps auf kontinentaler Ebene festgelegt werden – was dann entweder die wohlhabenderen Teams benachteiligt oder für die ärmeren belanglos wäre, oder beides. Dass die US-Modelle so nicht übertragbar sind, stimmt also zweifelsohne, doch das müsste ja nicht heißen, dass man nicht andere Ansätze verfolgt.

Das Financial Fair Play – Perfekte Ablenkung von den Gerechtigkeitsproblemen des europäischen Fußballs

Aber gibt es nicht einen solchen Ansatz schon – das „Financial Fair Play“? Ja, aber das FFP ist einer der perfidesten Wahlkampfschlager der Politikgeschichte und gerade kein Instrument gegen Chancenungleichheit.

Was ist das Financial Fair Play? Diese neuen Lizenzierungsbestimmungen der UEFA, die ab der aktuellen Saison greifen, messen die Ausgaben eines jeden Clubs, der in einem der vom Verband veranstalteten Europacupwettbewerbe spielen will, also in der Champions League und der Europa League, an den jeweiligen Einnahmen. Der Beurteilungszeitraum betrifft jeweils die zwei Jahre zuvor. In diesen darf der Club zunächst nicht mehr als €45 Millionen mehr für Gehälter und Transfersummen ausgeben, als er eingenommen hat. Das soll auf den ersten Blick verhindern, dass Investoren viel Geld in einzelne Clubs stecken, diese damit von ihren Zuwendungen abhängig machen und ein Rückzug des Geldgebers den ganzen Club in den Abgrund reißt. Die tolerierte Differenz soll ab 2015 auf €30 Millionen sinken. Wichtig ist, dass vermeintlich nachhaltige Ausgaben für Stadien, Infrastruktur und Jugendarbeit erlaubt sind und nicht gegen die Einnahmen verrechnet werden.

Auf den ersten Blick eine sinnvolle Maßnahme, die spektakuläre Clubinsolvenzen verhindern könnte, wie die von Leeds United, das nach 2001 aus dem Halbfinale der Champions League innerhalb von sechs Jahren bis in die dritte Liga und in die Pleite abstürzte. Die öffentliche Wahrnehmung scheint sich aber zumal in Deutschland fast ausschließlich darauf zu konzentrieren, dass man „Scheichs“ (so die inzwischen etablierte Bezeichnung für Investoren aus Nahost oder Osteuropa, die Geld in westeuropäische Clubs stecken) daran hindern müsse, Paris Saint-Germain, Manchester City oder die AS Monaco zu unterstützen. Die einzige Kritik am Financial Fair Play-Konzept, die zu lesen ist, betrifft die Befürchtung, es werde „nicht konsequent genug umgesetzt“. Nur sehr vereinzelt wurde thematisiert, welch wettbewerbsfeindlicher Nebeneffekt dem Konzept der UEFA innewohnt. Dabei ist es offensichtlich, und wurde von Beginn an etwa in englischen Medien kritisiert, dass die neuen Regularien den Status Quo in Europa mehr oder minder zementieren.

Chelsea etwa hat sich mit seinen riesigen Ausgaben, bevor das FFP griff, in die Elite gekauft, wie wir oben gezeigt haben. Manchester City versucht das kurz vor Toreschluss auch noch. Das muss man nicht für „gut für den Fußball“ halten. Es ist aber in Zukunft für Clubs in den europäischen Topligen, die nicht ohnehin jedes Jahr in der Champions League spielen, fast unmöglich, die Platzhirsche zu verdrängen. Selbst, wenn sich Geldgeber fänden, die etwa Everton oder den 1. FC Nürnberg ganz nach oben bringen wollten, so dürften sie in Zukunft nur so viel Geld investieren, dass sie auf die Champions League-Teilnahme wenige Chancen hätten.

Die Abschottung der Topclubs gegen Konkurrenz wird übrigens in Deutschland nicht zuletzt auch durch die vielgelobte „50+1-Regel“ gewährleistet, die es Investoren verbietet, die Mehrheit an Bundesligaclubs und Zweitligisten zu übernehmen. Werksclubs wie Bayer Leverkusen und der von Volkswagen unterstützte VfL Wolfsburg, die „aus historischen Gründen“ nicht von der 50+1-Regel betroffen sind, können bis zu einem gewissen Grad auch ohne vergleichbare Zuschauer- und Marketingeinnahmen zumindest in die Nähe von Bayern, Dortmund und Schalke kommen. Sie verdrängen können aber selbst diese Konzerne kaum.

Sowohl für die 50+1-Regel wie auch für das FFP-System gibt es gute Argumente. Bestimmte Auswüchse des modernen Profifußballs werden so verhindert oder eingeschränkt. Mit „Fair Play“ im Sinne des sportlichen Wettbewerbs bei gleichen Bedingungen haben die neuen Regularien aber nicht das Geringste zu tun. Praktisch ist es da für Clubs wie Bayern München (dessen Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge nicht zufällig einer der größten Unterstützer des Financial Fair Play ist), dass es eine flächendeckende Sündenbock-Diskussion gibt, in der das einzige Problem des Profifußballs „neureiche“ Clubs wie Paris Saint-Germain oder Manchester City zu sein scheinen. Die Reduzierung auf die Neureichen gewährleistet, dass man den Alten Adel unbehelligt weiter jedes Jahr seine Pfründe einfahren lässt. Und wo wir schon einmal in revolutionären Sprachbildern wandeln: Marxistisch gesprochen, werden Clubs, die in einer Art ursprünglichen Akkumulation eine bestimmte Kapitalbasis gelegt und sich Marktdominanz erobert haben, durch die neuen Regularien auf Dauer vor Wettbewerb geschützt.

Eine echte Europaliga ohne Auf- und Abstieg wäre für die meisten Fans ein Graus. Sie wäre aber ehrlicher als das jetzige System, das Wettbewerb und Chancengleichheit nur simuliert und parallel alles dafür tut, genau das zu eliminieren. Das soll von meiner Seite aus kein Plädoyer für eine solche Liga sein. Wie sich die aktuelle Entwicklung umkehren oder auch nur bremsen lässt, weiß ich nicht mit Gewissheit zu sagen. Ich bin auch gar kein Gegner des Profifußballs, mitnichten. Leistung kann sich gerne lohnen, um es mit Rainer Brüderle zu sagen.

Ich wäre aber fürs Erste schon zufrieden, wenn die Debatten um Gerechtigkeit und Fairness im Fußball mal etwas offener und selbstkritischer geführt würden, und man sich fragen würde, wer warum vor welchen Verhältnissen warnt. Anders gesagt: Die Interessen des Uli Hoeneß können nicht die Interessen des FC St. Pauli-Fans sein. „Retter“-T-Shirts hin oder her. Bayern München ist ein größeres Problem für Gerechtigkeit im europäischen Fußball als Paris Saint-Germain.

Da hilft auch kein Zaubertrank

Der FC Bayern hat das erste Pflichtspiel der Saison verloren. Den Supercup gab der Treble-Sieger mit einem 2:4 gegen Borussia Dortmund aus den Händen. Die Signalwirkung an den Rest der Bundesliga war den Schwarz-Gelben dabei fast wichtiger als die Erweiterung des Briefkopfes: Die übermächtigen Bayern sind schlagbar.

Das ändert jedoch nichts an der in Stein gemeißelten Favoritenstellung der Münchner. Während ich meine Zweifel an einer internationalen Ära der Bayern bereits formuliert habe, kann es in der Bundesliga nur einen Meister geben.

Jens Lehmann sieht das anders. In einer unvergleichlichen „Experten“-Argumentation schreibt Lehmann BVB-Coach Jürgen Klopp den Vorteil zu, genau zu wissen „wie er mit einer Winterpause und zwei Saisonhälften umzugehen hat, um zu versuchen, seine Mannschaft fitter zu haben als die der Bayern.“ Und Bayerns neuer Trainer Pep Guardiola müsse erst die Erfahrung machen, „eine Mannschaft mit zwei Vorbereitungen in einer Saison zu trainieren.“

Wenn das Dortmunds Trumpfkarte sein soll, steht einer spannenden Saison ja nichts im Wege. Unerschütterlich wie ich bin, gehe ich direkt hinter Lehmann auf das dünne Eis, suche nach möglichen Schwächen in der Bayern-Welt und stelle fest, dass man nur in hypothetischen Bereichen fündig werden kann.

Zwei Neuzugänge mit Startelf-Ansprüchen

Als Guardiola zum Abschluss des Trainingslagers in Italien ganz offen die Verpflichtung von Thiago Alcantara einforderte, war das zunächst mal ein ungewöhnlicher Schritt. Das Interesse an oder der offen formulierte Wunsch nach einem Spieler ist in der Fußball-Branche unüblich, treiben solche Aussagen doch eher die Preise in die Höhe. Guardiola war sich seiner Sache aber sicher, immerhin stand Thiago schon wenige Tage später in Bayerns Kaderliste. Und er stellte unmissverständlich klar, wer das sportliche Sagen hat.

Thiago kostete die Bayern eine Ablöse von 25 Millionen Euro, unabhängig von der Summe muss der spanische Brasilianer nur selten mit der Verbannung auf die Ersatzbank rechnen. Dafür lehnte sich Guardiola zu weit aus dem Fenster: „Er kann verschiedene Positionen spielen. Er ist sehr gut vom Kopf her, gut im Eins-gegen-eins, kann auf der Sechs, Acht, der Sieben oder Elf spielen.“ Diese Flexibilität macht für den neuen Trainer einen modernen Mittelfeldspieler aus.

Beim zweiten teuren Neuzugang, Mario Götze, gibt es eine andere Geschichte: Guardiola soll sich im Frühjahr für die Verpflichtung von Neymar stark gemacht haben. Der Aufsichtsratsvorsitzende Uli Hoeneß habe allerdings mit der schlechten Erfahrung bei Transfers von Südamerikanern ohne Europa-Erfahrung argumentiert und eben Götze als Ersatz angepriesen. Guradiola soll nachgegeben haben und so wurde Götze unter extremer öffentlicher Begleitung für 37 Millionen Euro von Borussia Dortmund losgeeist. Böse Zungen behaupten seitdem, die Schwächung des Rivalen habe über der Kaderplanung des Trainers gestanden.

Nun fällt es zum jetzigen Zeitpunkt schwer, die Beziehung zwischen Guardiola und Götze zu bewerten. Der 21-Jährige startete verletzt in die Vorbereitung, stieg erst vor wenigen Tagen ins Mannschaftstraining ein und konnte noch in keinem Testspiel auflaufen. In Guardiolas System wird Götze am ehesten ein Platz in der Spitze als falsche Neun zugetraut, der Schlüssel zum Stammplatz wird dann in der Verbesserung seiner Chancenverwertung liegen. In Dortmund ließ er in der vergangenen Saison noch zu viele Großchancen ungenutzt verstreichen.

Beim Thema Stammplätze wird sich in den kommenden Monaten zeigen, wie eng der Kontakt zwischen Sportvorstand Matthias Sammer und Guardiola ist. Sammer hatte das Ende der klassischen Stammelf angekündigt und Guardiola somit ständige Rotation ins Hausaufgabenheft geschrieben. Bei derzeit noch zehn hochkarätigen Spielern für fünf Mittelfeld-Plätze ein nachvollziehbarer Ansatz, beim FC Barcelona war Guardiola jedoch nicht für wöchentliche Rotation bekannt.

