Die Europarangliste im Oktober 2015

Ende Oktober. Je nach kulturellen Vorlieben Zeit für Laterne Laufen, Kürbis Aushöhlen oder Saisonprognosen Revidieren. Das also, was Moderator Malte Asmus in der Radioversion unserer Europarangliste gerne den „Realitätscheck“ nennt. Nach dem Motto „Hier die Wirklichkeit, dort das, was die Clowns von Gegen den Ball geschrieben haben“.

Wer zuletzt lacht, lacht am besten, aber solange können wir nicht warten. Daher haben wir rechtzeitig zum dritten Champions League-Spieltag die zweite Ausgabe unserer Europarangliste erstellt. Dabei haben einige Resultate durchaus zu Anpassungen geführt, nach rund zehn Spieltagen in vielen Ligen sprechen wir ja auch nicht mehr von Momentaufnahmen. Wie sehr die Form der letzten Wochen tatsächlich Aufschluss über die Substanz eines Kaders gibt, das sehen wir von Fall zu Fall unterschiedlich.

Sicher ist aber, dass die Ultima Ratio unseres Rankings immer die sportlichen Resultate sind. Eine Mannschaft kann also nur „besser sein als ihr Tabellenplatz“, solange sie entweder a) noch genug Zeit hat, das zu beweisen oder b) durch Ergebnisse in anderen wichtigen Wettbewerben, vor allem der Champions League, ihr „wahres Gesicht“ zeigt. Wer am Ende der Saison auf Platz 15 seiner Liga steht und in der Champions League-Vorrunde ausgeschieden ist, der hat in der Europarangliste nichts zu suchen, unabhängig davon, wie sympathisch seine Spieler oder wie innovativ seine Spielphilosophie ist. Abgerechnet wird Ende Mai.

Hier aber die aktuelle Liste für den Oktober. Rausgefallen sind deutlich Olympique Lyonnais (schon zehn Punkte Rückstand in der Ligue 1, dazu enttäuschende Ergebnisse in der Champions League) sowie Internazionale, das schon knapper.

Die Texte zu den einzelnen Clubs stammen von Marcus Krämer (krä) und Daniel Raecke (dan).

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20. (neu) Napoli

Serie A: Vierter
Europa League: Gruppenphase mit Club Brugge, FC Midtjylland und Legia Warszawa
Coppa Italia: Start im Achtelfinale
Pflichtspielbilanz: 6-3-1 (Punkteschnitt 2,1)

In der ersten Ausgabe dieser Saison hatten wir Internazionale auf Bewährung mit in die Rangliste genommen. Seitdem wurden drei Spiele nicht gewonnen, zudem krankt das System von Trainer Roberto Mancini immer noch an der fehlenden Kreativität und Effektivität im Angriff – trotz der vielen guten Neuzugänge. Deshalb haben wir mit Napoli einen anderen Club aus der Serie A hereingenommen. Seit dem holprigen Saisonstart hat der neue Trainer Maurizio Sarri die richtige Mischung gefunden, vor allem die Offensive mit Torjäger Gonzalo Higuaín, Antreiber Marek Hamsik und dem großartig aufspielenden Lorenzo Insigne drehte mit 20 Toren in sieben Spielen auf. In der ausgeglichenen italienischen Liga gehört Napoli damit zu den großen Titelanwärtern – auch weil Inter und Tabellenführer Fiorentina die Konstanz fehlt. (krä)

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19. (neu) Schalke 04

Bundesliga: Dritter
Europa League: Vorrunde mit APOEL, Asteras Tripolis und Sparta Praha
DFB-Pokal: Zweite Runde gegen Borussia Mönchengladbach
Pflichtspielbilanz: 9-1-2 (Punkteschnitt 2,33)

