To me flirting it’s just like sport: Schalkes No. 5

To me flirting it’s just like sport, anything fly… trällert Lou Bega in seinem One-Hit-Wonder. Es ist nicht bloß die Suche nach einer arithmetischen Analogie, die uns über den gleichsam erfolgreichen wie penetrant nervtötenden Song Mambo Number 5 stolpern ließ. Unser Herz- und Nierencheck der möglichen Trainer-Kandidaten auf Schalke begründet sich auf dem Flirten der Presse mit jedem erfolgsversprechenden und verfügbaren Coach, und auch mit dem Mambo, den die Schalker mit dem derzeitigen Trainer Jens Keller tanzen.

Schalke spielt derzeit um Platz vier der Liga mit. Der Champions League-Qualifikationsplatz ist der geringste Ertrag, den der teure und qualitativ hoch besetzte Kader am Saisonende einbringen sollte. Den Druck der Clubverantwortlichen und die hohen Erwartungen der Fans bekommt vor allem der Trainer zu spüren. Jens Keller ist als Interimstrainer ins Rennen geschickt worden. Keller ist somit ein Trainer auf Bewährung, der nur bei sehr guter Führung überhaupt eine Chance zu haben scheint, seinen Job zu behalten.

Während die Presse Keller zunächst einfach mal zum „Gesicht der Krise“ (Bild) machte und ihm jeden Welpenschutz verweigerte, wird derzeit keine Gelegenheit ausgelassen, die Spieler zu einer positiven Aussage über den eigenen Trainer zu nötigen. Als ob ein Spieler den Trainer, der möglicherweise auch im nächsten Jahr für seine Aufstellung verantwortlich ist, öffentlich in die Pfanne hauen würde?

Gegen den Ball versucht die Arbeit von Jens Keller aus sportlicher Perspektive zu betrachten und beschäftigt sich mit fünf Kandidaten, die derzeit mit der Führungsposition in Gelsenkirchen in Verbindung gebracht werden.

Jens Keller

Fakten: Horst Heldt und Clemens Tönnies werden nicht müde, die Chancen von Jens Keller, auch über die Saison hinaus als Trainer beim FC Schalke 04 tätig zu sein, zu betonen. Warum verlängern sie den Vertrag von Keller dann nicht jetzt schon und sorgen für klare Verhältnisse? Das könnte dem Trainer und dem Team womöglich noch einmal einen Schub verleihen, zumindest aber würde die Trainer-Diskussion die wichtige Endphase der Saison nicht mehr belasten. Vermutlich ist die Entscheidung gegen Keller längst gefallen.

Trainerzeugnis

Jens Keller wurde als Interimstrainer geholt und derzeit sieht es so aus, als würde er dies auch bleiben. Seine Referenzen haben sich kaum verbessert. Von den 14 Pflichtspielen unter seiner Regentschaft gewann das Team nur sechs Spiele. Das Ausscheiden im DFB-Pokal kann man ihm kaum anlasten. Das Ausscheiden im Champions League-Achtelfinale allerdings schon. Schalke galt als Favorit gegen Galatasaray und hatte nach einem guten 1:1-Hinspielergebnis alle Chancen, weiter zu kommen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die inkonstante Spielweise des Teams. Guten Auftritten gegen Wolfsburg und Dortmund folgten die Pleiten in Nürnberg und gegen Galatasaray. In den Spielen gegen Hoffenheim und Bremen zeigte man jeweils zwei beängstigend schwache Halbzeiten, schlug die qualitativ schwächer besetzten Teams dann letztlich doch noch. Taktische Mängel, wie das späte Reagieren auf die Raute von Galatasaray, sind weitere Minuspunkte bei Kellers Beurteilung.

Fazit: Keller ist auch bei einer Qualifikation für die Champions League kein geeigneter Kandidat für den Trainerposten. Das Team hat unter seiner Leitung zu selten konstant das Leistungsniveau erreicht und zu viele unnötige Niederlagen eingesteckt (Fürth, Nürnberg, Galatasaray).