Die restlichen Transferaktivitäten nehmen wenig Einfluss auf die Bayern-Elf der kommenden Saison. Jan Kirchhoff (Mainz/ablösefrei) wird mit Glück zu Kurzeinsätzen kommen, Rückkehrer Mitchell Weiser (Kaiserslautern) wird nicht mal diese bekommen. Den Club verlassen haben mit Mario Gomez (AC Florenz), Anatoliy Timoshchuk (Zenit St. Petersburg) und Emre Can (Bayer Leverkusen) drei Akteure, die unter Guardiola nur um dritten Glied gestanden hätten. Möglich ist zudem noch der Verkauf von Luiz Gustavo, der von Brasiliens Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari bereits Signale erhalten hat, auch bei einem Wechsel seinen Stammplatz in der Selecao behalten zu können.

Guardiola ruht sich nicht auf Heynckes‘ Erfolgen aus

Guardiola hätte es sich leicht machen und das von Jupp Heynckes perfektionierte System übernehmen können. Ein anerkannter Erfolgstrainer will aber eigene Schwerpunkte setzen. Mit dem ersten Tag der Vorbereitung arbeitete Guardiola an seiner eigenen Bayern-Taktik. In der Grundordnung soll es ein 4-1-4-1 sein, wodurch das Pressing variiert wird und der alleinige Sechser in der Defensive größere Verantwortung trägt. Die Laufwege im Mittelfeld haben sich verändert, da Guardiola kurzen Pässen eine größere Bedeutung beimisst als langen Seitenwechseln oder Steilpässen in die Spitze. Deshalb muss der Stürmer flexibler agieren, insgesamt wird Dominanz und Ballbesitz wieder eine größere Rolle spielen.

Die Anforderungen an die Spieler sind damit sehr hoch und es kann in der Anfangsphase zu Abstimmungsproblemen kommen. In der Bundesliga wird es trotzdem nur selten zu Problemen kommen. Das wird zum Auftakt auch Mönchengladbach zu spüren bekommen, wenn mit Manuel Neuer im Tor, Philipp Lahm, Dante, Javi Martínez und David Alaba in der Viererkette, Bastian Schweinsteiger auf der Sechs, Arjen Robben, Thiago, Toni Kroos und Franck Ribéry in der Offensive sowie Thomas Müller im Angriff die derzeit stärkste Startelf auflaufen wird.

Die Stärke des Kaders wird einem erst bewusst, wenn man Guardiolas Möglichkeiten in der zweiten Reihe benennt. Wer ernsthaft ein Haar in der Suppe finden will, muss bei den Torhütern und den Außenverteidigern suchen. Tom Starke, Diego Contento und Rafinha gehören nicht in die Internationale Klasse, aber Neuer ist selten verletzt und der BVB leistet sich sogar den zweifelhaften Luxus, mit nur einem Außenverteidiger in die Saison zu gehen.

Der restliche Kader kann, außer vielleicht von Jens Lehmann, nicht ernsthaft kritisiert werden. In der Innenverteidigung gibt es mit Jerome Boateng, Daniel van Buyten und Jan Kirchhoff drei Stellvertreter. Schweinsteiger kann durch Martínez und Thiago ersetzt werden. Im offensiven Mittelfeld stehen mit Götze, Müller, Schweinsteiger, Shaqiri, Mandzukic und Pizarro sechs Hochkaräter parat. Bleibt der Sturm, hier wollen Götze, Mandzukic und Pizarro hinter Müller beachtet werden. Ich sehe eine Mannschaft mit außergewöhnlichen Fähigkeiten.

Spekulative Schwachstellen

Ein erneuter Alleingang der Bayern wäre für das Produkt Bundesliga nicht wünschenswert, deshalb werden fleißig Anhaltspunkte gesucht, womit die Ehe Bayern-Guardiola ins Straucheln geraten könnte. Die zu hohen taktischen Anforderungen werden da genannt. Oder unzufriedene Spieler würden, anders als unter Heynckes, Konflikte schüren. Guardiola müsse mit der schwierigen Medienlandschaft umgehen lernen. Und zuletzt müsse man nur abwarten, bis die personifizierten Bayern Hoeneß, Rummenigge und Beckenbauer Kritikpunkte fänden und sie laut aussprächen.

Ich halte das alles für sehr konstruiert. Wer kann es Guardiola verdenken, eigene Ideen in die Zusammensetzung der Mannschaft einzubringen? Die Vorbereitung offenbarte einige Abstimmungsprobleme, durch die individuelle Qualität der Mannschaft erreichten die Bayern trotzdem zwölf Siege in 13 Partien. Vergleiche mit Jürgen Klinsmann, der zu viel wollte und früh mit Hoeneß aneinander geriet, sind ebenfalls unzulässig. Guardiolas Vertrauensvorschuss ist wesentlich größer, in allen Bereichen.

Am ehesten kann ich in der Schar der Stars ohne Stammplatz Konfliktpotential erkennen, auch wenn Mandzukics verärgerter Torjubel gegen Sao Paulo nicht überbewertet werden sollte. Woche für Woche werden Spieler, die in anderen Clubs immer spielen würden, nicht mal im Kader stehen. Guardiola hat sich bisher jedoch als sehr kommunikativ gegenüber seinen Profis gezeigt und in Barcelona hatte er ähnliche Probleme zu lösen. Ich kann derzeit keine Rückkehr des FC Hollywood erkennen.

Was will der Verein erreichen?

Dass die Bayern schon vom Selbstverständnis her immer die deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal gewinnen wollen, ist keine Neuigkeit. Sammer hat die Zielsetzung des Vereins nun konkretisiert und dabei alle Bescheidenheit außen vor gelassen. „Wir wollen wieder das Triple in Angriff nehmen“, sagte Sammer in einem Interview mit der Sport-Bild. „Wir wollen schaffen, was noch niemand in Europa geschafft hat: die Champions League erfolgreich verteidigen. Dazu den europäischen Supercup und die Club-WM.“ Die Bayern peilen fünf Titel an, Guardiola soll seine Erfolgsstory aus Barcelona wiederholen.

Prognose

Sammer ist ein Anhänger der Leistungsgesellschaft. Er will das Maximum und sich dafür nicht verstecken. Das ist ok, aber auch gefährlich. Denn in der Champions League kann sehr viel passieren. Die Konkurrenten Manchester City, Manchester United, Real Madrid, FC Barcelona und FC Chelsea gehen allesamt mit neuen Trainern und teilweise erheblich verstärkten Kadern in die Saison – die Voraussetzungen ähneln sich. In der Bundesliga ist das anders. Der FC Bayern wird deutscher Meister, trotz Winterpause.

Die Europarangliste: Ausgabe April

Im Halbfinale der Champions League stehen mit dem FC Bayern und Borussia Dortmund zwei deutsche Teams, die sich mit den spanischen Topclubs FC Barcelona und Real Madrid messen dürfen. Die vermeintlich stärkste Liga der Welt, die Premier League, ist dagegen schon seit dem Viertelfinale zum Zuschauen verdammt. Momentaufnahme oder Trend?

Die zweite Europarangliste von Gegen den Ball beantwortet diese Frage mit der erneuten Aufnahme von sechs Clubs aus England. Wir erkennen aber auch taktische Mängel, die es in den kommenden Monaten und Jahren aufzuholen gilt.

Wer die erste Europarangliste im März verpasst haben sollte, dem sei das Bewertungssystem zur Ermittlung der aktuell besten 20 Teams in Europa noch mal näher gebracht. Die sportliche Klasse der Clubs steht dabei immer im Vordergrund:

1) Die Qualität des Kaders
Wie stark sind die einzelnen Positionen besetzt und wie gut sind die Mannschaftsteile aufeinander abgestimmt?
2) Das Abschneiden in der heimischen Liga
Dabei ist die Stärke der jeweiligen Liga ein wichtiger Faktor. Premier League, Primera División, Bundesliga und Serie A haben einen qualitativen Vorteil, mit Abstrichen folgt Frankreich. Wer in den anderen europäischen Ligen um den Titel mitspielt, muss parallel auch international Erfolge feiern.
3) Das Abschneiden im europäischen Wettbewerb
Das Abschneiden in der Champions League und damit die Quervergleiche zu anderen Ligen sind sehr wichtige Faktoren. Auch das Abschneiden in der Europa League ist relevant, aber nicht ganz so entscheidend.
4) Der Trainer
Ein guter Trainer kann den Unterschied machen, wenn es darum geht, welches von zwei gleich stark besetzten Teams sich durchsetzen würde.
5) Die Form
Da dieses Ranking monatlich erscheint, spielt die Form – hier zählen alle relevanten Wettbewerbe – eine gewichtige Rolle. Doch auch hier gibt es Unterschiede, Erfolge in Spitzenspielen haben mehr Gewicht als der fünfte Sieg in Serie gegen Abstiegskandidaten.

Bleibt noch eine kurze Bewertung der Clubs, die auf den weiteren Plätzen folgen und die Top 20 knapp verfehlt haben. Da wäre der FC Liverpool, der im März noch auf Platz 20 stand, seitdem aber viele Punkte gegen unterklassige Clubs liegen ließ und dabei eine ungesunde Abhängigkeit von Torjäger Luis Suárez offenbarte. Auch Bayer Leverkusen konnte in vier Spielen nur einen Sieg feiern, ein Dreier gegen den FC Schalke hätte für ein Umdenken sorgen können. Unser Geheimfavorit AC Florenz ist ebenfalls knapp gescheitert, die Fiorentina könnte mit einem Sprung auf Rang drei in der Serie A aber in der nächsten Ausgabe dabei sein. Deutlicher wurde der Daumen dagegen bei Olympique Marseille gesenkt, OM profitierte beim Sprung auf Rang zwei von der Schwäche Lyons. Genug aussortiert, hier kommen die besten Clubs Europas:

Platz 20 (neu): FC Everton

Pflichtspiel-Bilanz: 18–15-7
Premier League: 6. Platz
Europa: nicht vertreten

Im letzten Monat war es noch das Team vom FC Liverpool, das den 20. Platz für sich behaupten konnte. Dass nun ausgerechnet Lokalrivale Everton im imaginären Merseyside Derby um Platz 20 der Europarangliste den Vorzug erhielt, erklärt sich leichter als es sich für einen echten Fan der beiden Clubs ertragen lässt. Während Liverpool nach einer Niederlage gegen Southampton und zwei Remis gegen West Ham und Reading fünf Punkte Rückstand auf Platz sechs aufweist, und somit aus unserer Top 20 flog, verlor Everton keines der letzten sechs Liga-Spiele. Das Team von Trainer David Moyes, der als Keller-Nachfolger auf Schalke gehandelt wird, erreichte zudem sowohl bei den Spurs als auch bei Arsenal ein Remis. Und dann wäre da noch der 2:0-Sieg gegen Manchester City Mitte März, der Moyes einmal mehr viel Anerkennung brachte. Der dreimalige Manager of the Year (2003, 2005 und 2009) der League Managers Association schafft es immer wieder, mit geringem Budget im Konzert der Großen mitzumischen. Das gelingt ihm durch eine physisch starke, defensive Spielweise. Er lässt oft in einem sehr kompakten 4-5-1 agieren, das es dem Gegner nicht leicht macht. 14 Remis (Ligahöchstwert zusammen mit Norwich) geben einen Eindruck, wie schwer das Team von David Moyes zu schlagen ist. Für Liverpool bleibt der schwache Trost, dass das wichtigste Duell des Jahres nicht das gegen den Stadtrivalen, sondern das gegen den Nachbarn in 50 Kilometern Entfernung ist und im Duell der Rekordmeister gegen Manchester United sind sie längst abgehängt.

