Zählt das Erreichte oder reicht das Erzählte?

Es ist nicht leicht, jemanden zu finden, der ein negatives Wort über den Sportclub Freiburg verlieren möchte. Dass der Abstieg der Badener „unverdient“ gewesen sei, ist sowohl am Stammtisch als auch unter Sportjournalisten ein Allgemeinplatz. Das erkennt man nicht zuletzt daran, dass praktisch niemand sich mehr die Mühe macht, ein solches Urteil zu begründen. Die bloße Behauptung, in Freiburg werde „seit Jahren grandios gearbeitet“ (Michael Horeni in der FAZ, vor dem letzten Bundesligaspieltag), scheint sich selbst zu genügen. Vor einem Jahr habe ich irgendwo gelesen, Christian Streich sei mit dem Klassenerhalt „ein Wunder“ gelungen. Es gibt wohl keinen anderen Europa League-Teilnehmer, für den ein Sturz um neun Tabellenplätze gegenüber der Vorsaison so euphorisch kommentiert worden wäre.

Nun will ich nicht behaupten, das Gegenteil sei korrekt. Es ist kein schlimmes Versagen, mit dem Freiburger Kader abgestiegen zu sein. Es wäre aber auch keine übermenschliche Leistung gewesen, nach 34 Spieltagen noch jemand anderen als nur den SC Paderborn hinter sich zu lassen. Nimmt man als Maßstab mal den Transferwert des Kaders, der Einfachheit halber von transfermarkt.de übernommen, und setzt diesen ins Verhältnis zu allen anderen Clubs der abgelaufenen Bundesligasaison, so hätte der Sportclub eigentlich die Klasse halten müssen, gab es doch drei Vereine mit billigeren Kadern, darunter den FC Augsburg, bei dem nun wirklich „grandios gearbeitet“ wurde. Auch vor einem Jahr übrigens landete Freiburg auf einem schlechteren Tabellenplatz, als der Marktwert des Kaders es angezeigt hätte. Nach den zahlreichen Abgängen war damals zwar klar, dass der erneute Einzug in die Europa League utopisch war. Aber ein „Wunder“ war Platz 14 rein sportlich betrachtet dann eben auch nicht, sondern knapp das Soll.

Es gibt durchaus konkrete Vorwürfe, die man dem SC und insbesondere Streich in dieser Saison machen kann. So war die Taktik, mit der der Sportclub im Februar Borussia Dortmund empfing, völlig unverständlich. Zahllose Clubs hatten zuvor den inzwischen auf Platz 18 abgestürzten BVB vorgeführt, indem sie tief standen und die Dortmunder Schwäche, Chancen gegen kompakte Gegner zu kreieren, ausnutzten. Erst wenige Tage vor dem Aufeinandertreffen des 18. und des 17. der Hinrunde hatte Augsburg so in Dortmund gewonnen. Aber Streich wählte eine Harakiri-Taktik. Hohe, nicht abgesicherte Ballverluste führten zu zahllosen BVB-Großchancen und dem bis dahin höchsten Saisonsieg der Mannschaft von Jürgen Klopp. Dortmund, mit nur zwei Siegen aus den 16 Ligaspielen davor, blieb nun sieben Spiele ungeschlagen und schaffte auf der Basis der Wende von Freiburg den Klassenerhalt. Der Sportclub wiederum rutschte durch das 0:3 zurück in die Abstiegsränge. Es war ein richtungweisendes Spiel.

