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Die Europarangliste im Oktober 2015

Ende Oktober. Je nach kulturellen Vorlieben Zeit für Laterne Laufen, Kürbis Aushöhlen oder Saisonprognosen Revidieren. Das also, was Moderator Malte Asmus in der Radioversion unserer Europarangliste gerne den „Realitätscheck“ nennt. Nach dem Motto „Hier die Wirklichkeit, dort das, was die Clowns von Gegen den Ball geschrieben haben“.

Wer zuletzt lacht, lacht am besten, aber solange können wir nicht warten. Daher haben wir rechtzeitig zum dritten Champions League-Spieltag die zweite Ausgabe unserer Europarangliste erstellt. Dabei haben einige Resultate durchaus zu Anpassungen geführt, nach rund zehn Spieltagen in vielen Ligen sprechen wir ja auch nicht mehr von Momentaufnahmen. Wie sehr die Form der letzten Wochen tatsächlich Aufschluss über die Substanz eines Kaders gibt, das sehen wir von Fall zu Fall unterschiedlich.

Sicher ist aber, dass die Ultima Ratio unseres Rankings immer die sportlichen Resultate sind. Eine Mannschaft kann also nur „besser sein als ihr Tabellenplatz“, solange sie entweder a) noch genug Zeit hat, das zu beweisen oder b) durch Ergebnisse in anderen wichtigen Wettbewerben, vor allem der Champions League, ihr „wahres Gesicht“ zeigt. Wer am Ende der Saison auf Platz 15 seiner Liga steht und in der Champions League-Vorrunde ausgeschieden ist, der hat in der Europarangliste nichts zu suchen, unabhängig davon, wie sympathisch seine Spieler oder wie innovativ seine Spielphilosophie ist. Abgerechnet wird Ende Mai.

Hier aber die aktuelle Liste für den Oktober. Rausgefallen sind deutlich Olympique Lyonnais (schon zehn Punkte Rückstand in der Ligue 1, dazu enttäuschende Ergebnisse in der Champions League) sowie Internazionale, das schon knapper.

Die Texte zu den einzelnen Clubs stammen von Marcus Krämer (krä) und Daniel Raecke (dan).

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20. (neu) Napoli

Serie A: Vierter
Europa League: Gruppenphase mit Club Brugge, FC Midtjylland und Legia Warszawa
Coppa Italia: Start im Achtelfinale
Pflichtspielbilanz: 6-3-1 (Punkteschnitt 2,1)

In der ersten Ausgabe dieser Saison hatten wir Internazionale auf Bewährung mit in die Rangliste genommen. Seitdem wurden drei Spiele nicht gewonnen, zudem krankt das System von Trainer Roberto Mancini immer noch an der fehlenden Kreativität und Effektivität im Angriff – trotz der vielen guten Neuzugänge. Deshalb haben wir mit Napoli einen anderen Club aus der Serie A hereingenommen. Seit dem holprigen Saisonstart hat der neue Trainer Maurizio Sarri die richtige Mischung gefunden, vor allem die Offensive mit Torjäger Gonzalo Higuaín, Antreiber Marek Hamsik und dem großartig aufspielenden Lorenzo Insigne drehte mit 20 Toren in sieben Spielen auf. In der ausgeglichenen italienischen Liga gehört Napoli damit zu den großen Titelanwärtern – auch weil Inter und Tabellenführer Fiorentina die Konstanz fehlt. (krä)

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19. (neu) Schalke 04

Bundesliga: Dritter
Europa League: Vorrunde mit APOEL, Asteras Tripolis und Sparta Praha
DFB-Pokal: Zweite Runde gegen Borussia Mönchengladbach
Pflichtspielbilanz: 9-1-2 (Punkteschnitt 2,33)

Der Schalker Saisonstart war hervorragend. Um die reinen Ergebnisse einzuordnen: In der Vorsaison betrug Schalkes Punkteschnitt in Pflichtspielen am Ende 1,37. Der aktuelle Schnitt von 2,33 aus den ersten zwölf Saisonspielen ist besser als der des FC Bayern in der gesamten Vorsaison. Einschränkend muss allerdings auch gesagt werden, dass Schalke letzte Saison Champions League spielte, diese Saison fließen Spiele gegen Duisburg, APOEL und Asteras mit ein, während die Knappen gegen Bayern, Dortmund, Leverkusen und Gladbach noch gar nicht gespielt haben. Der einzige Europacupteilnehmer, den Schalke schon hatte, war Wolfsburg. Dort verlor man mit 0:3. Vorsicht ist bei der Beurteilung der Resultate also angebracht. Die große Frage „Wie stark ist die Bundesliga wirklich?“ wird hierzulande selten konsequent diskutiert, weil die Tatsache, dass eine der besten Mannschaften der Welt in der Liga spielt, den internationalen Punkteschnitt so sehr nach oben reißt, dass viele Fans in Deutschland gar nicht merken, dass zum Beispiel jenseits der Bayern seit 13 Jahren kein Bundesligist mehr eine Premier League-Mannschaft in KO-Spielen der Champions League besiegt hat. Wäre Schalke dazu in der Lage, eine englische Spitzenmannschaft zu schlagen? Wahrscheinlich nicht, aber wir stufen die Gelsenkirchener vorerst mal auf Platz 19 ein und warten, was die schweren Spiele in den nächsten Wochen zeigen. (dan)

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18. (-2) VfL Wolfsburg

Champions League: Gruppenphase mit Manchester United, PSV Eindhoven und CSKA Moskva
Bundesliga: Vierter
DFB-Pokal: Zweite Runde gegen Bayern München
Pflichtspielbilanz: 6-4-3 (Punkteschnitt 1,69)

Den Platz als viertbestes deutsches Team in der Europarangliste haben die Wolfsburger verteidigt, obwohl zwischenzeitlich Leistungen und Ergebnisse nicht mehr stimmten und die Umstellungen nach dem Abgang von Kevin de Bruyne für Probleme sorgten. Eklatant ist vor allem die Auswärtsschwäche, außer bei den Stuttgarter Kickers im DFB-Pokal konnte das Team von Trainer Dieter Hecking noch kein Spiel in der Fremde gewinnen. Trotzdem gehören die Wölfe in die Top 20, denn im Kader stehen mit Ricardo Rodríguez, Julian Draxler, André Schürrle, Max Kruse und Bas Dost weiterhin viele exzellente Spieler – die Hecking in den kommenden Wochen und Monaten aber erst noch zu Bestleistungen führen muss. (krä)

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17. (=) Liverpool

Premier League: Zehnter
Europa League: Vorrunde mit Girondins de Bordeaux, FC Sion und Rubin Kazan
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Achtelfinale gegen Bournemouth
Pflichtspielbilanz: 3-7-2 (Punkteschnitt 1,33)

Seien wir ehrlich: Ohne den Trainerwechsel von Brendan Rodgers zu Jürgen Klopp wären die Reds wohl aus der Liste gefallen. Nur einen einzigen Sieg gab es für Liverpool aus den letzten zehn Pflichtspielen, in denen der LFC unter anderem Heimspiele gegen Carlisle United und den FC Sion hatte. Mit Klopp hat man sich jetzt allerdings einen vielversprechenden Trainer geholt. Dass das eine gute Idee ist, lässt sich nicht bestreiten. In welchem Ausmaß der Hype um ihn berechtigt ist, ist eine andere Frage. Genauer: Die weit verbreitete Auffassung, die relative Schwäche englischer Mannschaften in der Champions League in den letzten Jahren läge an taktischen Defiziten („Hallo England, hier kommt das Pressing!“ zwischentitelte René Maric bei Spielverlagerung), und Klopp werde nun als Entwicklungshelfer den Engländern mal zeigen, wie es geht, ist schon sehr einseitig: Warum sollten alle Premier League-Teams zu dumm sein, um die „richtige“ Taktik anzuwenden? Die Bedingungen, unter denen in der englischen Liga gespielt wird (viel mehr Pflichtspiele, höheres Niveau in Spielen gegen kleinere Teams, keine Winterpause) werden auch Klopp noch Probleme bereiten. Warum glauben wir trotzdem, dass Klopp die Reds besser machen wird? Nicht, weil Klopp ein „deutscher“ oder ein „Pressingtrainer“ wäre. Sondern, weil er ein sehr guter Trainer ist. Sehr gute Trainer sind aber auch Louis van Gaal, José Mourinho und Manuel Pellegrini. Soll heißen: Platz vier am Saisonende wäre schon ein sehr gutes Ergebnis für Liverpool. (dan)

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16. (-5) Valencia

Champions League: Vorrunde mit Olympique Lyonnais, Zenit und KAA Gent
La Liga: Achter
Copa del Rey: Vierte Runde gegen Barakaldo
Pflichtspielbilanz: 5-3-4 (Punkteschnitt 1,5)

Eine ganze Saison lang haben wir Nuno Espírito Santo und Valencia in der Rangliste geführt und immer gesagt: „Man wird abwarten müssen, wie sich die Mannschaft schlägt, wenn erst die Doppelbelastung der Champions League dazukommt“. Jetzt können wir es erstmals ansatzweise beurteilen: holprig. Sowohl in der Liga als auch in der Champions League sind die Ergebnisse durchwachsen. In beiden Fällen ist es aber zu früh, um den Stab über die Ches zu brechen. Sie liegen vier Punkte hinter Platz vier in Spanien und haben bei jetzt anstehenden zwei Spielen gegen Gent in Europa alle Chancen, sich ihren Saisonzielen (Achtelfinale in der CL und erneute Qualifikation für die Königsklasse) zu nähern. Allerdings fehlen bisher noch jegliche Spiele gegen andere Vertreter aus dem Ranking: Real Madrid, Barcelona, Atlético, Sevilla, und auch die beiden Überraschungsteams Villarreal und Celta kommen erst noch. (dan)

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15. (+4) Tottenham Hotspur

Premier League: Siebter
Europa League: Gruppenphase mit AS Monaco, RSC Anderlecht und Qarabag FK
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Aus in der dritten Runde gegen Arsenal
Pflichtspielbilanz: 4-6-2 (Punkteschnitt 1,5)

Die Pflichtspielbilanz der Spurs springt ins Auge: Die Hälfte aller Spiele endeten unentschieden. In der Liga verloren die Londoner seit dem ersten Spieltag nicht mehr, viele Spiele werden überlegen gestaltet. Aber Harry Kane trifft in dieser Saison nicht mehr herausragend oft, sondern leicht unterdurchschnittlich. So fällt es der Mannschaft von Mauricio Pochettino schwer, Chancen nicht nur zu generieren, sondern auch zu verwerten. Defensiv sieht es, zumal wenn Hugo Lloris im Tor steht, besser aus: Tottenham hat die beste Abwehr der Premier League und hat mit seinem Kapitän Lloris seit Anfang Mai kein Pflichtspiel mehr verloren. Das 4:1 gegen Manchester City zeigte zudem, was möglich sein kann. Wenn die Offensive sich verbessert, sogar ein Kandidat für Platz vier. (dan)

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14. (-1) Bayer Leverkusen

Champions League: Gruppenphase mit Barcelona, Roma und BATE Borisov
Bundesliga: Siebter
DFB-Pokal: Zweite Runde bei Viktoria Köln
Pflichtspielbilanz: 7-2-5 (Punkteschnitt 1,64)

Warum steht Leverkusen als Siebter der Bundesliga vor Wolfsburg und Schalke? Wie kann ein Team mit nur acht erzielten Toren in der Liga so hoch in der Europarangliste stehen? Die Antworten kennen die erfahrenen Leser unserer Rangliste: Die aktuellen Ergebnisse sind nur ein Aspekt, genauso stark bewerten wir das Potenzial des Kaders und die Fähigkeiten der Trainer. Und Roger Schmidt ist unserer Meinung nach ein besserer Coach als André Breitenreiter und auch als Dieter Hecking. Allerdings haben die Abgänge von Son Heung-Min und vor allem von Simon Rolfes sowie Gonzalo Castro das Gleichgewicht dieser gut ausgewogenen Mannschaft durcheinandergebracht. Christoph Kramer kann nach seiner Rückkehr noch nicht an die Leistungen in Mönchengladbach anknüpfen, aber Schmidt hat schon in der vergangenen Saison bewiesen, mit kleinen Änderungen für großen Ertrag sorgen zu können. (krä)

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13. (-1) Roma

Champions League: Gruppenphase mit Barcelona, Bayer Leverkusen und BATE Borisov
Serie A: Zweiter
Coppa Italia: Start im Achtelfinale
Pflichtspielbilanz: 5-3-2 (Punkteschnitt 1,8)

In der Champions League kommt es an den kommenden beiden Spieltagen zu den direkten Duellen mit Bayer Leverkusen um Platz zwei hinter dem FC Barcelona. Daran ändert auch die blamable Niederlage der Roma in Borisov nichts. Wir schätzen die Roma etwas stärker als Bayer ein, haben sie deshalb knapp vor dem Bundesligisten platziert – und werden uns in der nächsten Ausgabe selbst hinterfragen müssen. Was man festhalten kann, ist die fehlende Konstanz. Gegen Juventus (2:1) und Barcelona (1:1) überzeugte das Team von Trainer Rudi Garcia mit guter Organisation und taktischem Geschick. Gegen Borisov (2:3) und Sampdoria (1:2) blieb die Roma als spielbestimmende Mannschaft aber blass und zeigte defensive Schwächen. Wie für Napoli gilt aber auch für die AS: Wegen des schlechten Saisonstarts von Juventus ist der Scudetto mal wieder möglich. (krä)

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12. (+3) Sevilla

Champions League: Gruppenphase mit Manchester City, Juventus und Borussia Mönchengladbach
La Liga: 13.
Copa del Rey: Start in der vierten Runde gegen Logrones
Pflichtspielbilanz: 3-3-4 (Punkteschnitt 1,2)

Mit der Platzierung des FC Sevilla lehnen wir uns weit aus dem Fenster – bis zur nächsten Länderspielpause mit Partien gegen Manchester City, Villarreal und Real Madrid werden wir wissen, ob zurecht. Unai Emery ist ein hervorragender Trainer, der Kader ist sehr ausgeglichen besetzt, hat mit Grzegorz Krychowiak, Vitolo, José Antonio Reyes und Kévin Gameiro aber auch unersetzbare Stammspieler. In dieser Saison stimmen die Ergebnisse zumeist noch nicht, wie der schlechte Punkteschnitt (1,2) zeigt. Aber da waren eben auch die starken Spiele gegen Barcelona (2:1) und Mönchengladbach (3:0), was ein Weiterkommen in der Champions League möglich erscheinen lässt. An internationaler Erfahrung mangelt es Sevilla nach zwei gewonnenen Europa-League-Titeln in Folge ohnehin nicht. (krä)

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11. (-1) Atlético de Madrid

Champions League: Gruppenphase mit Benfica, Astana und Galatasaray
La Liga: Vierter
Copa del Rey: Start in der vierten Runde gegen Reus
Pflichtspielbilanz: 6-1-3 (Punkteschnitt 1,9)

Der Hauptgrund dafür, dass wir Atlético gegenüber der September-Rangliste noch etwas weiter abgestuft haben? Die Heimniederlage gegen Benfica in der Champions League. Sie wird zwar aller Voraussicht nach nicht das Achtelfinale kosten, in den jetzt anstehenden beiden Spielen gegen Astana sollte der Grundstein fürs Weiterkommen gelegt werden. In der Liga mischten sich gute Ergebnisse (3:0 in Sevilla) mit erwartbaren (1:2 gegen Barcelona, 1:1 gegen Real Madrid). Alles in allem ein deutliches Indiz dafür, dass Atlético die Nummer drei in Spanien bleiben dürfte. Mehr aber auch nicht, denn das Gefühl, dass sie mit ihrer unangenehmen Spielweise jeden Gegner Europas schlagen kann, strahlt diese Mannschaft aktuell nicht aus. Auch sollte eine europäische Spitzenmannschaft nicht so abhängig von einem Spieler sein, wie es Atlético aktuell von Antoine Griezmann ist. (dan)

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10. (-4) Juventus

Champions League: Gruppenphase mit Manchester City, Sevilla und Borussia Mönchengladbach
Serie A: 14.
Coppa Italia: Start im Achtelfinale
Pflichtspielbilanz: 5-3-3 (Punkteschnitt 1,64)

La Vecchia Signora könnte der Nachfolger des BVB werden. Große Probleme in der heimischen Liga, international mit starken Ergebnissen. So hielten sich die Dortmunder in der vergangenen Saison konstant in der Europarangliste, obwohl es in der Bundesliga zwischenzeitlich sogar gegen den Abstieg ging. Ganz so dramatisch ist es bei Juventus noch nicht, war es beim BVB nach acht Spieltagen aber auch noch nicht. Immerhin stimmt bei den Turinern der Trend, auch wenn das 0:0 am vergangenen Wochenende gegen Inter etwas glücklich zustande kam. Die schwierige CL-Gruppe führt Juve mit sechs Punkten souverän an, gegen Mönchengladbach könnte in den kommenden zwei Wochen schon der Einzug ins Achtelfinale perfekt gemacht werden. Und das ist sehr hoch zu bewerten. (krä)

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9. (=) Arsenal

Champions League: Vorrunde mit Bayern München, Olympiakos und Dinamo Zagreb
Premier League: Zweiter
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Achtelfinale bei Sheffield Wednesday
Pflichtspielbilanz: 8-1-4 (Punkteschnitt 1,92)

Sieht man sich die Form Arsenals in den heimischen Wettbewerben an, dann müsste man die Gunners eigentlich höher bewerten: Vier Siege in Folge, darunter ein 3:0 gegen United und ein Sieg im Ligapokal an der White Hart Lane, elf Tore in den letzten drei Premier League-Spielen, das klingt so, wie es oft auch aussieht, wenn man Arsenal spielen sieht: Nach einem Titelkandidaten. Wir wollen in dieser etwas rätselhaften Premier League-Saison auch nicht einmal ausschließen, dass Arsenal weiter ganz oben mitspielt. Doch die beiden Niederlagen in der Champions League in Zagreb und gegen Olympiakos wiegen so schwer, dass eine Verbesserung der Gunners in der Rangliste nicht in Frage kommt. Jetzt spielt Arsenal zweimal gegen Bayern. Werden diese Spiele verloren, könnte das Thema Champions League schon nach dem vierten Spieltag vorbei sein für Arsène Wenger. Aber, auch wenn ich diese persönliche Anmerkung wahrscheinlich auf mehreren Ebenen noch bereuen werde: Es scheint nicht ausgeschlossen, dass Arsenal gegen die Münchner punktet. (dan)

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8. (=) Borussia Dortmund

Bundesliga: Zweiter
Europa League: Gruppenphase mit FK Krasnodar, PAOK und Gabala
DFB-Pokal: Zweite Runde gegen SC Paderborn
Pflichtspielbilanz: 12-3-1 (Punkteschnitt 2,44)

Die deutliche Niederlage beim FC Bayern taugt nur bedingt dazu, einen Schatten auf die bisherige Saison des BVB zu legen. Die Münchner sind der nationalen Konkurrenz soweit enteilt, dass die Idee der Kollegen von taz.de, bis zur ersten Niederlage auf eine Berichterstattung über die Bayern zu verzichten, nachvollziehbar ist. Wegen des frühen Einstiegs in die Europa League haben die Dortmunder bereits 16 Pflichtspiele absolviert, die Bilanz ist hervorragend und könnte noch besser sein, wenn die notwendige Rotation von Trainer Thomas Tuchel nicht zu Leistungsschwankungen geführt hätte. Eine Verbesserung dieses Makels dürfte die größte Herausforderung der kommenden Wochen sein, denn nun folgen bis zum 8. November vermeintlich leichte Aufgaben gegen Qabala, Augsburg, Paderborn, Bremen, Qabala und als Höhepunkt das Derby gegen Schalke 04. In jedem Fall ist der BVB derzeit das zweitbeste deutsche Team hinter, ja hinter wem noch mal? (krä)

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7. (-2) Chelsea

Champions League: Vorrunde mit Maccabi Tel Aviv, Porto und Dynamo Kyiv
Premier League: Zwölfter
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Achtelfinale bei Stoke City
Pflichtspielbilanz: 5-2-6 (Punkteschnitt 1,31)

Wir haben die Blues nur um zwei Plätze abgestuft. Eine negative Bilanz nach 13 Spielen würde im Normalfall natürlich niemals für einen Top Ten-Platz in der Europarangliste reichen. Was ist hier der Normalfall? Offensichtlich stimmt bei den Blues einiges nicht. Vieles spricht auch dagegen, dass José Mourinho bald wieder in die Erfolgsspur zurückkehrt. Allerdings zählen dazu weiter auch eher „weiche“ Argumente, also Spekulationen über die Motivation des Trainers oder die Beobachtung, dass er selten länger als zwei Jahre erfolgreich bei einem Club arbeitete. Solche Faktoren bewerten wir allerdings nur am Rande. Entscheidender ist die Frage: Ist Chelsea, wenn die Normalform zurück ist, immer noch der Einzug ins Viertelfinale der Champions League zuzutrauen? Wir denken: ja. (dan)

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6. (+1) Manchester United

Champions League: Vorrunde mit VfL Wolfsburg, PSV Eindhoven und CSKA Moskva
Premier League: Dritter
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Achtelfinale gegen Middlesbrough
Pflichtspielbilanz: 10-1-3 (Punkteschnitt 2,21)

Betrachtet man nur das direkte Duell zwischen United und Arsenal Anfang Oktober, so ist nicht ersichtlich, warum wir die Red Devils immer noch besser einstufen als die Gunners. Das 3:0 für das Team von Arsène Wenger war schon sehr deutlich. Und normalerweise zählt der direkte Vergleich bei uns ja in Streitfällen durchaus. Aber in diesem speziellen Fall gibt es andere Erwägungen: Arsenal hat wiederum bei und gegen West Ham verloren, gegen Liverpool gab es nur ein Unentschieden. Zudem unterlagen die Londoner zwei sehr schwachen Gegnern in der Champions League und stehen vor dem Vorrundenaus, während United hier noch alle Chancen aufs Achtelfinale hat. Insgesamt finden wir den Kader von United auch einfach stärker. Schließlich ist Louis van Gaal als Trainer ein leichter Pluspunkt gegenüber Arsène Wenger, dem es zwar nicht an Erfahrung, inzwischen aber etwas an Flexibilität fehlt. (dan)

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5. (-2) Manchester City

Champions League: Vorrunde mit Borussia Mönchengladbach, Sevilla und Juventus
Premier League: Erster
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Achtelfinale gegen Crystal Palace
Pflichtspielbilanz: 9-0-3 (Punkteschnitt 2,25)

Dass wir City um zwei Plätze abgewertet haben, liegt weniger an den eigenen Resultaten der Citizens. Die Heimniederlage gegen Juventus war insgesamt unglücklich, das 1:4 bei Tottenham zwar deutlich, aber auch hier war City lange Zeit besser und wurde gleich bei zwei Gegentoren von Fehlentscheidungen benachteiligt. In Mönchengladbach mochten die deutschen Medien hinterher die Geschichte von den tragischen Verlierern noch so sehr ausbreiten – hier war der Sieg Citys verdient. Den Misserfolgen stehen beeindruckend deutliche Siege in der Premier League entgegen. Sie untermauern den Eindruck, dass das Team von Manuel Pellegrini in dieser Saison die beste englische Mannschaft stellt. Der Grund für die Abstufung wiederum ist eher bei den beiden Clubs zu sehen, die City überholt haben: Madrid und PSG machen auf uns inzwischen einen noch stärkeren und stabileren Eindruck. (dan)

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4. (+2) Real Madrid

Champions League: Gruppenphase mit Paris Saint-Germain, Malmö FF und Shakhtar Donetsk
La Liga: Erster
Copa del Rey: Start in der vierten Runde gegen Cádiz
Pflichtspielbilanz: 7-3-0 (Punkteschnitt 2,4)

Unsere Zweifel an den Fähigkeiten von Rafael Benítez, aus einer Ansammlung von Top-Stars eine funktionierende Mannschaft für große Titel zu formen, haben wir in der ersten Ausgabe bereits beschrieben. Die sind nicht komplett weggewischt, aber dem bisherigen Weg Reals gebührt Respekt. Wer in zehn Spielen nur zwei Gegentore kassiert, hat den Schwerpunkt auf die richtigen Dinge gelegt, denn wer Cristiano Ronaldo, Karim Benzema, Gareth Bale und James Rodríguez in seinen Reihen hat, kann sich auf eigene Torerfolge sicher verlassen. Deshalb steigen die Königlichen in unserer Rangliste. (krä)