Der Schalker Saisonstart war hervorragend. Um die reinen Ergebnisse einzuordnen: In der Vorsaison betrug Schalkes Punkteschnitt in Pflichtspielen am Ende 1,37. Der aktuelle Schnitt von 2,33 aus den ersten zwölf Saisonspielen ist besser als der des FC Bayern in der gesamten Vorsaison. Einschränkend muss allerdings auch gesagt werden, dass Schalke letzte Saison Champions League spielte, diese Saison fließen Spiele gegen Duisburg, APOEL und Asteras mit ein, während die Knappen gegen Bayern, Dortmund, Leverkusen und Gladbach noch gar nicht gespielt haben. Der einzige Europacupteilnehmer, den Schalke schon hatte, war Wolfsburg. Dort verlor man mit 0:3. Vorsicht ist bei der Beurteilung der Resultate also angebracht. Die große Frage „Wie stark ist die Bundesliga wirklich?“ wird hierzulande selten konsequent diskutiert, weil die Tatsache, dass eine der besten Mannschaften der Welt in der Liga spielt, den internationalen Punkteschnitt so sehr nach oben reißt, dass viele Fans in Deutschland gar nicht merken, dass zum Beispiel jenseits der Bayern seit 13 Jahren kein Bundesligist mehr eine Premier League-Mannschaft in KO-Spielen der Champions League besiegt hat. Wäre Schalke dazu in der Lage, eine englische Spitzenmannschaft zu schlagen? Wahrscheinlich nicht, aber wir stufen die Gelsenkirchener vorerst mal auf Platz 19 ein und warten, was die schweren Spiele in den nächsten Wochen zeigen. (dan)

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18. (-2) VfL Wolfsburg

Champions League: Gruppenphase mit Manchester United, PSV Eindhoven und CSKA Moskva
Bundesliga: Vierter
DFB-Pokal: Zweite Runde gegen Bayern München
Pflichtspielbilanz: 6-4-3 (Punkteschnitt 1,69)

Den Platz als viertbestes deutsches Team in der Europarangliste haben die Wolfsburger verteidigt, obwohl zwischenzeitlich Leistungen und Ergebnisse nicht mehr stimmten und die Umstellungen nach dem Abgang von Kevin de Bruyne für Probleme sorgten. Eklatant ist vor allem die Auswärtsschwäche, außer bei den Stuttgarter Kickers im DFB-Pokal konnte das Team von Trainer Dieter Hecking noch kein Spiel in der Fremde gewinnen. Trotzdem gehören die Wölfe in die Top 20, denn im Kader stehen mit Ricardo Rodríguez, Julian Draxler, André Schürrle, Max Kruse und Bas Dost weiterhin viele exzellente Spieler – die Hecking in den kommenden Wochen und Monaten aber erst noch zu Bestleistungen führen muss. (krä)

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17. (=) Liverpool

Premier League: Zehnter
Europa League: Vorrunde mit Girondins de Bordeaux, FC Sion und Rubin Kazan
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Achtelfinale gegen Bournemouth
Pflichtspielbilanz: 3-7-2 (Punkteschnitt 1,33)

Seien wir ehrlich: Ohne den Trainerwechsel von Brendan Rodgers zu Jürgen Klopp wären die Reds wohl aus der Liste gefallen. Nur einen einzigen Sieg gab es für Liverpool aus den letzten zehn Pflichtspielen, in denen der LFC unter anderem Heimspiele gegen Carlisle United und den FC Sion hatte. Mit Klopp hat man sich jetzt allerdings einen vielversprechenden Trainer geholt. Dass das eine gute Idee ist, lässt sich nicht bestreiten. In welchem Ausmaß der Hype um ihn berechtigt ist, ist eine andere Frage. Genauer: Die weit verbreitete Auffassung, die relative Schwäche englischer Mannschaften in der Champions League in den letzten Jahren läge an taktischen Defiziten („Hallo England, hier kommt das Pressing!“ zwischentitelte René Maric bei Spielverlagerung), und Klopp werde nun als Entwicklungshelfer den Engländern mal zeigen, wie es geht, ist schon sehr einseitig: Warum sollten alle Premier League-Teams zu dumm sein, um die „richtige“ Taktik anzuwenden? Die Bedingungen, unter denen in der englischen Liga gespielt wird (viel mehr Pflichtspiele, höheres Niveau in Spielen gegen kleinere Teams, keine Winterpause) werden auch Klopp noch Probleme bereiten. Warum glauben wir trotzdem, dass Klopp die Reds besser machen wird? Nicht, weil Klopp ein „deutscher“ oder ein „Pressingtrainer“ wäre. Sondern, weil er ein sehr guter Trainer ist. Sehr gute Trainer sind aber auch Louis van Gaal, José Mourinho und Manuel Pellegrini. Soll heißen: Platz vier am Saisonende wäre schon ein sehr gutes Ergebnis für Liverpool. (dan)