Der Kicker betitelte seine Saisonbilanz des SC „Eigentlich Achter“. Gemeint waren die vielen späten Gegentore der Freiburger. „Eigentlich“, so darf man wohl schließen, dauere ein Fußballspiel nur 80 Minuten, und demnach hätte Freiburg „eigentlich“ nicht absteigen dürfen. Wenn das regelmäßige Kassieren später Gegentore zum Gütesiegel verklärt wird, dann ahnt man schon, dass hier Hopfen und Malz verloren sind, was die Urteilsfähigkeit angeht. Es geht nicht mehr darum, anhand der Fakten eine Analyse vorzunehmen, sondern darum, die Fakten so zu lesen, dass das vorher schon feststehende Narrativ bestätigt wird. Das sieht man auch an einem Gegenbeispiel, dem HSV. Der kassierte in zwei der letzten drei Heimspiele unter Joe Zinnbauer noch zwei späte Gegentore gegen Gladbach und Hertha, die vier Punkte und den Coach seinen Job kosteten. Als Zeichen von Klasse wurde das nirgendwo gewertet, soweit ich mich erinnere.

Die Beurteilung der Leistung von Fußballmannschaften folgt offenkundig zu großen Anteilen Maßstäben, die nicht sportlich oder ökonomisch begründet sind, sondern Narrative fortschreiben, die durch jahrelange Wiederholung  eingeschliffen sind. Das Image einer Mannschaft bringt so starke Vorurteile mit sich, dass die Bewertung der fußballerischen Leistungen nur dann davon abweicht, wenn sich die Erzählung gar nicht mehr halten lässt. Nehmen wir als Gegenbeispiel zu Freiburg Mainz 05 – ein Club, der gewiss kein negatives Image hat. Nach Jürgen Klopps Abschied wurden Thomas Tuchels Leistungen allerdings nach anfänglichem Hype eher zur Kenntnis genommen als dauerhaft gefeiert. Man muss Online-User-Kommentare nicht für ein präzises Abbild der öffentlichen Meinung halten. Die Auffassung, Tuchel habe „noch gar nichts geleistet“, wurde anlässlich seiner Einstellung in Dortmund aber auch von manch namhafterem Experten vertreten.

Das ist erstaunlich. Denn Mainz hat in den fünf Jahren, in denen Tuchel Cheftrainer des FSV war, kein einziges Mal schlechter abgeschnitten als in der Marktwerttabelle. Ganz im Gegenteil. Im Durchschnitt (!) lief die Mannschaft mehr als fünf Tabellenplätze besser ein, als die individuelle Qualität der Spieler es erwarten ließ. Was soll ein Trainer noch leisten, bevor seine Qualifikation erkannt wird? Dass Tuchel gewisse Probleme im zwischenmenschlichen Umgang nachgesagt werden, ist für einen Profitrainer natürlich keineswegs irrelevant. Ich wehre mich auch nicht dagegen, das zu thematisieren. Ich möchte es nur problematisieren, solche Faktoren mit der Bewertung sportlicher Leistungen zu vermischen. Genau das geschieht aber, noch viel deutlicher als bei Tuchel, im Fall der beiden Revierkonkurrentem Dortmund und Schalke.

Selbstredend basierte die hohe Wertschätzung der Arbeit Jürgen Klopps in Dortmund nicht nur auf seiner kumpelhaften Art und seiner sogenannten „Authentizität“ – die sportlichen Erfolge des BVB waren lange über jeden Zweifel erhaben. In der laufenden Saison allerdings nicht mehr. Der Club sah sich das nicht mit an und griff zu einer nachvollziehbaren Änderung – ein eiskalter Trainerwechsel, der als tränenreicher Abschied inszeniert wurde. Dass die BVB-Fans Klopp nicht mit Schimpf und Schande vom Hof jagten, sollte nach den vielen Titeln der Vorjahre selbstverständlich sein. Interessant ist aber, um wie viel negativer zur gleichen Zeit Schalkes Leistungen gesehen wurden, obwohl der Rivale des BVB immerhin am Ende einen Platz besser abschnitt.

