Schlagworte: FC Bayern

Die Europarangliste im Oktober 2015

Ende Oktober. Je nach kulturellen Vorlieben Zeit für Laterne Laufen, Kürbis Aushöhlen oder Saisonprognosen Revidieren. Das also, was Moderator Malte Asmus in der Radioversion unserer Europarangliste gerne den „Realitätscheck“ nennt. Nach dem Motto „Hier die Wirklichkeit, dort das, was die Clowns von Gegen den Ball geschrieben haben“.

Wer zuletzt lacht, lacht am besten, aber solange können wir nicht warten. Daher haben wir rechtzeitig zum dritten Champions League-Spieltag die zweite Ausgabe unserer Europarangliste erstellt. Dabei haben einige Resultate durchaus zu Anpassungen geführt, nach rund zehn Spieltagen in vielen Ligen sprechen wir ja auch nicht mehr von Momentaufnahmen. Wie sehr die Form der letzten Wochen tatsächlich Aufschluss über die Substanz eines Kaders gibt, das sehen wir von Fall zu Fall unterschiedlich.

Sicher ist aber, dass die Ultima Ratio unseres Rankings immer die sportlichen Resultate sind. Eine Mannschaft kann also nur „besser sein als ihr Tabellenplatz“, solange sie entweder a) noch genug Zeit hat, das zu beweisen oder b) durch Ergebnisse in anderen wichtigen Wettbewerben, vor allem der Champions League, ihr „wahres Gesicht“ zeigt. Wer am Ende der Saison auf Platz 15 seiner Liga steht und in der Champions League-Vorrunde ausgeschieden ist, der hat in der Europarangliste nichts zu suchen, unabhängig davon, wie sympathisch seine Spieler oder wie innovativ seine Spielphilosophie ist. Abgerechnet wird Ende Mai.

Hier aber die aktuelle Liste für den Oktober. Rausgefallen sind deutlich Olympique Lyonnais (schon zehn Punkte Rückstand in der Ligue 1, dazu enttäuschende Ergebnisse in der Champions League) sowie Internazionale, das schon knapper.

Die Texte zu den einzelnen Clubs stammen von Marcus Krämer (krä) und Daniel Raecke (dan).

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20. (neu) Napoli

Serie A: Vierter
Europa League: Gruppenphase mit Club Brugge, FC Midtjylland und Legia Warszawa
Coppa Italia: Start im Achtelfinale
Pflichtspielbilanz: 6-3-1 (Punkteschnitt 2,1)

In der ersten Ausgabe dieser Saison hatten wir Internazionale auf Bewährung mit in die Rangliste genommen. Seitdem wurden drei Spiele nicht gewonnen, zudem krankt das System von Trainer Roberto Mancini immer noch an der fehlenden Kreativität und Effektivität im Angriff – trotz der vielen guten Neuzugänge. Deshalb haben wir mit Napoli einen anderen Club aus der Serie A hereingenommen. Seit dem holprigen Saisonstart hat der neue Trainer Maurizio Sarri die richtige Mischung gefunden, vor allem die Offensive mit Torjäger Gonzalo Higuaín, Antreiber Marek Hamsik und dem großartig aufspielenden Lorenzo Insigne drehte mit 20 Toren in sieben Spielen auf. In der ausgeglichenen italienischen Liga gehört Napoli damit zu den großen Titelanwärtern – auch weil Inter und Tabellenführer Fiorentina die Konstanz fehlt. (krä)

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19. (neu) Schalke 04

Bundesliga: Dritter
Europa League: Vorrunde mit APOEL, Asteras Tripolis und Sparta Praha
DFB-Pokal: Zweite Runde gegen Borussia Mönchengladbach
Pflichtspielbilanz: 9-1-2 (Punkteschnitt 2,33)

Der Schalker Saisonstart war hervorragend. Um die reinen Ergebnisse einzuordnen: In der Vorsaison betrug Schalkes Punkteschnitt in Pflichtspielen am Ende 1,37. Der aktuelle Schnitt von 2,33 aus den ersten zwölf Saisonspielen ist besser als der des FC Bayern in der gesamten Vorsaison. Einschränkend muss allerdings auch gesagt werden, dass Schalke letzte Saison Champions League spielte, diese Saison fließen Spiele gegen Duisburg, APOEL und Asteras mit ein, während die Knappen gegen Bayern, Dortmund, Leverkusen und Gladbach noch gar nicht gespielt haben. Der einzige Europacupteilnehmer, den Schalke schon hatte, war Wolfsburg. Dort verlor man mit 0:3. Vorsicht ist bei der Beurteilung der Resultate also angebracht. Die große Frage „Wie stark ist die Bundesliga wirklich?“ wird hierzulande selten konsequent diskutiert, weil die Tatsache, dass eine der besten Mannschaften der Welt in der Liga spielt, den internationalen Punkteschnitt so sehr nach oben reißt, dass viele Fans in Deutschland gar nicht merken, dass zum Beispiel jenseits der Bayern seit 13 Jahren kein Bundesligist mehr eine Premier League-Mannschaft in KO-Spielen der Champions League besiegt hat. Wäre Schalke dazu in der Lage, eine englische Spitzenmannschaft zu schlagen? Wahrscheinlich nicht, aber wir stufen die Gelsenkirchener vorerst mal auf Platz 19 ein und warten, was die schweren Spiele in den nächsten Wochen zeigen. (dan)

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18. (-2) VfL Wolfsburg

Champions League: Gruppenphase mit Manchester United, PSV Eindhoven und CSKA Moskva
Bundesliga: Vierter
DFB-Pokal: Zweite Runde gegen Bayern München
Pflichtspielbilanz: 6-4-3 (Punkteschnitt 1,69)

Den Platz als viertbestes deutsches Team in der Europarangliste haben die Wolfsburger verteidigt, obwohl zwischenzeitlich Leistungen und Ergebnisse nicht mehr stimmten und die Umstellungen nach dem Abgang von Kevin de Bruyne für Probleme sorgten. Eklatant ist vor allem die Auswärtsschwäche, außer bei den Stuttgarter Kickers im DFB-Pokal konnte das Team von Trainer Dieter Hecking noch kein Spiel in der Fremde gewinnen. Trotzdem gehören die Wölfe in die Top 20, denn im Kader stehen mit Ricardo Rodríguez, Julian Draxler, André Schürrle, Max Kruse und Bas Dost weiterhin viele exzellente Spieler – die Hecking in den kommenden Wochen und Monaten aber erst noch zu Bestleistungen führen muss. (krä)

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17. (=) Liverpool

Premier League: Zehnter
Europa League: Vorrunde mit Girondins de Bordeaux, FC Sion und Rubin Kazan
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Achtelfinale gegen Bournemouth
Pflichtspielbilanz: 3-7-2 (Punkteschnitt 1,33)

Seien wir ehrlich: Ohne den Trainerwechsel von Brendan Rodgers zu Jürgen Klopp wären die Reds wohl aus der Liste gefallen. Nur einen einzigen Sieg gab es für Liverpool aus den letzten zehn Pflichtspielen, in denen der LFC unter anderem Heimspiele gegen Carlisle United und den FC Sion hatte. Mit Klopp hat man sich jetzt allerdings einen vielversprechenden Trainer geholt. Dass das eine gute Idee ist, lässt sich nicht bestreiten. In welchem Ausmaß der Hype um ihn berechtigt ist, ist eine andere Frage. Genauer: Die weit verbreitete Auffassung, die relative Schwäche englischer Mannschaften in der Champions League in den letzten Jahren läge an taktischen Defiziten („Hallo England, hier kommt das Pressing!“ zwischentitelte René Maric bei Spielverlagerung), und Klopp werde nun als Entwicklungshelfer den Engländern mal zeigen, wie es geht, ist schon sehr einseitig: Warum sollten alle Premier League-Teams zu dumm sein, um die „richtige“ Taktik anzuwenden? Die Bedingungen, unter denen in der englischen Liga gespielt wird (viel mehr Pflichtspiele, höheres Niveau in Spielen gegen kleinere Teams, keine Winterpause) werden auch Klopp noch Probleme bereiten. Warum glauben wir trotzdem, dass Klopp die Reds besser machen wird? Nicht, weil Klopp ein „deutscher“ oder ein „Pressingtrainer“ wäre. Sondern, weil er ein sehr guter Trainer ist. Sehr gute Trainer sind aber auch Louis van Gaal, José Mourinho und Manuel Pellegrini. Soll heißen: Platz vier am Saisonende wäre schon ein sehr gutes Ergebnis für Liverpool. (dan)

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16. (-5) Valencia

Champions League: Vorrunde mit Olympique Lyonnais, Zenit und KAA Gent
La Liga: Achter
Copa del Rey: Vierte Runde gegen Barakaldo
Pflichtspielbilanz: 5-3-4 (Punkteschnitt 1,5)

Eine ganze Saison lang haben wir Nuno Espírito Santo und Valencia in der Rangliste geführt und immer gesagt: „Man wird abwarten müssen, wie sich die Mannschaft schlägt, wenn erst die Doppelbelastung der Champions League dazukommt“. Jetzt können wir es erstmals ansatzweise beurteilen: holprig. Sowohl in der Liga als auch in der Champions League sind die Ergebnisse durchwachsen. In beiden Fällen ist es aber zu früh, um den Stab über die Ches zu brechen. Sie liegen vier Punkte hinter Platz vier in Spanien und haben bei jetzt anstehenden zwei Spielen gegen Gent in Europa alle Chancen, sich ihren Saisonzielen (Achtelfinale in der CL und erneute Qualifikation für die Königsklasse) zu nähern. Allerdings fehlen bisher noch jegliche Spiele gegen andere Vertreter aus dem Ranking: Real Madrid, Barcelona, Atlético, Sevilla, und auch die beiden Überraschungsteams Villarreal und Celta kommen erst noch. (dan)

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15. (+4) Tottenham Hotspur

Premier League: Siebter
Europa League: Gruppenphase mit AS Monaco, RSC Anderlecht und Qarabag FK
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Aus in der dritten Runde gegen Arsenal
Pflichtspielbilanz: 4-6-2 (Punkteschnitt 1,5)

Die Pflichtspielbilanz der Spurs springt ins Auge: Die Hälfte aller Spiele endeten unentschieden. In der Liga verloren die Londoner seit dem ersten Spieltag nicht mehr, viele Spiele werden überlegen gestaltet. Aber Harry Kane trifft in dieser Saison nicht mehr herausragend oft, sondern leicht unterdurchschnittlich. So fällt es der Mannschaft von Mauricio Pochettino schwer, Chancen nicht nur zu generieren, sondern auch zu verwerten. Defensiv sieht es, zumal wenn Hugo Lloris im Tor steht, besser aus: Tottenham hat die beste Abwehr der Premier League und hat mit seinem Kapitän Lloris seit Anfang Mai kein Pflichtspiel mehr verloren. Das 4:1 gegen Manchester City zeigte zudem, was möglich sein kann. Wenn die Offensive sich verbessert, sogar ein Kandidat für Platz vier. (dan)

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14. (-1) Bayer Leverkusen

Champions League: Gruppenphase mit Barcelona, Roma und BATE Borisov
Bundesliga: Siebter
DFB-Pokal: Zweite Runde bei Viktoria Köln
Pflichtspielbilanz: 7-2-5 (Punkteschnitt 1,64)

Warum steht Leverkusen als Siebter der Bundesliga vor Wolfsburg und Schalke? Wie kann ein Team mit nur acht erzielten Toren in der Liga so hoch in der Europarangliste stehen? Die Antworten kennen die erfahrenen Leser unserer Rangliste: Die aktuellen Ergebnisse sind nur ein Aspekt, genauso stark bewerten wir das Potenzial des Kaders und die Fähigkeiten der Trainer. Und Roger Schmidt ist unserer Meinung nach ein besserer Coach als André Breitenreiter und auch als Dieter Hecking. Allerdings haben die Abgänge von Son Heung-Min und vor allem von Simon Rolfes sowie Gonzalo Castro das Gleichgewicht dieser gut ausgewogenen Mannschaft durcheinandergebracht. Christoph Kramer kann nach seiner Rückkehr noch nicht an die Leistungen in Mönchengladbach anknüpfen, aber Schmidt hat schon in der vergangenen Saison bewiesen, mit kleinen Änderungen für großen Ertrag sorgen zu können. (krä)

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13. (-1) Roma

Champions League: Gruppenphase mit Barcelona, Bayer Leverkusen und BATE Borisov
Serie A: Zweiter
Coppa Italia: Start im Achtelfinale
Pflichtspielbilanz: 5-3-2 (Punkteschnitt 1,8)

In der Champions League kommt es an den kommenden beiden Spieltagen zu den direkten Duellen mit Bayer Leverkusen um Platz zwei hinter dem FC Barcelona. Daran ändert auch die blamable Niederlage der Roma in Borisov nichts. Wir schätzen die Roma etwas stärker als Bayer ein, haben sie deshalb knapp vor dem Bundesligisten platziert – und werden uns in der nächsten Ausgabe selbst hinterfragen müssen. Was man festhalten kann, ist die fehlende Konstanz. Gegen Juventus (2:1) und Barcelona (1:1) überzeugte das Team von Trainer Rudi Garcia mit guter Organisation und taktischem Geschick. Gegen Borisov (2:3) und Sampdoria (1:2) blieb die Roma als spielbestimmende Mannschaft aber blass und zeigte defensive Schwächen. Wie für Napoli gilt aber auch für die AS: Wegen des schlechten Saisonstarts von Juventus ist der Scudetto mal wieder möglich. (krä)

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12. (+3) Sevilla

Champions League: Gruppenphase mit Manchester City, Juventus und Borussia Mönchengladbach
La Liga: 13.
Copa del Rey: Start in der vierten Runde gegen Logrones
Pflichtspielbilanz: 3-3-4 (Punkteschnitt 1,2)

Mit der Platzierung des FC Sevilla lehnen wir uns weit aus dem Fenster – bis zur nächsten Länderspielpause mit Partien gegen Manchester City, Villarreal und Real Madrid werden wir wissen, ob zurecht. Unai Emery ist ein hervorragender Trainer, der Kader ist sehr ausgeglichen besetzt, hat mit Grzegorz Krychowiak, Vitolo, José Antonio Reyes und Kévin Gameiro aber auch unersetzbare Stammspieler. In dieser Saison stimmen die Ergebnisse zumeist noch nicht, wie der schlechte Punkteschnitt (1,2) zeigt. Aber da waren eben auch die starken Spiele gegen Barcelona (2:1) und Mönchengladbach (3:0), was ein Weiterkommen in der Champions League möglich erscheinen lässt. An internationaler Erfahrung mangelt es Sevilla nach zwei gewonnenen Europa-League-Titeln in Folge ohnehin nicht. (krä)

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11. (-1) Atlético de Madrid

Champions League: Gruppenphase mit Benfica, Astana und Galatasaray
La Liga: Vierter
Copa del Rey: Start in der vierten Runde gegen Reus
Pflichtspielbilanz: 6-1-3 (Punkteschnitt 1,9)

Der Hauptgrund dafür, dass wir Atlético gegenüber der September-Rangliste noch etwas weiter abgestuft haben? Die Heimniederlage gegen Benfica in der Champions League. Sie wird zwar aller Voraussicht nach nicht das Achtelfinale kosten, in den jetzt anstehenden beiden Spielen gegen Astana sollte der Grundstein fürs Weiterkommen gelegt werden. In der Liga mischten sich gute Ergebnisse (3:0 in Sevilla) mit erwartbaren (1:2 gegen Barcelona, 1:1 gegen Real Madrid). Alles in allem ein deutliches Indiz dafür, dass Atlético die Nummer drei in Spanien bleiben dürfte. Mehr aber auch nicht, denn das Gefühl, dass sie mit ihrer unangenehmen Spielweise jeden Gegner Europas schlagen kann, strahlt diese Mannschaft aktuell nicht aus. Auch sollte eine europäische Spitzenmannschaft nicht so abhängig von einem Spieler sein, wie es Atlético aktuell von Antoine Griezmann ist. (dan)

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10. (-4) Juventus

Champions League: Gruppenphase mit Manchester City, Sevilla und Borussia Mönchengladbach
Serie A: 14.
Coppa Italia: Start im Achtelfinale
Pflichtspielbilanz: 5-3-3 (Punkteschnitt 1,64)

La Vecchia Signora könnte der Nachfolger des BVB werden. Große Probleme in der heimischen Liga, international mit starken Ergebnissen. So hielten sich die Dortmunder in der vergangenen Saison konstant in der Europarangliste, obwohl es in der Bundesliga zwischenzeitlich sogar gegen den Abstieg ging. Ganz so dramatisch ist es bei Juventus noch nicht, war es beim BVB nach acht Spieltagen aber auch noch nicht. Immerhin stimmt bei den Turinern der Trend, auch wenn das 0:0 am vergangenen Wochenende gegen Inter etwas glücklich zustande kam. Die schwierige CL-Gruppe führt Juve mit sechs Punkten souverän an, gegen Mönchengladbach könnte in den kommenden zwei Wochen schon der Einzug ins Achtelfinale perfekt gemacht werden. Und das ist sehr hoch zu bewerten. (krä)

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9. (=) Arsenal

Champions League: Vorrunde mit Bayern München, Olympiakos und Dinamo Zagreb
Premier League: Zweiter
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Achtelfinale bei Sheffield Wednesday
Pflichtspielbilanz: 8-1-4 (Punkteschnitt 1,92)

Sieht man sich die Form Arsenals in den heimischen Wettbewerben an, dann müsste man die Gunners eigentlich höher bewerten: Vier Siege in Folge, darunter ein 3:0 gegen United und ein Sieg im Ligapokal an der White Hart Lane, elf Tore in den letzten drei Premier League-Spielen, das klingt so, wie es oft auch aussieht, wenn man Arsenal spielen sieht: Nach einem Titelkandidaten. Wir wollen in dieser etwas rätselhaften Premier League-Saison auch nicht einmal ausschließen, dass Arsenal weiter ganz oben mitspielt. Doch die beiden Niederlagen in der Champions League in Zagreb und gegen Olympiakos wiegen so schwer, dass eine Verbesserung der Gunners in der Rangliste nicht in Frage kommt. Jetzt spielt Arsenal zweimal gegen Bayern. Werden diese Spiele verloren, könnte das Thema Champions League schon nach dem vierten Spieltag vorbei sein für Arsène Wenger. Aber, auch wenn ich diese persönliche Anmerkung wahrscheinlich auf mehreren Ebenen noch bereuen werde: Es scheint nicht ausgeschlossen, dass Arsenal gegen die Münchner punktet. (dan)

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8. (=) Borussia Dortmund

Bundesliga: Zweiter
Europa League: Gruppenphase mit FK Krasnodar, PAOK und Gabala
DFB-Pokal: Zweite Runde gegen SC Paderborn
Pflichtspielbilanz: 12-3-1 (Punkteschnitt 2,44)