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3. (+1) Paris Saint-Germain

Champions League: Vorrunde mit Real Madrid, Shakhtar Donetsk und Malmö FF
Ligue 1: Erster
Coupe de France: Start in der neunten Runde
Coupe de la Ligue: Start im Achtelfinale
Pflichtspielbilanz: 11-2-0 (Punkteschnitt 2,69)

Man könnte einwenden, dass die phänomenale Bilanz von PSG in der bisherigen Saison der schwachen Ligue 1 geschuldet ist. Da ist etwas dran. Aber das gleiche lässt sich in kaum abgemilderter Form auch über den FC Bayern sagen. Der hat nämlich in der bisherigen Saison außer gegen deutsche Teams nur gegen Olympiakos und Dinamo Zagreb gewonnen. PSG schlug Malmö und Shakhtar, was sich nicht viel gibt. Zwar ist die Bundesliga insgesamt stärker als die französische Liga. Aber wir zweifeln ja auch nicht daran, dass Bayern die momentan beste Mannschaft Europas ist. Genau wie die Münchner in den nun anstehenden beiden Spielen gegen Arsenal Gelegenheit haben, diesen Status zu untermauern, bietet sich PSG in zwei Begegnungen mit Real Madrid die Chance, unsere positive Einschätzung zu bestätigen. Wir sehen den Kader des französischen Meisters jedenfalls insgesamt mindestens auf Augenhöhe mit dem der Madrilenen. (dan)

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2. (=) Barcelona

Champions League: Gruppenphase mit Bayer Leverkusen, Roma und BATE Borisov
La Liga: Dritter
Copa del Rey: Start in der vierten Runde gegen Villanovense
Pflichtspielbilanz: 8-2-3 (Punkteschnitt 2)

Ob die Lichtgestalt Franz Beckenbauer nach den Recherchen des Spiegel stürzen wird, werden erst die kommenden Wochen und Monate zeigen. Den Status als „Experte“ hat Beckenbauer schon lange nicht mehr verdient, erst vor wenigen Wochen sagte er, der FC Barcelona sei ohne Lionel Messi „nur eine durchschnittliche Mannschaft“. Welch abstruser Gedanke, auch wenn der Torjäger seiner Mannschaft merklich fehlt. Gar nicht unbedingt als Torgarant, sondern eher als Initiator überraschender Angriffe aus dem Mittelfeld heraus, das Überraschungsmoment bei Barça ist Messi vorbehalten. Das größere Problem ist der etwas zu kleine Kader, denn neben Messi fehlen derzeit auch Andrés Iniesta und Rafinha, zudem sind Arda Turan und Aleix Vidal noch nicht spielberechtigt. Aber die entscheidenden Spiele in der Champions League steigen erst im kommenden Jahr und dann wird dieses Quintett wieder für mehr Kadertiefe sorgen. (krä)

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1. (=) Bayern München

Champions League: Gruppenphase mit Arsenal, Dinamo Zagreb und Olympiakos
Bundesliga: Erster
DFB-Pokal: Zweite Runde bei VfL Wolfsburg
Pflichtspielbilanz: 12-1-0 (Punkteschnitt 2,85)

Uns ist kein plausibler Grund eingefallen, den FC Bayern abzustufen. In der Bundesliga gibt es keinen ernsthaften Gegner mehr, was im Frühjahr wieder für Probleme sorgen könnte. Allerdings haben die Verantwortlichen in München alles dafür getan, dass dieser Stolperstein umdribbelt werden kann. Douglas Costa, Arturo Vidal und Kingsley Coman haben die Mannschaft nochmals verstärkt, die derzeitigen Verletzungsprobleme (Benatia, Badstuber, Ribéry, Robben, Götze, Rode) fallen bei dieser Kadertiefe nicht ins Gewicht und werden von Josep Guardiola nicht mal thematisiert. Es bleibt dabei: Der FC Bayern bleibt der Topfavorit auf den Champions-League-Titel. (krä)

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Die Europarangliste im Mai 2015

Die Europarangliste ist zurück. Nachdem das Ranking im vergangenen Monat ausfallen musste, küren wir vier Wochen vor Saisonschluss zum vorletzten Mal Europas Top 20. Es gibt Auf- und Absteiger, drei Teams mussten komplett weichen und mit den Plätzen an der Spitze legen wir auch die Favoritenrollen im Halbfinale der Champions League fest. Und es gibt wie immer auch einen Stichtag: Bis einschließlich Montag, 4. Mai, sind alle Ergebnisse erfasst.

20. (neu) Lazio

Serie A: Dritter
Coppa Italia: Finale gegen Juventus
Pflichtspielbilanz: 24-7-9 (Punkteschnitt 1,98)

Schreibt man derzeit über Lazio, kommt man nicht am Stadtrivalen Roma vorbei. Zum Ende der Hinrunde hatte die hoch gehandelte und auch in dieser Rangliste stets vertretene Roma einen Vorsprung von zehn Punkten in der Tabelle der Serie A. Fast vier Monate später hat sich in der italienischen Hauptstadt das Blatt gewendet – zumindest fast. Feierte Lazio zwischenzeitlich acht Ligasiege hintereinander, stolperte das Team des taktisch unflexibel agierenden Trainers Rudi Garcia nur noch durch die Serie A. Das 1:1 wurde zum Standardergebnis der Roma, Lazio wiederum zog auch noch ins Pokalfinale ein. Dass das Polster der Roma im Kampf um Tabellenplatz zwei hinter Juve nicht schon komplett aufgebraucht ist, liegt an Lazios Remis des vergangenen Spieltags bei Atalanta. Am 24. Mai kommt es im Stadio Olimpico zum Showdown der beiden Clubs um die Vizemeisterschaft, wir glauben an das Happy End für Lazio und Miroslav Klose (zwölf Saisontore). Deshalb sind die Laziali neu eingestiegen – und die Roma nach Platz 18 im März rausgeflogen. (krä)

19. (-2) Borussia Dortmund

Champions League: Aus im Achtelfinale gegen Juventus
Bundesliga: Neunter
DFB-Pokal: Finale gegen VfL Wolfsburg
Bilanz: 20-9-16 (Schnitt 1,53)

Ach ja, der BVB und die Europarangliste. Schwieriges Thema. Zumindest in dieser Saison. Letztlich haben wir uns immer für den Verbleib der Dortmunder in Europas Top 20 entschieden, so bleibt es auch in der vorletzten Ausgabe. Rufen wir uns die Fakten in Erinnerung:

  • Vorletzter Platz in der Bundesliga nach der Hinrunde.
  • Gruppensieg in der Champions League.
  • Im Achtelfinale dann kläglich an Juventus gescheitert.
  • Fünftbestes Rückrundenteam.
  • Spielerisch auch nach dem Aufschwung mit großen Defiziten.
  • Bereit für große, wenn auch glückliche Spiele wie im Pokal gegen die Bayern.

In der Winterpause schrieb ich über die Unwahrscheinlichkeit eines internationalen Startplatzes. Gewinnt der BVB die letzten drei Saisonspiele, käme das Team des scheidenden Trainer Jürgen Klopp auf 49 Punkte. Dieser abstrus niedrige Wert dürfte dann für die Europa League reichen, weil nahezu alle Konkurrenten eine noch schlechtere Rückrunde spielen. Und schon sind wir beim FC Schalke, den Sie in dieser Rangliste vergeblich suchen werden. Das mag im Gesamtvergleich dieser beiden Clubs unfair erscheinen. Aber S04 schafft es derzeit auf keiner Ebene, das riesige Potenzial auszuschöpfen. (krä)

18. (neu) Borussia Mönchengladbach

Bundesliga: Dritter
Europa League: Aus in der 2. Runde gegen Sevilla
DFB-Pokal: Aus im Viertelfinale gegen Arminia Bielefeld
Bilanz: 25-13-7 (Schnitt 1,96)

An dieser Rückrunde mit minimalen Schönheitsfehlern führt kein Weg mehr vorbei. Die Gladbacher starteten nach der Winterpause punktgleich mit dem FC Schalke, verloren am 20. Spieltag sogar in Gelsenkirchen – und haben insgesamt trotzdem 15 Punkte mehr geholt als der vermeintliche Konkurrent um die Champions League-Plätze. Herausragend waren die Siege gegen Bayern und Dortmund, als die beste Abwehrreihe der Rückrunde (sieben Gegentore) fast keine Gelegenheiten zuließ und die wenigen eigenen Torchancen ungewöhnlich cool für warmblütige Fohlen ausgenutzt wurden. Kurz zu den Schönheitsfehlern: Sevilla ist international noch deutlich erfahrener, das Aus in der Europa League war eine logische Konsequenz. Das Pokalaus gegen Bielefeld war ärgerlicher, da verspielte die Borussia die große Chance auf einen Titel. Deshalb geht es in der Rangliste vorerst auch nicht höher. (krä)

17. (-3) Tottenham Hotspur

Premier League: Sechster
Europa League: Aus in der zweiten Runde gegen Fiorentina
FA Cup: Aus in der vierten Runde gegen Leicester City
League Cup: Niederlage im Finale gegen Chelsea
Bilanz: 27-13-14 (Schnitt 1,74)

Nach 54 Pflichtspielen fragen sich manche Fans und Beobachter der Spurs, wie sie die Saison bewerten sollen. Platz sechs in der Liga wäre nicht mehr und nicht weniger als das, was man nach den investierten Mitteln erwarten könnte: Die fünf Clubs, die mehr Geld für ihren Kader ausgeben als die Londoner, sind genau die fünf, die in der Tabelle vor Tottenham rangieren. In den Pokalwettbewerben ist die Bilanz ordentlich, aber nicht überragend. Die abschließende Bewertung der Arbeit von Maurício Pochettino muss so bis zur nächsten Saison warten. Aber verspricht die Besserung? Hilfreich beim neuen Anlauf auf die Champions League-Ränge wäre sicherlich das Verpassen der Europa League. Das ginge aber nur, wenn man sich noch von Southampton überholen ließe und Arsenal im Pokalfinale Aston Villa unterläge. (dan)

16. (neu) Sevilla

La Liga: Fünfter
Europa League: Halbfinale gegen Fiorentina
Copa del Rey: Aus im Viertelfinale gegen Espanyol
Pflichtspielbilanz: 34-9-10 (Punkteschnitt 2,09)

Der FC Sevilla stand schon länger auf unserer Liste, hat es aber erst jetzt in die Europarangliste geschafft. Und das nach der ersten Pleite nach zuvor 15 Pflichtspielen ohne Niederlage. Der Gegner hieß aber auch Real Madrid und Sevilla schlug sich beim 2:3 achtbar. Ohnehin hatte zuvor die Schwäche in den Spitzenspielen in der Primera División für unsere Missachtung gesorgt. Gegen Valencia (1:1 und 1:3), Atlético (0:4 und 0:0), Real (1:2 und 2:3) und Barça (1:5 und 2:2) gelang in acht Spielen kein einziger Sieg. Trotzdem stehen die Andalusier in der Tabelle nur drei bzw. sieben Punkte hinter Valencia und Atlético. Fast alle anderen Partien wurden gewonnen und die Titelverteidigung in der Europa League ist weiterhin möglich. (krä)

15. (+4) Napoli

Champions League: Aus in der Play-off-Runde gegen Athletic Club
Serie A: Vierter
Europa League: Halbfinale gegen Dnipro Dnipropetrovsk
Coppa Italia: Aus im Halbfinale gegen Lazio
Bilanz: 26-15-12 (Schnitt 1,76)

Einer der Profiteure der im vergangenen Monat ausgefallenen Europarangliste ist Napoli. Von den sieben Pflichtspielen im März gewann das Team von Trainer Rafael Benítez nur eins. Der Spanier stand in der Kritik – und stabilisierte seine Mannschaft wieder. Anfang April folgte zwar noch das Pokal-Aus gegen Lazio, aber sowohl in der Serie A als auch gegen Wolfsburg schmiss Napoli die Angriffsmaschine an. Die SSC erzielte 21 Treffer in sieben Partien und kann über die Europa League auch wieder in die Champions League einziehen. Warum Napoli hier trotzdem hinter Wolfsburg platziert ist? Gerade das Hinspiel in der Autostadt war überzeugend und zeigte Wolfsburg die Grenzen auf. Aber Rang zwei in der stärkeren Bundesliga ist höher zu bewerten als der vierte Platz in der Serie A und der Halbfinal-Einzug in der insgesamt nicht ganz so wichtigen Europa League. (krä)

14. (-1) Liverpool

Champions League: Aus in der Vorrunde gegen Real Madrid, FC Basel und Ludogorets Razgrad
Premier League: Fünfter
Europa League: Aus in der zweiten Runde gegen Besiktas
FA Cup: Aus im Halbfinale gegen Aston Villa
League Cup: Aus im Halbfinale gegen Chelsea
Bilanz: 26-13-16 (Schnitt 1,66)

Die Kritik an Brendan Rodgers ist in England sehr groß, und von Rafael Benítez bis Jürgen Klopp werden mögliche Nachfolger diskutiert. Der wellenförmige Saisonverlauf wird zur Unzufriedenheit beitragen: Dem schlimmen Herbst mit schwachen Ligaresultaten und dem Aus in der Champions League folgte nach der Niederlage gegen United eine starke Serie, in deren Verlauf die Reds 13 Ligaspiele in Folge ungeschlagen blieben – bis zum Rückspiel gegen den Erzrivalen. Die zwischenzeitliche Hoffnung auf die erneute CL-Qualifikation ist inzwischen auf eine rein theoretische Möglichkeit reduziert worden. Doch unterm Strich gilt das gleiche wie für Tottenham: Es gibt einfach vier reichere Clubs als Liverpool in der Liga, und genau diese vier liegen vor ihnen. Das ist nicht befriedigend, aber es ist gewiss auch kein Versagen, zumal nach dem Abgang von Luis Suárez und bei zwei Halbfinals in den nationalen Pokalwettbewerben. (dan)

13. (-2) VfL Wolfsburg

Bundesliga: Zweiter
Europa League: Aus im Viertelfinale gegen Napoli
DFB-Pokal: Finale gegen Borussia Dortmund
Bilanz: 28-12-8 (Schnitt 2)

„Ich glaube, dass der VfL Wolfsburg tief in einer Schublade steckt – aber dieser Final-Einzug gibt uns einen unheimlichen Schub.“ Manager Klaus Allofs sprach diese Worte nach dem Pokalerfolg gegen Arminia Bielefeld. Das muss er sagen, ob er wirklich daran glaubt, sei dahingestellt. Denn ein Pokalsieg wird das bundesweite Image des VfL nicht verändern, einen solchen Effekt hatte auch die Meisterschaft 2009 nicht. Vielmehr dürfte beim ZDF jetzt schon überlegt werden, wie die schwachen Einschaltquoten in der Champions League an Nicht-Bayern-Tagen bei den immensen Investitionen zu rechtfertigen sein werden. Aber wir machen hier ja keine Image-Rangliste und zur Bundesliga am Scheideweg hat Daniel Raecke bereits alles gesagt. Die Wolfsburger haben zwei Plätze verloren, weil die Leistungen in der Bundesliga nicht mehr ganz so gut waren und weil nach der schon holprigen Gruppenphase ein deutliches Aus in der Europa League gegen Napoli folgte. In der kommenden Saison will der VfL dann in der Champions League angreifen – am liebsten mit den neu verpflichteten Nationalspielern Max Kruse und Ilkay Gündogan: Imagewechsel, die zweite. (krä)

12. (+4) Bayer Leverkusen

Champions League: Aus im Achtelfinale gegen Atlético de Madrid
Bundesliga: Vierter
DFB-Pokal: Aus im Viertelfinale gegen Bayern München
Bilanz: 24-13-8 (Schnitt 1,89)

Seit der letzten Rangliste ist Bayer aus Champions League und Pokal ausgeschieden und hat in der Liga keinen Platz gutgemacht – wie ist da der Sprung auf Platz 12 zu erklären? Wir haben vor allem gewürdigt, dass Roger Schmidt es geschafft hat, das Spiel seiner Mannschaft zu stabilisieren und ihr eine extreme defensive Stabilität zu verleihen. In den letzten 13 Spielen kassierte die Mannschaft nur zwei Gegentore aus dem Spiel heraus. Zudem schied Bayer in beiden KO-Wettbewerben gegen Top Ten-Teams der Europarangliste erst im Elfmeterschießen aus. Das belegt die tatsächliche Klasse dieser aktuell zweitstärksten deutschen Mannschaft eindrücklicher als der reine Tabellenplatz. (dan)

11. (+1) Valencia

La Liga: Vierter
Copa del Rey: Aus im Achtelfinale gegen Espanyol
Bilanz: 23-10-6 (Schnitt 2,03)

Dank Shkodran Mustafi hat es der in den vergangenen Jahren in Deutschland unter dem journalistischen Radar fliegende FC Valencia wieder in die Schlagzeilen geschafft. „Mustafis FC Valencia gewinnt gegen xyz“ ist eine sich regelmäßig wiederholende Überschrift in deutschen Nachrichtenagenturen. Ob das mehr für die einfallslose Arbeit der Agenturen oder die einfallsreiche Arbeit von Nuno Espírito Santo spricht, sei Ihnen überlassen. Der portugiesische Trainer der Ches hat einen Einbruch bisher verhindern können, es spricht in Valencia vieles für die Qualifikation zur Champions League. Zieht der Finalist von 2000 und 2001 erneut in die Königsklasse ein, braucht der Kader noch ein paar Verstärkungen – hoffentlich ohne den Umstand, die hochgradig talentierten Paco Alcácer, José Luis Gayá und André Gomes zu blockieren. (krä)

10. (=) Manchester United

Premier League: Vierter
FA Cup: Aus im Viertelfinale gegen Arsenal
League Cup: Aus in der zweiten Runde bei Milton Keynes Dons
Bilanz: 22-9-10 (Schnitt 1,83)

Lange durfte United sogar von der Vizemeisterschaft träumen. Das Topspiel in Chelsea verloren die Red Devils trotz sehr guter Leistung knapp. Danach aber gab es zwei weitere Niederlagen in Folge, und auf einmal ist United nur noch Vierter. Bei nur noch vier Punkten Vorsprung auf Liverpool ist nicht einmal dieser Rang garantiert. Wir glauben daran, dass Louis van Gaal mit seiner Mannschaft zumindest diesen Platz halten kann. Und dann sind wir gespannt darauf, wie er seinen Kader im Sommer weiter verstärken wird, wenn United endlich wieder in der Champions League spielt. (dan)

9. (-1) Manchester City

Champions League: Aus im Achtelfinale gegen Barcelona
Premier League: Zweiter
FA Cup: Aus in der vierten Runde gegen Middlesbrough
League Cup: Aus in der vierten Runde gegen Newcastle United
Bilanz: 25-9-14 (Schnitt 1,75)

Die zuletzt drei Siege am Stück in der Liga haben den freien Fall Citys aufgehalten und das drohende Verpassen der Champions-League-Qualifikation abgewendet. Ob sie Manuel Pellegrinis Job gerettet haben, ist eine andere Frage. Zu inkonstant waren die Leistungen der Citizens in dieser Saison. Nüchtern resümierend kann man allerdings sagen: Wenn City Platz zwei hält, stimmen die Grundparameter der Spielzeit im Großen und Ganzen: Platz zwei hinter einem einfach insgesamt stärkeren Chelsea (bei zwei Unentschieden im direkten Vergleich), das Aus in der Champions League gegen die wohl beste Mannschaft der Welt. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Der wahre Unterschied zwischen dem alten und dem neuen englischen Meister spiegelt sich in dieser Statistik: City hat 2014/15 bisher 14 Pflichtspiele verloren – Chelsea drei. Es ist unter den gegebenen Umständen kaum vorstellbar, dass die Citizens mit diesem Kader und diesem Trainer in der nächsten Saison ein ernsthafter Konkurrent für die Blues werden können. Vieles sprach sogar dafür, City in unserem Ranking sogar hinter United fallen zu lassen, auch angesichts der jüngsten Niederlage im direkten Vergleich. Am Ende hat United aber mangels internationaler Spiele und ohne relevante Pokalerfolge wenige Argumente dafür, trotz schlechterer Platzierung in der Premier League vor City zu landen. In der kommenden Saison wird das allerdings anders aussehen. (dan)

8. (-2) Atlético de Madrid

Champions League: Aus im Viertelfinale gegen Real Madrid
La Liga: Dritter
Copa del Rey: Aus im Viertelfinale gegen Barcelona
Bilanz: 31-12-10 (Schnitt 1,98)

Atléti befand sich schon in der vergangenen Rangliste in einem leicht absteigenden Trend, der sich seitdem bestätigt hat. Gegen Leverkusen ging es in der Champions League noch im Elfmeterschießen weiter. Im Viertelfinale gegen Real war das Team von Trainer Diego Simeone dann über 180 Minuten chancenlos, auch wenn das 1:0 für den Stadtrivalen knapp klingt. Und auch in der Liga kann Atlético nach Punktverlusten gegen Espanyol, Málaga oder Bilbao Real und Barcelona nicht mehr Paroli bieten. Stattdessen drängt von hinten Valencia – wobei die Colchoneros dieses Rennen um Platz drei gewinnen werden (das direkte Duell in der Rückrunde endete 1:1). Realistisch betrachtet ist die Saison für den finanziell angeschlagenen Club trotzdem ein großer Erfolg. Barça und Real haben einen riesigen Vorsprung, es ist keine Schande, in allen Wettbewerben an diesen beiden Schwergewichten zu scheitern. (krä)

7. (+2) Arsenal

Champions League: Aus im Achtelfinale gegen AS Monaco
Premier League: Dritter
FA Cup: Finale gegen Aston Villa
League Cup: Aus in der dritten Runde gegen Southampton
Bilanz: 33-9-9 (2,16)

Die Gunners spielen nicht weniger als eine fantastische Rückrunde. Nach Neujahr gewann Arsenal 21 von 24 Pflichtspielen und verlor nur zwei. Diese beiden Niederlagen schmerzten allerdings, die entscheidende Hinspielpleite gegen Monaco und ein verlorenes North London Derby bei Tottenham. Dennoch überwiegen klar die positiven Ereignisse, so auch Siege gegen Manchester City und Liverpool sowie im FA Cup in Old Trafford. Selbst in Topspielen ist Arsenal gegenüber den letzten Jahren also deutlich verbessert. Hätte die Serie nur ein paar Wochen früher begonnen, wäre in der Liga vielleicht sogar noch mehr drin gewesen. Aber auch so ist es entgegen vieler Unkenrufe auch von meiner Seite aus die beste Arsenal-Saison seit Langem. Seit Januar ist der Punkteschnitt der Gunners der beste in ganz Europa. Damit hat Arsène Wenger möglicherweise auch Jürgen Klopp einen neuen Arbeitgeber verwehrt. (dan)

6. (+1) Paris Saint-Germain

Champions League: Aus im Viertelfinale gegen Barcelona
Ligue 1: Erster
Coupe de France: Finale gegen AJ Auxerre
Coupe de la Ligue: Sieger
Bilanz: 35-14-6 (Schnitt 2,20)

Gegen Barcelona war Laurent Blanc mit seiner Mannschaft chancenlos. Das trifft so aber auf fast alle Teams Europas zu. Daher muss man PSG, das im Achtelfinale in Unterzahl Chelsea ausschaltete und das nationale Treble holen dürfte, insgesamt einmal mehr eine sehr ordentliche Saison bescheinigen. Dass es in der Champions League wieder nicht zum Einzug ins Halbfinale gereicht hat, wird landauf, landab als Versagen der Investitionspolitik der Besitzer des Clubs interpretiert. Tatsächlich aber ist es vor allem Lospech, zweimal hintereinander gegen Barcelona zu spielen. Dass es wenige Teams auf der Welt gibt, die einfach noch ein kleines Stück besser besetzt sind als diese Mannschaft, ist halt einfach so. Ob man in Katar damit zufrieden ist oder am Stammtisch darüber lästert – PSG zählt zu den Best of the Rest. Nicht mehr und nicht weniger. (dan)

5. (=) Juventus

Champions League: Halbfinale gegen Real Madrid
Serie A: Meister
Coppa Italia: Finale gegen Lazio
Bilanz: 33-10-6 (Schnitt 2,23)

