Europäische Verhältnisse
Wie kann man die Eintönigkeit in der Bundesliga stoppen? Uns ist durchaus bewusst, dass es Fans gibt, die aus dem Kampf um die Champions-League-Plätze oder im Abstiegskampf ihre ganz persönlichen Spannungsmomente ziehen können. Aber die Meisterschaft sollte doch alles überstrahlen. Das ist aufgrund der Dominanz des FC Bayern nicht mehr so – und wird auch in den kommenden Jahren so bleiben.
Die Schar der Kritiker wächst, Lösungsansätze gibt es jedoch selten. Nach den spanischen und den bayrischen Verhältnissen ein klassisches Gegen-den-Ball-Thema, dachten sich Daniel Raecke und Marcus Krämer – und fingen an zu diskutieren. Doch schnell stand fest: Es gibt ihn nicht, DEN einen Schlüssel. Was bleibt, sind Gedanken, die wir nicht vorenthalten wollen. Eine E-Mail-Kommunikation:
Daniel: Hallo Marcus, wir haben vor zwei Jahren schon einmal die wachsende Einseitigkeit in den europäischen Topligen thematisiert. Seither ist das Gefälle zumindest in der Bundesliga noch wesentlich eklatanter geworden: Der FC Bayern hat seine ersten zehn Saisonspiele gewonnen, den Vizemeister und den aktuellen Tabellenzweiten jeweils 5:1 geschlagen. Der Abstand zwischen Platz eins und zwei ist fast so groß wie der zwischen Platz eins und zehn in England und Italien. Angesichts der krassen finanziellen Unterschiede zwischen Bayern und dem Rest der Liga (Unterschiede, die von Jahr zu Jahr größer werden, nicht kleiner), ist momentan gar nicht abzusehen, wann es mal wieder einen spannenden Kampf um den deutschen Meistertitel geben sollte.
Als neutraler Beobachter muss man festhalten, dass dieser Wettbewerb dysfunktional geworden ist. Zumindest, wenn es um die Spitze geht. Nun mag es sein, dass viele deutsche Fußballfans bereit sind, sich mit diesen Verhältnissen abzufinden, weil sie die Bundesliga dann halt im Hinblick auf den Abstiegskampf verfolgen und nebenbei Bayern als eine Art zweite deutsche Nationalmannschaft in der Champions League unterstützen können. Das kann ja aber nicht auf Dauer die Idee eines Profiwettbewerbs sein, oder?
Stellt sich die Frage: Wie kann man die Ungleichheit in der Liga verringern? Kann man sie nur um den Preis verringern, Bayern auf das Niveau der Konkurrenz herabzuziehen, was (selbst, wenn die das mit sich machen ließen) ihre Champions League-Chancen zerstören würde? Ist eine rein nationale Lösung überhaupt denkbar? Wie sähe denn ein europäischer Ansatz aus? Brauchen wir doch die Europaliga?
Marcus: Ich würde gerne an das Märchen glauben, dass die Bundesliga die attraktivste und beste Liga in Europa ist. So wird es der fußballinteressierten Masse ja Woche für Woche vorgegaukelt. Die fehlende Spannung an der Spitze ist dabei nur ein Aspekt, wenn man bedenkt, dass es fast jedes Wochenende Spiele wie Wolfsburg gegen Hoffenheim oder Augsburg gegen Darmstadt gibt.
Doch zurück zu den Bayern: Eine nationale Lösung wird es für dieses Problem nicht geben. Denn der Vorsprung ist zementiert. Auf dem berühmten Festgeldkonto der Münchner liegen immerhin 500 Millionen Euro bereit, um jedem aufkommenden Konkurrenten Paroli bieten zu können. Wer auch immer Nachfolger von Josep Guardiola werden sollte, so viel kann er gar nicht falsch machen, als dass die Bundesliga über Jahre einen spannenden Wettbewerb bieten könnte. Auf der anderen Seite schreckt mich persönlich die Idee einer Europaliga zunächst mal ab.
