Vehnix aus der Asche: Image im Wandel

„Der attraktive Herr Veh“, titelte der kicker am Montag und spiegelt damit das derzeitige Sympathiehoch wider, das den Trainer von Eintracht Frankfurt umgibt. Das war allerdings nicht immer so, fast hätte Armin Veh sich seiner Bundesligakarriere selbst beraubt. Gegen den Ball zeichnet eine Karriere in der Medien-Meinungs-Achterbahn nach.

Der erste Eindruck: Kuriose Flucht aus Rostock

Seine erste Trainerstation in der Bundesliga endete Knall auf Fall. Armin Veh warf nach 641 Tagen als Trainer von Hansa Rostock die Flinte ins Korn. Veh hatte Hansa auf Tabellenplatz 12 im Januar 2002 übernommen, am Ende wurde der Club 14. Auch in der anschließenden Saison rettete Veh Rostock vor dem Abstieg (13.). Auf Platz 14 liegend, quittierte Veh jedoch am achten Spieltag der Saison 2003/04 den Dienst.

„Die Entscheidung hat uns sehr überrascht, aber wir akzeptieren sie. Der Arbeitsvertrag ist mit sofortiger Wirkung aufgelöst“, sagte Hansas Vorstandschef Manfred Wimmer damals. „Wir haben hier zwei Jahre gegen den Abstieg gekämpft und bestanden. Die Mannschaft spielt jetzt einen sehr guten Fußball. Es fehlen aber die Punkte, und das ist das größte Problem“, so Armin Veh. Auch die Trennung von seiner in Augsburg lebenden Familie spielte eine Rolle.

Sein Domizil in der Nähe von Rostock war für Veh „eine schöne Gegend zum Urlaub machen, aber arbeiten will ich nie mehr so weit weg von der Heimat.“ Im Nachhinein redet Veh nicht gerne über dieses Kapitel seiner ersten Bundesligastation. „So dumm wie ich damals in Rostock kann eigentlich gar keiner sein, einen Job in der Bundesliga freiwillig aufzugeben“, sagte Veh später.

Auch die Beteiligten in Rostock erinnern sich an die kuriose Situation. „Ein junger Mann, strotzend vor Kraft, kriegt plötzlich Angst vor der Bundesliga“, so Horst Klinkmann, Aufsichtsratschef des FC Hansa zur Berliner Zeitung. Ehemalige Spieler, wie René Rydlewicz, bezeichneten Vehs Abgang damals als „hinterhältig und feige“. Veh sagte rückblickend: „Normalerweise kriegst du in dem Geschäft keine zweite Chance.“

Zusammengefasst kann man sagen, Veh hatte sich als sportlich kompetenter Trainer erwiesen, war aber dem Druck nicht gewachsen. Die Presse schrieb von Flucht und man hatte den Eindruck, dieser Mann ist für das harte Bundesligageschäft nicht geeignet.

Die zweite Chance: Von der Übergangslösung zum Meistertrainer

Als Armin Veh am 10.2.2006 in Stuttgart als Nachfolger von Giovanni Trapattoni installiert wurde, galt er als „kleine Lösung“. VfB-Aufsichtsratsvorsitzender Dieter Hundt bezeichnete Veh gar als „Übergangslösung“ und so erhielt er zunächst einen nur bis zum Saisonende datierten Vertrag. Noch Anfang April war offen, ob Veh auch in der kommenden Saison als Trainer beim VfB Stuttgart bleiben sollte. Veh selbst reagierte dünnhäutig und mit Sarkasmus auf die Hängepartie um seine Vertragsverlängerung.

Vier Spieltage vor Saisonende wurde Veh ein weiterer Einjahresvertrag angeboten. Horst Heldt hatte sich gegen die Widerstände im Verein für Armin Veh eingesetzt. „Es hat halt Zeit gebraucht, jeden im Verein zu überzeugen, dass Armin Veh der richtige Trainer ist“, sagt Horst Heldt rückblickend. Stuttgart landete am Ende der Saison auf Platz neun.
In der Saison 2006/07 wurde Veh nach einem sensationellen Saisonschlussspurt mit acht Siegen in Folge Deutscher Meister.

Der Stern schrieb damals „Veh änderte in nur einer Saison das ihm anhaftende Image des Zauderers.“ Der Zauderer wurde zum Zauberer und mit einem Meistertitel in der Hand hatte Veh die sportliche Qualifikation als erfolgreicher Bundesligatrainer gemeistert. Wer nun glaubte, das Image des erfolgreichen Herrn Veh sei damit für immer geprägt, der sollte sich noch wundern.

In der zweiten Saison nach dem Gewinn der Meisterschaft lag der VfB im November auf Platz 11 der Tabelle und entließ den Erfolgstrainer nach einem 1:4 gegen den VfL Wolfsburg. Mitverantwortlich war Sportdirektor Horst Heldt, der damals angab, „dass wir uns in einigen Punkten nicht einig waren“, weshalb man nach einer „sehr erfolgreichen und intensiven Zeit“ die Konsequenzen zog. So die offizielle Stellungnahme. Am Rande waren auch andere Töne zu vernehmen.