Die deutliche Niederlage beim FC Bayern taugt nur bedingt dazu, einen Schatten auf die bisherige Saison des BVB zu legen. Die Münchner sind der nationalen Konkurrenz soweit enteilt, dass die Idee der Kollegen von taz.de, bis zur ersten Niederlage auf eine Berichterstattung über die Bayern zu verzichten, nachvollziehbar ist. Wegen des frühen Einstiegs in die Europa League haben die Dortmunder bereits 16 Pflichtspiele absolviert, die Bilanz ist hervorragend und könnte noch besser sein, wenn die notwendige Rotation von Trainer Thomas Tuchel nicht zu Leistungsschwankungen geführt hätte. Eine Verbesserung dieses Makels dürfte die größte Herausforderung der kommenden Wochen sein, denn nun folgen bis zum 8. November vermeintlich leichte Aufgaben gegen Qabala, Augsburg, Paderborn, Bremen, Qabala und als Höhepunkt das Derby gegen Schalke 04. In jedem Fall ist der BVB derzeit das zweitbeste deutsche Team hinter, ja hinter wem noch mal? (krä)

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7. (-2) Chelsea

Champions League: Vorrunde mit Maccabi Tel Aviv, Porto und Dynamo Kyiv
Premier League: Zwölfter
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Achtelfinale bei Stoke City
Pflichtspielbilanz: 5-2-6 (Punkteschnitt 1,31)

Wir haben die Blues nur um zwei Plätze abgestuft. Eine negative Bilanz nach 13 Spielen würde im Normalfall natürlich niemals für einen Top Ten-Platz in der Europarangliste reichen. Was ist hier der Normalfall? Offensichtlich stimmt bei den Blues einiges nicht. Vieles spricht auch dagegen, dass José Mourinho bald wieder in die Erfolgsspur zurückkehrt. Allerdings zählen dazu weiter auch eher „weiche“ Argumente, also Spekulationen über die Motivation des Trainers oder die Beobachtung, dass er selten länger als zwei Jahre erfolgreich bei einem Club arbeitete. Solche Faktoren bewerten wir allerdings nur am Rande. Entscheidender ist die Frage: Ist Chelsea, wenn die Normalform zurück ist, immer noch der Einzug ins Viertelfinale der Champions League zuzutrauen? Wir denken: ja. (dan)

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6. (+1) Manchester United

Champions League: Vorrunde mit VfL Wolfsburg, PSV Eindhoven und CSKA Moskva
Premier League: Dritter
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Achtelfinale gegen Middlesbrough
Pflichtspielbilanz: 10-1-3 (Punkteschnitt 2,21)

Betrachtet man nur das direkte Duell zwischen United und Arsenal Anfang Oktober, so ist nicht ersichtlich, warum wir die Red Devils immer noch besser einstufen als die Gunners. Das 3:0 für das Team von Arsène Wenger war schon sehr deutlich. Und normalerweise zählt der direkte Vergleich bei uns ja in Streitfällen durchaus. Aber in diesem speziellen Fall gibt es andere Erwägungen: Arsenal hat wiederum bei und gegen West Ham verloren, gegen Liverpool gab es nur ein Unentschieden. Zudem unterlagen die Londoner zwei sehr schwachen Gegnern in der Champions League und stehen vor dem Vorrundenaus, während United hier noch alle Chancen aufs Achtelfinale hat. Insgesamt finden wir den Kader von United auch einfach stärker. Schließlich ist Louis van Gaal als Trainer ein leichter Pluspunkt gegenüber Arsène Wenger, dem es zwar nicht an Erfahrung, inzwischen aber etwas an Flexibilität fehlt. (dan)

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5. (-2) Manchester City

Champions League: Vorrunde mit Borussia Mönchengladbach, Sevilla und Juventus
Premier League: Erster
FA Cup: Start in der dritten Runde
League Cup: Achtelfinale gegen Crystal Palace
Pflichtspielbilanz: 9-0-3 (Punkteschnitt 2,25)

Dass wir City um zwei Plätze abgewertet haben, liegt weniger an den eigenen Resultaten der Citizens. Die Heimniederlage gegen Juventus war insgesamt unglücklich, das 1:4 bei Tottenham zwar deutlich, aber auch hier war City lange Zeit besser und wurde gleich bei zwei Gegentoren von Fehlentscheidungen benachteiligt. In Mönchengladbach mochten die deutschen Medien hinterher die Geschichte von den tragischen Verlierern noch so sehr ausbreiten – hier war der Sieg Citys verdient. Den Misserfolgen stehen beeindruckend deutliche Siege in der Premier League entgegen. Sie untermauern den Eindruck, dass das Team von Manuel Pellegrini in dieser Saison die beste englische Mannschaft stellt. Der Grund für die Abstufung wiederum ist eher bei den beiden Clubs zu sehen, die City überholt haben: Madrid und PSG machen auf uns inzwischen einen noch stärkeren und stabileren Eindruck. (dan)

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4. (+2) Real Madrid

Champions League: Gruppenphase mit Paris Saint-Germain, Malmö FF und Shakhtar Donetsk
La Liga: Erster
Copa del Rey: Start in der vierten Runde gegen Cádiz
Pflichtspielbilanz: 7-3-0 (Punkteschnitt 2,4)

Unsere Zweifel an den Fähigkeiten von Rafael Benítez, aus einer Ansammlung von Top-Stars eine funktionierende Mannschaft für große Titel zu formen, haben wir in der ersten Ausgabe bereits beschrieben. Die sind nicht komplett weggewischt, aber dem bisherigen Weg Reals gebührt Respekt. Wer in zehn Spielen nur zwei Gegentore kassiert, hat den Schwerpunkt auf die richtigen Dinge gelegt, denn wer Cristiano Ronaldo, Karim Benzema, Gareth Bale und James Rodríguez in seinen Reihen hat, kann sich auf eigene Torerfolge sicher verlassen. Deshalb steigen die Königlichen in unserer Rangliste. (krä)

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3. (+1) Paris Saint-Germain

Champions League: Vorrunde mit Real Madrid, Shakhtar Donetsk und Malmö FF
Ligue 1: Erster
Coupe de France: Start in der neunten Runde
Coupe de la Ligue: Start im Achtelfinale
Pflichtspielbilanz: 11-2-0 (Punkteschnitt 2,69)

Man könnte einwenden, dass die phänomenale Bilanz von PSG in der bisherigen Saison der schwachen Ligue 1 geschuldet ist. Da ist etwas dran. Aber das gleiche lässt sich in kaum abgemilderter Form auch über den FC Bayern sagen. Der hat nämlich in der bisherigen Saison außer gegen deutsche Teams nur gegen Olympiakos und Dinamo Zagreb gewonnen. PSG schlug Malmö und Shakhtar, was sich nicht viel gibt. Zwar ist die Bundesliga insgesamt stärker als die französische Liga. Aber wir zweifeln ja auch nicht daran, dass Bayern die momentan beste Mannschaft Europas ist. Genau wie die Münchner in den nun anstehenden beiden Spielen gegen Arsenal Gelegenheit haben, diesen Status zu untermauern, bietet sich PSG in zwei Begegnungen mit Real Madrid die Chance, unsere positive Einschätzung zu bestätigen. Wir sehen den Kader des französischen Meisters jedenfalls insgesamt mindestens auf Augenhöhe mit dem der Madrilenen. (dan)

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2. (=) Barcelona

Champions League: Gruppenphase mit Bayer Leverkusen, Roma und BATE Borisov
La Liga: Dritter
Copa del Rey: Start in der vierten Runde gegen Villanovense
Pflichtspielbilanz: 8-2-3 (Punkteschnitt 2)

Ob die Lichtgestalt Franz Beckenbauer nach den Recherchen des Spiegel stürzen wird, werden erst die kommenden Wochen und Monate zeigen. Den Status als „Experte“ hat Beckenbauer schon lange nicht mehr verdient, erst vor wenigen Wochen sagte er, der FC Barcelona sei ohne Lionel Messi „nur eine durchschnittliche Mannschaft“. Welch abstruser Gedanke, auch wenn der Torjäger seiner Mannschaft merklich fehlt. Gar nicht unbedingt als Torgarant, sondern eher als Initiator überraschender Angriffe aus dem Mittelfeld heraus, das Überraschungsmoment bei Barça ist Messi vorbehalten. Das größere Problem ist der etwas zu kleine Kader, denn neben Messi fehlen derzeit auch Andrés Iniesta und Rafinha, zudem sind Arda Turan und Aleix Vidal noch nicht spielberechtigt. Aber die entscheidenden Spiele in der Champions League steigen erst im kommenden Jahr und dann wird dieses Quintett wieder für mehr Kadertiefe sorgen. (krä)

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1. (=) Bayern München

Champions League: Gruppenphase mit Arsenal, Dinamo Zagreb und Olympiakos
Bundesliga: Erster
DFB-Pokal: Zweite Runde bei VfL Wolfsburg
Pflichtspielbilanz: 12-1-0 (Punkteschnitt 2,85)

Uns ist kein plausibler Grund eingefallen, den FC Bayern abzustufen. In der Bundesliga gibt es keinen ernsthaften Gegner mehr, was im Frühjahr wieder für Probleme sorgen könnte. Allerdings haben die Verantwortlichen in München alles dafür getan, dass dieser Stolperstein umdribbelt werden kann. Douglas Costa, Arturo Vidal und Kingsley Coman haben die Mannschaft nochmals verstärkt, die derzeitigen Verletzungsprobleme (Benatia, Badstuber, Ribéry, Robben, Götze, Rode) fallen bei dieser Kadertiefe nicht ins Gewicht und werden von Josep Guardiola nicht mal thematisiert. Es bleibt dabei: Der FC Bayern bleibt der Topfavorit auf den Champions-League-Titel. (krä)

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Erfolg, du undankbares Wesen

Der FC Bayern hat das Rückspiel gegen den FC Barcelona 3:2 gewonnen. Das Wunder von der Isar blieb, wie zu erwarten war, aus. Trotzdem herrschte in der Münchner Arena nach Schlusspfiff Zufriedenheit. Rückstand wettgemacht, Barça geschlagen, Fans begeistert – mia san halt immer noch mia. Eine verständliche Reaktion nach der Kritik der vergangenen Wochen. Trotzdem gilt es nun einiges aufzuarbeiten, wie meine Thesen zu Bayerns Halbfinal-Aus zeigen.

1) Guardiola macht Fehler, er ist aber nicht Bayerns Problem

Guardiola ist ein sehr spezieller Trainer. Vielleicht hat die Bundesliga vor seiner Verpflichtung so einen Trainer noch nicht gesehen. Der Spanier ist Perfektionist, stets auf der Suche nach taktischen Überraschungen. Er legt an seine Spieler hohe Maßstäbe an, will Flexibilität sehen und gibt an der Außenlinie den rastlosen Gentleman.

Guardiola ist aber eben auch unnahbar, wirkt vielleicht etwas zu perfekt – und gibt keine Interviews. Das muss man wissen, um die viele Kritik, die erstaunlichen Abgesänge und Abrechnungen der vergangenen Tage und Wochen in renommierten (kicker, FAZ) und weniger renommierten Zeitungen (Sportbild) besser verstehen zu können. Dieser spanische Übertrainer holt mit dem FC Bayern in zwei Jahren nur drei Titel? Das muss doch viel zu wenig sein.

Ist es nicht. Denn wenn ich mir die Umstände des Ausscheidens gegen den FC Barcelona im Halbfinale der Champions League genau anschaue, war ein für die Bayern besserer Ausgang unmöglich:

  • Barça ist die derzeit beste Vereinsmannschaft der Welt.
  • Bei den Bayern fehlten mit Arjen Robben, Franck Ribéry und David Alaba drei ähnliche Spielertypen, die die wenigen Schwächen der Katalanen hätten aufdecken können.
  • Barça ist eingespielt und agiert seit Monaten in Bestbesetzung.
  • Bayern hatte in beiden Partien mit Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Medhi Benatia und Thiago vier Spieler in der Startelf, die lange ausfielen und deshalb nicht in Bestform sind.
  • Und Barça hat Lionel Messi, Neymar und Luis Suárez.

Wie seine Mannschaft agierte Guardiola gegen seinen Ex-Klub nicht fehlerfrei. Das abgebrochene Dreierketten-Experiment aus dem Hinspiel haben wir bereits thematisiert, wie auch das zu hohe Risiko in der Schlussphase in Barcelona. Im Rückspiel hätte nur ein perfektes Zusammenspiel aus Kontrolle und Risiko für eine Sensation sorgen können – doch das war mit diesem Personal nicht möglich. Schon früh standen die Bayern zu hoch und kassierten das erste Gegentor von Neymar. Eine Defensivtaktik wie in der Bundesliga gegen Borussia Dortmund wäre womöglich die bessere Variante gewesen – aber eben auch ohne eine reelle Chance auf den Finaleinzug.

Den Gerüchten über einen vorzeitigen Weggang trat Guardiola vor und nach dem Rückspiel entschieden entgegen. Ob er seine Kritiker damit ruhigstellen kann, muss bezweifelt werden. Aber nach einem unglücklichen Pokalaus gegen den BVB im Elfmeterschießen und dem verdienten Ausscheiden gegen ein sportlich besseres Barcelona seine Gesamtleistung in Frage zu stellen, ist absurd.

2) Barcelonas Überlegenheit muss den Bayern-Umbruch vorantreiben

Über die Gründe für das insgesamt deutliche Halbfinalergebnis (ich hatte auch in der zweiten Halbzeit in München stets das Gefühl, dass Barça wieder zulegen könnte) habe ich bereits geschrieben. Für die Bayern stellt sich nun aber die Frage, wie sie mit den Eindrücken aus diesen beiden Spielen umgehen werden.

Ok, mit Robben und Ribéry auf den Außenbahnen hätte der Bundesligist größere Chancen gehabt, den Blaugrana Probleme zu bereiten. Und die beiden sind in der Lage, in der kommenden Saison an die starke Hinrunde anzuknüpfen. Unter dem Strich steht aber auch die Verletzungsanfälligkeit und das fortgeschrittene Alter von Robben (31) und Ribéry (32).

Zusammen mit Xabi Alonso (33), Philipp Lahm (31) und Bastian Schweinsteiger (30) stehen im Bayern-Kader somit fünf Profis, die bei völliger Fitness immer den Anspruch auf einen Stammplatz formulieren werden, wegen der Ausgewogenheit in der Mannschaft aber nicht immer gleichzeitig werden spielen können.

Bei Robben und Ribéry kommt noch hinzu, dass es im jetzigen Kader keine Alternativen gibt. Thiago gehört in die Zentrale, Thomas Müller hat als hängende Spitze auch andere Stärken, Mitchell Weiser kommt über gute Ansätze nicht hinaus und Mario Götze? Der Ex-Dortmunder steckt in einer Formkrise, wäre aber auch in Bestform ein anderer Spielertyp.

Für Guardiola, vor allem aber für Sportvorstand Matthias Sammer und Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge stehen deshalb wichtige Entscheidungen an:
1) Darf der Trainer den Kader noch mehr auf seine Wünsche zuschneiden, obwohl Guardiolas Vertrag nur noch ein Jahr läuft?
2) Muss der eine oder andere Routinier aus dem oben genannten Quintett vorzeitig gehen?
3) Wie viele Transfers sind sinnvoll, sollte von den verdienten Spielern doch niemand den Club verlassen?
4) Genügen Spieler wie Dante, Rafinha oder Weiser noch den internationalen Ansprüchen des FC Bayern?

Borussia Dortmund ist nur ein Beispiel, das wegen der desaströsen Hinrunde aber noch sehr präsent ist: Bei über Jahre erfolgreichen Mannschaften ist ein personeller Umbruch ein schwieriges Thema. Aus Dankbarkeit. Die Bayern sind nun aber in der glücklichen Lage, die Grenzen deutlich aufgezeigt bekommen zu haben. Sollte nach dem Sieg im Rückspiel aber die Zuversicht siegen, mit der jetzigen Mannschaft ein großes Comeback schaffen zu können, wird es in der kommenden Saison womöglich gar keinen Titel geben.

Game over

Barcelona – Bayern München 3:0

Dass der FC Bayern sein Hinspiel in Barcelona verlieren würde, war angesichts der Form beider Mannschaften in den letzten Monaten und der Münchner Ausfälle zu erwarten. Offen schien vor dem Anpfiff nur, wie hoch die Niederlage ausfallen würde und wie groß entsprechend die Chancen sein würden, im Rückspiel noch das Finale von Berlin zu erreichen.

In der Realität hielten die Bayern dann sogar 77 Minuten lang ein 0:0 – nur, um am Ende mit dem wohl vorentscheidenden dritten Gegentor doch alles zu verspielen. Über die Form von Barcelona gegen Topteams haben wir in der letzten Europarangliste schon geschwärmt, vor allem verglichen mit den Bayern, die sich in dieser Hinsicht 2015 sehr schwer tun (und seit Neujahr kein einziges Pflichtspiel gegen eine Top-6-Mannschaft der Bundesliga gewonnen haben). Vor diesem Hintergrund erschien es naheliegend, dass Josep Guardiola im Nou Camp auf eine sehr defensive Grundordnung setzen würde, etwa so, wie in Dortmund oder im Pokalspiel in Leverkusen. Das hatte die jeweiligen Gegner nämlich zumindest neutralisiert, wenn auch nicht gerade an die Wand gespielt.

Guardiola aber versuchte sich auf die antizyklische Tour. Als Lothar Matthäus am Wochenende auf Sky den Bayern eine Formation mit Dreierkette für Barcelona empfahl, hatte ich noch gehöhnt: Mit drei Verteidigern gegen ein 4-3-3? Und das gegen Barcelona? Muhahaha. Turns out, dass der fränkische Taktikfuchs Guardiola besser kannte als ich. Genau so startete Bayern im Nou Camp. Eine Dreierkette hätte unter diesen Umständen aber nur funktionieren können, wenn sie durch die beiden Flügelspieler gegen den Ball zur Fünferkette wird, oder wenn jedenfalls ein Spieler die Abwehr situativ verstärkte, damit es Absicherungen gegen Dribblings und Doppelpässe gäbe.

Tatsächlich aber war Barcelonas Umschaltspiel nach Ballgewinnen dafür einfach zu direkt und zu schnell. Dieser entscheidende Evolutionsschritt in der Spielweise der Katalanen hatte schon Atléticos Defensiv-Orientierung im Januar dreimal überfordert, was schon einiges heißen will. Bayern brachte in dieser Formation einfach nie genug Spieler hinter den Ball, und so war die erste Viertelstunde ein rasanter, wahnsinnig offener Schlagabtausch. Diesem hätte man als neutraler Zuschauer gut noch länger zusehen können, schließlich hatten beide Mannschaften viele Räume für ihre Angriffe. Wahrscheinlich wäre der Halbzeitstand aber 5:1 gewesen, wenn Bayern so weitergespielt hätte, und so war es folgerichtig, dass Guardiola nach einer Viertelstunde umstellte.

