Die Europarangliste im September 2015

Der Start der Champions League ist traditionell das Veröffentlichungsdatum für die erste Europarangliste von Gegen den Ball in der neuen Saison. Wir haben nach langer Diskussion die unserer Meinung nach 20 besten Teams des Kontinents gekürt und nach Stärke sortiert. Kriterien sind wie immer vor allem die Stärke und Ausgewogenheit des Kaders sowie die Qualität des Trainers. Weder kümmern wir uns um vermeintliche oder tatsächliche finanzielle Probleme, noch bewerten wir Gerüchte, Image oder Sympathiewerte.

Gerade zu Beginn der Saison trägt unser Ranking stark prognostischen Charakter. Natürlich liefern die Ergebnisse bis zu diesem Zeitpunkt erste Indizien, aber wir bewerten primär die Aussichten der Mannschaften, nicht so sehr ihre bisherigen Resultate. Zumal die wirklich entscheidende Bühne, die Champions League, ja auch gerade erst freigegeben wird. Im Vergleich zur Abschlussrangliste der vergangenen Saison sind zwei Teams aus der Rangliste gefallen: Lazio und Borussia Mönchengladbach.

Die Texte zu den einzelnen Clubs stammen von Marcus Krämer (krä) und Daniel Raecke (dan).

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20. (neu) Olympique Lyonnais

Champions League: Gruppenphase mit KAA Gent, Valencia und Zenit
Ligue 1: Sechster
Coupe de France: Start in der neunten Runde
Coupe de la Ligue: Start im Achtelfinale
Pflichtspielbilanz: 2 Siege-2 Unentschieden-2 Niederlagen (Punkteschnitt 1,33)

Olympique Lyon, französischer Serienmeister von 2002 bis 2008, hat die darauf folgenden Jahre des Misserfolgs hinter sich gelassen und sich in der vergangenen Saison zur Nummer zwei hinter PSG aufgeschwungen. OL profitiert von der exzellenten Jugendarbeit – Leistungsträger wie Alexandre Lacazette, Clément Grenier oder Nabil Fekir wurden in Lyons Jugendakademie ausgebildet. In diesem Sommer hat es Präsident Jean-Michel Aulas geschafft, seinen Kader trotz lukrativer Angebote weitestgehend zusammenzuhalten. Obendrein wurde sogar noch investiert, Lyons Kader ist durch Sergi Darder, Mapou Yanga-Mbiwa, Mathieu Valbuena und Rafael noch ein bisschen stärker geworden. Kleiner Wermutstropfen: Der in den ersten Partien groß aufspielende Fekir hat sich einen Kreuzbandriss zugezogen und fällt die gesamte Hinrunde aus. Etabliert sich OL trotzdem an der nationalen Spitze und nutzt die Chance in der machbaren CL-Gruppe, könnte es einen neuen Dauergast in der Europarangliste geben. (krä)

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19. (-3) Tottenham Hotspur

Premier League: Zwölfter
Europa League: Gruppenphase mit AS Monaco, RSC Anderlecht und Qarabag
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Dritte Runde gegen Arsenal
Pflichtspielbilanz: 1-3-1 (Punkteschnitt 1,2)

Einen großen Räumungsverkauf hat es bei den Spurs in diesem Sommer gegeben. Zahlreiche Profis, die mit dem Geld aus dem Rekordtransfer von Gareth Bale gekauft worden waren, haben den Club inzwischen wieder verlassen. Die beiden begehrten Leistungsträger Hugo Lloris und Harry Kane konnten hingegen zunächst gehalten werden. Die Neuzugänge um Son Heung-Min und Toby Alderweireld sind okay, zeigen aber nicht den nächsten Level an. Das gleiche gilt für Dele Alli, den nächsten jungen englischen Hoffnungsträger im Kader. Wunschstürmer Saido Berahino von West Bromwich Albion durfte nicht wechseln. Es könnte sich nun um ein Jahr des ruhigen Aufbaus und der Weiterentwicklung handeln, das Manager Mauricio Pochettino zu gönnen wäre. Ein Platz unter den ersten vier ist nicht zu erwarten, ein Platz außerhalb der ersten Sechs der Liga aber auch nicht. (dan)