Horst Heldt schien mit der Einstellung und dem Engagement des Trainers nicht zufrieden. „Jeder kann mehr leisten“, sagte Heldt laut bild.de wohl auch in Richtung Veh. Der Coach selbst wies die Vorwürfe zurück. „Ich bin nicht müde.“ Für Veh war es die Einkaufspolitik, die nicht passte. „Der entscheidende Fehler waren die Verpflichtungen nach der Meisterschaft 2007. Horst Heldt, Jochen Schneider und ich haben nicht die richtigen Leute geholt. Dafür bluten wir jetzt zusammen.“ Damit sollte er nicht Recht behalten. Heldt blieb, installierte Nachfolger Markus Babbel und dem VfB gelang es, auf Platz drei der Tabelle einzulaufen.

Veh als Leitwolf: Die Aufgabe zu groß

Acht Monate später heuerte Armin Veh als Trainer beim Meister VfL Wolfsburg an. Felix Magath hatte den Club nach einer sensationellen Saison in Richtung Schalke verlassen. Veh lockte gerade die Herausforderung, dieses schwere Erbe anzutreten, er erhielt ähnliche Kompetenzen wie zuvor Magath. Nach ausbleibenden sportlichen Erfolgen wurde dem Coach und Manager mit Dieter Hoeneß ein Geschäftsführer vor die Nase gesetzt. Kurz zuvor hatte Veh noch gesagt, „wenn das passieren würde, hätte ich doch die Hosen unten.“ Das ganze sah dementsprechend wie eine Teildemontage aus.

Dieter Hoeneß, der gerade zehn Tage im Amt war, verkündete schließlich acht Monate nach Vehs Installierung die Entlassung des Magath-Nachfolgers. „Die Zusammenarbeit mit Armin Veh war gut, auch sein Verhältnis zur Mannschaft war intakt. Leider blieben die sportlichen Ergebnisse aus. Wir waren nicht mehr der Überzeugung, dass wir die Situation gemeinsam mit Armin Veh in absehbarer Zeit hätten ändern können“, sagte Hoeneß.

Nach dem Champions League- und Pokal-Aus sowie sieben Spielen ohne Sieg in Folge war Veh aufgrund der sportlichen Talfahrt, aber auch an den Ansprüchen des Clubs gescheitert. Der VfL stand zu diesem Zeitpunkt auf Platz zehn der Tabelle. Am Ende der Saison wurde er Achter. Die Doppelbelastung als Manager und Trainer wurde zum zusätzlichen Stolperstein. Eine undankbare Mission, die Veh aber bewusst eingegangen war und die er letztlich nicht meisterte.

Das Blatt hatte sich nun gegen Veh gewendet. Die Welt urteilte: „Beim VfL Wolfsburg übernahm er ein intaktes Meisterteam, das er nach Belieben verstärken konnte. Nach nicht einmal sechs Monaten musste er gehen. Denn aus Vehs Stärke wurde schnell eine Schwäche – seine Authentizität. Er mag sich nicht verbiegen.“

Veh beim Chaos-Club: Tiefpunkt

Nur sechs Monate später wurde er beim HSV als Nachfolger von Bruno Labbadia installiert. „Die Fans sind aber schon mehrheitlich gegen ihn“, schrieb die Welt. „Veh startet beim HSV mit großer Hypothek“, wurde getitelt. Vom Meistertrainer wurde er zum „Überraschungstrainer in Stuttgart“ herabgestuft. Er galt als „Gemütsmensch“, der zu „sensibel“ für das Haifischbecken HSV ist. „Die große Mehrheit der Fans“ schätzte Veh „bei Umfragen in den Foren als Fehlbesetzung“ ein, berichtete der HSV-Haus- und Hof-Reporter des Hamburger Abendblatts Dieter Matz damals.

Das Image des Trainers war zu Beginn seiner Tätigkeit ramponiert und es sollte noch weiter bergab gehen. Beim HSV geriet Armin Veh in das volle Vereinschaos um den scheidenden Vorstandschef Bernd Hoffmann und die pannenbesetzte Sportdirektorsuche. Die „Misstrauenskultur“ (Frank Rost) war nicht das richtige Klima für Armin Veh. „Aufgrund der Situation ist es so, dass ich nächstes Jahr nicht mehr da bin“, erklärte Veh und kündigte damit zum zweiten Mal seinen freiwilligen Abschied als Bundesliga-Trainer an. (Genauer gesagt nutzte er eine Vertragsoption, die sein Engagement auf ein Jahr beschränkt ließ).

Veh hatte vor, noch bis zum Saisonende zu bleiben. Nach anhaltendem Vereinschaos und sportlicher Talfahrt kam man seinem Ausscheiden allerdings zuvor und entließ ihn nach einer 0:6-Pleite gegen Bayern München. Auf der legendären Pressekonferenz vor diesem letzten Spiel als HSV-Trainer reagierte Veh auf die Fragen der Presse mit beißendem Zynismus und Endzeitstimmung.