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16. (-5) Valencia

Champions League: Vorrunde mit Olympique Lyonnais, Zenit und KAA Gent
La Liga: Achter
Copa del Rey: Vierte Runde gegen Barakaldo
Pflichtspielbilanz: 5-3-4 (Punkteschnitt 1,5)

Eine ganze Saison lang haben wir Nuno Espírito Santo und Valencia in der Rangliste geführt und immer gesagt: „Man wird abwarten müssen, wie sich die Mannschaft schlägt, wenn erst die Doppelbelastung der Champions League dazukommt“. Jetzt können wir es erstmals ansatzweise beurteilen: holprig. Sowohl in der Liga als auch in der Champions League sind die Ergebnisse durchwachsen. In beiden Fällen ist es aber zu früh, um den Stab über die Ches zu brechen. Sie liegen vier Punkte hinter Platz vier in Spanien und haben bei jetzt anstehenden zwei Spielen gegen Gent in Europa alle Chancen, sich ihren Saisonzielen (Achtelfinale in der CL und erneute Qualifikation für die Königsklasse) zu nähern. Allerdings fehlen bisher noch jegliche Spiele gegen andere Vertreter aus dem Ranking: Real Madrid, Barcelona, Atlético, Sevilla, und auch die beiden Überraschungsteams Villarreal und Celta kommen erst noch. (dan)

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15. (+4) Tottenham Hotspur

Premier League: Siebter
Europa League: Gruppenphase mit AS Monaco, RSC Anderlecht und Qarabag FK
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Aus in der dritten Runde gegen Arsenal
Pflichtspielbilanz: 4-6-2 (Punkteschnitt 1,5)

Die Pflichtspielbilanz der Spurs springt ins Auge: Die Hälfte aller Spiele endeten unentschieden. In der Liga verloren die Londoner seit dem ersten Spieltag nicht mehr, viele Spiele werden überlegen gestaltet. Aber Harry Kane trifft in dieser Saison nicht mehr herausragend oft, sondern leicht unterdurchschnittlich. So fällt es der Mannschaft von Mauricio Pochettino schwer, Chancen nicht nur zu generieren, sondern auch zu verwerten. Defensiv sieht es, zumal wenn Hugo Lloris im Tor steht, besser aus: Tottenham hat die beste Abwehr der Premier League und hat mit seinem Kapitän Lloris seit Anfang Mai kein Pflichtspiel mehr verloren. Das 4:1 gegen Manchester City zeigte zudem, was möglich sein kann. Wenn die Offensive sich verbessert, sogar ein Kandidat für Platz vier. (dan)

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14. (-1) Bayer Leverkusen

Champions League: Gruppenphase mit Barcelona, Roma und BATE Borisov
Bundesliga: Siebter
DFB-Pokal: Zweite Runde bei Viktoria Köln
Pflichtspielbilanz: 7-2-5 (Punkteschnitt 1,64)

Warum steht Leverkusen als Siebter der Bundesliga vor Wolfsburg und Schalke? Wie kann ein Team mit nur acht erzielten Toren in der Liga so hoch in der Europarangliste stehen? Die Antworten kennen die erfahrenen Leser unserer Rangliste: Die aktuellen Ergebnisse sind nur ein Aspekt, genauso stark bewerten wir das Potenzial des Kaders und die Fähigkeiten der Trainer. Und Roger Schmidt ist unserer Meinung nach ein besserer Coach als André Breitenreiter und auch als Dieter Hecking. Allerdings haben die Abgänge von Son Heung-Min und vor allem von Simon Rolfes sowie Gonzalo Castro das Gleichgewicht dieser gut ausgewogenen Mannschaft durcheinandergebracht. Christoph Kramer kann nach seiner Rückkehr noch nicht an die Leistungen in Mönchengladbach anknüpfen, aber Schmidt hat schon in der vergangenen Saison bewiesen, mit kleinen Änderungen für großen Ertrag sorgen zu können. (krä)

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13. (-1) Roma

Champions League: Gruppenphase mit Barcelona, Bayer Leverkusen und BATE Borisov
Serie A: Zweiter
Coppa Italia: Start im Achtelfinale
Pflichtspielbilanz: 5-3-2 (Punkteschnitt 1,8)