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18. (neu) Internazionale

Serie A: Erster
Coppa Italia: Start im Achtelfinale
Pflichtspielbilanz: 3-0-0 (Punkteschnitt 3)

Die vergangene Saison ging in die Geschichte des Mailänder Fußballs ein: Erstmals konnten sich weder AC noch Internazionale für den Europapokal qualifizieren. So konnte es im erfolgsverwöhnten Mailand natürlich nicht weitergehen und so gingen beide Clubs mit frischem Investoren-Geld ins Risiko. Inter stellte sich dabei wesentlich besser an. Denn erstens stimmte beim Team von Trainer Roberto Mancini auch die Einnahmeseite und zweitens wurde mit Geoffrey Kondogbia, Miranda, Martín Montoya, Adem Ljajic und vor allem Stevan Jovetic große Qualität für alle Mannschaftsteile verpflichtet. Inter hat es vorerst in die Top 20 geschafft, spielt wegen der fehlenden internationalen Vergleichbarkeit aber auf Bewährung. (krä)

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17. (-2) Liverpool

Premier League: Zehnter
Europa League: Gruppenphase mit Rubin Kazan, Girondins de Bordeaux und FC Sion
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Dritte Runde gegen Carlisle United
Pflichtspielbilanz: 2-1-2 (Punkteschnitt 1,4)

Für die Reds gilt, was die Erfolgsaussichten betrifft, Ähnliches wie für die Spurs: Ein Platz unter den Top Four der Premier Leageu ist nicht sehr wahrscheinlich, da es vier klar bessere Teams gibt. Allerdings hat sich in Liverpool im Kader etwas mehr getan als in Nordlondon. Mit Christian Benteke, Roberto Firmino und Danny Ings sind drei Offensivspieler gekommen, die den Abgang von Raheem Sterling auffangen sollen. Was die Torgefahr angeht, sollten sie dazu in der Lage sein. Dass Steven Gerrard erstmals nicht mehr im Kader steht, hat dagegen primär sentimentale Auswirkungen, ein absoluter Leistungsträger war der langjährige Kapitän zuletzt nicht mehr konstant. Die bisherigen Topspiele Liverpools bei Arsenal (0:0) und United (1:3) offenbarten, dass die Offensive auf höchstem Niveau noch nicht wirklich funktioniert. Platz fünf oder sechs in der Liga ist realistisch, in Europa ist von Aus in der Vorrunde bis zum Titelgewinn alles drin – je nachdem, wie ernst man den Wettbewerb jeweils nimmt. (dan)

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16. (-5) VfL Wolfsburg

Champions League: Gruppenphase mit CSKA Moskva, Manchester United und PSV Eindhoven
Bundesliga: Dritter
DFB-Pokal: Zweite Runde gegen Bayern München
Pflichtspielbilanz: 3-3-0 (Punkteschnitt 1,5)

Die Tatsache, dass der VfL in der Europarangliste vertreten ist, die Gruppengegner ZSKA und Eindhoven dagegen nicht, bedeutet nicht automatisch ein Weiterkommen in der Champions League. Der Kader der Wolfsburger ist sowohl in der Spitze als auch in der Tiefe deutlich besser besetzt, aber die Wölfe müssen erst noch beweisen, die richtigen Lehren aus der durchwachsenen Europa-League-Saison gezogen zu haben. Und das ohne Kevin de Bruyne, den stärksten Feldspieler und besten Vorbereiter. Julian Draxler soll ihn ersetzen, mit endlich wieder unbeschwerten Beinen in neuem Umfeld. Das kann funktionieren, muss aber auch nicht zwingend, wie das Beispiel André Schürrle zeigt. Auch wegen des erstarkten BVB wird es eine schwierige Saison für den VfL, der sich aber erneut für die Champions League qualifizieren wird. Geduld ist trotzdem gefragt. (krä)

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15. (-2) Sevilla

Champions League: Gruppenphase mit Manchester City, Juventus und Borussia Mönchengladbach
La Liga: 18.
Copa del Rey: Start in der vierten Runde
Pflichtspielbilanz: 0-2-2 (Punkteschnitt 0,5)

