Umparken im Kopf

Jürgen Klopp ist ein hervorragender Trainer. Es dürfte schwer werden, Vertreter einer anderen Meinung zu finden. Jürgen Klopp ist aber auch ein omnipräsenter Mann der Öffentlichkeit, der mit diversen Werbeverträgen, stetig guter Laune und verbalen Aussetzern gegen Schiedsrichter die Fußball-Öffentlichkeit spaltet. Es dürfte deutlich leichter sein, Menschen zu finden, die von Klopp genervt sind.

Aktuell ist der Gute-Laune-Klopp nur noch ganz selten zu sehen. Seine Mannschaft spielt in der Bundesliga seit Monaten erfolglosen, seit ein paar Wochen gar schlechten Fußball. Klopp wirkt müde, um Erklärungen ringend, ratlos – und deshalb nicht wie Klopp. Es scheint, als müsse er die Veränderung realisieren, wie er es in einem Werbespot für eine Automarke fordert („Und, wann parkt ihr um?“).

Parallel zu den kritischer werdenden Fans, die nach der 0:2-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt erstmals ihren Unmut äußerten, kippt auch die Stimmung in den deutschen Medien. Wochenlang wurden nur die zwei Gesichter des BVB thematisiert, so als müsse Klopp seinen Spielern vor einem Bundesliga-Spiel nur sagen, dass sie doch bitte wie in der Champions League spielen sollen. Und nun soll die Borussia plötzlich ein ernsthafter Abstiegskandidat sein?

Dabei ist der bisherige Saisonverlauf ein Produkt verschiedener Komponenten:

Der Unersetzliche: Robert Lewandowski

Möglicherweise hört man es in Dortmund nicht gerne, aber der Transfer von Robert Lewandowski zum FC Bayern war der erste Abgang eines Leistungsträgers, den der BVB nicht kompensieren konnte. Und wirklich überraschend kam dieser Umstand nicht.

Der polnische Stürmer war nicht nur wegen seiner 74 Bundesliga-Tore in vier Jahren ein Erfolgsgarant. Lewandowski war das Multitalent in Dortmunds Mannschaft. Er machte lange Pässe fest und legte sie erfolgreich ab. Mit ihm konnte das spielstarke Mittelfeld kombinieren. Er fehlte in den vier Jahren nur in fünf Bundesliga-Spielen. Er lief viel und absolvierte dabei die richtigen Laufwege. Und Lewandowski hatte das taktische System von Klopp perfekt verinnerlicht.

Nach den Abgängen von Nuri Sahin (2011), Shinji Kagawa (2012) und Mario Götze (2013) stand Klopp vermeintlich vor ähnlichen Problemen. Das Trio ist allerdings im Mittelfeld beheimatet, deshalb war Dortmunds Trainer nicht gezwungen, einen unmittelbaren Ersatzmann zu finden. Mit mannschaftsinternen Verschiebungen, kleinen taktischen Änderungen und den Zugängen von Ilkay Gündogan (2011), Marco Reus (2012) und Henrikh Mkhitaryan (2013) blieb der BVB die zweitbeste deutsche Mannschaft.

Vor dieser Saison reagierte Klopp personell gar doppelt, mit Adrián Ramos und Ciro Immobile kamen zwei neue Angreifer als Ersatz für Lewandowski. Die beiden unterschiedlichen Stürmertypen sollten Klopps Möglichkeiten erhöhen, zudem sollte der Druck des Lewandowski-Erbes auf vier Schultern verteilt werden. Die Strategie ging nicht auf, Immobile und Ramos wirken verunsichert und lange noch nicht integriert – auch weil beide den jeweils anderen im Kampf um einen Stammplatz ausstechen wollen.

