The Big Lewandowski

Transfergerüchte sind das Salz in der Suppe vieler Sportberichterstatter. Was wäre so ein Fußball-Alltag ohne den täglichen Falcao, Cavani, Neymar oder Bale? Das heißeste Objekt der Bundesliga heißt Robert Lewandowski, der Meisterspieler vom BVB wurde per Twitter-Ente (http://meedia.de/internet/lewandowski-eine-twitter-ente-und-ihre-geschichte/2013/02/07.html) bereits in Lederhosen eingekleidet.

Wie die sensationslustigen Kollegen aber schnell gemerkt haben, kann der Weg vom Gerücht zur Nachricht sehr lang sein, besonders wenn der betroffene Spieler noch bis 2014 gebunden ist und gar nicht verhandeln darf. Viel spannender ist daher doch die Frage, was ein solcher Transfer für den FC Bayern bedeuten würde. Pep Guardiola heißt ab Sommer der neue Trainer – mit den Huldigungen für diesen Transfer könnten an der Säbener Straße ganze Wände tapeziert werden – und ein neuer Stürmer wird wohl kaum ohne die Zustimmung Guardiolas verpflichtet, oder? Zwei Thesen zum neuen Machtgefüge beim FC Bayern:

These 1: Pep Guardiola darf sich sein Wunschteam bauen

Die Aufregung um einen Mann, der sich zu seinem neuen Job noch mit keiner Silbe geäußert hat, war immens. „Weltklasse-Trainer“, „Kaiser Guardiola“, „Begehrtester Trainer der Welt“, „Glanz für die Bundesliga“ – so lauteten die Schlagzeilen nach der überraschenden Verpflichtung, die tatsächlich innerhalb weniger Stunden vom Gerücht zur Wahrheit wurde.

An dieser Stelle soll es nun nicht darum gehen, denkbare Risiken wie die Sprachbarriere oder Unerfahrenheit außerhalb Barcelonas aufzuzeigen. Vielmehr geht es um die Idee des neuen FC Bayern, denn ein neuer Trainer bringt seine Vorstellungen mit und von Guardiola wissen wir ziemlich genau, für welche Art Fußball er steht.

Wenige Tage bevor der Deal mit den Bayern bekannt gegeben wurde, gab Guradiola fifa.com (http://de.fifa.com/worldfootball/news/newsid=1986917.html) ein Interview, in dem er deutlich machte, auch in Zukunft von seinen Idealen nicht abrücken zu wollen. „Und in Zukunft werde ich versuchen, das zu tun, was ich als Spieler getan habe, woran ich glaubte und was ich die fünf Jahre lang als Trainer getan habe: So gut wie irgend möglich angreifen, den Ball erobern und ihn zwischen den Spielern kreisen lassen, die dasselbe Trikot tragen.“ Bezogen auf die Zeit beim FC Barcelona ergänzte Guardiola: „Wir haben den Ball, und jetzt wollen wir mal sehen, ob sie es schaffen, ihn uns wieder abzunehmen. Wir spielen ihn so oft wie möglich gegenseitig zu, und dann schauen wir mal, ob wir ein Tor erzielen können.“ Klingt nach Tiki-Taka, aber nicht nach Bayern München.

Einer der naturgemäß mit Guardiola gesprochen haben muss, ist Uli Hoeneß. Der Präsident war im Dezember zu Verhandlungen in New York und wusste zu überzeugen. Andersherum war das nicht nötig, möglicherweise ist in der Euphorie daher ein kleiner Übersetzungsfehler passiert. „So wie ich ihn verstanden haben, ist er auch der Ansicht, dass unsere Mannschaft nicht mit vielen Spielern verstärkt werden muss – er will mit unseren Spielern arbeiten, sie gefallen ihm“, sagte Hoeneß der Süddeutsche Zeitung. Sollte auf Guardiolas Wunschzettel aber trotzdem der Name Lewandowski stehen, dann gilt diese Einschätzung wohl nicht für Mario Gomez und Mario Mandzukic, die beide langfristige Verträge bis 2016 haben.