Platz 19 (18): FC Schalke

Pflichtspiel-Bilanz: 18-11-11
Bundesliga: 4. Platz
Europa: Aus im CL-Achtelfinale

Die Knappen behaupten sich als dritter Bundesliga-Club in der europäischen Top 20, die Argumente werden jedoch weniger. Nach dem auch fußballerisch starken 2:1-Sieg gegen den BVB folgten eine Pleite in Nürnberg und jeweils extrem schwache erste Halbzeiten gegen Hoffenheim, Bremen und Leverkusen. Mit sieben Zählern stimmte dort immerhin die Bilanz. Der erneute Einzug in die Champions League winkt – trotz des drittstärksten Kaders der Liga – vor allem dank der Inkonstanz der Konkurrenz. In der Trainerfrage beweisen die Schalker wie schon seit Jahren eines: Unentschlossenheit. Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies sagte zunächst in einem Interview, der Trainer für die kommende Saison stehe bereits fest, um einen Tag später das Gegenteil zu behaupten. Bei allem Lob der Verantwortlichen, für Jens Keller spricht das jedenfalls nicht.

Platz 18 (15): FC Porto

Pflichtspiel-Bilanz: 26-7-3
Liga Sagres: 2. Platz
Europa: Aus im CL-Achtelfinale

Seit Jahren schaffen es die Drachen trotz eines riesigen Aderlasses im Kader, die Meisterschaft in Portugal zu dominieren (acht Titel in den letzten zehn Jahren) und in der Champions League eine achtbare Rolle zu spielen. In dieser Saison scheint die Dominanz in der heimischen Liga gebrochen, was aber in erster Linie an Rekordmeister Benfica liegt. Beide Teams sind noch ungeschlagen, Porto liegt mit zwei Remis mehr vier Zähler dahinter. Am vorletzten Spieltag empfängt Porto den Rivalen, die Wende ist somit noch möglich. Im Sommer könnte es dann den nächsten Umbau im Kader geben, Joao Moutinho und Jackson Martinez werden von vielen Topclubs umworben.

Platz 17 (16): Galatasaray

Pflichtspiel-Bilanz: 23-10-8
Süper Lig: 1. Platz
Europa: Aus im CL-Viertelfinale

Seit der letzten Europarangliste hat der türkische Tabellenführer eine starke Bilanz vorzuweisen, fünf Siegen steht nur die Hinspiel-Niederlage gegen Real Madrid gegenüber. Trainer Fatih Terim ließ gegen Real in beiden Spielen mutig stürmen, was ihm Sympathien einbrachte, einem noch besseren Ergebnis letztlich aber im Wege stand. Wobei Sympathien Terim sonst völlig egal sind, in der türkischen Liga muss der Imperator wegen Schiedsrichter-Beleidigung aktuell eine Neun-Spiele-Sperre absitzen. „Wir werden Meister, auch wenn ich die Mannschaft vom Mond anleiten muss“, sagte der Gala-Coach nach der Urteilsverkündung. Dafür muss Verfolger Fenerbahce (vier Zähler Rückstand) auf Distanz gehalten werden, am vorletzten Spieltag kommt es zum Showdown in der Süper Lig.

Platz 16 (19): SSC Neapel

Der blaue Brief, den wir Trainer Walter Mazzarri vor einem Monat zustellten, zeigte Wirkung. Schrieben wir doch am 15. März, „Napoli wird die Form wieder finden müssen, um auch im April dazuzugehören“. Das schaffte das Team von Mazzarri eindrucksvoll. Drei Siege und ein Remis lautet die Bilanz der letzten vier Wochen. Damit sichert sich Napoli mit vier Punkten Vorsprung den zweiten Tabellenplatz. Beim direkten Konkurrenten um die direkte CL-Qualifikation, der AC Mailand, erreichte Napoli zuletzt ein 1:1. Die starke Defensive um Paolo Cannavaro, Hugo Campagnaro und den defensiven Mittelfeldspieler Valon Behrami ist weiterhin das Prunkstück der im 3-4-1-2-System spielenden Partenopei. In der Offensive ist man allerdings weiterhin zu abhängig von Edinson Cavani (22 Saisontore).

Platz 15 (17): Benfica Lissabon

Pflichtspiel-Bilanz: 32-8-2
Liga Sagres: 1. Platz
Europa: EL-Halbfinale

Nach Jahren der finanziellen Schwierigkeiten und der sportlichen Unterlegenheit gegenüber dem FC Porto könnte 2013 das Jahr von Benfica werden. Dem zweifachen Europapokalsieger der Landesmeister (1961 und 1962) winkt das Treble. In der portugiesischen Liga gilt es, vier Zähler Vorsprung zu verwalten, im Pokal steht Benfica bereits im Finale und in der Europa League ist die Favoritenrolle gegen Fenerbahce auch klar verteilt. Der Erfolg lässt die Scouts jedoch häufiger im Estadio da Luz auftauchen, es ranken sich viele Transfergerüchte um Innenverteidiger Ezequiel Garay, Nicolas Gaitan oder die Stürmer Eduardo Salvio, Rodrigo oder Ola John.

Platz 14 (11): Tottenham Hotspur

Pflichtspiel-Bilanz: 23-13-12
Premier League: 5. Platz
Europa: Aus im EL-Viertelfinale

David Bowies „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars“ gilt vielen Musikfans in Großbritannien als das maßgebliche Album der 1970er Jahre. Es erzählt die Geschichte eines Rockstars, der die Botschaft von Liebe und Frieden in die Welt bringen will, aber letztlich an sich selbst scheitert. Die Spurs sehen sich vielleicht selbst auch schon als Star der Premier League, doch in den letzten vier Wochen holten sie nur einen Sieg aus fünf Spielen und schieden gegen Basel aus der Europa League aus. An sich selbst gescheitert, möchte man die Analogie zu Ende schreiben, doch die Geschichte einer eigentlich so erfolgreich anmutenden Saison muss nicht im „Rock ’n‘ Roll Suicide“ enden. Am Sonntag haben die Spurs Manchester City zu Gast. Auf Chelsea, die den dritten Platz belegen, sind es nur drei Punkte und das direkte Duell steht noch aus (8. Mai). „It Ain’t Easy“, aber es ist noch alles drin. Vor allem wenn „Starman“ Gareth Bale (Knöchelverletzung) wieder fit ist. Bale macht den Unterschied aus.

Platz 13 (14): FC Málaga

Pflichtspiel-Bilanz: 21-15-13
Primera División: 5. Platz
Europa: Aus im CL-Viertelfinale

Wenn Fatih Terim Sympathien unwichtig sind, dann pfeift Málagas Präsident Abdullah ben Nasser Al-Thani auf alles, was Beliebtheitswerte steigern könnte. Nach der bedauernswerten 2:3-Niederlage seines Clubs bei Borussia Dortmund twitterte Al-Thani Rassismus-Vorwürfe in Richtung UEFA – viel schlechter kann man nicht verlieren. Ganz anders seine Mannschaft, die Fans der Boquerones und Trainer Manuel Pellegrini. Wie Málaga den BVB mit einfachen taktischen Mitteln praktisch schon geschlagen hatte, wie die Anhänger in Dortmund eifrig Applaus für das Siegerteam spendeten und den Verlierern eine triumphale Rückkehr nach Málaga bescherten und wie Pellegrini trotz ausstehender Gehaltszahlungen demütig seinen Verbleib in Andalusien verkündete – all das macht den CL-Debütanten FC Málaga zu einem der großen Gewinner der Saison.

Platz 12 (13): FC Arsenal

Pflichtspiel-Bilanz: 25-11-12
Premier League: 4. Platz
Europa: Aus im CL-Achtelfinale

Arsenal stieg in den letzten vier Wochen in der Premier League auf Platz vier und bei uns um zwei Ränge. Dafür sind vier Siege und ein Remis verantwortlich. Nimmt man das 0:0 gegen Everton raus, dann konnte Arsenal gegen vier schwache Gegner alle Punkte mitnehmen. Die Qualität, gegen kleine Gegner keine Punkte liegen zu lassen, muss man den Gunners lassen. Gegen Teams aus diesem Ranking verlor Arsenal allerdings in dieser Saison sieben Spiele, bei vier Remis und nur zwei Siegen (einer davon war der unbedeutende Rückspielsieg gegen Bayern). Kleinvieh macht auch Mist, würde der Volksmund sagen. Da Arsenal in den letzten fünf Partien der Premier League nur noch Manchester United als Top-Gegner zu fürchten hat, könnten die vielen Siege gegen kleine Gegner in der Summe etwas Großes bringen: die erneute Qualifikation für die Champions League.

Platz 11 (12): Atlético Madrid

Pflichtspiel-Bilanz: 30-8-9
Primera División: 3. Platz
Europa: Aus in der EL-Zwischenrunde

Atlético hat das Pech, sich seit Mitte Februar nur noch in einem Wettbewerb zeigen zu dürfen. Das Aus in der Europa League gegen Rubin Kazan war sicher kein Ruhmesblatt, das spanische Pokalfinale wiederum steigt erst am 17. Mai gegen Stadtrivale Real. In der Liga halten sich die Rojiblancos trotzdem in der Spitzengruppe, der Rückstand auf Real beträgt drei Punkte. Und die Rückkehr auf Platz zwei ist nicht unrealistisch, Real konzentriert sich auf die Champions League, zwischen den beiden Spielen gegen Borussia Dortmund empfängt Atlético den ungeliebten Nachbarn zum Derby.

Platz 10 (7): AC Mailand

Pflichtspiel-Bilanz: 21-10-11
Serie A: 3. Platz
Europa: Aus im CL-Achtelfinale

Angeführt von Neuzugang Mario Balotelli, der mit sieben Toren in acht Serie A-Spielen voll eingeschlagen ist, spielt Milan weiterhin ein beachtliches Jahr mit insgesamt nur zwei Niederlagen. Aber zuletzt schwächelten die Rossoneri ein wenig, in den Spitzenspielen gegen Florenz und Neapel sprangen nur zwei Zähler heraus und so schmolz der Vorsprung auf die viertplatzierte Fiorentina auf vier Punkte zusammen. Nun wartet mit Juventus der designierte Meister und Milans erneute Champions League-Teilnahme ist ernsthaft in Gefahr. Balotelli wird in Turin wie schon gegen Neapel jedoch nicht helfen können, der Stürmer wurde wegen Schiedsrichter-Beleidigung gegen Florenz für drei Spiele gesperrt.

Platz 9 (10): FC Chelsea

Pflichtspiel-Bilanz: 31-12-13
Premier League: 3. Platz
Europa: EL-Halbfinale

Der amtierende Titelträger der Champions League steht immerhin im Halbfinale der Europa League und auf Platz drei der Premier League. Drei Siege und eine Niederlage konnte Übergangstrainer Rafael Benítez in den letzten vier Ligaspielen einfahren. Im FA Cup konnte man zwar Manchester United schlagen, scheiterte aber an Manchester City im Halbfinale. Somit ist die Europa League der letzte Hoffnungsanker auf einen Titel in diesem Jahr. Viel wichtiger erscheint aber die erneute Qualifikation für die Champions League. In diesem Rennen liegen die Blues auf der Pole Position der Teams, die nicht aus Manchester kommen. Benítez lässt in einem 4-2-3-1 spielen, in dem vor allem die drei offensiven Mittelfeldspieler große Qualität besitzen. Im Sturm spielt mal Demba Ba (zwei Treffer aus sieben Spielen), mal Fernando Torres (sieben Treffer aus 25 Partien). Der Spanier zeigte vor allem in den europäischen Wettbewerben, dass er sein Handwerk noch beherrscht (sieben Tore).

