Was heißt „Treble“ auf Katalanisch?

Dass Real Madrid in der ersten Spielhälfte des Clásico die leicht bessere Mannschaft im Nou Camp war, ist ein Hinweis darauf, dass man die Blancos nicht abschreiben darf, wenn es um den Champions League-Titel geht. Dass Barcelona das Spiel nach der Pause in den Griff bekam, ist hingegen die Bestätigung unserer in der aktuellen Europarangliste geäußerten Einschätzung, dass die Blaugrana zurzeit die beste Mannschaft der Welt stellen.

Nach dem Erfolg im CL-Achtelfinale über Manchester City brachte Luis Enrique wie gewohnt Claudio Bravo für die Liga zurück ins Tor, Marc-André ter Stegen musste wieder auf die Bank. Ansonsten spielte die gleiche Startelf wie am Mittwoch. Madrid hatte eine ganze Woche Zeit gehabt, um sich auf den Clásico vorzubereiten – ein weiteres Argument gegen die absurde Ansetzung der Champions League-Achtelfinals über einen Zeitraum von fünf Wochen. Im Vergleich zum Heimsieg gegen Levante am Sonntag zuvor nahm Carlo Ancelotti zwei Änderungen vor. Toni Kroos kehrte für Lucas Silva zurück in die Startelf, und im Tor erhielt Iker Casillas wieder den Vorzug vor Keylor Navas.

Es war wie so oft in Rückrunden-Clásicos ein vorentscheidendes Duell um die Meisterschaft. Das Spielniveau wie auch die Animositäten zwischen den Mannschaften (Schiedsrichter Mateu Lahoz zeigte elf Gelbe Karten) entsprachen dann auch den Erwartungen, die man traditionell an diese Paarung stellt. Doch wie zuletzt öfter beobachtet, hat sich vor allem Barcelonas Spielstil seit den Zeiten von Josep Guardiola verändert und flexibilisiert. Über weite Strecken des Spiels hatte Madrid sogar etwas mehr Ballbesitz als die Gastgeber, und die beiden Tore der Katalanen fielen per Kopfball nach einem Standard und nach einem langen Ball aus der eigenen Hälfte auf Luis Suárez. Dessen Ballmitnahme von Dani Alves‘ Anspiel war das individuelle Highlight des Spiels und entschied dieses letztlich, wie wohl auch das Titelrennen.

Vor der Pause hatte Barcelona nach der Führung durch einen Kopfball von Jérémy Mathieu nach einem Freistoß von Lionel Messi die Spielkontrolle nach und nach verloren. Angesichts der direkteren Spielanlage der Mannschaft in dieser Saison wäre das nicht zwingend ein Alarmsignal – wenn Real Madrid nicht in dieser Phase zu drei sehr guten Chancen gekommen wäre. Zuerst traf Cristiano Ronaldo nach einem Anspiel von Karim Benzema die Latte, dann glich der Portugiese nach einer schönen Hackentrick-Ablage von Benzema und einem wunderbaren Pass von Luka Modric aus, bevor wiederum Ronaldo per Kopf auf Gareth Bale ablegte, der den vermeintlichen Führungstreffer erzielte. Doch Lahoz hatte hier eine Abseitsstellung erkannt – eine umstrittene Entscheidung.

Erst nach dem Seitenwechsel erlahmte Madrids Angriffsspiel mehr und mehr. Das schien mit fortschreitendem Spielverlauf paradoxerweise auch der mangelnden Defensivarbeit von Ronaldo und Bale geschuldet zu sein. Diese kompensierten ihre Mitspieler mit vorsichtigerem Aufrücken. Obwohl ihre Mannschaft mit 1:2 zurücklag und im Begriff war, eine Vorentscheidung gegen sich im Titelrennen zu erleiden, zögerten sie, alles nach vorne zu werfen. Ob das wirklich, wie von manchen Kommentatoren vermutet, dem so immerhin gewonnenen direkten Vergleich (das Hinspiel hatte Madrid 3:1 gewonnen) geschuldet war? Das ist schwer vorstellbar, denn die rein hypothetische Möglichkeit, bei Punktgleichheit Meister zu werden, kann kaum so viel zählen wie ein Remis in diesem Spiel, das bedeutet hätte, dass Barcelona nur einen statt vier Punkten Vorsprung gehabt hätte.

Aus Madrider Sicht lässt immerhin die Rückkehr von Modric auf einen positiven Rest der Saison hoffen, wenngleich der Kroate nach seiner monatelangen Verletzung natürlich noch nicht wieder die volle Präsenz entfalten kann, die man von ihm gewohnt ist. Ob es für Carlo Ancelotti aber wirklich einen Titel zu feiern gibt? Die Bewertung seiner Arbeit und seiner Jobaussichten steht und fällt mit der Verteidigung des Champions League-Erfolgs von 2014. Dafür muss ausgerechnet Atlético im Viertelfinale bezwungen werden, eine Mannschaft, die Real gar nicht liegt.

Barcelona wiederum hat die beiden nationalen Titel schon halb in der Tasche, steht mit PSG im Viertelfinale der Champions League aber auch vor einer heiklen Aufgabe. Bei aller Klasse der Pariser ist die Aussicht auf einen weiteren Clásico im Finale von Berlin jedenfalls sehr verlockend – auch wenn das der FC Bayern anders sehen wird. „Treble“ heißt auf Katalanisch übrigens „triplet“.

Spielnote 6,5

Barcelona (4-3-3): BRAVO 6,5 – DANI ALVES 7, PIQUÉ 8, MATHIEU 7, ALBA 6,5 – RAKITIC 6 (76. BUSQUETS), MASCHERANO 6,5, INIESTA 6,5 (80. XAVI) – MESSI 8, SUÁREZ 8, NEYMAR 6,5 (85. RAFINHA).

Real Madrid (4-3-3): CASILLAS 6 – CARVAJAL 5,5, PEPE 5,5 (73. VARANE), RAMOS 7, MARCELO 7,5 – MODRIC 7 (88. LUCAS SILVA), KROOS 6, ISCO 6 (80. JESÉ) – BALE 5, BENZEMA 6,5, RONALDO 7.

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