In der Champions League kommt es an den kommenden beiden Spieltagen zu den direkten Duellen mit Bayer Leverkusen um Platz zwei hinter dem FC Barcelona. Daran ändert auch die blamable Niederlage der Roma in Borisov nichts. Wir schätzen die Roma etwas stärker als Bayer ein, haben sie deshalb knapp vor dem Bundesligisten platziert – und werden uns in der nächsten Ausgabe selbst hinterfragen müssen. Was man festhalten kann, ist die fehlende Konstanz. Gegen Juventus (2:1) und Barcelona (1:1) überzeugte das Team von Trainer Rudi Garcia mit guter Organisation und taktischem Geschick. Gegen Borisov (2:3) und Sampdoria (1:2) blieb die Roma als spielbestimmende Mannschaft aber blass und zeigte defensive Schwächen. Wie für Napoli gilt aber auch für die AS: Wegen des schlechten Saisonstarts von Juventus ist der Scudetto mal wieder möglich. (krä)

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12. (+3) Sevilla

Champions League: Gruppenphase mit Manchester City, Juventus und Borussia Mönchengladbach
La Liga: 13.
Copa del Rey: Start in der vierten Runde gegen Logrones
Pflichtspielbilanz: 3-3-4 (Punkteschnitt 1,2)

Mit der Platzierung des FC Sevilla lehnen wir uns weit aus dem Fenster – bis zur nächsten Länderspielpause mit Partien gegen Manchester City, Villarreal und Real Madrid werden wir wissen, ob zurecht. Unai Emery ist ein hervorragender Trainer, der Kader ist sehr ausgeglichen besetzt, hat mit Grzegorz Krychowiak, Vitolo, José Antonio Reyes und Kévin Gameiro aber auch unersetzbare Stammspieler. In dieser Saison stimmen die Ergebnisse zumeist noch nicht, wie der schlechte Punkteschnitt (1,2) zeigt. Aber da waren eben auch die starken Spiele gegen Barcelona (2:1) und Mönchengladbach (3:0), was ein Weiterkommen in der Champions League möglich erscheinen lässt. An internationaler Erfahrung mangelt es Sevilla nach zwei gewonnenen Europa-League-Titeln in Folge ohnehin nicht. (krä)

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11. (-1) Atlético de Madrid

Champions League: Gruppenphase mit Benfica, Astana und Galatasaray
La Liga: Vierter
Copa del Rey: Start in der vierten Runde gegen Reus
Pflichtspielbilanz: 6-1-3 (Punkteschnitt 1,9)

Der Hauptgrund dafür, dass wir Atlético gegenüber der September-Rangliste noch etwas weiter abgestuft haben? Die Heimniederlage gegen Benfica in der Champions League. Sie wird zwar aller Voraussicht nach nicht das Achtelfinale kosten, in den jetzt anstehenden beiden Spielen gegen Astana sollte der Grundstein fürs Weiterkommen gelegt werden. In der Liga mischten sich gute Ergebnisse (3:0 in Sevilla) mit erwartbaren (1:2 gegen Barcelona, 1:1 gegen Real Madrid). Alles in allem ein deutliches Indiz dafür, dass Atlético die Nummer drei in Spanien bleiben dürfte. Mehr aber auch nicht, denn das Gefühl, dass sie mit ihrer unangenehmen Spielweise jeden Gegner Europas schlagen kann, strahlt diese Mannschaft aktuell nicht aus. Auch sollte eine europäische Spitzenmannschaft nicht so abhängig von einem Spieler sein, wie es Atlético aktuell von Antoine Griezmann ist. (dan)

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10. (-4) Juventus

Champions League: Gruppenphase mit Manchester City, Sevilla und Borussia Mönchengladbach
Serie A: 14.
Coppa Italia: Start im Achtelfinale
Pflichtspielbilanz: 5-3-3 (Punkteschnitt 1,64)

La Vecchia Signora könnte der Nachfolger des BVB werden. Große Probleme in der heimischen Liga, international mit starken Ergebnissen. So hielten sich die Dortmunder in der vergangenen Saison konstant in der Europarangliste, obwohl es in der Bundesliga zwischenzeitlich sogar gegen den Abstieg ging. Ganz so dramatisch ist es bei Juventus noch nicht, war es beim BVB nach acht Spieltagen aber auch noch nicht. Immerhin stimmt bei den Turinern der Trend, auch wenn das 0:0 am vergangenen Wochenende gegen Inter etwas glücklich zustande kam. Die schwierige CL-Gruppe führt Juve mit sechs Punkten souverän an, gegen Mönchengladbach könnte in den kommenden zwei Wochen schon der Einzug ins Achtelfinale perfekt gemacht werden. Und das ist sehr hoch zu bewerten. (krä)