Platz 8 (9): Paris St. Germain

Pflichtspiel-Bilanz: 30-10-8
Ligue 1: 1. Platz
Europa: Aus im CL-Viertelfinale

Trotz des blamablen Pokal-Aus gegen Außenseiter Évian steigt Paris St. Germain um einen Platz in unserer Gunst. Das liegt zum einen daran, dass wir weiter von der Qualität des Kaders überzeugt sind, vor allem aber an Trainer Carlo Ancelotti, der ein Meister seines Fachs ist. Die zwei starken Auftritte gegen Barcelona gaben Zeugnis der Trainerkunst, auch wenn die Krönung verwehrt blieb. Im Hinspiel gelang Ancelotti mit einem defensiven 4-4-2, bei dem vor allem die Zentrale kompakt gehalten wurde, ein 2:2. Im Rückspiel agierte Barca bis zur Einwechselung von Lionel Messi relativ ungefährlich, Paris führte verdient und die Sensation lag in der Luft. In der etwas schwächer zu beurteilenden Ligue 1 hat Paris mit neun Punkten Vorsprung keine Probleme, den ersten Meistertitel seit 1994 einzufahren. Damals waren David Ginola (13 Treffer) und George Weah (11 Treffer) die Stars der Mannschaft, heute ist es Zlatan Ibrahimovic, dem bereits 26 Treffer in 27 Ligaspielen gelangen.

Platz 7 (8): Manchester City

Pflichtspiel-Bilanz: 25-11-8
Premier League: 2. Platz
Europa: Aus in der CL-Gruppenphase

Ein Gerücht fliegt auch ohne Flügel. Das wissen die Verantwortlichen von Manchester City nur zu gut, denn die Citizens werden – nach zwei defensiven Transferperioden ohne große Namen – mal wieder mit jedem zweiten guten Spieler in Europa in Verbindung gebracht. Befeuert wurde die Gerüchteküche durch Trainer Roberto Mancini, der den Rückstand auf Tabellenführer Man United mit eben dieser Zurückhaltung begründete. Die Meisterschaft ist entschieden, doch der aktuelle Kader sammelte mit Siegen in den Spitzenspielen gegen United und im FA Cup gegen Chelsea einige Argumente Konstanz in der Kaderplanung. Die Erfolglosigkeit in Europa liegt unserer Meinung nach auch eher an taktischen Mängeln denn an falschem Spielermaterial. Herr Mancini, sie sind selbst in der Pflicht.

Platz 6 (5): Juventus Turin

Pflichtspiel-Bilanz: 30-9-7
Serie A: 1. Platz
Europa: Aus im CL-Viertelfinale

So schwach, wie manche Beobachter Juventus Turin gegen Bayern München sahen, waren die Italiener nicht. Immerhin erreichte der FC Bayern seine gute Ausgangsposition im Rückspiel durch einen abgefälschten Schuss (Alaba) und ein Abseitstor (Müller). Dennoch zeigte sich deutlich, wo der Unterschied zwischen den beiden Clubs liegt. Mit Andrea Pirlo, Arturo Vidal und Claudio Marchisio hat Juve zwar eine kongeniale Ménage-à-trois im defensiven Mittelfeld, aber in der Offensive fehlt es der alten Dame an Klasse. In der Serie A reicht dieser Kader zum Meistertitel, denn auch dort ist die Defensive das Prunkstück mit nur 20 Gegentreffern in 32 Spielen. Im Vergleich dazu die anderen Tabellenführer der fünf großen Ligen: Man United (35 Gegentreffer in 33 Spielen), Barcelona (33 Gegentreffer in 31 Spielen), PSG (20 Gegentreffer in 32 Spielen) und Bayern München (13 Gegentreffer in 29 Spielen).

Platz 5 (6): Borussia Dortmund

Pflichtspiel-Bilanz: 26-11-6
Bundesliga: 2. Platz
Europa: CL-Halbfinale

Trotz der tätlichen Auseinandersetzungen um Champions League-Tickets unter BVB-Fans fürchten wir uns nicht vor dem schwarz-gelben Mob und verzichten darauf, Dortmund unter die ersten vier Teams der Europarangliste zu platzieren. Auch wenn wir Kommentare wie „Gegen den Ball? Gegen die Fresse, Alter!“, erwarten, wir bleiben ruhig und erklären unsere eurozentrische Weltsicht. Zunächst sollte klar sein, dass es keinen Automatismus gibt, der die Halbfinalisten der Champions auf die ersten vier Ränge festschreibt. Außerdem muss man feststellen, dass Borussia Dortmund große Probleme mit dem als Außenseiter ins Viertelfinale gestartetem FC Malaga hatte. Die letzten erfolgreichen Auftritte gegen Teams aus dieser Liste hatte der BVB in der Gruppenphase, wo man Man City und Real Madrid vor eigenem Publikum besiegen konnte. Seitdem setzte es Niederlagen gegen Bayern (Pokal) und auf Schalke. Konkurrent Manchester United spielt zudem die konstantere Saison. Dem Dortmund Fan bringen wir zum Trost in Erinnerung, dass der BVB immerhin einen Platz in unserer Rangliste gut machen konnte, und versprechen, einen weiteren Vormarsch nach dem Halbfinale gegen Real Madrid zu prüfen.

Platz 4 (4): Manchester United

Pflichtspiel-Bilanz: 34-6-9
Premier League: 1. Platz
Europa: Aus im CL-Achtelfinale

Die Red Devils liegen in einer der stärksten Ligen der Welt unangefochten an der Tabellenspitze. Das Team von Alex Ferguson hat 13 Punkte Vorsprung (ein Spiel mehr) vor Letztjahresmeister Manchester City. Da konnte sich Man Utd auch eine Niederlage gegen den Stadtrivalen leisten, denn die Meisterschaft ist so gut wie sicher. Wir haben deshalb das 1:2 gegen Man City nicht so sehr ins Gewicht fallen lassen. Auffällig ist, dass Manchester Utd 17 Tore mehr geschossen hat, als die stark besetzte Offensive von Man City. Neben den Torgaranten Robin van Persie (21) und Wayne Rooney (12) zeichnet sich vor allem die Breite des Kaders aus; 19 Spieler erzielten mindestens einen Treffer, während Man City nur 14 verschiedene Torschützen im Kader hat. Das Ausscheiden in der Champions League ist bei uns immer noch mit Sternchen vermerkt – United war gegen Real Madrid solange das bessere Team, bis die Rote Karte gegen Nani Einfluss auf das Spiel nahm.

Platz 3 (3): Real Madrid

Pflichtspiel-Bilanz: 31-10-8
Primera División: 2. Platz
Europa: CL-Halbfinale

Wie der BVB im Halbfinale gegen Real bestehen kann, wird Gegen den Ball in der kommenden Woche genauer analysieren. Eine Sache ist aber klar: Cristiano Ronaldo bedarf einer besonderen Bewachung. Der Superstar, der die Sehnsucht der Königlichen nach der Decima – dem zehnten Titel in der Champions League – befriedigen will, ist in Topform. Seit Jahresbeginn traf Ronaldo 28 Mal. Dies und die Tatsache, im gleichen Zeitraum nur zwei Mal verloren zu haben, lässt gleichwohl keinen weiteren Aufstieg in der Europarangliste zu. Zu viele Chancen durfte sich der vermeintlich schwächste Viertelfinalist Galatasaray erarbeiten, zu selten spielt das Team von Trainer José Mourinho zu Null.

Platz 2 (2): FC Barcelona

Pflichtspiel-Bilanz: 36-8-5
Primera División: 1. Platz
Europa: CL-Halbfinale

Tito Vilanova ist zurück und Barca ist seit fünf Spielen in der Liga ohne Niederlage. Allerdings zeugten die Unentschieden gegen Paris St. Germain und Celta Vigo nicht gerade von der unumstößlichen Herrschaft der besten Mannschaft der Welt. Vielleicht gehört dieser Ruf schon bald den Sagen und Mythen Kataloniens an: „Das Land Katalonien liegt auf der Iberischen Halbinsel, zwischen den Pyrenäen und dem Mittelmeer. Dort gibt es eine Hauptstadt, die auf den Namen Barcelona hört. Ein Ort, in dem einst Milch und Honig flossen. Drei Champions League-Siege durften die Einheimischen in den letzten zehn Jahren feiern, ihre Blaugrana erreichten zweimal die Fifa-Clubmeisterschaft und gewannen zweimal den Supercup. Es wurden nicht zuletzt fünf Meistertitel in dieser aufgeregten Zeit gesammelt. Man genoss sogar den Ruf, den technisch anspruchsvollsten Fußball der Welt zu zelebrieren. Doch jetzt schickt sich ein kleiner Provinzverein aus dem Süden Deutschlands an, diese Vormachtstellung anzugreifen. Im Halbfinale der Champions League treffen die beiden Widersacher direkt aufeinander und werden die Hierarchie in Europa und die unserer Rangliste unter sich ausfechten. Möge der bessere gewinnen!“

Platz 1 (1): FC Bayern

Pflichtspiel-Bilanz: 37-4-3
Bundesliga: 1. Platz
Europa: CL-Halbfinale

Beim FC Bayern gehen die Superlative aus. Deutscher Meister am 28. Spieltag. Erst drei Niederlagen in allen Wettbewerben bei einem Torverhältnis von 120:24. Punkterekord in der Bundesliga nur noch ein Sieg entfernt. Laut Forbes in der Liste der wertvollsten Fußball-Clubs erstmals mit einem Wert über einer Milliarde Euro taxiert. Wenn die Aufzählung erweitert werden soll, darf sich das Team von Trainer Jupp Heynckes in den nächsten sechs Wochen aber keine Schwächephase erlauben, auch wenn es die erste der Saison wäre. Denn noch nie war die Chance, die Champions League zu gewinnen, größer. In diesem Jahr passt einfach alles zusammen, ob das in den nächsten Jahren – trotz aller Vorschusslorbeeren für Pep Guardiola – wieder so sein wird, ist zumindest zweifelhaft. Nach den Spielen gegen den FC Barcelona wissen wir, ob die perfekte Saison noch möglich sein wird.

Michel Massing und Marcus Krämer

CL-Bilanz: Geknickter Götze und Rüpel Ribéry

Erstmals seit 2002 stehen zwei deutsche Clubs im Viertelfinale der Champions League. Während sich die Bayern selbst zur Konzentration mahnen müssen, vergab der BVB eine noch bessere Ausgangsposition. Gegen den Ball fasst die Hinspiele aus deutscher Sicht zusammen:

1. Die Null muss auch in Dortmund stehen

Die Berichterstattung über das Dortmunder 0:0 im La Rosaleda in Malaga war einheitlich: Aufgrund mangelhafter Chancenverwertung verpasste der Deutsche Meister eine bessere Ausgangsposition. Mario Götze nahm die Schuld für die Torlosigkeit sogar komplett auf sich, aus seinen drei Gelegenheiten und der verstolperten Chance von Robert Lewandowski hätte der BVB tatsächlich Kapital schlagen müssen.

Was dabei untergeht, sind drei Dinge: Erstens findet die ebenfalls gute Leistung von Malaga sowie die taktische Ausrichtung des Trainers Manuel Pellegrini kaum Beachtung, zweitens ist das Remis zwar ein gefährliches, aber trotzdem gutes Ergebnis und drittens gehören zu der internationalen Metamorphose der Borussia nicht nur die herausragenden Spiele gegen Real Madrid oder Manchester City, sondern eben auch Ergebnisfußball wie am gestrigen Abend.

Die fehlende Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Tor begleitet den BVB seit Jahren, in der Bundesliga eher selten, in Champions und Europa League dagegen konstant. Spielerisch konnten die Dortmunder mit allen Teams mithalten, die in den vergangenen zweieinhalb Jahren ihre Wege kreuzten. Individuelle Fehler in der Abwehr ließen die Abschlussschwäche aber stets doppelt bitter erscheinen. Das ist in dieser Saison anders, trotz zeitweiliger Ausfälle von Mats Hummels und Neven Subotic spielte der BVB in Malaga zum vierten Mal zu Null. Deshalb kann Klopp „mit dem 0:0 leben“, weil er weiß, dass ein solches Spiel im vergangenen Jahr verloren worden wäre.

