Das Märchen von der Wohlfühloase
Im letzten Heimspiel der Saison 2014/15 erreichte Schalke 04 durch einen 1:0-Sieg gegen Paderborn die Europa League. Nicht, dass das zu Jubel bei den Fans geführt hätte – die Anhänger, die in der ersten Hälfte einen Stimmungsboykott inszeniert hatten, steigerten nach dem Sieg ihre seit Wochen gewachsene Antipathie gegen die eigene Mannschaft sowie alle Verantwortlichen in der Sportlichen Leitung noch weiter und belagerten den VIP-Ausgang des Stadions wie nach einem Abstieg. Der tatsächliche Absteiger Paderborn wurde hingegen von den Schalkern gefeiert – vielleicht auch das ein Grund, dass der Club inzwischen den Trainer der Ostwestfalen als neuen Hoffnungsträger ansieht?
Die negative Bewertung der Schalker Leistungen war keine spontane Reaktion auf das Gesehene (der Stimmungsboykott war ja vor dem Spiel beschlossen worden). Wochen zuvor schon hatten die Fans ihrem Team immer wieder demonstrativ den Rücken zugedreht. Konkreter Auslöser mag die schlechte Leistung im Derby beim BVB gewesen sein, aber als zum ersten Mal das Transparent „VERSAGER!!!“ in der Arena auftauchte, betrug Schalkes Rückstand auf Platz drei noch zwei Punkte. Am Ende der Saison und nach Wochen der Anfeindungen waren es 18 Punkte.
30 Kilometer weiter östlich hätte es in dem ähnlich emotionalen und leidenschaftlichen Umfeld in Dortmund analoge Reaktionen geben können. Der BVB stand in der Winterpause mit 15 Punkten auf dem 17. Tabellenplatz. Die einstige Festung Westfalenstadion war mit drei Siegen und neun Toren in acht Heimspielen zu einem Selbstbedienungsladen geworden – und trotzdem gab es nur vereinzelte Unmutsäußerungen.
Für Experte Sascha Roolf, Redakteur beim BVB-Fanzine schwatzgelb.de, gibt es dafür zwei Gründe: Durch die Erfolge in den Jahren zuvor habe sich die Mannschaft bei den Fans viel Kredit erspielt, viel wichtiger sei aber Jürgen Klopp gewesen. „Kritik an der Mannschaft wäre auch immer Kritik an seiner Arbeit gewesen“, so Roolfs, „und diese Hemmschwelle war sehr hoch.“
Die sportliche Bilanz im Vergleich
Sieben Jahre war Klopp als Trainer bei der Borussia tätig. In dieser Zeit gewann der BVB zwei Meistertitel, ein Double und stand im Champions-League-Finale – während Schalke acht verschiedene Trainer beschäftigte.
Kontinuität schlägt Inkonstanz. So einfach könnte die Analyse sein. Bei genauerer Betrachtung der sportlichen Bilanz auf Schalke fällt diese Einschätzung nicht mehr so eindeutig aus. In den sieben Klopp-Jahren qualifizierten sich die beiden Klubs genauso häufig für die Champions League (viermal), die Knappen gewann immerhin auch einmal den DFB-Pokal (2011) und spielten nur in einer Saison nicht international.
Provokant gesagt, scheint Schalkes auf den ersten Blick kurzsichtige Personalpolitik gar nicht so katastrophal für die sportlichen Leistungen zu sein. Viele Experten sehen das aber viel kritischer: „Die Schalker Teams zwischen 1997 und 2007 hatten eine andere Klasse und Mentalität und waren meist erfolgreich“, schreibt Jean-Julien Beer im Kicker vom 9. Juli 2015. Das ist eine erstaunliche Aussage, wenn man bedenkt, dass die Teams seit 2007 im Schnitt erfolgreicher waren als ihre Vorgänger. Ist eine solche Bewertung also schlicht Ausdruck von „Früher war alles besser“-Nostalgie?