Fünf denkbare Trainer-Kandidaten

David Moyes, Everton

Fakten: Die britische Daily Mail brachte das Gerücht auf, der FC Schalke 04 sei an David Moyes von Everton interessiert. Moyes äußerte sich wie folgt. „Ich wollte schon immer im Ausland arbeiten“, sagte Moyes laut Sportinformationsdienst (sid). „Wenn ich die Wahl hätte, würde ich nach Deutschland gehen. Die Mentalität der Leute dort ist meiner sehr ähnlich“, so der Schotte.

Trainerzeugnis

David Moyes ist seit März 2002 als Coach beim Everton Football Club im Amt. Damit ist der 49-jährige Schotte hinter Alex Ferguson und Arsène Wenger der am drittlängsten im Amt befindliche Trainer der Premier League. Diese Konstanz wünscht sich Clemens Tönnies für Schalke eigentlich auch, doch der Fleischfabrikant beschäftigte im gleichen Zeitraum neun Trainer (ohne Interimslösungen) auf Schalke.

Moyes schaffte es mit Everton in zwölf Jahren achtmal unter die ersten Zehn und qualifizierte sich sechsmal für den internationalen Wettbewerb. Die beste Platzierung war ein vierter Platz in der Saison 2004/05. Er erreichte einmal das FA-Cup-Finale (1:2 gegen Chelsea). 2003, 2005 und 2009 wurde er von den Manager-Kollegen, der League Managers Association, zum Manager of the Year gewählt. Man kann also sagen, Moyes liefert konstant gute Arbeit ab.

In dieser Spielzeit liegt Everton auf einem starken sechsten Rang. Was die Schüsse auf das Tor des Gegners pro Spiel angeht, rangiert Everton sogar vor Chelsea, Arsenal und Manchester United auf dem vierten Platz dieser Statistik. Wer nun glaubt, Moyes sei ein Trainer, der offensiv spielen lässt, dem muss man eine Absage erteilen.

Zwar ist Moyes ein flexibler Trainer, der auch schon mal Pressing spielen lässt. In der Regel agiert er allerdings mit zwei tief stehenden Viererketten. Er gilt als Coach, der auf die Stärken des Gegners die richtige Antwort hat, aber kein eigenes, durchgängiges Spielkonzept kultiviert.

Bei Everton verfügt Moyes nicht über das Budget eines Topclubs, dennoch gelingt es ihm immer wieder, eine schlagkräftige Mannschaft zu formen. Für Moyes stehen somit Teamgeist, Disziplin und harte Arbeit im Vordergrund. Er gilt zudem als detailversessen und gut im Handling einzelner Spieler.

Fazit: Moyes hat seine Qualität als guter Ligatrainer nachgewiesen. International hat er noch keine Bäume ausgerissen, allerdings fehlte es ihm in Everton auch an Kapital und somit Qualität. Er ist ein taktisch flexibler Trainer, gehört aber weder zu den Vertretern des modernen Gegenpressing noch kann man bei ihm eine explizite Vorliebe für Offensivfußball erkennen. Seine Mentalität passt zum Malocherclub Schalke und er hat ein gutes Auge für Talente.

Miroslav Djukic, Real Valladolid

Fakten: Schalke 04 hat angeblich Interesse an Miroslav Djukic, Trainer des spanischen Erstligisten Real Valladolid. Dies erklärte dessen Berater Carlos Bocero im spanischen Radiosender Cadena Ser. Angesprochen auf die Gerüchte sagte Djukic: „Ich fühle mich hier sehr wohl, kann mich als Trainer weiterentwickeln und hoffe, dass ich meinen Job gut erledige. Ich konzentriere mich jetzt nur auf den Saison-Endspurt und möchte mir um nichts anderes Gedanken machen“, so der Coach laut Fichajes.com.