Deshalb stehen die Dortmunder verdient im Viertelfinale und haben beste Chancen auf den Einzug in die Runde der letzten Vier. Wenn die Gegner dann Real Madrid, FC Barcelona oder FC Bayern heißen sollten, muss die Elf von Trainer Jürgen Klopp jedoch wieder beide Komponenten auf den Rasen bringen, um nicht chancenlos zu sein.

2. Klopp muss Prioritäten setzen: Ohne Rotation geht es nicht

Zunächst gilt die Konzentration am kommenden Dienstag aber wieder dem FC Malaga. Die Andalusier gehen dann mit der Hypothek von zwei gesperrten Spielern (Weligton, Iturra) in die Partie. Klopp wiederum ist in der Pflicht, die Dortmunder Hypothek so klein wie nur möglich zu halten.

Teile seiner Mannschaft wirken müde, überspielt und nach einer Pause lechzend. Besonders auffällig ist das bei Marco Reus, der in Malaga häufig einen Schritt zu spät kam. Ob Götze die Tore in ausgeruhtem Zustand getroffen hätte, ist dagegen Spekulation, demgegenüber kann Lukasz Piszczek ohnehin nur dosiert trainieren und schleppt sich wegen seiner Leiste von Spiel zu Spiel.

Die Ersatzleute könnten Moritz Leitner, Leonardo Bittencourt und Oliver Kirch heißen. Angst und Schrecken verbreiten diese Namen nicht, aber der Gegner am Samstag in der Bundesliga heißt FC Augsburg. Dessen Konkurrenten im Abstiegskampf werden zwar genau hinschauen, aber bei zehn Punkten Vorsprung auf den FC Schalke auf Rang vier muss Klopp seine Allergie gegen Rotation bekämpfen.

3. Wer ist hier der Bösewicht: Vidal oder Ribéry?

Die Zuschauer in der Allianz Arena hatten früh einen Buhmann gefunden. Arturo Vidal, bei Juventus zu einem der besten defensiven Mittelfeldspieler der Welt gereift, verdiente sich mit seiner Spielweise die Pfiffe der Bayern-Anhänger: Aggressiv im Zweikampf, unnachgiebig in den Duellen mit seinem Gegenspieler Franck Ribéry, offensiv mit drei Torschüssen der gefährlichste Turiner und mit auffälliger Gestik und Mimik stets im Dialog mit Schiedsrichter Mark Clattenburg.

Früh forderten die Zuschauer eine Gelbe Karte für Vidal. Wir meinen, das Einsteigen gegen Ribery hätte mit Gelb bestraft werden können, aber nicht müssen. Dennoch. Des Volkes Seele kochte! Da passte es natürlich perfekt ins Bild, dass sich viele Zuschauer an den gescheiterten Wechsel des ehemaligen Leverkuseners zu den Bayern erinnerten. Vor knapp zwei Jahren schien der Transfer des Chilenen nach München bereits eingetütet, mit dem Attribut „Charakterlos“ kommentierte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge Vidals Abgang zu Juve. Die Tatsache, dass Leverkusen kein Interesse hatte, den besten Spieler innerhalb der Bundesliga zu verlieren und Vidal deshalb nicht zu den Bayern durfte, wird dabei gerne vergessen.

Charakterlos bleibt charakterlos, die Pfiffe konnten also gar nicht den Falschen treffen? Über den Sinn oder Unsinn solcher Fan-Meinungen wollen wir hier aber nicht sprechen, vielmehr geht es um eine richtige Einordnung der Zweikämpfe zwischen Vidal und Ribéry:

Vidal machte gegen die Bayern ein typisches Spiel – hart, aggressiv, manchmal auch dreckig. Aber meistens auch seine Grenzen kennend. Für Leverkusen sah Vidal nach wiederholten Foulspielen drei Mal Gelb-Rot, in Turin nach einem Frustfoul an Mark van Bommel ein Mal glatt Rot. Auch Ribéry musste einiges über sich ergehen lassen, in der 83. Minute ließ sich der Franzose dann aber zu einem fiesen Tritt verleiten. Nur mit Glück konnte Vidal weiterspielen.

Clattenburg ahndete das Foul nicht, eine nachträgliche Bestrafung ist auch nicht möglich. Also, Mund bzw. Stollenschuh abputzen und weitermachen? Das wäre zu einfach, denn neben seiner Genialität zieht sich diese Seite wie ein zweiter roter Faden durch Ribérys Karriere. 2010 verpasste Bayerns Nummer sieben nach einem brutalen Foul gegen Lyons Lisandro Lopez das Champions League-Finale, nach einem Wischer gegen Augsburgs Ja-Chol Koo sitzt Ribéry aktuell noch eine Sperre im DFB-Pokal ab und für ein Gerangel mit Kölns Sereno kam er in der letzten Saison mit Gelb-Rot noch glimpflich davon.

Die Bayern stecken in der Zwickmühle. Ribéry gilt als sensibel, die fehlende öffentliche Kritik an dem erneuten Ausraster ist deshalb verständlich. Bei aller Tiefe im Kader, Franck Ribéry verleiht dem Spiel der Münchner die Einzigartigkeit, die für den ersehnten Triumph in der Champions League nötig ist. Umso wichtiger ist es für die Bayern, ihm sein Fehlverhalten vor Augen zu führen. Die Rolle des Bösewichts steht ihm einfach nicht gut.

4. Mandzukic ist Bayerns Schlüssel zum Erfolg

Eigentlich werden Stürmer, gerade beim von Gerd Müller geprägten FC Bayern, an Toren gemessen. Diese Prämisse kann mit dem Spiel gegen Juventus Turin endgültig zu den Akten gelegt werden. In der Bundesliga erfüllt der Neuzugang vom VfL Wolfsburg den altbekannten Auftrag mit bisher 15 Treffern durchaus zufriedenstellend.

In der Champions League aber hat Mandzukic erst ein Mal getroffen, diese Bilanz ist den Bayern aber völlig egal. Der Kroate glänzt als Arbeiter, als Laufwunder und als Speerspitze der neuen Bayern-Qualität: Das Gegenpressing. Innenverteidiger Daniel van Buyten ließ sich sogar zu einer Liebeserklärung hinreißen: „Wenn er 20 Meter vor uns ist und grätscht, da könnte ich ihm einen Kuss geben.“

Tatsächlich war Mandzukic in der defensiven Bewegung überall zu finden. Er lief, je nach Situation und Bedarf, die drei Turiner Abwehrspieler an und sorgte so für viele Ballverluste. Er wechselte sich mit Thomas Müller in der Bewachung von Spielmacher Andrea Pirlo ab. Er half auch am eigenen Sechzehner aus. Und Mandzukic war beim 2:0 hellwach, als er nach Gustavos Schuss und Buffons Fehler für Müller auflegte. Die Leistung von Mandzukic war herausragend, die Zeiten eines klassischen Torjägers sind zumindest in der Champions League Geschichte.

5. Heynckes‘ Erbe wird immer schwerer

Die Geste von Bayern-Trainer Jupp Heynckes nach dem zweiten Treffer seiner Mannschaft in Richtung seiner Co-Trainer war unmissverständlich: Seht ihr, ich habe doch gesagt, wir sollten mehr aus der zweiten Reihe schießen. Dieser Buffon ist nicht mehr unfehlbar.

Heynckes hatte, wie so oft in dieser Saison, sogar doppelt Recht, auch wenn das 1:0 durch Alaba abgefälscht und Buffons Schuld wesentlich kleiner war. Gegen den Ball hat Heynckes‘ Entwicklung weg vom reinen Verwalten des Status Quo einer Mannschaft bereits an anderer Stelle gewürdigt. Gegen die defensivstarken Turiner gab Heynckes seiner Mannschaft, nachdem er „mit der alten Dame ins Bett gegangen und mit der alten Dame aufgestanden“ sei, aber besonders viele taktische Finessen mit auf den Weg:

  • Die vier offensiven Bayern liefen die Gegner erst an, als Buffon seinen kurzen Abstoß bereits ausgeführt hatte. So wähnten sich die Turiner im gewohnten Aufbauspiel, wurden dann aber aggressiv attackiert.
  • Pirlo spielte aufgrund der Sonderbewachung von Kroos/Müller und Mandzukic laut opta elf Fehlpässe, ein erstaunlicher Wert für Pirlo.
  • Bayerns Außenverteidiger standen sehr hoch, was Lichtsteiner und Peluso die Effizienz im Spiel nach vorne nahm.
  • Mandzukics laufintensive Rolle im Gegenpressing der Bayern haben wir bereits beschrieben.

Gepaart mit dem überragenden Schweinsteiger als Chef im Mittelfeld hatte Heynckes dem Gegner somit so viele Probleme bereitet, dass sich Juventus über die zwei Gegentore glücklich schätzen konnte. Noch haben die Bayern nichts gewonnen, wie Sportvorstand Matthias Sammer immer wieder betont. Der neue Trainer Pep Guardiola wird sich trotzdem mit dem Schatten seines Vorgängers auseinander setzen müssen.

 

Die Europarangliste

Europarangliste - Gegen den BallDie Champions League ist Europas Vorzeigewettbewerb. Doch die verbliebenen Teams des Viertelfinales sind nicht die besten acht Mannschaften in Europa. Bei allem Respekt vor Málaga und Galatasaray, aber die Konsequenz des Auslosungs-Modus und die dadurch fehlenden direkten Vergleiche zwischen vielen Topteams lassen die Frage offen, wer übergreifend das beste Team des Kontinents wäre?

Wir haben den Start unseres Blogs zum Anlass genommen, die unserer Meinung nach besten Teams in eine Rangliste zu bringen. Ein solches Ranking basiert naturgemäß auf subjektiven Einschätzungen und so wollen wir eingangs die Grundlagen unseres Rankings verdeutlichen.

Bei der Bewertung geht es grundsätzlich um die sportliche Qualität eines Teams. Tradition, Sympathie oder der finanzielle Background spielen keine Rolle. Welche Faktoren bewerten wir konkret?

1) Die Qualität des Kaders
Wie stark sind die einzelnen Mannschaftsteile besetzt und wie gut sind sie aufeinander abgestimmt?
2) Das Abschneiden in der heimischen Liga
Hier gewichten wir die großen europäischen Ligen unterschiedlich. In England ist die Leistungsdichte in der Spitze höher als zum Beispiel in Frankreich.
3) Das Abschneiden im europäischen Wettbewerb
Das Erreichen des Viertelfinales in der Champions League ist eine so starke Leistung, dass sich alle acht Teams in unserem Ranking wieder finden. Auch das Abschneiden in der Europa League ist relevant.
4) Der Trainer
Ein guter Trainer kann den Unterschied machen, wenn es darum geht, welches von zwei gleich stark besetzen Teams sich durchsetzen würde.
5) Die Form
Da dieses Ranking monatlich erscheint, spielt die Form eine gewisse Rolle. Hätten wir Ende Januar mit der Europarangliste begonnen, wäre Lazio (damals punktgleich mit Napoli Dritter) sicherlich ein Thema gewesen.

Nun aber zur ersten Ausgabe der Europa-Rangliste von Gegen den Ball, die wir im Saisonverlauf in regelmäßigen Abständen aktualisieren werden.