Die ersten Vier des Rankings sind seit Saisonbeginn die gleichen Clubs geblieben. Ob Juve diese Phalanx zum Ende der Spielzeit aufbrechen kann, wird das Abschneiden im ersten Halbfinale in der Champions League seit zwölf Jahren entscheiden. Ein (durchaus möglicher) Erfolg über Real Madrid dort wäre ein noch größerer Erfolg für den italenischen Serienmeister als Antonio Conte ihn je erreicht hat und damit eine ebenso starke Bestätigung für die Qualitäten von Massimiliano Allegri wie der Niedergang von Milan nach seinem Abgang. (dan)

4. (-1) Chelsea

Champions League: Aus im Achtelfinale gegen Paris Saint-Germain
Premier League: Meister
FA Cup: Aus in der vierten Runde gegen Bradford City
League Cup: Sieger
Bilanz: 35-13-3 (Schnitt 2,14)

Trotz Achtelfinalaus in der Champions League noch unter den Top Four Europas – wie geht das? Die Blues sind ganz souverän Meister geworden, einer von zwei Titeln ihres kleinen nationalen Doubles. Das Aus gegen PSG war zwar sehr enttäuschend, aber in der gesamten CL-Saison verlor Chelsea kein einziges Spiel und schied nur nach Auswärtstoren aus. Die Diskussionen in England um die Attraktivität der Spielweise der Londoner kümmern uns bei Gegen den Ball traditionsgemäß ebenso wenig wie Roberto di Matteo 2012 der Versuch eines deutschen Reporters, ihn zu einer Entschuldigung für die defensive Art und Weise zu bewegen, in der er gerade die Champions League gewonnen hatte. Chelseas System ist extrem stabil und erfolgreich, dank seines sehr gut besetzten Kaders und seines herausragenden Trainers. Nichts anderes bewerten wir hier. (dan)

3. (+1) Real Madrid

Champions League: Halbfinale gegen Juventus
La Liga: Zweiter
Copa del Rey: Aus im Achtelfinale gegen Atlético de Madrid
Bilanz: 41-4-9 (Schnitt 2,35)

Von der aktuellen Verfassung der letzten Wochen her könnten wir Madrid sogar auf Platz zwei führen, denn anders als die Bayern zeigte die Formkurve der Blancos zuletzt nach oben. Wenn wir vom besten Kader, der zur Verfügung stünde, ausgehen, sehen wir die Bayern allerdings immer noch hauchdünn vorne. Da aber noch zwei sehr große Titel vergeben werden, die Carlo Ancelotti mit seiner Mannschaft noch gewinnen kann, ist es denkbar, dass sich in der abschließenden Juni-Rangliste noch einiges tut – nach oben, wenn Madrid Barcelona oder Bayern etwa im CL-Finale schlagen sollte, oder auch nach unten, falls Madrid an Juventus scheiterte. (dan)

2. (=) Bayern München

Champions League: Halbfinale gegen Barcelona
Bundesliga: Meister
DFB-Pokal: Aus im Halbfinale gegen Borussia Dortmund
Pflichtspielbilanz: 34-7-6 (Punkteschnitt 2,32)

Erstmals in dieser Saison sind die Bayern in Sachen Punkteschnitt von einem zweiten Team überholt worden. Da es ja verschiedene Kriterien für diese Rangliste gibt, reicht das aber nicht aus, um den deutschen Meister abzustufen. Darüber diskutiert haben wir trotzdem, denn um es mit Uli Hoeneß zu sagen: „The trend is not your friend.“ Während die Guardiola-Kritiker jetzt schon an den Schlagzeilen des morgigen Abends oder an denen der kommenden Woche feilen, wenn die Bayern – bei normalem Verlauf – auch im Halbfinale der Champions League scheitern werden, fokussieren wir uns auf den tatsächlichen Grund: Die Bayern müssen mit Arjen Robben, Franck Ribéry, David Alaba und womöglich Robert Lewandowski zu viele Schlüsselspieler ersetzen. Zum Vergleich: Barcelona müsste ohne Lionel Messi, Neymar, Luis Suárez (siehe unten) und Sergio Busquets antreten. Sicherlich müssen die Münchner in einer Saisonbilanz feststellen, wie es zu so vielen Verletzungen kommen konnte und warum ein grandios veranlagter Spieler wie Mario Götze die Robben- oder Ribéry-Lücke nicht schließen konnte. Mit voller Kaderstärke sind die Bayern für uns aber weiterhin das zweitbeste Team in Europa. (krä)

1. (=) FC Barcelona

Champions League: Halbfinale gegen Bayern
La Liga: Erster
Copa del Rey: Finale gegen Athletic Bilbao
Pflichtspielbilanz: 45-3-5 (Punkteschnitt 2,60)

Im Moment ist es schwer vorstellbar, wie der FC Barcelona auf dem Weg zum Treble noch stolpern könnte. In der Liga beträgt der Vorsprung vor Real zwar nur zwei Punkte und am 37. Spieltag steht noch die schwere Auswärtshürde bei Atlético an, aber in den bisherigen drei Pflichtspielen gegen damals noch deutlich bessere Colchoneros gab es drei verdiente Siege. Im Pokalfinale gegen Athletic (30. Mai) ist Barça im Camp Nou ebenfalls klarer Favorit. Bleibt noch die Champions League. Das ist sicherlich der unwägbarste der drei Titel, aber in der derzeitigen Form ist die Favoritenrolle zumindest gegen den FC Bayern klar verteilt. Lionel Messi, Luis Suárez und Neymar haben zusammen bereits 108 Pflichtspieltreffer erzielt. Beim Schreiben dieser Zeilen steigt die Vorfreude auf Mittwoch Abend. Und auf meinsportradio.de werden wir dann in aller Ruhe bilanzieren, was unsere Einschätzungen wert waren. (krä)

Rashomon – Der Tag des Trainerwahnsinns aus vier Blickwinkeln

Was war die spektakulärste Nachricht des monumentalen Trainerkarussell-Vormittags am Mittwoch, dem 15. April? Dass der HSV Bruno Labbadia als neuen und vierten Cheftrainer dieser Saison präsentierte und gleich auf den Trainingsplatz schickte? Dass Jürgen Klopp in Dortmund zum Saisonende aufhört? Dass Thomas Tuchel nun eine attraktivere Adresse gefunden hat als Hamburg, um wieder ins Geschäft einzusteigen? Alle diese Nachrichten gehören irgendwie zusammen, nimmt man an. Zeit, die Geschehnisse zu sortieren und einzuordnen – aus vier Perspektiven, frei nach Kurosawa Akira.

1. Die Ehefrau: die Perspektive des HSV

Die erschütterndste Personalie (wenn auch nicht die relevanteste im internationalen Maßstab) war sicherlich die Verpflichtung von Bruno Labbadia durch den HSV mit einem Vertrag bis 2016, der auch für die zweite Liga gelten soll. Nur einen Tag, nachdem man die Meldung des Hamburger Abendblatts, der Club wolle Felix Magath holen, noch verlachen konnte, präsentierten die Verantwortlichen eine nur wenig nachhaltigere Lösung. Das Hauptproblem dabei ist Folgendes: Die gesamte Strategie des „neuen HSV“ unter Dietmar Beiersdorfer seit Beginn der Saison ergab eigentlich nur Sinn, wenn sie von Anfang an auf den ganz großen Neuanfang gesetzt hätte. Die dem zugrundeliegende Analyse hätte etwa so lauten können (so hätte ich sie zumindest getroffen): Seit Jahren verschleißen wir zwei bis drei Trainer pro Saison. Die sportliche Bilanz sieht immer schlechter aus, finanziell wird es auch nicht besser. Wir müssen diesen Teufelskreis durchbrechen und den bestmöglichen Trainer holen, den dieser Club haben kann. Bis dahin gibt es eine Übergangslösung.

Thomas Tuchel war in der Tat der bestmögliche Coach, den der HSV hätte bekommen können. Was der Club in dieser Situation entschieden haben mag, könnte etwa das gewesen sein: Wir können einen Trainer haben, der nach Jahren des planlosen Hin und Her endlich eine langfristige Perspektive bietet. Aber wir können ihn nicht sofort haben. Dann eben ab 2015, und bis dahin möglichst in der Bundesliga bleiben. Nur so lässt sich die Kette von Entscheidungen begreifen, Mirko Slomka im Sommer zu behalten, ihn aber nach nur zwei Niederlagen zu feuern und als Nachfolger Josef Zinnbauer zu holen, den U23-Coach, der keinerlei Erfahrung im Profibereich hatte. Diese Personalie war ebenso wie die merkwürdige Entscheidung, Sportdirektor Peter Knäbel als Trainer für die letzten acht Saisonspiele zu verpflichten, offenbar vor allem dem Wunsch geschuldet, niemanden zu holen, den man nicht wieder los würde, wenn Tuchel endlich frei käme.

Letzten Endes riskierte der HSV für den Long Con mit Tuchel sogar die Ligazugehörigkeit. Selbst das aber finde ich, bei allen offenkundigen Nachteilen eines Abstiegs, mutig und nachvollziehbar: Mit einem Trainer wie Thomas Tuchel einen Neuanfang zu starten, in einer Liga, in der man wahrscheinlich die meisten Spiele gewinnen würde, Schluss mit der Dino-Folklore, positive Energie: Das wäre tatsächlich sogar besser gewesen, als mit einem Trainer wie, nun ja: Bruno Labbadia in die nächste Abstiegskampfsaison zu gehen. Als Tuchel in letzter Minute eine bessere Alternative fand, stand der HSV da wie vor einem Jahr Tottenham Hotspur, das sich mit Louis van Gaal schon einig war, bevor der im letzten Moment ein Angebot von Manchester United bekam. Die Spurs hatten anders als Hamburg aber immerhin einen Plan B: Maurício Pochettino kam von Southampton.

Der HSV hat nur Bruno Labbadia. Der mag kurzfristig die Klasse halten, auch wenn das keineswegs sicher ist. Langfristig aber haben die Rothosen kaum eine hoffnungsvolle Perspektive. Die bitterste Pointe: Am Ende könnte der HSV nicht, wie überall zu lesen, an „Planlosigkeit“ zerbrechen. Sondern daran, endlich einen langfristigen Plan zu verfolgen, ihn aber nicht umgesetzt zu bekommen.

2. Der Bandit: die Perspektive von Thomas Tuchel

Genau wie der HSV von seinem teilweise selbst verschuldeten Image des inkompetenten Chaos-Clubs nicht mehr loskommt, selbst, wenn mal gute Ideen ausprobiert werden, hat Thomas Tuchel es in Mainz geschafft, sich eine Aura des Startrainers zu schaffen, die im Laufe seines Pausenjahrs immer mehr leuchtete, bis Tuchel schließlich als messianischer Retter jedes gerade in Schwierigkeiten steckenden deutschen Clubs erschien. Sein langer Verzicht auf jede Art von Stellungnahme, bis zu einem Interview in der Zeit im März, verstärkte den Eindruck weiter. Währenddessen konnte der Trainer in aller Ruhe abwägen, welcher neue Arbeitsplatz ihm am besten passen würde. In Frage kamen, da er ja Mainz verlassen hatte, um langfristig höhere Ziele zu erreichen, nur eine Handvoll Clubs in Deutschland. Mit ihren Trainerikonen Josep Guardiola und Jürgen Klopp schieden Bayern und Dortmund zunächst aus. Blieben noch Schalke, der HSV und der VfB Stuttgart – oder finanzstarke Konzernclubs wie Leverkusen, Wolfsburg oder RB Leipzig. Schalke entschied sich im Herbst für Roberto di Matteo als Nachfolger von Jens Keller. In Wolfsburg und Leverkusen arbeiten die aktuellen Cheftrainer zu erfolgreich, um entlassen zu werden.

Blieben eigentlich, zumindest in Deutschland, nur noch der HSV, Stuttgart und Leipzig. Von diesen bot der HSV zumindest langfristig das attraktivste Gesamtpaket, weshalb eine vorläufige Einigung nicht unplausibel erschien. Doch Tuchel glaubte, nicht zu Unrecht, am längeren Hebel zu sitzen. Er war faktisch die einzige Option, die der HSV noch hatte. Nachdem sich, sicherlich nicht ohne Wissen Tuchels, die Situation in Dortmund veränderte, hatte der Trainer aber noch eine bessere Option. Auch wenn die Verantwortlichen auf der ersten Pressekonferenz des BVB noch nicht von Nachfolgern sprechen wollten – es wäre schon eine große Überraschung, wenn Tuchel nicht im Sommer in Dortmund anfangen würde. Für ihn das beste Ergebnis, das sein Sabbatical erbringen konnte.

3. Der Holzfäller: die Perspektive von Borussia Dortmund

Mit der Inszenierung maximaler Emotionen (drei Freunde, die so viele gemeinsame Abenteuer erlebt haben) präsentierten sich Hans-Joachim Watzke, Michael Zorc und Jürgen Klopp auf der Pressekonferenz, auf der der Abschied des langjährigen Erfolgstrainers offiziell verkündet wurde (nachdem die börsennotierte AG schon kurz zuvor die Trennung bestätigt hatte). Zwischen den rührseligen Zeilen drängte sich allerdings durchaus auch die Interpretation auf, dass der Verein Klopp plötzlich loswerden wollte, weil jetzt noch die Chance bestand, mit Thomas Tuchel den vermeintlich natürlichen Nachfolger Klopps zu verpflichten. Klopp machte gute Miene zum bösen Spiel, die offizielle Lesart, er habe selbst erkannt, nicht mehr „der hundertprozentig richtige Trainer“ zu sein, überzeugt weniger als die Vermutung, der BVB habe nach der sehr schwachen Saison reagieren wollen und müssen.

Schließlich war Klopps Verweis darauf, solange er da sei, werde die Mannschaft „immer an vergangenen Erfolgen gemessen“, etwas selbstgerecht. Die vergangenen Erfolge (Doublegewinn, Champions League-Finale) erreicht der BVB nicht mehr, weil er auf Dauer nicht mit finanzstärkeren Clubs konkurrieren kann. Das hat noch kaum jemand Klopp zum Vorwurf gemacht. Die Champions League-Ränge zu verpassen, ist indes nicht nur nach Maßgabe der Vergangenheit ein Scheitern, sondern auch gemessen an den eingesetzten finanziellen Mitteln. Eine Hinrunde mit dem zweitgrößten Etat der Bundesliga auf Platz 18 zu beenden schließlich ist nicht weniger als ein historisches Debakel, auch im europäischen Maßstab gesehen. Kritik daran hat nichts mit falschen Ansprüchen zu tun.

Dass der BVB in dieser Situation (wohl schon seit dem Herbst) über Alternativen nachgedacht haben wird, ist nicht verwerflich, sondern nur angemessen. Gegenüber einer durchaus denkbaren Trennung von Klopp im Winter hat der Verein nun im Nachhinein den besseren Weg gewählt. Anstatt den Club mitten im Abstiegskampf in Turbulenzen zu stürzen, hat man abgewartet, bis zumindest die Ligazugehörigkeit geklärt ist. Sollte es nun auf Thomas Tuchel als neuen Dortmunder Trainer hinauslaufen, dann hat man am Borsigplatz aus einer sehr schwierigen Situation fast das Bestmögliche gemacht, jenseits aller Krokodilstränen.

4. Der Samurai: die Perspektive von Jürgen Klopp

Wie angesprochen, darf man Zweifel an der Freiwilligkeit des Abschieds von Jürgen Klopp in Dortmund hegen. Mag sein, dass er selbst eine neue Herausforderung sucht, mag sein, dass er schon im Winter so empfand, sein Team aber nicht im Abstiegssumpf verlassen wollte. Objektiv aber war das Interesse des Clubs an einer Veränderung größer als das von Klopp selbst. So oder so aber ist sein Ruf durch das letzte halbe Jahr zwar angeschlagen, aber im Großen und Ganzen intakt. Das vor allem in England, wo Klopp einen sehr guten Ruf genießt. Das Interesse in der Premier League war dann auch riesig, als die Nachrichten vom Abschied zum Saisonende in Deutschland kursierten.

Bei manchen Buchmachern ist Klopp aktuell Favorit sowohl auf den mutmaßlich frei werdenden Job bei Manchester City als auch auf den bei Arsenal. Bei City muss Manuel Pellegrini nach einer enttäuschenden Saison wohl gehen, Carlo Ancelotti wurden bisher die besten Aussichten auf seine Nachfolge eingeräumt. Bei Arsenal hat Arsène Wenger, der den Club seit 19 Jahren trainiert, seine Situation durch eine starke Rückrunde wieder einigermaßen gefestigt. Dennoch sind die Gunners ein Club, der viel besser zu Klopp passen würde als City. Langfristige Entwicklung wird unter Europas Spitzenclubs nirgendwo größer geschrieben als in Nordlondon. Trotz der relativen Erfolglosigkeit, was Titel angeht (nur ein Pokalsieg seit 2005), ist Arsenal jedes Jahr in der Champions League dabei, das alles, während für viel Geld ein ganz neues Stadion gebaut wurde.

Die Voraussetzungen, um in Ruhe für ein paar Jahre arbeiten zu können, sind also gegeben. Eine Garantie dafür, dass das klappt, gibt es allerdings nicht: Die Leistungsdichte in Englands Top 6 ist hoch, ein schwächeres Jahr führt leicht zum Sturz in die Europa League. Klopp hätte also nicht wie einst in Dortmund zwei, drei Jahre Zeit. Andererseits kam er damals auch aus Mainz. Heute stand er schon einmal im Finale der Champions League und war zweimal Deutscher Meister. Neben Arsenal scheint auch Liverpool eine interessante Adresse für Klopp zu sein. Eine halbe Nummer kleiner, was die aktuellen finanziellen Mittel angeht, aber ein Club mit großer Vergangenheit und zahllosen Fans, bei dem jeder Einzug in die Champions League gefeiert wird. Erinnert etwas an den BVB.

Marcus Krämer spekuliert derweil darauf, dass Klopp der logische Nachfolger Joachim Löws als deutscher Nationaltrainer wäre. Dazu denke ich persönlich, dass Klopp diesen Schritt in zehn Jahren immer noch machen könnte. Aktuell ist er als Clubtrainer in Europa zu erfolgreich gewesen, um nicht noch einen attraktiven Arbeitgeber zu finden, bei dem er seine Spieler nicht nur alle paar Wochen zu Gesicht bekommt.

Diese Biene, die ich meinte

Mit dem deutlichen 0:3 von Borussia Dortmund gegen Juventus scheint eine Ära zu Ende gegangen zu sein. Ob es die Ära Jürgen Klopp ist, oder nur der erste Teil seiner Regentschaft beim BVB, wird die nähere Zukunft (und eine geplante Analyse von Marcus Krämer) zeigen. Sicher aber war das Debakel gegen die Vecchia Signora das für mindestens eineinhalb Jahre letzte Champions League-Spiel in einem der größten und stimmungsvollsten Stadien Europas.

Die Ausgangslage für den BVB war nach dem 1:2 aus dem Hinspiel gar nicht schlecht, doch die jüngsten torlosen Spiele in der Bundesliga gegen mittelmäßige Teams wie den HSV und Köln hatten schon angedeutet, dass es mit gut umgesetzter Defensivtaktik zurzeit gut möglich ist, die Dortmunder an Chancen zu hindern. Verglichen mit dem Spiel gegen Köln änderte Jürgen Klopp seine Mannschaft auf drei Positionen. Rechts hinten spielte etwas überraschend Sokratis an Stelle von Hipster-Liebling Oliver Kirch – eine recht defensive Wahl, die spätestens nach dem frühen Gegentor zum Hemmschuh, von Klopp dann zur Pause auch korrigiert wurde, indem Kirch kam und Sokratis für den ausgewechselten Marcel Schmelzer nach links rückte. Nuri Sahin war nicht rechtzeitig fit geworden, so dass mit Sven Bender für Sebastian Kehl auch neben Ilkay Gündogan eine nicht so spielstarke Option gezogen wurde – das sollte sich letztlich als relevanter für den Spielausgang erweisen als die Position des Rechtsverteidigers. Schließlich kam Kevin Kampl für den formschwachen Kagawa Shinji in die Startelf.

Anders als Klopp kann Massimiliano Allegri die Ligaspiele seiner Mannschaft etwas nebenher laufen lassen, angesichts des komfortablen Vorsprungs an der Tabellenspitze der Serie A. So hatte der Coach beim letzten Ligaspiel in Palermo einige Schlüsselspieler geschont und konnte nun in Dortmund Patrice Evra für Andrea Barzagli bringen, sowie einen ausgeruhten Arturo Vidal für Stefano Sturaro, der auf Sizilien sein Serie A-Debüt für Juve gegeben hatte. Der in der Liga gesperrte Paul Pogba kam für Paolo de Ceglie und Álvaro Morata ersetzte im Angriff Fernando Llorente. Andrea Pirlo fehlte weiterhin verletzt, und auch Pogba musste schon nach 27 Minuten verletzt ausgewechselt werden. Dennoch ließ Juve nie einen Zweifel daran, dass es das Viertelfinale erreichen würde.

Zwar begann Dortmund mit intensivem Pressing, starkem Verschieben und schnellem Passspiel. Aber schon bevor Carlos Tévez mit einem Schuss in den Winkel aus 20 Metern nach drei Minuten das wichtige Auswärtstor gelungen war, hatte Morata es bei einem Konter versäumt, den perfekt einlaufenden Pogba zu bedienen. Wie im Hinspiel war Juve damit zufrieden, Dortmund kommen zu lassen und selbst gefährliche Konter zu setzen – eine nachvollziehbare und perfekt auf den Gegner passende Taktik. Beachtlich an den Kontern der Bianconeri war die Betonung auf kurze Passkombinationen anstatt lang nach vorne gedroschener Bälle. Nicht einmal zehn Prozent ihrer Pässe spielten die Turiner lang – ein Wert, den man normalerweise bei ballbesitzorientierten Mannschaften wie Bayern oder Barcelona findet. Dass das ein klarer Plan war, zeigte sich schön an einer Szene nach der Pause, in der Arturo Vidal seine Mitspieler gestenreich beruhigte, damit sie nach Ballgewinnen auf keinen Fall bolzten, sondern sauber hinten rausspielten.

Gianluigi Buffon, so das eindrucksvolle Ergebnis von Juves defensiver Lehrstunde, musste in 90 Minuten nicht kaum einen Ball halten. Das einzige Tor, das Dortmund in 180 Minuten gegen Juventus gelang, war im Hinspiel einem krassen individuellen Patzer Giorgio Chiellinis entsprungen. Die vor drei Wochen in Deutschland kursierende Lesart, nach der der BVB in Turin unglücklich verloren und sich durch Fehler quasi selbst geschlagen habe, wurde nun in Dortmund eindrucksvoll korrigiert. Der Unterschied zwischen dem souveränen Tabellenführer der Serie A und einer Mannschaft, die versucht, sich ins gesicherte Mittelfeld der Bundesliga abzusetzen, bestand nicht in individuellen Fehlern.

Diese Erkenntnis könnte Dortmund dabei helfen, die nun anstehende Generalanalyse der eigenen Probleme und die erforderliche Neuausrichtung besser zu bewältigen. Zwei Jahre ohne Champions League wird dieser Club nur schwer überstehen, ohne entscheidenden Boden auf zum Beispiel Schalke zu verlieren. Das packende Rückspiel der Knappen in Madrid wurde vielleicht im Nachhinein mancherorts überhöht, weil nur ein Tor zu einer historischen Sensation fehlte. Doch auch bei etwas nüchternerer Betrachtung muss man festhalten, dass Schalkes junge Mannschaft mit ihrem guten Trainer in wesentlich besserer Verfassung zu sein scheint, die nächsten Jahre als regelmäßiger Champions League-Teilnehmer zu erleben als der Lokalrivale.

Für die Bundesliga als Ganze bedeutet das Achtelfinale, in dem erstmals in der Geschichte des Wettbewerbs drei deutsche Teams gleichzeitig scheiterten, dass sie die Fiktion, Bayerns erdrückende Dominanz sei international gesehen „gut für die Liga“, schnell überwinden sollte. Man mag sich vordergründig damit trösten, dass die Premier League eine noch enttäuschendere internationale Saison erlebt. Aber in England werden die mit neuem Fernsehgeld ausgestatteten Chelsea, Arsenal, United, City und Liverpool in den nächsten Jahren neue Versuche bekommen, wieder in die Spitze Europas vorzustoßen. In Deutschland werden Wolfsburg, Leverkusen, Mönchengladbach oder gar Augsburg die Liga vertreten. Und das ist auch ohne schwarzgelbe Brille kein hoffnungsvoller Ausblick.

