Taktik schlägt Physis

USA_DEU_6NEUUSA – Deutschland 0:1

Deutscher Nationalspieler will man gerade nicht wirklich sein. In der brasilianischen Hitze Fußball zu spielen, ist per se kein Vergnügen und dann wird man nach dem 4:0-Sieg gegen Portugal auch noch zum WM-Favoriten gestempelt, um nach dem 2:2 gegen Ghana gefühlt schon vor der Heimreise zu stehen.

Das 1:0 gegen die letztlich auch ins Achtelfinale eingezogenen US-Amerikaner war ein kontrolliert herausgespielter Sieg mit effektiven Tempowechseln, gewollter Dominanz und starken Passkombinationen im Mittelfeld. Es fehlte das Spektakel, aber genau das wollte Bundestrainer Joachim Löw in der Regen geschwängerten Schwüle von Recife. Aber diese kontrollierte Spielweise könnte tatsächlich die große Trumpfkarte auf dem Weg zum vierten WM-Titel sein. Taktisch hatte Löw die Schwächen der US-Boys teilweise ähnlich analysiert wie Gegen den Ball, heraus kam eine Partie auf dem durchschnittlichen Niveau 5,5 (hier werden alle Fragen zum Notensystem beantwortet):

  • Bastian Schweinsteiger kam für Sami Khedira in die Startelf und rechtfertigte seine Nominierung mit einer guten Leistung. Schweinsteiger hatte gute Ideen, spielte sehr passsicher und war ein wichtiges Gegengewicht zur physischen Präsenz der Amerikaner im zentralen Mittelfeld. Nicht umsonst wurde Schweinsteiger fünf Mal gefoult.
  • Mario Götze rotierte aus der Mannschaft, mit Lukas Podolski statt André Schürrle entschied sich Löw aber für die vermeintlich abschlussstärkere Variante. Diese Idee ging nicht auf, weil Podolski kaum ins Spiel eingebunden wurde, seine Seite zwar konsequent hielt, vom ähnlich blassen Benedikt Höwedes aber auch keine Unterstützung erhielt.
  • Linksverteidiger DaMarcus Beasley wurde als Schwachpunkt in der Viererkette ausgemacht, in seinem Rücken sollten sich Mesut Özil, Thomas Müller und Jerome Boateng lösen und Flanken schlagen. Das gelang vor allem in der Anfangsphase, als Boateng mit seiner Schnelligkeit anspielbar war. Ein offensivstärkerer Außenverteidiger wie Philipp Lahm oder Kevin Großkreutz wäre hier sicher die bessere Lösung gewesen, so verschenkte Deutschland viel Potential. Beasley selbst stabilisierte sich nach den anfänglichen Stellungsfehlern, ähnlich wie Innenverteidiger Omár Gonzalez, der sich zum besten Feldspieler der USA aufschwang.
  • Zur falschen Neun mit Özil im Zentrum konnte sich Löw nicht durchringen, auch wenn Özil und Müller häufig die Positionen tauschten und damit insbesondere Matt Besler vor Probleme stellten. Özil verpasste mit seiner notorischen Abschlussschwäche eine noch bessere Note, immerhin bereitete er den Siegtreffer mit der auf Per Mertesacker geschlagenen Flanke mit vor. Müller avancierte mit seiner hochwertigen Schusstechnik sogar zum Matchwinner – deshalb bekommt der vierfache Torschütze die beste deutsche Note.

In der deutschen Abwehr wurden Mats Hummels und Mertesacker wenig gefordert, was an der amerikanischen Taktik lag. Torjäger Clint Dempsey wurde von Hummels nahezu komplett aus dem Spiel genommen, erst in der Schlussphase bekam der Stürmer per Kopf eine gute Torchance. Unterschiede sind bei Hummels und Mertesacker immer in der Spieleröffnung zu erkennen. Der Dortmunder wurde mehr angelaufen, spielte aber trotzdem öffnende Pässe. Mertesacker hatte 43 Ballontakte mehr als Hummels, spielte aber überwiegend Sicherheitspässe. Das spricht eigentlich für eine etwas bessere Hummels-Note, weil der Arsenal-Verteidiger aber beim Siegtreffer den Kopf im Spiel hatte, bekommen beide eine 6.