Trainerzeugnis

Djukic trainierte erfolgreich die U21-Auswahl Serbiens, die unter seiner Führung Vize-Europameister 2007 wurde. Danach übernahm der 47-Jährige Partizan Belgrad. Nach nur 356 Tagen im Amt trat er zurück – immerhin als Trainer des Jahres – und wurde Serbiens Nationalcoach. Nach Streitigkeiten mit dem Verband gab er den Posten allerdings nach nur acht Monaten wieder auf. Nach einem Kurzeinsatz als Übungsleiter von Excelsior Mouscron übernahm er für drei Monate bei Hércules Alicante, konnte den Abstieg aber nicht verhindern.

Miroslav Djukic ist seit Juli 2011 Trainer von Real Valladolid. Er schaffte als Dritter der abgelaufenen Zweitligasaison letztlich den Aufstieg über die Playoffspiele. Djukic lässt in der Regel ein 4-2-3-1-System spielen. Das Offensivspiel wirkt variabel, da die offensiven Mittefeldspieler auch mal situativ die Positionen tauschen. Djukic lässt gegen starke Gegner durchaus auch Pressing spielen und legt Wert auf Standardsituationen.

Djukic macht beim oft als Provinzclub gehandelten Real Valladolid mit einem kleinen Budget viel aus den Möglichkeiten. Derzeit ist der Club Tabellen-13. Auffällig ist, dass Djukic bisher im Schnitt nicht einmal ein Jahr bei einer Anstellung geblieben ist.

Fazit: Djukic ist schwer einzuschätzen. Er hat als Spieler für Valencia, Deportivo La Coruna und die jugoslawische Nationalmannschaft viel Erfahrung gesammelt. Als Trainer konnte er erste Erfolge als Trainer mit der U 21 und als Trainer des Jahres in Serbien sammeln. Er stieg mit Valladolid auf, spielt eine erfolgreiche Saison, konnte sich aber bisher noch nicht auf CL-Niveau beweisen.

Jupp Heynckes, FC Bayern München

Fakten: Das Boulevardblatt Bild deckte den angeblichen „Geheimplan“ auf, Schalke wolle Jupp Heynckes verpflichten. Was war geschehen? Nachdem Uli Hoeneß vorschnell verkündet hatte, der Trainer würde seine Karriere nach der Saison beenden, widersprach ihm Heynckes und anschließend schossen die Spekulationen ins Kraut. Heynckes antwortete, als man ihn auf ein mögliches Engagement bei Schalke 04 ansprach: „Ich kann es ja nicht verhindern, wenn in dem einen oder anderen Klub, wo es um die Trainerposition für die neue Saison geht, unter Umständen mein Name gehandelt wird.“

Trainerzeugnis

Die außerordentlichen Leistungen von Jupp Heynckes als Trainer sind bekannt. Er ist Champions League-Sieger mit Real Madrid geworden. Holte dreimal den Meistertitel mit dem FC Bayern München, wurde mit Bayer Leverkusen Vizemeister und leistete bei Athletic Bilbao gute Arbeit. Allerdings gibt es auch die weniger erfolgreichen Zeiten in Frankfurt (1994/95), bei Schalke 04 (2003/04) und Gladbach (2006/07).

Heynckes war also schon einmal Schalke-Coach. Damals wurde er gefeuert, weil sein Verhältnis zur Mannschaft gestört gewesen sein soll. Rudi Assauer: „Er ist ein Trainer alter Schule. Er wollte sein Ding weiter durchziehen und ließ sich nicht überzeugen, gewisse Dinge anders zu machen. Mein eigentliches Ziel war es, den Trainer umzustimmen“, so der damalige Schalke-Manager. Gerade in dieser Hinsicht hat sich Jupp Heynckes fundamental geändert.

„Ich bin der Meinung, dass man mit Druck bei der heutigen Spielergeneration nichts erreicht und wir als Trainer angehalten sind, eine Atmosphäre zum Wohlfühlen zu schaffen“, sagte Heynckes zu Beginn seiner Zeit bei Bayer Leverkusen gegenüber welt.de. „Man muss im Fußball mit der Zeit gehen und den Veränderungen gerecht werden. So bin ich durch jede Erfahrung ein besserer Trainer geworden“.