Schalke ist neben dem HSV eines der besten Beispiele für ein extrem negatives Narrativ rund um einen Bundesligaclub. Nachdem die Knappen im Heimspiel gegen Paderborn die Europa League-Qualifikation sichergestellt hatten, wurden sie von den eigenen Fans mit einem Pfeifkonzert verabschiedet, während Paderborn von Schalker Anhängern und Medien gefeiert wurde. Mag sein, dass es tatsächlich ein schlechtes Spiel der Schalker Mannschaft war, aber die negative Beurteilung der Spielweise des Teams lässt sich mit rein sportlichen Faktoren nicht annähernd erklären. So landete Schalke in der Notentabelle des Kicker in dieser Saison auf Platz 13 – als tatsächlicher Sechster. Dass das kein Fall einer Ausnahmesaison war, in der die Mannschaft viel Glück gehabt hätte, erkennt man, wenn man die Kicker-Noten etwas länger zurückverfolgt. Seit 2004 erreichte Schalke achtmal die ersten Vier der Tabelle. Ginge es nach den Kicker-Noten, hätten sie das nur dreimal geschafft. In elf der vergangenen zwölf Spielzeiten benotete die Fachzeitschrift den Club schlechter als die tatsächlichen Ergebnisse.

Demgegenüber stehen die Noten von Borussia Dortmund. In der Ära Jürgen Klopp wurde der BVB im Schnitt sogar noch besser bewertet als seine ohnehin schon guten Tabellenränge. Und auch in den wenigen Fällen, in denen Schalke am Saisonende vor den Dortmundern lag, landete bei den Kicker-Noten stets der BVB vor den Knappen.

Wie kommen solche Differenzen in der Bewertung zustande? Am Beispiel des HSV haben wir dieses Thema in den letzten Jahren schon häufiger behandelt. Schalke und Dortmund sollte man sich in dieser Hinsicht aber auch noch einmal genauer ansehen – Anlass für einen eigenen Beitrag, den wir in den nächsten Wochen planen. Wie aber sehen Alternativen zu der allfälligen Narrativ-Berichterstattung aus? Die Konzentration auf das, was sportlich „wirklich passiert“, läge nahe. Demnach müsste ein Ansatz wie der etwa von Spielverlagerung.de das beste Mittel sein, um sich von Klischees und Vorurteilen frei zu machen. Die Arbeit der geschätzten Kollegen ist auf jeden Fall auch eine wertvolle Bereicherung für die Art, wie in Deutschland über Fußball gesprochen und geurteilt wird. Allerdings wird auch da oft nicht lange gezögert, bevor das Beobachtete als Bestätigung dessen gewertet wird, was man selbst schon immer wusste.

Für das Hinterfragen von Narrativen, und für diese Erkenntnis muss man keine Proseminare über Poststrukturalismus besucht haben, wäre es aber vor allem hilfreich, sich von Zeit zu Zeit mal ganz bewusst die Frage zu stellen: Ist es wirklich richtig, was alle überall erzählen? Stimmt mein seit Jahren über einen Club/einen Spieler/einen Trainer bestehendes Urteil denn noch? Wäre es nicht sehr interessant, als Gedankenspiel einfach mal vom Gegenteil dessen auszugehen, was die verbreitete Meinung ist? Ist der HSV vielleicht gar nicht so schlecht? Ist Bayern wirklich der „bestgeführte Club der Welt“? Arbeiten auf Schalke nur Versager? Macht Freiburg wirklich alles richtig? Vielleicht einfach mal ausprobieren – ist gar nicht so schwer. Und macht auch mehr Spaß als immer nur das zu finden, was alle anderen auch meinen.

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14 comments

  1. Ratazengo

    Erstmal vielen Dank. Man sollte generell viel öfter den Narrativ einer Geschichte hinterfragen und vor allem die Fakten, die diesen belegen sollen – was mich zu diesem Text bringt.

    Fangen wir vorne an: für diese These, dass in Freiburg (in den letzten Jahren) nicht so gut gearbeitet wird, wie Horeni von der FAZ und ein nicht benannter Text behaupten, wird der Gesamtwert des Kaders laut transfermarkt.de herangezogen.