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9. (=) Arsenal

Champions League: Vorrunde mit Bayern München, Olympiakos und Dinamo Zagreb
Premier League: Zweiter
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Achtelfinale bei Sheffield Wednesday
Pflichtspielbilanz: 8-1-4 (Punkteschnitt 1,92)

Sieht man sich die Form Arsenals in den heimischen Wettbewerben an, dann müsste man die Gunners eigentlich höher bewerten: Vier Siege in Folge, darunter ein 3:0 gegen United und ein Sieg im Ligapokal an der White Hart Lane, elf Tore in den letzten drei Premier League-Spielen, das klingt so, wie es oft auch aussieht, wenn man Arsenal spielen sieht: Nach einem Titelkandidaten. Wir wollen in dieser etwas rätselhaften Premier League-Saison auch nicht einmal ausschließen, dass Arsenal weiter ganz oben mitspielt. Doch die beiden Niederlagen in der Champions League in Zagreb und gegen Olympiakos wiegen so schwer, dass eine Verbesserung der Gunners in der Rangliste nicht in Frage kommt. Jetzt spielt Arsenal zweimal gegen Bayern. Werden diese Spiele verloren, könnte das Thema Champions League schon nach dem vierten Spieltag vorbei sein für Arsène Wenger. Aber, auch wenn ich diese persönliche Anmerkung wahrscheinlich auf mehreren Ebenen noch bereuen werde: Es scheint nicht ausgeschlossen, dass Arsenal gegen die Münchner punktet. (dan)

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8. (=) Borussia Dortmund

Bundesliga: Zweiter
Europa League: Gruppenphase mit FK Krasnodar, PAOK und Gabala
DFB-Pokal: Zweite Runde gegen SC Paderborn
Pflichtspielbilanz: 12-3-1 (Punkteschnitt 2,44)

Die deutliche Niederlage beim FC Bayern taugt nur bedingt dazu, einen Schatten auf die bisherige Saison des BVB zu legen. Die Münchner sind der nationalen Konkurrenz soweit enteilt, dass die Idee der Kollegen von taz.de, bis zur ersten Niederlage auf eine Berichterstattung über die Bayern zu verzichten, nachvollziehbar ist. Wegen des frühen Einstiegs in die Europa League haben die Dortmunder bereits 16 Pflichtspiele absolviert, die Bilanz ist hervorragend und könnte noch besser sein, wenn die notwendige Rotation von Trainer Thomas Tuchel nicht zu Leistungsschwankungen geführt hätte. Eine Verbesserung dieses Makels dürfte die größte Herausforderung der kommenden Wochen sein, denn nun folgen bis zum 8. November vermeintlich leichte Aufgaben gegen Qabala, Augsburg, Paderborn, Bremen, Qabala und als Höhepunkt das Derby gegen Schalke 04. In jedem Fall ist der BVB derzeit das zweitbeste deutsche Team hinter, ja hinter wem noch mal? (krä)

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7. (-2) Chelsea

Champions League: Vorrunde mit Maccabi Tel Aviv, Porto und Dynamo Kyiv
Premier League: Zwölfter
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Achtelfinale bei Stoke City
Pflichtspielbilanz: 5-2-6 (Punkteschnitt 1,31)

Wir haben die Blues nur um zwei Plätze abgestuft. Eine negative Bilanz nach 13 Spielen würde im Normalfall natürlich niemals für einen Top Ten-Platz in der Europarangliste reichen. Was ist hier der Normalfall? Offensichtlich stimmt bei den Blues einiges nicht. Vieles spricht auch dagegen, dass José Mourinho bald wieder in die Erfolgsspur zurückkehrt. Allerdings zählen dazu weiter auch eher „weiche“ Argumente, also Spekulationen über die Motivation des Trainers oder die Beobachtung, dass er selten länger als zwei Jahre erfolgreich bei einem Club arbeitete. Solche Faktoren bewerten wir allerdings nur am Rande. Entscheidender ist die Frage: Ist Chelsea, wenn die Normalform zurück ist, immer noch der Einzug ins Viertelfinale der Champions League zuzutrauen? Wir denken: ja. (dan)

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6. (+1) Manchester United

Champions League: Vorrunde mit VfL Wolfsburg, PSV Eindhoven und CSKA Moskva
Premier League: Dritter
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Achtelfinale gegen Middlesbrough
Pflichtspielbilanz: 10-1-3 (Punkteschnitt 2,21)