Spielnote 6.

Borussia Dortmund (4-2-3-1): WEIDENFELLER 4 – SOKRATIS 5,5, SUBOTIC 5, HUMMELS 6, SCHMELZER 5 (46. KIRCH 6) – BENDER 4,5 (63. RAMOS 5), GÜNDOGAN 5 – KAMPL 5, REUS 4,5, MKHITARYAN 4 (63. BLASZCZYKOWSKI 5) – AUBAMEYANG 4.

Juventus (4-3-1-2): BUFFON 6,5 – LICHTSTEINER 7, BONUCCI 7, CHIELLINI 6,5, EVRA 7 – VIDAL 7,5, MARCHISIO 8, POGBA 6 (27. BARZAGLI 7) – PEREYRA 6, MORATA 7 (78. MATRI), TÉVEZ 8,5 (81. PEPE).

Die Europarangliste im Februar 2015

Mit einer Woche Verspätung veröffentlichen wir im Februar die neueste Ausgabe unserer Europarangliste. Der Grund liegt in der Englischen Woche der Bundesliga begründet, die wir gerne abwarten wollten, um ein besseres Bild vom Leistungsstand der deutschen Clubs nach der Winterpause zu bekommen. Außerdem konnte unser geschätzter Kollege Marcus Krämer so warten, bis Borussia Dortmund ein Spiel gewinnt. Alles, um den BVB nicht aus dem Ranking fallen zu lassen! Diesem parteiischen Wunsch sind wir natürlich gerne nachgekommen.

Bevor wir in die Top 20 einsteigen, noch ein paar Sätze zu zwei fehlenden Teams. Der FC Liverpool flog im Januar aus der Rangliste, weil das Aus in der Champions League in einer Gruppe mit Ludogorez Rasgrad und dem FC Basel inakzeptabel ist und auch in der Premier League wenig zusammenlief. Seitdem haben die Reds in der Premier League kein Spiel mehr verloren, sind im League Cup nur knapp an Chelsea gescheitert und stehen im FA Cup im Achtelfinale. Der Trend zeigt nach oben, aber noch trauen wir den Fortschritten nicht. Trainer Brendan Rodgers schöpft das Potenzial des Kaders noch nicht aus, vor allem in der Offensive hakt es. Nun folgen Spiele gegen Tottenham, Besiktas, Southampton und Man City, im März wird neu abgerechnet.

Aktuell rausgeflogen ist Olympique Marseille. Das Team des von uns so geschätzten Trainers Marcelo Bielsa steht weiterhin in der Spitzengruppe der Ligue 1, der Trend zeigt mit drei Niederlagen und einem Remis in den vergangenen sechs Spielen aber deutlich nach unten. Das, die relative Schwäche der französischen Liga sowie die fehlenden internationalen Vergleiche lassen unseren Glauben an OM – trotz Bielsa – schwinden.

Stichtag für die Rangliste und alle Statistiken ist Montag, der 9. Februar.

20. (-2) Borussia Dortmund

Champions League: Achtelfinale gegen Juventus
Bundesliga: Sechzehnter
DFB-Pokal: Achtelfinale bei Dynamo Dresden
Bilanz: 12-5-12 (Schnitt 1,41)

Anhänger der Reds oder von OM werden vielleicht fragen: Was hat der BVB, was wir nicht haben? Nicht völlig von der Hand zu weisen, aber wir brechen weiterhin nicht komplett des Stab über die viel kritisierte Borussia. Der Champions-League-Finalisten-Schutz ist aber fast aufgebraucht, in den kommenden Wochen müssen Ergebnisse folgen. Denn die ordentliche Gruppenphase in der Königsklasse verblasst zusehends und mit dem Potenzial des Kaders allein lässt sich der Verbleib in Europas Top 20 nicht rechtfertigen. Andererseits ist seit der Winterpause eine kleine Entwicklung zu erkennen. Nur die zweite Halbzeit gegen Augsburg erinnerte an teils katastrophale Auftritte gegen Ende der Hinrunde, ein Punkt in Leverkusen und ein Sieg gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf sind eine ordentliche Bilanz. Gelingt gegen Mainz der zweite Sieg in Folge, kann der BVB schnell in tabellarische Bereiche aufsteigen, die annehmbar sind. Dann können sich die Verantwortlichen in Dortmund, wie von mir an anderer Stelle gefordert, mit der Planung der kommenden Saison befassen. In Sachen Marco Reus ist der erste Paukenschlag bereits gelungen. Und gegen Juventus folgt die unumstößliche Überprüfung, ob wir zu Recht an den Schwarz-Gelben festgehalten haben – und damit meinen wir eher die Leistung als das Ergebnis. (krä)

19. (neu) Napoli 

Serie A: Dritter
Europa League: Zweite Runde gegen Trabzonspor
Coppa Italia: Halbfinale gegen Lazio
Bilanz: 17-10-6 (Schnitt 1,85)

Napoli is back! Die Heimniederlage gegen Juventus (1:3) Mitte Januar schien die Verbannung Napolis aus der Liste der besten Clubs Europas zu bestätigen. Dann der Turnaround. In den anschließenden sechs Spielen musste das Team von Coach Rafael Benítez keine Niederlage mehr hinnehmen und gewann fünfmal – u.a. gegen Lazio, Genoa und Inter (Pokal). Napoli behauptet den CL-Qualifikationsplatz dadurch mit sieben Punkten Vorsprung auf Sampdoria und Florenz. Bei Napoli liegt weiterhin der Fokus auf der Offensive. Das Team gibt zusammen mit Juve die meisten Schüsse pro Spiel (6) auf das Tor des Gegners ab (Roma z.B. nur 4,7). Meist wird im 4-2-3-1 über die Flügel angegriffen und der unersetzliche Gonzalo Higuaín (12 Tore/4 Assists) gesucht. Rechts überzeugt José Callejón (9 Tore/1 Assist) durch seine Torgefährlichkeit und links zeigt Dries Mertens (2 Tore/4 Assists) ansteigende Form. (mic)

18. (-3) Bayer Leverkusen

Champions League: Achtelfinale gegen Atlético de Madrid
Bundesliga: Sechster
DFB-Pokal: Achtelfinale gegen FC Kaiserslautern
Bilanz: 14-10-6 (Schnitt 1,73)

Seit Anfang Dezember hat Bayer Leverkusen in acht Spielen fünf Tore erzielt, dabei immerhin zehn Punkte geholt. Trotzdem stimmt der Trend bei der Werkself nicht mehr. Die Spielidee von Trainer Roger Schmidt kann spektakulär sein, immerhin stimmt mittlerweile die Balance zwischen Offensive und Defensive. Das geht aber zu Lasten der eigenen Torgefährlichkeit, was auch an den Formkrisen einzelner Spieler liegt. Stefan Kießling ist ein Torjäger a.D., Hakan Calhanoglu verlässt sich zu sehr auf seine Standardsituationen und postiert sich zu weit vorne und Julian Brandt macht eine für sein Alter normale Schwächephase durch. Und Son Heung-Min fehlte in den vergangenen Wochen wegen des Asien-Cups. Leverkusens Kader ist breiter geworden, aber nicht breit genug für so einen Aderlass. (krä)

17. (+3) Olympique Lyonnais

Ligue 1: Erster
Coupe de France: Aus in der zehnten Runde bei FC Nantes
Coupe de la Ligue: Aus im Achtelfinale gegen AS Monaco
Pflichtspielbilanz: 17-5-6 (Punkteschnitt 2)

Lyons Torwart Antony Lopes war bis zum Ausgleich von Zlatan Ibrahimovic in der 69. Minute der Partie Olympique vs. PSG 635 Minuten ohne Gegentreffer geblieben. Und selbst dieser Elfmetertreffer war im ersten Versuch von Lopes gehalten worden. Im Spitzenspiel der Ligue 1 konnte sich Lyon mit dem 1:1 der starken Konkurrenz mit etwas Glück und einem guten Keeper erwehren. Es fehlte allerdings auch der beste Torschütze, der in dieser Saison überragende Alexandre Lacazette. Lacazette, der mit einer Oberschenkelverletzung passen musste, konnte in dieser Saison bereits 21 Tore und fünf Assists besteuern. Argumente für Lyon? Olympique verlor gegen keinen der beiden Konkurrenten um die Meisterschaft. Marseille konnte man 1:0 schlagen, gegen PSG nun das Remis. Lyon hat zuletzt am 30. November ein Ligaspiel verloren. (mic)

16. (+3) Southampton

Premier League: Dritter
FA Cup: Aus in der vierten Runde gegen Crystal Palace
League Cup: Aus im Viertelfinale bei Sheffield United
Bilanz: 18-4-9 (Schnitt 1,87)

In der vergangenen Ausgabe stiegen die Saints als Neulinge ein und haben sich nun weiter verbessert. Bemerkenswert ist a) die gute Arbeit von Trainer Ronald Koeman, der den gewaltigen Umbruch im vergangenen Sommer mit sechs transferierten Schlüsselspielern rasend schnell vollzog, b) die gute Defensivarbeit des umgebauten Teams, mit 17 Gegentoren stellt Southampton weiterhin die beste Abwehr der Premier League und c) die guten Ergebnisse gegen Topteams wie Chelsea (1:1), Arsenal (2:0) oder Man United (1:0). Wie bei Lyon und Valencia fehlen aber die internationalen Vergleiche, eine durchaus denkbare Schwächeperiode könnte wie bei OM für einen Absturz sorgen. (krä)

15. (-4) Roma

Champions League: Aus in der Vorrunde gegen Bayern München, Manchester City und CSKA Moskva
Serie A: Zweiter
Europa League: Zweite Runde gegen Feyenoord
Coppa Italia: Aus im Viertelfinale gegen die Fiorentina
Bilanz: 15-9-6 (Schnitt 1,8)

Die Roma spielt weiterhin aus einer starken Defensivordnung, hat viel Ballbesitz, aber Probleme vor dem Tor. In den letzten zehn Ligaspielen spielte die Roma sechsmal unentschieden. Wie zuletzt gegen Empoli wurden die Torchancen oft fahrlässig vergeben. Wohl auch deshalb nahm man in der Winterpause einige Veränderungen vor. Mattia Destro wurde an Milan verliehen. Neu im Kader dafür Seydou Doumbia. Die Roma ließ sich den Transfer des Ivorers 14,4 Millionen Euro kosten. Seine Leistungen bei ZSKA Moskau sprechen für sich. Doumbia erzielte dort 61 Tore in 95 Spielen. Bisher machte Doumbia wegen des Afrika-Cups aber noch kein Spiel für die Roma. Dass der Schuh in der Offensive drückt, beweist auch, dass derzeit Flügelspieler Adem Ljajic mit neun Toren der beste Goalgetter ist. Francesco Totti erzielte in 15 Partien gerade vier Tore. Verzichten muss die Roma erneut auf Kevin Strootman, der sich einem weiteren Eingriff am Knie unterziehen muss. Die schwache Form und mangelnde Durchschlagskraft sind der Grund für den Sturz der Roma von Platz 11 auf Platz 15 in diesem Ranking. Mit Doumbia wurde das Problem adressiert. Die Spiele gegen Feyenoord im Februar in der Europa League, vor allem aber das Heimspiel gegen Juve Anfang März werden zeigen, ob das Team von Rudi Garcia sich wirklich gegen Top-Gegner beweisen kann. (mic)

14. (-1) Valencia

La Liga: Vierter
Copa del Rey: Aus im Achtelfinale gegen Espanyol
Bilanz: 15-6-5 (Schnitt 1,96)

Seit unserer Januar-Rangliste hat Valencia das Verfolgerduell gegen Sevilla gewonnen, ist dafür aber gegen Espanyol aus dem Copa del Rey ausgeschieden. Somit können sich die Ches nun wirklich vollständig auf die Liga konzentrieren. Angesichts der Stärke der Großen Drei, auf die Valencia zurzeit sechs Punkte Rückstand hat, bedeutet das aber faktisch Konzentration auf den Kampf um Platz vier. Diesen machen der Mannschaft von Nuno Espírito Santo Sevilla und Villarreal streitig, diese drei Clubs dürften faktisch die restlichen spanischen Europacupplätze unter sich ausmachen. Der Einzug in die Champions League nach einer dreijährigen Pause wäre ein Signal, dass die positiven Tendenzen rund um den Club Wirkung zeigen und sich vielleicht eine nachhaltig positive Entwicklung bei Valencia einstellt. Da wir der Mannschaft Platz vier zutrauen, verbleibt Valencia auch ohne internationale Vergleiche auf einem Top-20-Platz in unserer Rangliste. (dan)

13. (+4) VfL Wolfsburg

Bundesliga: Zweiter
Europa League: Zweite Runde gegen Sporting Portugal
DFB-Pokal: Achtelfinale bei RB Leipzig
Bilanz: 16-7-5 (Schnitt 1,96)

In der Redaktion gingen nicht die Meinungen über die Wolfsburger Leistung auseinander, aber über die Platzierung. Wolfsburg oder Schalke? Wer wird als zweitbester deutscher Club in der Europa-Rangliste platziert? Die Argumente pro Wolfsburg: Der in jeder Hinsicht überzeugende 4:1-Sieg gegen Bayern München. Die qualitative Aufwertung des Kaders durch den Transfer von Weltmeister (dieses Wort muss man dieser Tage scheinbar voranstellen) André Schürrle. Die Tatsache, dass der VfL seit Ende November kein Spiel in der Bundesliga verloren hat, die zweitbeste Offensive der Liga stellt (41 Tore, zehn mehr als Schalke) und sieben Punkte Vorsprung auf den S04 hat. All diese Gründe reichten nicht, um Schalke 04 in dieser Rangliste zu überflügeln. Das liegt daran … (bitte lesen Sie weiter bei Team 12. Schalke 04). (mic)

12. (+4) Schalke 04

Champions League: Achtelfinale gegen Real Madrid
Bundesliga: Dritter
DFB-Pokal: Aus in der ersten Runde bei Dynamo Dresden
Bilanz: 12-6-9 (Schnitt 1,56)

Muss man sich für intelligent durchgeführten Defensivfußball schämen? Ist der erste Punktgewinn in der Arena des FC Bayern in dieser Saison ein Makel, weil er in Überzahl erspielt wurde? Mit diesen Fragen wird sich Kollege Daniel Raecke demnächst eingehender beschäftigen, aber der Aufstieg des FC Schalke um vier Plätze deutet eine ausführliche Antwort in aller Kürze an: nein! Die Königsblauen sind mit sieben Punkten hervorragend in die Rückrunde gestartet, für diese Bilanz reichten zwei erzielte Tore. Trainer Roberto di Matteo hat seine in der Vorrunde bereits angedeutete Spielidee verfeinert – und das unter schwierigen personellen Bedingungen. Die Verletztenliste ist weiterhin lang, mit Klaas-Jan Huntelaar fällt zudem der eigentlich unersetzliche Torjäger rotgesperrt aus. Wir halten die Schalker – trotz der Wolfsburger Erfolge – derzeit für die zweitbeste deutsche Mannschaft. Ob das am Ende für den zweiten Platz in der Bundesliga reichen wird, ist zweifelhaft, das liegt aber an dem durchwachsenen Start unter Di Matteos Vorgänger Jens Keller. (krä)

11. (+1) Arsenal

Champions League: Achtelfinale gegen AS Monaco
Premier League: Sechster
FA Cup: Achtelfinale gegen Middlesbrough
League Cup: Aus in der dritten Runde gegen Southampton
Bilanz: 20-8-8 (1,89)

Der 2:0-Sieg bei Manchester City war Arsenals erster Erfolg gegen ein Top-3-Team seit vielen Jahren – und veranlasste uns eigentlich schon, den Gunners einen noch größeren Sprung im Ranking zu prophezeien als nur um einen Platz. Die rein statistische Form der Mannschaft sieht nämlich sehr gut aus, und die erneute Qualifikation für die Champions League schien recht wahrscheinlich. Rechtzeitig vor Veröffentlichung der nächsten Rangliste verlor Arsenal dann jedoch trotz Führung das North London Derby bei Tottenham Hotspur. Der letzte Besuch bei einem CL-Anwärter vor dem City-Spiel war in Southampton ebenfalls verloren gegangen, in Liverpool gab es ein Unentschieden. Anders gesagt: Arsenal hat jetzt in der Liga gegen die sechs stärksten Gegner bereits auswärts gespielt. Heraus kamen ein Sieg, ein Unentschieden und vier Niederlagen. Das ist weiterhin nicht gut genug, um zu den Top Ten Europas zu gehören – auch wenn die Gunners das nominell von sich sagen könnten, wenn sie über Monaco ins CL-Viertelfinale einziehen sollten. (dan)

10. (=) Tottenham Hotspur

Premier League: Fünfter
Europa League: Zweite Runde gegen Fiorentina
FA Cup: Aus in der vierten Runde gegen Leicester City
League Cup: Finale gegen Chelsea
Bilanz: 23-8-9 (Schnitt 1,93)

Der eben schon angesprochene Derbysieg gegen Arsenal hält die Spurs im Ranking knapp vor ihrem Erzrivalen. So sieht es auch in der Premier League aus, wo nur ein Punkt die beiden Nordlondoner Clubs trennt. Auch der Punkteschnitt der beiden ist fast identisch. Bei so engen Verhältnissen könnten der eigentlich etwas bessere Kader Arsenals oder die Tatsache, dass die Gunners in der Champions League vertreten sind, durchaus auch den Ausschlag für Arsenal geben. Der Sieg im direkten Duell, die Form (eine Niederlage aus den letzten zehn Ligaspielen gegenüber drei bei Arsenal), das immer noch nachvibrierende 5:3 gegen Chelsea und schließlich der Eindruck, dass Mauricio Pochettino inzwischen der bessere Trainer ist als Arsène Wenger, führen dazu, dass die Weißen vor den Roten bleiben. (dan)

9. (=) Manchester United

Premier League: Vierter
FA Cup: Achtelfinale bei Preston North End
League Cup: Aus in der zweiten Runde bei Milton Keynes Dons
Bilanz: 14-9-5 (Schnitt 1,82)

Von ihren letzten 17 Spielen haben die Red Devils nur ein einziges verloren (gegen Southampton), und dabei kein einziges Mal mehr als ein Gegentor kassiert. Das ist ein umso beachtlicherer Wert, wenn man bedenkt, dass die allgemeine Einschätzung des Kaders (auch die von Gegen den Ball) die Defensive als große Schwachstelle ausgemacht hatte. Aber Louis van Gaal hat United eine Qualität gegeben, die unsere Kollegen von Spielverlagerung wohl „Erfolgsstabilität“ nennen würden. Gegen die antizyklische Herangehensweise, also mit einem offensivlastigen Kader defensivorientierten Fußball spielen zu lassen, ist nicht das Geringste zu sagen. Da nichts dafür spricht, dass dieser Trainer mit diesem Kader einen spektakulären Einbruch erleidet (ohne Europacupstress), sollte sich United, wie von vornherein prophezeit, einen der ersten vier Premier League-Plätze sichern können. (dan)

8. (-1) Paris Saint-Germain

Champions League: Achtelfinale gegen Chelsea
Ligue 1: Dritter
Coupe de France: Achtelfinale gegen FC Nantes
Coupe de la Ligue: Finale gegen SC Bastia
Bilanz: 23-10-3 (Schnitt 2,19)

Seit der Niederlage in Barcelona in der Champions League und anschließend gegen Guingamp in der Liga ging es mit Paris in der Rangliste der besten Clubs Europas bergab. Dabei verlor man im Anschluss nur eines von zwölf Pflichtspielen (in Bastia). In der Ligue 1 ist PSG dennoch nur Dritter und verpasste zuletzt den Big Point gegen Tabellenführer Lyon (1:1). Der Anspruch eines Top-Ten-Teams Europas müsste sein, in einer im Vergleich zu England, Spanien und Deutschland eher schwächeren Liga herauszustechen. Dies gelingt PSG derzeit nicht. In der Champions League kommt es zum erneuten Aufeinandertreffen mit Chelsea. Im Viertelfinale des letzten Jahres kam Chelsea durch ein Tor von Demba Ba in der 87. Minute aufgrund der Auswärtstorregel weiter. Allerdings sind die Blues personell und mannschaftstaktisch in der Entwicklung vorangeschritten, was man von Paris zu Saisonbeginn (Sieg gegen Barca) auch dachte. Dieser Glaube ist ins Wanken geraten. (mic)

7. (-1) Manchester City

Champions League: Achtelfinale gegen Barcelona
Premier League: Zweiter
FA Cup: Aus in der vierten Runde gegen Middlesbrough
League Cup: Aus in der vierten Runde gegen Newcastle United
Bilanz: 18-9-8 (Schnitt 1,8)

Anfang Januar machte Yaya Touré sein letztes Pflichtspiel für Manchester City. Der gerade zum Afrika-Cup-Sieger gekrönte Nationalspieler der Elfenbeinküste wird die Entwicklung seines Clubs aus der Ferne mit Sorge beobachtet haben, denn ohne Touré gelang City kein Pflichtspielerfolg mehr. Drei Punkte in vier Ligaspielen und das Aus im FA Cup sind deutliche Anzeichen einer Krise. Aber ist es tatsächlich eine Touré-Krise? Abhängigkeiten von einzelnen Spielern sind nie gut, kommen aber in den besten Clubs vor. Dabei knüpfte der Mittelfeldspieler in der Hinrunde nicht an die überragende Vorsaison mit 36 Torbeteiligungen in allen Wettbewerben an. Trotzdem ist er im zentralen Mittelfeld der entscheidende Lenker, seine Vertreter Fernando und Fernandinho haben Schwächen im Spielaufbau. Nun kehrt Touré zurück, ob er nach den Strapazen des Afrika-Cups sofort helfen kann, muss abgewartet werden. Die zweitbeste englische Mannschaft hat in der Premier League entscheidenden Boden auf Chelsea verloren und ist in beiden nationalen Pokalwettbewerben ausgeschieden – die Konzentration auf das Achtelfinale der Champions League erscheint sinnvoll. Mit dem FC Barcelona kommt ein würdiger Gegner, um d1ie internationale Reifeprüfung anzugehen. (krä)

6. (+2) Juventus

Champions League: Achtelfinale gegen Borussia Dortmund
Serie A: Erster
Coppa Italia: Halbfinale gegen Fiorentina
Bilanz: 21-7-3 (Schnitt 2,26)

Juventus ist in der Serie A das, was Bayern in der Bundesliga darstellt. Souverän thront der Tabellenführer über dem Rest der Liga. Juve verlor überhaupt erst eins der 22 Spiele (Bayern eins aus 20), bekam bisher nur zehn Gegentore (Bayern neun) und hat sieben Punkte Vorsprung auf Platz zwei (Bayern acht). Klar, die Serie A ist nicht ganz so stark wie die Bundesliga und in der Champions League-Gruppenphase musste Juve Atlético den Vortritt lassen. Im Achtelfinale ist Juventus gegen den BVB allerdings der Favorit. Juve spielte in den letzten fünf Spielen viermal zu null. Mit Pogba, Tévez, Vidal, Morata, Llorente besitzt Juve viel Offensivpower. Der Trend zeigt nach oben, der Kader ist stark. (mic)

5. (=) Atlético de Madrid

Champions League: Achtelfinale gegen Bayer Leverkusen
La Liga: Dritter
Copa del Rey: Aus im Viertelfinale gegen Barcelona
Bilanz: 23-6-7 (Schnitt 2,08)

Etwas widersprüchlich ist die Indizienlage, wenn man ermitteln will, wie gut Atlético wirklich ist. Betrachtet man nur die Spiele gegen Real Madrid, dann ist die Sache klar: Sechs Spiele, keine Niederlage, dreimal zu null gespielt. Das klingt nach absoluter Weltklasse und Titelanwärter in der Champions League. Betrachtet man nur die Spiele gegen Barcelona, scheint es ebenfalls eindeutig zu sein: Drei Spiele, drei Niederlagen. Demnach wäre Atléti ein Kandidat auf Platz drei in der Liga und einen Champions League-Run, der genau so lange anhielte, bis man auf Bayern, Barcelona oder Chelsea träfe. Sieht man sich die restlichen Spiele gegen in diesem Ranking vertretene Clubs an, wird der Widerspruch nicht aufgehoben: 1:0 und 0:0 gegen Juventus in der Champions League, Niederlage in Valencia. Der jüngste Eindruck vom fantastischen 4:0 gegen Real ist jedoch noch so frisch, dass man Diego Simeone und seinem Team zumindest potenziell alles zutrauen muss – bis hin zum erneuten Finaleinzug. Die Colchoneros sollten allerdings hoffen, statt auf Barcelona lieber ein siebtes Mal in dieser Saison auf den Stadtrivalen zu treffen. (dan)