Daniel: Genau, das mit der Zunahme an Konzern- oder Mäzenclubs in der Liga kommt erschwerend hinzu, aber das ist in der Tat eine andere Diskussion.
Wie lässt sich mehr Chancengleichheit in der Bundesliga herstellen? Naheliegendste Überlegungen betreffen zunächst immer das Vorbild amerikanischer Profiligen, in denen Gehaltsobergrenzen sowie Draft-Systeme, die die schwächeren Teams bevorzugen, langfristig für einen gewissen Ausgleich sorgen. So kann es dann etwa in der NBA passieren, dass sowohl die Los Angeles Lakers, eines der traditionsreichsten und erfolgreichsten Teams, als auch die New York Knicks, die mit ihren schwindelerregenden Ticketpreisen Unsummen einnehmen, zu den schwächsten Mannschaften der vergangenen Saison zählten. Natürlich kann man in LA und in New York viel mehr Geld verdienen, als es in Oklahoma City oder Portland möglich ist. Aber Geld lässt sich im US-Sport eben nicht so unmittelbar in Erfolg umsetzen wie im europäischen Fußball.
Soweit, so gut. Aber die US-Ligen funktionieren allesamt als Kartelle, in denen Mannschaften vor Abstiegen ebenso geschützt sind wie vor Konkurrenz in der eigenen Stadt (mit einigen Ausnahmen großer Ballungsräume, in denen es dann aber auch nie mehr als zwei Teams in einer Liga gibt). Auf die Bundesliga lassen sich diese Modelle theoretisch trotzdem anwenden, aber wie angesprochen wäre eine Reduzierung der Ungleichheit innerhalb der Bundesliga nur um den Preis möglich, dass der Rückstand des FC Bayern auf die Premier League-Teams anwüchse (oder sich überhaupt erst auftäte: Vom Umsatz her ist Bayern reicher als 19 Premier League-Clubs).
Wenn wir innerdeutsche Lösungen also verwerfen, müssten wir uns fragen: Wie kann eine europäische Lösung aussehen? Eine solche wurde in deutschen Medien zuletzt gerne gefordert, gerade rund um das Thema „Fernsehgelder der Premier League“. Man kann dabei immer nur davon ausgehen, dass die Kommentatoren sich ein Modell vorstellen, bei dem sich die Ausgaben aller europäischen Clubs an den Möglichkeiten der Bundesligisten orientieren. Denn eine vollständige Nivellierung aller Ausgaben, so dass also etwa die moldawische Liga in Zukunft mit der spanischen konkurrieren könnte, wird ja niemand im Sinn haben (sie wäre auch völlig weltfremd). Eine Ausrichtung ganz Europas an der Bundesliga ist aber auch widersinnig – warum sollte gerade das der Maßstab sein? Außerdem löste die Nivellierung der Unterschiede zwischen verschiedenen Ligen nicht automatisch das Spannungsproblem innerhalb der Bundesliga. Sie könnte höchstens eine Voraussetzung dafür sein, eine europäisch einheitliche Regelung zumindest innerhalb der vier, fünf Topligen zu erzielen.
Doch die Premier League verdient ja das Zigfache dessen, was andere Ligen einnehmen. Warum sollte Stoke City bereit sein, auf einen Teil seiner TV-Gelder zu verzichten, damit die TSG Hoffenheim besser konkurrieren kann?
Marcus: Klingt doch erst mal super, die Bundesliga als Maß der Dinge hinzustellen. Wird schon keiner nachfragen.
Letztlich bedeutet das aber doch tatsächlich, dass die Dominanz der Bayern nicht zu stoppen ist, ohne ihren dauerhaften Verbleib an Europas Spitze zu gefährden. Und dabei ist das dauerhaft der entscheidende Aspekt, denn es wird sowohl in der Bundesliga als auch in der Champions League immer mal wieder Überraschungsmannschaften geben, die kurzfristig um die Titel mitspielen werden. Von Dauer wird das jedoch nicht sein.
