Uno-Welke for President!

Die einen feiern ihn als Streitschlichter, die anderen sagen, er habe TV-Geschichte verhindert. Wir unterstellen UNO-Welke bloßen Eigennutz. Außerdem enttarnen wir in den Fünf Fragen an den Spieltag die DFL und wissen alles über die Enten, Robben, Schwerter und Autobusse der Liga.

1. Wird Oliver Welke Generalsekretär der Uno?

Noch bis in die 80er Jahre galten Sportjournalisten als Außenseiter der Redaktion. Der Ausbildungs- und Bildungsstand war niedrig, das Selbstbewusstsein gering. Doch dann kam Oliver Welke! Der Komiker aus Harsewinkel und studierte Publizist hatte schon in den 90ern große Erfolge beim Frühstyxradio des Senders ffn. Sein Fäkalhumor gilt seitdem als legendär.

Bei „ran“ machte er in Sport, und bei der „heute-show“ nimmt er die Politik aufs Korn. Zahlreiche Comedy-Preise zieren den häuslichen Vitrinen-Schrank. Damit nicht genug. Nach dem Grimme-Preis (2010) und dem Preis für den Unterhaltungsjournalisten des Jahres (2010) bekamen Welke und sein Team von der heute-show auch den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für Fernsehjournalismus.

Dieser kleine Abriss macht deutlich: Welke ist kein normaler Sportjournalist und schon gar kein Sportjournalist der alten Schule. Über Waldemar Hartmann sagte er einst, das jahrelange Saufen mit den Spielern wäre ihm zu anstrengend. Was er anschließend nicht auf Hartmann bezogen haben wollte, sondern auf seine Sat1-Kollegen. Eins ist klar: Welke wünscht sich nicht nur „ein Anti-Haar-Ausfall-Präparat ohne hormonelle Nebenwirkung“. Dieser Mann ist für Größeres berufen. Nur mal so zur Einordnung: Ich wollte als Kind Pilot werden und Grisu Feuerwehrmann. Oliver Welke will die UNO sein!

Welke möchte dem Gremium aus 193 Staaten vorstehen und sich für den Weltfrieden einsetzen. Zugegeben, eine gewisse Ähnlichkeit mit Ban Ki-moon ist nicht zu übersehen. Für alle Sky-Zuschauer oder diejenigen, die sich das gehaltlose Post-Spiel-Geplauder der Sender nicht mehr antun mögen: Nach dem Champions League-Spiel zwischen Borussia Dortmund und Zenit St. Petersburg moderierte Oliver Welke im ZDF ein Gespräch zwischen BVB-Coach Jürgen Klopp und TV-Experte Oliver Kahn.

Verkürzt dargestellt könnte man sagen, Klopp und Kahn gerieten aneinander. Klopp sagte: „Wir hatten noch nie ein Verhältnis.“ „Man muss nicht gleich so sensibel reagieren“, antwortete Kahn. Die Spannung war spürbar. Welke beendete das Wortgefecht schließlich mit dem Satz: „Ich will in meiner Rolle als UNO hier einen Strich ziehen“. Gefickt eingeschädelt, Herr Ban-Ki Welke! Denn der Moderator hatte den Zwist selbst neu entfacht, indem er explizit nachfragte, wie denn das Verhältnis zwischen den beiden derzeit so sei.

Provokateur Welke lehnte sich danach genüsslich zurück und ließ den beiden Gästen ihren Lauf, um das Feuer, das er gelegt hatte, als oberster Brandmeister mit UNO-Mandat selbst zu löschen. Von der Boulevard-Presse wird Welke nun vorgeworfen, das unterhaltsame Scharmützel zu früh unterbunden zu haben. „Vielleicht habe ich einen großen TV-Moment verpasst. Damit muss ich jetzt leben“, sagte Welke der Welt. Vielleicht ist es aber auch gar nicht seine Aufgabe, Streit zwischen Gästen zu provozieren?