Mit zunehmender Spieldauer bekam München das Spiel dann immer besser in den Griff. Das im Sinne von Spielkontrolle (Barcelona hatte erstmals seit 2006 in einem Champions League-Spiel weniger Ballbesitz als der Gegner). Klare eigene Chancen hatte Bayern nach Robert Lewandowski guter Gelegenheit (18.) praktisch gar nicht mehr, aber das war nicht das Hauptziel des Abends. Dass es dann bis zur 77. Minute 0:0 stand, war ein Zeichen dafür, wie gut die Bayern-Strategie aufging. Mal stellten die Münchner den Spielaufbau hoch zu, mal erwarteten sie den Gegner tief vor dem eigenen Strafraum, nun immer um horizontale Kompaktheit bemüht, die die Dreierkette nicht hatte herstellen können. Ein Gegentor war gegen Barcelonas Offensive natürlich trotzdem im Bereich des Möglichen. Dass es dann aus einer hektischen Umschaltsituation heraus fiel (Bayern wollte schnell eröffnen, Bernat verlor den Ball gleich wieder an Dani Alves), demonstrierte aber einmal mehr, wo neben der reinen individuellen Klasse der Offensivspieler die aktuellen Stärken Barcelonas liegen.

Das zweite Tor fiel nur drei Minuten später. Ich will Guardiola keineswegs unterstellen, so zu denken wie ZDF-Kommentator Béla Réthy. Der hatte nach dem 1:0 befunden, das sei ja immer noch ein sehr gutes Ergebnis, nach dem 2:0, nun sei es immer noch ein gutes Ergebnis, wenn Bayern noch ein Tor schieße. Ob man aber wirklich in der Nachspielzeit noch großes Risiko gehen musste, um ein Auswärtstor zu erzwingen? Richtig ist, dass dieses Auswärtstor für den Gesamtausgang des Halbfinals wichtiger gewesen wäre als ein weiteres Gegentor. Das würde aber auch statistisch gesehen nur dann eine Berechtigung für Risiko darstellen, wenn die Chancen, dieses eigene Tor zu erzielen, etwa genau so groß wären wie die, ein weiteres Gegentor zu kassieren. Bayern aber hatte in 90 Minuten keinen einzigen Ball direkt aufs Tor von Marc-André ter Stegen gebracht (der nach einem abgefälschten Thiago-Schuss dennoch immerhin eine Parade zeigen durfte) – Barcelona schon siebenmal Manuel Neuer geprüft. Fußball ist keine Mathematik, wie wir dank Karl-Heinz Rummenigge wissen, aber Bayern wäre wohl besser beraten gewesen, wenigstens das 2:0 über die Zeit zu bringen, so unattraktiv das erscheinen mochte, wenn es so lange 0:0 gestanden hatte.

Faktisch ist das Halbfinale nun entschieden, in der Champions League-Geschichte holte noch nie irgendeine Mannschaft ein Hinspiel-0:3 auf. Und schon gar nicht gegen Barcelona. Dennoch ist es zu früh für Abrechnungen und Münchner Saisonbilanzen. Darum werden wir uns in der nächsten Woche kümmern (oder die Serie „Der Fußballgott und seine unergründlichen Wege“ starten).

Tore

1-0 MESSI (77., DANI ALVES)
2-0 MESSI (80., RAKITIC, BUSQUETS)
3-0 NEYMAR (90., MESSI, SUÁREZ)

Noten

Spielnote 6,5

Barcelona (4-3-3): ter STEGEN 6,5 – DANI ALVES 7,5, PIQUÉ 7,5, MASCHERANO 7,5 (89. BARTRA), ALBA 6,5 – RAKITIC 8 (82. XAVI), BUSQUETS 7,5, INIESTA 7,5 (87. RAFINHA) – MESSI 9,5, SUÁREZ 8,5, NEYMAR 8,5. Mannschaftsschnitt 7,68.

Bayern München (3-4-1-2): NEUER 7,5 – BENATIA 5,5, BOATENG 5,5, RAFINHA 5,5 – THIAGO 6, LAHM 5, ALONSO 6,5, BERNAT 5 – SCHWEINSTEIGER 4 – MÜLLER 5 (79. GÖTZE), LEWANDOWSKI 4,5. Mannschaftsschnitt 5,46.

Die Europarangliste im Mai 2015

Die Europarangliste ist zurück. Nachdem das Ranking im vergangenen Monat ausfallen musste, küren wir vier Wochen vor Saisonschluss zum vorletzten Mal Europas Top 20. Es gibt Auf- und Absteiger, drei Teams mussten komplett weichen und mit den Plätzen an der Spitze legen wir auch die Favoritenrollen im Halbfinale der Champions League fest. Und es gibt wie immer auch einen Stichtag: Bis einschließlich Montag, 4. Mai, sind alle Ergebnisse erfasst.

20. (neu) Lazio

Serie A: Dritter
Coppa Italia: Finale gegen Juventus
Pflichtspielbilanz: 24-7-9 (Punkteschnitt 1,98)

Schreibt man derzeit über Lazio, kommt man nicht am Stadtrivalen Roma vorbei. Zum Ende der Hinrunde hatte die hoch gehandelte und auch in dieser Rangliste stets vertretene Roma einen Vorsprung von zehn Punkten in der Tabelle der Serie A. Fast vier Monate später hat sich in der italienischen Hauptstadt das Blatt gewendet – zumindest fast. Feierte Lazio zwischenzeitlich acht Ligasiege hintereinander, stolperte das Team des taktisch unflexibel agierenden Trainers Rudi Garcia nur noch durch die Serie A. Das 1:1 wurde zum Standardergebnis der Roma, Lazio wiederum zog auch noch ins Pokalfinale ein. Dass das Polster der Roma im Kampf um Tabellenplatz zwei hinter Juve nicht schon komplett aufgebraucht ist, liegt an Lazios Remis des vergangenen Spieltags bei Atalanta. Am 24. Mai kommt es im Stadio Olimpico zum Showdown der beiden Clubs um die Vizemeisterschaft, wir glauben an das Happy End für Lazio und Miroslav Klose (zwölf Saisontore). Deshalb sind die Laziali neu eingestiegen – und die Roma nach Platz 18 im März rausgeflogen. (krä)

19. (-2) Borussia Dortmund

Champions League: Aus im Achtelfinale gegen Juventus
Bundesliga: Neunter
DFB-Pokal: Finale gegen VfL Wolfsburg
Bilanz: 20-9-16 (Schnitt 1,53)

Ach ja, der BVB und die Europarangliste. Schwieriges Thema. Zumindest in dieser Saison. Letztlich haben wir uns immer für den Verbleib der Dortmunder in Europas Top 20 entschieden, so bleibt es auch in der vorletzten Ausgabe. Rufen wir uns die Fakten in Erinnerung:

  • Vorletzter Platz in der Bundesliga nach der Hinrunde.
  • Gruppensieg in der Champions League.
  • Im Achtelfinale dann kläglich an Juventus gescheitert.
  • Fünftbestes Rückrundenteam.
  • Spielerisch auch nach dem Aufschwung mit großen Defiziten.
  • Bereit für große, wenn auch glückliche Spiele wie im Pokal gegen die Bayern.

In der Winterpause schrieb ich über die Unwahrscheinlichkeit eines internationalen Startplatzes. Gewinnt der BVB die letzten drei Saisonspiele, käme das Team des scheidenden Trainer Jürgen Klopp auf 49 Punkte. Dieser abstrus niedrige Wert dürfte dann für die Europa League reichen, weil nahezu alle Konkurrenten eine noch schlechtere Rückrunde spielen. Und schon sind wir beim FC Schalke, den Sie in dieser Rangliste vergeblich suchen werden. Das mag im Gesamtvergleich dieser beiden Clubs unfair erscheinen. Aber S04 schafft es derzeit auf keiner Ebene, das riesige Potenzial auszuschöpfen. (krä)

18. (neu) Borussia Mönchengladbach

Bundesliga: Dritter
Europa League: Aus in der 2. Runde gegen Sevilla
DFB-Pokal: Aus im Viertelfinale gegen Arminia Bielefeld
Bilanz: 25-13-7 (Schnitt 1,96)

An dieser Rückrunde mit minimalen Schönheitsfehlern führt kein Weg mehr vorbei. Die Gladbacher starteten nach der Winterpause punktgleich mit dem FC Schalke, verloren am 20. Spieltag sogar in Gelsenkirchen – und haben insgesamt trotzdem 15 Punkte mehr geholt als der vermeintliche Konkurrent um die Champions League-Plätze. Herausragend waren die Siege gegen Bayern und Dortmund, als die beste Abwehrreihe der Rückrunde (sieben Gegentore) fast keine Gelegenheiten zuließ und die wenigen eigenen Torchancen ungewöhnlich cool für warmblütige Fohlen ausgenutzt wurden. Kurz zu den Schönheitsfehlern: Sevilla ist international noch deutlich erfahrener, das Aus in der Europa League war eine logische Konsequenz. Das Pokalaus gegen Bielefeld war ärgerlicher, da verspielte die Borussia die große Chance auf einen Titel. Deshalb geht es in der Rangliste vorerst auch nicht höher. (krä)

17. (-3) Tottenham Hotspur

Premier League: Sechster
Europa League: Aus in der zweiten Runde gegen Fiorentina
FA Cup: Aus in der vierten Runde gegen Leicester City
League Cup: Niederlage im Finale gegen Chelsea
Bilanz: 27-13-14 (Schnitt 1,74)

Nach 54 Pflichtspielen fragen sich manche Fans und Beobachter der Spurs, wie sie die Saison bewerten sollen. Platz sechs in der Liga wäre nicht mehr und nicht weniger als das, was man nach den investierten Mitteln erwarten könnte: Die fünf Clubs, die mehr Geld für ihren Kader ausgeben als die Londoner, sind genau die fünf, die in der Tabelle vor Tottenham rangieren. In den Pokalwettbewerben ist die Bilanz ordentlich, aber nicht überragend. Die abschließende Bewertung der Arbeit von Maurício Pochettino muss so bis zur nächsten Saison warten. Aber verspricht die Besserung? Hilfreich beim neuen Anlauf auf die Champions League-Ränge wäre sicherlich das Verpassen der Europa League. Das ginge aber nur, wenn man sich noch von Southampton überholen ließe und Arsenal im Pokalfinale Aston Villa unterläge. (dan)

16. (neu) Sevilla

La Liga: Fünfter
Europa League: Halbfinale gegen Fiorentina
Copa del Rey: Aus im Viertelfinale gegen Espanyol
Pflichtspielbilanz: 34-9-10 (Punkteschnitt 2,09)

Der FC Sevilla stand schon länger auf unserer Liste, hat es aber erst jetzt in die Europarangliste geschafft. Und das nach der ersten Pleite nach zuvor 15 Pflichtspielen ohne Niederlage. Der Gegner hieß aber auch Real Madrid und Sevilla schlug sich beim 2:3 achtbar. Ohnehin hatte zuvor die Schwäche in den Spitzenspielen in der Primera División für unsere Missachtung gesorgt. Gegen Valencia (1:1 und 1:3), Atlético (0:4 und 0:0), Real (1:2 und 2:3) und Barça (1:5 und 2:2) gelang in acht Spielen kein einziger Sieg. Trotzdem stehen die Andalusier in der Tabelle nur drei bzw. sieben Punkte hinter Valencia und Atlético. Fast alle anderen Partien wurden gewonnen und die Titelverteidigung in der Europa League ist weiterhin möglich. (krä)

15. (+4) Napoli

Champions League: Aus in der Play-off-Runde gegen Athletic Club
Serie A: Vierter
Europa League: Halbfinale gegen Dnipro Dnipropetrovsk
Coppa Italia: Aus im Halbfinale gegen Lazio
Bilanz: 26-15-12 (Schnitt 1,76)

Einer der Profiteure der im vergangenen Monat ausgefallenen Europarangliste ist Napoli. Von den sieben Pflichtspielen im März gewann das Team von Trainer Rafael Benítez nur eins. Der Spanier stand in der Kritik – und stabilisierte seine Mannschaft wieder. Anfang April folgte zwar noch das Pokal-Aus gegen Lazio, aber sowohl in der Serie A als auch gegen Wolfsburg schmiss Napoli die Angriffsmaschine an. Die SSC erzielte 21 Treffer in sieben Partien und kann über die Europa League auch wieder in die Champions League einziehen. Warum Napoli hier trotzdem hinter Wolfsburg platziert ist? Gerade das Hinspiel in der Autostadt war überzeugend und zeigte Wolfsburg die Grenzen auf. Aber Rang zwei in der stärkeren Bundesliga ist höher zu bewerten als der vierte Platz in der Serie A und der Halbfinal-Einzug in der insgesamt nicht ganz so wichtigen Europa League. (krä)

14. (-1) Liverpool

Champions League: Aus in der Vorrunde gegen Real Madrid, FC Basel und Ludogorets Razgrad
Premier League: Fünfter
Europa League: Aus in der zweiten Runde gegen Besiktas
FA Cup: Aus im Halbfinale gegen Aston Villa
League Cup: Aus im Halbfinale gegen Chelsea
Bilanz: 26-13-16 (Schnitt 1,66)

Die Kritik an Brendan Rodgers ist in England sehr groß, und von Rafael Benítez bis Jürgen Klopp werden mögliche Nachfolger diskutiert. Der wellenförmige Saisonverlauf wird zur Unzufriedenheit beitragen: Dem schlimmen Herbst mit schwachen Ligaresultaten und dem Aus in der Champions League folgte nach der Niederlage gegen United eine starke Serie, in deren Verlauf die Reds 13 Ligaspiele in Folge ungeschlagen blieben – bis zum Rückspiel gegen den Erzrivalen. Die zwischenzeitliche Hoffnung auf die erneute CL-Qualifikation ist inzwischen auf eine rein theoretische Möglichkeit reduziert worden. Doch unterm Strich gilt das gleiche wie für Tottenham: Es gibt einfach vier reichere Clubs als Liverpool in der Liga, und genau diese vier liegen vor ihnen. Das ist nicht befriedigend, aber es ist gewiss auch kein Versagen, zumal nach dem Abgang von Luis Suárez und bei zwei Halbfinals in den nationalen Pokalwettbewerben. (dan)

13. (-2) VfL Wolfsburg

Bundesliga: Zweiter
Europa League: Aus im Viertelfinale gegen Napoli
DFB-Pokal: Finale gegen Borussia Dortmund
Bilanz: 28-12-8 (Schnitt 2)

„Ich glaube, dass der VfL Wolfsburg tief in einer Schublade steckt – aber dieser Final-Einzug gibt uns einen unheimlichen Schub.“ Manager Klaus Allofs sprach diese Worte nach dem Pokalerfolg gegen Arminia Bielefeld. Das muss er sagen, ob er wirklich daran glaubt, sei dahingestellt. Denn ein Pokalsieg wird das bundesweite Image des VfL nicht verändern, einen solchen Effekt hatte auch die Meisterschaft 2009 nicht. Vielmehr dürfte beim ZDF jetzt schon überlegt werden, wie die schwachen Einschaltquoten in der Champions League an Nicht-Bayern-Tagen bei den immensen Investitionen zu rechtfertigen sein werden. Aber wir machen hier ja keine Image-Rangliste und zur Bundesliga am Scheideweg hat Daniel Raecke bereits alles gesagt. Die Wolfsburger haben zwei Plätze verloren, weil die Leistungen in der Bundesliga nicht mehr ganz so gut waren und weil nach der schon holprigen Gruppenphase ein deutliches Aus in der Europa League gegen Napoli folgte. In der kommenden Saison will der VfL dann in der Champions League angreifen – am liebsten mit den neu verpflichteten Nationalspielern Max Kruse und Ilkay Gündogan: Imagewechsel, die zweite. (krä)

12. (+4) Bayer Leverkusen

Champions League: Aus im Achtelfinale gegen Atlético de Madrid
Bundesliga: Vierter
DFB-Pokal: Aus im Viertelfinale gegen Bayern München
Bilanz: 24-13-8 (Schnitt 1,89)

Seit der letzten Rangliste ist Bayer aus Champions League und Pokal ausgeschieden und hat in der Liga keinen Platz gutgemacht – wie ist da der Sprung auf Platz 12 zu erklären? Wir haben vor allem gewürdigt, dass Roger Schmidt es geschafft hat, das Spiel seiner Mannschaft zu stabilisieren und ihr eine extreme defensive Stabilität zu verleihen. In den letzten 13 Spielen kassierte die Mannschaft nur zwei Gegentore aus dem Spiel heraus. Zudem schied Bayer in beiden KO-Wettbewerben gegen Top Ten-Teams der Europarangliste erst im Elfmeterschießen aus. Das belegt die tatsächliche Klasse dieser aktuell zweitstärksten deutschen Mannschaft eindrücklicher als der reine Tabellenplatz. (dan)

11. (+1) Valencia

La Liga: Vierter
Copa del Rey: Aus im Achtelfinale gegen Espanyol
Bilanz: 23-10-6 (Schnitt 2,03)

Dank Shkodran Mustafi hat es der in den vergangenen Jahren in Deutschland unter dem journalistischen Radar fliegende FC Valencia wieder in die Schlagzeilen geschafft. „Mustafis FC Valencia gewinnt gegen xyz“ ist eine sich regelmäßig wiederholende Überschrift in deutschen Nachrichtenagenturen. Ob das mehr für die einfallslose Arbeit der Agenturen oder die einfallsreiche Arbeit von Nuno Espírito Santo spricht, sei Ihnen überlassen. Der portugiesische Trainer der Ches hat einen Einbruch bisher verhindern können, es spricht in Valencia vieles für die Qualifikation zur Champions League. Zieht der Finalist von 2000 und 2001 erneut in die Königsklasse ein, braucht der Kader noch ein paar Verstärkungen – hoffentlich ohne den Umstand, die hochgradig talentierten Paco Alcácer, José Luis Gayá und André Gomes zu blockieren. (krä)

10. (=) Manchester United

Premier League: Vierter
FA Cup: Aus im Viertelfinale gegen Arsenal
League Cup: Aus in der zweiten Runde bei Milton Keynes Dons
Bilanz: 22-9-10 (Schnitt 1,83)

Lange durfte United sogar von der Vizemeisterschaft träumen. Das Topspiel in Chelsea verloren die Red Devils trotz sehr guter Leistung knapp. Danach aber gab es zwei weitere Niederlagen in Folge, und auf einmal ist United nur noch Vierter. Bei nur noch vier Punkten Vorsprung auf Liverpool ist nicht einmal dieser Rang garantiert. Wir glauben daran, dass Louis van Gaal mit seiner Mannschaft zumindest diesen Platz halten kann. Und dann sind wir gespannt darauf, wie er seinen Kader im Sommer weiter verstärken wird, wenn United endlich wieder in der Champions League spielt. (dan)

9. (-1) Manchester City

Champions League: Aus im Achtelfinale gegen Barcelona
Premier League: Zweiter
FA Cup: Aus in der vierten Runde gegen Middlesbrough
League Cup: Aus in der vierten Runde gegen Newcastle United
Bilanz: 25-9-14 (Schnitt 1,75)