Dann müssen wir also radikaler denken. Losgelöst von den nationalen Ligen könnte eine Europaliga Woche für Woche feinsten Spitzenfußball bieten. Zusammen mit den Bayern könnten Real Madrid, Barcelona, Paris St. Germain, Juventus, Manchester City, Manchester United und Chelsea eine Achterliga gründen und Europas Champion und einen Absteiger ausspielen. Mit doppelter Hin- und Rückrunde käme jede Mannschaft auf 28 Pflichtspiele, die Teilnahme am nationalen Pokal könnte diese Zahl noch etwas erhöhen. Die beanspruchten Nationalspieler hätten somit auch deutlich mehr Pausen.
Und die Bundesliga? Hätte die Spannung im Titelrennen zurück. Sogar der FC Schalke hätte wieder eine realistische Chance, erstmals seit 1958 Deutscher Meister zu werden. Oder bleibt da ohne die Bayern ein Makel im Briefkopf?
Daniel: Gut, die Europaliga. Du hast es angesprochen. Fantasieren wir mal drauf los. Warum aber nur mit acht Teams? Die Idee mit der Doppelrunde finde ich eher unattraktiv. Zum Vergleich: Heute haben englische oder spanische Topteams bis zu 60 Pflichtspiele pro Saison. Also: Man könnte schon eine Liga für 20 europäische Spitzenclubs anstreben, denke ich. Dann mit 38 Ligaspielen auf hohem Niveau, dazu nationale Pokalwettbewerbe und von mir aus auch noch ein europaweiter Pokalwettbewerb im reinen KO-Modus. Sollte sich machen lassen. Ob es in England und Frankreich dann noch zusätzliche Ligapokalwettbewerbe ohne Beteiligung der Europaliga-Teilnehmer gäbe, kann ja auf jeweiliger Verbandsebene entschieden werden.
Wichtig wäre, dass es Auf- und Abstieg gäbe. Und zwar mindestens drei Absteiger bei einer 20er-Liga (aber auch nicht mehr als vier). Darunter kann ich mir gut eine zweite europäische Liga vorstellen, oder regional mehrere Staffeln (Nord, West, Mitte, Süd, Ost oder so). Ich denke aber, dass zwei kontinentale Ligen schon tragbar wären. Man könnte sich in den unteren Ligen auf jeden Fall von den Verbandsgrenzen etwas lösen: Schottische Clubs können in England mitspielen, Belgien und die Niederlande zusammen in einer Staffel, eine Balkanliga für Serbien, Kroatien und Slowenien wie im Basketball (oder Slowenien zusammen mit Österreich, wie im Eishockey). Entscheidend ist, dass die einzelnen Ligen für sich gesehen funktionieren, und dass die sportliche Durchlässigkeit nach oben und unten gewährleistet ist.
Hätte man einen einheitlichen Organisationsverband für diese europäische Ligenpyramide, ließe sich dann tatsächlich über die Verteilung von Fernsehgeldern und Prämien sprechen, eventuell sogar über Salary Caps. Wohl gemerkt reduziert es Bayerns Vorsprung gegenüber Eintracht Frankfurt natürlich nicht, wenn Bayern in einer Europaliga spielt! Aber die Punktspiele der Bayern wären spannender und relevanter als jetzt, und Eintracht Frankfurt könnte eventuell davon träumen, in die zweite europäische Liga aufzusteigen. Und dann mal weitersehen. Durch die Beibehaltung nationaler oder regionaler Pokalwettbewerbe hätte jeder Proficlub trotzdem jedes Jahr die theoretische Chance, gegen Bayern oder Barcelona zu spielen.
Jenseits des sicher noch zu diskutierenden Themas „Welches Interesse haben die Topclubs selbst an einer solchen Liga?“, stellt sich vor allem die Frage: „Würden die nationalen/regionalen Ligen nicht massiv abgewertet?“. Einerseits ja. Zweimal im Jahr sicher gegen den FC Bayern, Juventus oder Barcelona zu spielen, das ist für viele kleinere Teams ein wesentlicher Sinn der Teilnahme an ihrer Liga. Ich persönlich finde aber die gegenwärtige Simulation von sportlichem Wettkampf, bei der der Sieger in Wirklichkeit immer schon vor dem Anpfiff feststeht, noch viel schlechter als eine Welt, in der Udinese, Ingolstadt und Leicester City halt aufsteigen oder auf den Pokal hoffen müssen, um ein solches Harlem Globetrotters-Schauspiel zu erleben, während der alltägliche Fußball dafür spannend und relevant ist – oben wie unten.