Vielleicht muss man Uno-Welke also doch keinen weiteren TV-Preis anheften. Vielleicht ist Welke auch nur ein Moderator dieser Zeit, der seinem heute-show-Credo – „in erster Linie wollen wir unterhalten“ – folgt. Welke hat unbestritten ein Näschen für (Real)-Satire, und Kahn gibt dazu die perfekte Experten-Imitation. Schon bei der einleitenden Frage Welkes zum Tor von Hulk zeigte er typisches Sportjournalisten-Sprech. Welke: „Da hat vielleicht auch die letzte Aggressivität gefehlt.“ Klopp konterte ruhig: „Nein, das ist ein taktischer Fehler.“

An Zusammenhängen, fachlicher Einordnung oder Analyse zeigte sich Welke aber weniger interessiert. Warum auch, wenn man einen dünnhäutigen Trainer auf einen schwafelnden Ex-Keeper hetzen kann. Mich dünkt, Welke produziert neuerdings die Ausschnitte, die er später in der heute-show verwurstet, selbst. Wie wäre es, wenn Esther Sedlaczek Franck Ribéry umgrätschte, um anschließend zu diskutieren, ob man Elfmeter geben muss oder nicht? Rollo Fuhrmann könnte Arjen Robben das Mikro zwischen die Beine werfen und dann fragen: Wie fühlt man sich dabei? Von UNO-Welke können wir alle nur lernen.

2. Wer glaubt noch an das Bundesliga-Märchen?

Es war einmal in der Bundesliga. Alle Fans, Medien und auch die Onkels von der Ligavertretung streuten die Mär, die Bundesliga sei ein Ort, an dem Milch und Honig flössen. Es gebe in Europa kein vergleichbares Schlaraffenland. Werbetrailer wurden gedreht, und die Fans klopften sich selbst auf die Schulter. Wir sind wieder wer in Fußballeuropa. Doch dann kam das CL-Achtelfinale und klammheimlich schwand der Glaube an die beste Liga der Welt. Zuallererst bei der DFL.

Am Freitag dem 7.3. hat die DFL die Spieltage 29 und 30 der Bundesliga terminiert. Neun Tage nach dem 1:6 der Schalker gegen Real Madrid im Hinspiel des Achtelfinales der Champions League. Allerdings vor dem Rückspiel der Schalker am letzten Dienstag. Die Achtelfinal-Rückspiele finden am 8./9. April statt. Die Knappen müssen am 11. April, Freitagabend, gegen Frankfurt in der Bundesliga spielen. Die DFL rechnete also nicht mehr mit einem Weiterkommen der Knappen. Wie soll man an Fußball-Wunder aus der „besten Liga der Welt“ glauben, wenn es nicht einmal die DFL tut?

Man fragt sich: Wie gut ist denn die Bundesliga? Und wie einseitig der Wettbewerb? Bayern München kann am Samstag zum ersten März-Meister der Bundesliga-Geschichte werden. Bayern muss dafür gewinnen, Schalke und Dortmund verlieren. Unwahrscheinlich, dass beide Konkurrenten patzen, aber die Dominanz der Bayern ist dennoch einzigartig. In Italien hat Juve derzeit 14 Punkte Vorsprung (elf, wenn die Roma das Nachholspiel gewinnt). In Spanien hat der Tabellenführer Real Madrid drei Punkte Vorsprung.

In England herrscht Durcheinander, aber auf hohem Niveau. Chelsea führt mit vier Punkten die Tabelle an, wenn Arsenal oder Liverpool ihr Nachholspiel gewinnen, bleibt nur ein Punkt Vorsprung für die Blues. Man City hat drei Spiele aufzuholen. Bei drei Siegen würden die Citizens auf Platz eins springen und hätten drei Punkte Vorsprung auf Chelsea.

Sieht man einmal von den Über-Bayern ab, dann ist die Bundesliga im Punktevergleich der vier großen europäischen Ligen kein Überflieger. Hier die Tabelle nach 25 Spielen.

1. Bayern München 71 Punkte
2. Juventus 66 Punkte
3. Real Madrid 63 Punkte
4. Barcelona 60 Punkte
4. Atlético Madrid 60 Punkte
5. AS Rom 58 Punkte
6. Chelsea 56 Punkte
7. Arsenal 55 Punkte
8. Manchester City 54 Punkte
9. Napoli 51 Punkte
10. Liverpool 50 Punkte
11. Borussia Dortmund 48 Punkte
12. Schalke 47 Punkte
12. Tottenham 47 Punkte
12. Athletic Bilbao 47 Punkte

Natürlich ist dieser Quervergleich durch die europäischen Ligen höchst unwissenschaftlich, gibt aber dennoch einen Eindruck von dem, was wir in der Champions League jenseits von Bayern und Dortmund bestätigt sehen. Und da haben wir noch gar nicht über das Abschneiden der deutschen Teams in der Europa League gesprochen. Die Märchenerzähler wird aber wohl niemand aufhalten. Zu große Gefühle und Summen stehen dahinter. Und sind die Fußballpatrioten und Image-Beauftragten nicht gestorben, dann fabulieren sie noch heute.