Betrachtet man nur das direkte Duell zwischen United und Arsenal Anfang Oktober, so ist nicht ersichtlich, warum wir die Red Devils immer noch besser einstufen als die Gunners. Das 3:0 für das Team von Arsène Wenger war schon sehr deutlich. Und normalerweise zählt der direkte Vergleich bei uns ja in Streitfällen durchaus. Aber in diesem speziellen Fall gibt es andere Erwägungen: Arsenal hat wiederum bei und gegen West Ham verloren, gegen Liverpool gab es nur ein Unentschieden. Zudem unterlagen die Londoner zwei sehr schwachen Gegnern in der Champions League und stehen vor dem Vorrundenaus, während United hier noch alle Chancen aufs Achtelfinale hat. Insgesamt finden wir den Kader von United auch einfach stärker. Schließlich ist Louis van Gaal als Trainer ein leichter Pluspunkt gegenüber Arsène Wenger, dem es zwar nicht an Erfahrung, inzwischen aber etwas an Flexibilität fehlt. (dan)

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5. (-2) Manchester City

Champions League: Vorrunde mit Borussia Mönchengladbach, Sevilla und Juventus
Premier League: Erster
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Achtelfinale gegen Crystal Palace
Pflichtspielbilanz: 9-0-3 (Punkteschnitt 2,25)

Dass wir City um zwei Plätze abgewertet haben, liegt weniger an den eigenen Resultaten der Citizens. Die Heimniederlage gegen Juventus war insgesamt unglücklich, das 1:4 bei Tottenham zwar deutlich, aber auch hier war City lange Zeit besser und wurde gleich bei zwei Gegentoren von Fehlentscheidungen benachteiligt. In Mönchengladbach mochten die deutschen Medien hinterher die Geschichte von den tragischen Verlierern noch so sehr ausbreiten – hier war der Sieg Citys verdient. Den Misserfolgen stehen beeindruckend deutliche Siege in der Premier League entgegen. Sie untermauern den Eindruck, dass das Team von Manuel Pellegrini in dieser Saison die beste englische Mannschaft stellt. Der Grund für die Abstufung wiederum ist eher bei den beiden Clubs zu sehen, die City überholt haben: Madrid und PSG machen auf uns inzwischen einen noch stärkeren und stabileren Eindruck. (dan)

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4. (+2) Real Madrid

Champions League: Gruppenphase mit Paris Saint-Germain, Malmö FF und Shakhtar Donetsk
La Liga: Erster
Copa del Rey: Start in der vierten Runde gegen Cádiz
Pflichtspielbilanz: 7-3-0 (Punkteschnitt 2,4)

Unsere Zweifel an den Fähigkeiten von Rafael Benítez, aus einer Ansammlung von Top-Stars eine funktionierende Mannschaft für große Titel zu formen, haben wir in der ersten Ausgabe bereits beschrieben. Die sind nicht komplett weggewischt, aber dem bisherigen Weg Reals gebührt Respekt. Wer in zehn Spielen nur zwei Gegentore kassiert, hat den Schwerpunkt auf die richtigen Dinge gelegt, denn wer Cristiano Ronaldo, Karim Benzema, Gareth Bale und James Rodríguez in seinen Reihen hat, kann sich auf eigene Torerfolge sicher verlassen. Deshalb steigen die Königlichen in unserer Rangliste. (krä)

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3. (+1) Paris Saint-Germain

Champions League: Vorrunde mit Real Madrid, Shakhtar Donetsk und Malmö FF
Ligue 1: Erster
Coupe de France: Start in der neunten Runde
Coupe de la Ligue: Start im Achtelfinale
Pflichtspielbilanz: 11-2-0 (Punkteschnitt 2,69)