Marcus: Wenn wir über ein einheitliches Europa nachdenken, sind das interessante Gedanken. Aber nicht nur weil ich eher zu den Fußball-Romantikern gehöre, die jede Saison dem Derby zwischen Schwarz-Gelb und Königsblau entgegen fiebern, will ich nicht recht an die Umsetzung glauben. Wer legt überhaupt fest, welche Clubs in der ersten europäischen Liga starten dürfen? Und was passiert mit der 2. Bundesliga oder der 3. Liga in Deutschland. Sind Clubs aus diesen Ligen plötzlich nur noch viert- oder fünftklassig?
Aber ich beschränke mich mal auf die Ausgangsfrage. Bei zwei europäischen Ligen mit jeweils 20 Mannschaften könnten ja geschätzte sechs deutsche Mannschaften in der Europaliga dabei sein. Neben den Bayern dürften das aufgrund der Erfolge der vergangenen Jahre Dortmund, Schalke, Wolfsburg, Leverkusen und Mönchengladbach sein.
Und in der Bundesliga würden dann, orientiert an den aktuellen Tabellen, Hertha, Köln, Ingolstadt, Mainz, Darmstadt, Hamburg, Frankfurt, Bremen, Hoffenheim, Hannover, Stuttgart, Bochum, Freiburg, St. Pauli, Braunschweig, Leipzig und Fürth spielen. Spannend? Vielleicht. Interessant? Mitnichten. Und ich möchte noch einen weiteren Punkt anbringen: Sind Spiele zwischen Barcelona und Bayern, zwischen Manchester United und Real Madrid oder etwas kleiner gedacht zwischen Liverpool und Dortmund nicht solche Highlights, die man nicht selten sehen und sich dann umso mehr darauf freuen möchte? Der WM-Rhythmus sollte in meinen Augen auch nicht verändert werden.
Daniel: Da Du das Thema „Fußball-Romantik“ ansprichst, vielleicht eine Einordnung: Wir sprechen hier grundsätzlich darüber, wie Profifußball in Europa unter ökonomischen
Gesichtspunkten funktionieren kann, und dafür haben wir die Fragen aus der Perspektive des Fernsehzuschauers betrachtet. Dass es für Fans, die ihr Team auch gerne zu vielen Auswärtsspielen begleiten wollen, wünschenswert ist, wenn sie nicht jede zweite Woche durch Europa fliegen müssen, ist natürlich ein wichtiger Aspekt.
Es ist aber nicht der einzige Aspekt. Wenn es nur um Erreichbarkeit der Spielorte und möglichst viele Derbies ginge, dann müssten wir die Bundesliga abschaffen und die alten regionalen Oberligen wieder einführen. Das will im Umfeld des Profifußballs in Deutschland wohl niemand – einfach, weil die Bundesliga als Wettbewerb funktioniert hat. Sie hat die teils extrem einseitigen regionalen Ligen abgelöst, in denen die Unterschiede zu groß geworden waren (in der Oberliga Nord zum Beispiel gewann der HSV 14 von 15 Meistertiteln). Das erinnert doch an die heutige Situation in Europas nationalen Ligen, oder?
Die Einführung der Bundesliga war tatsächlich auch eng mit der Entwicklung der Medien, vor allem des Fernsehens, verzahnt. Dadurch, dass die Leute alle Spiele einer Liga verfolgen konnten, auch wenn sie hunderte Kilometer entfernt stattfanden, wurde die Bedeutung der kurzen Distanzen relativiert. Dass Fans ihre Mannschaft zu Tausenden durch ganz Deutschland zu jedem Spiel begleiten, ist wiederum eine Entwicklung, die durch bessere Verkehrsverbindungen erst nach und nach möglich geworden ist. Analog gilt das bis zu einem gewissen Grad auch für Reisen in Europa, dank billigerer Flugreisen. Für Bayern-Fans ist es übrigens wesentlich praktischer, Spiele in Mailand oder Turin zu besuchen, als in Hamburg. Und für Fans aus dem Westen ist es von der reinen Entfernung her fast egal, ob sie nach Berlin, München, Paris oder London reisen.
