WM-Noten: Defense wins Championships

arg-bel_kleinArgentinien – Belgien 1:0

Das dritte Viertelfinale war eine Blaupause des ersten. Wie Deutschland ging auch die argentinische Mannschaft früh in Führung, was ihrer Spielweise und ihrem Matchplan entgegen kam. Und auf der anderen Seite standen elf Rote Teufel, die trotz ihres enormen Talents kaum Mittel fanden, die Albiceleste in Bedrängnis zu bringen. Belgien mangelte es wie Frankreich an Erfahrung, die nun aber gewachsen ist – die Fortschritte werden wir bereits bei der EM 2016 beobachten können.

Einen Unterschied gibt es aber doch: Während die deutsche Mannschaft nach dem 1:0-Sieg gegen Frankreich für Effizienz und Spielfreude mit Lob überschüttet wurde, wird die argentinische Mannschaft sehr kritisch beäugt. Laut ZDF-Experte Oliver Kahn („Die Argentinier sind zu stark von der Leistung ihrer Einzelspieler abhängig“) ist Argentinien kein Titelkandidat und für die Kollegen von Spiegel Online hätten die Argentinier nur Minimalisten-Fußball geboten.

Geschmälert werden die Titelchancen allerdings durch die Verletzung von Ángel di María. Offiziell ist das WM-Aus noch nicht, aber die Zeitung Olé berichtet von einer schwerwiegenden Muskelverletzung. Gegen Belgien war Di María bis zu seiner Auswechslung in der 33. Minute bester Mann auf dem Platz, der Mittelfeldspieler von Real Madrid bereitete auch den Siegtreffer von Gonzalo Higuaín vor. Der Stürmer aus Neapel ist nach anfänglichen Schwierigkeiten auch im Turnier angekommen und verdiente sich mit seinem Solo samt Lattenschuss im zweiten Durchgang die Bestnote des Tages.

Gegen die offensivstarken Belgier überzeugte die Albiceleste vor allem defensiv. In der Viererkette lag nur José María Basanta unter Durchschnitt, der Linksverteidiger wird im Halbfinale aber vermutlich wieder durch den jetzt gesperrten Marcos Rojo ersetzt. Und auf der Doppelsechs zeigte Javier Mascherano wieder eine gewohnt zweikampfstarke Leistung mit gutem Stellungsspiel. Argentinien hat in fünf Spielen erst drei Gegentore kassiert, hat mit Lionel Messi den Spieler für die besonderen Momente und wird auch im weiteren Turnierverlauf sehr schwer zu schlagen sein.

Geht es nach Belgiens Trainer Marc Wilmots, wird die WM-Krone unter den anderen drei Teams ausgemacht. „Ich bin überhaupt nicht beeindruckt von Argentinien. Sie sind ein ganz gewöhnliches Team mit einem außergewöhnlichen Spieler“, sagte Wilmots. Der überzeugende Daniel van Buyten ging nach seinem vermutlich letzten Länderspiel noch einen Schritt weiter. „Ich setze alles, was ich habe, auf Deutschland.“

Die Roten Teufel hatten in der Offensive zu viele Ausfälle zu beklagen, vor allem Stürmer Divock Origi konnte nicht an das gute Spiel gegen die USA anknüpfen und Spielmacher Eden Hazard fand kaum Bindung zu seinen Nebenleuten. In der Schlussphase sollten Marouane Fellaini und Van Buyten als großgewachsene Notstürmer per Brechstange den Ausgleich bringen, aber auch dieser Plan ging nicht auf.

gdb-aufstellung_ned-crc-kleinNiederlande – Costa Rica 0:0 n.V.

Zwei Mannschaften mit sehr ähnlicher Grundformation standen sich in Salvador gegenüber. Da lag es nahe, ein Spiel zu erwarten, in dem sich beide Teams neutralisieren würden. Über 90 oder 120 Minuten aber sollte sich, so konnte man annehmen, die größere individuelle Klasse der Niederländer durchsetzen. Die größte Gefahr für die Elftal bestand darin, die Geduld zu verlieren und zu offensiv zu agieren, und dann in Konter zu laufen. Doch die Niederlande haben ja Louis van Gaal als Trainer, und der schaltet, wenn zu Hause Johan Cruyff mehr Risiko fordert, gerne erst Recht auf Sicherheit.

So ließ Oranje tatsächlich fast nichts zu in der Defensive: In der 115. Minute gab es die erste Ecke für die Ticos, in der 117. den ersten Schuss, der wirklich das Tor von Jasper Cillessen erreichte. Bezeichnenderweise das beides, nachdem Van Gaal zur Pause der Verlängerung sein System etwas geöffnet und Klaas Jan Huntelaar für Bruno Martins Indi gebracht hatte. All das brachte den Niederlanden aber nicht den Sieg gegen im gesamten Turnier ungeschlagene Costaricaner, deren Trainer Jorge Luis Pinto sicher zu den besten Coaches der WM gerechnet werden muss.
Die Chancen waren zwar da, die Dominanz war da – aber Arjen Robben war mit seiner gewohnten übermenschlichen Kondition und Dynamik der einzige wirklich gute niederländische Offensivspieler – Robin van Persie hatte einen ganz schwachen Tag, vergab in der 90. Minute eine Riesenchance, indem er den auf der Torlinie stehenden Yeltsin Tejeda anschoss und blockte zweimal sogar Schüsse eigener Mitspieler ab.

Gleichwohl hätte es für die Elftal zum Sieg reichen müssen, aber Wesley Sneijder, der ein gutes Spiel machte, von Costa Ricas tiefer Defensive aber auch erstaunlich oft den Platz dafür bekam, traf einmal den Pfosten mit einem Freistoß von der linken Seite und einmal die Latte. Zudem zeigte Keylor Navas im Tico-Tor ein weiteres gutes Spiel und nur einmal eine Schwäche, als er unter einem hohen Ball hindurchsprang, was aber folgenlos blieb.

Wir benoten wie immer nur die 120 Minuten, also weder die Paraden noch die Eskapaden des eingewechselten Torwartjokers Tim Krul, noch die gut geschossenen Strafstöße der Elftal, die damit ihr Elfmetertrauma zumindest für einen Abend überwinden konnte (und zum ersten Mal in der WM-Geschichte in einer Verlängerung oder nach Penalties weiter kam). Wir benoten 120 Minuten, in denen das Spiel unentschieden endete, die Niederlande aber die bessere Mannschaft gewesen war. Genauso wären die Noten auch ausgefallen, wenn Costa Rica ein weiteres Elfmeterschießen gewonnen hätte und seine Griechenland-2004-nur-noch-sensationeller-Geschichte auch im Halbfinale weiter erzählt hätte. (dan)

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