Etwas differenzierter sieht es Hassan Talib Haji, Schalke-Experte bei Goal und königsblaue Twitterstimme: „Wer diese Möglichkeiten hat und sich einen der kostspieligsten Lizenzspielerkader der Bundesliga erlauben kann, der muss in seiner sportlichen Entwicklung viel weiter sein, als es Schalke die letzten Jahre war und aktuell ist“, befindet er. Die Ansprüche seien also gewachsen seit der verklärten „Eurofighter“-Ära, als es noch reichte, mit Steinzeitfußball (Beer: „spektakuläre Spiele“) den UEFA-Cup zu gewinnen, um eine ganze Generation neuer Schalke-Fans heranzuzüchten.
Diesen Punkt macht auch unser eigener Schalke-Experte Michel Massing. Er konstatiert eine „Wir sind wieder da“-Mentalität, die Schalke in den 1990ern nach dem Wiederaufstieg aus der zweiten Liga getragen habe. Michel nennt zwei Gründe dafür, dass die Wahrnehmung in den letzten Jahren ins Negative gekippt sei. Einerseits habe die Bild-Zeitung nach der Demission Rudi Assauers dessen Revanchegelüsten gegenüber dem Verein jahrelang eine Plattform geboten, die den Eindruck, nun gehe es bergab, zementiert hätte.
Andererseits seien überhöhte Ansprüche (Meistertitel) etwa von Horst Heldt nicht relativiert, sondern sogar noch befeuert worden. Dieser „Rise and Fall“-Logik der Boulevardmedien gibt sich Horst Heldt bis heute immer wieder hin – worauf wir später noch zurückkommen. Wenn man sich ansieht, wie negativ die Stimmung rund um Schalke von Michel schon 2009 charakterisiert wurde, stellt sich tatsächlich die Frage, ob es nicht strukturelle Probleme gibt, die über die rein sportliche Bilanz hinausgehen. Und die so eventuell beim BVB nicht vorhanden sind, was die stark unterschiedliche Bewertung der beiden eigentlich so ähnlichen Clubs erklären könnte.
Strukturelle Unterschiede
Beim BVB herrschen grundsätzlich andere Verhältnisse, auch wenn es wie auf Schalke mit dem Trainer, Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc drei starke Männer gibt. 1999 wurde die Profiabteilung, damals noch unter Gerd Niebaum und Michael Meier, ausgegliedert und in eine GmbH & Co, KgaA überführt.
Ein Jahr später erfolgte der Börsengang, der den Klub als einzigen in Deutschland dazu zwingt, aktienkursrelevante Entscheidungen per Ad-hoc-Meldung bekannt zu geben. Dazu gehören Spielerkäufe wie -verkäufe, aber auch Klopps Entscheidung, den Verein zu verlassen. So herrscht mehr Transparenz für die Öffentlichkeit, es gibt aber auch kaum Möglichkeiten, Dinge zu verzögern.
Nimmt die Diskrepanz zwischen eingetragenem Verein auf der einen und ausgegliederter Profiabteilung auf der anderen Seite aber wirklich Einfluss auf das Narrativ eines Fußballclubs? Wir denken nicht – und vergleichen stattdessen die handelnden Personen:
Zur Dortmunder Identität gehörte in den vergangenen Jahren nach außen getragene Einigkeit in der Führungs-Troika. Ob Watzke, Zorc und Klopp darüber tatsächlich Freundschaften fürs Leben geschlossen haben, wie es in regelmäßigen Abständen dargestellt wurde, ist dabei unerheblich. Kritik war tabu. Gemessen an der professionellen Öffentlichkeitsarbeit hätte sich der Club auch in Eintracht Dortmund umbenennen können.