Es gibt augenfällige Parallelen zwischen Sevilla und dem ersten Champions League-Gegner Borussia Mönchengladbach. Beide sind nach zwei Jahren in der Europa League nun in der Champions League am Start und haben darob den Start in die nationale Liga verpatzt. Warum ist Sevilla dann trotzdem in der Rangliste, Gladbach aber nicht? Weil Sevilla zuletzt zweimal in Folge die Europa League gewonnen hat und mit Unai Emery einen auch im Vergleich zu Lucien Favre international versierten Coach beschäftigt. Der Kader der Andalusier scheint auch etwas besser besetzt als der der Fohlen – wobei sie ebenso wie Gladbach mit Max Kruse und Christoph Kramer zwei relevante Abgänge kompensieren müssen: Carlos Bacca und Aleix Vidal. Mit Yevhen Konoplyanka, Fernando Llorente, Ciro Immobile, Adil Rami und Steven N’Zonzi sind interessante Spieler gekommen, die aber keine Erfolgsgarantie mitbringen. Das Achtelfinale in der Champions League ist nicht ausgeschlossen, die erneute Qualifikation für die Königsklasse wird aber sehr schwer. (dan)

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14 (-12) Juventus

Champions League: Gruppenphase mit Manchester City, Sevilla und Borussia Mönchengladbach
Serie A: 16.
Coppa Italia: Start im Achtelfinale
Pflichtspielbilanz: 1-1-2 (Punkteschnitt 1)

Der Champions-League-Finalist der vergangenen Saison stürzt ab. Das hat nur bedingt mit dem misslungenen Start in diese Spielzeit zu tun, viel mehr bewerten wir den massiven Qualitätsverlust im Kader von Trainer Massimiliano Allegri. Mit Arturo Vidal, Andrea Pirlo und Carlos Tévez verlor Juve drei Schlüsselspieler, immerhin konnte Paul Pogba gehalten werden. Insgesamt nahm der italienische Meister über 75 Millionen Euro ein, gab im Gegenzug aber auch fast 130 Millionen Euro für Neuzugänge aus. Deshalb braucht die Mannschaft Zeit, sich zu finden. Die absoluten Topspieler suchen wir bei den Namen Paulo Dybala, Mario Mandzukic, Hernanes oder Alex Sandro zudem vergeblich. Sami Khedira soll im defensiven Mittelfeld zur neuen Größe heranreifen, an der Fitness des deutschen Nationalspielers bestehen aber berechtigte Zweifel. Deshalb wird es keine weitere Dominanz-Saison der Turiner geben – und auch in der Champions League könnte es in der schweren Gruppe D ein frühzeitiges Aus geben. (krä)

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13. (+1) Bayer Leverkusen

Champions League: Gruppenphase mit Barcelona, Roma und BATE Borisov
Bundesliga: 13.
DFB-Pokal: 2. Runde bei Viktoria Köln
Pflichtspielbilanz: 4-0-3 (Punkteschnitt 1,71)

Es hat sich einiges getan im Kader von Bayer Leverkusen. Mit Son Heung-Min, Gonzalo Castro und Simon Rolfes sind drei Stammspieler gegangen, die Neuzugänge Chicharito, Kevin Kampl, Admir Mehmedi, Jonathan Tah, Christoph Kramer und der verletzte Charles Aránguiz werden diese Lücken füllen. Die ersten Spiele haben gezeigt, dass Trainer Roger Schmidt noch Zeit benötigt, um die neuformierte Mannschaft auf sein Spielsystem einzustellen. Wir sehen Bayer als drittbestes deutsches Team, das es in der Champions League aber nicht ins Achtelfinale schaffen wird. (krä)

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12. (+6) Roma

Champions League: Gruppenphase mit Barcelona, Bayer Leverkusen und BATE Borisov
Serie A: Fünfter
Coppa Italia: Start im Achtelfinale
Pflichtspielbilanz: 2-1-0 (Punkteschnitt 2,33)

