Vorsprung ohne Technik

Was ist ein Englisches Wochenende? Das Wochenende nach einer Englischen Woche? Das Wochenende vor einer Englischen Woche? Oder nur Wochenenden, die zwischen zwei Englischen Wochen liegen? Da der Begriff noch nicht patentiert zu sein scheint, sage ich mal, wir stehen vor einem Englischen Wochenende. Was ist der Sinn von Neologismen, wenn man sich von ihnen seine Einleitung kaputt machen lässt? Also: Herzlich willkommen zum Englischen Wochenende in Europa, und wir haben für den großen Hunger bestellt. Also nicht nur Full English, sprich: die Cholesterin-Orgie, die man auf der Insel für eine ausgewogene Art hält, den Tag zu beginnen (Bacon, Eggs, Sausage, Toast, Baked Beans, Grilltomate), sondern auch ein Continental Breakfast mit den wichtigsten Ingredienzien des Festlandes.

Wenn Sie ein treuer Leser unserer Kolumne sind, dann wissen Sie, dass ich a) weder gegen in- noch gegen ausländischen Fußball diskriminiere und b) irgendwann zum Punkt kommen werde. Wenn Sie durch Zufall, Zwang oder Langeweile hier gelandet sind, dann kann ich Ihnen versprechen: Fünf unbarmherzige Fragen an den Fußball. Worum geht es an diesem letzten Märzwochenende, an dem die Zeit umgestellt wird, nachdem der Deutsche Meister feststeht?

1) Warum sollte man überhaupt noch die Bundesliga verfolgen?

Bayern München ist Deutscher Meister. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie das nicht wissen und sich trotzdem auf so obskuren Blogs wie diesem tummeln, sind gering. Ich erwähne es nicht des Nachrichtenwerts halber, sondern, weil die Art und Weise, in der die Münchner Rekorde einsammeln wie Pfandflaschensammler zwei Umstände mit sich bringt: 1. Nie war es so attraktiv, einer deutschen Mannschaft zuzusehen. 2. So wie jetzt geht es nicht weiter.

Zum ersten Punkt: Man komme mir nicht mit den Europameistern von 1972. Der FC Bayern unter Guardiola ist Fußball in so perfekter Einheit von Taktik, Technik und Flexibilität, dass man als Freund unseres Sports nicht ohne Herzklopfen, kindliche Begeisterung oder andere physiologische Reaktionen Spiele dieses Teams verfolgen kann. Ich jedenfalls nicht. Einzig vergleichbar in meiner Erinnerung, naheliegenderweise, Guardiolas Barcelona vor einigen Jahren, und vielleicht die spanische Nationalmannschaft.

Barcelona aber, und das bringt mich zum zweiten Punkt, hatte bei aller Perfektion immer noch einen zumindest halbwegs ebenbürtigen Gegner in Real Madrid und dessen Trainer José Mourinho, der die Rolle des missgünstigen Fieslings spielte und den ästhetischen Zauber der Blaugrana mit Massenvernichtungswaffen wie Sergio Ramos bekämpfte. Und das sage ich nicht wertend oder pro-katalanisch. Ganz im Gegenteil: Was gibt es Schöneres als Duelle zweier völlig gegensätzlich eingestellter Mannschaften auf höchstem Niveau? In der Bundesliga gibt es das nicht mehr. In der Bundesliga klopfen alle Thomas Tuchel auf die Schulter, weil die Niederlage seiner Mainzer gegen die Bayern erst in der Schlussphase des Spiels besiegelt wurde. In der Bundesliga hat der Kommentator der NDR-Radiokonferenz Anfang des Monats Wolfsburg solange für sein „großartiges“ Spiel gegen die Bayern gelobt, bis es irgendwann 1:4 stand. Am Ende 1:6.

Einwandvorwegnahme: Nein, wir erleben keine einmalige Ausnahmesaison. Die Gründe dafür habe ich an anderer Stelle schon Anfang der Spielzeit ausgeführt. Hier nur noch mal die Kernthese: Alle Verteilungsmechanismen im europäischen Profifußball sind so angelegt, dass sie den erfolgreichsten Teams das meiste Geld zuleiten, so dass die Unterschiede zwischen großen und kleinen Mannschaften immer größer werden. In Deutschland, Spanien und England sind die drei wichtigsten Ligen der Welt so unausgeglichen wie noch nie. Das ist kein Zufall, und es wird sich von alleine auch nicht wieder ändern. Nach zwei Meistertiteln ist Borussia Dortmund nicht nur nicht auf Augenhöhe mit den Bayern, sondern der Abstand zu den Münchnern ist in ökonomischer Hinsicht in den letzten Jahren immer größer geworden.

