WM-Noten: Manu, der Libero

Deutschland – Algerien 2:1 n.V. (Noten-FAQ)

GER_ALG_5NEUSpielerinterviews in der Mixed Zone sind seit Jahren ein journalistisches Ärgernis. Verschwitzt, emotional aufgewühlt und körperlich ausgelaugt müssen Profis Fragen beantworten, die zu diesem Zeitpunkt noch gar keinen Sinn machen. Die Spieler, rhetorisch geschult, lassen dieses Prozedere in der Regel über sich ergehen, ohne die gelebte Praxis in Frage zu stellen.

Zum Glück gibt es aber Profis wie Per Mertesacker, die nach einem Kraftakt über 120 Minuten die richtigen Worte finden – schade, dass wir nur die Leistung auf dem Spielfeld bewerten. ZDF-Interviewer Boris Büchler wollte dem verdienten Viertelfinaleinzug des DFB-Teams gegen Algerien partout eine negative Note verleihen, die es selbst in einer tieferen Analyse nicht bekommen sollte. Denn die Wüstenfüchse wurden von Trainer Vahid Halilhodzic taktisch so hervorragend eingestellt, wie es auch Kollege Michel Massing nicht für möglich gehalten hätte.

Mertesacker konnte sein Unverständnis schon nach der ersten Frage nicht zurückhalten: „Was wollen Sie?“ Als Büchler, der Algeriens Leistung mit keinem Wort erwähnte, weiter nachbohrte, konterte Mertesacker treffend: „Glauben Sie, da ist eine Karnevalstruppe unter den besten 16 Mannschaften?“ Bei einem Torschussverhältnis von 28:10 scheint Mertesacker das richtige Spiel gesehen zu haben, an dem es durchaus Dinge zu kritisieren gibt. Aber eben im richtigen Verhältnis.

Wie eine Karnevalstruppe spielten die Wüstenfüchse beileibe nicht, sie zeigten stattdessen eine der besten Defensivleistungen bei dieser Weltmeisterschaft. Halilhodzic hatte sein Team in einem 4-2-3-1 angeordnet, das tief stand und bei deutschem Ballbesitz häufig in ein schwer zu knackendes 6-3-1 wechselte. Beeindruckend war vor allem das Jo-Jo-hafte Vorstoßen einzelner Spieler, die den deutschen Spielaufbau sehr effektiv störten, um sich dann wieder in die Grundformation zurückzuziehen.

Dabei stand Algerien im Abwehrzentrum mit Essaid Belkalem und Rafik Halliche sehr sicher, schaltete über Sofiane Feghouli sehr schnell um und sorgte gerade in der Anfangsphase für viel Verwirrung in der deutschen Hintermannschaft. Das defensive Umschaltspiel der Löw-Elf bleibt ein großes Problem bei diesem Turnier, gegen konterstarke Franzosen im Viertelfinale muss diese schwache Raumaufteilung abgestellt werden.

Bedanken konnten sich die deutschen Feldspieler bei Manuel Neuer, der als mitspielender Torhüter ein sehr starkes Spiel zeigte und etliche brenzlige Situationen mit beherztem Herauslaufen entschärfte. Neuer wurde nur ganz selten im klassischen Torwartspiel geprüft, als verkappter Libero avancierte er zeitweise zum besten deutschen Feldspieler.

Ein roter Faden der Weltmeisterschaft ist der große Einfluss von Einwechselspielern. Das untermauerte auch der Bundestrainer, denn mit André Schürrle und Sami Khedira brachte er zwei entscheidende Impulsgeber. Dem deutschen Spiel fehlte es vor der Pause an der nötigen Laufbereitschaft im Mittelfeld. Doppelpässe, flexible Laufwege, schnelle Passkombinationen – mit diesen Mitteln hätten die Algerier schon früher in Bedrängnis gebracht werden können. Mit Schürrle kam zudem mehr Tempo ins Umschaltspiel und Khedira tat die Pause gegen die USA sichtlich gut, der Champions-League-Sieger zeigte erstmals in diesem Turnier seine bekannten Box-to-Box-Qualitäten.

Ein, zwei Sätze noch zur nun vermutlich noch stärker hochkochenden Debatte über die Außenverteidiger in der deutschen Elf. Löw blieb trotz der Verletzung von Mats Hummels und der Versetzung des schwach begonnenen, dann aber immer stärker werdenden Jérôme Boateng bei seinem neuen Credo, nur Innenverteidiger in der Viererkette einsetzen zu wollen. Shkodran Mustafi feierte ein durchwachsenes Startelf-Debüt bei dieser WM.