    Was sollen diese Zahlen belegen? Warum wird ausgerechnet und ausschließlich auf diese – man verzeihe mir den Ausdruck – Fantasie-Werte zurückgegriffen? Warum nicht etwa auf den Lizenzspieleretat, eine viel näher liegende Möglichkeit? (Spoileralert: Dort stand der SCF 2013 und 2014 auf Rang 17 und würde nicht dem Narrativ des Textes entsprechen.)

    Kommen wir zu Schalke und den Noten: Mag sein, dass man nicht wie der BVB den „benefit of the doubt“ besitzt und bei gleicher Leistung schlechter bewertet wird. Ich teile diese Meinung zwar nicht, aber okay, „Meinung“ ist hier auch nicht das Problem. Sondern die Beweisführung.

    Erneut: Was sollen diese Zahlen belegen? Noten sind per se keine belastbaren Tatsachen und schon gar nicht die von verschiedenen Autoren. Reporter A sieht das gleiche Spiel wie Reporter B und wird am Ende doch ein anderes Spiel gesehen haben – man muss sich nur mal nach einem DFB-Länderspiel die Variationen der Einzelkritiken in den deutschsprachigen Medien anschauen, um das nachzuvollziehen. Daher sind auch Kicker-Noten von verschiedenen Vereinen nur schwierig vergleichbar, da sie aus verschiedenen Federn stammen, die alle untereinander leichte Verschiebungen bei den Bewertungskriterien besitzen.

    „[…]Wenn das regelmäßige Kassieren später Gegentore zum Gütesiegel verklärt wird, dann ahnt man schon, dass hier Hopfen und Malz verloren sind.“

    Mit dieser Passage habe ich ebenfalls Probleme und verstehe nicht, was sie im Text verloren hat. Hier wird nämlich dem Kicker eine Behauptung zugewiesen, die er nie gemacht hat. Aus der sinngemäßen Kicker-Aussage „Freiburg spielte immer 80 Minuten gut und ist hauptsächlich deshalb abgestiegen, weil man es in der Schlussphase vergeigte“ wird abgeleitet, dass der Kicker „das regelmäßige Kassieren später Gegentore zum Gütesiegel verklärt“ – sinnentstellender geht’s kaum.

    Bottomline: Der Text macht genau das, was er kritisiert: Er folgt einem bestimmten Narrativ und unterstreicht dies mit Belegen, die alle „Confirmation Bias!“ brüllen. Schade.

    • Klaus Katzenbach

      Hallo Ratazengo,

      vielen Dank für den Kommentar!

      Mein Anliegen bestand nicht darin, zu behaupten, die angesprochenen Narrative seien falsch und meine Sichtweise dafür die richtige. Dass es nicht nur gegen die allgemeine Stammtischmeinung Argumente gibt, sondern gegen abweichende Standpunkte auch, entwertet doch nicht die Forderung, mal gegen den Strom zu denken, oder? Das „eine bestimmte Narrativ“, dem mein Text folgt, ist doch nur, dass man Narrative nicht immer fortschreiben sollte. Und selbst wenn es ein anderes wäre: Wenigstens unterscheidet es sich vom Mainstream und bietet so eine Grundlage für Diskussionen. Quod erat demonstrandum.

      Konkret noch zu den Noten: Ich denke schon, dass wenn über einen Zeitraum von zwölf Jahren eine eklatante Differenz zwischen den Bewertungen zweier Clubs auftritt, gemessen an ihrer tatsächlichen sportlichen Leistung, und das bei ja ganz verschiedenen Journalisten, das einen validen Punkt über die Voreingenommenheit gegenüber bestimmten Vereinen macht, oder? Das hat doch nichts mit der „Variation von Einzelkritiken“ oder einer generellen Subjektivität zu tun. Eine solche müsste sich ja über mehr als 400 Ligaspiele irgendwann ausgleichen.