In dieser Situation haben es die reichsten Clubs Europas geschafft, ein System zu installieren, dass es anderen Teams verbietet, mit vergleichbaren Investitionen den Wettkampf mit ihnen aufzunehmen: das Financial Fairplay-Reglement. Dieses wettbewerbsfeindliche Instrument wird von Fans landauf, landab auch noch als gute Idee gepriesen, obwohl es der letzte Sargnagel für den Konkurrenzgedanken im europäischen Profifußball ist. Selbst, wenn sich ein Investor fände, der bereit wäre, viel Geld in die Hand zu nehmen, um Bayern München Paroli zu bieten – die UEFA würde es ihm verbieten.

Man kann sich gerne die Harlem Globetrotters ansehen. Ich persönlich aber bevorzuge tollen Sport mit echtem Wettkampfcharakter. Was war noch mal die Frage? Ich erwähne das nur, um unaufmerksamere Leser an den Aufbau dieses Artikels zu erinnern. Die Chance, dass ich selbst mich verzettelt haben könnte, ist gleich null. Die Frage war: Sollte man die Bundesliga überhaupt noch verfolgen. Und man kann sie mit „Kommt drauf an“ beantworten. Daher habe ich im Folgenden noch zwei Fragen zur Bundesliga und zwei Fragen zum internationalen Geschehen an diesem Wochenende, so wahr mein Name Salomon Katzenbach ist.

2) Wird es schon an diesem Wochenende eine strittige Tor-Entscheidung geben, die Schande über die DFL bringt?

Die legendäre Entscheidung der Deutschen Fußball-Liga, auf die Einführung der bei der WM und in der Premier League schon verwendeten Torlinientechnologie zu verzichten, ohne eine Perspektive für alternative Formen der Hilfe für Schiedsrichter aufzuzeigen, erinnert in ihrer Sparlogik an die Maßnahme, beim Bau der Titanic Rettungsboote für nur ein Drittel der Passagiere zu installieren.

Von den Zweitligisten, für die in der Mehrheit Geld knapper ist als für die Bundesligisten, Ansehen und Reputation aber nicht so wichtig (eine objektive Korrelation, keine Kritik meinerseits), stimmten sage und schreibe 15 von 18 Clubs gegen die Einführung, während die Bundesliga in ihrer Meinung genau gespalten war in Befürworter und Gegner. Selbst das allein aber hätte eine klare Ablehnung ergeben, da eine Zweidrittelmehrheit für die entsprechenden Änderungen notwendig gewesen wäre.

Wie das so ist unter Fußballfreunden, habe ich auch in dieser Woche einigen Gesprächen über die Entscheidung beigewohnt, und es gibt nach eherner Sitte an jedem Stammtisch von Fußballfans immer mindestens einen, der die Einführung technischer Hilfsmittel ablehnt, nicht mal aus finanziellen, sondern aus prinzipiellen Erwägungen heraus. Möglicherweise wird ansonsten vom internationalen Verband der Fußballstammtische ein Ausschlussverfahren gegen die gesellige Runde eingeleitet, an der nur Stimmen der Vernunft zu hören sind? Immerhin sind die so entstehenden Diskussionen spannender als der Titelkampf der Bundesliga.

Was aber sind die immer wiederkehrenden Argumente, von denen man einige tatsächlich auch in dieser Woche wieder hören konnte? Es sei nicht möglich, die kostspielige Technologie auch im Amateurbereich umzusetzen, daher solle es keinen „Zwei Klassen-Fußball“ geben. Ach so. Das Problem des Unterschieds zwischen Bayern München und SV Hönnepel-Niedermörmter ist nicht das Geld, sondern die Hilfsmittel für Schiedsrichter? Und überhaupt: Dann bitte auch die Assistenten aus der Bundesliga abziehen, weil es die in der Kreisklasse ja auch nicht gibt.

Noch beliebter: „Wo zieht man die Grenze?“ Diese Argumentationslinie findet, dass die Torlinientechnologie unbefriedigend sei, weil damit ja andere Fehlentscheidungen nicht korrigiert werden könnten. Meiner Meinung nach ein exzellentes Argument für den Videobeweis, aber ein sehr schlechtes gegen die Einführung technischer Hilfsmittel überhaupt. Ansonsten wäre auch die Tatsache, dass trotz der Existenz von Ordnungshütern noch Straftaten geschehen, ein Grund, ganz auf die Polizei zu verzichten (und ja, an meinem Stammtisch würden sich auch für diese Forderung Fürsprecher finden lassen).

