WM-Noten: Die Null muss stehen

gdb-aufstellung_ndl-arg_kleinNiederlande – Argentinien 0:0 n.V.

Anders als im ersten Halbfinale, als Brasilien am öffentlichen Druck zerbrach, spätestens nach dem zweiten Gegentor durch eine unerwartet famose deutsche Elf, boten die Niederlande und Argentinien das erwartete Spiel vor etwas mehr als 60.000 Zuschauern in Sao Paulo.

Beide Teams scheuten das Risiko, waren insbesondere auf die Sicherung des eigenen Tores aus und erfüllten die taktischen Aufgaben ihrer Trainer nahezu perfekt. Heraus kam ein unattraktiver Kick, der die Albiceleste in eine starke Außenseiterrolle für das Finale rückte, die in dieser Form nicht der Realität entspricht.

In der ARD waren sich Kommentator Gerd Gottlob und Experte Mehmet Scholl einig: Argentinien sei viel zu schlecht, um die deutsche Elf gefährden zu können. Hier liegt aber der Denkfehler. Die Albiceleste will gar nicht gefährden (wenn man von der Hoffnung auf einen Messiesken Geniestreich absieht), sie will zu null spielen. Sie will kein Gegentor kassieren, diese Prämisse steht über allem.

Allerdings darf sich Trainer Alejandro Sabella gegen Deutschland im Laufe des Spiels nicht den gleichen Fehler wie gegen die Elftal erlauben. Sabella wechselte gegen Ende der regulären Spielzeit deutlich zu offensiv. Rodrigo Palacio und Sergio Agüero ersetzten Gonzalo Higuaín und Enzo Pérez, und weil mit Pérez ein defensiv denkender Mittelfeldspieler rausgehen musste, ging bei Argentinien für knapp 20 Minuten die Ordnung verloren. Erst als Maxi Rodríguez für den fleißigen Ezequiel Lavezzi ins Spiel kam, war die Grundordnung wieder hergestellt. In diesen 20 Minuten kam Oranje zu den besten Torchancen, der Trainer hätte eine Niederlage auf seine Kappe nehmen müssen.

Es kam anders und so steht Argentinien dank zweier Paraden von Sergio Romero im Elfmeterschießen im Finale. Da wir immer nur die Leistung in den 120 Minuten ohne Elfmeterschießen bewerten (hier wird das Notensystem von Gegen den Ball erklärt) und Romero kaum einen Ball halten musste, bekommt der argentinische Torhüter nur die Durchschnittsnote 6.

Neben Mascherano müssen wir auf argentinischer Seite noch einen Defensivspieler herausheben. Ezequiel Garay gewann jeden Zweikampf, jedes Kopfballduell und hätte in der Offensive sogar fast einen Treffer erzielt. Robin van Persie sah gegen Garay und Co. wie schon im Viertelfinale gegen Costa Rica keinen Stich. Der im ersten Durchgang ähnlich blasse Arjen Robben biss sich dann immerhin ins Spiel, war aber häufig auf sich allein gestellt.

Denn auch das Team von Trainer Louis van Gaal war in erster Linie auf die Sicherung des eigenen Tores aus. Ron Vlaar war ähnlich stark wie Garay auf der anderen Seite, der überraschend genesene Nigel de Jong verrichtete wichtige Arbeit gegen Messi und Wesley Sneijder opferte sich und seine Offensivkünste zum wiederholten Male im laufintensiven Spiel gegen den Ball. Im Spiel um Platz drei treffen die Niederlande am Samstag auf Brasilien und haben mit ihrem guten Umschaltspiel, das Argentinien erfolgreich im Keim erstickte, beste Möglichkeiten, die brasilianische Depression noch weiter zu vergrößern.

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