Platz 20: FC Liverpool

Pflichtspiel-Bilanz: 21-11-13
Premier League: 6. Platz
Europa: Aus in der EL-Zwischenrunde

„He, Du!“ – „WER, ICH?“ – „Psssst!“ – „Wer, ich?“ – „Genaaaaau…“ – „…Möchtest du ein L kaufen?“ Die Entscheidungsfindung zu Platz 20 unserer Europarangliste könnte nach einem Angebot von Lefty aus der Sesamstraße gefallen sein, denn Leverkusen, Lyon und Liverpool kamen für den letzten zu vergebenden Rankingplatz in Frage. Die Entscheidung fiel auf Liverpool. Gegen die Reds spricht, dass sie in dieser Saison nur ein Spiel gegen einen Top-Sechs-Gegner aus ihrer Liga gewinnen konnten, nämlich am vergangenen Wochenende gegen Tottenham (3:2). In der Europa League scheiterten sie – wie Leverkusen – zu Beginn der KO-Phase, Gegner war Zenit St. Petersburg. Für Liverpool spricht allerdings der extrem starke Kader, in dem Luis Suárez, der mit 22 Treffern die Torschützenliste der Premier League anführt, den Unterschied ausmacht. In einem imaginären direkten Duell gegen Leverkusen oder Lyon sehen wir die Reds vorne und platzieren sie deshalb hauchdünn vor dem Zweiten der Ligue 1 und dem Dritten der Bundesliga.

Platz 19: SSC Neapel

Pflichtspiel-Bilanz: 19-8-11
Serie A: 2. Platz
Europa: Aus in der EL-Zwischenrunde

Seit sieben Spielen ohne Sieg, in der Europa League an der gefürchteten Viktoria aus Plzen gescheitert, der sicher geglaubte Champions League-Platz in Gefahr – was haben Maradonas Erben in der Liste der 20 besten Clubs Europas zu suchen? Napoli wird die Form wieder finden müssen, um auch im April dazuzugehören, doch noch es gibt gute Gründe: Trainer Walter Mazzarri lässt ein unkonventionelles 3-4-1-2 spielen, mit einer kompakten Defensive und starken Individualisten wie Edinson Cavani, Marek Hamsik oder Gökhan Inler. Torjäger Cavani steckt jedoch in einer persönlichen Krise, Ende Januar traf Cavani (25 Saisontore) letztmals. Abhängigkeit von einem Spieler ist gefährlich, dieses Phänomen kennen aber auch andere Clubs.

Platz 18: FC Schalke 04

Pflichtspiel-Bilanz: 16-10-10
Bundesliga: 4. Platz
Europa: Aus im CL-Achtelfinale

Die Schalker haben nach dem FC Bayern und Borussia Dortmund den drittstärksten Kader der Bundesliga. In der Champions League blieb Königsblau in der Gruppenphase ungeschlagen. Und zuletzt zeigte die Formkurve wieder nach oben, der Derbysieg gegen den BVB war mehr als nur Balsam für gefrustete königsblaue Seelen. Das sind die Fakten, die für S04 in dieser Rangliste sprechen. Doch auch die Gegenargumente müssen wir nicht lange suchen: Die Pleite gegen Galatasaray war so verdient wie unnötig, in den vergangenen 17 Pflichtspielen feierte Schalke nur vier Siege, das Defensivverhalten der gesamten Mannschaft ist besorgniserregend und unabhängig von den fachlichen Qualitäten hätte die Vereinsführung die Unruhe um Trainer Jens Keller durchaus erahnen können. Trotz aller Verletzungssorgen, mit diesem Kader muss Schalke erneut in die Champions League einziehen, die entscheidenden Wochen beginnen für die Knappen deshalb erst jetzt.

Platz 17: Benfica Lissabon

Pflichtspiel-Bilanz: 28-6-2
Liga Sagres: 1. Platz
Europa: EL-Viertelfinale

In der Liga Sagres steht Benfica noch ungeschlagen vor dem FC Porto auf dem ersten Tabellenplatz. Die zwei Saisonniederlagen resultieren aus der Champions League, wo Benfica in Barcelona und bei Spartak Moskau verlor und so nur Platz drei in der Gruppe heraussprang. Der Kader um Óscar Cardozo, Eduardo Salvio und Lima ist qualitativ gut besetzt, wobei die Stärken in der Offensive liegen. In der Europa League steht Benfica nach den Siegen gegen Leverkusen und Bordeaux im Viertelfinale.

Platz 16: Galatasaray

Pflichtspiel-Bilanz: 18-10-7
Süper Lig: 1. Platz
Europa: CL-Viertelfinale

Die deutsche Presse war sich nach Schalkes 2:3-Niederlage gegen Galatasaray einig: dumm, überflüssig und selbst verschuldet. Und tatsächlich gilt Gala unter den letzten acht Teilnehmern der Champions League als leichtestes Los. Der Tabellenführer der Süper Lig kommt dabei aber viel zu schlecht weg. Die gesamten 180 Minuten betrachtet, steht Galatasaray verdient im Viertelfinale. In der Gruppenphase stand Gala nach drei Spielen ohne Dreier unter starkem Druck, der mit drei Siegen in Serie aber gemeistert wurde. Zudem wurde das Team von Trainer Fath Terim in der Winterpause, im Kloppschen Duktus, „brutal“ verstärkt. Wesley Sneijder ist die lange Pause bei Inter zwar immer noch anzumerken, Didier Drogba konnte seine Wichtigkeit trotz fehlender Tore bereits unter Beweis stellen. Drogba und Burak Yilmaz bilden ein sich glänzend ergänzendes Sturmduo. Die große Problemzone von Galatasaray ist die Defensive. Für den Titel in der Türkei reichen Spieler wie Semih Kaya, Dany Nounkeu oder Albert Riera – international ist da, sorry liebe Schalker, noch viel Luft nach oben.

Platz 15: FC Porto

Pflichtspiel-Bilanz: 24-6-3
Liga Sagres: 2. Platz
Europa: Aus im CL-Achtelfinale

In der Liga hinter Benfica, aber in der Europarangliste zwei Plätze davor? Der portugiesische Meister hat nur zwei Punkte Rückstand auf Benfica und mit nur 10 Gegentoren die beste Abwehr Europas – zusammen mit Bayern München und Shakhtar Donetsk. Porto erreichte allerdings, anders als Benfica, als Gruppenzweiter das Achtelfinale der Champions League. Dort schied das Team von Trainer Vitor Pereira auch aufgrund einer Gelb-Roten Karte im Rückspiel etwas unglücklich aus. Insgesamt musste Porto nur zwei Niederlagen in neun Spielen der Champions League einstecken, man blieb fünfmal ohne Gegentor.

Platz 14: FC Málaga

Pflichtspiel-Bilanz: 19-14-10
Primera División: 4. Platz
Europa: CL-Viertelfinale

Die Bundesliga wird in den kommenden Jahren zur alles beherrschenden Macht im Fußball aufsteigen, das Financial Fairplay lässt keinen anderen Schluss zu. Ironie aus. Als erstes Opfer könnte tatsächlich der FC Málaga in die Historie eingehen, Stand heute schließt die UEFA die Andalusier in der kommenden Saison wegen finanzieller Ungereimtheiten von den europäischen Wettbewerben aus. Allerdings betonen die Verantwortlichen in Málaga, alles im Griff zu haben und ziehen gegen das Urteil vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS. Trotzdem werden in deutschen Medien in jeder Geschichte über Málaga drei Worte in Dauerschleife wiederholt: Scheich, Geldhahn und zugedreht. Bevor wir uns in Rage schreiben, kehren wir zum sportlichen Aspekt zurück, denn die Boquerones haben Außerordentliches geleistet: Als Debütant überstand Málaga die Vorrunde der Champions League ohne Niederlage und gegen den FC Porto wurde eine 0:1-Hinspielpleite gedreht. Trotz einiger namhafter Abgänge konnte sich Málaga auch in der Liga hinter den Topteams Real, Barca und Atlético behaupten, Trainer Manuel Pellegrini hat dafür einen starken Defensivverbund geschaffen.

Platz 13: FC Arsenal

Pflichtspiel-Bilanz: 21-10-12
Premier League: 5. Platz
Europa: Aus im CL-Achtelfinale

Erstmals seit 1996 steht kein englisches Team im Viertelfinale der Champions League. Was in der Premier League durchaus für Missstimmung sorgt, wird hierzulande gleich als Abgesang auf die stärkste, weil in der Breite sehr ausgeglichen besetzte, Liga der Welt genutzt. Der kicker schreibt von „Schein-Riesen“, Sport1 setzt mit dem „Ende einer Ära“ noch einen drauf. Eine differenziertere Betrachtung wäre wünschenswert gewesen, Gegen den Ball kann jedenfalls noch keinen Trend ausmachen. Deshalb gehört auch der Tabellen-Fünfte Arsenal weiter zu den besten Clubs in Europa, auch wenn es schon seit Jahren nicht mehr für Titel reicht. Das liegt an der defensiven Transferpolitik, aber auch an Arsène Wengers Ignoranz den nationalen Pokalwettbewerben gegenüber. Sei’s drum, wären die Gunners im Achtelfinale nicht auf die Bayern, sondern auf Málaga, Porto oder Galatasaray getroffen, der Abgesang wäre vertagt.

Platz 12: Atlético Madrid

Pflichtspiel-Bilanz: 28-6-9
Primera División: 3. Platz
Europa: Aus in der EL-Zwischenrunde

Die spanische Liga wird seit Jahren vom Zweikampf zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona geprägt. Ernsthaft einmischen konnte sich letztmals in der Saison 2007/08 der FC Villarreal, der am Ende Zweiter vor Barca wurde. Seitdem klafft die Schere zwischen den beiden Topclubs und dem Rest der Liga immer deutlicher auseinander. Umso höher ist die Leistung von Atlético zu bewerten, erst die erste Heimniederlage der Saison am vergangenen Spieltag gegen das formstarke Real Sociedad ließ die Madrilenen auf Rang drei hinter Real zurückfallen. Diese Leistung ist deutlich höher zu bewerten als das Ausscheiden in der Europa League gegen Rubin Kazan. Abgesehen vom punktuell glänzend besetzten Kader (Falcao, Raul Garcia, Arda Turan, Thibaut Courtois) ist Trainer Diego Simeone ein wichtiger Faktor für die gute Platzierung von Atlético. Simeone galt schon als Spieler als guter Stratege, als Trainer setzte er dies fort. Seitdem er bei Atlético das Sagen hat, geht es kontinuierlich bergauf, im Pokalfinale gegen Real winkt zudem der nächste Titel.

Platz 11: Tottenham Hotspur

Pflichtspiel-Bilanz: 22-11-10
Premier League: 3. Platz
Europa: EL-Viertelfinale

Chelsea – Tottenham, Tottenham – Chelsea. Bei der Abwägung der Frage, welchem der beiden Londoner Clubs wir den Vorrang einräumen, taten wir uns schwer.Wären die letzten zwei Spiele nicht gewesen, das Zünglein an der Waage hätte wohl zu Gunsten der Spurs und zu Ungunsten von Chelsea ausgeschlagen. Die 2:3-Niederlage gegen Liverpool und das 1:4 bei Inter Mailand haben die glänzende Form von acht Spielen ohne Niederlage allerdings getrübt. Dennoch ist man in der Europa League weiter gekommen und hat in der Liga sehr gute Chancen, sich für die Champions League zu qualifizieren. Der Kader weist allerdings Schwächen in der Breite auf, was zuletzt deutlich wurde, als Emmanuel Adebayor beim Afrika-Cup weilte und die Personaldecke im Sturm bedenklich dünn wurde.

Platz 10: FC Chelsea

Pflichtspiel-Bilanz: 26-12-10
Premier League: 4. Platz
Europa: EL-Viertelfinale

Der amtierende Titelträger der Champions League enttäuschte in der Gruppenphase und schied nach Niederlagen gegen Juventus und Shakhtar Donezk frühzeitig aus. In der Liga rangiert Chelsea mit zwei Punkten Rückstand hinter Tottenham auf Platz vier – gewinnt Chelsea allerdings das Nachholspiel gegen Fulham, dann ist der Rivale aus Nordlondon wieder überflügelt. Letztlich gab die Breite und Qualität des Kaders, sowie das leicht bessere Abschneiden der Blues gegen die Top-Sechs der Premier League den Ausschlag. Die Blues holten im Schnitt 1,5 Punkte aus 10 Spielen gegen Top-Gegner, die Spurs nur 1,25 Punkte aus acht Spielen. Beim direkten Aufeinandertreffen der beiden Clubs in der Premier League am 14. April wird das Ranking „Face-to-Face“ geklärt.

