WM-Noten: Ein Spiel dauert 120 Minuten

Argentinien – Schweiz 1:0 n.V. (Noten-FAQ)

ARG_CH_6Der Pfostenschuss kurz vor dem Ende kostete die Schweizer das Weiterkommen. So versuchten diese ihr Ausscheiden in anschließender Verklärung weniger schmerzhaft zu gestalten. Über die Argentinier wurde zum wiederholten Male der Satz zum Besten gegeben: „Vor diesen Argentiniern müssen wir keine Angst haben“. War es also ein unverdienter Sieg schwacher Südamerikaner?

Fakt ist, dass Argentinien 29:15 Torschüsse für sich verbuchen konnte (8:4 auf das Tor). Argentinien hatte 64 Prozent Ballbesitz und 12:3 geblockte Schüsse. Dazu 13:5 Ecken und diese Liste kann man mit fast jeder erfassten Statistik weiterführen. Damit will ich nicht sagen, dass die Schweiz nicht sehr viel richtig gemacht hat, aber letztlich ist Argentinien verdient ins Viertelfinale eingezogen.

Die Schweiz stand vor allem in der ersten Halbzeit sehr kompakt, verschob clever und konterte vereinzelt gefährlich. Vor allem der Konter über Josip Drmic, der Xherdan Shaqiri anspielte und dann von diesem auf die Reise geschickt wurde, hätte die Führung bedeuten können. Der Abschluss wurde vom Neu-Leverkusener Stürmer allerdings kläglich vergeben.

In der zweiten Halbzeit ließ die Gefährlichkeit der Schweizer nach und vor allem Ángel di María machte mit (insgesamt) 12 Torschüssen und neun erfolgreichen Dribblings auf sich aufmerksam. Letztlich war es Lionel Messi, der den entscheidenden Treffer vorbereitete und damit schon den sechsten GdB-Punkt sammelte, bei insgesamt sieben Turniertoren der Argentinier. Aber vor dem müssen wir sicherlich auch keine Angst haben.

Beim einzigen Treffer der Partie rückte Ricardo Rodríguez, der in dieser Szene vielleicht zu viel Angst vor Messi hatte, zu stark ein und öffenete den Raum für den Spieler des Spiels, Ángel di María. Rodriguez zeigte ansonsten eine starke Leistung. Letztlich sollte man froh sein, dass Argentinien noch im Turnier ist und ein mögliches der vielen denkbaren Traumfinals, Brasilien gegen Argentinien, damit noch möglich ist. Allerdings ist nach diesem Spiel erst einmal ein großer Trainer zu verabschieden. Ottmar Hitzfeld tritt von seinem Amt und seiner Berufung zurück. Respekt für diese großartige Trainerkarriere. (mic)

Belgien – USA 2:1 n.V.

BEL_USA_6NEUIm vielleicht packendsten Spiel des bisherigen Turniers siegte Belgien mit 2:1 in der Verlängerung gegen ein individuell weit unterlegenes US-Team, das aber einmal mehr über sich hinauswuchs und am Ende viel Pech hatte, nicht den 2:2-Ausgleich zu erzielen. Alle acht Gruppensieger der Vorrunde stehen nun im Viertelfinale, aber nur ein einziger von ihnen (Kolumbien) führte zur Halbzeit seines Achtelfinalspiels. Dass die Favoriten sich schwer tun, ist also nichts Neues. Dass sie am Ende alle dennoch gewinnen, steht aber auch fest, und kein einziger von ihnen kam wirklich unverdient eine Runde weiter.

Das galt so definitiv auch für Belgien, das bei allem Zittern zu fast 40 Torschüssen kam, also zwei Stunden lang praktisch alle drei Minuten abschloss. Dass dieser phänomenale Wert nicht zu einem bequemen Kantersieg führte, lag weniger an der belgischen Offensive, in der Divock Origi kein schlechtes Spiel machte und Kevin de Bruyne extrem viele Chancen vorbereitete, sondern an Tim Howard, der im amerikanischen Tor mehr Bälle parierte als je ein Keeper vor ihm in der WM-Geschichte, seit es Statistiken gibt.

Den Amerikanern, denen neben einigen Verletzungsproblemen meist muskulärer Art auch drei Spiele im heißen Norden Brasiliens in den Knochen steckten (Natal, Manaus, Recife) merkte man schon früh in der zweiten Hälfte konditionelle Probleme an, die Belgien, das bisher alle Spiele im Süden des Landes absolviert hatte (Belo Horizonte, Rio de Janeiro, Sao Paulo) anscheinend weitaus weniger beeinträchtigten. Dennoch schleppte sich das US-Team irgendwie in die Verlängerung. In dieser demonstrierte Marc Wilmots erneut die Tiefe der belgischen Bank, aus der er nacheinander Kevin Mirallas, Romelu Lukaku und Nacer Chadli holte, während Jürgen Klinsmann Spieler mit fünfstelligem Jahresgehalt wie DeAndre Yedlin von den Seattle Sounders brachte. Nicht zu seinem Nachteil, denn gerade Yedlin lieferte sich auf der rechten US-Seite packende Duelle mit Jan Vertonghen und demonstrierte mehrfach seine feine Grundtechnik.

Den größten Einfluss als Impact Sub hatte aber Lukaku, der sich nach enttäuschender Vorrunde voll rehabilitieren konnte und De Bruynes 1:0 vorbereitete und selbst mit tollem Abschluss das 2:0 markierte. Zur Hälfte der Verlängerung schienen die Amerikaner nun endgültig tot, kamen aber – nicht zum ersten Mal in diesem Turnier – zurück wie in Dawn of the Dead und lösten Angst und Schrecken in der belgischen Defensive aus. Nachdem der gerade erst eingewechselte Julian Green den Anschlusstreffer erzielt hatte, gerieten die zumindest defensiv zuvor so sicheren Belgier ins Schwimmen. Ein großer Teil der Spannung rührte jedoch aus der ungestümen Art der Amerikaner her, die mit bewundernswerter Energie bis zum Schlusspfiff kämpften. Mangels sauberer Verarbeitung der Anspiele kamen jedoch nicht wirklich viele Großchancen dabei heraus, so dass am Ende kein Zweifel am verdienten Viertelfinaleinzug Belgiens bestehen konnte. (dan)

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