Denn seien wir ehrlich, auch wenn die Bayern in dieser Saison die Freude eines breiten Kaders für sich entdeckt haben, so wird ein Sturm mit Lewandowski, Gomez und Mandzukic selbst für die Münchner zu luxuriös sein. Vermutlich würde Gomez wechseln müssen, Kurzpassspiel passt zu Gomez wie Bundesliga zu Greuther Fürth.

Und genau hier liegt das Neue, das Ungewohnte und damit auch die Gefahr für den FC Bayern. Bisher stand der Club über allem, Einzelinteressen oder Egoismen hatten in diesem, trotz seiner wirtschaftlichen Erfolge, stets familiären Verein keine Daseinsberechtigung. Kant-Leser Guardiola könnte eine neue Philosophie nach München bringen, denn die Liebe zum Spiel, zur Taktik und der Wille, das Spiel bis ins kleinste Detail zu beherrschen, bestimmt das Denken des neuen Bayern-Trainers.

Das Gerücht Lewandowski ist daher der erste Mosaikstein, der in die Richtung deutet: Guardiola ist der neue starke Mann an der Säbener Straße, auch wenn Matthias Sammer das nicht gern lesen wird. Denn warum sollte sich Guardiola gegen das ungleich höhere Gehalt bei einem Premier League-Club entschieden haben? Sportliche Kompetenz dürften die Zauberworte lauten.

Guardiola darf sich also sein Team zusammenstellen, wie er es für seine Spielphilosophie für richtig hält. Messi, Xavi und Andres Iniesta sind aber nicht zu bekommen, daher müssen andere Lösungen her – selbst wenn Hoeneß mit seiner Einschätzung von punktuellen Verstärkungen Recht behalten sollte. Teuer könnte es trotzdem werden.

These 2: Die Bayern wollen den BVB um jeden Preis schwächen

Bei der Personalie Lewandowski ist eine zweite Lesart möglich, die an altbekannte Bayern erinnert und deshalb rein gar nichts mit Pep Guardiola zu tun hat: Die Münchner kaufen bei der nationalen Konkurrenz ein, um erstens den betroffenen Club schwächer zu machen, zweitens finanzielle Macht zu demonstrieren und wenn es drittens noch zur Aufwertung des eigenen Kaders genügt, umso besser.

Mit dem Vorurteil, andere Bundesligisten bewusst zu schwächen, müssen die Bayern schon so lange leben, wie sich auch das Dusel-Image hält. Begonnen hat es in der Rivalität zu Borussia Mönchengladbach mit Calle del Haye, später betraf es auch Vereine wie Werder Bremen (Herzog, Basler Klose), VfB Stuttgart (Elber), Bayer Leverkusen (Ballack, Ze Roberto, Lucio) oder den HSV (van Buyten).

Bei Borussia Dortmund bissen sich die Bayern aber die Zähne aus. In den 90er Jahren sollten Spieler wie Matthias Sammer, Stefan Reuter oder Steffen Freund nach München gelockt werden, der BVB hielt mit neuen Angeboten dagegen und gewann. Oder auch nicht, denn die Bayern hatten mit ihrer Preistreiberei durchaus einen Anteil an der Fast-Insolvenz der Borussia.

In der Gegenwart, nach zwei Meisterschaften in Folge ist wieder der BVB der große nationale Konkurrent, wollten die Bayern Mats Hummels zu einer Rückkehr überreden und auch im Rennen um Marco Reus wähnte sich der Rekordmeister gut im Rennen, doch in beiden Fällen machten wieder die Dortmunder das Rennen.

Im Unterschied zu den 90er Jahren spricht diesmal aber einiges für eine dauerhafte Rivalität: Die Mannschaft des BVB ist jung, die meisten Spieler haben langfristige Verträge und auch wenn der Rückstand in der Bundesliga bereits gewaltig ist – ein Abtauchen wie beim VfB Stuttgart 2007 oder beim VfL Wolfsburg 2009 ist unwahrscheinlich.

Was liegt da also näher, als mit Robert Lewandowski den Spieler abzuwerben, der im Sommer auf dem Markt sein könnte, abwanderungswillig erscheint und auf Seiten des BVB derzeit als der einzige unersetzbare Spieler im Kader gilt. Ein Transfer aus diesem Beweggrund ist in alter Hoeneß-Tradition zu sehen – die Frage nach dem starken Mann im Club dürfte damit auch beantwortet sein.

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