Wenn es Kritik oder Streitigkeiten gab, richteten sich diese nicht gegen Beteiligte des eigenen Clubs. Klopp wurde für Verbalattacken auf Schiedsrichter bestraft oder kanzelte Journalisten ab, Watzke stritt mit den Verantwortlichen des FC Bayern oder gerierte sich als Hüter der Traditionsvereine und Zorc bewegte sich etwas weniger profiliert zwischen diesen Themen.
Dieser Grundsatz wurde sogar eingehalten, als sich die Wege trennen mussten. Die Abschieds-Pressekonferenz von Jürgen Klopp hatte Soap-Opera-Charakter, letztlich fehlten nur noch Taschentücher. Zwischen den Zeilen war herauszuhören, dass des Trainers Rücktritt nicht ganz freiwillig passiert war. Die Dortmunder schafften es aber, diese Lesart nahezu vollständig aus der öffentlichen Wahrnehmung herauszuhalten. Ein auf Schalke undenkbarer Vorgang.
Um Konfliktlinien und Sollbruchstellen auf Schalke zu finden, braucht es keinen investigativen Journalismus. Die werden von den Akteuren regelmäßig ganz von alleine offen gelegt. Die jüngste Mitgliederversammlung bot in dieser Hinsicht erneut alles, was man von Schalke erwartet. Clemens Tönnies hielt an Horst Heldt fest, nicht ohne zu betonen: „Daran [an den Visionen für eine bessere Zukunft] wirst Du jetzt aber auch gemessen, Horst, das musst Du wissen“. Welche Funktion kann eine solche Aussage haben? Natürlich wird Heldt als Sportdirektor daran gemessen, dass er die gesteckten Ziele des Vereins erfüllt – wo wäre es anders? Die öffentliche Darstellung des wichtigsten Entscheiders im sportlichen Bereich als Angestellter als Abruf bringt darüberhinaus aber keine positiven Effekte – außer alle daran zu erinnern, dass Tönnies am Ende das Sagen hat.
Heldt wurde ein sogenannter „Sport-Beirat“ ehemaliger Schalke-Idole „zur Seite gestellt“, der aus Mike Büskens, Ebbe Sand und Huub Stevens besteht. Haben diese offensichtlich aus primär emotionalen Gründen ausgewählten Personen ein Interesse daran, ruhig im Hintergrund zu arbeiten? Oder sind hier nicht vielmehr weitere Anreize geschaffen worden, dass Entscheidungsträger sich gegeneinander profilieren? Auf der gleichen Jahreshauptversammlung verkündete Heldt „einen Verhaltenskodex für die Profis“, „in mehreren Sprachen und 15 Seiten dick“. Der Kicker zitiert Heldt: „Die Diskussion über eine Wohlfühloase hat mich am meisten angekotzt“.
Dass solche Aussagen von der Vereinsbasis bejubelt werden, sollte nicht zu dem Fehlschluss verleiten, hier handele es sich um sinnvolle, konstruktive Maßnahmen zur Verbesserung des sportlichen Erfolgs. Die mediale Wahrnehmung von vermeintlichen charakterlichen Defiziten in der Schalker Mannschaft gibt es seit mindestens zehn Jahren, in dieser Hinsicht der Situation in Hamburg nicht unähnlich. Heldt sieht sie nach eigenen Worten als größtes Problem an. Aber ihm fällt nichts Besseres ein, als der Stimmung im Nachhinein Recht zu geben, indem der Mannschaft ein öffentliches Misstrauensvotum zugestellt wird. Die Profis, von den eigenen Fans angefeindet, werden nun auch noch von ihrem Arbeitgeber gemaßregelt. Dass ein Verhaltenskodex im Prinzip für einen großen Proficlub selbstverständlich ist, soll damit nicht bestritten werden. Das ließe sich aber auch wunderbar intern regeln. Es geht auf Schalke vielmehr darum, die Sympathie der Öffentlichkeit auf sich ziehen zu wollen, indem man sich gegen andere wichtige Akteure des Vereins stellt, mit denen man eigentlich zusammenarbeiten sollte.