      • Markus Brüne

        „Das hat doch nichts mit der „Variation von Einzelkritiken“ oder einer generellen Subjektivität zu tun. Eine solche müsste sich ja über mehr als 400 Ligaspiele irgendwann ausgleichen.“

        Im Prinzip ja. Betrachtet man aber die Anzahl der verschiedenen Journalisten, die in dieser Zeit das Geschehen bei einem Club kommentieren bzw. benoten, kommt man womöglich schnell zu einem anderen Ergebnis. Ich vermute mal, dass in dem genannten Zeitraum von 400 Spielen für den S04 beim Kicker maximal vier Personen die Noten vergeben haben. Da nivelliert sich nix mehr. Interessant wird in diesem Zusammenhang vielleicht eine Untersuchung über die Verteilung der Erbhöfe „Bundesligaclubs“ unter den Journalisten.

    • Bern 1989

      Dass man vielleicht den Lizenspieleretat für die validere Größe als den „Transfermarkt“-Marktwert hält, kann ich durchaus nachvollziehen – wobei ich die Zahlen von Transfermarkt.de auch nicht komplett in den Wind schießen würde, aber sei es drum.

      Dein Argument in Sachen Noten sehe ich aber nicht. Die Noten werden ja hier gerade nicht als vermeintlich objektiver Indikator der Leistung der Spieler herangezogen – sondern als Beleg für die Meinungen der Journalisten. Natürlich kommen die mal von dem einen, mal von dem anderen Journalisten. Aber wenn sich über Jahre hinweg eine fortgesetzte Diskrepanz zwischen den Durchschnittsnoten der Saison und der tatsächlichen Leistung der Mannschaft (gemessen in Tabellenpunkten) auftut, zeigt das ja gerade, dass die benotenden Journalisten offenbar stark von einem nicht empirisch validierbaren Narrativ beeinflusst sind.

      • Ratazengo

        Mir ging es nicht darum, die Marktwerte an sich zu kritisieren, sondern aufzuzeigen, dass der Autor bewusst eine recht naheliegende Vergleichsgröße wie den Lizenzspieleretat nicht in den Text einbezieht, weil es seine These/seinem Narrativ vom underachieving SC Freiburg nicht unterstützt.

        Zu den Noten: Gemeint war, dass der Schalke-Reporter und der sagen wir mal BVB-Reporter des Kicker nicht zu 100 % gleich bewerten können, weil Noten per se subjektiv sind (Wie sollte man auch großartig nach empirischen Daten bewerten, wenn die im Fußball stark begrenzt sind? Im Baseball ginge es wohl noch am ehesten, aber da stößt man auch an seine Grenzen und es kommt auch da immer noch auf die persönlichen Präferenzen des Bewerters an.).

        Und noch eine zweite Sache zu den Noten: Warum sollten die Durchschnittsnoten eines Vereins überhaupt seinem Tabellenplatz gleichen? Das ist der – meiner Meinung nach – erste Gedankenfehler. Ergebnisse im Fußball sind dank des niedrigen Punktesystems zu einem gewissen Grad zufällig. Über 34 Spiele gleicht sich das ein bisschen aus, dennoch entspricht die abschließende Punktezahl nicht unbedingt den gezeigten Leistungen.

    • sternburg

      @Ratazengo: Ich habe, mit Verlaub, den Eindruck, Du hast den Artikel nicht verstanden.

      Da ich im Umkehrschluss selbstredend der Meinung bin, ihn komplett verstanden zu haben, kurz zwei Anmerkungen:

      a) Ich bin bestimmt der letzte, der die Einschätzung der Spezialexperten auf Springers Transfermarkt-Forum als belastbare Zahlen versteht. Trotzdem bieten sie dem. der keine besseren Zahlen hat, in ihrer Relation untereinander einen ordentlichen ersten Ausgangswert. Und so scheint mir dies hier auch genutzt worden zu sein („Nimmt man als Maßstab mal den Transferwert des Kaders, der Einfachheit halber von transfermarkt.de übernommen“).