Die zuletzt drei Siege am Stück in der Liga haben den freien Fall Citys aufgehalten und das drohende Verpassen der Champions-League-Qualifikation abgewendet. Ob sie Manuel Pellegrinis Job gerettet haben, ist eine andere Frage. Zu inkonstant waren die Leistungen der Citizens in dieser Saison. Nüchtern resümierend kann man allerdings sagen: Wenn City Platz zwei hält, stimmen die Grundparameter der Spielzeit im Großen und Ganzen: Platz zwei hinter einem einfach insgesamt stärkeren Chelsea (bei zwei Unentschieden im direkten Vergleich), das Aus in der Champions League gegen die wohl beste Mannschaft der Welt. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Der wahre Unterschied zwischen dem alten und dem neuen englischen Meister spiegelt sich in dieser Statistik: City hat 2014/15 bisher 14 Pflichtspiele verloren – Chelsea drei. Es ist unter den gegebenen Umständen kaum vorstellbar, dass die Citizens mit diesem Kader und diesem Trainer in der nächsten Saison ein ernsthafter Konkurrent für die Blues werden können. Vieles sprach sogar dafür, City in unserem Ranking sogar hinter United fallen zu lassen, auch angesichts der jüngsten Niederlage im direkten Vergleich. Am Ende hat United aber mangels internationaler Spiele und ohne relevante Pokalerfolge wenige Argumente dafür, trotz schlechterer Platzierung in der Premier League vor City zu landen. In der kommenden Saison wird das allerdings anders aussehen. (dan)

8. (-2) Atlético de Madrid

Champions League: Aus im Viertelfinale gegen Real Madrid
La Liga: Dritter
Copa del Rey: Aus im Viertelfinale gegen Barcelona
Bilanz: 31-12-10 (Schnitt 1,98)

Atléti befand sich schon in der vergangenen Rangliste in einem leicht absteigenden Trend, der sich seitdem bestätigt hat. Gegen Leverkusen ging es in der Champions League noch im Elfmeterschießen weiter. Im Viertelfinale gegen Real war das Team von Trainer Diego Simeone dann über 180 Minuten chancenlos, auch wenn das 1:0 für den Stadtrivalen knapp klingt. Und auch in der Liga kann Atlético nach Punktverlusten gegen Espanyol, Málaga oder Bilbao Real und Barcelona nicht mehr Paroli bieten. Stattdessen drängt von hinten Valencia – wobei die Colchoneros dieses Rennen um Platz drei gewinnen werden (das direkte Duell in der Rückrunde endete 1:1). Realistisch betrachtet ist die Saison für den finanziell angeschlagenen Club trotzdem ein großer Erfolg. Barça und Real haben einen riesigen Vorsprung, es ist keine Schande, in allen Wettbewerben an diesen beiden Schwergewichten zu scheitern. (krä)

7. (+2) Arsenal

Champions League: Aus im Achtelfinale gegen AS Monaco
Premier League: Dritter
FA Cup: Finale gegen Aston Villa
League Cup: Aus in der dritten Runde gegen Southampton
Bilanz: 33-9-9 (2,16)

Die Gunners spielen nicht weniger als eine fantastische Rückrunde. Nach Neujahr gewann Arsenal 21 von 24 Pflichtspielen und verlor nur zwei. Diese beiden Niederlagen schmerzten allerdings, die entscheidende Hinspielpleite gegen Monaco und ein verlorenes North London Derby bei Tottenham. Dennoch überwiegen klar die positiven Ereignisse, so auch Siege gegen Manchester City und Liverpool sowie im FA Cup in Old Trafford. Selbst in Topspielen ist Arsenal gegenüber den letzten Jahren also deutlich verbessert. Hätte die Serie nur ein paar Wochen früher begonnen, wäre in der Liga vielleicht sogar noch mehr drin gewesen. Aber auch so ist es entgegen vieler Unkenrufe auch von meiner Seite aus die beste Arsenal-Saison seit Langem. Seit Januar ist der Punkteschnitt der Gunners der beste in ganz Europa. Damit hat Arsène Wenger möglicherweise auch Jürgen Klopp einen neuen Arbeitgeber verwehrt. (dan)

6. (+1) Paris Saint-Germain

Champions League: Aus im Viertelfinale gegen Barcelona
Ligue 1: Erster
Coupe de France: Finale gegen AJ Auxerre
Coupe de la Ligue: Sieger
Bilanz: 35-14-6 (Schnitt 2,20)

Gegen Barcelona war Laurent Blanc mit seiner Mannschaft chancenlos. Das trifft so aber auf fast alle Teams Europas zu. Daher muss man PSG, das im Achtelfinale in Unterzahl Chelsea ausschaltete und das nationale Treble holen dürfte, insgesamt einmal mehr eine sehr ordentliche Saison bescheinigen. Dass es in der Champions League wieder nicht zum Einzug ins Halbfinale gereicht hat, wird landauf, landab als Versagen der Investitionspolitik der Besitzer des Clubs interpretiert. Tatsächlich aber ist es vor allem Lospech, zweimal hintereinander gegen Barcelona zu spielen. Dass es wenige Teams auf der Welt gibt, die einfach noch ein kleines Stück besser besetzt sind als diese Mannschaft, ist halt einfach so. Ob man in Katar damit zufrieden ist oder am Stammtisch darüber lästert – PSG zählt zu den Best of the Rest. Nicht mehr und nicht weniger. (dan)

5. (=) Juventus

Champions League: Halbfinale gegen Real Madrid
Serie A: Meister
Coppa Italia: Finale gegen Lazio
Bilanz: 33-10-6 (Schnitt 2,23)

Die ersten Vier des Rankings sind seit Saisonbeginn die gleichen Clubs geblieben. Ob Juve diese Phalanx zum Ende der Spielzeit aufbrechen kann, wird das Abschneiden im ersten Halbfinale in der Champions League seit zwölf Jahren entscheiden. Ein (durchaus möglicher) Erfolg über Real Madrid dort wäre ein noch größerer Erfolg für den italenischen Serienmeister als Antonio Conte ihn je erreicht hat und damit eine ebenso starke Bestätigung für die Qualitäten von Massimiliano Allegri wie der Niedergang von Milan nach seinem Abgang. (dan)

4. (-1) Chelsea

Champions League: Aus im Achtelfinale gegen Paris Saint-Germain
Premier League: Meister
FA Cup: Aus in der vierten Runde gegen Bradford City
League Cup: Sieger
Bilanz: 35-13-3 (Schnitt 2,14)

Trotz Achtelfinalaus in der Champions League noch unter den Top Four Europas – wie geht das? Die Blues sind ganz souverän Meister geworden, einer von zwei Titeln ihres kleinen nationalen Doubles. Das Aus gegen PSG war zwar sehr enttäuschend, aber in der gesamten CL-Saison verlor Chelsea kein einziges Spiel und schied nur nach Auswärtstoren aus. Die Diskussionen in England um die Attraktivität der Spielweise der Londoner kümmern uns bei Gegen den Ball traditionsgemäß ebenso wenig wie Roberto di Matteo 2012 der Versuch eines deutschen Reporters, ihn zu einer Entschuldigung für die defensive Art und Weise zu bewegen, in der er gerade die Champions League gewonnen hatte. Chelseas System ist extrem stabil und erfolgreich, dank seines sehr gut besetzten Kaders und seines herausragenden Trainers. Nichts anderes bewerten wir hier. (dan)

3. (+1) Real Madrid

Champions League: Halbfinale gegen Juventus
La Liga: Zweiter
Copa del Rey: Aus im Achtelfinale gegen Atlético de Madrid
Bilanz: 41-4-9 (Schnitt 2,35)

Von der aktuellen Verfassung der letzten Wochen her könnten wir Madrid sogar auf Platz zwei führen, denn anders als die Bayern zeigte die Formkurve der Blancos zuletzt nach oben. Wenn wir vom besten Kader, der zur Verfügung stünde, ausgehen, sehen wir die Bayern allerdings immer noch hauchdünn vorne. Da aber noch zwei sehr große Titel vergeben werden, die Carlo Ancelotti mit seiner Mannschaft noch gewinnen kann, ist es denkbar, dass sich in der abschließenden Juni-Rangliste noch einiges tut – nach oben, wenn Madrid Barcelona oder Bayern etwa im CL-Finale schlagen sollte, oder auch nach unten, falls Madrid an Juventus scheiterte. (dan)

2. (=) Bayern München

Champions League: Halbfinale gegen Barcelona
Bundesliga: Meister
DFB-Pokal: Aus im Halbfinale gegen Borussia Dortmund
Pflichtspielbilanz: 34-7-6 (Punkteschnitt 2,32)

Erstmals in dieser Saison sind die Bayern in Sachen Punkteschnitt von einem zweiten Team überholt worden. Da es ja verschiedene Kriterien für diese Rangliste gibt, reicht das aber nicht aus, um den deutschen Meister abzustufen. Darüber diskutiert haben wir trotzdem, denn um es mit Uli Hoeneß zu sagen: „The trend is not your friend.“ Während die Guardiola-Kritiker jetzt schon an den Schlagzeilen des morgigen Abends oder an denen der kommenden Woche feilen, wenn die Bayern – bei normalem Verlauf – auch im Halbfinale der Champions League scheitern werden, fokussieren wir uns auf den tatsächlichen Grund: Die Bayern müssen mit Arjen Robben, Franck Ribéry, David Alaba und womöglich Robert Lewandowski zu viele Schlüsselspieler ersetzen. Zum Vergleich: Barcelona müsste ohne Lionel Messi, Neymar, Luis Suárez (siehe unten) und Sergio Busquets antreten. Sicherlich müssen die Münchner in einer Saisonbilanz feststellen, wie es zu so vielen Verletzungen kommen konnte und warum ein grandios veranlagter Spieler wie Mario Götze die Robben- oder Ribéry-Lücke nicht schließen konnte. Mit voller Kaderstärke sind die Bayern für uns aber weiterhin das zweitbeste Team in Europa. (krä)

1. (=) FC Barcelona

Champions League: Halbfinale gegen Bayern
La Liga: Erster
Copa del Rey: Finale gegen Athletic Bilbao
Pflichtspielbilanz: 45-3-5 (Punkteschnitt 2,60)

Im Moment ist es schwer vorstellbar, wie der FC Barcelona auf dem Weg zum Treble noch stolpern könnte. In der Liga beträgt der Vorsprung vor Real zwar nur zwei Punkte und am 37. Spieltag steht noch die schwere Auswärtshürde bei Atlético an, aber in den bisherigen drei Pflichtspielen gegen damals noch deutlich bessere Colchoneros gab es drei verdiente Siege. Im Pokalfinale gegen Athletic (30. Mai) ist Barça im Camp Nou ebenfalls klarer Favorit. Bleibt noch die Champions League. Das ist sicherlich der unwägbarste der drei Titel, aber in der derzeitigen Form ist die Favoritenrolle zumindest gegen den FC Bayern klar verteilt. Lionel Messi, Luis Suárez und Neymar haben zusammen bereits 108 Pflichtspieltreffer erzielt. Beim Schreiben dieser Zeilen steigt die Vorfreude auf Mittwoch Abend. Und auf meinsportradio.de werden wir dann in aller Ruhe bilanzieren, was unsere Einschätzungen wert waren. (krä)

Bundesliga-Noten: Lasst das Geld stecken

Bayern_Wolfsburg_4 FC Bayern – VfL Wolfsburg 2:1 (Noten-FAQ)

Seit sich Javi Martínez im Supercup gegen Borussia Dortmund das Kreuzband gerissen hat, kochen täglich Transfergerüchte durch die Münchner Gerüchteküche. Mal ist Mehdi Benatia von der Roma so gut wie verpflichtet, dann soll Diego Godín der Auserwählte für die Bayern-Defensive sein.

Eines ist klar: Verpflichten die Bayern tatsächlich einen neuen Abwehrspieler, wird es eine teure Angelegenheit. Das Festgeldkonto ist prall gefüllt, die Ablöse kein Problem. In Anbetracht der Tatsache, dass mit Dante, Jérôme Boateng und Holger Badstuber drei weitere Innenverteidiger im Kader stehen, muss die Frage erlaubt sein, warum überhaupt reagiert werden muss.

Trainer Pep Guardiola will in dieser Saison unbedingt mit Dreierkette spielen. Das ist mit Martínez als zentralem Spieler eine vielversprechende Variante, die das übrig gebliebene Trio in der Form nicht ausfüllen kann. Dante und Boateng fühlen sich als Außenspieler in einer Dreierkette wohler und Badstuber wird zu Recht noch Zeit eingeräumt.

Doch das Spiel gegen Wolfsburg hat gezeigt, dass Badstuber deutlich weiter ist, als man nach einer anderthalbjährigen Auszeit hätte erwarten können. Gegen die Wölfe verlor er keinen Zweikampf, gewann alle seine Kopfballduelle und spielte kaum Fehlpässe. Sicher hätte er beim Treffer von Ivica Olic energischer eingreifen können, aber diese Automatismen werden in den kommenden Wochen dazukommen.

Guardiola ließ zum Bundesliga-Auftakt mit einem Hybrid aus Dreier- und Viererkette spielen – die Flexibilität der Protagonisten war sehr wichtig. Schwer vorstellbar ist, dass – egal ob der Neuzugang nun Benatia oder Godín heißt – die Dreierkette aus dem Stand so funktioniert, als wäre Martínez noch fit.

Deshalb wäre es deutlich effektiver, und günstiger, wenn die Bayern in der Anfangsphase der Saison zur Viererkette bzw. zum Wolfsburger System zurückkehren und die Einführung der Dreierkette verschieben. Denn ein Badstuber in Topform ist neben Martínez die zweite Idealbesetzung für die mittlere Position. Und wenn der Spanier dann nach einem halben Jahr zurückkehrt, müssen nicht fünf Innenverteidiger mit Stammplatz-Anspruch bei Laune gehalten werden. Ein nachvollziehbarer Gedanke wäre allerdings, wenn Guardiola der Verfassung von Dante misstraut und den Brasilianer nicht als Spieler für seine erste Elf sieht.

Doch zurück zum Spiel gegen Wolfsburg: Auffällig war Arjen Robbens Frühform, nach nicht einmal dreiwöchiger Vorbereitung wirkte Robben so agil wie in der gesamten Vorsaison.

Für den VfL wäre nach defensiv ordentlicher, offensiv aber schwacher erster Halbzeit ein Punkt möglich, aber nicht wirklich verdient gewesen. Der eingewechselte Junior Malanda hatte die Riesenchance zum Ausgleich, die Manuel Neuer im ersten Versuch stark vereitelte, Malanda im Anschluss aber fahrlässig neben den Kasten setzte.

Vor dem Spiel wurde viel über die Verfassung der Münchner WM-Fahrer debattiert. Neuer war wie Philipp Lahm solide, Mario Götze eher blass und Thomas Müller schon wieder unter den Torschützen. Im glänzend besetzten Kader der Münchner fällt es aber nicht so auf, wenn vier Weltmeister noch nicht in Topform sind.

Bei den Wölfen standen ebenfalls fünf WM-Teilnehmer in der Startelf. Die fehlende Vorbereitungszeit merkte man vor allem Luiz Gustavo und Kevin de Bruyne an. Gustavo war sehr verhalten und fehlerbehaftet, der Belgier taute erst nach dem Seitenwechsel ein wenig auf. Und weil es dem Kader der Wölfe doch noch ein wenig an Tiefe mangelt, kann das Team von Trainer Dieter Hecking solche Ausfälle eben noch nicht kompensieren. So viel zum Nachteil der Bayern, den Karl-Heinz Rummenigge medial in die Welt getragen hat.

„Bei allem, was privat passiert ist“

Dass das Kicker-Sportmagazin seine Berichterstattung auf sportliche Belange rund um den Fußball konzentriert und um das Privatleben von Fußballern in der Regel einen weiten Bogen macht, ist nicht neu. Dagegen ist generell ja auch nichts zu sagen, hebt es das Nürnberger Traditionsblatt doch wohltuend von manchen Aspekten der Boulevard-Sportberichterstattung ab. In diesem Jahr ist die Maxime, Privates privat bleiben zu lassen, allerdings schon zweimal an ihre Grenzen gestoßen. Und in beiden Fällen kann man nicht behaupten, dass die vermeintlich klare Definition dieser Grenzen zum Ruhmesblatt für die Kicker-Redaktion geworden wäre.

Nachdem Thomas Hitzlsperger sich geoutet hatte, berichtete der Kicker im Heft nicht nur gar nicht darüber, sondern rechtfertigte in einem Kommentar genau diese Entscheidung unter anderem mit dem „weltoffenen Deutschland“, in dem Homosexualität kein Thema sei. Nachdem diese Maßnahme viel Kritik hervorgerufen hatte, legte Chefredakteur Jean-Julien Beer wenige Tage später nach und befand, die Kicker-Redaktion sei in Sachen Liberalität ihrer Zeit sogar voraus, weil sie über schwule Sportler gar nicht rede. Das alles haben wir damals schon thematisiert.

Anlässlich der Verurteilung von Uli Hoeneß zu einer Gefängnisstrafe von dreieinhalb Jahren legte die Redaktion nun eine weitere Demonstration ihrer Auffassung von Privatheit und Öffentlichkeit vor. Zwar wurde über das Urteil gegen den bisherigen Präsidenten des FC Bayern berichtet, allerdings nannte man das im Editorial ein „Themenpaket zum Rücktritt von Uli Hoeneß“ (und nicht zu den Gründen für den Rücktritt), und auf den fünf Seiten fanden sich genau drei Sätze, die zumindest die verhängte Strafe und die ihr zugrundeliegenden Straftaten erwähnten – und eine „Chronologie des Falles“ in einem Extrakasten am Ende. Weitaus prominenter war „Uli Hoeneß: Seine Erklärung im Wortlaut“ platziert, die der Kicker extra in einer größeren Schrifttype als den Rest des Themenpakets abgedruckt hatte.

Der Ton dafür war schon im angesprochenen Editorial von Chefredakteur Beer gesetzt worden, als er schrieb, es sei lobenswert, wie die Bundesliga und „der Fußball“ reagiert hätten – nämlich, indem auf Kritik verzichtet worden sei. In der Hagiographie „Uli Hoeneß: Der FC Bayern ist sein Lebenswerk“ von Karlheinz Wild, dem altgedienten Bayern-Chefkorrespondenten des Kicker, findet sich ebenfalls kein einziger kritischer Satz. Vielmehr schließt der Artikel mit dem Satz: „Neben dem sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg gehört diese menschliche Komponente – bei allem, was privat passiert ist – zu seinem Lebenswerk FC Bayern“.

Die Hinterziehung von fast 30 Millionen Euro Steuern durch den Präsidenten des wichtigsten deutschen Clubs zwischen zwei Spiegelstriche zu verbannen als private Verfehlung, die einen Sportjournalisten eigentlich gar nichts angehe, verrät einiges über die Probleme der engen Verflechtung deutscher Medien mit den handelnden Personen in Liga und Clubs, in der die Interessenkollision zwischen dem engen Vertrauensverhältnis eines Korrespondenten mit den Entscheidungsträgern des Clubs, über den er jahrzehntelang berichtet, und der gebotenen Distanz, die für ein ausgewogenes redaktionelles Urteil erforderlich wäre, gar nicht mehr bemerkt wird. Wie andernorts auch der Zwang etwa öffentlich-rechtlicher Sender, die Wettbewerbe, für deren Übertragungsrechte sie viele Millionen bezahlt haben, als die fantastischen Unterhaltungsevents zu behandeln, als die sie solche Investitionen einzig rechtfertigen können, auch hier hat grundsätzliche Kritik keinen Platz.