Gleichwohl würde eine Europaliga natürlich gravierende Nachteile für die zurückbleibenden Vereine in den nationalen Ligen mit sich bringen, das ist unbestritten. Auch hier gilt aber: Genauso war es in der Bundesliga auch. In Hamburg etwa haben alle höherklassigen Vereine, die nicht in die erste oder zweite Liga aufgestiegen sind, durch die Einführung des bundesweiten Ligasystems mindestens 80 Prozent ihrer Zuschauer verloren. Der HSV hat seine Zuschauerzahlen inzwischen verdoppelt und St. Pauli hat sie verfünffacht. Eine Ligen-Neuordnung ist eine krasse Selektion, die mehr Verlierer als Gewinner hervorbringt. Soll man deswegen aber an einem nicht mehr funktionierenden Status quo festhalten? Oder solange an ihm festhalten, wie er noch Geld abwirft?
Schließlich noch zu Deinem Wunsch, die Highlights mögen rar gesät sein. Polemisch gesagt, wäre das ja ein Argument, möglichst noch mehr Teams wie Gibraltar, Liechtenstein, Andorra und San Marino in die WM- und EM-Quali mit aufzunehmen, damit man die Klasse einer WM so richtig zu schätzen weiß. Das ist nicht meine Vorstellung davon, wie Sport organisiert sein sollte. Ich mag die Premier League, weil es da fast jede Woche ein Spitzenspiel gibt. Eine europäische Liga, in der das auch so wäre, würde ich lieben. Wohl gemerkt als Journalist und Fernsehzuschauer.
To be continued.
Sehr interessante Gedanken. Ich persönlich wäre dafür, nur eine europäische Liga zu formen. In der ersten Auflage dieser Liga spielen dann die 8 Teams, aus dem CL Viertelfinale sowie die beiden Finalisten der Euo-League. Diese Mannschaften spielen dann untereinander ihren Wettbewerb, losgelöst von den nationalen Ligen. Wären also immerhin 18 Spiele auf absolutem Top Niveau. Das ist wahrscheinlich genug. Bei den üblichen 34 bzw. 38 Spielen sind ja viele Spiele gegen deutlich unterklassige Teams dabei, die nicht so sehr an der Substanz zehren wie ein CL-K.O. Spiel. Dazu dann die nationalen Pokalspiele wie gehabt.
Die letzte Mannschaft steigt direkt wieder ab, die vorletzte muss in die Relegation. Aufsteiger wäre der Sieger der EL. Der unterlegene Finalist in der Relegation.
Ein Problem wäre eher, dass Auf- und Absteiger nicht immer aus dem gleichen Nationalverband kommen und die erste Liga der Nationalverbände somit flexibel reagieren müsste. (Mal ein Jahr mit 19 Teams statt 18 oder 20? Oder man passt die Abstiegsplätze entsprechend an, was aber die kleinen Teams noch mehr benachteiligt)
Am Ende wird es aber niemals zu absolut gleichen Vorraussetzungen aller Teams kommen. München ist nunmal einfach eine deutlich größere Stadt als Rosenheim. Ist doch klar, wo Sponsoren und Spieler lieber hingehen werden. Außerdem ist eine Liga mit „Provinzteams“ aus Darmstadt oder Augsburg auch nicht automatisch schlecht, nur weil die Stadien kleiner sind als in Kaiserslautern oder Düsseldorf.
Danke für eure interessante Diskussion!
Zum Thema Europaliga und dem Problem der weiten Reisen für die Auswärtsfans würde mir noch einfallen, dass man angelehnt an das Spielsystem der NFL auch statt einer Europaumfassenden Liga auch vielleicht mit 2 oder sogar 4 Divisionen planen könnte und dann erst in den Playoffs den Gesamtchampion kührt…
Also North, West, South und East z.B.. Wobei durchaus auch einzelne Spiele Divisionsübergreifend angesetzt werden könnten, ähnlich wie eben bei der NFL.