Der Abgang von Lewandowski war nicht zu verhindern und ist auch nicht das Problem. Klopp und Manager Michael Zorc müssen sich aber den Vorwurf gefallen lassen, nicht schon ein Jahr vorher auf den bevorstehenden Transfer reagiert zu haben (und wer bitte hatte im Sommer 2013 Zweifel, dass Lewandowski den Verein verlassen würde?). Zumal die Macher in Dortmund wussten: Anpassungsprobleme an Klopps System sind obligatorisch. Dass Pierre-Emerick Aubameyang nun häufig im Angriff aushilft und das eine Jahr Erfahrung mitbringt, war so jedenfalls nicht geplant.

Von Millionen und Muttis Schoß

Damit wäre ich auch schon bei der Einkaufspolitik des BVB angelangt. Seit der Meisterschaft 2011 gaben die Dortmunder laut transfermarkt.de 144,85 Millionen Euro für neue Spieler aus. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke erklärt das mit schwierigen Verhandlungen und der um die finanziellen Möglichkeiten wissenden Konkurrenz. Trotzdem bleibt es eine immense Summe, die eine Erwartungshaltung mit sich brachte. Zum Vergleich: Der FC Bayern investierte im selben Zeitraum 234 Millionen Euro, der FC Schalke 44,25 Millionen in Ablösesummen.

Abgesehen von Spielern aus den eigenen Reihen – wie Erik Durm oder Marian Sarr – verteilt sich die Transfersumme auf 17 Spieler in vier Jahren. Ohne jetzt alle Namen nennen zu wollen, als uneingeschränkte Verstärkung lasse ich nur Gündogan, Reus und Sokratis gelten, mit leichten Abstrichen auch noch Aubameyang und Rückkehrer Sahin. Bei den aktuellen Zugängen ist ein endgültiges Fazit natürlich noch zu früh.

Apropos Sahin: Die Rückholaktion des Türken, der als jüngster Bundesliga-Torschütze ein Stück BVB-Geschichte geschrieben hat, war bereits ein sentimentaler Transfer. Noch viel mehr gilt das für Shinji Kagawa. Der Japaner verließ die Borussia nach der zweiten Meisterschaft 2012, hatte zwei unglückliche Jahre in Manchester, die auch auf seine Leistungen im Nationalteam abfärbten. #freeshinji wurde also nur verpflichtet, weil die Erinnerungen an seine Leistungen in Dortmund kaum verblasst waren.

Jeder andere Spieler wäre nach diesen zwei Jahren in Manchester wohl durch das Scouting-Netz gefallen. Zumal Klopp gerade sein Mittelfeld in dieser Saison taktisch flexibler gestalten wollte, Kagawa aber nachweislich nur im Zentrum funktioniert. Die Rückkehr in Muttis warmen Schoß geht auch im realen Leben selten gut aus – für beide Seiten.

Die sportlichen Probleme

Die personellen Voraussetzungen im Kader stimmten somit schon vor der Saison nicht. Geblendet von den vergangenen Jahren und vom Erfolg im Supercup gegen die Bayern prognostizierten aber auch wir von Gegen den Ball einen zweiten Platz für den BVB.

Um 16 Plätze vertut man sich als Experte natürlich ungern. Am Ende der Saison wird die Diskrepanz auch wieder deutlich kleiner sein, aber zum Ausblick komme ich später. Was hat neben der kritikwürdigen Personalplanung noch zur sportlichen Schieflage beigetragen?