In dieser Saison ist der Weg zum Scudetto, dem Gewinn der italienischen Meisterschaft, für die Roma weit offen. Das liegt mindestens ebenso sehr am Aderlass bei Juventus wie am Kader der Giallorossi. Doch das Aufgebot der Römer ist anders als das von Juve eben auch noch einmal stärker geworden: Mit Edin Dzeko, Lucas Digne, Mohamed Salah, Wojciech Szczesny, Iago Falque und Antonio Rüdiger hat die Roma gleich sechs sehr interessante Spieler verpflichtet – von denen beim Sieg in Frosinone am Wochenende fünf in der Startelf standen. Wenn ich dazu noch die Namen Radja Nainggolan, Daniele de Rossi, Miralem Pjanic, Gervinho, Kostas Manolas und Juan Iturbe nenne, dann ist das auch jenseits der Oldies Francesco Totti, Maicon und Seydou Keita ein auf fast allen Positionen sehr gut besetzter Kader. Wermutstropfen allerdings die neuerliche Operation bei Kevin Strootman, durch die der Niederländer wahrscheinlich eine weitere Saison verpassen wird. (dan)

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11. (+1) Valencia

Champions League: Gruppenphase mit Olympique Lyonnais, Zenit und KAA Gent
La Liga: Achter
Copa del Rey: Start in der vierten Runde
Pflichtspielbilanz: 2-2-1 (Punkteschnitt 1,6)

Der FC Valencia war in der vergangenen Saison viertstärkste Kraft in Spanien – und bleibt das unserer Meinung nach auch. Die ersten Spiele liefen zwar überwiegend holprig, gegen Monaco wurde mit etwas Glück das Aus in den Playoffs zur CL-Gruppenphase vermieden. Trainer Nuno Espírito Santo braucht noch Zeit, um die vielen Neuzugänge zu integrieren. Nur dank des neuen Besitzers Peter Lim war Valencia überhaupt in der Lage, über 140 Millionen Euro zu investieren. Das Potenzial zu echten Verstärkungen haben Álvaro Negredo, Santi Mina oder auch der talentierte Danilo. Für Rodrigo oder André Gomes wurde im Jorge-Mendes-Kosmos dagegen zu viel bezahlt. Und die Fans von Werder Bremen haben sich verwundert die Augen gerieben, als Valencia für Aymen Abdennour 25 Millionen Euro bezahlt hat. Valencia ist in jedem Fall Favorit auf den Gruppensieg in der CL-Gruppe H. (krä)

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10. (-1) Atlético de Madrid

Champions League: Gruppenphase mit Benfica, Galatasaray und Astana
La Liga: Sechster
Copa del Rey: Start in der vierten Runde
Pflichtspielbilanz: 2-0-1 (Punkteschnitt 2)

Sechs Spieler aus dem Umfeld der ersten Mannschaft haben Atleti im Sommer verlassen. Am schwersten wiegt der Abgang von Arda Turan, aber auch Mario Mandzukic hinterlässt eine Lücke. Raúl García, Mario Suárez, Toby Alderweireld und Raúl Jiménez dürften eher zu ersetzen sein. Unter den Neuzugängen lastet die größte Erwartungshaltung auf Jackson Martínez, einem Stürmer, der eigentlich fast alles kann – auch so unermüdlich gegen den Ball arbeiten wie es von Atlético-Stürmern erwartet wird? Es wird spannend sein, zu beobachten, ob Diego Simeone seine Spielweise tatsächlich in Richtung Ballbesitz diversifizieren kann. Die alte Konter- und Kompaktheitsorientierte Masche allein wird auf allerhöchstem Niveau nicht mehr funktionieren. (dan)

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9. (-2) Arsenal

Champions League: Gruppenphase mit Bayern München, Olympiakos und Dinamo Zagreb
Premier League: Vierter
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Start in der dritten Runde bei Tottenham Hotspur
Pflichtspielbilanz: 4-1-1 (Punkteschnitt 2,17)

Gegenüber der Vorsaison hat Arsenal sich auf der Torhüterposition mit der Verpflichtung von Petr Cech verbessert. Bei den Feldspielern hat sich nichts Weltbewegendes verändert. Das deutet auf die Standard-Arsenal-Prognose hin: Achtelfinale in der Champions League, Platz drei oder vier in der Premier League. Warum haben wir die Gunners dann im Vergleich zum Abschlussranking der letzten Saison abgewertet? Weil es zwei Teams gibt, die sich deutlich verbessert haben und in unseren Augen etwas stärker als Arsenal einzuschätzen sind: Manchester United und Borussia Dortmund. (dan)