Wäre zwar bei genauerer Überlegung speziell für Deutschland nur interessant, wenn wir nicht in die East Division müssten und dann lauter Spiele in Russland, Polen und der Ukraine austragen müssten 😉
Ich bin ja schon lange ein Freund der Idee einer echten Europaliga. Meinetwegen in der Tat etwa so: 1. Europaliga mit sogar 22 Teams, die nicht mehr in den nationalen Ligen spielen (deswegen wären dann auch die 42 Spieltage verkraftbar), ausgespielt im klassischen Ligasystem. Darunter eine 2. Europaliga mit den besten Mannschaften der nationalen Ligen, die zugleich Qualifikationsturnier für den Aufstieg in die erste Europaliga ist, ausgespielt in etwa so wie aktuell CL/EL. Die Mannschaften der 1. Europaliga nehmen aber weiterhin an den nationalen Pokalwettbewerben teil – einen zusätzlichen europäischen Pokalwettbewerb brauchts IMHO dagegen nicht.
Ich fände das gut, glaube aber nicht, dass das kommt.
So, aber jetzt mal einen Schritt zurück: Warum soll eigentlich Europa die Lösung für das Problem der Bundesliga sein? Die Bundesliga, die so stolz auf ihre Abwehrmachnismen gegen zu großen Sponsoreneinfluss ist (50+1) und sich viel darauf zugute hält, dass die TV-Gelder wesentlich gerechter als in Spanien verteilt werden, ist aktuell die langweiligsten unter den großen Ligen Europas.
Mal zum Vergleich zwei Indikatoren zur aktuellen Tabellensituation:
a) Punkteabstand zwischen dem 1. und dem 5. der Tabelle
b) Zahl der Mannschaften, die maximal 5 Punkte Rückstand auf den Führenden haben,
sowie ein längerfristiger Indikator:
c) Zahl der Meister in den vergangenen fünf Spielzeiten
(Logischerweise gilt bei a eine möglichst niedrige Zahl als Spannungsindikator, bei b und c dagegen eine möglichst hohe.)
Also:
ENG: a) 3, b) 5, c) 3
FRA: a) 10, b) 0, c) 3
ESP: a) 4, b) 4, c) 3
POR: a) 6, b) 3, c) 2
ITA: a) 5, b) 5, c) 2
DEU: a) 13, b) 0, c) 2
Soll heißen: Deutschland schneidet, was die Spannung an der Spitze betrifft, noch schlechter als Frankreich ab. Außerdem sind die spannendsten Ligen gerade die, die stets gern wegen der vermeintlichen Unausgeglichenheit (Spanien) oder wegen hemmungsloser Offenheit für den Fußball-Kapitalismus (England) geschmäht werden.
Deswegen kann man durchaus auch mal ketzerisch fragen, warum erfolgreiche und spannende Ligen wie die PD und die PL geopfert werden sollten, nur weil Deutschland es nicht hinkriegt, ernstzunehmende nationale Konkurrenz zu den Bayern aufzubauen. Außerdem ist es ja nicht so, dass die Bayern ihre Dominanz mit unlauteren Mitteln aufgebaut hätten. Das Problem ist eher die geballte Inkompetenz, die sich an den anderen in Frage kommenden Adressen immer wieder durchgesetzt hat.
Der Gedanke, dass es in einem so großen und entwickelten Land wie Deutschland, nur 1 Verein mit Kompetenz geben soll spricht gegen jede Wahrscheinlichkeit und ist völlig absurd. Das kann doch keiner wirklich glauben. „Bern 1989“ definiere doch einmal was Deiner Meinung nach „unlautere Mittel“ sind und woher weißt du denn, dass diese nicht angewendet werden.