Fazit: Jupp Heynckes war schon immer ein guter Trainer. Durch seine hervorragende Arbeit bei Bayer Leverkusen und Bayern München hat er gezeigt, dass er auch ein guter Trainer unserer Zeit ist und sich ständig anpassen kann. Er wäre sicherlich ein Gewinn für Schalke, aber ist Schalke auch ein Gewinn für Heynckes? Ein Engagement auf Schalke wäre ein Schritt zurück für den Meistertrainer und bei so einem Schritt kann man eigentlich nur verlieren.

Thomas Tuchel, Mainz 05

Fakten: Die Gerüchte halten sich hartnäckig, dass Thomas Tuchel ein Kandidat für den Trainerposten auf Schalke sein soll, doch ein Treffen des Mainz 05-Trainers mit Schalke-Manager Horst Heldt hat es wohl nicht gegeben.

Trainerzeugnis

Tuchel machte in der Saison 2004/05 erstmals auf sich aufmerksam, als er Deutscher A-Jugendmeister mit der Mainzer U 19 wurde. Der Trainer des FSV ist nun seit vier Spielzeiten als Chefcoach im Amt. Die Plätze 9/5/13 und derzeit der achte Rang sind eine starke Leistung, wenn man bedenkt, welch schwierige finanzielle und strukturelle Voraussetzungen Mainz 05 gegenüber Konkurrenten wie Stuttgart, Hannover, Bremen, Hoffenheim oder Wolfsburg hat. In der Etatliste aller Bundesligisten ist Mainz 14. Nur Augsburg, Freiburg, Düsseldorf und Fürth haben es noch schwerer.

Thomas Tuchel gilt als ausgesprochener Taktikfuchs. Das geht so weit, dass man den Eindruck bekommt, er benutze die erste Mannschaft des FSV als Versuchskaninchen in seinem eigenen Taktiklabor. „Bei uns gibt es nicht wirklich Stammspieler. Das ist bei Thomas Tuchel so, weil wir taktisch sehr flexibel in die Spiele gehen“, beschrieb der ehemalige Spieler Eugen Polanski die Situation aus Sicht des Kaninchens gegenüber faz.net.

Der Erfolg gibt ihm Recht und Mainz-Manager Christian Heidel tut gut daran, den Trainer weiter forschen zu lassen. Erste Arbeiten unter den Begriffen „Matchplan“ oder „Gegenpressing“ sind der Öffentlichkeit bereits bekannt. Oft lässt Tuchel im 4-3-1-2-System spielen. Dabei stellt er aber nicht immer die besten Spieler auf, sondern nominiert die für das System und den Gegner geeignetsten Spieler.

Er richtet sich nicht selten nach den Stärken des Gegners, bleibt aber meist seinem Verständnis von Balleroberung durch Gegenpressing treu. Die vielen Umstellungen können aber auch zum Bumerang werden. Manchmal wirkt es, als stehe er sich selbst im Weg. Gerade wenn Mainz im Begriff ist, den Schritt in die internationalen Ränge zu tun, dann stürzen sie wieder ab, bzw. verlieren die entscheidenden Spiele.

Zudem hat Thomas Tuchel auch eine kritikwürdige Seite. Er legt sich vorzugsweise mit Schiedsrichtern an, gibt sich besserwisserisch und gerät nicht selten mit den Medienvertretern in Konflikt. Seine Außendarstellung ist gewöhnungsbedürftig und seine Argumentation rund um das Thema Benachteiligung durch Schiedsrichter meist schwer nachzuvollziehen.

Fazit: Tuchel ist ein außergewöhnlich talentierter und moderner Trainer. Er hat sich allerdings auf hohem Niveau noch nicht beweisen können. Man hat auch den Eindruck, er ist noch in der Lernphase und probiert sich lieber einmal mehr aus, als das bekannte Erfolgsrezept zu wählen. Das ist bei Mainz 05 kein Problem, solange er nicht die Abstiegsränge tangiert, könnte bei Schalke aber schnell Unruhe entstehen lassen. Seine schwierige Außendarstellung könnte im medialen Haifischbecken Schalke zu weiteren Problemen führen.