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8. (+12) Borussia Dortmund

Bundesliga: Erster
Europa League: Gruppenphase mit FK Krasnodar, PAOK und Qabala
DFB-Pokal: 2. Runde gegen SC Paderborn
Pflichtspielbilanz: 9-0-0 (Punkteschnitt 3)

Regelmäßige Leser der Europarangliste wissen um die deutlich geringere Bedeutung der Europa League. Trotzdem stufen wir den BVB so hoch ein, als sei er ein Kandidat für das Viertelfinale der Champions League. Das kann die Borussia nach der desolaten Vorrunde und dem Happy End in der Rückrunde der vergangenen Saison überhaupt nicht erreichen, aber die Verantwortlichen in Dortmund haben nach der großen Krise fast alles richtig gemacht. Thomas Tuchel wird seinem Ruf als Elitepartner des Trainermarkts gerecht. Der Umbruch im Kader hat auch verdiente Spieler wie Kevin Großkreutz oder Jakub Blaszczykowski getroffen – das richtige Signal. Und Manager Michael Zorc hat mit der Verpflichtung von Julian Weigl mal wieder sein Gespür für große Talente bewiesen. Ob der hoch veranlagte Adnan Januzaj ähnlich gut einschlagen wird, werden wir in ein paar Wochen wissen. Nach neun gewonnenen Pflichtspielen ist beim BVB aber ein so positiver Trend auszumachen, dass es in der Bundesliga mal wieder einen Hauch von spannendem Titelkampf geben könnte. (krä)

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7. (+3) Manchester United

Champions League: Gruppenphase mit VfL Wolfsburg, CSKA Moskva und PSV Eindhoven
Premier League: Dritter
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Dritte Runde gegen Ipswich Town
Pflichtspielbilanz: 5-1-1 (Punkteschnitt 2,29)

United ist endlich zurück in der Champions League. In der Gruppenphase warten anspruchsvolle, aber nicht unschlagbare Gegner – genau das Richtige, um wieder reinzukommen. Nach dem großen Umbruch in der letzten Saison hat Louis van Gaal seinen Kader im Sommer schon wieder stark umgebaut. Das spricht gegen eine von Anfang bis Ende glatte und runde Saison. Aber die schiere Qualität, die Memphis Depay, Bastian Schweinsteiger, Morgan Schneiderlin, Matteo Darmian und Anthony Martial einem Kader geben, der außer Ángel di María und Robin van Persie kaum an Qualität verloren hat, spricht dafür, dass es am Ende mindestens Platz drei in der Premier League werden könnte. Auch der Kampf um den Titel ist nicht undenkbar. In der Champions League wäre das Erreichen des Viertelfinals ein realistisches Ziel. Ob das klappt oder sogar noch mehr drin ist, hängt am Ende von der Auslosung und der Entwicklung der Mannschaft ab. (dan)

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6. (-1) Real Madrid

Champions League: Gruppenphase mit Paris Saint-Germain, Malmö FF und Shakhtar Donetsk
La Liga: Zweiter
Copa del Rey: Start im Achtelfinale
Pflichtspielbilanz: 2-1-0 (Punkteschnitt 2,33)

2012 gewann Real Madrid letztmals die spanische Meisterschaft. Auch deshalb wurde allgemein ein Großangriff auf dem Transfermarkt erwartet, der sich mit Mateo Kovacic und Danilo aber in Grenzen hielt. Die wichtigste Neuerung fand deshalb auf der Trainerbank statt, wo Rafael Benítez auf Carlo Ancelotti folgte. Der Real-Kader ist insgesamt nicht schwächer geworden, aber wir haben bei Benítez Zweifel hinsichtlich seiner Tauglichkeit für die ganz großen Titel. Bisher hat der gebürtige Madrilene zumindest die Defensive stabilisieren können, Real kassierte in drei Liga-Spielen noch kein Gegentor. Trotzdem reicht es nicht für Europas Spitze. (krä)