  • Chancenverwertung: Dieses Problem ist nicht neu, hat jedoch eine andere Dimension erreicht. Der BVB lässt seit Jahren beste Torchancen durch Unkonzentriertheiten aus, auch wenn es in Sachen Torchancen und Torabschlüsse am Ende immer zu Spitzenplätzen in der Bundesliga gereicht hat. In dieser Saison werden weniger Chancen herausgespielt (Rang 5 in der Bundesliga), zudem hat die Konzentration vor dem Tor weiter abgenommen. Die Dortmunder liegen in der Chancenverwertung nur auf dem 17. Liga-Rang. Zwei Beispiele: Mit 32 Torschüssen reichte es in der vergangenen Saison zu einem 1:0-Heimsieg gegen Werder Bremen, gegen Hannover ging in dieser Spielzeit das Heimspiel mit 18 Torschüssen 0:1 verloren. In Frankfurt kamen dann noch Pech und ein überragender Torwart hinzu – so funktioniert Abstiegskampf.
  • Individuelle Fehler: Sieben der bisher 21 Gegentore in der Bundesliga fielen nach krassen Patzern eines BVB-Spielers. Wenn ich Roman Weidenfellers Langsamkeit bei Hiroshi Kiyotakes Freistoßtreffer für Hannover und die nicht eindeutig zuzuordnenden Fehler beim 2:2 gegen Paderborn hinzuzähle, ist es sogar fast jeder zweite Gegentreffer.
  • Verletztenmisere: Für die vielen Ausfälle gibt es keinen Schuldigen, außer womöglich die allgemein hohe Intensität für Fußball-Profis. Bis auf Weidenfeller, Kevin Großkreutz und Aubameyang mussten in den vergangenen anderthalb Jahren alle Stammspieler mal für einen längeren Zeitraum aussetzen. Diese Probleme kennt man in München und Gelsenkirchen aber nur zu gut. Was ist also der Unterschied zur Lage bei den großen Rivalen? Die Bayern profitieren vom ausgeglichenerem Kader, zudem braucht das laufintensive Spiel des BVB die vollständige Fitness aller Spieler.
  • Läuferische Ineffizienz: Borussia Dortmund ist weiterhin eine der Mannschaften, die in der Bundesliga am meisten läuft. Das spricht für die konditionelle Verfassung, wirft aber trotzdem Fragen auf. Warum kann die Mannschaft im zweiten Durchgang häufig nicht mehr zulegen? Warum sind sieben Gegentore in der Schlussviertelstunde gefallen?
  • Weltmeisterschaft: Analog zu den Verletzungssorgen hat der BVB auch bei den Folgebelastungen der WM kein Alleinstellungsmerkmal. Allerdings ist bei der Borussia auffällig, dass mit Weidenfeller, Großkreutz, Durm und Matthias Ginter gleich vier Spieler im Kader stehen, die in Brasilien keine Minute gespielt haben, sich trotzdem Weltmeister nennen dürfen und seitdem in einem Leistungstief stecken.
  • Taktischer Stillstand: Klopp hatte in der vergangenen Saison erkannt, dass sich immer mehr Teams auf die Gegenpressing-Maschine des BVB eingestellt hatten. Er ließ in der Vorbereitung mit situativen 4-1-4-1- oder 4-3-1-2-Systemen neue Taktiken einstudieren, um das eigene Ballbesitzspiel gefährlicher zu machen. Klopp wollte mit einer flexibleren Raumaufteilung für Überzahlsituationen sorgen, was in einigen Testspielen auch gut funktionierte. Dann kamen die ersten Verletzten sowie die Rückkehr von Kagawa – seitdem spielt der BVB wieder überwiegend im 4-2-3-1 mit Fokus auf Pressingaktivitäten und weiß sich deshalb in Spielen gegen tief stehende Gegner und mit hohem Ballbesitz-Anteil nicht durchzusetzen.

Abhängigkeit von zwei Spielern

Viele Faktoren für den Absturz habe ich genannt. In der vergangenen Woche gesellte sich ein Problem hinzu, dass es in einem Kader mit dermaßen hoher individueller Qualität eigentlich nicht geben sollte: Die Spieler sind verunsichert. Sie suchen einen Anführer, einen starken Charakter, der sich durch den Tabellenplatz nicht beirren lässt.

Eigentlich hatte der BVB mit dem 1:0-Sieg gegen Mönchengladbach den Wendepunkt erreicht. Es folgte eine gute erste Halbzeit gegen Paderborn mit einer 2:0-Führung, die, beeinflusst durch die Verletzung von Marco Reus, wieder verspielt wurde. Reus mag kein Anführer, kein Lautsprecher sein, er kann an durchwachsenen Tagen aber den Unterschied ausmachen.