Hallo Tom (warum schreibt man eigentlich Nicks in Anführungszeichen?), dann nehmen wir einfach „illegal“ statt unlauter, da ist die Definition klarer. Und natürlich kann ich nicht mit Sicherheit sagen, dass die Bayern keine illegalen Mittel angewendet haben, um ihre jetzige unangefochtene Position im deutschen Klubfußball zu erreichen, aber mir sind keine Hinweise darauf bekannt, und im Rechtsstaat gibt es ein Prinzip namens Unschuldsvermutung.
Dass die Bayern anderen Vereinen die Stars wegkaufen, muss man nicht schön finden, aber verboten ist es jedenfalls nicht. Viel eher sollte man mal fragen, warum es ein Klub wie Dortmund nicht schafft zu verhindern, dass ihm jedes Jahr wesentliche Stützen des Kaders weggekauft werden (oder sich ablösefrei einen neuen Verein suchen).
Ein Großteil des Problems dürfte darin liegen, dass eigentlich alle anderen deutschen Vereine, die Anfang der 90er durchaus das Potenzial gehabt hätten, eine ähnliche Entwicklung wie die Bayern zu nehmen, irgendwann in den letzten 20 Jahren größeren Mist gebaut haben, der sie jeweils in ihrer Entwicklung erheblich zurückgeworfen hat, und die Bayern eben nicht. Das heißt nicht, dass dort überall permanente Inkompetenz regieren würde, aber es reicht auch schon eine kürzere Phase größeren Mistbauens, um auf lange Zeit den Anschluss an eine schnell voranschreitende Entwicklung zu verlieren.
Und weil die Bayern in ihrer Entwicklung hin zu einem modernen europäischen Spitzenverein eben weitergemacht haben, statt auf die Nachzügler aus dem Pott, aus Hamburg oder Stuttgart zu warten, gehören sie eben inzwischen dem exklusiven Kreis der reglmäßigen Anwärter auf den CL-Titel an und sind national ohne Konkurrenz – und die anderen deutschen Clubs gelten, wenn sie denn mal so weit kommen, spätestens im CL-VF für jeden Gegner als Glückslos. Hingegen haben es Spanien und England geschafft, jeweils 2 bis 3 Vereine hervorzubringen, die international auf dem Level der Bayern agieren – und haben daheim eine spannende Liga.
N.B.
Ich bin alles andere als ein Bayern-Fan.
Mein Vorschlag für eine europäische Ligenreform wäre eine Europaliga, vielleicht unterteilt in zwei bis vier Divisionen, bei maximal 34 – 38 Spielen pro Saison, inkl. evtl. Playoffs, um den Klub-Europameister zu küren.
Dazu noch einen europäischen Pokalwettbewerb im reinen KO-Modus, damit neben den Europaligateilnehmern, die auch daran teilnehmen, auch andere Mannschaften auf europäischer Bühne unterwegs sein können.
Die Europaliganichtteilnehmer spielen natürlich dann die nationalen Ligen wie gehabt.
Den nationalen Meister könnte man aber auf Basis eines nationalen Wettbewerbs ähnlich der jetzigen Championsleague ausspielen, anstelle des DFB-Pokals, mit den Mannschaften der ersten Liga und den deutschen Vertretern in der Europaliga.
Weil, wo ist der Wert des deutschen Meistertitels, wenn Bayern, Dortmund, Schalke und Leverkusen z.B. gar nicht mitspielen?! Ausserdem könnten dann ja diese Mannschaften gar nicht mehr deutscher Meister werden!
Das erreichbare Treble wäre dann also:
– Klubeuropameister
– Europapokalsieger
– Nationaler Meister
Und wenn einzelne Verbände wollen, könnten diese dann ja auch noch einen Nationalen Pokal auf Ko-Basis ausspielen…
Die Europaliga würd ich dann am besten in eine Nord- und Süd-Division unterteilen, auch wegen der klimatischen Unterschiede und damit die Auswärtsfans nicht zu weit resen müssen. Ausserdem könnte man dann z.B. 24 Mannschaften daran teilnehmen lassen und hätte aber nicht zu viele Spiele.