Man geht wohl nicht zu weit, in den beschriebenen Äußerungen ein System zu erkennen. Ist es das System Schalke? Oder ist es einfach nur das System Tönnies? Denken wir an das Ende der Ära Felix Magath in Gelsenkirchen zurück. Der ehemalige Meistertrainer führte Schalke zur Vizemeisterschaft und ins Viertelfinale der Champions League. Aber als Magath nach nicht einmal zwei Jahren im März 2011 gehen musste, war sein Verhältnis mit den Fans und der Mannschaft größtenteils zerrüttet. Der Entlassung ging ein Protest des Teams bei Tönnies voraus. Der wiederum hatte zuvor schon Horst Heldt in den Vorstand geholt. Der kam mit Magath auch nicht klar, stand aber schon als dessen Nachfolger als Sportdirektor bereit, als es zur Trennung kam.
Seit 2001 ist Tönnies Aufsichtsratsvorsitzender bei Schalke. Seitdem gab es zwölf Cheftrainer, Interimslösungen nicht mitgerechnet. Seit 2002 wurden alle Coaches während einer laufenden Saison entlassen. Kein einziger Cheftrainer unter Tönnies arbeitet heute noch aktiv bei einem Erstligisten irgendwo in Europa. Immer wurde verbrannte Erde hinterlassen. Das System war dabei, wie wir gezeigt haben, nicht einmal besonders erfolglos. Die durchschnittlichen Tabellenpositionen können sich durchaus sehen lassen. Die Chance, langfristig etwas aufzubauen, das den finanziellen Rahmenbedingungen nicht nur entspricht, sondern sie zumindest kurzzeitig übertrifft – etwas, was der BVB also in den besten Jahren unter Klopp geschafft hat – das ist auf Schalke fast undenkbar.
Die „Teile und herrsche“-Mentalität von Tönnies hat als Kollateralschaden zudem die Stimmung im und um den Verein so nachhaltig vergiftet, dass die Leistungen des Teams permanent schlechter wahrgenommen werden, als sie tatsächlich sind. Das haben wir in unserem Text über Narrative im Fußball schon am Beispiel der Kicker-Noten des Clubs gezeigt: Mit nur einer Ausnahme lag Schalke seit 2003 in der Notentabelle des Magazins stets schlechter als in der Realität – in der aktuellen Saison genau auf einem Niveau mit Absteiger Freiburg.
Und jetzt?
Nun gehen die beiden Clubs unter ähnlichen Voraussetzungen in die kommende Saison. Neue Trainer, Europa- statt Champions League, in der Bundesliga Herausforderer der etwas enteilten Konkurrenten Wolfsburg, Mönchengladbach und Leverkusen.
Doch selbst jetzt sorgt das Narrativ für unterschiedliche Wahrnehmungen. Beim BVB heuerte mit Thomas Tuchel ein vielfach umworbenes Trainertalent an, das in fünf Jahren beim FSV Mainz stets sehr viel aus den bescheidenen Möglichkeiten gemacht hat. Trotzdem herrscht in Dortmund keine Euphorie, was auch an der extremen Popularität seines Vorgängers Klopp liegen mag. Gündogan, Immobile, verhaltener Umbruch – es gab und gibt genügend Themen rund um den Borsigplatz. Tuchel kann dabei vorerst in aller Ruhe arbeiten.
Anders auf Schalke, wo mit André Breitenreiter die dritte Trainer-Wahl verpflichtet wurde. Trotzdem schaffen es Heldt, einzelne Spieler, die Medien und die davon leicht anzusteckenden Fans, eine Aufbruchstimmung zu erzeugen – oder zumindest davon zu erzählen.
Statt Breitenreiter – der in seinem einzigen Bundesliga-Jahr mit Paderborn genau das erreicht hatte, was allgemein erwartet wurde: Platz 18 – in Ruhe arbeiten zu lassen, wird ihm der Druck eines Heilsbringers aufgebürdet. Völlig ohne Not.