Zu allem Überfluss steuerte Wild auch noch einen sogenannten „Kommentar“ bei, namens „Hoeneß wird dem Fußball fehlen“. Einordnung und Beurteilung sucht man hier vergebens, stattdessen weiteres Hoeneß-Lob („Doch als es nicht mehr anders ging, erwies er dem Klub diesen letzten, unumgänglichen Dienst und trat ab“). Damit folgte er genau der Interpretation von Hoeneß selbst, der in seiner groß abgedruckten Erklärung den Verzicht auf die Revision mit seinem „Verständnis von Anstand, Haltung und Verantwortung“ begründet hatte. So wird die Trennung von Privat und Sportlich endgültig ins Absurde verkehrt. Entlastende Selbstaussagen und die Verbrämung des Urteils eines ordentlichen Gerichts als etwas, das zu akzeptieren ihm seine eigenen charakterlichen Qualitäten gestatteten, kann man als PR-Strategie von Hoeneß finden, wie man will. Diese allerdings in den Mittelpunkt seiner Berichterstattung zu stellen und zugleich die schweren Straftaten, die sie erst nötig gemacht haben, als „Privatsache“ zu handeln, ist nicht mehr nur verschroben. Es ist ein journalistischer Offenbarungseid.

Man muss nicht wie der Stern Interviews mit anonymen Whistleblowern führen, deren nicht überprüfbare Aussagen nahelegen, Hoeneß sei kein Einzeltäter gewesen. Aber es gibt bei distanzierter Betrachtung des Falles noch zahlreiche offene Fragen, die durch den schnell durchgezogenen Prozess und den allfälligen Verzicht auf Revision eher noch dringlicher geworden zu sein scheinen. Der Schweizer Tagesanzeiger hat sie gebündelt auf den Punkt gebracht: Woher kam das Startkapital, das Hoeneß für seine Geschäfte nutzte, wirklich? Wie konnte Hoeneß als Privatmann mit Devisengeschäften so gigantische Gewinne erzielen, vermögen? Und wohin sind die zwischenzeitlich dreistelligen Millionensummen am Ende verschwunden?

Das sind keine haltlosen Spekulationen, sondern naheliegende Fragen, die so ähnlich auch die Frankfurter Allgemeine gestellt hat. „Jetzt sollte man sich dem Fall FC Bayern zuwenden“, schloss Reinhard Müller in der konservativen Zeitung, die normalerweise eher Steuern als Steuerhinterzieher kritisiert, seinen Kommentar zum Prozess gegen Uli Hoeneß. Das ist weder boulevardesk noch unsachlich, sondern es ist eine naheliegende Aufgabe für Justiz auf der einen und investigativen Journalismus auf der anderen Seite. So ähnlich sähe es der Kicker vielleicht auch, wenn es nicht um die Bayern ginge – wie es die investigative Recherche von BVB-Korrespondent Thomas Hennecke vor über zehn Jahren im Zuge der Fast-Insolvenz der Dortmunder gezeigt hat. Schließlich wird über die Ungereimtheiten rund um den FC Barcelona, die im Zusammenhang mit der Finanzierung des Neymar-Transfers zum Rücktritt von Präsident Sandro Rosell führten, ausführlich berichtet. Rosells Lebenswerk hingegen wurde in der Zeitschrift noch nicht gewürdigt. Auch wurde sein Rücktritt nicht als heroischer Dienst an seinem Club gefeiert.

Diesen letzten Aspekt möchte ich übrigens nicht so verstanden wissen, dass man das Lebenswerk von Hoeneß nun vergessen sollte oder ihm für alle Zeit das Recht absprechen müsste, Führungspositionen im Fußball einzunehmen. Selbstverständlich sollte die resozialisierende Funktion der Strafe auch in diesem Fall gelten. Aber normalerweise spricht die Bundeskanzlerin einem verurteilten Straftäter nicht schon „Respekt“ dafür aus, dass er tatsächlich ins Gefängnis geht, wenn er dazu verurteilt worden ist. Das Bemühen des Kicker, auch im Gang nach Landsberg noch eine Heldentat des Bayern-Patriarchen zu erkennen, zeigt ungefähr so viel Urteilsvermögen wie die Einschätzung der Gläubigen in Monty Pythons „Life of Brian“ zum Mann mit der Sandale („Er ist der Messias, er ist der Messias!“).

Und wenn man, bis es nicht mehr anders geht, keine Spekulationen über mögliche finanzielle Unregelmäßigkeiten beim FC Bayern anstellen möchte, dann sollte man angesichts der aktuell aufgetauchten Fragen zumindest nicht in die Offensive gehen und ein mehrseitiges Special darüber veröffentlichen, wie vorbildlich dieser Verein geführt werde, den man in Nürnberg inzwischen routiniert „bester Club der Welt“ zu nennen beliebt.

Die Europarangliste – Ausgabe Februar

In der aktuellen Europarangliste finden die Simpsons genauso einen Platz wie Tim Wiese, der EA Sports-Fluch und kranke Männer. Wem das noch nicht reicht, dem sei gesagt, dass die großen Formkrisen von etablierten Clubs wie Manchester United oder Bayer Leverkusen für ordentlich Bewegung gesorgt haben.

Die Bewertungskriterien für die Europarangliste dürften mittlerweile bekannt sein. Danach haben die vier großen europäischen Ligen einen Qualitätsvorsprung, den Clubs aus kleineren Ligen nur schwer kompensieren können. Trotzdem fliegen mit den Red Devils, Leverkusen, dem FC Everton und der Fiorentina vier Mannschaften aus der Top 20, die sowohl von der Kaderstärke als auch von den tabellarischen Möglichkeiten in ihren jeweiligen Ligen vor Teams wie Olympiakos oder Galatasaray stehen müssten. Sie tun es allesamt nicht, weil die Formkurven kaum eine andere Möglichkeit lassen, Besserung derzeit nicht in Sicht ist und die Leistungen der Underdogs eine Beachtung verdient haben.

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Platz 20 (neu) FC Red Bull Salzburg

Pflichtspiel-Bilanz: 32 Siege – 5 Unentschieden – 4 Niederlagen
Bundesliga: Tabellenführer
Europa: EL-Achtelfinale

Jetzt wird es abenteuerlich. Ein Verein aus Österreich unter den besten 20 Clubs in Europa? Und dann hofieren wir auch noch diese Getränke-Dynastie, die in den vergangenen Tagen Mittelpunkt beleidigter Diskussionen deutscher Sportjournalisten war? Gegen den Ball hat zu diesem Thema eine differenzierte Meinung, die wir zu einem späteren Zeitpunkt formulieren werden. In der Europarangliste halten wir uns jedoch an Adi Preißler: „Grau ist alle Theorie – entscheidend ist auf’m Platz.“ Es geht um Fußball und nicht um Fußball-Kultur. Da leisten die Bullen seit Monaten beachtliche Arbeit. Die Dominanz in der schwachen österreichischen Liga allein reicht nicht für Rang 20 in der Europarangliste. Acht Siege in acht Europa League-Spielen beeindrucken schon etwas mehr, entscheidend ist aber die von Trainer Roger Schmidt verordnete und von der Mannschaft sehr gut umgesetzte taktische Marschroute. Das offensive Quartett Kevin Kampl, Sadio Mané, Jonathan Soriano und Alan presst sehr früh und schafft mit sehr schnellen Umschaltbewegungen extrem viele Tormöglichkeiten. Gerade Kampl und Soriano haben bei Ballgewinnen sofort den Kopf oben und spielen risikoreiche Pässe in die Tiefe. Bedanken können sich die Bullen zudem beim FC Bayern, der in der Winter-Vorbereitung in Salzburg vorbeischaute, dabei einen lustlosen Auftritt hinlegte und mit der 0:3-Niederlage das Selbstvertrauen in für österreichische Teams ungewöhnliche Größe steigern ließ.

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Platz 19 (neu) Olympiakos Piräus

Pflichtspiel-Bilanz: 32-5-3
Super League: Tabellenführer
Europa: CL-Achtelfinale

Spricht man über Olympiakos, kommt man nicht umhin, auch zwei Sätze über Manchester United zu verlieren. Die Red Devils verloren als einziger Gruppensieger der Champions League das Achtelfinal-Hinspiel und werden es in der derzeitigen Verfassung auch im Rückspiel gegen den griechischen Meister schwer haben. In dieser Saison gewann United nur vier Spiele mit drei oder mehr Toren Unterschied, ein solches Ergebnis wird am 19. März aber nötig sein. Trainer David Moyes darf trotz Krise weitermachen, die kommende Transferperiode wird für seine persönliche Zukunft entscheidend sein. In Griechenland wiederum steckt der gesamte Fußball in der Krise. Die Clubs kämpfen mit Fankrawallen, halbleeren Rängen und völlig leeren Kassen. Serienmeister Olympiakos bildet dabei die Ausnahme, gegen Panathinaikos gab es am vergangenen Spieltag – begleitet von schweren Ausschreitungen – die erste Niederlage in einem nationalen Wettbewerb. Olympiakos hat in der Super League 19 Zähler Vorsprung auf PAOK Saloniki, bei einem Torverhältnis von 78:12. Trainer Michel hat eine interessante Mannschaft aus griechischen Nationalspielern, internationalen Routiniers wie Javier Saviola, Roberto Jiménez, Paulo Machado, Nelson Valdez oder Vladimir Weiss sowie vereinzelten Talenten wie Joel Campbell oder Michael Olaitan zusammengestellt.

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Platz 18 (16) Schalke 04

Pflichtspiel-Bilanz: 18-7-10
Bundesliga: 4. Platz
Europa: CL-Achtelfinale

Schlimmer hätte die letzte Woche für den FC Schalke kaum laufen können. Schon das torlose Remis gegen Mainz entsprach nicht dem Formanstieg der bisherigen Rückrunde, die beiden Pleiten gegen Real Madrid und den FC Bayern ließen den Aufwärtstrend gefühlt sogar ins komplette Gegenteil ausufern. machen Niederlagen gegen Spitzenclubs für Vereine wie Schalke aber immer wahrscheinlicher, ihre Heftigkeit hat allerdings Trainer Jens Keller zu verantworten. Die Knappen bleiben in der Europarangliste, weil der Ergebnis-Trend insgesamt stimmt (seit der Derby-Niederlage gegen Borussia Dortmund haben sie den Rückstand auf den BVB von elf auf vier Punkte reduziert) und die Formkurve von Leverkusen noch deutlicher nach unten zeigt.

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Platz 17 (neu) Galatasaray

Pflichtspiel-Bilanz: 20-12-5
Süper Lig: 2. Platz
Europa: CL-Achtelfinale

Der türkische Meister stand zum Abschluss der vergangenen Saison in unserer Europarangliste, schaffte es seitdem aber nicht mehr in die Top 20. Dafür war das Abschneiden in der Süper Lig nicht gut genug und Rang zwei in der Champions League-Gruppe vor Juventus war zu eindeutig den katastrophalen Platzverhältnissen in der letzten Partie gegen Juve geschuldet. Mittlerweile ist das Team von Trainer Roberto Mancini jedoch auf dem richtigen Weg, auch wenn am vergangenen Spieltag mit dem 1:1 gegen Rizespor die Aufholjagd auf Tabellenführer Fenerbahce etwas unterbrochen wurde. Respekt verdiente in jedem Fall die zweite Hälfte gegen den FC Chelsea, als
der klare Favorit am Rande einer Niederlage stand.

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Platz 16 (neu) Tottenham Hotspur

Pflichtspiel-Bilanz: 27-5-10
Premier League: 5. Platz
Europa: EL-Achtelfinale

Die Spurs haben sich wieder in den Kreis der Topteams zurückgespielt, gehören aber trotzdem zu den am schwierigsten zu bewertenden Clubs. Unter André Villas-Boas wurde mit der Ablöse für Gareth Bale ein Großangriff auf dem Transfermarkt gestartet, der – angesichts der Gehaltsstruktur der Spurs – unrealistische Erwartungen schürte. Villas-Boas musste dann im Dezember gehen, weil er seine Mannschaft taktisch zu häufig ins offene Messer laufen ließ. Seitdem hat Tim Sherwood das Sagen, der die Spurs in der Tabelle der Premier League wieder auf Rang fünf führte, den Rückstand zu den Champions League-Plätzen aber nicht entscheidend verringern konnte. Zudem sind spielerisch kaum Fortschritte zu erkennen. Andererseits marschiert Tottenham durch die Europa League, bekommt mit Benfica nun aber auch den ersten echten Prüfstein. Wir glauben an die Spurs als fünftbestes Team der Premier League – zu mehr wird es allerdings nicht reichen. Eine fundierte Aussage können wir in der nächsten Ausgabe machen, denn im März lauten die Gegner in dieser Reihenfolge: Chelsea, Benfica, Arsenal, Benfica, Southampton, Liverpool.

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Platz 15 (18) Athletic Club

Pflichtspiel-Bilanz: 17-5-10
Primera División: 4. Platz
Europa: nicht vertreten

Gäbe es in der Bundesliga tatsächlich – wie in der vergangenen Saison als Schmähung etabliert – spanische Verhältnisse, so könnten sich deutsche Fans über einen spannenden Titelkampf mit drei Mannschaften freuen. Die alles beherrschenden Bayern verhindern das. Dahinter ginge es dann um den Qualifikationsplatz für die Champions League. Im echten Spanien hat weiterhin Athletic Bilbao die besten Karten im Kampf um die Königsklasse. Das Team von Trainer Ernesto Valverde holte im Februar nur acht Punkte, der Vorsprung auf die Verfolger Villarreal und Real Socieded wuchs trotzdem um jeweils einen Zähler an. Sicher, es fehlen sowohl Konstanz als auch der internationale Vergleich, aber im 4-2-3-1 unter Valverde ist eine klare taktische Idee erkennbar und der Sieg gegen Barcelona (1:0) und das Remis gegen Real Madrid (1:1) haben gezeigt, dass Bilbao auch gegen die großen Gegner nicht chancenlos ist.

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Platz 14 (20) Benfica Lissabon

Pflichtspiel-Bilanz: 25-5-3
Primeira Liga: Tabellenführer
Europa: EL-Achtelfinale

Die Bilanz von Benfica im Jahr 2014 könnte kaum beeindruckender sein. In elf Spielen feierte das Team von Trainer Jorge Jesus zehn Siege und kassierte dabei nur einen Gegentreffer. Benfica hat sich damit in der Tabelle von Stadtrivale Sporting absetzen können, noch wichtiger sind aber die neun Zähler Vorsprung auf Serienmeister FC Porto. Der Titelverteidiger gab mittlerweile sogar die Trennung von Trainer Paulo Fonseca bekannt. Benfica gleicht die strukturellen Nachteile in der portugiesischen Liga immer wieder mit gutem Scouting und einem Transferüberschuss aus und geht deshalb leicht favorisiert in das Achtelfinale der Europa League gegen Tottenham.

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Platz 13 (13) SSC Neapel

Pflichtspiel-Bilanz: 22-8-7
Serie A: 3. Platz
Europa: EL-Achtelfinale

Die Kollegen der Nachrichtenagenturen jubilierten schon, als die Gerüchte um einen Wechsel von Tim Wiese zur SSC bekannt wurden. Wie schöne wäre es doch gewesen, neben Miroslav Kloses Lazio und Mario Gómez‘ Fiorentina nun auch von Wieses Napoli schreiben zu können. Dieser Aufhänger bleibt jedoch in der Schublade, weil Wiese doch noch an Hoffenheim gebunden ist und frühestens im Sommer wechseln darf. Napoli musste kurzfristig reagieren, weil Ersatzkeeper Rafael mit einem Kreuzbandriss ausfällt. Letztlich wurde der vereinslose Spanier Toni Doblas verpflichtet, der nun hinter Landsmann Pepe Reina und Roberto Colombo die Rolle des dritten Keepers einnimmt. Abgesehen vom Personalkarussell geht die wechselhafte Saison in Neapel weiter. In der Europa League folgt nun das Achtelfinale gegen Porto, im italienischen Pokal wurde im Halbfinale sogar ein Achtungserfolg gegen die AS Roma gefeiert. In der Serie A enteilen Juventus und die Roma jedoch weiter, wie soll es auch anders sein bei mageren Remis gegen Genoa und Livorno.

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Platz 12 (10) AS Roma

Pflichtspiel-Bilanz: 20-7-2
Serie A: 2. Platz
Europa: nicht vertreten

Es bleibt dabei: Die Roma stellt eine der besten Defensivreihen in Europa. In der Serie A kassierte das Team von Trainer Rudi Garcia im Februar erneut keinen einzigen Gegentreffer, dafür setzte es im Pokal gegen Napoli gleich fünf Gegentore. Trotzdem sehen wir die Hauptstädter knapp vor der SSC, weil das Gesamtpaket aus taktischer Disziplin, kompaktem Zentrum und schnellen Konterattacken mehr überzeugt. Sorgen bereiten die anhaltenden diskriminierenden Gesänge der eigenen Fans und die erneute Sperre gegen den so wichtigen Balleroberer Daniele de Rossi, der sein Temperament (Faustschlag gegen Inters Mauro Icardi) nicht den Griff bekommt.

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Platz 11 (5) FC Arsenal

Pflichtspiel-Bilanz: 28-5-9
Premier League: 3. Platz
Europa: CL-Achtelfinale

In der letzten Ausgabe stilisierten wir das CL-Achtelfinale gegen übermächtige Bayern zur internationalen Bewährungsprobe für die Gunners. Nach der 0:2-Niederlage vor heimischer Kulisse lautet das vorläufige Fazit: nicht bestanden. Auch wenn am 11. März noch das Rückspiel zu spielen ist, wird Arsenal zum vierten Mal in Folge in der Runde der letzten 16 ausscheiden. Diese Stagnation ist Fakt, auch wenn die Anfangsphase gegen Bayern überzeugen konnte und ein verwandelter Elfmeter von Mesut Özil für ein anderes Spiel hätte sorgen können. Den Gunners fehlt in entscheidenden Spielen seit Jahren das Vertrauen in die eigene Stärke, zudem können in dem guten Kollektiv Formschwächen einzelner Spieler nur schwer kompensiert werden. Wesentlich ärgerlicher ist die 0:1-Niederlage in Stoke, gleichbedeutend mit einem Rückschlag im sehr engen Titelrennen in England. Denn auf Erfolge gegen kleinere Teams war in dieser Saison eigentlich Verlass. Deshalb stürzt Arsenal in der Rangliste so massiv ab.