Man könnte einwenden, dass die phänomenale Bilanz von PSG in der bisherigen Saison der schwachen Ligue 1 geschuldet ist. Da ist etwas dran. Aber das gleiche lässt sich in kaum abgemilderter Form auch über den FC Bayern sagen. Der hat nämlich in der bisherigen Saison außer gegen deutsche Teams nur gegen Olympiakos und Dinamo Zagreb gewonnen. PSG schlug Malmö und Shakhtar, was sich nicht viel gibt. Zwar ist die Bundesliga insgesamt stärker als die französische Liga. Aber wir zweifeln ja auch nicht daran, dass Bayern die momentan beste Mannschaft Europas ist. Genau wie die Münchner in den nun anstehenden beiden Spielen gegen Arsenal Gelegenheit haben, diesen Status zu untermauern, bietet sich PSG in zwei Begegnungen mit Real Madrid die Chance, unsere positive Einschätzung zu bestätigen. Wir sehen den Kader des französischen Meisters jedenfalls insgesamt mindestens auf Augenhöhe mit dem der Madrilenen. (dan)

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2. (=) Barcelona

Champions League: Gruppenphase mit Bayer Leverkusen, Roma und BATE Borisov
La Liga: Dritter
Copa del Rey: Start in der vierten Runde gegen Villanovense
Pflichtspielbilanz: 8-2-3 (Punkteschnitt 2)

Ob die Lichtgestalt Franz Beckenbauer nach den Recherchen des Spiegel stürzen wird, werden erst die kommenden Wochen und Monate zeigen. Den Status als „Experte“ hat Beckenbauer schon lange nicht mehr verdient, erst vor wenigen Wochen sagte er, der FC Barcelona sei ohne Lionel Messi „nur eine durchschnittliche Mannschaft“. Welch abstruser Gedanke, auch wenn der Torjäger seiner Mannschaft merklich fehlt. Gar nicht unbedingt als Torgarant, sondern eher als Initiator überraschender Angriffe aus dem Mittelfeld heraus, das Überraschungsmoment bei Barça ist Messi vorbehalten. Das größere Problem ist der etwas zu kleine Kader, denn neben Messi fehlen derzeit auch Andrés Iniesta und Rafinha, zudem sind Arda Turan und Aleix Vidal noch nicht spielberechtigt. Aber die entscheidenden Spiele in der Champions League steigen erst im kommenden Jahr und dann wird dieses Quintett wieder für mehr Kadertiefe sorgen. (krä)

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1. (=) Bayern München

Champions League: Gruppenphase mit Arsenal, Dinamo Zagreb und Olympiakos
Bundesliga: Erster
DFB-Pokal: Zweite Runde bei VfL Wolfsburg
Pflichtspielbilanz: 12-1-0 (Punkteschnitt 2,85)

Uns ist kein plausibler Grund eingefallen, den FC Bayern abzustufen. In der Bundesliga gibt es keinen ernsthaften Gegner mehr, was im Frühjahr wieder für Probleme sorgen könnte. Allerdings haben die Verantwortlichen in München alles dafür getan, dass dieser Stolperstein umdribbelt werden kann. Douglas Costa, Arturo Vidal und Kingsley Coman haben die Mannschaft nochmals verstärkt, die derzeitigen Verletzungsprobleme (Benatia, Badstuber, Ribéry, Robben, Götze, Rode) fallen bei dieser Kadertiefe nicht ins Gewicht und werden von Josep Guardiola nicht mal thematisiert. Es bleibt dabei: Der FC Bayern bleibt der Topfavorit auf den Champions-League-Titel. (krä)