Gegen die tief stehenden Algerier boten sich beiden Außen sehr viele Räume, die weder Mustafi noch Benedikt Höwedes in der Offensive nutzen konnten. Nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Mustafi und der Rückversetzung von Kapitän Philipp Lahm war erkennbar, was gegen die Wüstenfüchse auf dieser Position möglich gewesen wäre. Das bedeutet aber nicht, dass Löws Idee gegen das qualitativ so stark besetzte Frankreich nicht wieder die absolut richtige sein könnte. Doch das klären wir an anderer Stelle. (krä)

Frankreich – Nigeria 2:0

FRA_NIG_NEU_2Didier Deschamps entschied sich zunächst für Olivier Giroud als Mittelstürmer und Karim Benzema auf der linken Seite. Diese Maßnahme sollte er zur Halbzeit korrigieren, denn die Offensive hatte untereinander zu wenig Bindung, Kompaktheit und gute Laufwege fehlten. Antoine Griezmann zeigte sich umtriebiger und harmonierte mit Benzema. Nigeria war lange Zeit durch hohen Einsatz und Aggressivität ein ebenbürtiger Gegner. Man nutzte die Räume über die Flügel, aber kam zu selten zu Abschlüssen. Die letzten 20 Minuten gehörten dann den Franzosen, die die Räume vor der Viererkette nutzen konnten und zu Chancen fast im Minutentakt kamen.

Die nigerianische Abwehr wirkte unerklärlich unkonzentriert. Doch sie hatten ja noch ihren herausragenden Keeper. Ausgerechnet der starke Vincent Enyeama machte dann aber einen spielentscheidenden Fehler. Er hätte den Eckball von Mathieu Valbuena mit einer Faust zur Seite befördern müssen, wie der ZDF-Experte Oliver Kahn, der in diesem Fall seinem Namen alle Ehre machte, richtig anmerkte. Dass man vor diesen Franzosen „keine Angst“ haben muss, wie Wolf-Dieter Poschmann resümierte, kann ich nicht teilen. 13:9 Schüsse auf das Tor, davon 5:2 auf das Tor zeigen, dass Frankreich verdient gewonnen hat.

Frankreich ist nicht nur Karim Benzema. Paul Pogba fängt gerade erst an, sein Potenzial zu entfalten. Er schoss genauso oft wie der Stürmer auf das Tor (erzielte sogar ein Tor). Außerdem ist er zweikampfstark und zeigte vier erfolgreiche Dribblings. Man darf auch Valbuena nicht vergessen, der fünf Torschussvorlagen gab, bei einer Passquote von 94 Prozent. Und dazu noch der dynamische Blaise Matuidi der sieben erfolgreiche Dribblings zeigte und zu den besten Spielern gehörte. Allerdings war sein Foul an Ogenyi Onazi rotwürdig, so dass er Abzüge in der Endnote hinnehmen muss. (mic)

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5 comments

      • Mirko Bayerl

        Ich habe 4 jahren gewartet….Jetzt endlich wird Deutschland meister ? Was passiert ? Lahm is nur Eine schatte von früher..die Jungs sind einfach ohne geist, keine lust ? Wenn Lahm nicht Gold will, dann wirds nicht Gold.Lange habe ich viel respekt gehabt under der ganze welt hat wider Deutsche fussball geliebt..Schnell, tempo, willen , geist, zack-zack…Aber jetzt sieht es aus wie Donald Duck cup. Löw muss unbedinkt auf andere leute hören..will Özil nicht spielen von herz = raus, Ist Boateng zu langsam = raus, Ist einfach Mustafi nicht Seine rolle gewachsen = raus..Löw muss mut haben lassen andre system und spieler testen, aber ohne willen , ohne lust , ohne geist = egal. Es sieht aus dass die deutschen haben kein spass…was ist los ????
        Ich muss sagen wenn ich shaue Schweiz ein gegen Argentina…so eine willen, laufen und mit viel herz…Schweiz ist wie Deutschland war früher, engagiert und fokusiert 100% , nicht nur überbezahlte profis. DVB ..es fehlt ein Profil..ein starker Capitän..aber mestens es muss Eine willen sein VM zu winnen…aber jetz geht alles so langsam, so langsazzzzzzzz..ops..also tut mir leid aber nächtes game..fragen stellen : wer will weltmeister sen ? wer will nicht?..raus mit müde spieler und rein mit neue frische attituden..ein GEIST..ein Damn it.
        Das wars von mir -entschuldigung mein Deutsch- bin ausländer 🙂 und von Eine anderes lands perspektive…Ich bin Deutschland fan wie viele , viele andre…aber wir fragen uns …was ist los ? warum spielen männer die nicht genug talent haben und keine besondere intresse haben zu winnen….Bitte : worwärt Jungs,angreifen und hart und Schnell

  1. Ping: #Link11: Der Ball ist runder denn je und ein Spiel dauert 120 Minuten | Fokus Fussball
  2. Ping: Vom Edeltechniker zum Prügelknaben: Mesut Özil › Gegen den Ball

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