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Platz 10 (12) FC Liverpool

Pflichtspiel-Bilanz: 21-5-7
Bundesliga: 2. Platz
Europa: nicht vertreten

Ob die Reds auch in den kommenden Wochen vorne mehr Tore schießen, als sie in der Abwehr kassieren, wissen wir nicht. Eigentlich ist das auch kein Gütesiegel, denn ohne eine stabilere Defensive wird Liverpool nicht bis zum Saisonende in den Titelkampf der Premier League eingreifen können. Offensiv gehören die Reds jedoch zu den heißesten Teams in Europa. 82 Tore hat das Team von Trainer Brendan Rodgers in allen Wettbewerben erzielt, mit Luis Suárez (24 Tore) und Daniel Sturridge (18) führen gleich zwei Liverpooler Spieler die Torjägerliste der Premier League an und neunmal wurden vier oder mehr Treffer in einem Spiel erzielt. Da kommen Diskussionen über finanzielle Schwierigkeiten zur Unzeit, 60 Millionen Euro soll der Verlust im abgelaufenen Jahr betragen haben. Die Rückkehr in die Champions League wird damit zur Pflichtveranstaltung.

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Platz 9 (11) Borussia Dortmund

Pflichtspiel-Bilanz: 24-3-8
Bundesliga: 2. Platz
Europa: CL-Achtelfinale

Vier Tage lagen zwischen den beiden Auftritten in Hamburg und St. Petersburg. Vier Tage, in denen aus einer lustlosen und abschenkenden Mannschaften eine laufstarke und aggressive Pressingmaschine wurde, die Zenit eine Halbzeit lang zur Bedeutungslosigkeit verurteilte. Trainer Jürgen Klopp wird natürlich niemals zugeben, dass er seinem Team die angezogene Handbremse beim HSV verordnet hat. In den 90 Minuten wirkte die nur auf zwei Positionen veränderte Elf jedoch, als wäre Motivator Klopp daheim geblieben. Man könnte, bezogen auf die sich im Abstiegskampf befindlichen Hamburger, von Wettbewerbsverzerrung sprechen. Letztlich bedeutet diese Entwicklung aber nur, dass der BVB weiterhin nicht im Drei-Tage-Rhythmus Bestleistungen abrufen kann. Die Priorität wurde auf Zenit gelegt und das war angesichts der aussichtslosen Lage in der Bundesliga genau die richtige Entscheidung. Der BVB kann in Bestform jeder Mannschaft wehtun und hat sich im Kreis von Europas Elite etabliert.

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Platz 8 (4) Atlético Madrid

Pflichtspiel-Bilanz: 31-7-5
Primera División: 3. Platz
Europa: CL-Achtelfinale

Am 5. Februar erschien die letzte Europarangliste von Gegen den Ball. Exakt am gleichen Tag begann die Negativserie von Atlético. In sieben Pflichtspielen kassierten die Madrilenen vier Niederlagen und mit zwölf Gegentoren fast so viele wie in der gesamten Saison zuvor. Aufgrund unserer bescheidenen Größe sind wir uns aber bewusst, dass beim Googeln von Europaranglisten-Fluch die Ergebnisliste gen Null tendieren wird – anders als bei EA Sports und Fluch. Trotzdem ist es bemerkenswert, dass Atlético wie auf Knopfdruck die defensive Stabilität abhanden gekommen ist. Einen validierten Zusammenhang zur Verpflichtung des Ex-Wolfsburgers Diego können wir nicht erkennen. Vielmehr fehlen nach 43 Pflichtspielen die Alternativen in der Abwehr, Torjäger Diego Costa erzielte 2014 erst vier Pflichtspiel-Treffer und die in der Hinrunde noch überragenden Koke, Arda Turan und David Villa suchen ihre Bestform.

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Platz 7 (7) Juventus

Pflichtspiel-Bilanz: 27-6-4
Serie A: Tabellenführer
Europa: EL-Achtelfinale

Wenig Neues gibt es von der Alten Dame zu berichten. Juventus dominiert mit den bekannten Stärken (Abwehr-Dreierkette, Dynamik im Mittelfeld, Abschlussstärke) die Serie A und gilt als Topfavorit auf den Gewinn der Europa League – mit einem Finale vor heimischer Kulisse. Trotzdem wird es Juve schwer haben, in diesem Ranking weiter nach vorne zu stoßen. Wie ein Damoklesschwert hängt das Vorrundenaus in der Champions League über dem Team von Trainer Antonio Conte, das auch im Pokal an der Roma scheiterte.

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Platz 6 (9) Paris St. Germain

Pflichtspiel-Bilanz: 28-8-3
Ligue 1: Tabellenführer
Europa: CL-Achtelfinale

So unterschiedlich kann die Sichtweise auf die Erfolge von Paris St. Germain ausfallen: Leverkusens Manager Rudi Völler adelte den französischen Club schon vor dem 0:4-Debakel seiner Mannschaft im Achtelfinal-Hinspiel als eine der besten Mannschaften Europas. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge wiederum wird nicht müde, die UEFA auf die Umsetzung des Financial Fair Plays hinzuweisen, was im Bayern-Universum ebenfalls Respekt ausdrückt. PSG meistert die Aufgaben in der unattraktiven Ligue 1 sehr zuverlässig und schafft es trotz seltener Vergleiche gegen Spitzenteams konstant, an Champions League-Tagen Topleistungen abzurufen. Über die exzellente Besetzung des Kaders, der mit Winter-Neuzugang Johan Cabaye noch flexibler geworden ist, haben wir in vorherigen Ausgaben schon geschrieben. Es bleiben aber auch die Zweifel an Trainer Laurent Blanc, was in der entscheidenden Phase der Champions League den Ausschlag zu Ungunsten der Pariser geben kann.

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Platz 5 (8) FC Chelsea

Pflichtspiel-Bilanz: 27-7-8
Premier League: Tabellenführer
Europa: CL-Achtelfinale

D’oh! Wir geben zu, dass das Zutrauen in Chelseas Stärke erst so langsam wächst. Die Überzeugung von José Mourinhos Qualität war immer vorhanden, aber der Kader schien den Anforderungen für die absolute Spitze nicht gewachsen zu sein. Die Blues haben die beste Abwehr der Premier League und schaffen es schrittweise, auch in den wichtigen Spielen offensiv Akzente zu setzen. Wirklich beeindruckend war der 1:0-Sieg bei Manchester City, als Chelsea nach Problemen in der Anfangsphase die eigene Kontertaktik immer besser umsetzen konnte und sogar ein höherer Sieg möglich war. Zwei Wochen später folgte allerdings eine verdiente 0:2-Niederlage beim gleichen Gegner, vor Rückschlägen ist Mourinhos Team – der Trainer stapelt bezüglich der Titelchancen ohnehin ungewohnt tief – noch nicht gefeit. In der Champions League wird Chelsea vermutlich als einziges englisches Team ins Viertelfinale einziehen, für das Halbfinale wird auch Losglück vonnöten sein.

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Platz 4 (3) Manchester City

Pflichtspiel-Bilanz: 32-4-7
Premier League: 4. Platz
Europa: CL-Achtelfinale

Die Sky Blues haben am vergangenen Wochenende im Ligapokal gegen Sunderland den ersten Titel der Saison gewonnen. Es können theoretisch noch drei folgen, an der Erstürmung des Camp Nou nach der 0:2-Pleite im Hinspiel der Champions League hegen wir aber berechtigte Zweifel. Wir bleiben jedoch bei der vor der Saison geäußerten Prognose, dass City nach 2012 wieder den Titel in der Premier League holen wird (bei den anderen Tipps ist schon genug falsch). Derzeit liegt das Team von Trainer Manuel Pellegrini nur auf dem vierten Rang, kann mit zwei Siegen in den Nachholspielen gegen Sunderland und Aston Villa aber nach Punkten zum FC Chelsea aufschließen. Die Rückkehr von Torjäger Kun Agüero ist das entscheidende Puzzleteil für Citys Titelambitionen, da sich die anderen Stürmer Edin Dzeko und Álvaro Negredo zu sehr ähneln.

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Platz 3 (6) FC Barcelona

Pflichtspiel-Bilanz: 32-7-4
Primera División: 2. Platz
Europa: CL-Achtelfinale

Der FC Barcelona erzielte im Jahr 2014 schon siebenmal vier oder mehr Tore. Der FC Barcelona steht in der Primera División nur einen Punkt hinter Real Madrid. Der FC Barcelona steht im Finale der Copa del Rey. Der FC Barcelona hat durch den 1:0-Sieg bei Man City eine ideale Ausgangsposition für den Einzug ins CL-Viertelfinale. Und doch wird sowohl in Spanien als auch in der internationalen Presse gemeckert, kritisiert und gejammert. Nach dem 4:1-Sieg der Blaugrana gegen Almería schrieb die Zeitung El País beispielsweise: „Barca sieht aus wie ein kranker Mann.“ Gesunden kann Barcelona vermutlich nur, wenn Lionel Messi und Neymar vor jedem Tor dreifache Doppelpässe spielen, Real im Clásico in zwei Wochen aus dem Bernabéu geschossen wird und ganz allgemein das Barca-Spektakel zurückkehrt. Wir empfinden diese Bewertung schon allein wegen der statistischen Daten (torhungrigster Angriff, beste Abwehr) als ungerecht, sehen aber auch spielerische Mängel und deshalb zumindest zwei bessere Mannschaften:

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Platz 2 (2) Real Madrid

Pflichtspiel-Bilanz: 33-6-2
Primera División: Tabellenführer
Europa: CL-Achtelfinale

Da der FC Bayern partout keine Schwäche zeigen will, bleibt für Real Madrid nur das Abo auf den zweiten Platz übrig. Die heißeste Phase der Saison beginnt in den kommenden Wochen, die Königlichen kristallisieren sich für die Münchner jedoch immer mehr als großer Widersacher auf den Champions League-Titel heraus. Trainer Carlo Ancelotti hat es mit seiner unaufgeregten und respektvollen Art geschafft, wieder Ruhe in den nach den Mourinho-Jahren aufgeschreckten Club zu bringen. In Madrid geht es in erster Linie wieder um Fußball. Ancelotti schafft es sogar, den Spagat zwischen seiner Spielphilosophie und den unternehmerischen Pflichten im Weltkonzern Real zu meistern. Mit viel Vorschusslorbeeren kamen vor der Saison Asier Illarramendi und Isco nach Madrid, zusammen mit Jesé sollten die Youngster dem internationalen Real ein spanisches Gesicht geben. Noch traut Ancelotti dem Trio in seinem neuen 4-3-3 jedoch keine Schlüsselrolle zu und setzt sie häufig auf die Bank. Anders verhält sich das bei Gareth Bale, der für die Rolle des Ersatzspielers zu viel Geld gekostet hat, also baut ihn der Trainer – sicherlich auch wegen dessen unbestrittener Qualität – in die Mannschaft ein. Die Umstellung auf das 4-3-3 mit Luka Modric und Ángel di María an der Seite von Xabi Alonso war für die defensive Balance im Team ohnehin die absolut richtige Entscheidung. Seit der Niederlage im Clásico im Oktober ist Real in 28 Pflichtspielen ungeschlagen, das Rückspiel steigt am 23. März im Bernabéu.

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Platz 1 (1) FC Bayern

Pflichtspiel-Bilanz: 31-2-2
Bundesliga: Tabellenführer
Europa: CL-Achtelfinale

Derzeit spricht nichts dafür, dass der FC Bayern in den kommenden Jahren auf nationaler Ebene einen ernsthaften Konkurrenten bekommt – international können Global Player wie Real Madrid weiterhin mithalten. Durch den Einstieg des Versicherungskonzerns Allianz als Anteilseigner der FC Bayern München AG ist der Club schuldenfrei und kann in den kommenden Jahren noch mehr in die Mannschaft investieren. Der finanzielle Vorsprung wird größer werden, auch wenn Borussia Dortmund an guten Tagen mithalten kann. Nur mit harter und konstanter Arbeit, wie es Sportvorstand Matthias Sammer in einem Interview lapidar feststellte, wird kein Bundesligist die Lücke schließen können. Abgesehen vom finanziellen Vorsprung wurden in München auf personeller Ebene in den vergangenen Jahren verdammt viele Dinge richtig gemacht, das hat sicherlich Respekt verdient. Der Marke Bundesliga wird es trotzdem schaden.

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Die Gegen-den-Ball-Weltelf

Ronaldo oder Ribéry? Würdigung von individueller Klasse oder Mannschaftserfolgen? Weltweite PR-Maschine oder Opfer einer Verschwörung? Die Wahl zum Weltfußballer des Jahres 2013 ist vor allem eines: langweilig. Gegen den Ball kürt stattdessen die individuell bestbesetzte Mannschaft der vergangenen zwölf Monate.

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Torwart: Manuel Neuer (FC Bayern)

Wer wie Gegen den Ball die Wahl zum Weltfußballer langweilig findet, sollte womöglich nicht mit der Auszeichnung zum Welttorhüter argumentieren. Manuel Neuer siegte vor wenigen Tagen bei der inoffiziellen Wahl der International Federation of Football History & Statistics (IFFHS), er löste Seriensieger Iker Casillas ab. Tatsächlich halten wir Neuer aber auch für den derzeit besten Torhüter des Planeten. Die älteren Kollegen spielen wie Casillas nicht mehr regelmäßig oder zeigen wie Gianluigi Buffon oder Petr Cech seltener herausragende Leistungen. Neuer ist aber vor allem der beste Torhüter, weil er seine Passgenauigkeit unter Pep Guardiola nochmals verfeinert hat und er in den wichtigen Spielen keine Fehler machte sondern nur große Paraden zeigte.

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Rechtsverteidiger: Philipp Lahm (FC Bayern)

Es liegt in den Händen von Pep Guardiola, ob Philipp Lahm auch in den kommenden Jahren als einer der wenigen Außenverteidiger von Weltklasse-Format gilt, oder ob er dauerhaft ins Mittelfeld wechselt. Was als Notlösung aufgrund des Personalmangels begann, hat das Potential zur Dauerlösung. Guardiola rühmt seinen Kapitän als „intelligentesten Spieler, den ich jemals trainiert habe“. Im Jahr 2013 spielte Lahm für den FC Bayern 29 Mal als Rechtsverteidiger, durch Guardiola kommt er aber auch schon auf 20 Einsätze als Mittelfeldspieler. Lahm hätte lieber nur eine Position, aber er stellt sich der Positions-Rotation. „Ich fühle mich auf beiden Positionen wohl.“

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Innenverteidiger: Thiago Silva (Paris St. Germain)

Bei Paris St. Germain sind die unmöglichen Dinger eigentlich für Zlatan Ibrahimovic reserviert. Der letztlich nicht gegebene Treffer von Thiago Silva im April 2013 muss sich aber hinter keinen Traumtor des Schweden verstecken. Im vollen Lauf mit dem Außenrist nach Überschreiten der Außenlinie – . Zu einem der besten Innenverteidiger der Welt wird man so zwar nicht, aber es zeigt, welche technischen Voraussetzungen der Kapitän der brasilianischen Nationalmannschaft mitbringt. Als moderner Innenverteidiger agiert Thiago Silva kompromisslos in den Zweikämpfen, mit viel Übersicht im Spielaufbau und einem guten Instinkt vor dem gegnerischen Tor.

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Innenverteidiger: Vincent Kompany (Manchester City)

Wir geben es zu: Bei der Besetzung des zweiten Innenverteidigers waren wir uneins und haben uns letztlich für Vincent Kompany entschieden, der in der öffentlichen Wahrnehmung nicht so häufig zu den besten Abwehrspielern der Welt gezählt wird. Zudem hatte der Kapitän von Manchester City immer wieder mit Verletzungsproblemen zu kämpfen, für die Citizens kam er 2013 nur auf 29 Pflichtspieleinsätze. Andererseits lässt sich so auch die Wichtigkeit Kompanys unterstreichen. Ohne den Belgier kassierte City in dieser Saison drei der vier Niederlagen in der Premier League, die defensive Stabilität steht und fällt mit Kompany. Nicht minder wichtig ist der 27-Jährige für die belgische Nationalmannschaft, die erstmals seit 2002 wieder an einem großen Turnier teilnimmt und sich am Status des Geheimfavoriten erfreuen kann. Vor allem wegen der Bedeutung für seine Mannschaften favorisieren wir Kompany vor den ähnlich starken Jerome Boateng, Giorgio Chiellini, Sergio Ramos oder Gerard Piqué.

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Linksverteidiger: David Alaba (FC Bayern)

Louis van Gaal hat seit seiner Zeit beim FC Bayern in Deutschland mit vielen Vorurteilen zu kämpfen, selbst in München geraten van Gaals Verdienste an den jüngsten Erfolgen in Vergessenheit. Dabei war es der Niederländer, der beispielsweise den Mittelfeldspieler David Alaba zum Linksverteidiger umschulte und so einen wichtigen Meilenstein in Richtung Champions League-Titel setzte. Der FC Bayern ist in der glücklichen Lage mit Lahm und Alaba zwei Außenverteidiger von Weltklasse-Format (im Kicker gehört der Österreicher nur in die Internationale Klasse) zu haben. Und van Gaal selbst weiß um die Richtigkeit seiner damaligen Entscheidung: „Ich habe in meiner Karriere als Spieler und Trainer noch nie einen Spieler in diesem Alter gesehen, der so weit ist. David wird der erste Linksverteidiger sein, der den Ballon d’Or gewinnen wird.“

Die Weltelf 2013 von Gegen den Ball.
Die Weltelf 2013 von Gegen den Ball.

Mittelfeld: Sergio Busquets (FC Barcelona)

Für Bayern-Fans gehört Bastian Schweinsteiger ins defensive Mittelfeld einer Weltelf. Auch wir haben über Schweinsteiger nachgedacht, allerdings spielt der Champions League-Sieger unter Pep Guardiola gar nicht mehr auf dieser Position. Zudem steht Sergio Busquets noch etwas über Schweinsteiger. Der Sechser ist sowohl beim FC Barcelona als auch in der spanischen Nationalmannschaft so stilprägend wie auf den ersten Blick unauffällig. Mit einzigartigem taktischen Verständnis lässt Busquets seine Nebenleute Iniesta, Xavi und Messi glänzen und sorgt für das nötige Gleichgewicht in Barcas Offensivmaschine.

Mittelfeld: Arturo Vidal (Juventus)

Der Chilene in Diensten von Juventus wird jedes Jahr stärker und vereint dabei wie kein anderer Mittelfeldspieler herausragende Qualitäten in Defensive und Offensive. Als stürmender Sechser bestreitet Arturo Vidal sehr viele Zweikämpfe, in denen er immer seltener die Grenze des Erlaubten überschreitet. Bei Ballgewinn schaltet er mit beeindruckender Dynamik um und kurbelt das Spiel der Alten Dame an. Wer Vidal vor wenigen Tagen im Topspiel gegen die Roma (3:0 für Juve) beobachten dufte, hält das von italienischen Medien verteilte Prädikat „Dampfwalze“ für keine Übertreibung. Als Sahnehäubchen bringt Vidal auch noch Torgefahr mit, in dieser Saison erzielte er bereits 13 Pflichtspieltreffer für die Alte Dame.