Platz 9: Paris St. Germain

Pflichtspiel-Bilanz: 27-7-7
Ligue 1: 1. Platz
Europa: CL-Viertelfinale

Wie will man einen Club bewerten, der sich einen erstklassigen Kader leistet, in der schwächeren Ligue 1 trotzdem nur knapp die Spitze behauptet, der international von noch keinem großen Gegner gefordert wurde, aber trotzdem im Viertelfinale der Champions League steht? Nach langen Diskussionen haben wir uns für Rang neun entschieden, auch wenn wir – zurück in der Sesamstraße – mit fragenden Gesichtern rechnen: „Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm.“ Der sportliche Erfolg ist da, Trainer Carlo Ancelotti gehört zur Topriege in Europa, die Abwehr um Thiago Silva und Mamadou Sakho wird immer stärker und das Offensivpotenzial mit Zlatan Ibrahimovic, Ezequiel Lavezzi, Javier Pastore oder Marco Verratti ist größer als bei vielen anderen Clubs. Ob die kosmetischen Veränderungen im Club dem Erfolg zuträglich sein werden, steht auf einem anderen Blatt.

Platz 8: Manchester City

Pflichtspiel-Bilanz: 21-11-7
Premier League: 2. Platz
Europa: Aus in der CL-Gruppenphase

Sang- und klanglos schied Man City in der Gruppenphase nach drei Remis und drei Niederlagen aus. Dass man bei Manchester City aber nicht nur wirkungslos „mit Scheinen wedelt“, wie der kicker zuletzt polemisierte, zeigte nicht nur die letztjährige Meisterschaft. In dieser Spielzeit stehen die Citizens relativ souverän auf Platz zwei der Tabelle. Wie Tabellenführer United musste das Team von Roberto Mancini bisher nur drei Niederlagen in der Liga hinnehmen. Wären da nicht die vielen Unentschieden (acht an der Zahl), der Kampf um die Meisterschaft hätte noch Spannung. Die gute Platzierung im Ranking ist aber nicht nur dem guten Abschneiden in der starken Premier League geschuldet (Gegen die Top-Sechs der Liga holte Man City in acht Spielen 1,625 Punkte im Schnitt). Der Kader von Manchester City ist einfach bärenstark. Namedropping gefällig? Yaya Touré, Edin Dzeko, Carlos Tévez, David Silva, Sergio Agüero, Samir Nasri…

Platz 7: AC Mailand

Pflichtspiel-Bilanz: 19-8-11
Serie A: 3. Platz
Europa: Aus im CL-Achtelfinale

Neun der elf Pflichtspielniederlagen sammelte Milan im Jahr 2012. Seit dem Jahreswechsel konnten die Rossoneri acht Siege und drei Unentschieden in 13 Spielen erzielen. In der Gruppenphase schaltete man Zenit St. Petersburg aus, lief aber nur auf Platz zwei ein. Das bescherte dem Team von Massimiliano Allegri das wohl unbeliebteste Los in der CL. Kaum einen Pfifferling setzte der gebildete Fußballprolet auf Milan im Duell mit Barca. In einem taktisch hochinteressanten Hinspiel ließ Milan den spanischen Ballzauberern in einem 4-5-1-System, das zeitweilig zum 4-6-0 wurde, kaum Platz zum Atmen – geschweige denn zum Spielen. Die Katalanen verloren am Ende chancenlos mit 0:2. Das Rückspielergebnis ist bekannt – entzaubert Milan dann wieder und erklärt, warum eine höhere Platzierung nur in der Utopierangliste möglich ist.

Platz 6: Borussia Dortmund

Pflichtspiel-Bilanz: 21-10-6
Bundesliga: 2. Platz
Europa: CL-Viertelfinale

„Klopp besser als Bayern, Barca und Mourinho“, titelte bild.de gestern. „In der Tat“, analysiert unser Professor im weißen Kittel aus dem Headquarter von Gegen den Ball, der BVB ist in der Champions League noch ungeschlagen und die Bayern mussten schon zwei Pleiten (Borisov, Arsenal) hinnehmen. Nach dieser Arithmetik ist aber auch Schalke besser als Bayern, da die Knappen nur die eine Niederlage gegen Galatasaray kassierten. Lösen wir uns also von dieser Logik und stellen fest, dass der BVB in dieser Spielzeit aufgrund der in der Liga gezeigten Leistungen nicht besser als der FC Bayern ist. Die starken Auftritte in der Gruppenphase der Champions League gegen Real Madrid und Manchester City und das Erreichen des Viertelfinales sind jedoch Grund genug, den BVB weit oben in unserem Ranking anzusiedeln. Man hat den Eindruck, Klopp und sein Team haben den Saison-Fokus auf die Königsklasse gelegt. Die fehlende Breite des Kaders erklärt allerdings auch, warum es der Borussia nicht gelingen kann, auf drei Hochzeiten gleich erfolgreich zu tanzen.

Platz 5: Juventus

Pflichtspiel-Bilanz: 26-9-5
Serie A: 1. Platz
Europa: CL-Viertelfinale

Während im zu schmalen Kader des BVB gerade mal zwei Stürmer stehen, kann Juve-Trainer Antonio Conte mit Vucinic, Giovinco, Quagliarella, Anelka und Matri auf dieser Position aus dem Vollen schöpfen. Trotzdem herrscht große Unzufriedenheit, Fernando Llorente wurde bereits für die kommende Saison verpflichtet, es wird wohl noch ein weiterer Hochkaräter hinzukommen. Juventus hat Zeit, sich um diese Probleme zu kümmern, das Jahr läuft für die Alte Dame nahezu perfekt. In der Serie A ist Juve der Titel bei neun Punkten Vorsprung auf Napoli kaum noch zu nehmen und in der Champions League ist Contes Team nach dem Spaziergang gegen Celtic immer noch ungeschlagen. Prunkstück ist die Abwehr, die auch im Viertelfinale schwer zu bezwingen sein wird: Juventus spielt um den Titel mit.

Platz 4: Manchester United

Pflichtspiel-Bilanz: 31-5-7
Premier League: 1. Platz
Europa: Aus im CL-Achtelfinale

Und schon sind wir beim nächsten schwierigen Fall: Manchester United scheidet im Achtelfinale der Champions League aus und soll trotzdem das viertbeste Team Europas sein? Da regiert ja frühzeitig der Größenwahn im neuen Gegen-den-Ball-Headquarter. Doch es gibt viele Argumente, die unsere Annahme stützen. Gegen ein Real in Bestform spielen zu müssen, war undankbar. Trotzdem bewies das Team von Sir Alex Ferguson, dass die in der Premier League vorhandenen Defensivprobleme mit totaler taktischer Disziplin aufzufangen sind. Die Rote Karte gegen Nani nahm zudem entscheidenden Einfluss auf das Rückspiel, United war bis dahin die bessere Mannschaft. Die Dominanz in der Premier League (zwölf Punkte Vorsprung auf Man City) ist ohnehin erdrückend – in Europa gibt es deshalb nur drei bessere Teams:

Platz 3: Real Madrid

Pflichtspiel-Bilanz: 27-9-7
Primera División: 2. Platz
Europa: CL-Viertelfinale

Die Saison begann für Real sehr bescheiden. Der Rückstand auf den FC Barcelona wuchs früh und rapide an, auch in der Champions League reichte es in der Gruppe mit Borussia Dortmund nicht zum 1. Platz. Doch 2013 sehen wir ein Real, das taktisch wieder auf höchstem Niveau zu Werke geht und erst eine Niederlage einstecken musste. Viel wichtiger ist aber die Bilanz in den Topspielen. Gegen Barca siegten die Königlichen in drei Spielen zweimal (und das auch verdient), das Weiterkommen gegen Manchester United war zwar wesentlich glücklicher, aber neben dem Ergebnis stimmte auch in diesen Partien zeitweise die taktische Grundordnung und die offensive Power. Mit den Teams von José Mourinho muss man in der Champions League ohnehin immer rechnen.

Platz 2: FC Barcelona

Pflichtspiel-Bilanz: 33-5-5
Primera División: 1. Platz
Europa: CL-Viertelfinale

Ein Spiel kann im Fußball alles verändern. Noch vor einer Woche war der Abgesang auf den FC Barcelona ein gern gesungenes Lied. „Der FC Barcelona geschlagen, dreimal in zwölf Tagen. Ist das das Ende einer Ära?“, fragte der Spiegel. Messi, Xavi und Co. gaben die Antwort auf dem Platz. Barca zeigte beim 4:0 über Milan, dass sie scheinbar jeden Rückstand aufholen und auch gut organisierte Gegner besiegen können. Dennoch bleibt ihnen Platz eins in unserem Ranking verwehrt. Die Niederlagen in den Topspielen geben den Ausschlag zu Ungunsten der Katalanen. Im Pokal gegen Real ausgeschieden, auch in der Liga gab es keinen Sieg gegen José Mourinho (ein Remis, eine Niederlage). Und damit zum letzten menschlichen Makel der Blaugrana. Leider kann Tito Vilanova aufgrund einer Krebserkrankung dem Team derzeit nur telefonisch beistehen. So traurig dieser Umstand auch ist, sportlich ist es sicherlich kein Vorteil, im Konzert der Großen ohne den Cheftrainer dazustehen, derzeit ist der Assistent des letztjährigen Assistenten vor Ort verantwortlich.

Platz 1: FC Bayern München

Pflichtspiel-Bilanz: 30-4-3
Bundesliga: 1. Platz 
Europa: CL-Viertelfinale

Das ist mir ein „schöner Dreck“ würde Bayern Präsident Uli Hoeneß zu dieser Rangliste sagen, denn wir haben BATE Borisov gar nicht aufgenommen. Die Weißrussen sind eine von drei Mannschaften, die den FC Bayern in dieser Spielzeit schlagen konnten. Auch wenn Uli Hoeneß gerade auf der psychologischen Klaviatur die Hallo-Wach-Tasten bespielt und dem eigenen Team unterstellt, seit „drei Wochen Dreck“ zu spielen, die Zahlen der Münchner sind und bleiben beeindruckend. Nur zehn Gegentore in einer der besten Ligen Europas. Dabei erst eine Niederlage in der Bundesliga erlitten. Das 0:2 gegen Arsenal war die erste Pleite nach 23 Spielen. Den knappen Vorzug im Konzert der großen drei (Real, Barca, Bayern) erhalten die Bayern, weil sie weniger Niederlagen und Unentschieden auf dem Konto haben, 20 Gegentore weniger als Barca, 15 weniger als Madrid kassierten (bei zwei Spielen weniger) und auch in den Topspielen, wenn es darauf ankam, zur Stelle waren. Bayern besiegte Dortmund im Supercup und DFB-Pokal, gewann beide Spiele gegen Schalke und das entscheidende Hinspiel bei Arsenal. Gegen Leverkusen verlor man. Diese Angelegenheit können die Bayern allerdings an diesem Wochenende klar stellen. Dann ist der Warnschuss von Uli Hoeneß vermutlich schon wieder Schall und Rauch und El Presidente lobt die erste Europarangliste von Gegen den Ball.