3. Fällt das Schwert über der Ente?

Als treuer Leser unterstützt Armin Veh die Meinung von Schalke-Experte und Gegen den Ball-Autor Michel W. Massing. „Wenn es zur Methode wird, dass B- oder A-Jugendtrainer Bundesliga-Trainer werden, dann muss ich sagen, irgendetwas verstehe ich nimmer“, so Veh gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der Eintracht-Coach nahm allerdings nicht Bezug auf Jens Keller, sondern diskutiert munter seine eigene Nachfolge mit. Er selbst hatte die Analogie der „lahmen Ente“, die aus dem politischen System der USA stammt, mit einem Verweis auf den trotz des angekündigten Abschieds erfolgreichen Jupp Heynckes vom Tisch gewischt.

Wiedergewählt werden kann Veh im nächsten Jahr als Trainer der Eintracht nicht. Sollte er aber nach dem 1:4 gegen Freiburg auch in Nürnberg verlieren, wird er vielleicht von den Eintracht-Verantwortlichen schon früher zum Abschuss freigegeben. Womöglich arbeitet Heribert Bruchhagen schon an einer Rückkehr von Christoph Daum. Über Veh hängt das Damoklesschwert, schreibt die Fachpresse. Damokles war ein Höfling, der die Tyrannen um deren Macht und Reichtum beneidete. Damokles wurde daraufhin zu einem Festmahl geladen, über ihn wurde ein Schwert gehängt, das nur durch ein Rosshaar gehalten wurde.

Damokles konnte den Luxus nicht genießen und lernte seine Lektion, dass Reichtum und Macht auch Gefahr bedeutet. „Das sind nicht unbedingt meine Ziele“, sagte Veh zu seinem freiwilligen Ausscheiden zum Saisonende über die sportlichen Ziele und finanziellen Möglichkeiten der Eintracht. Man könnte also meinen, der Trainer neidete anderen Trainern deren Reichtum und Macht.

Ein Abstieg könnte Vehs Ruf in Mitleidenschaft ziehen, so dass ihm die Chance auf die angestrebte Stelle bei einem wohlhabenderen Club gar nicht erst gewährt würde. Dieses Risiko ist er eingegangen, und er kennt die Gefahren, die mit seinem Handeln und Streben einhergehen. Armin Veh hatte halt schon immer seinen eigenen Kopf. Er ging in Rostock aus eigenen Stücken, in Hamburg kündigte er frühzeitig seinen Abschied zum Saisonende an, wurde als „Lame Duck“ gelabelt und entlassen.

Nun scheint sich die Geschichte in Frankfurt zu wiederholen. Wenn man sich überlegt, was aus der lahmen Ente wird, über der ein großes Schwert hinabsaust, möchte man nicht mit Veh tauschen. So sind wir froh, nicht zu den Reichen und Mächtigen gehören zu wollen. Wir lassen uns lieber weiter unterdrücken mit dem einzigen Ziel, unser Opium Fußball zu genießen. Und wenn wir es richtig gut machen, so wie der Welke, dann werden wir vielleicht irgendwann zur UNO.

4. Der Bus kann spielen, aber was macht die Robbe?

Schalke verlor in Madrid nur mit 1:3 und die Zeitungen titelten „Schalke 04 verabschiedet sich anständig aus der Champions League“. Es war gar von „Rehabilitation“ die Rede. Rehabilitation nach einem 2:9-Debakel in zwei Akten gegen Real Madrid? Von Rehabilitation sollte in diesen Tagen auf Schalke nur Benedikt Höwedes reden, der mit einem Muskelbündelriss mindestens sechs Wochen ausfällt und sogar um seine WM-Teilnahme bangen muss. Aber zurück zum achtbaren Abschneiden der Schalker in Spanien.