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5. (-1) Chelsea

Champions League: Gruppenphase mit Maccabi Tel Aviv, Porto und Dynamo Kyiv
Premier League: 17.
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Start in der dritten Runde in Walsall
Pflichtspielbilanz: 1-1-4 (Punkteschnitt 0,67)

Chelsea ist wohl das beste Beispiel dafür, auf welcher Basis wir die Europarangliste erstellen – vor allem die erste der neuen Saison. Hier geht es uns weniger um die bisherigen Ergebnisse als vielmehr um die Erwartungen an das Abschneiden im gesamten Saisonverlauf. Nun kann man aus dem katastrophalen Auftakt der Blues schließen, dass einiges im Argen liegt, was nicht in zwei Wochen vergessen sein dürfte – nicht zuletzt, was die Rolle von José Mourinho angeht. Das ist indes bis zu einem gewissen Grad spekulativ. Die Fakten sind allerdings hart genug: Vier Niederlagen in Pflichtspielen bis Mitte September – das ist jetzt schon der Wert, den die Mannschaft in der vergangenen Saison in allen 54 Spielen zusammen erlitt. 13 Gegentore in sechs Spielen sind zudem sehr unmourinhoesk. Warum wir Chelsea dann immer noch so hoch eingestuft haben? Weil der Kader objektiv sogar noch stärker geworden ist als im Meisterjahr, durch die Zugänge Pedro und Radamel Falcao. Mourinho ist zudem objektiv auch kein Nachteil – also gehen wir zu diesem Zeitpunkt immer noch von einer Formkrise aus, nicht von einem bevorstehenden Absturz. (dan)

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4. (+2) Paris Saint-Germain

Champions League: Gruppenphase mit Real Madrid, Malmö FF und Shakhtar Donetsk
Ligue 1: Erster
Coupe de France: Start in der neunten Runde
Coupe de la Ligue: Start im Achtelfinale
Pflichtspielbilanz: 5-1-0 (Punkteschnitt 2,67)

An der Fortsetzung der nationalen Dominanz (alle drei möglichen Titel in der vergangenen Saison) bestehen im Fall PSG keinerlei Zweifel. Die Stammelf von Olympique Marseille wurde regelrecht entkernt, AS Monacos Kader hat sich ebenfalls eher verschlechtert und die talentierte Mannschaft von Olympique Lyon muss erst noch beweisen, wie sie mit der zusätzlichen Belastung Champions League umgehen wird. In der Champions League scheiterten die Pariser in den vergangenen drei Jahren jeweils erst im Viertelfinale, mit Neuzugang Ángel di María könnte das fehlende Puzzlestück für den erstmaligen Halbfinal-Einzug dazugekommen sein. Bringt ihn Trainer Laurent Blanc in die Form, die Di María bei Real Madrids Champions-League-Sieg 2014 zu einem Schlüsselspieler machte, wird PSG nur von wenigen Teams zu schlagen sein. (krä)

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3. (+5) Manchester City

Champions League: Gruppenphase mit Juventus, Sevilla und Borussia Mönchengladbach
Premier League: Erster
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Start in der dritten Runde in Sunderland
Pflichtspielbilanz: 5-0-0 (Punkteschnitt 3)

Wer es schafft, gänzlich ohne Polemik über den vergangenen Transfer-Sommer zu sprechen, muss Manchester City zu den Favoriten auf den Champions-League-Titel zählen. „Die sind doch noch nie über das Achtelfinale hinausgekommen“, schallt es aus der Wolff-Fuss-Hansi-Küpper-Kommentatoren-Ecke. Das stimmt zwar, allerdings kam in den vergangenen beiden Jahren jeweils das Aus gegen den FC Barcelona. Nun haben sich die Citizens noch mal erheblich verstärkt, Kevin de Bruyne und Raheem Sterling verbessern die Möglichkeiten in der Offensive auf beneidenswerte Art. Ob Nicolás Otamendi die Probleme in der Viererkette beheben wird, ist dagegen zweifelhaft. Der perfekte Saisonstart in der Premier League untermauert unsere Einschätzung, dass die Sky Blues englischer Meister werden. (krä)