Wie genau man die Problematik angeht, lässt sich debattieren, aber das Grundproblem, dass der wichtigste Sport der Welt eine Situation entstehen lässt, in der die Person, die die Entscheidungen fällt, weniger sieht als Millionen Zuschauer am Fernseher, ist so zentral für die Glaubwürdigkeit und Zukunft des Fußballs, dass ich die völlige Ablehnung von Änderungen für grotesk halte. Auch, wenn es immer wieder Leute gibt, die sagen, Fehlentscheidungen „gehörten einfach zum Fußball dazu“  und seien doch „das Schöne am Fußball“. Vielleicht finden ja andere auch, Kreuzbandrisse seien das Schöne am Fußball.

3) Welche Relegationsspiele bahnen sich an?

Ich bin, um es gleich zu sagen, ein entschiedener Gegner der Relegation. Der einzige nachvollziehbare Grund für ihre Einführung war der Wunsch von Bundesligisten (und eine Stufe tiefer Zweitligisten), die Chancen auf einen Abstieg generell um knapp 17 Prozent zu reduzieren. Denn es war nichts anderes als eine Reduzierung der Abstiegsplätze von drei auf zweieinhalb. Dass diese Status quo-erhaltende Maßnahme im Interesse der Clubs in oberen Ligen und gegen die Interessen der Teams in unteren Ligen vorgenommen wurde, ist leider Alltag im deutschen Fußball, genau so wie es Alltag ist, dass die Verbrämung dieser Maßnahme als Erzeugung zusätzlicher Spannung von vielen Medien beim Wort genommen wurde.

Warum das Resultat einer Saison von 34 Spielen am Ende nicht zählen soll und stattdessen zwei Spiele über die Zukunft und manchmal auch Existenz von Clubs befinden sollten, ist aus sportlicher Sicht völlig unklar. Wenn Spannung ein Selbstzweck wäre, könnte man ja auch immer den Meistertitel in einem Entscheidungsspiel zwischen Erstem und Zweitem der Bundesligatabelle ermitteln. Wie bitte? Das wäre unfair? Ach so. Ist im Falle von Auf- und Abstieg natürlich was ganz anderes.

Rant off. Ich also bin ein Gegner der Relegationsspiele. Ich bin aber kein Gegner von mir selbst widersprechenden Gedankengängen. Also habe ich mich gefragt, auf welche Relegationspaarungen die aktuelle Saison in der Bundes- und zweiten Liga hinsteuert. Die spektakulärste Relegation, und zugleich vielleicht die, die diesen ganzen Mummenschanz auch beenden würde, wäre sicher das Hamburger Derby zwischen dem HSV und St. Pauli. Die Rothosen belegen momentan den Relegationsrang, die Paulianer liegen vier Punkte hinter Platz drei im Unterhaus. Wer erinnert, wie HSV-Fans auf die Derbyniederlage gegen den kleinen Nachbarn vor drei Jahren reagiert haben, der möchte sich nicht ausmalen, wie manche Anhänger den ersten Abstieg ihres Clubs unter solchen Umständen, vielleicht noch am Millerntor, aufnehmen würden. Eine entspannte Aufstiegsfeier auf dem Kiez wäre wohl nicht möglich, man könnte sogar annehmen, dass die Hamburger Polizei mit der Einrichtung ihrer umstrittenen „Gefahrengebiete“ Anfang des Jahres genau dieses Szenario schon einmal austesten wollte.

Nur ungleich weniger brisant wäre eines der ältesten deutschen Derbys, das zwischen Nürnberg und der Spielvereinigung Fürth. Beide Clubs sind aktuell nur zwei Punkte vom Relegationsplatz entfernt. Vergleichsweise deeskalierend wäre da sicher ein Spiel zwischen Paderborn (auf dem Relegationsplatz) und dem SC Freiburg (zwei Punkte davor). Immerhin ein Gewinn für die deutsche Post, die die Karten des Paderborner Auswärtskontingents gleich zweimal befördern dürfte. Sportlich auch das aber eine interessante Sache, nicht zuletzt dank der großartigen Arbeit von André Breitenreiter, der wie schon im Vorjahr in Havelse in der Regionalliga Nord beweist, dass er das absolute Maximum aus einem Kader herausholen kann. Kaum vorstellbar, dass Paderborn schon seine größte Trainerstation sein sollte. Oder macht er den SCP gar zu einem neuen Mainz?