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Mittelfeld: Franck Ribéry (FC Bayern)

Franck Ribéry wurde nicht müde zu betonen, 2013 wäre das beste Jahr seiner Karriere gewesen. Bayern-Präsident Uli Hoeneß verbreitete wegen des verschobenen Abgabetermins der Wahlzettel zum Weltfußballer Verschwörungstheorien. Und deutsche Sportmedien wie Sky, Sport 1 oder Spox machten sich, mit nationaler bzw. bajuwarischer Brille, mal wieder mit der Sache gemein, einfach weil es dieser Ribéry „verdient“ hätte. Auch der Bundesliga gäbe ein solcher Preis sicher Anschub. Schon deshalb muss man die Lust auf diese Wahl verlieren. Denn 59 Tore von Cristiano Ronaldo für Real im Jahr 2013 sind außerordentliche Werte, die gewürdigt gehören. Und das schmälert nicht die Leistung von Franck Ribéry, der tatsächlich das beste Jahr seiner Karriere hatte – was den O-Ton auch nicht interessanter macht.

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Sturm: Luis Suarez (FC Liverpool)

Wie man sich innerhalb von nur drei Monaten in die Weltelf spielen kann, hat Luis Suarez unter Beweis gestellt. Suarez gehörte schon in den vergangenen Jahren in die Riege der besten Torjäger, nur fiel die Honorierung nach den bekannten Negativschlagzeilen (Rassismus-Affäre, Beiß-Attacke) nicht nur den Fans des FC Liverpool schwer. Nach dem Biss in Branislav Ivanovics Unterarm musste Suarez zu Beginn dieser Saison gesperrt pausieren, seitdem erzielte der Uruguayer in 16 Spielen in der Premier League 22 Treffer. Das sind mehr Tore als Crystal Palace, Sunderland, Cardiff, West Ham, Norwich oder Aston Villa überhaupt erzielen konnten. Suarez ist in der Form seines Lebens und lässt deshalb Zlatan Ibrahimovic hinter sich.

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Sturm: Lionel Messi (FC Barcelona)

Vielspieler Lionel Messi hat 2013 erst zum zweiten Mal in seiner Karriere über einen längeren Zeitraum verletzt aussetzen müssen. Trotzdem gehörte der Argentinier mit 39 Toren im Trikot des FC Barcelona zu den erfolgreichsten Torjägern des Weltfußballs. Ob er deshalb auch in der Endauswahl zum Ballon d’Or stehen muss, soll nicht unser Thema sein. In die Weltelf gehört er für uns auf jeden Fall.

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Sturm: Cristiano Ronaldo (Real Madrid)

Wenn Cristiano Ronaldo wie ein Cowboy zur Ausführung seiner Freistöße antritt, muss man das nicht mögen. Eine objektive Betrachtung seiner Leistungen lässt aber nur einen Schluss zu: Cristiano Ronaldo ist Weltklasse. Inklusive der zehn Treffer für die portugiesische Nationalmannschaft erzielte Ronaldo 2013 in 59 Spielen müllereske 69 Tore.

Die Europarangliste: Ausgabe November

Gegen den Ball - Europarangliste - Özil - Ramsey

Es gibt keinen Zweifel: Der FC Bayern hat unter Trainer Pep Guardiola seinen Status als beste Vereinsmannschaft der Welt untermauert. Der erste Platz in der Europarangliste ist somit vergeben. Viel spannender ist deshalb das Rennen dahinter, wo sich die entthronten Teams aus England und Spanien mit Borussia Dortmund um die Plätze streiten. So viel vorab: Wir widersprechen Paul Breitner.

Schon in der letzten Ausgabe der Europarangliste (die Bewertungskriterien) fehlten mit Milan und Schalke zwei formschwache Clubs, die vom Selbstverständnis her zu Europas Elite gehören. Der Weg zurück war für beide zu lang. Mit dem FC Porto und Zenit St. Petersburg sind zwei Teams rausgeflogen. Im November feierte Porto nur einen Pflichtspielsieg, Zenit schaffte nicht mal das. Angesichts der schwächeren Ligen in Portugal und Russland reicht es dann nicht mehr für Europas Top 20, auch wenn sich eines der beiden Teams im Fernduell der Champions League-Gruppe-G für das Achtelfinale qualifizieren wird.

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Platz 20 (20) AS Monaco

Pflichtspiel-Bilanz: 9 Siege – 5 Unentschieden – 2 Niederlagen
Ligue 1: 3. Platz
Europa: nicht vertreten

Mittlerweile hat es den „unnormalen“ Aufsteiger in die Ligue 1 zweimal erwischt, im Ligapokal verloren die Monegassen gegen Stade Reims und wenige Tage später setzte es in Lille die nächste Pleite. Der OSC ist deshalb in der Tabelle auch an Monaco vorbeigezogen, trotzdem schätzen wir den Kader von Trainer Claudio Ranieri stärker ein. Für eine komplett neu zusammengestellte Mannschaft macht das Monaco immer noch erstaunlich gut, Potential ist mit Radamel Falcao, Joao Moutinho, James Rodríguez und Emmanuel Rivière ohnehin genug vorhanden.

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Platz 19 (neu) FC Everton

Pflichtspiel-Bilanz: 7-6-2
Premier League: 5. Platz
Europa: nicht vertreten

In der Bundesliga gehört das Geschäft mit Leihspielern seit Jahren zum Alltag, Erfolgsgeschichten wie die von Pierre-Michel Lasogga oder Christoph Kramer sind aber eher die Ausnahme. In der Premier League hat sich der FC Everton angesichts der übermächtigen Konkurrenz auf den Leihmarkt begeben und freut sich über gleich zwei Volltreffer. Der von Chelsea verliehene Romelu Lukaku ist mit acht Toren Topscorer der Toffees, Gareth Barry gehört zu den Leistungsträgern im defensiven Mittelfeld. Mit Gerard Deulofeu (FC Barcelona) könnte sich nun sogar eine dritte Leihkraft in den Vordergrund spielen, der junge Spanier war beim 4:0 gegen Stoke bester Everton-Spieler. Trainer Roberto Martinez hat mit Lukaku, Barry und Deulofeu sowie den englischen Nationalspielern Phil Jagielka, Leighton Baines und Ross Barkley eine interessante Mischung, die schwer zu schlagen ist. Nun folgen zwei Auswärtsspiele gegen Manchester United und Arsenal, dann wissen wir mehr.

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Platz 18 (17) AC Florenz

Pflichtspiel-Bilanz: 13-4-4
Serie A: 4. Platz
Europa: EL, für Zwischenrunde qualifiziert

Durch den 4:3-Heimsieg gegen Hellas Verona konnte sich Florenz den Aufsteiger vom Leib halten und steht punktgleich mit dem Vierten Inter auf dem fünften Rang der Serie A. In der Europa League ist man locker weitergekommen nun warten alle auf die Rückkehr des verletzten Mario Gomez. Mit Giuseppe Rossi und Juan Cuadrado hat Florenz zwar zwei gute Offensivspieler, aber Gomez könnte sowohl für hohe Bälle sowie als Anspielstation der gesamten Offensive helfen. Im Mittelfeld ist Borja Valero das Schwungrad, allerdings hatte Florenz gegen Verona so viel Schwung, dass sich das Spiel in einem beinahe ständigen Auf und Ab befand. Florenz zeigt kaum Ruhe und Sicherheit im Spiel und drei Gegentore vor eigenem Publikum sprechen eine deutliche Sprache in Bezug auf die defensive Stabilität. Die Umstellung von Dreierkette und einem 3-5-2 auf ein 4-3-3 hat noch nicht wirklich gefruchtet. Florenz bleibt unter Beobachtung.

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Platz 17 (neu) Borussia Mönchengladbach

Pflichtspiel-Bilanz: 9-1-5
Bundesliga: 4. Platz
Europa: nicht vertreten

Borussia Mönchengladbach ist auf vier Punkte an Dortmund herangerückt. Fünf Siege in Folge in der Bundesliga weisen die Gladbacher Topform aus. Man hat das Gefühl, da hat sich eine Mannschaft gefunden. Die klare Spielweise, die hervorragenden Neuzugänge Raffael, Max Kruse und Christoph Kramer. Dazu die kopfballstarke Defensive. Es stimmt einiges im Team von Lucien Favre, doch ob Gladbach nur ein One-Hit-Wonder in dieser Rangliste wird, entscheidet sich gegen die starken Gegner der Liga. Noch in diesem Jahr spielt Gladbach gegen zwei direkte Konkurrenten um die Plätze drei und vier, Schalke und Wolfsburg. Das dribbelstärkste Team der Liga (20,4 Dribblings pro Spiel) mit der zweitbesten Passerfolgsquote der Liga (85,6 Prozent) steht vor den Wochen der Wahrheit.

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Platz 16 (9) Tottenham Hotspur

Pflichtspiel-Bilanz: 15-3-4
Premier League: 9. Platz
Europa: EL, für Zwischenrunde qualifiziert

The Rise and Fall of Tottenham Hotspur. Vor der Saison ob der 128 Millionen Euro schweren Einkaufspolitik als einer der möglichen Meisterschaftskandidaten gehandelt, stehen die Spurs im November weitaus schlechter da, als viele erwartete haben. Der Trainer steht in der Kritik und wehrt sich mit Verschwörungstheorien, die Mannschaft steht in der Liga nur auf Platz neun. Allerdings geht es in der Premier League eng zu. Von Platz neun auf Platz vier sind es nur drei Punkte. Die englische Liga so ausgeglichen wie selten zuvor. Derzeit haben die Spurs die größten Probleme all dieser Clubs, die um einen Platz im europäischen Wettbewerb mitspielen. Es gibt keinen Anlass zu glauben, dass Tottenham besser als Arsenal, Chelsea, Manchester City oder Manchester United ist. Man schlägt sich einmal mehr mit den darauf folgenden Clubs, welche in diesem Jahr aus Southampton, Everton, Newcastle und Liverpool bestehen, herum. Nur einen Sieg konnten die Spurs aus den letzten fünf Premier League-Spielen verbuchen. Die Spitzenspielbilanz ist negativ. Man verlor gegen Arsenal, Newcastle und Manchester City und spielte gegen Everton, Chelsea und Manchester United unentschieden. Wer keinen einzigen Topgegner geschlagen hat, derzeit auf Platz neun der Premier League steht und zwar defensiv stabil wirkt (Ausnahme Man City-Pleite), aber offensiv noch große Probleme hat, der kann nur von den hinteren Plätzen der Europarangliste zuschauen. Da nutzten auch Siege gegen Tromsö oder den FC Sheriff in der Europa League nichts.

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Platz 15 (15) Bayer Leverkusen

Pflichtspiel-Bilanz: 15-4-2
Bundesliga: 2. Platz 
Europa: CL-Gruppenphase (2 Siege – 1 Remis – 2 Niederlagen)

Noch ist die Champions League-Messe nicht gelesen, aber die 0:5-Heimpleite gegen Manchester United hat durchaus einen Effekt auf Bayer Leverkusens Standing in Europa. In der Bundesliga haben die Pillendreher den BVB hinter sich gelassen und sind nun vier Punkte hinter dem Tabellenführer der Bayern-Jäger Nummero uno. Die zwei klaren Niederlagen gegen Man Utd, die Bundesliga-Pleiten gegen Schalke und Braunschweig und das schmeichelhafte Remis gegen die Bayern machen deutlich, in der Spitze wird die Luft dünner und Bayer fehlt es an Qualität in der Breite. Solche Siege wie die des BVB (Arsenal, Neapel, Bayern im Supercup, Schalke) traut man dem Werksclub derzeit nicht zu. Wer aber in der Liga seit neun Spielen ungeschlagen ist, Tabellenzweiter in der drittbesten Liga Europas, der hat einen Platz in unserem Ranking verdient.

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Platz 14 (16) FC Liverpool

Pflichtspiel-Bilanz: 8-3-4
Premier League: 4. Platz
Europa: nicht vertreten

Möglicherweise begrüßen wir den FC Liverpool zum vorerst letzten Mal in der Europarangliste. Die Form der Reds war schon in den letzten Wochen nicht wirklich berauschend, immerhin konnte sich das Team von Trainer Brendan Rodgers in der Spitzengruppe der Premier League halten. Nun fällt mit Daniel Sturridge einer der wichtigsten Spieler für acht Wochen aus, Spielmacher Philippe Coutinho ist ebenfalls angeschlagen. „Wir können diese Spieler nicht ersetzen“, machte Rodgers den Fans der Reds wenig Hoffnung. Bis zum Jahreswechsel stehen noch die Spiele gegen Tottenham, Manchester City und Chelsea an, Liverpool droht der Rückfall ins Mittelmaß.

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Platz 13 (13) SSC Neapel

Pflichtspiel-Bilanz: 13-1-5
Serie A: 3. Platz
Europa: CL-Gruppenphase (3 Siege – 2 Niederlagen)

Napoli kann in der Champions League mit einem hohen Sieg gegen Arsenal noch weiterkommen, auch in der Serie A ist der Zug Richtung Scudetto noch nicht endgültig abgefahren. Aber der Trend der letzten Wochen spricht gegen das Team von Trainer Rafael Benitez. Nach den Niederlagen gegen Arsenal und Roma folgten in der Königsklasse zwar wichtige Siege gegen Olympique Marseille. Die deutlichen Pleiten gegen Juventus und Dortmund deckten jedoch erhebliche Lücken in der Defensive auf.

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Platz 12 (14) Manchester United

Pflichtspiel-Bilanz: 11-6-3
Premier League: 8. Platz
Europa: CL-Gruppenphase (3 Siege – 2 Remis)

Spätestens seit dem Sieg gegen Arsenal hat Manchester United wieder eine Hand breit mehr Wasser unter dem Kiel. Der 5:0-Erfolg in der Champions League gegen Leverkusen sorgte für zusätzliche Ruhe und wenn man gegen die Spurs auswärts ein 2:2 holt, dann hilft das zwar nicht, den schlechten Tabellenplatz (8.) zu korrigieren, trägt aber dazu bei, dass man 12 Spiele in Folge ungeschlagen ist. Auf Platz drei und Man City sind es drei Punkte, aber auf Arsenal schon deren neun! Die Zusammenstellung der Mannschaft ist weiterhin das Problem. Marouane Fellaini ist ein Achter, der den Weg nach vorne sucht, gebraucht wird aber ein Spielgestalter von der Sechs aus. Wayne Rooney blockiert Kagawa, der auf den Außenpositionen nicht zurecht kommt. Spielt Rooney in der Spitze, dann ist kein Platz für Robin van Persie. Zumindest die stark ansteigende Form von Rooney lässt die Fans der Red Devils hoffen.

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Platz 11 (8) AS Rom

Pflichtspiel-Bilanz: 10-4-0
Serie A: 2. Platz
Europa: nicht vertreten

Die vier Unentschieden in Serie gegen die im Abstiegskampf stehenden Teams aus Torino, Sassuolo, Cagliari und Bergamo könnten als Abgesang auf die Roma gewertet werden. Dabei krankte das Spiel gegen die tief stehenden Gegner an zwei Dingen: die mangelhafte Chancenverwertung und die teilweise zu komplizierten Kombinationen im letzten Drittel. Trotzdem bleibt die Bilanz eindrucksvoll. Die Roma hat noch kein Pflichtspiel verloren und stellt mit vier Gegentoren europaweit die beste Defensive. Der Abstand auf den Tabellenvierten Inter beträgt immer noch sieben Punkte, die Roma ist auf dem Weg in die Champions League. Und bald kommt auch Francesco Totti wieder.

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Platz 10 (11) Manchester City

Pflichtspiel-Bilanz: 14-1-5
Premier League: 3. Platz
Europa: CL-Gruppenphase (4 Siege – 1 Niederlage)

In der Heimtabelle der Premier League ist Manchester City Tabellenführer. Auf fremden Platz setzte es in der Liga allerdings schon vier Niederlagen bei einem Remis und einem Sieg. Wer bei Sunderland, Aston Villa und Cardiff verliert, der hat den Favoriten-Bonus, den viele Experten Man City ob des guten Kaders und taktisch versierten Trainers gegeben haben, schnell verspielt. In der Champions League hat man von Bayern die Grenzen aufgezeigt bekommen und wenn eine Mannschaft wie Viktoria Plzen es schafft, den Sky Blues durch einfache taktische Mittel arge Probleme zu bereiten, dann fragt man sich schon, ob Manuel Pellegrini am Ende der Saison Titel holen wird. Gut, dass die Citizens einen Sergio Agüero in Topform haben. Der Argentinier schoss bereits zehn Tore in der Liga und sechs in der Champions League. Dazu gesellen sich dann mal Alvaro Negredo oder Edin Dzeko. Wohl dem, der einen solchen Kader zur Verfügung stehen hat.

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Platz 9 (5) FC Chelsea

Pflichtspiel-Bilanz: 13-3-5
Premier League: 2. Platz
Europa: CL-Gruppenphase (3 Siege – 2 Niederlagen)

In der Champions League verlor die Mourinho-Truppe zwar zwei Mal gegen Basel, ist aber dennoch schon für das Achtelfinale qualifiziert. In der Premier League sind die Blues Tabellenzweiter. Die Niederlage gegen Newcastle und das Remis gegen WBA zeigten einmal mehr, dass Mourinho noch an der besten ersten Elf bastelt. In der Abwehr überzeugen bisher die Routiniers John Terry und Branislav Ivanovic. Gary Cahill hat David Luiz den Rang abgelaufen. Davor wird es dann schon schwierig. Frank Lampard und Ramires spielen bisher solide. John Obi Mikel, Michael Essien oder Marco van Ginkel konnten nicht überzeugen und üben wenig Druck aus. In der hochkarätig besetzten Offensivabteilung will sich einfach keine Stammformation, die miteinander harmoniert, herausbilden. Oscar und Eden Hazard machen noch den besten Eindruck. Es bleibt dabei. Für Mourinhos Spiel, dass auf Physis, tiefes Stehen und Konter ausgerichtet ist, passen die vielen kleinen wendigen Techniker nicht. Das ist noch nicht meine Elf, wird der Portugiese hinter den Türen seinen „guten Freund“ Pep Guardiola zitieren.

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Platz 8 (7) Paris St. Germain

Pflichtspiel-Bilanz: 15-5-0
Ligue 1: Platz 1
Europa: CL-Gruppenphase (4 Siege – 1 Remis)

Paris St. Germain kann die Vorherrschaft in der Ligue 1 so langsam auch in Punkte gießen. Vier Zähler Vorsprung auf Lille, fünf auf Monaco und schon zehn auf Marseille. Die um 13 Tore bessere Tordifferenz zu den beiden ärgsten Verfolgern ist ein zusätzlicher Punkt. Kein Wunder, haben Les Parisien doch zwei der besten Stürmer Europas in ihren Reihen. Zlatan Ibrahimovic schoss bisher elf Ligatore und acht Champions League-Treffer. Edinson Cavani steuerte zehn Ligatore und drei CL-Treffer zu. Die Mannschaft von Coach Laurent Blanc ist neben der Roma das einzig ungeschlagene Team in unserer Rangliste. In der heimischen Liga ist die Messlatte allerdings nicht allzu hoch, in der Champions League waren Anderlecht, Benfica und Olympiakos auch keine wirklichen Gradmesser. Deshalb warten wir mit weiteren Lobpreisungen und anschließenden Konsequenzen in der Einstufung auf die großen Spiele der KO-Phase der Königsklasse.