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2. (-1) Barcelona

Champions League: Gruppenphase mit Bayer Leverkusen, Roma und BATE Borisov
La Liga: Erster
Copa del Rey: Start in der vierten Runde
Pflichtspielbilanz: 4-1-1 (Punkteschnitt 2,17)

Die sichere Variante wäre es gewesen, Barcelona nach dem Treble der vergangenen Saison einfach auf Platz eins der Europarangliste zu lassen. Schließlich war der FCB ein halbes Jahr lang nicht nur knapp, sondern ohne jeden Zweifel die beste Mannschaft der Welt. Die Abgänge von Pedro und Xavi sind zwar symbolisch signifikant, sportlich aber nicht kriegsentscheidend. Die Neuen Arda Turan und Aleix Vidal stellen sehr gute Transfers dar, dürfen aber erst in der Rückrunde spielen. In der vergangenen Saison lief es erst dann richtig rund bei Barcelona, als Luis Suárez sich richtig akklimatisiert hatte – auch er durfte ja erst nach Ablauf einer Sperre eingreifen. Die Umstände sind also nicht ideal, aber definitiv nicht so schlecht, dass Barcelona mit seinem Kader nicht theoretisch jeden Titel gewinnen könnte, um den es spielt. Ist das aber wirklich die erste Mannschaft seit 25 Jahren, die den Champions League-Titel verteidigt? Vielleicht ja, wahrscheinlich nicht. (dan)

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1. (+2) Bayern München

Champions League: Gruppenphase mit Arsenal, Olympiakos und Dinamo Zagreb
Bundesliga: Zweiter
DFB-Pokal: Zweite Runde bei VfL Wolfsburg
Pflichtspielbilanz: 5-1-0 (Punkteschnitt 2,67)

So. Unsere Prognose: Bayern München gewinnt die Champions League. Diese Einschätzung ist mit einigen Einschränkungen verknüpft. Vor allem ist die Leistungsdichte unter den drei bis fünf Topteams zu groß, als dass Bayern nicht über ein oder zwei KO-Spiele im Frühjahr gut und gerne auch gegen Barcelona verlieren könnte, und unter Umständen gilt das auch für Madrid, City oder vielleicht sogar Chelsea. Aber Bayern hatte schon in den letzten Jahren immer einen der besten Kader der Welt und wird vom vielleicht besten Trainer der Welt gecoacht. Der Kader ist jetzt noch einmal stärker geworden mit Douglas Costa und Arturo Vidal, was zusammengenommen mehr Plus ist als der Abgang von Bastian Schweinsteiger minus. Wenn Arjen Robben nicht länger ausfällt, dann spricht vieles für die Bayern. Sollte es einen zumindest marginal spannenderen Titelkampf in der Bundesliga geben, Dortmund also nur im einstelligen Bereich zurückliegen, dann könnte das dem Münchner Fokus in der entscheidenden Saisonphase zudem nur gut tun. (dan)

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5 comments

  1. Bern 1989

    Danke für die wie stets lesenswerte Rangliste. Zur Reihung an der Spitze äußere ich mich mal nicht weiter, vertretbar, auch wenn ich es anders machen würde…

    Wie schon beim letzten Mal aber noch eine kleine typographische Mäkelei (wenn Ihr nicht sonst ein so hohes Qualitätsniveau hättet, hielte ich das für vergebene Liebesmüh und würde drauf verzichten): „Barca“ statt „Barça“ sieht für Leser mit Katalanischkenntnissen (OK, das sind nicht allzuviele, aber trotzdem) halt aus wie „Munchen“ statt „München“, und in der Aussprache macht es einen wesentlichen Unterschied: „Barça“ spricht sich „Barßa“ (*nicht* gelispelt, by the way); „Barca“ spräche sich „Barka“. Und das ç ist am Computer auch nicht allzu schwer: Unter Windows Alt+135, unter anderen Systemen dürfte es auch entsprechende Shortvuts geben.

    Es grüßt Euer Haarspalter vom Dienst.