Mit Mats Hummels fehlte auch der zweite Spieler, der – unabhängig von seiner Bedeutung als spielender Innenverteidiger – in der Dortmunder Mannschaft in der derzeitigen Verfassung nicht zu ersetzen ist. Alle anderen Spieler sind mit sich selbst beschäftigt, in einem Leistungsloch, suchen ihren Platz im System oder haben Probleme mit der neuen tabellarischen Situation. Im Moment ist die Borussia abhängig von zwei Spielern, was für ein Team mit den Ansprüchen des BVB ein sehr schlechtes Zeichen ist.

Die Akte Mkhitaryan

In dieser psychologischen Debatte bedarf es einer gesonderten Betrachtung des Armeniers Henrikh Mkhitaryan. Der Mittelfeldspieler ist schnell, läuferisch stark, technisch extrem gut, besitzt eine tolle Schusstechnik und weiß auch defensive Zweikämpfe zu führen. Eigentlich der perfekte Spieler für Klopp, so erklärt sich die Ablösesumme von 27,5 Millionen Euro für Shakhtar Donetsk.

Mkhitaryan ist aber auch ein nachdenklicher Mensch, was ihn augenscheinlich hindert, mit Selbstvertrauen sein komplettes Leistungsvermögen abzurufen. In der schwächeren ukrainischen Liga fiel das nicht so ins Gewicht. Schon in seinem ersten Jahr widerlegte er die These, Neuzugänge bräuchten unter Klopp ein Jahr, um alle Anforderungen zu verstehen. Mkhitaryan hatte schnell verstanden – und war trotzdem kein absoluter Leistungsträger, was bei neun Toren und zehn Vorlagen absurd klingt.

Der 25-Jährige schwamm in seiner ersten Saison mit, weil es Reus, Lewandowski, Sahin und Hummels möglich machten. In der aktuellen Spielzeit fehlen die Schwimmhilfen – und Mkhitaryan grübelt noch mehr. Nach 13 Spielen war der Armenier noch an keinem Tor direkt beteiligt, bei 21 Torschüssen und 16 Torschussvorlagen. Er taugt wegen der hohen Ablösesumme als Götze-Ersatz und seiner Fähigkeiten zum größten Symbol der Dortmunder Krise.

Kann der BVB wirklich absteigen?

Ich werde jetzt ganz sicher nicht schreiben, dass im Fußball ja alles möglich sei. Borussia Dortmund wird die Klasse halten – souverän sogar. Manager Zorc hat offiziell den Abstiegskampf ausgerufen, ein nachvollziehbarer Reflex, da der Einzug in die Champions League tatsächlich unrealistisch geworden ist. Aktuell hat der BVB elf Punkte, für Rang vier brauchte man in der Bundesliga in den vergangenen zehn Jahren sechsmal 60 Punkte oder mehr. Umgerechnet bedeutet das im Fall der Dortmunder: 16, vielleicht sogar 17 Siege bei noch 21 ausstehenden Spielen. Die Argumente für eine deutlich bessere Rückrunde sind trotzdem vielfältig:

  1. Der Verein behält die Ruhe und lässt Klopp in Ruhe weiterarbeiten.
  2. Mats Hummels kehrt noch in der Hinrunde zurück.
  3. Marco Reus kann die Vorbereitung zur Rückrunde bestreiten und in guter Form zurückkehren.
  4. Ilkay Gündogan wird das Grundlagentraining im Januar auf dem Weg zur alten Verfassung behilflich sein.
  5. Mit dem DFB-Pokal gibt es ein positives Saisonziel.
  6. Mit Kuba Blaszczykowski erhöht sich die Flexibilität im Mittelfeld, wo sich Reus, Kagawa und Mkhitaryan zu ähnlich sind.
  7. Klopp kann in der Vorbereitung seinen taktischen Plan neu auf die Agenda nehmen.
  8. Mit Reus wird in der Rückrunde die Gefährlichkeit der Standardsituationen zunehmen.
  9. Immobile und Ramos werden Fortschritte machen.
  10. Die Mannschaft parkt wie Klopp im Kopf um und wird sich spätestens in der Rückrunde an die neue Ausgangslage gewöhnt haben.

