WM-Noten: Ein Land atmet auf

BRA_CHI_5NEUBrasilien – Chile 1:1 n. V. (Noten-FAQ)

Die Ansetzung hat alles gehalten, was sie versprach. 120 Minuten Hochspannung und starker Fußball. Wir bewerten allerdings nur das Fußballspiel. Das Elfmeterschießen, bei dem Glück und Pech eine große Rolle spielen und nicht der Sport, fließt nicht in die Bewertung mit ein. In Sachen Spielniveau sind wir auf eine gute 6 gekommen. Auch die Statistik zeigt, dass den Zuschauern alles geboten wurde. 23:13 Torschüsse für Brasilien (6:2 auf das Tor). Dazu der Lattentreffer kurz vor dem Ende für die Chilenen. Auch, wenn das Spiel nach 120 Minuten unentschieden endete, hatte Brasilien alles in allem etwas mehr vom Spiel.

Das Mehr an Torschüssen zeigt, dass die Gastgeber häufiger den Weg zum Tor fanden. Chile betrieb einen hohen Aufwand, lief mehr als Brasilien und zeigte in der Innenverteidigung und im zentralen Mittelfeld erneut eine starke Leistung. Dementsprechend haben wir Gary Medel und Francisco Silva belohnt, wobei sich Silva nach wackliger erster Hälfte steigerte. Auch Marcelo Díaz und Charles Aránguiz haben ein starkes Spiel gemacht und liegen über Schnitt.

Bei Brasilien hat Neymar durch seine Schnelligkeit, Ballführung und Technik überzeugt. Er konnte oft nur durch Fouls gestoppt werden. Luiz Gustavo (66,7% gewonnener Zweikämpfe) und der präsente David Luiz fanden außerdem Gefallen. Júlio César hatte eine überragende Parade (64.), insgesamt konnte Claudio Bravo sich aber durch mehrere gute Paraden (5 Torschussparaden) die bessere Note verdienen. Zum Helden des Elfmeterschießens und vielleicht ja Vater des WM-Titels wurde Júlio César natürlich am Ende. Aber wie gesagt, in unsere Noten fließt das nicht mit ein. (mic)

Kolumbien – Uruguay 2:0

CHI_URU_4NEUUruguay hatte keinen Luis Suárez – aber Kolumbien hatte James Rodríguez, den bisherigen Superstar der WM, der bereits 10 GdB-Punkte in vier Spielen gesammelt hat. An der Berechtigung einer langen Sperre für Suárez kann für mich kein Zweifel bestehen, aber sportlich gesehen waren Uruguays Tage im Turnier mit der Heimreise seines Superstars gezählt. Denn so musste Edinson Cavani, der gegen England und Italien als zweite Spitze sehr gut funktioniert hatte, vor allem auch gegen den Ball, selbst wieder in die Spitze rücken, und der seiner Form von 2010 weiter hinterherlaufende Diego Forlán sollte das Verbindungsglied geben, was ihm fast nie gelang. Der Ballon d’Or-Gewinner von Südafrika wurde nach 53 Minuten ausgewechselt.

Uruguays taktische Einstellung war klar defensiv, mit einem 5-3-2 wollte Óscar Tabárez die kolumbianische Offensivreihe um James, Juan Cuadrado und Jackson Martínez, der sich mit seinem Auftritt gegen Japan in die Startelf gespielt hatte, stoppen. Vielleicht hätte dieser Plan auch funktioniert, wenn nicht James Mitte der ersten Hälfte das Tor des Turniers gelungen wäre. Kolumbien zog sich anschließend keineswegs zurück, verteidigte streckenweise sogar sehr hoch, wenn man bedenkt, dass die Innenverteidigung mit Mario Yepes nicht mehr allzu schnell und mit Cristián Zapata nicht allzu formstark besetzt war. Kolumbien konnte sich das aber leisten, weil Uruguay kaum einmal einen sauberen Konter ausgespielt bekam. Als dann nach einem sehr schönen Spielzug das vorentscheidende 2:0 gefallen war (diesmal war Juan Cuadrados Vorarbeit fast noch bemerkenswerter als der Abschluss von James), stellte José Pekerman seine Mannschaft defensiver ein, nun blieben meist sieben Spieler immer zurück und warteten ab.

Tabárez brachte wie immer in diesem Turnier Christian Stuani für den glücklosen Forlán, wie immer brachte das aber nicht allzu viel. Anders die Hereinnahme von Gaston Ramírez zum gleichen Zeitpunkt kurz nach der Pause, mit der Uruguay auf Viererkette umstellte und eine zusätzliche Präsenz im Aufbau ebenso wie einen sehr guten Standardschützen gewann. Mehr ging nicht, weil Uruguays Kadertiefe nicht mehr hergabm Abel Hernández ist einfach kein WM-Matchwinner. Doch Kolumbiens Defensive hielt, vom alten Schlachtross Mario Yepes dies- und jenseits der Legalität organisiert, dazu zeigte David Ospina im Tor ein ordentliches Spiel ohne Fehler. Eine Wende im Spiel lag so selten in der Luft, und man darf sich auf ein Viertelfinale Brasilien – Kolumbien freuen, das erste Viertelfinale in der WM-Geschichte Kolumbiens. Bis dahin (Freitag) ist dann vielleicht auch Brasilien wieder erholt. (dan)

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