4. (-1) Chelsea

Champions League: Achtelfinale gegen Paris Saint-Germain
Premier League: Erster
FA Cup: Aus in der vierten Runde gegen Bradford City
League Cup: Finale gegen Tottenham Hotspur
Bilanz: 26-8-3 (Schnitt 2,32)

Chelseas Pokalaus gegen Bradford City im Januar muss zu den großen Sensationen der europäischen Fußballgeschichte gezählt werden: Die Blues führten zu Hause an der Stamford Bridge mit 2:0 gegen den Drittligisten – und verloren noch mit 2:4. Damit erzielten die Bantams, ein Team, das rund um diesen Triumph weder gegen Yeovil Town noch gegen Rochdale, Colchester United oder Port Vale gewinnen konnte, mehr als ein Drittel aller Tore, die Gäste in der ganzen Saison an der Bridge feierten. Zwar lief nicht Chelseas beste Elf auf, aber auch den Reservisten hätte man eine derartige Blamage nicht zugetraut. Nun ist ein solches Pokalaus für uns normalerweise kein Grund, ein Team abzuwerten, das in der Champions League dabei ist und souveräner Tabellenführer einer großen Liga ist. So hat Chelseas Fall auf Platz vier auch weniger etwas mit Bradford zu tun als mit der Stärke Barcelonas, dessen überragende Form dazu geführt hat, dass die Blaugrana Chelsea überholt haben. (dan)

3. (-1) Real Madrid

Champions League: Achtelfinale gegen Schalke 04
La Liga: Erster
Copa del Rey: Aus im Achtelfinale gegen Atlético de Madrid
Bilanz: 29-2-6 (Schnitt 2,41)

Schon vor dem aus Madrider Sicht verhängnisvollen Derbi gegen Atlético hatten wir unsere Überzeugung, Real sei besser als Barcelona, angesichts des famosen Laufs der Katalanen hinterfragt. Das bittere und auch jenseits des Resultats ernüchternde 0:4 im Vicente Calderón aber macht es fast zwingend, dass die Blancos hinter ihren Erzfeind zurückfallen. Nach 22 Siegen in Serie zum Abschluss des Jahres 2014 kam Carlo Ancelottis Team im neuen Jahr noch nicht wieder auf die alte Betriebstemperatur. Aus den vier schwersten Spielen seit dem Jahreswechsel (dreimal Atlético, einmal Valencia) holte Real nur ein Unentschieden. Besonders auffällig zeigte sich dabei, dass der vermeintliche Luxus-Kader bei Weitem nicht alle Ausfälle kompensieren kann. War die lange Verletzung von Luka Modric bisher noch erstaunlich gut aufgefangen worden, so ist Real ohne Modric, Marcelo und Sergio Ramos gleichzeitig einfach keine Weltklassemannschaft. Da zumindest Ramos und Marcelo schnell zurückkehren sollten, wollen wir Madrid damit keineswegs abschreiben, wenn es um die Verteidigung des Champions League-Titels angeht. Aber es muss wohl schon vieles passen, damit dieses Team erneut 4:0 in München gewinnt. (dan)

2. (+2) Barcelona

Champions League: Achtelfinale gegen Manchester City
La Liga: Zweiter
Copa del Rey: Halbfinale gegen Villarreal
Bilanz: 28-2-4 (Schnitt 2,53)

Der FC Barcelona hat den Favoritenkreis auf den Champions-League-Titel erweitert. Standen bisher Chelsea, Bayern und Real eine Stufe über den restlichen Spitzenclubs in Europa, so haben die Katalanen seit dem Jahreswechsel nicht nur auf-, sondern schon überholt. Von einem in den Medien lancierten Bruch zwischen Trainer Luis Enrique und Lionel Messi ist nichts zu erkennen. Der Trainer hat es mittlerweile geschafft, Messi mit Neymar und Luis Suárez zu einer funktionierenden Einheit im Angriff zu formen. Dabei fällt auf, dass sich die Spielweise von Barça verändert hat. Vor allem die drei Pflichtspielerfolge gegen Atlético im Januar haben gezeigt, wie Enrique mit Kontern und Standardsituationen zwei neue Elemente integriert hat. Mit beeindruckenden 19 Siegen aus den vergangenen 21 Pflichtspielen hat sich Barcelona sogar zur Mannschaft mit dem besten Punkteschnitt in Europas Topligen entwickelt. Für Real und Chelsea hat das gereicht, beim FC Bayern greift noch der Winterpausen-Schutz. (krä)

1. (=) Bayern München

Champions League: Achtelfinale gegen Shakhtar Donetsk
Bundesliga: Erster
DFB-Pokal: Achtelfinale gegen Eintracht Braunschweig
Bilanz: 22-4-3 (Schnitt 2,41)

Die einstige Favoriten-Troika hat sich in wenigen Wochen so verwundbar gezeigt, wie wir es nicht für möglich gehalten haben und wie es einem Topfavoriten auf den Champions-League-Titel eigentlich nicht passieren darf. Chelsea machte mit der 3:5-Niederlage in Tottenham den Anfang, die Bayern folgten mit dem 1:4 in Wolfsburg und Real wurde von Atlético beim 0:4 an die Wand gespielt. Für die Münchner war es in der Bundesliga die erste Niederlage unter Josep Guardiola in einem Spiel, in dem es um etwas ging – und insgesamt die erste bedeutsame Niederlage seit dem Aus in der Champions League in der vergangenen Saison gegen Real Madrid. Der Bayern-Motor ist zu Beginn der Rückrunde ins Straucheln geraten. Dante und Medhi Benatia fallen in der Abwehr gegenüber Jérôme Boateng zu deutlich ab. Im Mittelfeld funktionieren die Abläufe zwischen Xabi Alonso und Bastian Schweinsteiger nicht. Und Robert Lewandowski ist immer noch nicht so integriert, dass er Leistungen wie im BVB-Trikot zeigen könnte. Es gibt Baustellen, aber solche Anlaufschwierigkeiten nach fünfwöchiger Pause sind ok. Die wichtigen Spiele kommen erst, und damit ist nicht das CL-Achtelfinale gegen Donetsk gemeint. (krä)

Schwarz-Gelber Peter

Es verging in der Vorbereitung auf die Rückrunde kein Tag ohne Schlagzeilen über Borussia Dortmund. Verständlicherweise, denn die Meisterschaft des FC Bayern steht fest. Also steht der BVB nach dem beispiellosen Absturz in der Hinrunde noch stärker im Fokus. Wie viele Fehler gesteht Trainer Jürgen Klopp ein? Kann die Borussia absteigen oder sich rehabilitieren? Kommen nach Kevin Kampl weitere Verstärkungen? Oder werden gar die internationalen Plätze angegriffen? Und das ist nur ein kleine Auswahl an Themen der Kaffeesatzleser.

Allgemeiner Tenor ist: Borussia Dortmund steht vor der wichtigsten Rückrunde der jüngeren Vereinsgeschichte. Wer einen Abstieg für realistisch hält, mag so denken. Ich wünsche Klopp, Manager Michael Zorc und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke allerdings mehr Weitsicht. Denn natürlich muss der Abstieg vermieden werden, aber die mittelfristige Zukunft des Clubs wird in anderen Bereichen entschieden.

Champions League wäre Zauberei

Bevor ich darauf näher eingehe, noch ein paar einordnende Worte zur sportlichen Situation: Der BVB benötigt für den Klassenerhalt, je nach Ausbeute der Konkurrenz, zwischen 20 und 25 Punkte. Das wird mit verbesserter körperlicher Konstitution, der Rückkehr der Schlüsselspieler Marco Reus und Mats Hummels sowie Kampl als Zugang, der sich in der Dortmunder Spielidee sofort zurechtfindet, problemlos zu schaffen sein.

Offen ist für mich nur der Zeitpunkt der Rettung. Kommt der BVB mit sieben oder neun Punkten aus der Englischen Woche mit den Spielen gegen Leverkusen, Augsburg und Freiburg, wird es schnell gehen. Dann sind auch schwarz-gelbe Feiertage in der Champions League und im DFB-Pokal denkbar. Wird die erste Woche nur mit drei oder vier Punkte beschlossen, wird der Prozess etwas länger dauern. Es bleibt aber dabei: Mit dieser individuellen Klasse wird Borussia Dortmund nicht absteigen.

Wer nun ins andere Extrem verfällt und von Europa oder gar Champions League träumt, dem sei folgende Rechnung ans Herz gelegt: 55 Punkte gelten in der Bundesliga als Richtwert für das Erreichen der Europa League, 60 sind es für einen Platz in der Champions League. Der BVB müsste in der Rückrunde somit 40 oder 45 Zähler holen – Klopp ist aber immer noch Trainer und kein Zauberer.

Und wenn es am letzten Spieltag wegen schwächelnder Konkurrenten doch noch die Chance geben sollte, Rang sechs zu erreichen, sollte Klopp den Spielern mit seiner blumigen Art erklären, wie öde die Europa League und wie Erfolg versprechend ein Jahr ohne internationale Einsätze sein kann.

Klopp hat sich im Vorfeld der Rückrunde entschieden, zahlreiche Medientermine wahrzunehmen. Das ist sein gutes Recht, allerdings wirkten seine Äußerungen eindimensional und wenig selbstkritisch. Der schlechten Vorbereitung im Sommer wurde der Schwarz-Gelbe Peter zugeschoben. Ich habe bereits aufgezeigt, dass es deutlich mehr zu kritisieren gibt – und in der Analyse fehlten die katastrophalen Auswärtsspiele in Berlin und Bremen. Wenn Klopp auch intern diese Meinung vertreten sollte, wird sich vermutlich wenig ändern. Dabei gibt es genug zu tun:

  • Situation der Schlüsselspieler: Neben Reus und Hummels gibt es mit Ilkay Gündogan einen dritten Spieler im BVB-Kader, der in Bestform nicht zu ersetzen ist. Der Abgang dieses Trios wäre der GAU, ist aber möglich. Reus besitzt eine Ausstiegsklausel, Gündogans Vertrag läuft bis 2016 und ein ablösefreier Abgang soll verhindert werden und Hummels wird immer wieder mit europäischen Topmannschaften in Verbindung gebracht. Weitere Gedanken wären eigene Kaffeesatzleserei, aber die Dortmunder müssen auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Kampl als möglicher Nachfolger von Reus war der erste richtige Schritt.
  • Umbruch einleiten: Unabhängig von den Entscheidungen der Schlüsselspieler braucht Borussia Dortmund im Sommer einen Schnitt, den Klopp schon im vergangenen Jahr hätte einleiten müssen. Der Kader braucht neue Impulse, verschiedene Spieler haben sich nicht weiter- bzw. zurückentwickelt. Und ohne internationale Einsätze ist der Kader ohnehin zu groß. Meine persönliche Verkaufsliste enthält fünf prominente Namen: Roman Weidenfeller, Marcel Schmelzer, Jakub Blaszczykowski, Shinji Kagawa und Milos Jojic. Für Weidenfeller müsste dann ein neuer Torwart kommen, als Ersatz von Schmelzer wurde mit Jeremy Dudziak bereits ein viel versprechendes Talent mit einem Profivertrag ausgestattet und anstelle der drei Mittelfeldspieler sollte ein Ersatzmann reichen.
  • Taktische Neuerungen: Für die Rückrunde halte ich die Konzentration auf bewährte Stärken mit Gegenpressing und Umschaltspiel für die richtige Entscheidung. Doch im Hinblick auf die neue Saison muss Klopp sein Team taktisch weiterentwickeln. Bei Ballbesitz wirkt der BVB häufig ideenlos, da ist der Trainer mit seinem für Taktik verantwortlichen Co Zeljko Buvac gefragt.

Der BVB will sich als Nummer zwei des deutschen Fußballs hinter dem FC Bayern etablieren, auch international hat die Borussia ambitionierte Ziele. Dafür müssen bis zum kommenden Sommer die richtigen Weichen gestellt werden. Die reine Konzentration auf den Abstiegskampf ist deshalb nicht ausreichend, sonst ziehen Wolfsburg, Schalke oder Leverkusen dauerhaft vorbei. Und diesen Schwarz-Gelben Peter dürfte dann auch Klopp nicht mehr loswerden.

Umparken im Kopf

Jürgen Klopp ist ein hervorragender Trainer. Es dürfte schwer werden, Vertreter einer anderen Meinung zu finden. Jürgen Klopp ist aber auch ein omnipräsenter Mann der Öffentlichkeit, der mit diversen Werbeverträgen, stetig guter Laune und verbalen Aussetzern gegen Schiedsrichter die Fußball-Öffentlichkeit spaltet. Es dürfte deutlich leichter sein, Menschen zu finden, die von Klopp genervt sind.

Aktuell ist der Gute-Laune-Klopp nur noch ganz selten zu sehen. Seine Mannschaft spielt in der Bundesliga seit Monaten erfolglosen, seit ein paar Wochen gar schlechten Fußball. Klopp wirkt müde, um Erklärungen ringend, ratlos – und deshalb nicht wie Klopp. Es scheint, als müsse er die Veränderung realisieren, wie er es in einem Werbespot für eine Automarke fordert .

Parallel zu den kritischer werdenden Fans, die nach der 0:2-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt erstmals ihren Unmut äußerten, kippt auch die Stimmung in den deutschen Medien. Wochenlang wurden nur die zwei Gesichter des BVB thematisiert, so als müsse Klopp seinen Spielern vor einem Bundesliga-Spiel nur sagen, dass sie doch bitte wie in der Champions League spielen sollen. Und nun soll die Borussia plötzlich ein ernsthafter Abstiegskandidat sein?

Dabei ist der bisherige Saisonverlauf ein Produkt verschiedener Komponenten:

Der Unersetzliche: Robert Lewandowski

Möglicherweise hört man es in Dortmund nicht gerne, aber der Transfer von Robert Lewandowski zum FC Bayern war der erste Abgang eines Leistungsträgers, den der BVB nicht kompensieren konnte. Und wirklich überraschend kam dieser Umstand nicht.

Der polnische Stürmer war nicht nur wegen seiner 74 Bundesliga-Tore in vier Jahren ein Erfolgsgarant. Lewandowski war das Multitalent in Dortmunds Mannschaft. Er machte lange Pässe fest und legte sie erfolgreich ab. Mit ihm konnte das spielstarke Mittelfeld kombinieren. Er fehlte in den vier Jahren nur in fünf Bundesliga-Spielen. Er lief viel und absolvierte dabei die richtigen Laufwege. Und Lewandowski hatte das taktische System von Klopp perfekt verinnerlicht.

Nach den Abgängen von Nuri Sahin (2011), Shinji Kagawa (2012) und Mario Götze (2013) stand Klopp vermeintlich vor ähnlichen Problemen. Das Trio ist allerdings im Mittelfeld beheimatet, deshalb war Dortmunds Trainer nicht gezwungen, einen unmittelbaren Ersatzmann zu finden. Mit mannschaftsinternen Verschiebungen, kleinen taktischen Änderungen und den Zugängen von Ilkay Gündogan (2011), Marco Reus (2012) und Henrikh Mkhitaryan (2013) blieb der BVB die zweitbeste deutsche Mannschaft.

Vor dieser Saison reagierte Klopp personell gar doppelt, mit Adrián Ramos und Ciro Immobile kamen zwei neue Angreifer als Ersatz für Lewandowski. Die beiden unterschiedlichen Stürmertypen sollten Klopps Möglichkeiten erhöhen, zudem sollte der Druck des Lewandowski-Erbes auf vier Schultern verteilt werden. Die Strategie ging nicht auf, Immobile und Ramos wirken verunsichert und lange noch nicht integriert – auch weil beide den jeweils anderen im Kampf um einen Stammplatz ausstechen wollen.

Der Abgang von Lewandowski war nicht zu verhindern und ist auch nicht das Problem. Klopp und Manager Michael Zorc müssen sich aber den Vorwurf gefallen lassen, nicht schon ein Jahr vorher auf den bevorstehenden Transfer reagiert zu haben (und wer bitte hatte im Sommer 2013 Zweifel, dass Lewandowski den Verein verlassen würde?). Zumal die Macher in Dortmund wussten: Anpassungsprobleme an Klopps System sind obligatorisch. Dass Pierre-Emerick Aubameyang nun häufig im Angriff aushilft und das eine Jahr Erfahrung mitbringt, war so jedenfalls nicht geplant.

Von Millionen und Muttis Schoß

Damit wäre ich auch schon bei der Einkaufspolitik des BVB angelangt. Seit der Meisterschaft 2011 gaben die Dortmunder laut transfermarkt.de 144,85 Millionen Euro für neue Spieler aus. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke erklärt das mit schwierigen Verhandlungen und der um die finanziellen Möglichkeiten wissenden Konkurrenz. Trotzdem bleibt es eine immense Summe, die eine Erwartungshaltung mit sich brachte. Zum Vergleich: Der FC Bayern investierte im selben Zeitraum 234 Millionen Euro, der FC Schalke 44,25 Millionen in Ablösesummen.

Abgesehen von Spielern aus den eigenen Reihen – wie Erik Durm oder Marian Sarr – verteilt sich die Transfersumme auf 17 Spieler in vier Jahren. Ohne jetzt alle Namen nennen zu wollen, als uneingeschränkte Verstärkung lasse ich nur Gündogan, Reus und Sokratis gelten, mit leichten Abstrichen auch noch Aubameyang und Rückkehrer Sahin. Bei den aktuellen Zugängen ist ein endgültiges Fazit natürlich noch zu früh.

Apropos Sahin: Die Rückholaktion des Türken, der als jüngster Bundesliga-Torschütze ein Stück BVB-Geschichte geschrieben hat, war bereits ein sentimentaler Transfer. Noch viel mehr gilt das für Shinji Kagawa. Der Japaner verließ die Borussia nach der zweiten Meisterschaft 2012, hatte zwei unglückliche Jahre in Manchester, die auch auf seine Leistungen im Nationalteam abfärbten. #freeshinji wurde also nur verpflichtet, weil die Erinnerungen an seine Leistungen in Dortmund kaum verblasst waren.

Jeder andere Spieler wäre nach diesen zwei Jahren in Manchester wohl durch das Scouting-Netz gefallen. Zumal Klopp gerade sein Mittelfeld in dieser Saison taktisch flexibler gestalten wollte, Kagawa aber nachweislich nur im Zentrum funktioniert. Die Rückkehr in Muttis warmen Schoß geht auch im realen Leben selten gut aus – für beide Seiten.

Die sportlichen Probleme

Die personellen Voraussetzungen im Kader stimmten somit schon vor der Saison nicht. Geblendet von den vergangenen Jahren und vom Erfolg im Supercup gegen die Bayern prognostizierten aber auch wir von Gegen den Ball einen zweiten Platz für den BVB.

Um 16 Plätze vertut man sich als Experte natürlich ungern. Am Ende der Saison wird die Diskrepanz auch wieder deutlich kleiner sein, aber zum Ausblick komme ich später. Was hat neben der kritikwürdigen Personalplanung noch zur sportlichen Schieflage beigetragen?

  • Chancenverwertung: Dieses Problem ist nicht neu, hat jedoch eine andere Dimension erreicht. Der BVB lässt seit Jahren beste Torchancen durch Unkonzentriertheiten aus, auch wenn es in Sachen Torchancen und Torabschlüsse am Ende immer zu Spitzenplätzen in der Bundesliga gereicht hat. In dieser Saison werden weniger Chancen herausgespielt (Rang 5 in der Bundesliga), zudem hat die Konzentration vor dem Tor weiter abgenommen. Die Dortmunder liegen in der Chancenverwertung nur auf dem 17. Liga-Rang. Zwei Beispiele: Mit 32 Torschüssen reichte es in der vergangenen Saison zu einem 1:0-Heimsieg gegen Werder Bremen, gegen Hannover ging in dieser Spielzeit das Heimspiel mit 18 Torschüssen 0:1 verloren. In Frankfurt kamen dann noch Pech und ein überragender Torwart hinzu – so funktioniert Abstiegskampf.
  • Individuelle Fehler: Sieben der bisher 21 Gegentore in der Bundesliga fielen nach krassen Patzern eines BVB-Spielers. Wenn ich Roman Weidenfellers Langsamkeit bei Hiroshi Kiyotakes Freistoßtreffer für Hannover und die nicht eindeutig zuzuordnenden Fehler beim 2:2 gegen Paderborn hinzuzähle, ist es sogar fast jeder zweite Gegentreffer.
  • Verletztenmisere: Für die vielen Ausfälle gibt es keinen Schuldigen, außer womöglich die allgemein hohe Intensität für Fußball-Profis. Bis auf Weidenfeller, Kevin Großkreutz und Aubameyang mussten in den vergangenen anderthalb Jahren alle Stammspieler mal für einen längeren Zeitraum aussetzen. Diese Probleme kennt man in München und Gelsenkirchen aber nur zu gut. Was ist also der Unterschied zur Lage bei den großen Rivalen? Die Bayern profitieren vom ausgeglichenerem Kader, zudem braucht das laufintensive Spiel des BVB die vollständige Fitness aller Spieler.
  • Läuferische Ineffizienz: Borussia Dortmund ist weiterhin eine der Mannschaften, die in der Bundesliga am meisten läuft. Das spricht für die konditionelle Verfassung, wirft aber trotzdem Fragen auf. Warum kann die Mannschaft im zweiten Durchgang häufig nicht mehr zulegen? Warum sind sieben Gegentore in der Schlussviertelstunde gefallen?
  • Weltmeisterschaft: Analog zu den Verletzungssorgen hat der BVB auch bei den Folgebelastungen der WM kein Alleinstellungsmerkmal. Allerdings ist bei der Borussia auffällig, dass mit Weidenfeller, Großkreutz, Durm und Matthias Ginter gleich vier Spieler im Kader stehen, die in Brasilien keine Minute gespielt haben, sich trotzdem Weltmeister nennen dürfen und seitdem in einem Leistungstief stecken.
  • Taktischer Stillstand: Klopp hatte in der vergangenen Saison erkannt, dass sich immer mehr Teams auf die Gegenpressing-Maschine des BVB eingestellt hatten. Er ließ in der Vorbereitung mit situativen 4-1-4-1- oder 4-3-1-2-Systemen neue Taktiken einstudieren, um das eigene Ballbesitzspiel gefährlicher zu machen. Klopp wollte mit einer flexibleren Raumaufteilung für Überzahlsituationen sorgen, was in einigen Testspielen auch gut funktionierte. Dann kamen die ersten Verletzten sowie die Rückkehr von Kagawa – seitdem spielt der BVB wieder überwiegend im 4-2-3-1 mit Fokus auf Pressingaktivitäten und weiß sich deshalb in Spielen gegen tief stehende Gegner und mit hohem Ballbesitz-Anteil nicht durchzusetzen.

Abhängigkeit von zwei Spielern

Viele Faktoren für den Absturz habe ich genannt. In der vergangenen Woche gesellte sich ein Problem hinzu, dass es in einem Kader mit dermaßen hoher individueller Qualität eigentlich nicht geben sollte: Die Spieler sind verunsichert. Sie suchen einen Anführer, einen starken Charakter, der sich durch den Tabellenplatz nicht beirren lässt.

Eigentlich hatte der BVB mit dem 1:0-Sieg gegen Mönchengladbach den Wendepunkt erreicht. Es folgte eine gute erste Halbzeit gegen Paderborn mit einer 2:0-Führung, die, beeinflusst durch die Verletzung von Marco Reus, wieder verspielt wurde. Reus mag kein Anführer, kein Lautsprecher sein, er kann an durchwachsenen Tagen aber den Unterschied ausmachen.

Mit Mats Hummels fehlte auch der zweite Spieler, der – unabhängig von seiner Bedeutung als spielender Innenverteidiger – in der Dortmunder Mannschaft in der derzeitigen Verfassung nicht zu ersetzen ist. Alle anderen Spieler sind mit sich selbst beschäftigt, in einem Leistungsloch, suchen ihren Platz im System oder haben Probleme mit der neuen tabellarischen Situation. Im Moment ist die Borussia abhängig von zwei Spielern, was für ein Team mit den Ansprüchen des BVB ein sehr schlechtes Zeichen ist.