Eine 12er Division hätte also 20 Hin-und Rückspiele, dazu vielleicht 10 divisionsübergreifende Spiele und dann die Playoffs mit bis zu 5 Spielen (Viertelfinale und Halbfinale als Hin- und Rückspiel und ein Finale auf neutralem Boden)
Nach der momentanen Fünfjahreswertung würden dann folgende Mannschaften die Divisionen bilden:
Nord: Bayern, Chelsea, Arsenal, Schalke, ManU, PSG, BVB, Zenit, Bayer, City, Donetsk, Spurs
Süd: Real, Barca, Benfica, Athletico, Porto, Valencia, Juve, Napoli, Milan, Sevilla, Basel, Inter
Das mit den Divisionen kann man machen, so richtig vom Hocker haut mich der Vorschlag aber nicht. Sicherlich ist eine Aufteilung Nord-Süd sinnvoller als Ost-West, weil im letzteren Fall kaum ein ausgeglichenees Qualitätsniveau zwischen den Divisionen herstellbar wäre.
Das Problem der Distanzen für Auswärtsfans löst man so aber nicht wirklich: Die Nord-Division reicht im Zweifel von Glasgow bis Moskau und der Süden von Lissabon bis Istanbul. Und die klimatischen Unterschiede? Warum sind die wichtig?
Was spricht denn dagegen, die Europaliga im klassischen Ligasystem auszuspielen? Gut, man hätte kein Endspiel mehr, aber das vermisst in den großen nationalen Ligen ja auch niemand.
Ist ja jetzt nicht so, dass ich ein totaler Europaligaverfechter bin, aber so könnte ichs mir zumindest ansatzweise vorstellen…
Und das mit den klimatischen Unterschieden ist vielleicht in Deutschland unwichtig. In Italien oder Spanien aber ein großes Thema. Deswegen gibt es in der Championsleague ja auch eine relativ lange Winterpause…
Tatsächlich ist dies in Spanien sogar Ligaintern ein Thema, weil die Spieler z.B. von Malaga schon allein beim Auswärtsspiel in La Coruna gerne mal mit ner Erkältung zurückkommen…
Korrektur: 22 Hin- und Rückspiele 😉
Off topic:
Ich finde Euren Blog ja wirklich gut. Und im Übrigen bin ich auch nicht der Ansicht, dass ein Blog jeden Tag neuen Content braucht. Ich kann wunderwar damit leben, wenn es nur alle drei Wochen einen neuen Artikel gibt, solange er gut ist.
Aber: Muss es wirklich sein, dass es im Schnitt eine Woche, zuletzt sogar zwei, dauert, bis Kommentare freigeschaltet werden? Wenn man lebendige Diskussionen abwürgen will, ist das jedenfalls der sicherste Weg. Ich kann verstehen, dass Ihr die Kommentare vorab moderieren wollt. Aber wäre es dann nicht doch machbar, dass wenigstens einmal täglich einer von Euch da drauf schaut und freischaltet?
Hallo, zu diesem Einwand: Da hast Du völlig Recht! Sorry für die lange Verzögerung, wir geloben Besserung! Vielen Dank fürs Feedback und die interessanten Diskussionen zu unseren Artikeln!
Eine europäische Lösung wird wohl auf absehbare Zeit nicht kommen. Die Champions League krankt auch (noch) nicht an der Einseitigkeit wie z.B. die Bundesliga. Ich denke das Problem sollte erstmal auf Länderebene angegangen werden, und das nicht, in dem man die besten Vereine einfach ausgliedert. Ich denke eine Anpassung der Verteilung der Fernsehgelder könnte da ein Ansatz sein.
Andererseits gibt es ja immer Phasen, in denen ein Verein (meist die Bayern) dominant ist. Ende der 60er, bis Ende der 70er war die Bundesliga auch relativ vorhersehbar.
Für die Langweile an der Spitze sind die anderen Vereine verantwortlich und nicht der FCB.
Der BVB wird wieder angreifen und auch die anderen Klubs werden ihm wieder die Stirn bieten können.
Ansonsten konnte man ja auf eine Tischkicker-Liga ausweichen, da bleibt es bestimmt spannend 😉