Breitenreiter ist ein guter Trainer, davon sind wir auch überzeugt. Die Fallhöhe ist aber sehr hoch. Warum sollte der Di-Matteo-Nachfolger nach drei Niederlagen oder schlechten Leistungen in Ruhe weiterarbeiten dürfen? Warum sollte das brüchige Umfeld die erste Krise in Demut ertragen? Weil Breitenreiter bodenständig ist? Weil er „die Sprache der Spieler“ spricht?
Wir wissen nicht, ob Thomas Tuchel in Dortmund Erfolg hat. Genauer: Wir wissen nicht, wie viel Erfolg er haben wird und ob das auf Dauer genügt dafür, dass der BVB weiter so reibungslos funktioniert und ein so positives Image transportieren kann. Wir wissen aber, dass André Breitenreiter eine wahre Herkulesaufgabe vor sich hat, wenn er der erste Schalker Coach überhaupt werden will, der sich unter Clemens Tönnies zwei Jahre im Amt hält. Alle Fallstricke sind jedenfalls schon gelegt.
Von Marcus Krämer und Daniel Raecke
Auffallender Unterschied bei Dortmund und Schalke sind für mich vorallem die Jahre vor 2011, vor den Meistertiteln Dortmunds… Da war der neue Trainer eben nicht gleich in der Kritik, als er zweimal hintereinander die Champiounsleague verpasst hatte.
Und der Trainer, die Mannschaft und der BVB wurden mit der Saison 2011 belohnt.
In Schalke kaum vorstellbar…
Da wird lieber ein Jens Keller für den vermeintlich tolleren Trainernamen DiMatteo ausgetauscht, anstatt, wenn man sich schon dafür entschieden hat, kein Vertrauen mehr in Keller zu setzen, einen Vorvertrag mit Tuchel zu machen, bzw. ihn aus dem Mainzer Vertrag rauszukaufen… (Wäre immernoch billiger gewesen als das Di Matteo- Intermezzo)
Und damit hätte man die gleichen Voraussetzungen geschaffen wie 2008 Dortmund mit Klopp. Mit Tuchel hätte man dann einen Trainer, der schon über Jahre sein Potential gezeigt hat, um mit den finanziellen Mitteln von Schalke mittelfristig eine große Mannschaft zu formen.
Jetzt erwartet man von einem Breitenreiter, der im Prinzip viel weniger Trainerfähigkeiten bewiesen hat als eigentlich fast alle anderen Trainer in der Bundesliga, dass er jetzt die Schalker an die Spitze in der Liga und in der Europaleague trägt, und zwar am besten in dieser Saison, weil ja die letzte eh schon so schlecht war…
Natürlich kann man auch viel Glück haben und der Plan geht auf.
Wahrscheinlicher ist aber die nächste Bruchlandung, bei der wohl erstmal der eh schon angezählte Heldt dran glauben wird, und mit diesem Erbe beladen, spätestens am Ende der Saison auch Breitenreiter, wenn er wie Klopp in seinem ersten Jahr bei Dortmund, nur den 6. Platz einfährt…
Wunderbare Analyse!
Ähnlich verhielt es sich auch mit dem kleinen Nachbarsverein aus Bochum, als die den Trainer Koller auf Platz 8. der ersten Bundesliga rausgeschickt haben, nur weil die Fans sich nicht mit ihm identifizieren konnten.
Ich vermute immer wieder mal das die Fans der Ruhrgebietsvereine schwerer erziehbar sind was die Professionalität der Berufsausübung der Entscheider angeht. Bestes Beispiel bleibt Magath, der Schalke zu einem Durchlaufverein für Spieler gemacht hat in dem er in seiner kurzen Zeit dort fast die komplette Mannschaft ausgewechselt hat.Und noch kurz vor dem aktuellen CL Finale erklärt er noch im TV das es sinnvoll war Spieler wie Rakitic zu verkaufen. Trotzdem war er im eigentlichen Soll seiner Herculesaufgabe Meister zu werden und die Finanzen seines Vereins zu verbessern. Aber er hat keine Identität mit den Fans erzeugen können.