Die Akte Mkhitaryan

In dieser psychologischen Debatte bedarf es einer gesonderten Betrachtung des Armeniers Henrikh Mkhitaryan. Der Mittelfeldspieler ist schnell, läuferisch stark, technisch extrem gut, besitzt eine tolle Schusstechnik und weiß auch defensive Zweikämpfe zu führen. Eigentlich der perfekte Spieler für Klopp, so erklärt sich die Ablösesumme von 27,5 Millionen Euro für Shakhtar Donetsk.

Mkhitaryan ist aber auch ein nachdenklicher Mensch, was ihn augenscheinlich hindert, mit Selbstvertrauen sein komplettes Leistungsvermögen abzurufen. In der schwächeren ukrainischen Liga fiel das nicht so ins Gewicht. Schon in seinem ersten Jahr widerlegte er die These, Neuzugänge bräuchten unter Klopp ein Jahr, um alle Anforderungen zu verstehen. Mkhitaryan hatte schnell verstanden – und war trotzdem kein absoluter Leistungsträger, was bei neun Toren und zehn Vorlagen absurd klingt.

Der 25-Jährige schwamm in seiner ersten Saison mit, weil es Reus, Lewandowski, Sahin und Hummels möglich machten. In der aktuellen Spielzeit fehlen die Schwimmhilfen – und Mkhitaryan grübelt noch mehr. Nach 13 Spielen war der Armenier noch an keinem Tor direkt beteiligt, bei 21 Torschüssen und 16 Torschussvorlagen. Er taugt wegen der hohen Ablösesumme als Götze-Ersatz und seiner Fähigkeiten zum größten Symbol der Dortmunder Krise.

Kann der BVB wirklich absteigen?

Ich werde jetzt ganz sicher nicht schreiben, dass im Fußball ja alles möglich sei. Borussia Dortmund wird die Klasse halten – souverän sogar. Manager Zorc hat offiziell den Abstiegskampf ausgerufen, ein nachvollziehbarer Reflex, da der Einzug in die Champions League tatsächlich unrealistisch geworden ist. Aktuell hat der BVB elf Punkte, für Rang vier brauchte man in der Bundesliga in den vergangenen zehn Jahren sechsmal 60 Punkte oder mehr. Umgerechnet bedeutet das im Fall der Dortmunder: 16, vielleicht sogar 17 Siege bei noch 21 ausstehenden Spielen. Die Argumente für eine deutlich bessere Rückrunde sind trotzdem vielfältig:

  1. Der Verein behält die Ruhe und lässt Klopp in Ruhe weiterarbeiten.
  2. Mats Hummels kehrt noch in der Hinrunde zurück.
  3. Marco Reus kann die Vorbereitung zur Rückrunde bestreiten und in guter Form zurückkehren.
  4. Ilkay Gündogan wird das Grundlagentraining im Januar auf dem Weg zur alten Verfassung behilflich sein.
  5. Mit dem DFB-Pokal gibt es ein positives Saisonziel.
  6. Mit Kuba Blaszczykowski erhöht sich die Flexibilität im Mittelfeld, wo sich Reus, Kagawa und Mkhitaryan zu ähnlich sind.
  7. Klopp kann in der Vorbereitung seinen taktischen Plan neu auf die Agenda nehmen.
  8. Mit Reus wird in der Rückrunde die Gefährlichkeit der Standardsituationen zunehmen.
  9. Immobile und Ramos werden Fortschritte machen.
  10. Die Mannschaft parkt wie Klopp im Kopf um und wird sich spätestens in der Rückrunde an die neue Ausgangslage gewöhnt haben.

Exkurs: Die Bedeutung der medialen Top-Themen

Drei Themen habe ich in meiner Analyse bewusst ausgespart, obwohl sie in den Medien einen großen Raum bekommen. Für mich haben alle drei jedoch keine Bedeutung für die aktuelle Situation des BVB:

  • Reus und Bayern: Ausstiegsklausel, Interessensbekundung, Transfer-Pakt – die Schlagzeilen reißen nicht ab. Die Mannschaft spielt aber nicht schlechter, weil der Topstar in einem halben Jahr den Club verlassen könnte.
  • Unterstützung der Fans: Die Mannschaft hätte auch nicht besser oder schlechter gespielt, wenn die Südtribüne nach den Heimniederlagen gegen den HSV und Hannover gepfiffen hätte.
  • Klopp und ein möglicher Rücktritt: Nach der Niederlage in Frankfurt musste sich der Trainer erstmals Fragen zu seiner Zukunft stellen lassen. Wer sich in Dortmund auskennt, weiß um die Absurdität solcher Gedanken. Die Mannschaft weiß das auch.

Die Europarangliste im November 2014

In unserem Top-20-Ranking der besten Clubs Europas versuchen wir die Stärken der Clubs aus verschiedenen Ligen miteinander zu vergleichen und damit zugleich eine Prognose über den Saisonverlauf der Teams abzugeben. Es geht also darum, wie erfolgreich die Mannschaften am Ende der Saison letztlich sein werden, nicht um die aktuelle Form der letzten Wochen. Je weiter die Saison fortschreitet, desto weniger kommen wir am aktuellen Geschehen und den tatsächlichen Resultaten vorbei, und am Ende zählt das Potenzial nichts mehr, nur noch das Erreichte.

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20. (17) Napoli

Serie A: Fünfter
Europa League: Gruppenphase gegen BSC Young Boys, Slovan Bratislava und Sparta Praha (Dritter)
Coppa Italia: Start im Achtelfinale
Pflichtspielbilanz: 7-4-4 (Punkteschnitt 1,67)

Nach dem schwachen Saisonstart und dem Aus in der Champions League-Qualifikation konnte sich Napoli zuletzt fangen. Der Sieg gegen die Roma zeigt, dass wir mit unserer nicht unumstrittenen Nominierung Napolis unter die Top 20 Europas doch nicht so ganz falsch gelegen haben. Und wir haben es wieder getan. Napoli hat durchaus seine Stärken. Hinter Juve schießt Napoli am zweithäufigsten in Richtung Tor des Gegners und am häufigsten auf das Tor des Gegners. José Callejón hat bereits acht Treffer erzielt. Gonzalo Higuaín trumpfte zuletzt gegen Rom als Torschütze und Vorlagengeber auf. Der für Frederico Fernández gekommene Kalidou Koulibaly ist der erhoffte Ersatz in der Innenverteidigung und spielt eine starke Saison. Auch wenn Teams wie Zenit oder Wolfsburg mit den Hufen scharren. Wir glauben weiter an das Team von Coach Rafael Benítez. (mic)

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19. (neu) Borussia Mönchengladbach

Bundesliga: Dritter
Europa League: Gruppenphase mit Villarreal, FC Zürich und Apollon Limassol (Zweiter)
DFB-Pokal: Achtelfinale bei Kickers Offenbach
Pflichtspielbilanz: 10-7-0 (Punkteschnitt 2,18)

Nein, Sie haben nicht versehentlich die Europarangliste vom November 1977 angeklickt. Borussia Mönchengladbach unter den besten 20 Clubs Europas? Durchaus, wie wir finden. Übersteht die Borussia diese Woche mit den Auswärtsspielen in Zypern und Dortmund, dann ist die Mannschaft von Lucien Favre genau ein halbes Kalenderjahr lang in allen Wettbewerben ungeschlagen – in dann 19 aufeinanderfolgenden Spielen. Und das bei Dreifachbelastung in Bundesliga, DFB-Pokal und Europa League. Favres auf den ersten Blick simples 4-4-2 hat durch die gezielte Verstärkung der offensiven Außenbahnen durch den Kauf von André Hahn und Ibrahima Traoré deutlich gewonnen – was sich gerade erst am 0:0 gegen Bayern München zeigte, als die Fohlenelf zur erst zweiten Mannschaft seit Real Madrids Halbfinaltriumph im April wurde, die es schaffte, gegen die Bayern zu Null zu spielen. Wie sich Gladbach etwa gegen Teams wie Zenit St. Petersburg, knapp an der Aufnahme in unser aktuelles Ranking gescheitert, schlagen würde, ist spekulativ. Es spricht aber nichts dafür, dass die Borussia in einem solchen Duell chancenlos wäre. (dan)

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18. (neu) Schalke 04

Champions League: Gruppenphase mit Chelsea, Sporting Portugal und NK Maribor (Zweiter)
Bundesliga: Achter
DFB-Pokal: Aus in der ersten Runde bei Dynamo Dresden
Pflichtspielbilanz: 5-4-5 (Punkteschnitt 1,36)

Wen wir ein Team neu in die Rangliste aufnehmen, dass in der laufenden Saison die wenigsten Siege aller hier aufgeführten Mannschaften erringen konnte, dann muss das schon spezielle Gründe haben. Die wollen wir auch nicht verschweigen. Wir glauben an den sehr gut besetzten Kader der Schalker und zudem hat sich die Trainersituation auf Schalke endlich geändert. Zur Bilanz von Jens Keller empfehlen wir den Artikel von Martin Rafelt. Roberto Di Matteo eilt ein guter Ruf voraus, ist er doch CL-Sieger mit Chelsea geworden. Die Arbeit des 44-jährigen Coaches ist allerdings noch schwer einzuschätzen. Welche Idee hat er im Spiel mit dem Ball? Man darf gespannt sein. Die Remis gegen Bayern und Chelsea haben gezeigt, dass Schalkes Team auch auf höchstem Niveau mithalten kann. In der machbaren CL-Gruppe G sollte Schalke Zweiter werden. In der Bundesliga müssten die Knappen mit diesem Spielermaterial eigentlich auf Platz zwei oder drei landen. Allerdings braucht das Team Zeit, Di Matteos Fußball aufzunehmen. Die Verletzungsmisere geht weiter und einige Schlüsselspieler stehen nicht dauerhaft zur Verfügung oder bringen keine Topleistungen (Boateng, Farfan, Draxler, Meyer). Dass Schalke sein Potenzial endlich nutzt, ist somit noch nicht gesagt. Ein erneutes Auf und Ab der Leistungen könnte die Knappen auch wieder aus der Europarangliste katapultieren. Entweder findet der königsblaue Fußball zu einer Identität oder Schalke wird endgültig zur Fahrstuhlmannschaft dieses Rankings. (mic)

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17. (neu) Olympique de Marseille

Ligue 1: Erster
Coupe de France: Start in der neunten Runde
Coupe de la Ligue: Aus im Achtelfinale bei Stade Rennais
Pflichtspielbilanz: 9-1-3 (Punkteschnitt 2,15)

Trainer Marcelo Bielsa ist wohl der Hauptgrund, warum OM in dieser Saison die Tabellenspitze der Ligue 1 schmückt. Der akribische Coach, der unter Taktikfreaks seine Anhänger hat, machte aus dem Tabellensechsten der letzten Saison einen echten Meisterschaftsanwärter. Mit 27 Toren in 12 Spielen ist Marseille das torgefährlichste Team der Liga. In der 3-5-2-Formation des argentinischen Trainers spielt Dimitri Payet eine starke Saison auf der Zehn (3 Tore/4 Assists), André-Pierre Gignac trifft, wie er will (10 Tore) und Nicolas N’Koulou ist der Garant in der Abwehr. Wichtiger als einzelne Spieler ist aber das mannschaftstaktische Konzept. Bielsa ist ein Fan vom Ballbesitzspiel und setzt auf Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte. 19 Tore fielen bisher aus dem Spiel, keines durch einen Konter. Marseille schlägt die zweitmeisten Flanken der Liga im Schnitt in den Strafraum. Dabei ist vor allem der linke Flügel die bevorzugte Angriffsseite mit dem 20-jährigen Benjamin Mendy (3 Vorlagen/1.8 Flanken pro Spiel im Schnitt). Die spannende Frage ist nicht, ob Marseille in der Europarangliste noch weiter aufsteigen kann, denn ohne internationalen Vergleich wird dies ein schwieriges Unterfangen. Die Frage ist, ob Marseille tatsächlich auf Dauer vor PSG rangieren kann und die Meisterschaft in Frankreich für sich entscheidet. Dann wäre der begehrteste Transfer sicherlich der des Trainers. (mic)

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16. (19) Valencia

La Liga: Zweiter
Copa del Rey: Start in der vierten Runde gegen Rayo Vallecano
Pflichtspielbilanz: 7-2-1 (Punkteschnitt 2,3)

Valencia ist nicht international vertreten. In der spanischen Liga sorgen sie dafür für Ausrufezeichen. Anfang Oktober konnte man Atlético Madrid die erste Saisonniederlage zufügen. Derzeit ist das Team aus der drittgrößten Stadt Spaniens Tabellenzweiter – noch vor Atlético und Barcelona. Zu dem starken Team von Neu-Trainer Nuno Espírito Santo gehört ein bärenstarker Nicolás Otamendi in der Abwehr, aber auch Spaniens neuer Nationalstürmer Paco Alcácer, der in der EM-Qualifikation schon drei Mal traf und in der laufenden Saison für Valencia vier Tore und vier Assists erzielen konnte. Beim Auswärtssieg gegen Villarreal wurde aber ein anderer Spieler zum Helden. Weltmeister Shkodran Mustafi, vor der Saison für acht Millionen Euro zu Valencia gewechselt, erzielte beim 3:1-Sieg zwei Treffer. „Das war ein wichtiger Sieg, und ich bin glücklich, dass ich meinen ersten Doppelpack geschnürt habe“, so Mustafi anschließend. Valencia könnte in dieser Saison durchaus einen CL-Platz erreichen. Milliardär Peter Lim aus Singapur hatte erst vor kurzem knapp über 70 Prozent der Vereinsanteile des überschuldeten Clubs übernommen. Der Platz in unserer Rangliste ist allerdings nicht direkt käuflich. Valencia wird sich in den kommenden Wochen im Fernduell mit Teams wie Schalke oder Zenit messen lassen müssen, die durch gute Leistungen in der CL weitere Punkte sammeln können. (mic)

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15. (13) Tottenham Hotspur

Premier League: Achter
Europa League: Gruppenphase mit Besiktas, FK Partizan und Asteras Tripolis (Erster)
FA Cup: Start in der dritten Runde

League Cup: Viertelfinale gegen Newcastle United

Ach ja, die Spurs. Freunde und Feinde des Nordlondoner Traditionsclubs neigen gleichermaßen dazu, dem Team eine „Kultur des Scheiterns“ zu attestieren, wie gerade erst wieder der Journalist Jonathan Wilson auf Twitter oder Keir Radnedge im Kicker. Doch so überaus enttäuschend ist die Bilanz des neuen Managers Mauricio Pochettino gar nicht, wenn man nicht jede überraschende Niederlage als Fanal begreifen will. In allen Pokalwettbewerben noch aussichtsreich vertreten, in der Premier League drei Punkte hinter einem Champions League-Platz – das mag nicht fantastisch sein, aber wirklich schlecht ist es einfach auch nicht. Eher unwahrscheinlich, dass Tottenham in dieser Saison unter die Top Four kommt. Der Gewinn eines anderen Titels ist aber nicht unrealistisch, wenn der Vorstand nicht wieder Panik bekommt und einen Trainer feuert, bevor er seinen Spielstil entwickeln konnte. (dan)

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14. (15) Bayer Leverkusen

Champions League: Gruppenphase mit AS Monaco, Zenit und Benfica (Erster)
Bundesliga: Fünfter
DFB-Pokal: Achtelfinale gegen Kaiserslautern

Pflichtspielbilanz: 9-5-3 (Punkteschnitt 1,88)

Das Spiel beim VfB Stuttgart, wo Bayer nach einer 3:0-Führung am Ende mit einem 3:3 nach Hause fuhr, beschreibt die Saison des Werksclubs „in a Nutshell“. Man schlägt Dortmund, Zenit, Benfica und Schalke 04 höchst überzeugend. Verliert aber gegen den HSV, spielt nur remis gegen Paderborn, Stuttgart und Freiburg. Leverkusen kassiert zu viele Gegentore. Der Tabellensechzehnte Freiburg hat ein Tor weniger kassiert (14) als die Truppe von Roger Schmidt (15). Zum anderen nutzt das junge Team von Roger Schmidt die Chancen nicht konsequent aus, wie gegen Stuttgart oder auch Monaco gesehen. Das enorme Pressing hat den Nachteil, dass es Räume öffnet. Die kann der Gegner meist zunächst nicht nutzen, weil er so stark unter Druck steht. Lässt Bayers Druck aber nach und die überfallartigen Angriffe verlieren an Intensität und Genauigkeit, dann kommt Leverkusen ins Schwimmen und die instabile Abwehr frisst Gegentore wie das Krümelmonster die Kekse. Dennoch. Leverkusen führt die CL-Gruppe C an. Bayers Spiel hat eine klare Struktur, es steckt ein klarer Plan dahinter und man hatte schon in den letzten Spielen den Eindruck, dass Roger Schmidts Team besser abgestimmt und ausbalanciert wirkte. (mic)

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13. (12) Liverpool

Champions League: Gruppenphase mit Real Madrid, FC Basel und Ludogorets Razgrad (Dritter)
Premier League: Siebter
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Viertelfinale in Bournemouth
Pflichtspielbilanz: 6-3-6 (Punkteschnitt 1,4)

Die Reds spielen nach der Vizemeisterschaft eine mäßige Saison, in der trotzdem noch vieles möglich ist. Im League Cup wurde zweimal auf den letzten Drücker das Ausscheiden verhindert, gegen Bournemouth dürfte der Einzug ins Halbfinale jedoch gelingen. In der Champions League wiegt die Niederlage gegen den FC Basel tabellarisch noch nicht so schwer, weil die Schweizer ihrerseits in Rasgrad verloren. Und in der Premier League gab es bereits vier Niederlagen, der Rückstand auf den FC Arsenal auf Rang vier beträgt aber nur drei Zähler. Trotzdem droht Liverpool eine ungemütliche Länderspielpause, die nächsten beiden Gegner heißen Real Madrid und Chelsea. (krä)

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12. (14) Roma

Champions League: Gruppenphase mit Bayern München, Manchester City und CSKA Moskva (Zweiter)
Serie A: Zweiter
Coppa Italia: Start im Achtelfinale
Pflichtspielbilanz: 8-2-3 (Punkteschnitt 2)

An Selbstvertrauen mangelt es Romas Trainer Rudi Garcia nicht. Sein Team hatte Anfang Oktober gegen Meister Juventus 2:3 verloren, Garcia sprach im Anschluss trotzdem vom Scudetto: „Ich habe verstanden, dass wir in diesem Jahr den Meistertitel gewinnen werden.“ Bei drei Punkten Rückstand auf Juve ein machbares Vorhaben, allerdings muss die Roma ihre Schwäche in Topspielen ablegen. Am vergangenen Spieltag gab es eine 0:2-Niederlage gegen Napoli, das 1:7 gegen übermächtige Bayern zeigte die internationalen Grenzen unerwartet deutlich auf – einzig gegen Manchester City (1:1) zeigte Garcias Team die reife Leistung, die es konstanter abzurufen gilt. (krä)

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11. (7) Borussia Dortmund

Champions League: Gruppenphase mit Arsenal, Galatasaray und RSC Anderlecht (Erster)
Bundesliga: Siebzehnter
DFB-Pokal: Achtelfinale bei Dynamo Dresden
Pflichtspielbilanz: 8-1-7 (Punkteschnitt 1,56)

Die zwei Gesichter des BVB retten den Ranglisten-Dauergast vor einem tieferen Absturz oder gar einem historischen Sturz von Rang sieben komplett aus Europas Top 20. Bei genauerem Hinsehen stimmt die These mit dem traurigen Bundesliga- und dem vergnügten Champions-League-Gesicht auch gar nicht. Denn sowohl Anderlecht als auch das taktisch völlig unbedarfte Galatasaray spielten der Borussia mit ihren Leistungen, die es in der Bundesliga auch von Abstiegskandidaten nicht gibt, in die Karten. Einzig beim Sieg gegen Arsenal zeigte der BVB die herausragende Leistung, die ihn immer noch zu Deutschlands Nummer zwei und zu einem Kandidaten für das CL-Viertelfinale macht. Im Alltag kämpft das Team von Trainer Jürgen Klopp aber weiterhin mit physischen und taktischen Problemen, die bei Rückständen auch in die Psyche wandern. Bis zur Winterpause folgen noch die Spiele gegen Mönchengladbach, Paderborn, Frankfurt, Hoffenheim, Hertha, Wolfsburg und Bremen. Gelingen dabei fünf oder sechs Siege, ist eine Aufholjagd auf die Champions-League-Plätze nach der Winterpause möglich. (krä)

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10. (9) Arsenal

Champions League: Gruppenphase mit Borussia Dortmund, Galatasaray und RSC Anderlecht (Zweiter)
Premier League: Vierter
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Aus in der dritten Runde gegen Southampton
Pflichtspielbilanz: 8-6-3 (Punkteschnitt 1,77)

Alle, aber auch wirklich alle Indizien sprechen dafür, dass Arsenal für sein Festhalten an Arsène Wenger mit einer weiteren typischen Wenger-bei-Arsenal-Saison belohnt wird: Knapper Einzug in die Champions League, stark gegen kleine Gegner, unfähig, die ganz Großen zu schlagen. Inzwischen sind es 16 Premier League-Topspiele am Stück gegen Chelsea, Manchester City und Manchester United, die die Gunners nicht gewonnen haben – eine Serie, die sich inzwischen über fast drei Jahre erstreckt. Alle Mannschaften, die Arsenal in dieser Ligasaison schlagen konnte, stehen aktuell auf Platz 15 oder schlechter. Dass diese Bilanz trotzdem für Platz vier reicht, liegt an der durchwachsenen Form vieler Konkurrenten wie City, Liverpool oder United. Der wahrscheinliche Saisonverlauf mit dem erneuten Achtelfinalaus in der Champions League und Platz vier in der Liga mag dem Etikett „Boring Arsenal“ neue Berechtigung verleihen. Aber es ist nicht so, dass es in Europa 20 andere Clubs gäbe, die so etwas Jahr für Jahr mit der Präzision eines elsässischen Uhrwerks schaffen. (dan)

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9. (10) Manchester United

Premier League: Zehnter
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Aus in der zweiten Runde bei Milton Keynes Dons
Pflichtspielbilanz: 3-4-4 (Punkteschnitt 1,18)

Manchester United ist in unserem aktuellen Ranking um einen Rang gestiegen und hat die Platzierung mit Arsenal getauscht. Das weniger aufgrund der tatsächlichen Resultate (auch wenn United eine von nur zwei Mannschaften ist, die in dieser Premier League gegen Chelsea punkten konnten), sondern weiterhin eingedenk des großen Potenzials, das wir bei den Red Devils in der Kombination Kader – Manager Louis van Gaal – geringe Belastung ohne Europacup und Ligapokal sehen. Mag sein, dass die Defensive Uniteds auch mit Daley Blind und Marcos Rojo noch nicht höchsten Ansprüchen genügt. Das gilt gleichermaßen aber auch für Arsenal – mit dem Unterschied, dass die Gunners bei Weitem nicht so eine hochkarätig besetzte Offensive haben wie Manchester mit Ángel di María, Falcao, Robin van Persie, Wayne Rooney und Juan Mata. Wann Van Gaals Team Arsenal überholt haben wird, ist eine Frage des Zu welchem Zeitpunkt, nicht des Ob. (dan)

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8. (11) Juventus

Champions League: Gruppenphase mit Atlético de Madrid, Olympiakos und Malmö FF (Dritter)
Serie A: Erster
Coppa Italia: Start im Achtelfinale
Pflichtspielbilanz: 9-1-3 (Punkteschnitt 2,15)

Juventus präsentiert sich in Italien einmal mehr als das Nonplusultra. „Nicht noch weiter“, heißt das auf Latein und dies konnte Juve zumindest Milan und dem AS Rom im bisherigen Saisonverlauf schon zurufen. Die beiden Siege gegen starke Kontrahenten aus der Liga verleihen der alten Dame in unserer Rangliste Flügel – allerdings auch begünstigt durch die Schwächephase von Clubs wie Arsenal und Borussia Dortmund. Auf der anderen Seite gibt es ein Team, das ebenfalls Latein beherrscht und Juve in der CL-Gruppe A deutlich das Stop-Schild zeigte. Im Spiel gegen Atletico wurde Juve kontrolliert und gab keinen Schuss auf das Tor der Spanier ab. Auch die peinliche Niederlage bei Olympiakos hinterlässt Fragezeichen. Juve ist in Italien die beste Mannschaft, aber wie weit geht es auf internationaler Bühne? Derzeit läuft viel über die Superstars Carlos Tévez und Arturo Vidal. Fernando Llorente hat erst ein Ligator. In der CL hat noch keiner außer Tévez getroffen. Im Heimspiel gegen Olympiakos ist nun ein Sieg Pflicht, ansonsten ziehen wir im nächsten Ranking die „Nicht noch weiter“-Karte. (mic)