Roberto di Matteo, vereinslos

Fakten: Die Sportbild verbreitete im Dezember, dass Roberto di Matteo ein Thema auf Schalke sein soll und dass es bereits ein Geheimtreffen gegeben habe. Rolf Fringer kennt Di Matteo seit 20 Jahren und äußerte sich bei goal.com skeptisch. „Es gibt halt Vereine, die immer viel zu viel wollen, wie Schalke. Und sich selber alles kaputtmachen. Da ist er [Di Matteo/Anm.d.Red.] viel zu vernünftig, als dass er sich auf solch einen Schleudersitz setzen würde. Ich denke nicht, dass er das macht.“

Trainerzeugnis

Der 42-jährige Coach wurde in der letzten Saison Champions League- und FA Cup-Sieger mit Chelsea. Sein Wirken als Trainer begann allerdings in den Niederungen der League One (dritte englische Liga). Dort erreichte er mit Milton Keynes den dritten Tabellenplatz, scheiterte dann jedoch in den Aufstiegsplayoffs. Dennoch holte ihn der Zweitligist West Bromwich Albion, mit dem er den Aufstieg in die Premier League erreichte.

Dort wurde er im Februar 2011 auf Platz 17 liegend gefeuert. „Roberto wurde ein Opfer der ‚Hire and Fire‘-Mentalität, unter der das Fußballgeschäft heute leidet“, kommentierte damals Richard Bevan, Chef der League Managers Association gegenüber thenational.ae. Di Matteo konnte die Entlassung später mit Humor nehmen. „Schaut wo ich jetzt bin“, sagte er rückblickend als Chelsea-Coach. „Ich glaube also, die Entlassung damals war keine so schlechte Sache“, so der spätere CL-Siegercoach mit einem Lächeln.

Viele deutsche Fußballfans sind der Meinung, der Champions League-Sieg unter Di Matteo sei unverdient gewesen, da er nur Glück gehabt habe. Dieser Eindruck täuscht. Bis zum Titelgewinn schlug Chelsea immerhin Leverkusen, Genk, Valencia, Neapel, Benfica und den FC Barcelona. Die Spielweise der Blues war gegen den FC Bayern und zuvor gegen Barcelona ultradefensiv, doch genau hier liegt die Stärke von Di Matteo.

Er hatte erkannt, dass sein Team spielerisch mit Barcelona und Bayern nicht mithalten konnte und wählte eine legitime defensive Einstellung. Sein Matchplan ging auf und wer gegen Bayern und Barca die richtigen Mittel wählt, und gewinnt, der ist ein guter Trainer. Aber noch einmal zum Thema Spielstil. Bei Chelsea hatte Di Matteo Andre Villas-Boas beerbt.

Der Konzept-Trainer Villas-Boas hatte zuvor in einem 4-3-3-System spielen lassen, Di Matteo wich davon ab. Der Italiener gab den Leistungsträgern und alten Haudegen das Selbstvertrauen zurück und spielte den Fußball, der mit den vorhandenen Spielertypen möglich war. Das Team agierte nun nicht mehr hochstehend und die Zeit des konsequenten Pressings war vorbei.

Gegen Barcelona und Bayern rückte zeitweise ein fünfter Spieler in die Abwehrkette, um den Raum so kompakt wie möglich zu halten. Der Stempel, ein Trainer zu sein, dessen Konzept einzig die defensive Spielweise ist, haftet Di Matteo bis heute an. Dabei wurde er gerade, als er bei Chelsea mit zum Teil neuem Personal ein gepflegtes Kurzpassspiel aufziehen wollte, schon wieder gefeuert.