      Woraus Du ableitest, dass ausgerechnet die immer irgendwo und überall veröffentlichten Zahlen der Lizenzspieler-Etats, bei denen nirgendwo definiert ist, welche Ausgaben jeweils darunter fallen und welche nicht und bei denen ausschließlich eines festzustehen scheint, nämlich, dass dies überall anders gehandhabt wird und diese also eher gar nicht seriös vergleichbar sind, das diese also der sinnvollere Vergleichswert wären, das erschließt sich mir nicht.

      b) Ich bin bestimmt der letzte, der die Ergebnisse des Kicker-Notenwürfels als belastbare Zahlen versteht. Aber.. ähm, dazu hat Bern 1989 alles gesagt. Genau das diese mit der Realität nicht übereinzustimmen scheinen, ist ja gerade der Punkt. Ob das ein guter Punkt ist, darüber ließe sich streiten (ich finde: ja).

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  3. schnullibulli

    Zunächst mal meinen Glückwunsch und Dank dafür, dass man hier die frühere Journalier von Sportal wiederfindet, und ich froh bin über jeden Artikel, den ich hier lesen darf…
    Schmunzeln musste ich aber hier schon, weil ich mich erinnern kann, dass wir gerade früher bei Sportal die Benotungen oft sehr subjektiv empfanden, vorallem was den Vergleich von Dortmund mit anderen Mannschaften angeht, während hier im Artikel dies ja schon erstaunlich deutlich dem Kicker vorgeworfen…
    Aber das war natürlich nicht das eigentliche Thema…
    Der, die, das Narrativ, das den jeweiligen Vereinen zugeschrieben wird, spiegelt mMn schon meistens eine Wahrheit, die vielleicht nicht immer gewünscht ist, aber doch nicht zu leugnen ist…
    Bei Dortmund lag dies z.B. in erster Linie an der Spielweise, die sich wie ich finde meist auch berechtigt an den guten Noten ablesen lies. Genauso wie Freiburg gerade in dieser Saison häufig mit toller spielerischer, aber im Ergebnis nicht belohnter Leistung, auffiel.
    Im Gegensatz dazu kann ich mich bei Schalke seit dem Abgang von Raul kaum mehr an ein Spiel erinnern, bei dem man sich über die Spielweise freuen konnte…
    Was ich damit ausdrücken möchte ist, dass sich die sogenannten „Mainstream“-Meinungen über die Fußballvereine nicht ohne Grund entwickeln, und dass ein reines „Gegen den Strom“ denken mMn auch nicht wirklich zielführend ist…

  4. Fußball EM

    Vielen Dank erstmal für euren klasse Beitrag. Habt ihr von der Autoren-Seite sicherlich viel Arbeit reinstecken müssen.
    Die Überschrift des Artikels hat mich gleich angesprochen. Ich habe es, als HSV-er, satt, dass alle auf dem Verein rumhacken. Relegations-Double hin oder her, der Verein hat mit den Spielen gegen Schalke und Karlsruhe doch gezeigt, dass sie in der ersten Bundesliga bleiben sollten. Und man sollte nicht vergessen, hätte Stuttgart am letzten Spieltag nicht gewonnen, so wäre der HSV gar nicht in die Relegations-Situation gelangt. Erreicht haben sie einiges, jedoch berichtet wird nur über geschenkte Freistöße in der Relegation, verschenkte Spieler (wie Maxi Beister – siehe Link) und endlose Trainerwechsel. Was haben andere Vereine denn bitte schön erreicht, sodass diese jetzt über den HSV fluchen. Gerecht ist der Fußball schon lange nicht mehr, das haben die Fans durchs viele Erzählen erreicht!