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7. (5) Manchester City

Champions League: Gruppenphase mit Bayern München, Roma und CSKA Moskva (Dritter)
Premier League: Dritter
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Aus in der vierten Runde gegen Newcastle United
Pflichtspielbilanz: 7-4-5 (Punkteschnitt 1,56)

Es sind die Stärke des Kaders und die Erfahrung von Manuel Pellegrini, die City so weit oben in unserem Ranking halten. Dabei enttäuschen die Citizens einmal mehr in der Champions League, wo sie nach einer etwas unglücklichen, aber respektablen Niederlage in München auch gegen Roma und in Moskau nicht gewinnen konnten, wobei sie im Geisterspiel von Khimki sogar einen Zwei-Tore-Vorsprung verspielten. Der Derbysieg gegen United half zuletzt, aufkommende Unruhe im Umfeld wieder etwas zu besänftigen, die nach Niederlagen in West Ham und im Ligapokal gegen Newcastle aufgekommen war. Nüchtern betrachtet, hat City noch alle Chancen auf das Achtelfinale in der Champions League, wenn man am letzten Spieltag in Rom gewinnen sollte. Und in der Liga spielt City in den neun verbleibenden Hinrundenspielen nur noch gegen zwei Mannschaften aus den Top Acht, und das sind Swansea City und Southampton. Vielen Punkten bis Weihnachten steht also nicht viel im Weg. (dan)

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6. (8) Atlético de Madrid

Champions League: Gruppenphase mit Juventus, Olympiakos und Malmö FF (Erster)
La Liga: Dritter

Copa del Rey: Start in der vierten Runde gegen L’Hospitalet
Pflichtspielbilanz: 10-3-2 (Punkteschnitt 2,2)

Den größten Sprung nach oben in den Top Ten der Rangliste hat Atlético gemacht. Wir müssen zugeben, dass wir der Mannschaft von Diego Simeone nicht zugetraut hatten, ihre starke Vorjahresform so fortzusetzen, wie es zurzeit zu beobachten ist, obwohl Diego Costa, Thibaut Courtois und Filipe Luis nach Chelsea wechselten. Dass das Team nicht einbrechen würde, lag zwar nahe – dazu ist Atlético unter Simeone einfach seit Jahren zu konstant in den Leistungen. Aber nach zuletzt sieben Siegen aus acht Pflichtspielen, darunter sechs Zu-null-Spiele, muss man konstatieren, dass Atlético wieder ein ernsthafter Kandidat für den spanischen Titel ist. Und in der Champions League zeigte der Sieg über Juventus, bei dem die Gäste keinen einzigen Schuss aufs Tor brachten, dass auch in Europa wieder einiges gehen könnte für die Rojiblancos. (dan)

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5. (4) Barcelona

Champions League: Gruppenphase mit Paris Saint-Germain, AFC Ajax und APOEL (Zweiter)
La Liga: Vierter
Copa del Rey: Start in der vierten Runde gegen Huesca
Pflichtspielbilanz: 9-1-3 (Punkteschnitt 2,15)

Bis vor zehn Tagen hatte Barcelona in der Liga noch kein einziges Gegentor kassiert. Dann kam Luis Suárez nach seiner Sperre in die Mannschaft. Fortan verlor Barca zwei Spiele in Folge und blieb im Heimspiel gegen Celta de Vigo sogar zum ersten Mal seit 56 Begegnungen wieder ohne eigenes Tor im Nou Camp. Das wirft zumindest als erster Eindruck ein schiefes Licht auf die Verpflichtung von Suárez, der erst noch zeigen muss, in einem 4-3-3 auf der Außenbahn seine Stärke optimal einbringen zu können. Auch könnte, so die ersten Anzeichen, die defensive Balance verloren gegangen sein. Allerdings sind zwei Spiele viel zu wenig Zeit, um so negative Urteile über eine individuell und mannschaftstaktisch so stark besetzte und eingespielte Mannschaft zu fällen. Die Niederlage in Paris in der Champions League, die ein wesentlicher Faktor für unsere Herabstufung der Blaugrana war, deutete aber schon an, dass die allerbesten Teams des Kontinents in dieser Saison zu stark für das Team von Luis Enrique sein könnten. (dan)

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4. (6) Paris Saint-Germain

Champions League: Gruppenphase mit Barcelona, AFC Ajax und APOEL (Erster)
Ligue 1: Zweiter
Coupe de France: Start in der neunten Runde
Coupe de la Ligue: Start im Achtelfinale
Pflichtspielbilanz: 9-7-0 (Punkteschnitt 2,13)

Als einziges Team in Frankreichs Ligue 1 ist Paris St. Germain noch ungeschlagen. Dennoch sind die Mannen um Coach Laurent Blanc nicht Tabellenführer. Das liegt zum einen an Marseille, das eine große Saison spielt, vor allem aber an den vielen Remis, die sich die Hauptstädter erlauben. Sechs Unentschieden u.a. gegen Monaco, Toulouse und Lyon sind es an der Zahl. In der Champions League bewies das Team von Laurent Blanc allerdings, dass sie auch ganz große Teams schlagen können. Solche Erfolge gegen Spitzenteams der Europarangliste bleiben von uns nicht unbemerkt und so haben wir Paris nach dem sensationellen Sieg gegen Barca zwei Plätze nach oben geschoben. Barcas Schwächen gegen Spitzenteams und der direkte Vergleich lassen uns an PSG glauben. Paris hat mit Thiago Silva und David Luiz eins der besten Innenverteidgerduos des Planeten und ist vorne mit Zlatan Ibrahimovic (5 Liga-Tore), Edinson Cavani (5) und Lucas (5) ehedem gut besetzt. Paris wirkt als Mannschaft gewachsen und in diesem Jahr zu allem fähig. (mic)

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3. (3) Bayern München

Champions League: Gruppenphase mit Manchester City, Roma und CSKA Moskva (Erster)
Bundesliga: Erster
DFB-Pokal: Achtelfinale gegen Eintracht Braunschweig
Pflichtspielbilanz: 12-3-1 (Punkteschnitt: 2,44)

In der September-Ausgabe schrieben wir von personellen, taktischen und läuferischen Defiziten, aufgrund derer wir den hochwertigen Kader der Bayern hinter Real und Chelsea einsortierten. Schnell stellte sich in den Wochen danach heraus, dass es Probleme auf extrem hohem Niveau waren. Denn seit der Niederlage im Supercup gegen Borussia Dortmund sind die Bayern ungeschlagen und kassierten sechs Gegentore. Warum klettert der Deutsche Meister in der Europarangliste trotzdem nicht? Weil wir die Top 3 sehr nah beieinander sehen und die Serien von Real und Chelsea nicht weniger beeindruckend sind. Die Rückkehr von Bastian Schweinsteiger, Thiago und Javi Martínez könnte in der Rückrunde dann das entscheidende Puzzleteil für eine richtig große Saison werden. (krä)

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2. (2.) Real Madrid

Champions League: Gruppenphase mit Liverpool, FC Basel und Ludogorets Razgrad (Erster)
La Liga: Erster
Copa del Rey: vierte Runde gegen UE Cornellà
Pflichtspielbilanz: 13-1-3 (Punkteschnitt 2,35)

Es brach zwar kein Sturm der Entrüstung über uns ein, aber dennoch war die Platzierung von Real Madrid nach zwei Niederlagen in der Liga, dazu der Pleite im Supercup auf dem zweiten Rang der Europarangliste September nicht unumstritten. Vielleicht darf man einwerfen, dass Real Madrid amtierender Champions League-Titelträger ist? Viel wichtiger für die Einordnung in der Europarangliste ist aber, welches Abschneiden trauen wir dem Team am Saisonende zu und das berechnen wir wie immer aus Kaderstärke, Qualität des Trainers und der aktuellen Form, die einen Hinweis auf das letztendliche Abschneiden geben sollte. Seit der letzten Europarangliste im September hat Real Madrid 46 Tore in 11 Spielen erzielt. Das sind im Schnitt 4,2 Tore pro Spiel! Dabei war nicht nur Laufkundschaft. Die Königlichen siegten in Liverpool mit 3:0 und gewannen den Classico mit 3:1. In der Liga ist das Team von Carlo Ancelotti Tabellenführer, hat die letzten sieben Spiele gewonnen und auch in der Champions League steht man verlustpunktfrei da. Atléticos Präsident sagte unlängst gegenüber Radio 4G: „Jedes Team hat seinen Zyklus. Barcelona hatte seinen, gegenwärtig aber nicht mehr. Das Real Madrid im Hier und Jetzt ist natürlich sensationell.“ Der deutsche Fokus in der Berichterstattung über Real Madrid liegt meist auf Toni Kroos. Der Weltmeister macht seine Sache in Madrid auch richtig gut. Er ist (hinter Teilzeitarbeiter Xavi) der passsicherste Spieler der Liga (93,6 Prozent der Pässe kommen an) und gab bisher in CL und Liga sechs Torvorlagen. Aber, Ehre wem Ehre gebührt! Cristiano Ronaldo hat in Liga und CL zusammen schon 20 Tore erzielt! Keine Frage. Die Offensivmaschine Real mit diesem Ausnahmespieler bleibt weiterhin unter den Favoriten auf den CL-Sieg und bei uns mit hauchdünnen Abständen auf Chelsea und Bayern auf Rang zwei. (mic)

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1. (1) Chelsea

Champions League: Gruppenphase mit Schalke 04, Sporting Portugal und NK Maribor (Erster)
Premier League: Erster
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Viertelfinale bei Derby County

Es gehört zu den Merkwürdigkeiten des aktuellen europäischen Fußballs, dass die drei bis fünf besten Teams des Kontinents fast unschlagbar erscheinen, wenn sie auf andere Mannschaften treffen, untereinander aber nicht viele Indizien dafür existieren, wer sich am Ende durchsetzen würde, wenn Bayern, Madrid oder Chelsea aufeinanderträfen. Die spektakuläre Form von Bayern und Real überdeckt in der Wahrnehmung etwas, wie überaus konstant und souverän Chelsea durch die Saison gleitet und selbst die Verletzung von Diego Costa ohne größere Probleme wegstecken kann. Als einzige Ranglistenmannschaft neben PSG (und Mönchengladbach!) noch ungeschlagen, gewann Chelsea alle Ligaspiele bis auf die beiden schweren Gastspiele in Manchester – in beiden kassierten die Londoner noch späte Gegentore, standen jeweils auch da vor dem Sieg. Seit wir Chelsea im September auf Platz eins des Rankings setzten, haben zwar Bayern und Real Madrid ihre Form sichtlich gesteigert. Es gibt aber einstweilen keinen Grund, Chelsea herabzustufen. Eine individuell auf allen Positionen herausragend besetzte, taktisch ausgereifte Mannschaft mit großem Trainer und einer guten Mischung aus Jugend und Erfahrung, die in dieser Saison alles gewinnen kann – gegen die anderen Topmannschaften aber an einem schlechten Tag sicher auch ausscheiden könnte. (dan)

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Prognose: Die Bundesliga-Vorschau

Wer vor der WM in Brasilien Spanien als neuen Weltmeister vorhergesagt hatte, sollte die Prognostiker-Karriere womöglich aufgeben. Unerschütterlich wie wir sind, wagen wir vor dem Bundesliga-Start den nächsten Versuch. Meister und erster Absteiger sind allgemeiner Konsens. Dazwischen gibt es mit Augsburg, Hannover, Hoffenheim und Schalke positive wie negative Überraschungen.

SC Paderborn 07

Vorsaison: Zweiter (2. Bundesliga)
Trainer: André Breitenreiter
Wichtigste Zugänge: Moritz Stoppelkamp (1860 München), Stefan Kutschke (Wolfsburg), Marvin Bakalorz (Frankfurt), Marvin Ducksch (BVB)
Wichtigste Abgänge: Johannes Wurtz (Fürth), Rick ten Voorde (Dordrecht), Markus Krösche (Karriereende)
Gegen den Ball-Prognose: Achtzehnter

Wenn man die Worte Paderborn und Qualität in einem Satz unterbringen will, dann muss man über den Trainer sprechen. Als Gast beim TSV Havelse konnte ich mir im März 2013 persönlich ein Bild von Breitenreiter machen, der mit dem Regionalligaclub den Aufstieg nur knapp verpasste und in der ersten Pokalrunde den 1. FC Nürnberg besiegen konnte. Im Mai wechselte Breitenreiter nach Paderborn und machte das Unmögliche möglich. Paderborn spielt erstklassig. Breitenreiter ist ein Senkrechtstarter im Traineramt, der mit taktischer Flexibilität und guter Ansprache begeistern kann. Wenn der Königstransfer aber den Namen Stoppelkamp trägt, dann sollte man realistisch bleiben. Trotz des guten Trainers rangiert der Kader klar unter Bundesliganiveau und am Ende werden Mahir Saglik und Co. absteigen. Der Trainer allerdings, könnte bei einem potenteren Club den nächsten Schritt machen. (mic)

FC Augsburg

Vorsaison: Achter
Trainer: Markus Weinzierl
Wichtigste Zugänge: Abdul Rahman Baba (Fürth), Caiuby (Ingolstadt) Nikola Djurdjic (Fürth), Markus Feulner (Nürnberg), Tim Matavz (Eindhoven), Shawn Parker (Mainz)
Wichtigste Abgänge: André Hahn (Mönchengladbach), Ji Dong-Won (BVB), Arkadiusz Milik (Leverkusen), Matthias Ostrzolek (HSV), Kevin Vogt (Köln)
Gegen den Ball-Prognose: Siebzehnter

Der FC Augsburg arbeitet mittlerweile im vierten Jahr an der Beziehung zu den selbsternannten Bundesliga-Experten. Die Fuggerstädter wehrten sich erfolgreich gegen die Rolle der kleinen Geliebten, die schnell wieder in die 2. Liga abgeschoben werden sollte. Augsburg galt drei Jahre lang als sicherer Abstiegskandidat und triumphierte am Ende stets über die Prognostiker. In diesem Sommer hat sich aber etwas verändert. Nach Rang acht, knapp verpasster Europa-League-Teilnahme und taktisch klugem Fußball werden die Augsburger ins sichere Mittelfeld der Liga gelobt. Nicht so bei Gegen den Ball. Unabhängig vom Pokalaus in Magdeburg glauben wir an ein erneutes Abtauchen in den Abstiegskampf – mit bösem Erwachen. Die Mannschaft spielte insgesamt über ihre Verhältnisse, im Speziellen gilt das für die Innenverteidiger Ragnar Klavan und Jan-Ingwer Callsen-Bracker sowie Mittelfeldspieler Tobias Werner. Verknüpft mit den schwer zu ersetzenden Abgängen Hahn, Vogt und Ostrzolek wird es Augsburgs Spiel an der offensiven Durchschlagskraft mangeln. (krä)

SC Freiburg

Vorsaison: Vierzehnter
Trainer: Christian Streich
Wichtigste Zugänge: Roman Bürki (Grashoppers), Mike Frantz (Nürnberg), Sebastian Mielitz (Bremen), Stefan Mitrovic (Benfica Lissabon), Sascha Riether (Fulham)
Wichtigste Abgänge: Oliver Baumann (Hoffenheim), Francis Coquelin (Arsenal), Gelson Fernandes (Stade Rennes), Matthias Ginter (BVB)
Gegen den Ball-Prognose: Sechzehnter

Schon im vergangenen Jahr sagten wir dem SC Freiburg mit Rang 16 eine schwere Saison voraus. Nun gehen die Breisgauer in ihre sechste Bundesliga-Saison in Folge, eine beachtliche Leistung angesichts der finanziellen Möglichkeiten. Die Voraussetzungen scheinen auf den ersten Blick besser zu sein, als in der vergangenen Saison. Da verließen mit Johannes Flum, Daniel Caligiuri, Max Kruse, Cedric Makiadi und Jan Rosenthal gleich fünf Stammspieler den Club und mit der Europa League gab es eine ungewohnte Doppelbelastung. Aktuell ist die Mannschaft eingespielter und kann sich auf die Liga konzentrieren. Trotzdem glauben wir erneut an den Einzug in die Relegation. Mit Ginter fehlt der Spielmacher aus der Tiefe und Stürmer Admir Mehmedi muss in Watte gepackt werden – der SC ist zu abhängig von den Toren des Schweizers. (krä)

Mainz 05

Vorsaison: Siebter
Trainer: Kasper Hjulmand
Wichtigste Zugänge: Daniel Brosinski (Greuther Fürth), Filip Djuricic (Benfica Lissabon), Gonzalo Jara (Nottingham Forest)
Wichtigste Abgänge: Eric-Maxim Choupo-Moting (Schalke 04), Nicolai Müller (HSV), Zdeněk Pospěch (Opava)
Gegen den Ball-Prognose: Fünfzehnter

Nach den Niederlagen in der Europa League-Qualifikation und in der ersten Runde des DFB-Pokals liegt es nahe, dem FSV Mainz 05 eine problematische Saison zu prognostizieren. Darum geht es aber nicht primär. Mainz gehörte in den letzten Jahren vom Etat her immer in die untere Tabellenhälfte. Der sehr gute Trainer ließ den qualitativ eher mauen Kader aber über die Verhältnisse spielen. Durch die gute Infrastruktur hat sich Mainz nach und nach einen kleinen Vorteil gegenüber Mannschaften wie Augsburg und Freiburg geschaffen. Wenn man allerdings den Trainer verliert, der aus einem Abstiegskampfteam eine Mannschaft im gesicherten Mittelfeld macht, und zusätzlich noch Leistungsträger abgeben muss, ohne adäquaten Ersatz zu bekommen, dann scheint die Zeit, in denen Mainz den anderen einen Schritt voraus war, nun dem Ende zuzugehen. (mic)

1. FC Köln

Vorsaison: Meister der 2. Liga
Trainer: Peter Stöger
Wichtigste Zugänge: Tomas Kalas (Chelsea), Osako Yuya (1860 München), Kevin Vogt (FC Augsburg), Simon Zoller (FC Kaiserslautern), Dusan Svento (Red Bull Salzburg), Mergim Mavraj (SpVgg Fürth), Pawel Olkowski (Górnik Zabrze)
Wichtigste Abgänge: Adil Chihi (Fulham), Kevin McKenna
Gegen den Ball-Prognose: Vierzehnter

Mit Köln ist ein großer Club zurück in der Bundesliga, und vieles spricht dafür, dass beim FC diesmal die Voraussetzungen für einen längeren Verbleib in der Liga gegeben sind als nach den vorherigen vier Aufstiegen, als die durchschnittliche Zeit bis zum Wiederabstieg zwei Saisons betrug. Denn mit einem besonnenen Sportdirektor in Jörg Schmadtke und einem renommierten, ruhig arbeitenden Trainer wie Peter Stöger besitzt der Club eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Führungsstruktur. Solche Strukturen kommen in Köln allerdings erfahrungsgemäß schnell auf den Prüfstand, sobald es mal sportlich nicht läuft. Aber der Kader sollte die schlimmsten Tiefen des Abstiegskampfs auf Distanz halten können. Wenn man andernorts gerne die mangelnde Breite eines Kaders moniert, so könnte man in Köln eher das Gegenteil sagen: Auch die Alternativen sind für die meisten Positionen für einen Aufsteiger ordentlich besetzt. Ob die individuelle Klasse in der Startelf für mehr als einen Platz im unteren Mittelfeld reicht, ist eine andere Frage. Unter Stöger kam der FC allerdings in der 2. Liga nicht primär über Einzel-, sondern über geschlossene Mannschaftsleistungen. Das ist eine gute Ausgangsbasis für einen Platz zwischen Zehn und 15 in der Bundesliga. (dan)

Hertha BSC

Vorsaison: Elfter
Trainer: Jos Luhukay
Wichtigste Neuzugänge: Valentin Stocker (Basel), Julian Schieber (BVB), Jens Hegeler (Leverkusen), Johnny Heitinga (Fulham), Marvin Plattenhardt (Nürnberg), Genki Haraguchi (Urawa Reds)
Wichtigsten Abgänge: Adrián Ramos (BVB), Levan Kobiashvili (Karriereende), Per Skjelbred (HSV)
Gegen den Ball-Prognose: Dreizehnter

Warum wir die Hertha zwei Plätze schlechter als im letzten Jahr einschätzen? Wer sich in der Bundesliga nicht verstärkt, sondern tendenziell verschlechtert, der wird es schwer haben, die gezeigten Leistungen zu bestätigen. Adrián Ramos sorgte im letzten Jahr für 16 Tore und sechs Vorlagen. Für den Dortmunder Neuzugang wurde der BVB-Fehleinkauf Julian Schieber geholt. Schieber konnte sich beim BVB nicht einmal als Joker in Position bringen und hat sich eher zurück- als weiterentwickelt. Auch seine ersten Auftritte im Dress der Berliner machen wenig Hoffnung darauf, dass er ein adäquater Ramos-Ersatz werden kann. Dazu kommt die vermutlich langwierige Verletzung von Schlüsselspieler Tolga Cigerci. Jos Luhukay muss wieder alle taktische Erfahrung einbringen, um die Hertha vor dem Abstieg zu bewahren. (mic)

Werder Bremen

Vorsaison: Zwölfter
Trainer: Robin Dutt
Wichtigste Zugänge: Izet Hajrovic (Galatasaray), Alejandro Galvez (Rayo Vallecano), Fin Bartels (FC St Pauli)
Wichtigste Abgänge: Aaron Hunt (Wolfsburg), Aleksandar Ignjovski (Eintracht Frankfurt), Sebastian Mielitz (Freiburg), Lukas Schmitz (Fortuna Düsseldorf)
Gegen den Ball-Prognose: Zwölfter

In der Winterpause der vergangenen Saison erhielt Robin Dutt in einer Umfrage unter den Lesern des Kicker ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt: Er wurde zum schlechtesten Trainer der Bundesliga gewählt. Das war ein wirklich erstaunliches Ergebnis, denn Dutt mag kein kommender Champions League-Sieger sein, ein richtig schlechter Trainer ist er aber sicher nicht. Dutt hatte in Bremen keine leichte Aufgabe. Einen Vorgänger zu beerben, der mehr als zehn Jahre bei einem Club gearbeitet hat, ist nie leicht – fragen Sie mal David Moyes. Wenn man dann noch bedenkt, dass Werder im Sommer vor Dutts Ankunft mit Sokratis und Kevin de Bruyne seine beiden besten Spieler verloren hatte und Dutt trotzdem eine deutlich bessere Saison verantwortete als Schaaf in seiner letzten Spielzeit, so kann man ihm sicher nicht pauschal schlechte Arbeit vorwerfen. In der nun kommenden Saison gilt es für Dutt, zu zeigen, dass er mit den weiterhin bescheidenen Mitteln auf dem Erreichten aufbauen und vielleicht den nächsten (kleinen) Schritt machen kann. Wieder ist mit Aaron Hunt ein Leistungsträger gegangen, aber mit Izet Hajrovic steht dafür ein potenzieller neuer Schlüsselspieler im Aufgebot. Wenn der eingespielte Kader funktioniert und die Organisation des Mittelfelds besser klappt als zuletzt, könnte eine sorgenfreie Saison im Mittelfeld bevorstehen. (dan)

Eintracht Frankfurt

Vorsaison: Dreizehnter
Trainer: Thomas Schaaf
Wichtigste Zugänge: Timothy Chandler (1Nürnberg), Makoto Hasebe (Nürnberg), Lucas Piazón (Chelsea), Haris Seferovic (Real Sociedad), Nelson Valdez (Al-Jazira)
Wichtigste Abgänge: Tranquillo Barnetta (Schalke), Sebastian Jung (Wolfsburg), Joselu (Hannover 96), Sebastian Rode (FC Bayern), Pirmin Schwegler (Eintracht Frankfurt)
Gegen den Ball-Prognose: Elfter