Exkurs: Die Bedeutung der medialen Top-Themen

Drei Themen habe ich in meiner Analyse bewusst ausgespart, obwohl sie in den Medien einen großen Raum bekommen. Für mich haben alle drei jedoch keine Bedeutung für die aktuelle Situation des BVB:

  • Reus und Bayern: Ausstiegsklausel, Interessensbekundung, Transfer-Pakt – die Schlagzeilen reißen nicht ab. Die Mannschaft spielt aber nicht schlechter, weil der Topstar in einem halben Jahr den Club verlassen könnte.
  • Unterstützung der Fans: Die Mannschaft hätte auch nicht besser oder schlechter gespielt, wenn die Südtribüne nach den Heimniederlagen gegen den HSV und Hannover gepfiffen hätte.
  • Klopp und ein möglicher Rücktritt: Nach der Niederlage in Frankfurt musste sich der Trainer erstmals Fragen zu seiner Zukunft stellen lassen. Wer sich in Dortmund auskennt, weiß um die Absurdität solcher Gedanken. Die Mannschaft weiß das auch.
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13 comments

  1. Tor

    Hallo Marcus, gute Analyse. Eine Frage habe ich dazu: Du meinst, dass die Affäre Reus keine Auswirkungen auf die Leistung der Mannschaft hat. Als Gründe für den Leistungsabfall führst du aber die Unersetzlichkeit Lewandowskis und die Abhängigkeit der Mannschaft von Hummels und Reus an. Das passt meines Erachtens nicht wirklich zusammen, denn der BvB weiß heute schon, dass es nächstes Jahr ohne Reus noch schwieriger werden wird. Das Wissen und das Gefühl, dass dir selbst bei bester Arbeit, die Schlüsselspieler einfach so weggekauft werden und du dann fast wieder von vorne anfangen musst, muss unglaublich deprimierend sein. Das kann an keinem (vor allem nicht an den Verantwortlichen) einfach so vorbeigehen und muss auf die heutige Leistung Auswirkungen haben.

    • Marcus Krämer

      Hallo Tor. Entschuldige die verspätete Antwort, die durch #rollsreus ja noch eine neue Komponente bekommen hat. Es kann natürlich gut sein, dass sich Spieler und Verantwortliche bewusst sind, dass Reus geht. Aber spielt man deshalb schlechter? Spielt man deshalb so schlecht wie in den letzten Auswärtsspielen? Ich denke nicht.

      • Tor

        Natürlich sage ich nicht, dass die Mannschaft schlechter spielt, weil Reus weggeht. Reus ist nur ein Baustein der schwer angeschlagenen Dortmunder Psyche. In allen Analysen in den Medien zur Dortmunder Krise (wie auch hier) liest man immer nur die greifbaren Dinge. Die Dinge, die man direkt auf dem Platz sieht. Eine Situation allerdings, wie sie im Augenblick anzutreffen ist, kann damit nicht annährend ausreichend erklärt werden. Dortmund ist 17. mit einer Mannschaft, die vom Potenzial weit nach oben gehört. Die Situation ist zu komplex, als dass man sie so einfach erklären könnte.
        Gerne würde ich mal eine Analyse zur angeschlagenen Dortmunder Psyche lesen. Die wäre scheinbar spekulativer, würde den Kern aber meines Erachtens vielleicht eher treffen.