  5. Bolle

    Sehr interessanter Artikel! Nicht so ein 08/15 Ding wie man es leider viel zu oft sieht. Solch einen Sportjournalismus würde ich mir auch mal am Zeitungsstand wünschen. Neben den 11Freunden finde ich da leider nichts gutes! Weiter so und viel Erfolg! Bolle

  6. Tom

    Auch Gratulation von meiner Seite für diesen wieder einmal gelungenen Artikel. Meinungen nicht einfach zu übernehmen, sondern sich selber Gedanken zu machen, ist (nicht nur im Fußball) wertvoll und kann übrigens auch verdammt viel Spaß machen. Ich bin immer wieder überrascht, wie schnell sich heutzutage Meinungen und Stimmungen so einfach durchsetzen können.

    Ein paar Fragen/Gedanken meinerseits:
    1. Bayern geht seit ca. 30 Jahren in jede Saison als absoluter Favorit. Dennoch sind sie nur zu 50% Meister geworden. Was sagt das aus? Ist der Verein doch nicht so toll, wie es immer dargestellt wird? Haben Sie in all den Jahren, in denen sie nicht Meister wurden, unter Ihren Möglichkeiten gespielt?

    2. Freiburg wäre (würden wir die letzten 10 min eines Spiels ausblenden) 8. in der Bundesliga gewesen. Welche Schlussfolgerungen ziehen wir daraus? Wären die Schlussfolgerungen die gleichen, wenn es nicht die letzten 10 min. sondern z.B. die Zeit zwischen der 30. und 40. Min. gewesen wäre.

    3. Der Kicker benotet jeden Spieler jeder Partie. Im Sonderheft (nach der Saison) werden alle Spielernoten der gesamten Saison in einem Diagramm abgebildet. Man sieht dann, dass in der gesamten Saison z.B. 24 x eine 1 (Bestnote), 18 mal eine 6 (schlechteste Note) und 1863 mal eine 3,5 gegeben wurde.
    Wäre die Notengebung korrekt, müsste das Diagramm (bei dieser großen Datenmenge) eindeutig eine Gaußsche Glockenkurve ergeben. Macht es aber nicht. Festzustellen ist, dass die Bewerter eindeutig viel zu wenig Halbnoten verteilen. Die Säulen der Spielernoten 2,3 und 4 ragen nach oben heraus, während die Noten 2,5 und 3,5 und 4,5 viel zu wenig vertreten sind. Warum ist das so?

    4. Wie kann es sein, dass ein Spieler, der ein Tor erzielt hat, vom Kicker eigentlich fast nie schlechter als 3,5 in der Partie bewertet wird?

    5. Können wir überhaupt von einem verdienten Absteiger reden, wenn wir sehen, wie eng das alles in der Bundesliga zu geht? Betrachten wir (nur als Beispiel) die hochgelobten Augsburger. Am meisten von allen Mannschaften hat Augsburg durch Fehlentscheidungen (6 Punkte) profitiert. Ziehen wir dann noch die Auswärtssiege gegen Bayern und Gladbach ab, als es für die um nichts mehr ging, findet sich Augsburg auf einmal im Abstiegskampf wieder. So schnell geht´s und der Europa-League Teilnehmer ist ein Abstiegskandidat.
    Ich frage mich, welchen Stellenwert dürfen Ergebnisse überhaupt bei einer Bewertung haben und was sagt die Tabelle am Saisonende wirklich über die Leistung aus.

  7. Johannes Schelling

    Also Freiburg fährt ja schon seit einer gefühlten Ewigkeit auf dem „Wir sind nicht reich aber authentisch-anders“-Ticket. Wie es mit dem Etat usw. wirklich aussieht, vermag ich nicht zu beurteilen. Dass aber ausgerechnet der Profifußball sowas wie „street credibility“ usw. bringen soll, ist doch reichlich überzogen. Es ist halt alles Markt. Daher ist auch die Kritik an „Retortenmannschaften“ wie Hoffenheim oder Wolfsburg eher dämlich. Mal ganz abgesehen davon, dass es die Clubs schon recht lange gibt.
    Sorry für die vielen Gänsefüßchen, hat sowas von Wutbürger-Ironie.