Wer solche Abgänge zu verzeichnen hat und mit einem neuen Trainer in die Saison geht, kann in der Tabelle keine großen Sprünge erwarten. Gerade in der Offensive wird vieles neu sein, da dürfte es in der Anfangsphase der Saison noch Anpassungsprobleme geben. Das deutete sich im DFB-Pokal an, als der eingewechselte Alex Meier in den 20 Minuten Spielzeit zum auffälligsten Akteur wurde. Trainer Schaaf will geradliniger als sein Vorgänger Armin Veh spielen lassen – das ehrt den einstigen Rautenverehrer, der in Frankfurt auf ein 4-2-3-1 setzt. Für ein Abrutschen in den Tabellenkeller ist mit Kevin Trapp, Carlos Zambrano, Marco Russ und Makoto Hasebe als zentrale defensive Achse dann aber doch zu viel Qualität vorhanden. (krä)

Hamburger SV

Vorsaison: Sechzehnter
Trainer: Mirko Slomka
Wichtigste Zugänge: Valon Behrami (SSC Neapel), Nicolai Müller (Mainz), Zoltan Stieber (Fürth), Artjoms Rudnevs (Hannover)
Wichtigste Abgänge: Hakan Calhanoglu (Leverkusen), Michael Mancienne (Nottingham Forest), Tomás Rincón (FC Genua)
Gegen den Ball-Prognose: Zehnter

„Es gibt Reis, Baby!“ Beim HSV soll sich in der kommenden Saison nicht jede Beurteilung auf Reis reimen. Dass es dazu nicht kommt, soll unter anderem mit der Verpflichtung von Cléber Janderson Pereira Reis sichergestellt werden. Viel wichtiger ist aber wohl, dass der HSV in ruhigeres Fahrwasser gerät. Dies sollte trotz und gerade wegen Klaus-Michael Kühne gelingen. Trotz seines ständigen medialen Störfeuers und gerade deshalb, weil er finanziell als essentieller Unterstützer auftritt. Didi Beiersdorfer strahlt viel Ruhe aus und verändert die Strukturen grundlegend. Nach Bernhard Peters kommt wohl nun auch Peter Knäbel vom Schweizer Fußballverband. Auch wenn die Unterschrift noch aussteht. Warum ich so viele Worte über das Umfeld verliere? Die zum Teil chaotische Vereinsführung, viele sportliche Fehlentscheidungen und zahlreiche Trainerwechsel haben den HSV fast in Liga zwei geführt. Die Mannschaft wurde im Rahmen der Möglichkeiten sinnvoll verstärkt. Rafael van der Vaart präsentiert sich körperlich in viel besserer Verfassung und das Team wird sich nicht noch einmal so unter Wert verkaufen, wie in der abgelaufenen Saison. Platz zehn dürfte drin sein und als erster Schritt in die richtige Richtung gelten. (mic)

VfB Stuttgart

Vorsaison: Fünfzehnter
Trainer: Armin Veh (neu von Eintracht Frankfurt)
Wichtigste Zugänge: Oriol Romeu (Chelsea), Daniel Ginczek (Nürnberg), Filip Kostic (FC Groningen), Florian Klein (Red Bull Salzburg), Adam Hlousek (Nürnberg)
Wichtigste Abgänge: Arthur Boka (Málaga), Ibrahima Traoré (Mönchengladbach), Rani Khedira (RB Leipzig), Cacau
Gegen den Ball-Prognose: Neunter

Nach einer Saison mit drei verschiedenen Cheftrainern und dem Beinahe-Abstieg, die fast parallel zu der des HSV verlief, ist mit Armin Veh zwar der vierte Coach innerhalb von zwölf Monaten für die Schwaben verantwortlich, aber seine Erfahrung und speziell sein Standing in Stuttgart sollten ein etwas ruhigeres und anhaltenderes Engagement erlauben. Sollten, wenn es nicht der VfB wäre, bei dem Fredi Bobic an mancher heißen Kartoffel länger festhielt als an seinen wichtigsten Angestellten. Veh bietet jedoch die Chance, diesen gerade in Stuttgart (wie in Hamburg) so endemischen Teufelskreis zu durchbrechen. Gab man ihm Zeit, so ist er eigentlich nirgendwo an der Aufgabe gescheitert, eine Mannschaft auf oder über das Niveau zu heben, das der Kader anbietet – mit dem VfB wurde Veh bekanntlich Meister, mit dem HSV kämpfte er um die Europacupplätze, Eintracht Frankfurt führte er aus der 2. Liga in die Europa League. In seiner zweiten Amtszeit beim VfB steht ihm ein, zumindest was die Startelf betrifft, gutes Aufgebot zur Verfügung, mit einem sehr guten Bundesligastürmer in Vedad Ibisevic und einem potenziell spielentscheidenden Mittelfeldzentrum mit Daniel Didavi und Oriol – hier gibt es allerdings auch negativere denkbare Szenarien. Insgesamt sollte es diesmal eine sorgenfreie Saison für den VfB werden. Hoffentlich sind damit alle Entscheidungsträger im Club zufrieden. (dan)

Borussia Mönchengladbach

Vorsaison: Sechster
Trainer: Lucien Favre
Wichtigste Zugänge: André Hahn (Augsburg), Thorgan Hazard (Chelsea), Fabian Johnson (Hoffenheim), Yann Sommer (FC Basel), Ibrahima Traoré (VfB Stuttgart)
Wichtigste Abgänge: Juan Arango (Tijuana), Luuk de Jong (Eindhoven), Marc-André ter Stegen (FC Barcelona)
Gegen den Ball-Prognose: Achter

Unter Lucien Favre hat sich die Borussia in den vergangenen Jahren von einem Abstiegskandidaten zum festen Bestandteil der Liga mit europäischen Ambitionen entwickelt. Der Schweizer hat klare taktische Vorstellungen. Mit seinen schnellen und polyvalenten Zugängen möchte er wieder einen Schritt in Richtung Turbofußball der Saison 2011/12 machen, als mit Marco Reus die Champions League erreicht wurde. Die Vorbereitung hat aber gezeigt, dass die Entwicklung der Mannschaft Zeit braucht, die Automatismen im schnellen Umschaltspiel noch lange nicht greifen. Hinzu kommt die Doppelbelastung aus der Europa League und die Stärke der Konkurrenz, die ein erneutes Vordringen in die Top Sechs verhindern. (krä)

Hannover 96

Vorsaison: Zehnter
Trainer: Tayfun Korkut
Wichtigste Zugänge: Joselu (TSG Hoffenheim), Kiyotake Hiroshi (Nürnberg), Stefan Thesker (Hoffenheim), Miiko Albornoz (Malmö FF), Ceyhun Gülselam (Galatasaray)
Wichtigste Abgänge: Mame Diouf (Stoke City), Huszti Szabolcs (Changchun Yatai), Sébastien Pocognoli (West Bromwich Albion), Didier Ya Konan (Al-Ittihad)

Auf den ersten Blick hat sich der Kader von Hannover 96 nicht verbessert. Die bewährte Qualität der Spieler, die gegangen sind, ist sicher nicht kleiner als die der Neuzugänge. Aber in der Rückrunde unter Tayfun Korkut, der im Winter Mirko Slomka ablöste, waren bei genauem Hinsehen schon sehr gute Ansätze im Spiel der Roten zu sehen. Mit Joselu hat Hannover einen Stürmer geholt, der genau passen könnte, Lars Stindl wird von Jahr zu Jahr besser und wenn Hiroshi Kiyotake die Form seiner Nürnberger Anfangssaison zurückfindet, muss Husztis Abgang kein schwerwiegender Verlust sein. Das sind keine unbestreitbaren Fakten, die Hannover zwingend einen einstelligen Tabellenplatz garantieren. Aber die Intuition zumindest zweier Redakteure von Gegen den Ball sagt: „Da geht was“. Um ehrlich zu sein, waren wir dicht davor, die Roten sogar zu dem Überraschungstipp der Saison schlechthin zu machen – bis jemand uns nochmal auf die Viererkette hinwies. Damit ist eine gute, aber keine Sensationssaison möglich. (dan)

TSG Hoffenheim

Vorsaison: Neunter
Trainer: Markus Gisdol
Wichtigste Zugänge: Oliver Baumann (Freiburg), Ermin Bicakcic (Braunschweig), Pirmin Schwegler (Eintracht Frankfurt), Adam Szalai (Schalke), Steven Zuber (ZSKA Moskau)
Wichtigster Abgang: Fabian Johnson (Mönchengladbach)
Gegen den Ball-Prognose: Sechster

Die Eindrücke aus Vorbereitung und DFB-Pokal dürfen ergebnistechnisch nicht überbewertet werden. Sonst wäre die TSG Hoffenheim ein Kandidat für die Champions League. Die in der vergangenen Saison so anfällige Defensive (70 Gegentore) spielte in sieben Testspielen zu Null, erst im achten Spiel kassierte der neue Torhüter Oliver Baumann gegen den FC Genua einen Gegentreffer. Nun hießen die Gegner auch Sportfreunde Lauffen oder FC Tuggen, aber der Trend lässt sich nicht bestreiten. Offensivliebhaber Markus Gisdol hat mit Pirmin Schwegler womöglich den Schlüsselspieler gefunden, der seinem Konstrukt die Stabilität verleiht. Denn die vielen Gegentore der vergangenen Saison hatten nur bedingt mit der Viererkette zu tun, vielmehr stimmte im Mittelfeld die Aufteilung häufig nicht. Schwegler ist ein Stratege, der seine Rolle diszipliniert ausfüllen und mit seinem Stellungsspiel Löcher stopfen kann. Genauso wichtig ist die Treue von Kevin Volland und Roberto Firmino. Macht das spielstarke Angriffsduo den nächsten Schritt in der Entwicklung, können die 72 Tore aus der Vorsaison (drittbester Ligawert) nochmals getoppt werden. Hoffenheim wird die Überraschungsmannschaft und zieht in die Europa League ein. (krä)

Schalke 04

Vorsaison: Dritter
Trainer: Jens Keller
Wichtigste Neuzugänge: Eric Maxim Choupo-Moting (Mainz), Sidney Sam (Leverkusen), Fabian Giefer (Düsseldorf), Tranquillo Barnetta (Frankfurt)
Wichtigsten Abgänge: Ádám Szalai (Hoffenheim), Kyriakos Papadopoulos (Leverkusen), Tim Hoogland (Fulham)
Gegen den Ball-Prognose: Fünfter

Die Knappen hinter Leverkusen und Wolfsburg nur auf Platz fünf? Das bedarf sicherlich eher einer Erklärung als Paderborns Abschneiden auf dem letzten Platz. Wer die Berichterstattung von Gegen den Ball kennt, der weiß um die Kritik an Trainer Jens Keller. Noch im Mai schrieb ich, Schalke hat auch weiterhin Probleme mit tief stehenden Gegnern, was die Erstrunden-Niederlage gegen Dresden erneut aufzeigen konnte. Die Pokalpleite sei ein Mentalitätsproblem gewesen, heißt es dazu. Mal sind es die Verletzungsprobleme, mal ist es der fehlende Wille – was bleibt ist, dass im Schalker Spiel kaum Fortschritte zu erkennen sind. Dazu kommt die wackelige Defensive in der die Rechtsverteidigerposition weiterhin ein Problem darstellt und auch die Doppelsechs Abstimmungsprobleme aufweist. Jens Keller ist ein solider Trainer, der in der Rückrunde gute Arbeit geleistet hat. Eine taktische Weiterentwicklung der Mannschaft ist allerdings nicht zu erkennen und für einen Club mit diesen Ansprüchen, ist das einfach zu wenig. Die Probleme rund um den Trainer und die enttäuschende Spielweise werden die sportliche Leistung der Schalker begleiten, beeinflussen und am Ende der Saison springt nur Platz fünf dabei heraus. (mic)

VfL Wolfsburg

Vorsaison: Fünfter
Trainer: Dieter Hecking
Wichtigste Neuzugänge: Aaron Hunt (Bremen), Sebastian Jung (Frankfurt), Josuha Guilavogui (Atlético Madrid), Nicklas Bendtner (Arsenal)
Wichtigsten Abgänge: Jan Polak (Nürnberg)
Gegen den Ball-Prognose: Vierter

Wolfsburg ist mittlerweile in zweierlei Hinsicht in der Lage, Leistungsträger von Frankfurt und Bremen abzuwerben. Der Club ist finanziell potent und mit Klaus Allofs und Dieter Hecking auch sportlich professionell aufgestellt. Der Grund, warum wir die Wölfe nach Platz fünf im vergangenen Jahr noch einen Platz besser einschätzen, ist aber die Qualität der Defensive. Sebastian Jung, Naldo, Robin Knoche, Ricardo Rodriguez. Das ist schon eine der besten Viererketten der Liga. Gerade auf den Außenverteidigerpositionen ist man klar stärker bestetzt als die Konkurrenten Schalke und Leverkusen. Dazu Luiz Gustavo und Josuha Guilavogui (oder Malanda) im defensiven Mittelfeld. Nicklas Bendtner wird innerhalb der GDB-Redaktion sehr kritisch gesehen, erhöht die Möglichkeiten in der Offensive aber zweifelsfrei. Wenn sich der VfL nicht zu sehr zwischen den drei Wettbewerben und der unattraktiven Europa League aufreiben lässt, dann winkt im nächsten Jahr die Champions League. (mic)

Bayer Leverkusen

Vorsaison: Vierter
Trainer: Roger Schmidt (neu von Red Bull Salzburg)
Wichtigste Zugänge: Josip Drmic (Nürnberg), Hakan Calhanoglu (HSV), Kyriakos Papadopoulos (Schalke), Wendell (Grêmio), Tin Jedvaj (AS Rom)
Wichtigste Abgänge: Emre Can (Liverpool), Sidney Sam (Schalke)
Gegen den Ball-Prognose: Dritter

Bayer 04 ist aus verschiedenen Gründen schwerer zu beurteilen als Bayern, Dortmund oder auch Schalke. Denn der neue Trainer Roger Schmidt hat nicht nur noch nie in der Bundesliga gearbeitet, sondern will auch einen anderen Fußball etablieren als er zuletzt am Rhein zu sehen war. Das bringt ihm und dem Club viele Vorschusslorbeeren ein. Diverse Medien tippten die Mannschaft zuletzt auf Platz zwei. Es fällt mir persönlich schwer, mir vorzustellen, wie Bayer, das schließlich parallel auch Champions League spielen wird (ebenfalls Neuland für Schmidt), gegenüber dem BVB zehn Punkte oder mehr wettmachen soll. Denn so gut der Leverkusener Kader sein mag – der von Dortmund ist sicher nicht schlechter. Und dort weiß man inzwischen, wie Doppelbelastung funktioniert, der Trainer kennt die Situation. Was wir von Leverkusen erwarten können, ist ein Platz zwischen drei und fünf. Tendenz drei eher als fünf, aber die Beurteilung der Situation auf Schalke und auch in Leverkusen erfordert zu viele Variablen, um mit Bestimmtheit zu sagen, dass Bayer am Ende vor den Knappen landet. Schon in der Champions League-Quali in Kopenhagen war zu sehen, wie gut Schmidts Fußball funktionieren könnte – und welche Risiken mit ihm verbunden sind. Bleibt anzunehmen, dass gegen bessere Gegner nicht immer beide Außenverteidiger gleichzeitig mit ins Angriffsspiel eingebunden sind, und dass man die Verteidigung von Standards  besser in den Griff bekommt. Dann steht Bayer vor einer guten, wenn auch vielleicht nicht überragenden Saison. (dan)

Borussia Dortmund

Vorsaison: Zweiter
Trainer: Jürgen Klopp
Wichtigste Zugänge: Ciro Immobile (FC Turin), Matthias Ginter (Freiburg), Adrián Ramos (Hertha BSC), Ji Dong-Won (Augsburg)
Wichtigster Abgang: Robert Lewandowski (FC Bayern)
Gegen den Ball-Prognose: Zweiter

Das wenig aussagekräftige Spiel um den Supercup hat es wieder gezeigt: Borussia Dortmund kann an guten Tagen den FC Bayern ärgern, sogar schlagen. Trotzdem wuchs der Rückstand in der Bundesliga in den vergangenen beiden Jahren auf 25 bzw. 19 Punkte an. Der BVB würde diesen Rückstand gerne verringern. Mit einem breiter aufgestellten Kader und der sich andeutenden Startprobleme in München könnte das auch gelingen. Ohne Torjäger Robert Lewandowski ist ein Vorbeiziehen aber nicht vorstellbar. Trainer Jürgen Klopp konnte namhafte Abgänge in den vergangenen Jahren zwar immer ersetzen, mit Immobile und Ramos müssen sich aber gleich zwei neue Stürmer an die taktischen Aufgaben im System Klopp gewöhnen. Das wird Zeit brauchen, möglicherweise sogar ein Jahr, wie die glänzende Vorbereitung von Henrikh Mkhitaryan und Pierre-Emerick Aubameyang gezeigt hat. Der BVB steht deutlich über dem Rest der Liga, aber eben auch weiter hinter dem Rivalen aus München. (krä)

Bayern München

Vorsaison: Meister
Trainer: Pep Guardiola
Wichtigste Zugänge: Robert Lewandowski (Borussia Dortmund), Sebastian Rode (Eintracht Frankfurt), Juan Bernat (Valencia), Pepe Reina (Liverpool)
Wichtigste Abgänge: Toni Kroos (Real Madrid), Mario Mandzukic (Atlético Madrid), Daniel van Buyten, Diego Contento (Girondins de Bordeaux)
Gegen den Ball-Prognose: Meister

Weitaus problematischer als vor einem Jahr scheint sich die Situation beim FC Bayern unmittelbar vor dem Start in die Bundesligasaison darzustellen. Die von der WM und der mangelnden Vorbereitungszeit geschlauchten Stars sind noch nicht wieder voll auf der Höhe, mit Javier Martínez, Bastian Schweinsteiger und Thiago fallen gleich drei Stars aus  – und mit Toni Kroos hat Bayern erstmals seit Langem wieder einen Weltklassespieler auf der Höhe seines Schaffens verloren. Bei genauerem Hinsehen war aber auch 2013 nicht alles perfekt. Zumindest wurde Guardiolas Arbeit da in den Medien kritisch beäugt, der Supercup war an Dortmund verloren worden. Es folgte die beste Saison aller Zeiten. So wird es diesmal vielleicht nicht kommen, denn die fehlenden oder nicht komplett fitten Spieler werden Spuren hinterlassen. Hier geht es aber um eine Bundesligaprognose. Und da ist die einzige für Bayern München relevante Frage: Werden sie Meister? Damit wir diese Frage verneinen könnten, müssten wir davon ausgehen, dass der BVB ohne Robert Lewandowski in dieser Saison 19 Punkte auf den FC Bayern mit Lewandowski gut macht. Klingt nicht sehr wahrscheinlich. Ich will nicht verhehlen, dass es in der Gegen den Ball-Redaktion Stimmen gab, die Borussia Dortmund zur Meisterschaft tippen wollten. Am Ende sind aber alle zur Besinnung gekommen. Der Unterschied in der Klasse des Kaders zum Rest der Liga ist einfach zu groß. (dan)

Supercup-Noten: Superhelden und Pechvögel

gdb-supercup-aufstellung_dreieck-kl-2Borussia Dortmund – FC Bayern 2:0

Der erste Titel der Saison geht an Borussia Dortmund. Der BVB stand im Supercup von der ersten Minute an sehr hoch, presste erfolgreich und schaffte es auch, schnell und gut umzuschalten. Am Ende schoss die Borussia 22 Mal auf das Tor der Bayern, einzig die Chancenverwertung war verbesserungswürdig.

Die Noten der Münchner Spieler zeigen: Solch einen schwachen Tag erwischt der FC Bayern nur ganz selten. Aber mit der Abwesenheit von Arjen Robben, Thiago, Franck Ribéry und Bastian Schweinsteiger und den deutlichen Defiziten der WM-Fahrer Thomas Müller, Mario Götze, Dante und Jérôme Boateng gibt es genügend Verbesserungspotential. Wer den Bayern dauerhafte Probleme attestieren will, liegt falsch.

Deutlich schwerer wiegt der vermutlich lange Ausfall von Javi Martínez. Der Spanier verletzte sich in einer Offensivaktion folgenschwer am Knie, vieles deutet auf einen Kreuzbandriss hin. Martínez wird mindestens sechs Monate ausfallen. Mit Boateng, Dante und dem gerade wieder genesenen Holger Badstuber hat Trainer Pep Guardiola zwar drei weitere Innenverteidiger im Kader, aber Martínez war als Fixpunkt in der neu eingeführten Dreierkette eingeplant.

Schon im DFB-Pokalfinale gegen den BVB war Martínez in der Dreierkette der Garant für den 2:0-Sieg nach Verlängerung. Und auch im Supercup war der 25-Jährige bis zu seiner bitteren Auswechslung bester Münchner Spieler. Martínez gewann jeden Zweikampf, spielte nur fünf Fehlpässe und hatte in 31 Minuten 47 Ballkontakte (alle Statistiken laut bundesliga.de).

Mit dem eingewechselten Dante ging die Sicherheit im Zentrum verloren, der Brasilianer tut sich wie Boateng als zentraler Mann in einer Dreierkette schwer. Am ehesten ist diese Rolle Badstuber zuzutrauen, nach zweijähriger Pause wird der deutsche Nationalspieler aber zu Recht langsam aufgebaut. Guardiola könnte sich in den kommenden Wochen gezwungen sehen, seine Abwehrformation zu ändern.

Bei den Bayern fiel eine weitere Sache auf. In Abwesenheit der genannten Stammspieler hatten sich in der bisherigen Vorbereitung Neuzugang Sebastian Rode und vor allem der junge Gianluca Gaudino in den Vordergrund gespielt. Gerade Gaudino hatte beim Telekom Cup in Hamburg und auf der USA-Reise im zentralen Mittelfeld groß aufgespielt. In Dortmund stieß der 17-Jährige, wie auch die anderen Mittelfeldspieler Rode, Juan Bernat und Pierre Höjbjerg, an seine Grenzen. Der BVB presste früh und konstant, im Zentrum konnten sich die Bayern nur ganz selten durchsetzen.

Beim Dauerrivalen der vergangenen Jahre verlangt Trainer Jürgen Klopp von seinen Neuzugängen taktisch sehr viel. Aktuell kämpft Ciro Immobile, von Henrikh Mkhitaryan wird im zweiten Jahr ein deutlicher Schritt erwartet. In dessen Schatten scheint sich aber Pierre-Emerick Aubameyang nachdrücklich verbessert zu haben, im Supercup lieferte der Stürmer eines seiner besten Spiele im BVB-Trikot ab.

Dabei geht es nicht um seinen Treffer zum 2:0-Endstand, den er mit einem Pass auf Lukasz Piszczek selbst einleitete und mit einem platzierten Kopfball unhaltbar vollendete. Tore hat Aubameyang schon in der vergangenen Saison erzielt (13 in der Bundesliga), wirkte dabei aber häufig wie ein Fremdkörper im Spiel, der sich bei Laufwegen und im Defensivverhalten viele Fehler leistete.

Gegen die Bayern begann Aubameyang als zweite Sturmspitze neben Immobile. Eine Rolle, die es bisher im BVB-System nicht gab. Das allein wird den Gabuner nicht zum vollwertigen Mitglied im Dortmunder Pressing gemacht haben. Er war ins Spiel eingebunden, kombinierte mit seinen Kollegen und zeigte die richtigen Laufwege. Bei Aubameyang scheint es in der Sommerpause Klick gemacht zu haben, zusammen mit Immobile und dem eingewechselten Adrián Ramos hat der BVB gute Optionen für den Ersatz des eigentlich unersetzlichen Robert Lewandowski.

Gegen den Ball entwickelte sich die Dortmunder Formation sogar zu einem 4-3-3, eine klare Reaktion auf die Dreierkette der Bayern. Die flexible Rolle im Zentrum übernahm Jonas Hofmann, der offensiv wenige gute Szenen hatte, sich aber läuferisch bereits voll auf der Höhe zeigte und Gaudino und Rode aus dem Spiel nahm.

Neuzugang Ciro Immobile wirkte bei seinem Debüt vor heimischer Kulisse übermotiviert, dem Italiener war der Tor-Wunsch deutlich anzumerken. Taktisch stellte sich der Stürmer aber schon sehr gut an. Immobile war gut ins Gegenpressing integriert, mit fünf Torschüssen und 38 Ballkontakten kann er auch zufrieden sein. Mit der wahrscheinlichen Lockerheit werden dann auch die nötigen Tore kommen, um die kritischen Berichterstatter und Fans in Dortmund zu überzeugen.