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5 comments

  1. Ping: #Link11: So wie einst der HSV | Fokus Fussball
  2. schnullibulli

    Vielen Dank für die nächste Europarangliste, mutiger Weise genau VOR der nächsten Championsleague- und Europaleaguerunde…
    Im Vergleich zur ersten Ausgabe der Saison nähert ihr Euch den Realitäten ja auch wieder an 😉
    Trotzdem kann ich nach wie vor nicht verstehn, dass ihr immernoch dermaßen die scharzgelbe Brille aufhabt, selbst nach der Watschn von den Bayern. Ok, man könnte nach dem Bayernspiel gegen Arsenal auch an München zweifeln, aber eben nur wegen des Ergebnisses, nicht wegen der Spielweise. Anders bei Dortmund, die nach wie vor das einzige Spiel gegen eine europäische Topmannschaft ordentlich versaut haben.
    Und Ihr wollt sie ja unbedingt in den Top 10 sehen. Dann hätten sie aber auch annähernd an die Leistung von Arsenal rankommen müssen…
    Für mich ist Dortmund mit den Kadermöglichkeiten irgendwo zwischen Platz 12 und 15 anzusetzen.
    Die Top 3 bilden, auch wenns langweilig ist immernoch Barca, Bayern und vorallem auch Real, die gegen PSG in Paris das Spiel eindeutig dominiert haben.
    Paris steckt für mich einen Verfolgerblock mit ManCity und vom Potenzial her auch nach wie vor Chelsea. Allerdings doch schon deutlich von den Top 3 entfernt.
    Die Plätze 7-9 teilen sich meiner Meinung nach Arsenal, Juve und ManU. Und Atlético komplettiert die Top10.
    Danach folgt ein größerer Block mit Mannschaften, die wohl auch auch bei den Buchmachern keinen Favouriten erkennen lassen würde. Darunter Tottenham, Liverpool, Roma, Valencia und von mir aus auch Dortmund.
    Von Euch deutlich überschätzt halte ich übrigens auch Sevilla. Die kommen in meiner Top20 garnicht vor…
    Auch die restlichen deutschen Mannschaften seh ich momentan eher nicht in den Top20. Wenn überhaupt vielleicht noch Wolfsburg wegen des hochwertigen Kaders, gefolgt von Leverkusen, dank eines guten Trainers und einem tollen Transfers mit der kleinen Erbse. Auf Schalke sind mir die meisten Spiele alle zu knapp und zu wenig überzeugend gewonnen worden, als dass ich sie schon zu den besten Mannschaften Europas zählen könnte… Außerdem haben sie mit Breitenreiter einen viel zu unerfahrenen Trainer, der erstmal beweisen muss, wie er mit der Mannschaft umgeht, wenns mal nicht so läuft… Aber Potential für die nächsten Jahre hat Schalke natürlich schon dank der vielen Talente.
    Trotzdem schätze ich die Mailänder Clubs, Neapel oder auch Clubs wie Everton und West Ham zur Zeit stärker ein.

    Antworten
  3. Carsten

    Da bin ich ja mal gespannt, ob Bayern auch heute gegen einen andere Champions League Teilnehmer aushalten kann.
    Ich drücke den Wolfsburgern mal die Daumen, die können ja jeden Fan gebrauchen 😀

    Antworten
  4. Bern 1989

    Als Barça-Fan bin ich bzgl. meines Vereins inzwischen skeptischer als Ihr. Da wackelt im Moment doch so einiges. Die Abwehr ist, obwohl von der Verletzzungsmisere noch am wenigsten geplagt, ein Hühnerhaufen. Keine Ahnung, was auf einmal mit Leuten wie Piqué, Mascherano und Alves los ist. Dass Ter Stegen derzeit auch nicht die beste Pahse seiner noch jungen Karriere hat, kommt da noch dazu, aber auch die Rückkehr von Bravo hat da keinen grundlegenden Unterschied bewirkt. Wenn man schon gegen mittelklassige Gegener kaum je zu null spielt, wie soll das gegen Spitzenmannschaften aussehen?

    Und natürlich ist die zu geringe Kadertiefe ein echtes Problem. Das Mittelfeld ist nach der Verletzung von Rafinha auf Kante genäht, und im Sturm fehlt eine echte Ergänzung zur MSN, wie es Pedro war (der ja, glaubt man der Gerüchteküche, seinen Wechsel schon bereuen soll). Sandro und Munir sind offensichtlich (noch?) nicht in der Lage, die Lücke auszufüllen.

    Das Pokalhinspiel bei Villanovense (3. Liga) am Mittwoch hat das ganze Problem IMHO deutlich vor Augen geführt: Von den zur Verfügung stehenden Stammspielern hat der Trainer Ter Stegen, Alba, Alves und Rakitic auf der Bank gelassen und auf Suárez, Neymar, Busquets, Piqué und Bravo ganz verzichtet. Die Startelf sah daher so aus: Masip; Douglas, Bartra, Vermaelen, Mathieu; Samper, Gumbau, Kaptoum; Sandro, Munir, Adriano (als Stürmer!).

    Tja, und das war dann ein Spiel zwischen zwei Mannschaften auf Augenhöhe; das 0:0 ging absolut in Ordnung. Soll heißen: Es gibt im Kader derzeit keine Alternativen, die für Spiele gegen einigermaßen starke Gegner brauchbar wären. Die Stammmannschaft muss, so sie nicht verletzt ist, zweimal die Woche ran, weil nicht rotiert werden kann. Außerdem gibts quasi jede Woche einen neuen Verletzten.

    So wird das nix. Leider.

    Antworten
  5. Ping: Die Europarangliste im Dezember 2015 › Gegen den Ball

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