Auf amerikanischer Seite hatte die Sicherung des eigenen Tores höchste Priorität, mit den tief stehenden Graham Zusi und Brad Davis formierte sich bei deutschen Angriffen häufig eine Sechserkette vor dem eigenen Tor. Trainer Jürgen Klinsmann wollte dann eigentlich ein schnelles Umschalten seiner Mannschaft sehen, dieser Plan ging nicht auf. Deshalb war es eine verdiente Niederlage, im Achtelfinale gegen Belgien sehe ich die US-Boys mit dieser Marschroute allerdings gut vorbereitet. (krä)

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Portugal – Ghana 2:1 – Spielnote 5,5 (FAQ)

Portugal hätte hoch gewinnen müssen, Ghana hätten zwei Tore bei einer gleichzeitigen Niederlage der USA gereicht. Doch Ghana war zu stark, um Portugal den hohen Sieg zu gewähren und Ghana war wiederum vor dem Tor einfach zu ungefährlich, um selbst die Partie für sich entscheiden zu können. Portugal kam zwar glücklich durch das Eigentor von John Boye zum 1:0, doch hatten sie in der ersten Hälfte einige gute Chancen.

In Halbzeit zwei konnte Ghana gut aufspielen. Majeed Waris hatte die 2:1-Führung auf dem Kopf, doch er vergab aus sechs Metern unbedrängt. Die Drangphase der Ghanaer in der zweiten Halbzeit wurde letztlich nicht belohnt und ein Torwartfehler von Fatau Dauda, besiegelte den 2:1-Sieg der Portugiesen. Beide Teams müssen nun nach Hause fahren. (mic)

Portugal (4-3-3): Beto 5,5, Joao Pereira 5,5 (62. Silvestre Varela 5,5), Bruno Alves 6, Pepe 5,5, Miguel Veloso 5,5, William Carvalho 5, Joao Moutinho 5, Ruben Amorim 4,5, Nani 5,5, Eder 4 (69. Vieirinha 5,5), Cristiano Ronaldo 6.

Ghana (4-2-3-1): Fatau Dauda 4, Harrison Afful 5, John Boye 5, Jonathan Mensah 5,5, Kwadwo Asamoah 6, Emmanuel Badu 5,5, Mohammed Rabiu 5, Christian Atsu 5,5, Majeed Waris 4,5, André Ayew 5, Asamoah Gyan 5,5.

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Südkorea – Belgien 0:1 – Spielnote 5 (FAQ)

Korea (4-2-3-1): Kim Seung-Gyu 4 – Lee Yong 5, Jeong-Ho Hong 5,5, Kim Young-Kwon 5,5, Yun Suk-Young 5 – Han Kook-Young 4,5 (45. Lee Keun-Ho 4,5), Ki Sung-Yueng 5 – Lee Chung-Yong 5,5, Koo Ja-Cheol 5, Son Heung-Min 4,5 – Kim Shin-Wook 4 (66. Kim Bo-Kyung 5).

Belgien (4-3-3): Thibaut Courtois 6 – Anthony Vanden Borre 5, Daniel Van Buyten 6, Nicolas Lombaerts 6, Jan Vertonghen 6 – Marouane Fellaini 5, Steven Defour 3,5, Moussa Dembélé 6 – Adnan Januzaj 4,5 (Nacer Chadli 5), Kevin Mirallas 5,5, Dries Mertens 5 (Divock Origi 6).

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Algerien – Russland 1:1 – Spielnote 5,5 (FAQ)

Der deutsche Gegner im Achtelfinale heißt Algerien. Am kommenden Montag wird um 22 Uhr MEZ in Porto Alegre gespielt. Die Algerier wurden in der Gruppe H nur als Außenseiter gehandelt, zeigten nach dem 4:2-Sieg gegen Südkorea aber auch gegen Russland eine ansprechende Leistung. Angetrieben von Sofiane Feghouli und Yacine Brahimi wurde der frühe Rückstand durch Alexander Kokorin weggesteckt, spätestens in der 2. Halbzeit war Algerien die bessere Mannschaft.