Der angebliche Defensiv-Spezialist war mit seinem Team zu diesem Zeitpunkt auf der Suche nach der Balance zwischen Offensive und Defensive. „Jeder will die Spieler zaubern sehen, aber um Spiele zu gewinnen, musst du Balance schaffen“. Schon bei WBA war seine Spielweise nicht vornehmlich auf Defensive angelegt. Nach seiner Entlassung hatte man ihm sogar vorgeworfen, die Defensivordnung vernachlässigt zu haben. Ein Vorwurf, der nicht zum eigenen Klischee passen will.

Fazit: Das Vorurteil, Roberto di Matteo sei ein reiner Defensiv-Trainer, stimmt also nicht. Di Matteo lässt einen positionsbezogenen Fußball spielen und spricht viel mit den Spielern. Da er die deutsche Sprache fließend beherrscht, hätte er weniger Anpassungsprobleme als z.B. Moyes oder Djukic.

Das Ende einer Casting-Show

Für Jupp Heynckes wäre ein Engagement auf Schalke nach der erfolgreichen Saison mit dem FC Bayern ein Rückschritt. David Moyes ist ein anerkannter Fachmann, der aus den bescheidenden Möglichkeiten bei Everton viel gemacht hat. Allerdings beherrscht er die Sprache nicht und war bisher nicht als Vertreter eines offensiven Fußballkonzeptes bekannt.

Mit Roberto di Matteo würde ein großer Titelträger in die Arena einziehen. Er beherrscht die deutsche Sprache und die Sprache der Spieler. Er versteht es, aus den vorhandenen Mitteln das Beste zu machen. Es spricht also nichts gegen den 42-Jährigen. Bei Miroslav Djukic gibt es noch zu viele Unbekannte. Seine kurzen Amtszeiten und die unterschiedlichen Stationen und Aufgabenstellungen machen es schwer, ihn einzuschätzen.

Thomas Tuchel steht für ein modernes Fußballkonzept des Gegenpressings. Seine schwierige Art und Außendarstellung könnte allerdings Probleme mit Medien und Fans produzieren. Allerdings hatte schon einmal ein Club Bedenken gegen einen Trainer, aufgrund von nichtsportlichen Gesichtspunkten. Das war der HSV und der Trainer hieß Jürgen Klopp.

Der letzte Gedanke

Fachlich spricht kaum etwas gegen die erwähnten Trainer. Sie haben alle gewisse Erfolge aufzuweisen. Aufgrund ihrer Vita konnten drei der fünf Kandidaten noch nicht beweisen, ob sie auch auf Champions League-Niveau mit Stars wie Jefferson Farfan und Klaas-Jan Huntelaar umgehen können. Nur Jupp Heynckes und Roberto di Matteo trainierten schon auf diesem Niveau. Ein Engagement von Heynckes schließen wir aus genannten Gründen aus.

Drei unserer Kandidaten haben zwangsläufig keine Bundesliga-Erfahrung und zwei davon sprechen die Sprache nicht (Djukic, Moyes). Die einfachste Lösung wäre also, Thomas Tuchel einzustellen, falls man ihn aus seinem Vertrag herauslösen kann. Vielleicht zahlt sich aber auch der Mut zu einem Trainer, der neue Erfahrungen in die Liga einbringt, aus.

Die Schalker Mannschaft ist von der Zusammenstellung her zu Offensiv-Fußball verdammt. Auch unter diesem Gesichtspunkt würde der taktisch flexible und moderne Thomas Tuchel sicherlich am besten passen. Allerdings passt auch Di Matteo glänzend in das Anforderungsprofil. David Moyes gilt als bisher fast ausnahmslos reaktiver Coach.

Wir sprechen uns also für Thomas Tuchel oder Roberto Di Matteo aus. Die Causa Keller ist allerdings noch nicht abschlägig beschieden. Horst Heldt versucht derzeit, die Keller-Karte weiter öffentlich auszutesten. „Es wäre gut, einen Trainer mal drei bis vier Jahre zu halten“, so der Manager auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Bayer Leverkusen. Jens Keller tat einen Teufel, da zu widersprechen.

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