Michel Massing und Marcus Krämer

Bayern vs. BVB: Trainer, Tempo, Trennung

Seit Wochen beherrscht ein Transfergerücht die Berichterstattung über den FC Bayern und Borussia Dortmund. Ist es dann journalistische Sorgfaltspflicht oder Einfallslosigkeit, wenn der Sky-Moderator vor dem Spiel alle Verantwortlichen über eben dieses Gerücht ausfragt, obwohl erstens die inhaltlosen Antworten feststehen (auch Manager Zorcs Aussage war letztlich nicht neu) und es zweitens deutlich spannendere Fragen vor einem solchen Topspiel gibt?

Und auch nach dem insgesamt verdienten 1:0-Sieg der Bayern gibt es viele Themen, die über den Bayern-Jubel oder das Zusammenstellen von zufriedenen Hoeneß-Zitaten hinausgeht. Wir analysieren die taktischen Feinheiten des Spiels, stellen einen durchaus interessanten Spielervergleich hinten an und prophezeien Arjen Robben eine schwierige Zeit.

Jürgen Klopp ist … flexibler geworden

Bis zum Beginn dieser Saison, die immer mehr zum rot-weißen Triumphzug wird, hatte Jupp Heynckes das Image eines verwaltenden Trainers. Bereits bestehende Taktiken oder Spielideen fortführen, mit dem vorhandenen Spielermaterial das Optimum herausholen – das waren die Qualitäten des mittlerweile 67-Jährigen, die auch gewisse Erfolge garantierten.

Heynckes stand aber nicht dafür, eigene Ideen zu entwickeln oder einer Mannschaft seinen Stil zu vermitteln. Kurz vor der Rente hat Heynckes nun aber neue Wege bestritten und die Bayern damit zum wohl heißesten Team in Europa gemacht.

Ob der BVB dabei als Anschauungsunterricht herhalten musste ist nicht entscheidend. Letztlich hat Heynckes mit seinen Transfer-Entscheidungen und den taktischen Umstellungen – das entscheidende Wort heißt Gegenpressing – alles richtig gemacht.

Diese Maßnahmen waren auch verantwortlich für die erstaunlich dominante erste Halbzeit der Bayern. Mario Mandzukic glänzte als lauf- und zweikampfstarke Gegenpressing-Speerspitze. Bastian Schweinsteiger und Javier Martinez harmonierten glänzend und schoben ständig von hinten an. Dante war nicht nur defensiv stark, über seine langen Pässe staunen sie in Mönchengladbach noch heute. Und das Tor durch Robben entstand nach Gegenpressing, auch wenn der indisponierte Marcel Schmelzer den Ball hätte klären können.

Die einseitigen ersten 45 Minuten wurden aber auch durch die falsche Ausrichtung der Dortmunder begünstigt. BVB-Trainer Jürgen Klopp entschied sich für ein 4-5-1, das in bestimmten Phasen zu einem 4-3-2-1 wurde. Mit der Hereinnahme von Kevin Großkreutz wollte Klopp das Mittelfeld kompakter und laufstärker machen, doch diese Maßnahme spielte Bayern in die Karten und ließ das eigene Offensiv-Potential bereits im Keim ersticken. Ohne den erkrankten Mats Hummels fehlte in diesem 4-5-1 der spielmachende Innenverteidiger, Felipe Santana und Neven Subotic konnten diese Rolle nie ausfüllen.

In den ersten 45 Minuten wurde somit auch Klopp vorgeführt. Heynckes profitiert in dieser Saison vom deutlich besseren Kader, von den anders gelagerten finanziellen Mitteln der Bayern ganz zu schweigen, doch konnte er dem BVB auch taktisch die Stirn bieten. Doch auch Klopp hat sich weiterentwickelt, taktische Flexibilität innerhalb eines Spiel war bisher nicht seine Stärke.

Wenn sich Klopp, wie in der Hinrunde gegen den FC Schalke, mal in der taktischen Trickkiste vergreift, oder, wie gegen Wolfsburg und im Rückspiel gegen den HSV, durch Platzverweise die Ordnung im Spiel des BVB verloren geht, schaffte es die Borussia bisher nicht, auf diese Störfaktoren zu reagieren.

Das war in München nun anders. Klopp stellte sein Team in der Pause völlig neu ein. Aus dem 4-5-1 wurde das Champions League erprobte 4-3-3, das erst mit der Einwechslung von Jakub Blaszczykowski für Großkreutz so richtige funktionieren konnte. Die im Aufbau überforderten Innenverteidier Santana und Subotic wurden von den abkippenden Sechsern Ilkay Gündogan oder Sven Bender im Spielaufbau unterstützt und Mario Götze bekam im Zentrum die nötigen Freiheiten.

Damit war das Spiel nun ausgeglichen, die Bayern wirkten durchaus beeindruckt, zogen sich zurück und das Gegenpressing verlor an Wirkung. Allerdings fehlten dem BVB auch die großen Torchancen, ein wirkliches Comeback konnte so nicht vollzogen werden. Das taktische Niveau dieser Partie war extrem hoch, nicht umsonst findet dieses Duell auch in der internationalen Presse eine große Beachtung. Mit Jupp Heynckes und Jürgen Klopp als immer besser werdende Taktiker – was international beide Teams zu Mitfavoriten auf eine Reise ins Wembley-Stadion machen.

Der Vergleich Schweinsteiger/Gündogan ist … unfair

Ob Expertenmeinungen von Günter Netzer oder Olaf Thon überhaupt Gehör geschenkt werden sollten, hätte eine eigene Analyse, oder besser: eine eigene Glosse verdient. Immerhin haben die beiden Alt-Internationalen mit ihren Äußerungen zu Bastian Schweinsteiger für einen interessanten Denkanstoß gesorgt: Ist Ilkay Gündogan, unbestritten ein, wenn nicht der Schlüsselspieler im System des BVB, mittlerweile so gut, dass er Schweinsteiger in der Nationalmannschaft verdrängen könnte?

Es lag natürlich auf der Hand, das gestrige Spiel als Maßstab für eine Bewertung dieser Frage heranzuziehen. Dann hätte Schweinsteiger seinen ohnehin vorhandenen Stammplatz im DFB-Team zementiert.

Und tatsächlich fehlen Gündogan noch ein paar Dinge, um Schweinsteiger noch vor der WM 2014 aus dem Zentrum zu verdrängen. Im Zweikampf muss Gündogan noch robuster werden (schlechteste Zweikampfquote aller defensiven Mittelefdspieler im Spiel gegen Bayern), für einen zentralen Mittelfeldspieler ist er nicht torgefährlich genug und bei Pässen entscheidet er sich noch zu häufig die für risikoreiche Variante.

Gegen die Bayern wurde Gündogan jedoch zum taktischen Opfer der Kloppschen Ideen. Im ersten Durchgang begann Gündogan im halbrechten Mittelfeld, dabei fehlten ihm offensiv die Anspielstationen. Nach der Pause war das Abkipp-Verbot zwar aufgehoben, doch im 4-3-3 übernahm Götze die Rolle des Taktgebers und wieder konnte Gündogan seine Qualitäten nicht zeigen. Somit gewann Schweinsteiger das statistische Rennen (14:8-Zweikämpfe, 95:61-Ballkontakte, 4:0-Torschussvorlagen) um Längen – Gündogan waren aber die Hände gebunden. gegendenball.com widmet sich diesem Vergleich aber zu einem späteren Zeitpunkt der Saison.

Arjen Robben ist … ein Auslaufmodell

Diese Aussage mag angesichts des Siegtores von Robben durchaus provokant oder gar hanebüchen klingen. Oberflächlich betrachtet war Robben wegen des sehenswerten Treffers gar der Matchwinner.

Trotzdem wird dieses Spiel am Status von Robben nichts verändern. Bisher behielt der Niederländer seine Unzufriedenheit weitestgehend für sich, mit jedem guten Spiel werden seine Ansprüche aber wachsen. Was dann passiert, ist reine Spekulation, folgende Punkte sprechen jedoch gegen einen baldigen Aufstieg zum Stammspieler:

  • Die Form seiner Mitspieler: Robben konkurriert mit Thomas Müller, Toni Kroos und Franck Ribéry um die drei Plätze in der offensiven Dreierreihe. Doch wer sollte von diesem Trio weichen? Müller ist Topscorer der Bayern, Ribéry hat mit seinen Dribblings ein entscheidendes Alleinstellungsmerkmal und auch Kroos ist Sechser, Achter und Zehner in einer Person.
  • Robbens Defensivschwächen: Gegen den BVB zeigte er ein gutes Spiel. Robben grätschte, machte weite Wege nach hinten und war an vielen Offensivaktionen beteiligt. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass Robben taktische Fehler begeht oder seinen Außenverteidiger ein, zwei Mal pro Spiel im Stich lässt. Dortmund Rechtsverteidiger Lukasz Piszczek ließ diese Möglichkeiten allerdings ungenutzt.
  • Robbens Theatralik: Eine Rückschau auf das Match in der Champions League gegen Arsenal zeigt, dass Robben bei allen Teamgedanken ein Egozentriker bleibt. Nach einem Ballverlust war Robben nur mit sich und seinen Gesten beschäftigt, die Unterstützung für Philipp Lahm war völlig vergessen.
  • Robbens Qualitäten: Die Qualitäten von Arjen Robben sind bekannt. Er kann mit dem Ball eng am Fuß hohes Tempo gehen, er zieht meist nach Innen und sucht mit dem starken linken Fuß den Abschluss. Dabei ist er eine One-Man-Show. Zweistellige Vorlagenstatistiken, wie sie Ribery fast jedes Jahr liefert – Fehlanzeige. Robben ist ein spezieller Spieler, den man sich auf Kosten taktischer und mannschaftsdienlicher Geschlossenheit leisten können muss.

Robbens Vertrag läuft noch bis 2015, ein dauerhaftes Reservistendasein mit einigen Rotationseinsätzen wird wohl zu einer vorzeitigen Trennung führen, wie bei Auslaufmodellen üblich.

Dante ist … der beste Bayern-Einkauf seit Jahren

Betrachtet man die Einkaufspolitik des FC Bayern der vergangenen sechs Jahre, so ist kein einheitliches Bild zu erkennen:

Da gibt es die teure Fraktion um Franck Ribéry, Mario Gomez, Manuel Neuer oder aktuell Javier Martinez – alles erwartbar funktionierende Transfers. Weniger glücklich wurden die Bayern mit teuren Talenten wie Marcell Jansen, Breno oder Jerome Boateng. Günstige Talente wie Jan Schlaudraff, Alexander Baumjohann, Nils Petersen oder Takashi Usami hatten es noch schwerer. Und dann gab es echte Überraschungen wie Luca Toni, Hans Jörg Butt, Ivica Olic oder David Alaba, die ihre Spuren hinterlassen haben.

Aber nicht erst seit gestern ist über all diesen klangvollen Namen Dante anzusiedeln. Der Brasilianer kam für 4,7 Millionen Euro von Borussia Mönchengladbach nach München, war als Backup hinter Holger Badstuber und Boateng eingeplant und hat sich innerhalb kürzester Zeit zum Abwehrchef aufgeschwungen.

Gegen den BVB zeigte Dante erneut, warum er mittlerweile sogar sein Debüt in der Selecao feiern durfte. Dante gewann acht seiner elf Zweikämpfe, antizipierte viele Laufwege in Dortmunds Offensive, war extrem passsicher (83 Prozent kamen zum Mitspieler), schlug starke Diagonalbälle auf Thomas Müller und hätte nach 80 Minuten mit einer Doppel-Kopfballchance fast für die Entscheidung gesorgt.

Während die Dortmunder den Ausfall von Hummels nie kompensieren konnten, nahm Dante, und jetzt hätten wir den Namen doch fast genannt, den Sturm des BVB komplett aus der Partie. Welches Trikot dieser Stürmer in der kommenden Saison trägt, war an diesem Abend doch nun wirklich egal.