Russland wiederum bestach in den Spielen gegen Belgien und Südkorea durch die gute defensive Handschrift von Trainer Fabio Capello, umso überraschender fiel das sehenswerte Kopfballtor von Kokorin in der Anfangsphase. Danach wollten die Russen das Ergebnis gerne verwalten, ließen sich nach der Pause aber zu weit reindrängen. Bester russischer Spieler war Abwehr-Routinier Sergei Ignashevitch, der in der Luft kaum zu bezwingen war und elf klärende Abwehraktionen verbuchte. Nun muss allerdings der Umbruch eingeleitet werden, will der WM-Gastgeber von 2018 vor heimischem Publikum nicht wieder in der Vorrunde ausscheiden.

Algerien (4-2-3-1): Rais M’Bohli 7 – Aissa Mandi 5, Essaid Belkalem 5,5, Rafik Halliche 5, Djamel Mesbah 4,5 – Carl Medjani 5,5, Nabil Bentaleb 5 – Sofiane Feghouli 6, Yacine Brahimi 6,5 (71. Hassan Yebda), Abdelmoumene Djabou 4,5 (77. Nabil Ghilas)- Islam Slimani 6,5 (90. Soudani).

Russland (4-2-3-1): Igor Akinfeev 4 – Aleksei Kozlov 4,5, Vassili Berezoutski 5, Sergei Ignashevitch 6, Dmitriy Kombarov 5 – Viktor Faizulin 5, Denis Glushakov 5,5 (46. Igor Denisov 4,5)- Alexander Kerzhakov 4 (81. Maksim Kanunnikov), Oleg Shatov 4 (67. Alan Dzagoev 5), Aleksandr Samedov 5 – Alexander Kokorin 6.

FAQ: Das Notensystem von Gegen den Ball

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4 comments

  1. Dr. Duerholtz

    Deutschland wird im Endspiel dieser WM 2014 dabeisein.
    Ich hoffe das Jogi bis dahin seine schwaechsten Spieler erkannt hat. Khedira braucht noch drei bis vier Monate. Schweinsteiger ist der Chef. Lahm einfach nur ein Angeber mit einem kleinen Mann Syndrom. Hummels ist Baerenstark. Mertesacker hat sich in England noch einmal stark verbessert und gehoert zur Internationalen Klasse. Goetze koennte Weltklasse werden, aber man merkt, das ihm die Spielpraxis und das Selbstvertrauen fehlen. Neuer der spielende Torwart jagt mir immer Angst ein. Irgendwann geht der Schuss nach hinten los. Hoewedes spielt als Innenverteidiger immer besser als auf Aussen. Man merkt ihm die ungewohnte Position deutlich an. Nur in Kampfspielen kann er seine Defizite auf links verdecken. Podolski ist auf Twitter besser als auf dem Platz. Oesil bleibt unbeschreiblich. Er findet das Tor nicht. Taucht immer wieder komplett ab. Trotzdem spuert man foermlich die Gefahr, das der toedliche und alles entscheidende Pass zu jeder Zeit kommen kann. Mueller macht seinem Namen alle Ehre. Boateng hat seine schlechten Einfluesse gebannt und konzentriert sich auf’s Fussballspielen. Klose hat immer noch genug Ehrgeiz um anzugreifen, im Team und auf dem Platz. Kroos spielt immer unter seinem Vermoegen, wenn Lahm ihm im Mittelfeld im Weg steht. Beste deutsche Spieler: Schweinsteiger und Mueller. Schlechteste deutsche Spieler Lahm und Podolski.

    • DFB FAN

      Kann ich unterschreiben. Denke nur nicht dass wir es bis zum Finale bringen, da Jogi Löw erst nach einem Dempfer in Form eines Auscheidens über die Risiken seiner Taktik nachdenken wird.

  2. Hausverwaltung Essen

    Ein schlechtes Spiel!
    Wenn wir mal so spielen würden, wie gehen Portugal…!!!
    Da muss man ja Angst haben, wenn Algerien kommt (Okay das ist doch etwas übertrieben), aber was zum Teufel ist denn los. Gegen Ghana ein schlechtes Spiel, gegen USA auch.
    Wollen oder können die nicht mehr???

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