        • Marcus Krämer

          Tatsächlich habe ich mir darüber in den vergangenen Wochen – und damit nach der Umparken-analyse – auch viele Gedanken gemacht. In den letzten Auswärtsspielen haben die BVB-Spieler wirklich den Eindruck gemacht, als wäre innerhalb des Teams etwas vorgefallen. Das wird allerdings aus der Ferne schwer rauszukriegen sein. Und andererseits machte die Mannschaft in den Heimspielen einen ganz anderen Eindruck. Schwer.

          • Tor

            Was würde ich dafür geben, in den Kopf der Dortmunder schauen zu können. Was geht im Kopf von Klopp vor, wenn er begriffen hat, dass der BvB in Deutschland, selbst mit optimaler Leistung, niemals wirklich mit Bayern konkurrieren kann, da diese ihm einfach die Spieler wegkaufen. Was geht in seinem Kopf vor, wenn er in München sieht, wie Lewandowski, den er aufgebaut hat, gerade das Ausgleichstor geschossen hat und beim Auswechseln sich herzig mit Guardiola umarmt. Was denken die Dortmunder Spieler, die noch vor kurzem gedacht haben, Bayern Konkurrenz zu machen, wenn sie bei der WM auf der Reservebank sitzen und 6 Bayern im Aufgebot stehen. Was denken sie, wenn im Training bei der WM geflaxt wird, wer vom BvB wohl als Nächstes geht. Was denkt ein Hummels, wenn er Sorge hat, dass das ohne Reus noch schlimmer wird und er gleichzeitig Angebote von anderen Clubs hat. Was denkt ein Weidenfeller, wenn Neuer für sein intensives Mitspielen gefeiert wird, er selber seine Stärke aber im ruhigen Stellungsspiel hat. Und, und, und…Die Frage ist, ob das beim BvB nur innere Störfeuer sind oder ob da etwas im Innern zerstört wurde.

            Leverkusen hat (2004 oder 2005) 2 Jahre nach einer überragenden Saison und dem Champions-League-Finale sich erst am letzten Spieltag vor dem Abstieg gerettet, nachdem sie Ze Roberto, Lucio und Ballack an die Bayern abgeben mussten. Ist diese Paralelle wirklich Zufall?

  2. fcbfan

    Eine hervorragende Analyse! Sehr schön die vielfältigen Gründe für den momentanen Dortmunder Absturz zusammengestellt und fundiert ausgeführt. Kann in 99% der Argumentation nur zustimmen!

  3. BorussenBär

    Sehr gute und ausführliche Betrachtung, aber meiner Ansicht nach ist der Kopffaktor entscheidend. Aubemayang und Mkhitaryan haben in der Vorbereitung groß aufgespielt und getroffen, wie sie wollten. Als die Liga anfing, hat gerade Mkhitaryan plötzlich in fast jeder Situation falsche Entscheidungen getroffen und das Schießen anscheinend völlig verlernt. Die Personalsituation lässt eine wirkliche Pause leider nicht zu.

    Die Diskussion um eine taktische Stagnation verstehe ich nicht wirklich. Nicht die Taktik ist das Problem, sondern die Ungenauigkeit des Zusammenspiels. Die stabile Doppel 6 mit Bender und Kehl sowie vor allem Gündogan im Zentrum wird eine größere Stabilität und Ordnung in das Dortmunderspiel bringen.

  4. Benjamin

    Vielen Dank Marcus für deine ausführliche Analyse! Dortmund wird sich da unten wieder rauskämpfen – die Qualifikationsplätze für die Champions League bzw. Europa League werden bei der momentan starken Konkurrenz dieses Jahr nur sehr schwer zu erreichen sein.

  5. Ping: Borussia Dortmund nach 17 Spieltagen in der Saison 2014/2015 > Borussia Dortmund > Bundesliga, BVB, Champions League, Rückblick, Saison 20142015
  6. Ping: Die Europarangliste › Gegen den Ball
  7. Ping: Thesen zum Rückrundenstart: Schwarz-Gelber Peter › Gegen den Ball

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