Das ist der entscheidende Unterschied zum Bvb, wie hier treffend analysiert. Hier wird aus den Faktor Identität, auch wenn manchmal sehr künstlich wirkend von echter liebe erzählt wird, direkt mit dem Verein verknüpft, und nicht mit der Tabellenplatzierung oder dem aktuellen Kader. Das Gegenteil ist der Fehler den Tönnies macht.
Desweiteren wird in Dortmund im Gegensatz zum Nachbarsverein arbeitsteilig versucht den Verein nach vorne zu bringen. Denn ich gehe stark davon aus das Heldt nicht dafür verantwortlich war das ihm Spieler wie boateng und Trainer wie di matteo vorgesetzt worden sind, denn Heldts Spar- und Jugendkonzept ging mit Keller eigentlich auf.
Reaktionäre Schnellentscheidungen bei diesen Finanzen und in dieser Erwartungshaltung des Umfeldes sind nicht das was man von einem Vereinsboss fordert. Und trotzdem lenkt er die Schuld der Misere auf Heldt in dem Tönnies stets von einer Stärkung seines Rückens absieht, und der wohl auch nach Schalke nie wieder einen Verein führen wird.
… ist falsch. Mirko Slomka war unter Clemens Tönnies zwei Jahre im Amt. 830 Tage, um genau zu sein (04.01.2006 – 13.04.2008). Aber das ist natürlich nur eine Kleinigkeit.
Ansonsten finde ich die Schalker Situtation sehr gut beschrieben. Ich finde nur, dass es alleine hätte stehen sollen. Der Vergleich mit dem BVB hinkt, ist umpassend und deshalb sehr unnötig.
Warum unpassend?
Zum Zeitpunkt der Übernahme Klopps war der BVB in einer sehr besondere Situation, die sich nicht mit der des FC Schalke damals (oder auch danach irgendwann) vergleichen lässt. Als Klopp den BVB übernahm ging es mit dem Club zuvor 5 Jahre in Folge abwärts. Dabei entließen sie 4 Trainer (Sammer, Van Marwijk, Röber, Doll). Dazu stand der Club einen Zentimeter vor dem Exitus, den Fans ging der Arsch tatsächlich richtig auf Grundeis.
Der BVB und deren Fans waren mit Klopp nicht „geduldig“ weil sie so wahnsinnig anders sind als andere oder auch nur als Schalker. Es ging mit Klopp einfach von ganz unten immer ein Stückchen weiter nach oben, und es „durfte langsam sein“, weil es alle „Plus“ war, weil es damals keinen Erfolgsdruck gab.
Wie geduldig der BVB und seine Fans zukünftig bei Misserfolg sein werden bleibt abzuwarten.
Soweit stimmige Analyse, aber der vorletzte Satz ist nicht korrekt. Breitenreiter wäre nicht der erste Trainer, der sich unter Tönnies zwei Jahre im Amt hält. Mirko Slomka war vom 04.01.2006 bis zum 13.04.2008 Trainer auf Schalke. Das sind mehr als zwei Jahre. Wenn auch nicht komplette zwei Spielzeiten, sondern eine halbe, eine ganze und eine dreiviertel Saison.
Was mit Keller gemacht wurde, war Wahnsinn. Das Anspruchsdenken auf Schalke ist so fernab der Realität, dass man (Jens Keller) nicht einmal mit Erfolg für Zufriedenheit und Jobsicherheit sorgen kann. Für viel Geld wurde anschließend die Gier nach großen Namen befriedigt, nur um ein halbes Jahr später mit dem kleinen Namen Breitenreiter als Notlösung ins Rennen zu gehen. Hoffentlich übersteht der Gute seine Zeit auf Schalke, ohne sich damit die Karriere zu zerstören.