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Platz 7 (12) Juventus

Pflichtspiel-Bilanz: 14-4-2
Serie A: Tabellenführer
Europa: CL-Gruppenphase (1 Sieg – 3 Remis – 1 Niederlage)

In der Oktober-Ausgabe gab es gute Gründe, Juventus aus den Top Ten zu werfen. So etwas lässt eine Alte Dame aber natürlich nicht auf sich sitzen. Juve gewann die letzten sechs Spiele in der Serie A ohne Gegentor und ist wieder Tabellenführer. In der Champions League kann Juventus mit einem Punktgewinn am letzten Spieltag bei Galatasaray das Achtelfinale perfekt machen. Wenn Fernando Llorente die Form der letzten Wochen bestätigen kann, bleiben die Italiener aufgrund des überragenden zentralen Mittelfelds (Vidal, Pirlo, Pogba) ein Kandidat für das Viertelfinale der Königsklasse. Pirlo (34) fällt nun allerdings aufgrund einer Knieverletzung aus, somit kann Trainer Antonio Conte aber schon mal für die Zeit nach Pirlo testen.

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Platz 6 (3) Borussia Dortmund

Pflichtspiel-Bilanz: 16-1-5
Bundesliga: 3. Platz
Europa: CL-Gruppenphase (3 Siege – 2 Niederlagen)

In der letzten Ausgabe schrieben wir von der Vorfreude auf das Spitzenspiel gegen den FC Bayern. Die wurde in den Tagen direkt davor durch den verletzungsbedingten Notstand in der Abwehr der Dortmunder getrübt. Der BVB verlor das Spiel gegen derzeit übermächtige Bayern jedoch nicht durch Abwehrfehler sondern wegen des bekannten Roten Fadens im schwarz-gelben Lager: die Chancenverwertung. Trotzdem blieben unter dem Strich drei Pleiten in Folge, die wenig mit Verletzungspech zu tun hatten. Die Antworten gelangen mit den 3:1-Erfolgen gegen Napoli und Mainz so kämpferisch wie überzeugend, Paul Breitner hält den BVB deshalb auch weiterhin für die zweitbeste Mannschaft der Welt. Die kommenden Wochen mit den Partien gegen Leverkusen und Marseille werden zeigen, wie viel Experte in Breitner steckt.

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Platz 5 (6) Atlético Madrid

Pflichtspiel-Bilanz: 18-4-1
Primera División: 2. Platz
Europa: CL-Gruppenphase (4 Siege – 1 Unentschieden)

Atlético ist ein Härtefall der aktuellen Europarangliste. Die Colchoneros sorgen mit ihrer Konstanz für ungläubiges Kopfschütteln im Gegen-den-Ball-Headquarter. Punktgleich mit Barcelona steht Atlético an der Spitze der Primera División, in der Champions League ist das Achtelfinale schon lange gebucht. Besonders beeindruckend ist das ausgewogene Verhältnis von Defensive und Offensive (Torverhältnis 53:12). Und trotzdem reicht es für das Team von Trainer Diego Simeone noch nicht für ganz oben, weil mit internationaler Erfahrung und Tiefe des Kaders letztlich schwer messbare Dinge gegen Atlético sprechen. Noch, mag der geneigte Spanien-Experte einwerfen.

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Platz 4 (10) FC Arsenal

Pflichtspiel-Bilanz: 17-1-4
Premier League: Tabellenführer
Europa: CL-Gruppenphase (4 Siege – 1 Niederlage)

Die Gunners haben erfolgreiche Wochen hinter sich und sind der Aufsteiger der Europarangliste. Die spielerischen Fortschritte haben wir schon in der letzten Ausgabe gewürdigt, die positive Bilanz in den Topspielen gegen Chelsea (Ligapokal, 0:2), Liverpool (2:0), Dortmund (1:0), Manchester United (0:1) und Southampton (2:0) haben die Zweifel an Arsenals Effizienz kleiner werden lassen. Die Schwäche im Team von Trainer Arsene Wenger bleibt die dünne Besetzung im Sturmzentrum, wo Olivier Giroud mit der alleinigen Verantwortung überfordert wirkt. Ob das treffsichere Mittelfeld (Ramsey, Wilshere) das die ganze Saison ausgleichen kann, müssen Giroud und Wenger noch beweisen.

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Platz 3 (4) Real Madrid

Pflichtspiel-Bilanz: 16-2-2
Primera División: 3. Platz
Europa: CL-Gruppenphase (4 Siege – 1 Unentschieden)

Madrids 4:1-Heimsieg gegen zum opfern bereite Galatasaray-Lämmer und das 4:0 in der Liga gegen Valladolid brachten Trainer Carlo Ancelotti eine extrem wichtige Erkenntnis: Reals Offensive funktioniert auch ohne Cristiano Ronaldo. Schon in den Spielen zuvor zeigte Real einen klaren Aufwärtstrend, in der Primera División gab es seit der Niederlage im Clasico fünf Siege mit einem Torverhältnis von 24:7. Nun muss Ancelotti in den kommenden Wochen in Abwesenheit des verletzten Sami Khedira (Kreuzbandriss) ein stabiles Duo im defensiven Mittelfeld finden. Gegen Gala ging die Stabilität mit Casemiro und Asier Illarramendi zeitweise verloren, auf Xabi Alonso kann Real noch nicht verzichten.

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Platz 2 (2) FC Barcelona

Pflichtspiel-Bilanz: 16-4-2
Primera División: 1. Platz
Europa: CL-Gruppenphase (3 Siege – 1 Remis – 1 Niederlage)

Kaum ist Lionel Messi verletzt, da verliert Barcelona zweimal. Die erste Saisonpleite setzte es gegen Ajax Amsterdam, die zweite in der Liga gegen Athletic Bilbao. Gegen Ajax fehlten allerdings sieben Stammspieler, dazu war man schon für das Achtelfinale qualifiziert. In der Liga ist man trotz der 0:1-Pleite, bei der Barca vor allem Torgefahr vermissen ließ, immer noch Tabellenerster – punktgleich mit Atlético Madrid. So schnell schreiben wir den starken Kader der Katalanen nicht ab und wer Platz 1 in der spanischen Liga und in der Champions League-Gruppe hält, der gehört in die Spitze dieser Rangliste.

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Platz 1 (1) FC Bayern

Pflichtspiel-Bilanz: 19-2-1
Bundesliga: 1. Platz
Europa: CL-Gruppenphase (5 Siege)

Bayern hat mit dem 28. Ligasieg in diesem Jahr die eigene Bestmarke von 2005 eingestellt. Die hohe Punktzahl der Bayern stellt einen weiteren Ligarekord dar, 38 Punkte nach 14 Spielen sind noch keiner Mannschaft zuvor gelungen. Der zehnte Champions League-Sieg in Serie macht auch die internationale Ausnahmestellung deutlich. Die Bayern sind die Nummer eins in Europa.

Super Mario schlägt The Big Lewandowski

Der FC Bayern sucht einen Maulwurf, der interne Dinge aus Mannschaftssitzungen an die Springer-Presse verraten haben soll. So gelangte auch ein Zitat von Trainer Pep Guardiola über Mario Mandzukic („Ich liebe diesen Spieler.“) an die Öffentlichkeit. Wenn die Bayern aber trotz ausgeplauderter Taktik beim großen Rivalen mit 3:0 gewinnen, dürfte die vermeintliche Affäre zum Sturm im Wasserglas werden.

Ein offenes Geheimnis ist der bevorstehende Wechsel von Robert Lewandowski nach München, Anfang Januar darf die Geheimniskrämerei endlich beendet werden. Reine Spekulation ist wiederum das Gerücht, dass Guardiola Lewandowski gar nicht in seinem Kader haben will – an bereits ausgehandelten Verträgen wird Gentleman Guardiola nicht rütteln. Aus sportlichen Gesichtspunkten ist es trotzdem ein interessantes Thema: Passt Lewandowski in Guardiolas System? Was passiert mit Mandzukic? Und wer ist im Vergleich eigentlich der bessere Stürmer? Ich habe in der Statistikanalyse Antworten gefunden:

Nebendarsteller in einem großen Spiel

Der eine hätte dem Topspiel auf extrem hohen Niveau schon nach drei Minuten eine andere Wendung geben können und war zudem der gewohnte Fixpunkt in der Dortmunder Offensive. Der andere vergab vor der Pause die einzigen beiden Torchancen der Bayern und fiel ansonsten durch eine Rangelei mit Kevin Großkreutz auf. Die Protagonisten beim letztlich zu deutlichen Sieg der Bayern in Dortmund hatten andere Namen.

Im direkten Duell sammelte Lewandowski etwas mehr Pluspunkte, schon allein, weil die Bayern erst richtig zu ihrem Spiel fanden, als Mandzukic ausgewechselt auf der Bank saß. Nicht sehr fair wäre die Schlussfolgerung, die Bayern wären ins Rollen gekommen, weil Mandzukic nicht mehr dabei war. Denn der Kroate machte ebenfalls ein gutes Spiel, seine Aufgaben im defensiven Umschaltspiel erledigte Mandzukic wie gewohnt mit großer Disziplin. Die laufintensive Arbeit der BVB-Spieler gegen den Ball zwang die Bayern zu vielen langen Bällen, die Mandzukic wegen der Ungenauigkeit der Pässe aber nur selten festmachen konnte. Der Stürmer war somit viel mehr Opfer denn Verursacher der ungenutzten Bayern-Dominanz der ersten Halbzeit.

Sein Gegenüber Lewandowski verbuchte nach der frühen Großchance keinen weiteren Torschuss, er zeigte in der 61. Minute aber alle Qualitäten, die ihn zu einem der besten Stürmer der Welt machen: Mit zwei Gegenspielern im Rücken holte Lewandowski einen hohen Pass herunter, drehte sich in Richtung Tor und spielte einen Traumpass auf Marco Reus, der letztlich von Jerome Boateng gestoppt wurde. Solche Szenen lassen den Schluss zu, Lewandowski würde jeder Mannschaft der Welt gut zu Gesicht stehen – auch dem FC Bayern. Seine Spielweise wirkt im Vergleich zu Mandzukic spektakulärer, technisch anspruchsvoller, kombinationssicherer. Ich widme mich aber mal den harten Fakten:

Mandzukic muss sich nicht verstecken

Auf den ersten Blick sprechen die statistischen Werte für Lewandowski. Der Pole erzielte in der Addition der letzten und dieser Saison in Bundesliga und Champions League mehr Tore (46:28), bereitete mehr Treffer vor (11:3), schoss deutlich häufiger aufs Tor (177:111), bereitete mehr Torschüsse seiner Mitspieler vor (80:52), spielte mehr tödliche Pässe in die Schnittstellen der Abwehrreihen (28:9) und entschied unverkennbar mehr Dribblings für sich (101:25).

Allerdings spielte Lewandowski in Dortmund auch wesentlich häufiger als Mandzukic, der sowohl unter Jupp Heynckes als auch unter Guardiola sowohl mit Bankplätzen als auch mit frühen Auswechslungen leben musste. Während Lewandowski beim BVB im Schnitt fast 86 Minuten auf dem Platz stand, kommt Mandzukic nur auf einen Wert von knapp 68 Minuten. Und schon verlieren Lewandowskis Werte an Wucht:

Robert Lewandowski spielt häufiger, deshalb klingen seine Quoten zunächst besser. Auf Minuten runtergebrochen, ist Mario Mandzukic aber ähnlich stark.
Robert Lewandowski spielt häufiger, deshalb klingen seine Quoten zunächst besser. Auf Minuten runtergebrochen, ist Mario Mandzukic aber ähnlich stark. (Quellen: bundesliga.de, whoscored.com und opta)

Deutlich besser ist Lewandowski immer noch bei Torvorlagen und Schnittstellenpässen, was seine spielerischen Vorteile gegenüber Mandzukic unterstreicht. Ob eine Torschussvorlage tatsächlich verwertet wird, liegt aber nicht nur in der Hand der beiden Angreifer. In der härtesten Stürmer-Währung, den Toren, liegen Lewandowski und Mandzukic dagegen nah beieinander, der Dortmunder trifft im Durchschnitt in etwa 14 Minuten früher – dafür aber auch eindimensionaler. Der BVB-Angreifer erzielte 32 seiner Tore mit rechts, zehn mit dem schwächeren linken Fuß und nur vier mit dem Kopf. Bei Mandzukic ist es etwas ausgeglichener, der Kroate traf elf Mal mit rechts, fünf Mal mit links und erzielte zwölf Kopfballtore.

Bemerkenswert ist dabei, dass Mandzukic unter Guardiola in Sachen Effizienz vor dem Tor wieder einen Schritt nach vorne gemacht hat. Unter Heynckes hatte er in der Bundesliga nach 13 Spielen zwar ein Tor mehr auf dem Konto (9), aber Guardiola lässt den Kroaten auch seltener spielen und in der Champions League hat Mandzukic seine Torbilanz der letzten Saison (3) mit den beiden Toren gegen Moskau und Pilsen fast schon erreicht. Trotz seiner Vorliebe für kleine und wendige Spieler weiß Guardiola, was er an Mandzukic hat: „Mario Mandzukic ist im Sechzehner der beste Spieler der Welt“, sagte der Spanier vor einigen Wochen. „Wenn wir den Ball da hin bekommen, ist er sehr, sehr stark.“

Zur Effizienz gehört auch der Wichtigkeit der Tore. In dieser Saison erzielte Mandzukic in Bundesliga und Champions League vier Führungs- und zwei Ausgleichstreffer, die den Bayern allesamt Siege und damit drei Punkte einbrachten. Lewandowski markierte seinerseits drei entscheidende Führungstore – als Entscheider liegt ebenfalls Mandzukic vorn.

Wenn Mandzukic häufiger spielen würde…

Für spielstarke Mannschaften wie Bayern und Dortmund ist die Wichtigkeit von Stürmern jedoch nicht nur an Torbeteiligungen zu erkennen. In beiden Teams werden die Angreifer ins Kombinationsspiel eingebunden, sie müssen Bälle verarbeiten können und ihrerseits gute Pässe schlagen. Wieder erwartete ich bei Lewandowski die besseren Werte – und wurde überrascht:

Beim Einfluss auf das Spiel ihrer jeweiligen Mannschaften liegen Robert Lewandowski und Mario Mandzukic sehr nah beieinander.
Beim Einfluss auf das Spiel ihrer jeweiligen Mannschaften liegen Robert Lewandowski und Mario Mandzukic sehr nah beieinander. (Quellen: bundesliga.de, whoscored.com)

Nach der Umrechnung der wichtigsten Werte (Ballkontakte, Pässe, Laufleistung) auf 90 Minuten liegen Lewandowski und Mandzukic nahezu gleichauf, Mandzukics Passquote (siehe unten) ist sogar etwas besser als die seines Konkurrenten. Fußballerische Qualität ist nicht messbar und auch wenn ich dabei bleibe, dass Lewandowski der bessere Fußballer ist, so kompensiert Mandzukic seine Defizite in bemerkenswerter Art und Weise.

Pirlos Albtraum

So wie ich bei Lewandowskis Vorarbeit für Marco Reus ins Schwärmen geraten bin, erinnere ich mich als Fußball-Liebhaber mit Glanz in den Augen an Mandzukics Leistungen gegen Juventus Turin in der letzten Champions League-Saison. Der Stürmer lief, grätschte, stellte Passwege zu und nahm so Juves Spielmacher Andrea Pirlo dessen Brillanz. Oder um es mit Daniel van Buyten auszudrücken: „Wenn ich sehe, wie Mario 20 Meter vor uns grätscht, würde ich am liebsten zu ihm laufen und ihm einen Kuss geben.“

Moderne Stürmer müssen auch verteidigen können und sich taktisch schlau verhalten, Mandzukic beherrscht diese Qualität nahezu perfekt. Wenig überraschend dominiert er Lewandowski dann auch in Sachen Zweikampfverhalten, Kopfballspiel und Tackling:

Die defensiven Qualitäten von Mario Mandzukic sind bekannt, hier schlägt er Robert Lewandowski deutlich.
Die defensiven Qualitäten von Mario Mandzukic sind bekannt, hier schlägt er Robert Lewandowski deutlich. (Quellen: bundesliga.de, whoscored.com)

Passt Lewandowski in Guardiolas Taktik?

Der Prozess ist nach eigenen Angaben noch lange nicht abgeschlossen, aber Guardiola hat das Spiel der Bayern mehr als nur in Nuancen verändert – und damit auch besser gemacht. Wenn der Bayern-Trainer auf den klassischen Mittelstürmer baut, nimmt Mandzukic auch eine Schlüsselrolle im Guardiola-System ein. Neben seinen defensiven Qualitäten muss er Räume für die offensiven Mittelfeldspieler schaffen, indem auf die Außen ausweicht oder sich ins Mittelfeld abkippen lässt. In nicht wenigen Spielen der Bayern ist die durchschnittliche Position von Mandzukic deutlich hinter den Flügelstürmern Arjen Robben und Franck Ribéry zu finden.

Wer vor der Saison dachte, Guardiola würde nur den Barcelona-Stil kopieren, sieht sich mittlerweile getäuscht. Anders als noch in seiner katalanischen Heimat will er flexibler auf Entwicklungen im Spiel reagieren können, die taktischen Umstellungen nach der Pause in Dortmund sind das ideale Beispiel für die nochmals gereiften Bayern. Und Mandzukic ist als mannschaftsdienlicher Stürmer, der nicht nur auf den eigenen Torerfolg aus ist, ein wesentlicher Bestandteil dieser Flexibilität.

In Sachen Lewandowski lauten die entscheidenden Fragen daher: Kann und will der Pole sein Spiel umstellen? Gibt er sich mit weniger Spielanteilen zufrieden? Ist er bereit, für den Mannschaftserfolg den für Torjäger typischen Egoismus in den Hintergrund rücken zu lassen? Als ständiger Dortmunder Beobachter habe ich Zweifel, auch wenn der charismatische Guardiola dafür der ideale Trainer zu sein scheint.

Stürmer-Luxus

Die beiden Ausnahme-Stürmer liefern sich in unserem Statistik-Battle ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Es wäre purer Luxus mit Mandzukic und Lewandowski in die kommende Spielzeit zu gehen. Insbesondere mit dem Wissen, wie selten Mandzukic schon in dieser Saison spielt, obwohl Claudio Pizarro aufgrund von Verletzungen keinen Druck ausüben kann. Die Gerüchte über eine Flucht Mandzukics werden spätestens ab Januar neue Blüten tragen. Für Mandzukic spricht, dass er die taktischen Vorgaben Guardiolas bereits kennt. Sollte Guardiola weiterhin zum Spiel mit einer falschen Neun tendieren, dann sind es andere Spieler, die dafür die besseren Voraussetzungen mitbringen als Lewandowski. Im direkten Duell auf dem Papier lässt sich auch kein klarer Vorteil für Lewandowski erkennen, deshalb lautet mein Fazit: Der FC Bayern braucht Robert Lewandowski nicht.

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