Die Presse warf ihm anschließend vor, er sei ausgebrannt und sein Feuer erloschen. Ja, er sei geradezu amtsmüde. Veh reagierte rückblickend entspannt auf die Vorwürfe . „Das ist doch normal. Das war nach meiner Hamburger Zeit, weil ich auch wirklich keinen Bock mehr hatte“, so Veh im Interview mit der Frankfurter Rundschau. „Da dachte ich nur: Mein schöner Sport – und ich muss mich mit diesen Ahnungslosen rumschlagen. Ich wusste genau, dass das nichts werden kann, was da lief, aber ich konnte es nicht ändern. Und dann habe ich gesagt: Macht euren Kram alleine.“

Veh hatte sich – wie in Wolfsburg – eine Aufgabe ausgesucht, die kaum zu bewältigen war. Auf dem Höhepunkt der Führungskrise des HSV herrschte ständige Unruhe im Club, die Possen um den Sportdirektorposten hatten unmittelbare Auswirkungen auf den sportlichen Bereich. So verständlich sein Abschied aus Hamburg somit auch war, es blieb der Eindruck, er sei ausgebrannt. Dazu passten auch seine kolportierten Zukunftspläne. Er wolle nach den Querelen beim Hamburger SV nicht mehr als Trainer, sondern nur noch als Sportdirektor arbeiten. Diese Aussage musste er bald revidieren.

Eintracht Frankfurt: Vehnix aus der Asche

Für die gerade abgestiegene Eintracht aus Frankfurt wurde die Verpflichtung von Veh als Trainer von nicht wenigen Medien als „Überraschungscoup“ (Frankfurter Rundschau) gefeiert. „Mit der Verpflichtung des ehemaligen Meistertrainers haben die Frankfurter auch nach außen ihre großen Ambitionen dokumentiert“, schrieb die Offenbach-Post. In Fan-Kreisen war die Verpflichtung von Veh allerdings alles andere als unumstritten. Nach Gegen den Ball-Informationen war auch die Stimmung in der Eintracht-Führung durchaus zwiespältig.

Eintracht gelang unter Veh der direkte Wiederaufstieg in die Bundesliga. In dieser Saison lässt Veh einen attraktiven Offensivfußball spielen und steht mit der Eintracht auf einem hervorragenden vierten Tabellenplatz. Das Meinungsbild über den „attraktiven Herrn Veh“ hat einen erneuten Höchststand erreicht. Horst Heldt lobte Veh im Kicker und betonte, der Coach habe „sich die Freiheit erarbeitet, sich aussuchen zu können, was er macht und was er nicht macht.“

Fazit: Sportlich: Top, Charakter: Auslegungssache

Die sportliche Kompetenz hat Veh in Rostock, Stuttgart und bei Eintracht Frankfurt durch den Klassenerhalt, die Meisterschaft und den Aufstieg nachgewiesen. Dennoch bedienen sich die Medien seiner Trainergeschichte und Eigenarten und legen diese je nach Stimmungslage und Tabellenstand als charakterstark oder wankelmütig aus.

Man könnte Armin Veh allerdings tatsächlich vorhalten, dass er schnell aufgibt, wenn es nicht nach seinen Vorstellungen läuft und dass gewisse öffentliche Aussagen durchaus als unprofessionelles Verhalten eines Vereinsvertreters gegenüber den Medien betrachtet werden können. Seine Fürsprecher bringen dagegen die Unabhängigkeit des Trainers und seine Authentizität ins Feld. Die Brocken auch mal hinzuschmeißen und die Dinge, die ihn stören, klar beim Namen zu nennen, gerade das scheint die Quelle seiner Beliebtheit zu sein.

Beim FC Schalke würde Veh allerdings erneut in ein Haifischbecken der Bundesliga eintauchen. Die Medienlandschaft ist hier nicht minder gnadenlos als in Hamburg. Die Erwartungen der Fans ebenso erdrückend. Veh hatte bisher meist da Erfolg, wo es einigermaßen ruhig im Umfeld zuging, oder die direkten Vorgesetzten ihm den Rücken freihielten.

Auf Schalke wartet der alte Kumpel Horst Heldt, der Manager, der ihm die zweite Chance in der Bundesliga gab und mit dem er Deutscher Meister wurde. Allerdings ist Gelsenkirchen nicht als ein Hort der Kontinuität in der Trainerfrage bekannt. Unter Clemens Tönnies beträgt die durchschnittliche Verweildauer eines Trainers 1,1 Jahre. Armin Vehs durchschnittliche Verweildauer bei seinen Bundesligastationen (ohne die laufende Station in Frankfurt) beträgt 1,5 Jahre.

Doch wahrscheinlich würden wir den Armin unterschätzen, wenn wir glaubten, er würde sich von einem Wurstfabrikanten feuern lassen. Um es im Hans Meyer-Duktus zu sagen; Gehen sie davon aus, dass ein Armin Veh geht, wenn er mit der Gesamtsituation unzufrieden ist.

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