    Antworten
    • Daniel Raecke

      Lieber Haarspalter,

      vielen Dank für den berechtigten Hinweis! Wir schreiben normalerweise Sonderzeichen jenseits der gängigen Umlaute und der einfachen Akzente nicht, also nur alles, was die normale Tastatur auf den ersten Griff hergibt. Ich stimme Dir dennoch zu, dass es irgendwie falsch wirkt (und das ja nicht nur auf Katalanisch, auch in jeder anderen romanischen Sprache würde das „ca“ hart ausgesprochen). Daher habe ich mich jetzt an der entsprechenden Stelle für das gute, alte Synonym entschieden.

      Die andere Meinung zur Reihung an der Spitze darf darüber hinaus natürlich gerne auch kommentiert werden!

      Viele Grüße,
      Daniel

      Antworten
  2. schnullibulli

    Erstmal danke, dass ihr weiterhin diese herrliche Europarangliste pflegt!!!
    Aber da sind diesmal schon ein paar sehr gewagte Einstufungungen drinn…
    Allen voran, Juve soweit abstürzen zu lassen! Und dann auch noch zu behaupten, es läge nicht unbedingt am schlechten Saisonstart ind er Liga… Bin jetzt kein großer Juvefan und die „neue“ Mannschaft braucht sicher noch ein wenig Zeit, muss aber trotzdem mindestens in die Top 10.
    Andersrum der BVB?! Platz 8??? Sicherlich schaut bis jetzt alles vielversprechend aus, aber richtig schwere Gegner waren auch noch nicht dabei (speziell Gegner Gladbach kann momentan nicht der Maßstab sein) Auch ich denke, dass man in der Europaleague gute Chancen hat, wobei man noch nicht weiß, wer alles aus der Championsleague dazustoßen wird… Aber nach der letzten Saison muss man sich trotzdem erst wieder langsam an die Top Ten in Europa rantasten. Tatsächlich würde ich Wolfsburg und Dortmund momentan gleichstark einschätzen…
    Außerdem schätze ich Real deutlich stärker ein und ManCity schwächer. Um genauzusein sehe ich die Postitonen ziemlich genau umgekehrt… Auch wenn ich zugeben muss, dass ich jetzt natürlich auch schon von der ersten Chamionsleaguerunde beeinflußt bin…

    Antworten
  3. schnullibulli

    Ich erlaube mir jetzt mal einen ganz trockenen Ansatz, um diesen dann nach der Saison mit eurer Top 20 zu vergleichen. Hierzu will ich die Top 20 einzig und allein am Mannschaftswert (zum Saisonstart) gem. transfermarkt.de messen:
    1 Real Madrid 718,80 Mio. €
    2 FC Barcelona 657,50 Mio. €
    3 FC Bayern München 559,10 Mio. €
    4 FC Chelsea 531,75 Mio. €
    5 Manchester City 480,85 Mio. €
    6 FC Paris Saint-Germain 408,55 Mio. €
    7 FC Arsenal 402,00 Mio. €
    8 Juventus Turin 390,28 Mio. €
    9 Manchester United 377,25 Mio. €
    10 Atlético Madrid 346,50 Mio. €
    11 FC Liverpool 330,25 Mio. €
    12 Borussia Dortmund 287,45 Mio. €
    13 Tottenham Hotspur 283,00 Mio. €
    14 FC Valencia 267,50 Mio. €
    15 SSC Neapel 260,75 Mio. €
    16 AS Rom 256,60 Mio. €
    17 Inter Mailand 244,98 Mio. €
    18 AC Mailand 211,75 Mio. €
    19 VfL Wolfsburg 205,65 Mio. €
    20 FC Everton 194,05 Mio. €
    Die blanken Zahlen sind manchmal schon sehr vielsagend, finde ich.
    Und dabei muss man noch betonen, dass die zusammengezählten Marktwerte der Spieler noch auf dem Stand vor dieser Saison sind. Bayern dürfte also inzwischen einen noch größeren Marktwert haben, wenn man allein an die Marktwertsteigerung von Spielern wie Costa, Lewandowski oder Müller denkt…
    Und interessant dabei ist für mich, dass Mannschaften wie ManCity oder PSG, auch wenn sie Unsummen ausgegeben haben, trotzdem noch nicht den Kaderwert haben um an die Top 3 ranzukommen…

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  4. Ping: Die Europarangliste im Oktober 2015 › Gegen den Ball

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