Die Knappen ließen gegen Madrid 23 Torschüsse zu, zehn davon auf das Tor von Ralf Fährmann. Mit viel Glück und einem guten Torhüter entgingen die in grün getünchten Gelsenkirchener weiteren Gegentoren. So hätte wohl ein weiteres Tor für Madrid die Überschriften der Gazetten gleich in „Erneute Blamage für Schalke“ und „Weiteres Debakel der Knappen“ geändert. Das gleiche Spiel, ein Tor Unterschied. Aber das ist Spekulation.

Spektakulär aggressiv agierte Sead Kolasinac gegen Madrids Jesé, den er „wie ein Autobus überfuhr“ (El Mundo). So sahen es zumindest die spanischen Medien. Während Kolasinac „die weiße Perle zerbrach“ (Marca) hat sich die kleine Robbe („La Foquita“) Jefferson Farfán auf Schalke langsam einen Wohlstandsbauch angefressen. Farfán fuhr mal eben nach Mailand zum Shoppen, um die Schalker Gazprom-Millionen unters Volk zu bringen und verpasste zu Hause einen Reha-Termin. Nun stehen die Zeichen auf Abschied. Das liegt aber nicht nur an den Undiszipliniertheiten neben dem Platz.

Der effektivste Schalker Offensivspieler gilt zugleich als taktisch eindimensional, nicht pressing-tauglich und defensivschwach. Suspendieren konnten die Schalker ihn aber trotz Shopping-Tour statt Reha-Training nicht. Mit acht Langzeitverletzten braucht Königsblau auch gegen Braunschweig jeden verfügbaren Mann. Spielen kann Farfán vermutlich dennoch nicht. Die Verletzung ist noch nicht abgeklungen. Warum also nicht einen weiteren Shopping-Trip einlegen? Mailand oder Braunschweig, hmmm. Wer kann sich da schon entscheiden?

5. Wer ist Puyol und wer Iniesta?

Torsten Lieberknecht lüftete unlängst ein Geheimnis. Das Braunschweiger Team habe, „ohne vermessen klingen zu wollen“, seinen eigenen Puyol und seinen eigenen Iniesta. Also vermessen klingt das auf den ersten Blick schon. Wir haben uns gleich auf die Suche gemacht und messen einfach mal nach. Andrés Iniesta hat eine Passquote von 91,1 Prozent. Er hat zwei Tore geschossen und sechs vorbereitet. Er spielt 64,1 Pässe im Schnitt pro Spiel und davon sind 1,4 Schlüsselpässe.

Braunschweigs Iniesta ist vermutlich Norman Theuerkauf. Er hat eine Passquote von 75,5 Prozent. Kein Tor und zwei Vorlagen stehen auf dem Zettel. Theuerkauf spielt 36,3 Pässe pro Spiel und davon sind 0,8 Schlüsselpässe. Die beste Passquote aller Braunschweiger Spieler, die mehr als 15 Einsätze gemacht haben, hat übrigens Ermin Bicakcic.

Der Carles Puyol der Braunschweiger hat eine Passquote von 77,8 Prozent. Puyol kommt in fünf Einsätzen auf 92,3 %. Der Vergleich ist natürlich unfair, und es ging Lieberknecht ja auch um ein funktionierendes Gerüst, das man nicht zwangsläufig auseinander reißen muss. Außerdem ist Barca eine Ballbesitzmaschine und Braunschweig setzt eher auf… Ja, worauf eigentlich?

Ein Kontertor steht für die Eintracht noch nicht zu Buche. Sogar Bayern München hat schon ein Kontertor auf dem Konto. Leverkusen deren sieben. Auf lange Bälle setzt Braunschweig auch nicht, da ist man Letzter in der Liga mit 62 langen Bällen im Schnitt pro Spiel. Auch bei den kurzen Pässen ist die Lieberknecht-Elf mit 299 Pässen pro Spiel Vorletzter (Bremen mit 290 Letzter).

Wir halten fest: Brauschweig hat mit Barcelona so viel zu tun wie Schalke mit dem Viertelfinale der Champions League. Und wenn Torsten Lieberknecht in der nächsten Saison noch einmal so ein Interview gibt, dann können wir zumindest daran Gefallen finden, dass die Eintracht das Barcelona der zweiten Liga werden will. Carles Puyol wäre dann übrigens frei für einen Wechsel nach Braunschweig. Warum nicht einfach das Original holen?

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