  8. Ping: "Das musst du wissen, Horst!" › Gegen den Ball
  9. sternburg

    Ich weiß nicht, ob das irgendjemanden interessiert, wenn ich hier unter diesem uralten Artikel kommentiere. Ich will es dennoch tun, denn ich habe ihn eben erst gelesen und ich finde, das darf man als Autor auch erfahren.

    Ich finde die Herangehensweise sehr erfrischend. Sowohl, was die allgemeine Frage nach den Blick verstellenden Narrativen angeht, als auch der spezifische Blick auf den SCF. Und das hat nur ein bisschen etwas mit meinem immer noch schwelenden Frust zu tun ob des letzten Spieltages der letzten Saison, in den einige Teilnehmer als potentielle Absteiger hineingingen und für mich persönlich genau die falschen beiden als feststehende Absteiger hinaus.

    Freiburg muss man mögen, klar. Geht auch mir so. Aber angesichts der nun wirklich nicht Furcht einflößenden Konkurrenz letzte Saison bin ich mir keineswegs sicher, ob dieser Kader nun unbedingt absteigen musste.

    Ich möchte dem noch zwei Gedanken besteuern:

    – Natürlich finde ich Christian Streich ganz toll und seine Arbeit und die Heranführung dieser ganzen Jugendspieler an die erste Mannschaft in seiner ersten Halbsaison fantastisch. Aber dieses ständige Gefasel von irgendwelchen Mächten, die den kleinen SCF am Ligaverbleib hindern möchten und deswegen die Schiedsrichter immer alles gegen sie pfeifen lassen – ich glaube nicht, dass er sich und seiner Mannschaft damit einem Gefallen getan hat. Und ganz ehrlich, damit ging er mir ganz erheblich auf den Zeiger.

    – Ich glaube daran, dass auf einem Niveau wie dem der Bundesliga zwischen den Profis ganz kleine Unterschiede den Ausschlag geben können. Und für mich ist das Dreisam-Stadion (wie immer das gerade heißen mag) einer der wenigen Plätze, bei denen ich das Konzept „Heimstärke“ auch heutzutage noch verstehe. Denn die Randmaße dieses Platzes sind wirklich außergewöhnlich. Auf mich wirkt das immer, als wäre der Platz fast quadratisch. Und das verlangt natürlich eine völlig andere Spielweise.

    Ich mache mir ernsthafte Sorgen, dass sie nach dem Stadion-Neubau diesen Vorteil nicht mehr in die Waagschale werfen können. Das könnte negativer werden, als sie es sich derzeit ausmalen.

    Um am Ende doch noch etwas zu widersprechen: Ich bleibe der festen Überzeugung, dass der seit mittlerweile doch etlichen Jahren geäußerte – unaufgeregte – Anspruch, immer zu den besten 23 (oder so) Teams in Deutschland zu gehören (einen Abstieg aus der ersten Liga also immer als völlig normal und keineswegs den mittelfristigen Zielen widersprechend einzukalkulieren), dass dieser Anspruch überhaupt dazu geführt hat, dass sie seit so vielen Jahren konstant zu den besten 23 Teams in Deutschland gehören. Für die mittel- und langfristige Entwicklung eines Vereins wie den SCF ist das großartig.

    Aber ich glaube ernsthaft, sie sollten dieses mittel- und langfristige Denken des Vereins von dem kurzfristigen Anspruch an die Mannschaft auch mal etwas entkoppeln. Muss ja keiner deswegen so dem Alltag hinterher hecheln wie anderswo. Aber vielleicht wenigstens ein bisschen.

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