Durchaus vorstellbar übrigens auch eine Paarung zwischen Paderborn und dem HSV, einerseits die maximale Differenz zwischen „typischer Bundesligist“ und „Bundesligist? Paderborn??“. Andererseits die Neuauflage des von Robert Hoyzer geleiteten Pokalspiels. Und Breitenreiters Spiel gegen seinen Ex-Club.

Im Bereich des Möglichen zumindest noch die Derbys zwischen Stuttgart (punktgleich mit Relegationsplatz) und dem KSC (sechs Punkte Rückstand) oder Kaiserslautern (vier Punkte) und Eintracht Frankfurt (acht Punkte Vorsprung). Ein zumindest in Nordbaden sehr ernst genommenes Derby, Sandhausen gegen Hoffenheim, scheint nach dem TSG-Sieg gegen Hannover für diese Saison ausgeschlossen.

4) Ist Arsène Wenger der Thomas Schaaf Englands?

Wenn es nach den Kleidergewohnheiten geht, trennt Arsène Wenger und Thomas Schaaf ungefähr so viel wie Heribert Prantl und Stefan Plöchinger. Auch in Sachen Fairness liegen beide nicht dicht beisammen. Jedenfalls sind von Schaaf wenige Fälle übermittelt, in denen er nach einer deutlichen Niederlage die Pressekonferenz boykottierte.

Aber jenseits dieser phänotypischen Unterschiede drängen sich einige Gemeinsamkeiten auf. Die Jubelartikel in deutschen Medien in der Hinrunde, als die deutschen Nationalspieler Mesut Özil, Lukas Podolski und Per Mertesacker die Gunners vermeintlich zum Titelkandidaten machten, sind inzwischen leiser geworden. Denn Arsenal ist nur noch Vierter der Premier League, hat in allen Spielen bei den drei direkten Titelkandidaten mindestens fünf Gegentore kassiert und droht sogar die Champions League-Qualifikation zu verpassen. Wenn Everton sein Nachholspiel zu Hause gegen Crystal Palace gewinnt, haben die Toffees nur noch drei Punkte Rückstand auf Arsenal, das noch in den Goodison Park reisen muss. Und Arsenal spielt an diesem Samstag gegen Manchester City, was bei der Bilanz der Gunners gegen Topteams nicht gerade einen Heimsieg auf dem Tippzettel verheißt (Wettquoten 3,6 für Arsenal, 2,0 City).

„Ironically“, wie man in England sagt, könnte diese Saison sogar die erste seit neun Jahren sein, in der Arsenal einen Titel holt. Für den Gewinn des FA Cups muss Arsenal nur noch in Wembley das Halbfinale gegen den von Uwe Rösler trainierten Zweitligisten Wigan Athletic und ein Finale gegen entweder Hull City oder den Drittligisten Sheffield United überstehen. Zugleich aber könnte es die Saison sein, in der die Gunners erstmals nicht mehr die Champions League erreichen. Nur die fragwürdigen Trainerentscheidungen bei Manchester United und Tottenham Hotspur haben verhindert, dass es noch enger für Arsenal geworden ist als ohnehin schon.

Aber die Probleme, die Wenger fast immer offenbart, wenn es darum geht, gegen einen überlegenen Gegner die richtige Defensivtaktik zu wählen, zeigen sich in den drei Klatschen bei City (3:6), Liverpool (1:5) und Chelsea (0:6). Diese letzte Niederlage, in Wengers 1000. Spiel, sollte ein Fanal sein für die Verantwortlichen in Nordlondon. Nicht in dem Sinne, dass man Wenger etwa in der laufenden Saison entlassen sollte, wie es die ungleich dilettantischeren Nachbarn in Tottenham wohl machen würden. Sondern im Hinblick auf die Anbahnung einer Nachfolgeregelung. Zugegeben: Thomas Schaaf spielte in seinen letzten Jahren in Bremen gegen den Abstieg, nicht gegen den Sturz aus den Top Four. Aber die Parallelen reichen über die lange Amtszeit beider Trainer hinaus. Auch Schaaf schaffte es nicht, die Balance zwischen Offensive und Defensive in den Griff zu bekommen. Auch Schaaf stand sinnbildlich für eine bestimmte Philosophie, die seinen Club vom Rest der Liga positiv abhob und die die Grundlage für sehr erfolgreiche Jahre gelegt hatte. Gerade deshalb fällt es so schwer, eine wunderschöne Ära irgendwann auch mal zu beenden.

5) Wo ist das Problem an spanischen Verhältnissen?

Neben der Premier League mit drei Teams im unmittelbaren Titelkampf ist es vor allem die spanische Liga, auf die der von der Eintönigkeit der Bundesligaspitze ermüdete Fan sein Augenmerk richten sollte (und natürlich auf die Champions League, aber diesem Premium-Wettbewerb werden wir uns nächste Woche noch ausführlich widmen). Innerhalb von vier Tagen hat das zuvor in 31 Pflichtspielen ungeschlagene Real Madrid zwei Spiele verloren und ist auf einmal nur noch Dritter, Atlético sensationell Erster und Barcelona Zweiter. Alle drei Teams trennen aber nur drei Punkte.

Zumindest in dieser Saison also vereint die Primera División Spannung und fußballerische Klasse, idealtypisch vor Augen geführt in der ersten Halbzeit des famosen 3:4-Clásicos am vergangenen Sonntag. Eine Vorentscheidung im Titelrennen gegen Real Madrid ist sicher noch nicht gefallen, schon an diesem Wochenende könnte sich einiges wieder ändern: Vor allem Tabellenführer Atlético hat eine ganz schwere Aufgabe vor sich, in Bilbao, wo der Athletic Club Vierter der Tabelle ist und in dieser Saison erst ein Heimspiel verloren hat. Barcelona bestreitet das Derby bei Espanyol, beide wissen aber auch, dass sie schon am Dienstag in der Champions League aufeinandertreffen. Real Madrid dagegen hat die dem Augenschein nach leichteste Paarung mit einem Heimspiel gegen den kleinen Stadtrivalen Rayo Vallecano und einem Tag mehr Pause vor dem eigenen Champions League-Viertelfinale gegen Borussia Dortmund.

Aber Moment mal: Bedeuten die spannenden Titelrennen in England und Spanien nicht, dass die These von der Einseitigkeit des europäischen Spitzenfußballs widerlegt ist? Nur auf den ersten Blick. Richtig ist, dass es mit einer idealen Trainerlösung, wie sie Jürgen Klopp in Dortmund, aber eben auch Diego Simeone bei Atlético darstellt (und nach bisherigen Eindrücken auch Roberto Martínez in Everton), möglich ist, zumindest zeitweise die reine „Je mehr Geld. desto höher der Tabellenplatz“-Mechanik ins Wanken zu bringen. Aber die ersten Vier der Premier League sind alles Clubs, die zu den reichsten Zwölf der Welt gehören. Liverpool etwa, das in der aktuellen Saison neben guten personellen Entscheidungen auch davon profitiert, keine Mehrfachbelastung zu haben (mindestens zehn Pflichtspiele weniger als alle Konkurrenten), hat dennoch einen Umsatz von 240 Millionen Euro im Jahr. Selbst Atlético spielt zwar weit über seinen Verhältnissen, wenn man so will, würde aber, wenn es am Ende Platz drei wird, eben auch nur vor allen Clubs, die weniger Geld haben als sie selbst, landen.

Der große Unterschied besteht in allen europäischen Ligen genau dort, wo Clubs mit viel Geld von denen mit wenig Geld getrennt sind. Real Madrid mag nur Dritter sein, hat aber 20 Punkte Vorsprung auf Platz fünf. Juventus hat 20 Punkte Vorsprung auf Platz drei, Bayern 25 Punkte auf Platz zwei, Paris Saint-Germain 20 Punkte auf Platz drei. Einzig in der Premier League mit ihrer höheren Dichte an reichen Clubs ist der Übergang insgesamt gradueller – in dieser Saison zumindest.

Das alles soll keine Absage an den Profifußball sein. Dass Geld über Erfolg entscheidet, ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass die reichen Clubs in aller Ruhe Regularien aufstellen dürfen, die die Besitzverhältnisse auf absehbare Zeit festschreiben, anstatt Korrektive, um den Wettbewerb zu fördern. Dennoch freue ich mich auf das Wochenende mit den Topspielen in Spanien und England, den Abstiegskampf in der Bundesliga und hey, auch auf den SC Paderborn. Der spielt übrigens beim FSV Frankfurt. Sonntag 13:30.

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One comment

  1. Max

    Und weil hier noch kein Kommentar war, lassen wir uns mal nieder. Danke für den Blogbeitrag, sehr schön zu lesen 🙂 Egal was jedenfalls im Profilfussball passiert, ohne Fussball können wir jedenfalls nicht. 😉

    Grüße vom Dein Fussballportal.de-Team

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